Volltext : Otto, Johann Friedrich Wilhelm: System einer allgemeinen Hydrographie des Erdbodens

Grund  und  Boden  des  Meeres.
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schiefen  Linie  vom  Fahrzeuge,  indem  es  von  seiner  senkrechten ¬
  Richtung  abweicht.  So  wird  es  denn  vom  Schiffe  fortgeschleppt, ¬
  und  der  Seemann  glaubt  keinen  Grund  da  finden ¬
  zu  können,  wo  er  ihn  wohl  würde  angetroffen  haben,
wenn  das  Blei  tiefer  gesunken  wäre.  Auch  geschieht  es,
daß  das  Loth  in  noch  mäßigen  Tiefen  durch  untere  Strôme
fortgerissen,  und  dadurch  verhindert  wird,  auf  den  Boden
zu  kommen  *).  Daher  entstehen  unstreitig  die  vielen  Schiffernachrichten ¬
  von  den  unergründlichen  Stellen  im  Oceane,
welche  man  insgemein  für  solche  ausgiebt,  wo  das  Wasser
durch  Schlünde  in  das  Innere  der  Erde  dringen  soll,  um
entfernte  Meere  in  einer  unterirdischen  Gemeinschaft  zu  erhalten. ¬
  Sobald  man  richtigere  Proben  erfinden  wird,  so
möchten  wohl  die  wenigsten  Stellen  von  einer  solchen  Tiefe
übrig  bleiben.  Büffon  schlägt  zwar  vor,  man  solle  zur
Ergründung  der  großen  Tiefen  sich  einer  Kette  von  Eisen,
oder  einer  andern  Materie  bedienen,  welche  schwerer  ist,  als
das  Wasser.  Hier  könnte  man  zwar  das  anzuhängende  Gewicht ¬
  ersparen,  aber  wie  schwer  würde  wohl  eine  noch  so
schwache  Kette  seyn,  wenn  man  damit  auf  zwei  bis  dreihundert ¬
  Klafter  Tiefe  reichen  wollte?  Wie  wenig  wären  sie
zu  regieren,  und  was  für  einen  Raum  würde  sie  im  Schiffe
einnehmen?
Es  lassen  sich  also  überhaupt  durch  das  Senkblei  nur
geringe  Tiefen  mit  Sicherheit  heraus  bringen,  und  soll  dies
geschehen,  so  muß  dabei  das  Meer  ganz  ruhig,  das  Schiff
unbewegt  und  von  Strömen  frei  seyn.  Dies  ist  nur  selten
*)  Die  Seeströme  machen  beim  Sondiren  mit  dem  Wurfblei  die  Hauptschwierigkeit: ¬
  denn  es  ist  fast  keine  Gegend  im  Meere,  wo  sie  nicht  in
gewissen  Tiefen  mehr  oder  weniger  stark  anzutreffen  wären.  Von  ihnen
wurde  Marsili  bei  seiner  Tiefenmessung  im  griechischen  Meere  am
meisten  gehindert,  indem  er  ihrer  bisweilen  drei  über  einander  antraf
die  in  ganz  widriger  Richtung  liefen.
            
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