Volltext : Otto, Johann Friedrich Wilhelm: System einer allgemeinen Hydrographie des Erdbodens

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Ufer  des  Meeres.
Die  Norwegischen  Ufer  sind  fast  durchgängig  steil:  ja
an  mehreren  Orten  überhangend,  und  das  Meer  dicht  an
diesen  Klippen  ein  bis  vierhundert  Klafter  tief;  auf  den
langen  und  unebenen  Sandbänken  dagegen  der  Grund  seicht.
Die  Schwedischen  Küsten  sind  mit  einer  unzählbaren  Menge
Klippen,  welche  Scheeren  (Skären)  genannt  werden,  eingefaßt, ¬
  welche  das  Anlanden  gefährlich  machen.  Diese  Klippen ¬
  und  Inseln  sind  von  verschiedener  Größe,  liegen  nahe
bei  einander,  und  letztere  sind  zum  Theil  bewohnt.  Die
Küste  von  Grönland  besteht  aus  lauter  spitzigen  und  hohen
Felsen  auf  beiden  Seiten.  Island  ist  überall,  so  wie  auch
Spitzbergen  und  Nova  Zemlja,  ein  hohes,  felsigtes  Land.
Die  Gestade  von  Holland  sind  überaus  niedrig  und
flach,  und  sie  erscheinen  beinahe  niedriger,  als  das  Meer.
Sie  sind  also  als  ein  Meisterstück  der  Kunst  anzusehn.  Hier
giebt  es  eigentlich  kein  Feld,  sondern  alles  ist  Sumpf,  von
dem  der  gröste  Theil  als  Wiese  erscheint.  Vor  demselben
befinden  sich  Bänke,  die  aus  Schlamm  und  Thon  bestehen,
aber  mit  Sande  bedeckt  sind.  Zwischen  diesen  und  dem
Lande  liegen  jene  Dünen,  eine  Schutzwehr  desselben  gegen
die  Meereswogen.  Sie  sind  von  abwechselnder  Höhe  von
etwa  30  bis  50  Fuß,  und  bald  breiter,  bald  schmäler.  Die
erhabensten  sieht  man  an  der  Küste  des  Kennemer  Landes,
bei  s  Gravesand,  Sandvoort,  Patten  und  Egmont.  Die  bei
Schevelingen,  Kattwyk  und  Nordwyk  sind  zwar  nicht  so
hoch,  aber  sehr  stark  mit  Dünenpflanzen  und  anderem  dichten ¬
  Gesträuche  bewachsen,  wodurch  sie  einen  gewissen  Grad
der  Festigkeit  bekommen.  Zwischen  dieser  Dünenkette  und
dem  Lande  liegt  der  flache  Strand  in  einer  abwechselnden
Breite.  Die  Dünen,  so  wie  der  Strand,  sind  dem  stürmischen ¬
  Meere  ausgesetzt,  welches  daher  oft  Theile  von
ihnen  wegschwemmt:  ja  bei  hohen  Fluthen  geschieht  es
nicht  selten,  daß  ganze  Dünen  weggerissen  werden
            
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