Volltext : Otto, Johann Friedrich Wilhelm: System einer allgemeinen Hydrographie des Erdbodens

407
Geschmack  des  Meerwassers.
länger,  als  diejenigen,  die  sich  desselben  nicht  bedienten,  und
jene  retteten  dadurch  ihr  Leben  *).
Die  Erfahrung  hat  gelehrt,  daß  das  Meerwasser,  seines
widrigen  und  ekelhaften  Geschmacks  ungeachtet,  gleichwohl
heilsame  und  nährende  Stoffe  enthalte;  die  Patagonischen
Pferde  trinken  es  2).  In  England  wird  dasselbe  scorbutischen ¬
  Personen,  und  solchen,  die  von  tollen  Hunden  gebissen ¬
  worden  sind,  mit  Nutzen  zum  Trinken  und  Baden  verordnet: ¬
  auch  soll  einst  ein  Seefahrer,  als  er  im  Ostindischen ¬
  Meere  auf  eine  Insel  verschlagen  wurde,  der  es  an
Quellen  gebrach,  durch  den  Genuß  dieses  Wassers  in  kurzer
Zeit  von  der  Wassersucht  geheilet  worden  seyn  3).  Mad.
Dacier  führt  aus  einem  Scholiasten  des  Aristophanes
an,  daß  die  Griechen  gewohnt  gewesen  wären,  in  ihre
Weine  Meerwasser  zu  gießen,  um  sie  dadurch  vor  dem  Verderben ¬
  zu  schützen.
Man  glaubt  insgemein,  daß  das  Meeressalz  dazu  diene,
das  Wasser  vor  der  Fäulniß  zu  bewahren:  allein  neuere  Erfahrungen ¬
  haben  gezeigt,  daß  die  Körper  in  dem  Meerwasser ¬
  eben  so  geschwind  faulen,  als  im  süßen.  Man  kann
vielmehr  die  Salzigkeit,  nebst  den  Mischungen  seiner  übrigen
Bestandtheile,  als  eine  Ursach  ansehen,  welche  die  Fäulniß
des  Wassers  eher  befördert,  als  hindert.  Man  weiß,  daß
vieles  Salz  in  wenig  Wasser  die  Fäulniß  zurück  hält,  wenig
Salz  aber  in  vielem  Wasser  sie  beschleunigt.  Boyle  nahm
eine  Menge  Seewasser  an  der  Engländischen  Küste,  und
setzte  es  frei  hin,  da  es  denn  anfing,  nach  einigen  Wochen
einen  fauligten  Geruch  um  sich  her  zu  verbreiten.  Es  ist
vielmehr  gewiß,  daß  die  Bewegung  des  Meeres  durch
1)  Mösers  patriotische  Phantassen.  2  Th.  S.  367.
2)  Hawkesworth  Gesch.  1  Th.,
3)  Lond.  Magaz.  1746.  p.  42.
            
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.

powered by Goobi viewer