Full text : Otto, Johann Friedrich Wilhelm: System einer allgemeinen Hydrographie des Erdbodens

Von  dem  Weltmeere  überhaupt,  seiner  Größe  rc.  513
man,  dieser  Berg  sey  zweihundert  Klafter  höher  als  jener,
weil  das  stille  Meer  mit  dem  Atlantischen  Meere  zusammenhängt, ¬
  und  also  die  Höhe  beider  Meere  nur  um  eine  Kleinigkeit ¬
  verschieden  seyn  kann.
Nach  Picard's  Bestimmung  beträgt  die  Höhe  der  Pariser ¬
  Sternwarte  über  die  Fläche  des  mittelländischen  Meeres ¬
  acht  und  vierzig  Klafter,  und  über  den  Spiegel  des  Atlantischen ¬
  Oceans  sechs  und  vierzig  Klafter.  Sie  ist  also  bei
beiden  fast  gleich,  da  der  Unterschied  von  zwei  Klaftern  hier
nicht  in  Betrachtung  kommen  kann.  Ulloa  fand  bei  allen
Beobachtungen,  die  er  an  mehreren  Stellen  in  Amerika  gemacht ¬
  hatte,  daß  der  Stand  des  Quecksilbers  im  Barometer
27  Zoll  11½  Linien  war.  Da  nun  an  den  meisten  Küsten
Europens  die  Höhe  des  Merkurius  28  Zolle  beträgt;  so  folgert ¬
  er  daraus  mit  Recht,  daß  die  Oberfläche  des  Meeres
fast  überall  von  gleicher  Höhe  seyn  müsse,  und  daß  man  zu
Panama  und  Portobello  ohne  Grund  zweifele,  daß  das  Atlantische ¬
  mit  dem  stillen  Meere  einerlei  Höhe  habe  *).
Der  Ocean  ist  auch  in  der  weitesten  Entfernung  vom
Lande  nicht  höher,  als  der  trockene  Theil  der  Erde:  beide
zusammen  bilden  vielmehr  eine  Fläche  von  fast  gleicher  Höhe.
So  wie  aber  auf  der  einen  Seite  die  Berge  hievon  etwas
abweichen,  so  giebt  es  auch  Gestade,  die  wenigstens  zu  gewissen ¬
  Zeiten  niedriger  sind,  als  die  Fläche  des  Meeres,  welches ¬
  sie  benetzt,  und  daher  durch  Dämme  in  Sicherheit  gesetzt ¬
  werden  müssen,  wie  z.  B.  die  Küsten  Hollands.
Wenn  man  auf  einem  erhabenen  Orte  steht,  und  von
da  aus  ins  weite  Meer  blickt,  so  scheint  dieses  sich  je  weiter
je  mehr  zu  erheben,  bis  es  zuletzt  mit  dem  Auge  in  einer
Linie  gesehen  wird.  Hier  liegt  aber  eine  Täuschung  zum
»  Voyage  historique  de  l'Amerique  par  D.  George  Juan  et  D.
Antoine  de  Ulloa  à  Amst.  et  Leipzig  1752.  4.  Relation  d’un
voyage  fait  en  Amerique  par  Mr.  de  la  Condámine.  Mémoires ¬
  de  l'Acad.  à  Taris  1746,
            
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