Besondere Eigensch. u. Merkwürdigk verschieden. Flüsse. 197
len. Er gewährt eine majestätische Seene. Wer ihn zum
erstenmal sieht, kann sich auf einige Minuten nicht sammeln; ¬
jeder Theil desselben scheint ein Wunder. Personen,
die ihn ganze Jahre hindurch zu betrachten Gelegenheit haben, ¬
dünkt er jedesmal prächtiger und neu.
Dieser Cataract ist von vielen, obgleich oft sehr unrichtig, ¬
beschrieben worden. Die zuverläßigsten Nachrichten geben ¬
uns Kalm, Pouchot, Ellicot und Causlin. Aus
ihren in der Hauptsache übereinstimmenden Berichten ist nunfolgende ¬
Beschreibung entstanden.
Der Niagara ist Anfangs eine halbe geographische Meile ¬
breit, und hat so weit einen meist fahrbaren Schnellstrom,
wird aber nach fünf Meilen immer reißender, so wie er sich
dem Orte des Sturzes nähert. In einem engen Bette zusammen ¬
gedrängt, fließt er bis zu einer kleinen, mit Bäumen ¬
bewachsenen Felseninsel, welche mitten in dem Flusse
liegt, und sich 12 bis 1400 Fuß lang bis an den Fall erstreckt, ¬
den sie in zwei Theile spaltet, und wo ihr breites
Ende hervorragt. Der Strom wird schon etwas oberhalb
des Falles auf beiden Seiten von einer dreifach über einander ¬
hinauf liegenden Bergkette eingeschlossen, welche von
Westen nach Osten hin streicht. Bereits drittehalb Meilen
vor seiner Ergießung kann der Strom, wegen seines ungestümen ¬
Wassers nicht mehr befahren werden, indem er hier
aus einer Reihe lauter kleiner Cataracten besteht. Jene
Insel, am Ende etwa 120 Fuß breit, trennt den Wassersturz ¬
und verschönert den Anblick ungemein. Durch den südwestlichen ¬
Fall drängt sich eine viel größere Wassermasse, als
durch den nordöstlichen. Dort ist auch der Strom oberhalb
des Falls viel heftiger; er sprudelt und schaumt über verborgene ¬
Klippen, und keißt pfeilschnell und unwiderstehlich,
alles, was sich ihm nur von fern nahet, in den Abgrund.
Man kann von oben her deutlich sehen, wie sehr sich seine
Fläche senkt, ehe er an die Felsenreihe gelangt, über die er