Volltext : Otto, Johann Friedrich Wilhelm: System einer allgemeinen Hydrographie des Erdbodens

268.
Vierte  Abth.  Zweiter  Abschnitt.
Einige  Seen  haben  salziges  Wasser,  ob  sie  gleich  sichtbar ¬
  keine  andere  Zuflüsse  haben,  als  von  süßem  Wasser.
Der  Jamuscha  in  Siberien  hat  ein  salziges  Wasser,  welches ¬
  auf  seiner  Oberfläche  ganz  roth  erscheint,  wenn  die
Sonnenstralen  darauf  fallen.  Der  See  Kirze  soll  an  einem
Ufer  salziges  und  am  andern  süßes  Wasser  haben.  Was
aber  von  einem  See  in  Mexiko  berichtet  wird,  daß  er  sowohl ¬
  salziges  als  auch  süßes  Wasser  neben  einander  habe,
und  zwar  so,  daß  jedes  einige  Quadratmeilen  einnehme,  bedarf ¬
  noch  einer  genauern  Untersuchung,  ehe  man  auf  eine
Erklärung  davon  denkt  *).  Am  Kap  ist  das  Wasser  abwechselnd ¬
  salzig  und  süß.  Es  giebt  hier  eigentlich  zwei  Jahreszeiten, ¬
  nemlich  die  trockene,  welche  den  Sommer,  und  die
Regenzeit,  welche  den  Winter  vorstellt.  Während  dieser
wird  das  Wasser  dieser  Seen  trinkbar  und  süß;  bei  der
Hitze  im  Sommer  verdunstet  es  gröstentheils,  und  es  bleibt
ein  concentrirteres  Salzwasser  zurück  ).
Von  der  Temperatur  der  Seen  gilt  zum  Theil  auch
das,  was  wir  von  der  Meeres=Temperatur  unten  sagen
werden.  Seen,  deren  Wasser  wärmer  ist,  als  die  sie  umgebende ¬
  Luft,  sind  vulkanischen  Ursprungs.  In  der  Mitte  der
Insel  Pentellaria,  und  zwar  auf  einem  Berge,  befindet  sich
der  See  Bain  —  die  ausgefüllte  Vertiefung  eines  alten
Kraters.  Er  hat  achthundert  Schritte  im  Umfangé,  und
eine  unermeßliche  Tiefe.  Sein  Wasser  ist  lauwarm.  Oft
wird  man  ein  Aufwallen  gewahr,  welches  von  der  herausfahrenden ¬
  entwickelten  Luft  herrührt.  Fische  befinden  sich
natürlicher  Weise  darin  nicht;  aber,  anstatt  die  Vögel  zu  verjagen ¬
  oder  gar  zu  tödten,  wenn  sie  darüber  hinweg  fliegen,
wie  man  vormals  von  dem  See  Avernus  vorgab,  werden
sie  im  Gegentheile  durch  die  angenehme  Wärme  noch  mehr
1)  Philos.  Transact,  abr.  II.  p.  850.
2)  Le  Bailiant.
            
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