Volltext : Otto, Johann Friedrich Wilhelm: System einer allgemeinen Hydrographie des Erdbodens

Erste  Abth.  Das  Wasser  überhaupt.
nomens,  eine  besondere  kaltmachende  Materie  anzunehmen.
So  gewöhnlich  es  nun  ist,  sich  das  Wasser,  seiner  Natur
nach,  flüssig  zu  denken,  so  richtig  sagt  doch  der  Physiker,
daß  es  nichts  anders  sey,  als  eine  feste,  Substanz,  welche
ihrer  Leichtflüssigkeit  halber  schon  bei  einem  geringen  Wärmegrade ¬
  schmelzt.  Die  Rückkehr  des  Eises  zum  Wasser  wird
das  Aufthauen  desselben  genannt.  Sie  geschieht  durch
Wiederaufnahme  der  freien  Wärme,  welche  dadurch,  daß  sie
dem  Wasser  die  Flüssigkeit  ertheilt,  gebunden  wird.  Wenn
die  Wärme  bis  zu  einem  gewissen  Grade  steigt,  so  trit  sie
in  eine  neue  Verbindung  mit  dem  so  weit  erwärmten  Wasser; ¬
  sie  bewirkt  eine  zweite  Formumänderung  desselben,  und
verwandelt  es  in  elastische  Dämpfe.  Das  Wasser  fängt
an  zu  sieden,  wobei  es  sich  flüchtig  zeigt.  Hieraus  ergiebt
sich,  daß  Eis,  tropfbares  Wasser  und  Wasserdampf  im
Grunde  nichts  anders  sind,  als  drei  verschiedene  Zustände
oder  Formen  eines  und  desselben  Körpers.
Der  zwei  und  dreißigste  Grad  des  Fahrenheitschen  oder
Nullgrad  des  Reaumurschen  Thermometers,  ist  derjenige,
bei  welchem  das  Wasser  seiner  Flüssigkeit  beraubt  und  zu
Eis  wird.  Man  nennt  ihn  den  Eispunkt,  Gefrierpunkt, ¬
  und,  weil  die  Temperatur  des  zergehenden  Eises  und
schmelzenden  Schnees,  mit  der  des  gefrierenden  Wassers
einerlei  ist,  auch  den  Aufthauungs=Punkt.  Dieser  Grad
ist  ein  fester,  unveränderlicher  Punkt  und  so  bestimmt,  daß
das  Wasser  sogar,  wenn  es  kälter  ist,  in  dem  Augenblicke
seiner  Gefrierung  etwas  von  seiner  Kälte  abgeben  muß.  Man
hat  daher  auch  denselben,  bei  der  Eintheilung  der  Thermometer ¬
  zu  einem  Fündamental=Punkt  gemacht.  Daß  das
Wasser  bis  unter  den  Eispunkt  erkalten  könne,  ohne  zu  gefrieren, ¬
  lehrt  die  Erfahrung.  So  ist  der  Zustand  einer  vollkommenen ¬
  Ruhe  desselben  und  der  Körper,  welche  es  berühren, ¬
  seiner  Eisformation  hinderlich,  und  es  bleibt  flüssig,
wenn  es  gleich  beträchtlich  kälter  ist,  als  diese  erfordert.  In
            
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