Volltext : Otto, Johann Friedrich Wilhelm: System einer allgemeinen Hydrographie des Erdbodens

Von  den  Betten  der  Flüsse.
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Von  dem  abnehmenden  Gefälle  gegen  den  Auslauf  der  Flüsse
besonders,  führt  Lulofs  den  Fluß  Marwede  als  Beispiel
an.  Dieser  hat  oberhalb  Dortrecht§  Zoll,  unterhalb  Dortrecht ¬
  aber,  nach  dem  Meere  zu,  nur    Zoll  Gefälle  auf
1000  Fuß  Weite.
Hieraus  ergiebt  sich,  daß  die  Regeln,  welche  die  mehresten ¬
  Schriftsteller  über  die  Senkung  des  Bodens  in  den
Flußbetten  festsetzen,  unrichtig  sind.  Vitruv  gieht  auf
100  Fuß  1½,  Scamozzi  auf  1000  einen  Fuß,  und  Barratteri ¬
  auf  100  Fuß  23  Fuß  Gefälle.  Wendet  man  nun
die  kleinste  von  Scamozzi  angegebene  Senkung  auf  die
Donau  an,  so  müste  die  Mündung  dieses  Stroms  mehr  als
eine  halbe  teutsche  Meile  tiefer  liegen,  als  ihre  Quellen.
Am  weitesten  geht  Kühn,  indem  er  bei  dem  Laufe  der
Flüsse,  bloß  auf  die  Senkung  des  Bodens  Rücksicht  nimmt,
ohne  den  Druck  des  Wassers  mit  in  Rechnung  zu  bringen.
Diese  Vernachlässigung  verleitete  ihn  zu  dem  abentheuerlichen ¬
  Satze,  daß  dieser  Strom,  von  seinem  Ursprunge  an  bis
zum  Ausflusse,  ein  Gefälle  von  zwei  teutschen  Meilen  habe.
Die  Betten  der  Flüsse  sind  in  den  flachen  und  ebenen
Gegenden  ihr  eigenes  Werk;  so  lange  diese  aber  in  gebitgigten ¬
  Strecken  laufen,  werden  sie  gezwungen,  sich  in  ihrem
Zuge,  nach  den  Abhängen  und  den  verschiedenen  Richtungen
der  Berge  zu  bequemen.  Ist  der  Abhang  auf  beiden  Seiten ¬
  des  Flusses  gleichförmig,  so  pflegt  der  Strom  seinen
Lauf  fast  gerade  in  der  Mitte  des  dazwischen  liegenden  Thals
zu  halten;  ist  aber  einer  von  den  Bergen  steiler  und  abschüssiger, ¬
  als  der  andere,  so  ist  die  niedrigste  Stelle  des
Thals  nicht  mehr  in  der  Mitte,  sondern  dem  steilen  Berge
näher,  und  der  Strom  wird  auch  diesem  näher  vorbeifließen.
Allenthalben  also,  wo  man  auf  der  einen  Seite  eines  Flusses ¬
  Berge  oder  steile  Hügel,  auf  der  andern  aber  nur  ganz
flache  Anhöhen  wahrnimmt,  wird  man  den  Fluß,  gewöhnlich
den  Fuß  der  steilsten  Hügel  benetzen,  und  ihnen  in  ihren
            
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