Erste Abtheilung.
Das Wasser überhaupt, nach seinen chemischen und
physischen Eigenschaften.
Das Wasser, in so fern es nicht mit fremdartigen Stoffen
verbunden ist, besteht aus einer farbenlosen, durchsichtigen,
geschmack- und geruchlosen, unentzündlichen und expansibeln
Flüssigkeit. Verschiedene neuere Naturforscher halten es für
eine einfache Substanz, allein aus andern sehr oft angestellten ¬
genauen Versuchen scheint zu folgen, daß das Wasser
einer Zerlegung fähig sey, und aus einer Verbindung von
Säurestoff (Oxigen) und Wasserstoff (Hydrogen) bestehe,
welche durch die Materie der Wärme zu einer liquiden Form
gebracht sind *).
Das Wasser ist in den gewöhnlichen Graden der Temperatur ¬
ein flüssiger Körper, und die Flüssigkeit, wie erwähnt,
die Wirkung der Wärme. Sobald die Temperatur über
einen gewissen Grad hinab sinkt, verwandelt es sich in einen
concreten Körper, welchen man gefrorenes Wasser oder
Eis nennt. Bloß dadurch, daß dem Wasser ein gewisser
Antheil von Wärmestoff entzogen wird, verdichtet es sich zu
Eise, und man hat nicht nöthig, zur Darstellung dieses Phä*) ¬
Lavoisier's System der antiphlogistischen Chemie a. d. Franz. von
Hermbstädt, B. 1. 1792. S. 120. Girtanners Anfanssgründe
der antiphlogistischen Chemie, Berl. 1795. S. 78.