Volltext : Otto, Johann Friedrich Wilhelm: System einer allgemeinen Hydrographie des Erdbodens

Temperatur  des  Meerwassers.
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zu  dem  Grade  erkaltet  ist,  wo  die  oben  gedachte  innere  Bewegung ¬
  aufzuhören  pflegt.  Denn  obgleich  die  oberen  Theilchen ¬
  beim  fernern  Erkalten  nicht  mehr  herabzusinken  streben,
und  deshalb  zum  Gefrieren  geneigt  sind,  so  besitzen  sie  doch
noch  freie  Wärme,  die  ihnen  entzogen  werden  muß,  ehe  die
Eisbildung  anfängt.  Da  nun  die  Störung  des  Wassers
durch  den  Wind  kein  Theilchen  lange  genung  mit  der  kalten
Luft  in  Berührung  läßt,  um  ihr  auf  einmal  diese  Wärme
abtreten  zu  können,  so  kommt  es  nicht  sobald  zum  Gefrieren. ¬
  Das  Wasser  verliert  jedoch  in  diesem  Falle  eine  große
Quantität  Wärme,  und  zwar  bei  dem  Winde  mehr,  als  in
stiller  Luft,  und  daher  entsteht,  sobald  der  Wind  aufhört,
und  die  Kälte  noch  anhält,  das  Eis  desto  schneller.
Da  das  Produkt  des  Meereises  süßes  Wasser  ist,  so
sind  verschiedene  Naturforscher  dadurch  verleitet  worden,  zu
glauben,  daß  das  Meerwasser  nicht  gefrieren  könne:  denn
sie  setzen  zum  voraus,  daß  es  mit  Inbegriff  seiner  fremdartigen ¬
  Stoffe  sich  in  Eis  verwandele,  folglich  ein  salziges
Wasser  liefern  müsse.  Dergleichen  salziges  Eis  will  nun
Cranz  *)  wirklich  gefunden  haben,  und  er  behauptet  ausdrücklich, ¬
  daß,  wenigstens  die  flächeren  Stücke,  woraus  die
Eisfelder  der  nordischen  Meere  bestehen,  Salzwasser  enthielten. =
  Forster  nahm  daher  Veranlassung,  auf  seinen  Reisen ¬
  das  Meereis  allerlei  Art  zu  untersuchen,  es  mogte  flach
seyn,  oder  aus  Klumpen  bestehen:  er  bekam  aber  jedesmal
süßes  Wasser,  woraus  er  mit  Recht  folgert,  daß  sich  entweder =
  von  einer  Halbkugel  der  Erde  auf  die  andere  nicht
schließen  lasse  —  wozu  jedoch  kein  Grund  vorhanden  ist
oder  daß  Cranz  sich  geirrt  haben  müsse.  Wahrscheinlich
hat  er  seine  Beobachtungen  an  schwammigtem  Eise  gemacht,
dem  äußerlich  Salztheile  anhingen,  welche  in  seine  Zwischenräume ¬
  eingedrungen  waren.
)  Gesch.  von  Grönland.
            
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