Full text : Otto, Johann Friedrich Wilhelm: System einer allgemeinen Hydrographie des Erdbodens

Von  dem  Weltmeere  überhaupt,  seiner  Größe  rc.  329
und  demselben  Meere  Landvermehrung  und  höherer  Wasserstand ¬
  zugleich  wahrgenommen  wird,  wie  das  besonders  bei
dem  mittelländischen  Meere  der  Fall  ist.  Es  scheint  jedoch,
daß  die  Beschaffenheit  der  Ufer  hierzu  Veranlassung  giebt.
Erhöhungen  des  Meeresbodens  werden  nur  da  statt  finden
können,  wo  die  Ufer  flach  und  niedrig  sind.  Hier  kann  das
Wasser  seine  fremden  Theile  ruhiger  absetzen,  als  an  den
hohen  Küsten,  wo  es  tiefer  und  ungestümer  ist.  Dadurch
nun,  daß  das  Wasser  auf  der  einen  Seite  weggedrängt
wird,  muß  es  an  einer  andern  steigen.
Es  ist  hiebei  zu  merken,  daß  das  Wasser  eines  Meeres
wohl  abnehmen  kann,  ohne  zugleich  an  seiner  Oberfläche  zu
sinken:  so  kann  auch  die  Größe  der  Wasserverminderung  aus
dem  Sinken  der  Oberfläche  allein  nicht  geschlossen  werden.
Es  sey  C.  B.  D.  (Fig.  1.)  der  Meeresgrund,  in  welchem
das  Wasser  nach  einem  gewissen  Abnahme=Gesetz,  an  einer
unbeweglichen  Klippe  A.  B.  von  C.  nach  E.  fallen  sollte:
daß  aber  während  solcher  Zeit  der  Boden  des  Meeres  durch
dasjenige,  was  die  Flüsse  absetzen,  oder  andere  Ausfüllungen ¬
  dergestalt  erhöhet  werde,  daß  C.  B.  D.  F.  G.  L.  mit
C.  H.  A.  D.  gleich  werden,  so  muß  die  Fläche  des  Wassers
bei  C.  stehen  bleiben.  Dies  kann  nun  an  vielen  Orten  statt
finden.  Die  Flüsse  führen  jährlich  eine  große  Menge  erdiger
Theile  ins  Meer,  und  es  wird  von  Zeit  zu  Zeit  eine  unbeschreibliche ¬
  Menge  Schaalengehäuse,  Korallen  u.  s.  w.  auf
dem  Boden  abgesetzt.
Wo  lassen  nun  die  Vertheidiger  der  Wasserverminderung ¬
  die  Theile  des  Wassers,  welche  für  den  Erdboden  verloren ¬
  gehen?  Einige  glauben,  daß  die  Wassertheile,  indem
sie  durch  die  Ausdünstung  emporsteigen,  endlich  die  höchsten
Stellen  der  Atmosphäre  erreichten,  und  von  da  in  die  Atmosphären ¬
  anderer  Weltkörper  übergingen:  andere  nehmen
eine  Verwandelung  des  Wassers  in  feste  Theile  an  ).
*)  S.  oben  S.  48.  F.
            
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