Full text : Otto, Johann Friedrich Wilhelm: System einer allgemeinen Hydrographie des Erdbodens

Von  den  Betten  der  Flüsse.
169
bewegt  sich  um  so  schneller,  und  breitet  sich  desto  weniger
aus.  Gmelin  berichtet,  daß  die  Lena,  welche  oberhalb  der
Mündung  des  Kirenga  nicht  mehr  als  vierhundert  Faden  in
einer  Stunde  fortläuft,  nachdem  sie  diesen  Fluß  zu  sich  genommen, ¬
  in  dem  nemlichen  Zeitraume  drei  Werste  und  hundert ¬
  Faden  gehe.  Die  Geschwindigkeit  der  Wasserbewegung
nimmt  in  dem  Verhältniß  zu,  als  die  Menge  des  Wassers
anwächst.  Betrachtet  man  einige  von  den  Flüssen,  welche
in  den  Maragnon  fallen;  so  wird  man  durch  den  Anblick  getäuscht, ¬
  und  es  scheint,  daß  ihre  Breite  die  des  Maragnon
übertreffe;  gleichwohl  setzt  dieser  Strom,  nachdem  er  solche
in  sein  Bette  aufgenommen,  seinen  Lauf  ohne  den  mindesten
sichtbaren  Zuwachs  in  der  Breite  fort  1).  Guiglielmini ¬
  2)  merkt  an,  daß  der  Po,  nachdem  er  den  Arno,
welcher  vormals  nach  Ferrara  ging,  mit  sich  vereinigte,  und
noch  überdies  den  Fiuß  Panara  aufnahm,  keine  Veränderung ¬
  in  der  Breite  zeige,  und  schloß  daraus,  daß  ein  kleinerer ¬
  Fluß  sich  mit  einem  großen  vereinigen  könne,  ohne  daß
dieser  seine  Breite  und  Höhe  verändere.  Genetke  führt
hiebei  auch  den  Rhein  an.  Dieser  Fluß  empfängt  bei  Mainz
den  fast  eben  so  großen  Main,  ohne  einen  merklichen  Zuwachs ¬
  in  der  Breite.  Weiter  hinauf  bekommt  er  bei  Kölln
die  Mosel  und  mehrere  kleinere  Flüsse:  dessen  ungeachtet  ist
er  bei  Kölln  weniger  breit.
Die  Breite  der  Flüsse  nimmt  desto  mehr  zu,  je  näher
diese  dem  Meere  kommen,  es  müste  denn  seyn,  daß  sie  sich
theilten:  denn  in  diesem  Falle  wird  ein  jeder  Arm  wieder
beträchtlich  schmäler,  als  vorher  der  ungetheilte  Hauptstrom
war.  Man  findet  indeß  auch  hierin  Abweichungen.  Vom
Rhein  trennt  sich  die  Waal,  und  die  beiden  Arme  gehen  in
der  Breite  fort,  welche  vorher  der  vereinigte  Fluß  hatte;  ja
2)  UIIoa  voyage  historique  etc.
»)  Sulle  nâture  dei  fumi.  C,  7.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer