Full text : Otto, Johann Friedrich Wilhelm: System einer allgemeinen Hydrographie des Erdbodens

Bewegung  des  Flußwassers.
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schwindigkeit  in  der  Tiefe:  da  denn  hier  bisweilen  der  Zufluß ¬
  abgeführt  wird,  ohne  daß  die  Oberfläche  des  Stroms
steigt.  Wird  jener  annoch  verstärkt,  so  wird  auch  die  Geschwindigkeit ¬
  auf  der  Oberfläche  größer;  wenn  nun  demungeachtet ¬
  der  Kanal  nicht  alles  Wasser  fördern  kann,  so  tritt
dieses  über  die  Gestade,  und  überschwemmt  die  Niedrigungen,
bald  mehr,  bald  weniger.
So  bald  der  Strom  ausgetreten  ist,  wird  die  Geschwindigkeit ¬
  des  Wassers  geringer,  welches  denn  zur  Folge  hat,
daß,  nach  einmal  erfolgter  Ergießung,  die  Ueberschwemmung
noch  viele  Tage  fortdauert.  Denn,  wenn  auch  nach  dem
Ueberströmen  das  Wasser  wirklich  nicht  so  häufig  als  vorher
nachkommt,  so  hört  doch  die  Ergießung  nicht  auf,  weil  sie
mehr  in  der  verminderten  Geschwindigkeit,  als  in  der  Menge ¬
  des  zuströmenden  Wassers  liegt.  Es  ist  einerlei,  ob  dieselbe ¬
  Menge  Wasser  langsamer,  als  zuvor  abläuft,  oder  ob  ein
größerer  Vorrath  von  Wasser  von  neuem  beständig  zuströmt.
Wäre  dies  nicht,  so  würde  man  oft  die  Ströme  nur  eine
oder  zwei  Stunden  überlaufen,  und  alsdenn  sich  wieder  in
ihre  Ufer  einschränken  sehen,  welches  doch  nie  geschieht.
Hiebei  kommt  aber  hiernächst  auch  der  Wind  in  Betrachtung. ¬
  Wenn  dieser  dem  Zuge  des  Stroms  anhaltend  entgegen ¬
  weht,  so  dauert  die  Ueberschwemmung  länger  fort,
weil  er  der  Geschwindigkeit  des  abfließenden  Wassers  Abbruch ¬
  thut:  weht  er  hingegen  mit  dem  Zuge  des  Wassers
nach  einerlei  Richtung,  so  wird  die  Ergießung  nicht  allein
geringer,  sondern  sie  ist  auch  von  kürzerer  Dauer.
Bei  Ueberschwemmungen  steigt  das  Wasser  öfters  zu
einer  erstaunenden  Höhe.  Lessep  )  berichtet  von  dem
Flusse  Okhota,  daß  seine  Ergießungen  für  die  umliegenden
Gegenden  äußerst  gefährlich  seyen.  Wenn  er  aus  seinen  Ufern
tritt,  so  setzt  er  nicht  nur  die  nahen  Felder  unter  Wasser:
sondern  er  schwillt  auch  zu  einem  Strome  an,  der  in  eben
*)  Reisen  durch  die  Wüsteneien  des  Russischen  Asiens.
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