Volltext : Otto, Johann Friedrich Wilhelm: System einer allgemeinen Hydrographie des Erdbodens

Von  den  Betten  der  Flüsse.
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oben,  wo  er  mehr  eingeschränkt  war,  und  läßt  also  den  mitgeführten ¬
  Sand  und  Schlamm  fallen,  wodurch  das  Bette
erhöhet  wird:  es  geschehe  dieses  nun  auf  der  einen  oder  der
andern  Seite,  oder  in  der  Mitte.  Ist  im  Gegentheil  das
Profil  des  Flusses  an  einer  Stelle  zu  klein,  so  wird  der
Strom  hier  reißender.  Er  erhält  also  mehr  Kraft  durch  seine
Schnelligkeit  die  Ufer  anzugreifen  und  so  lange  zu  zerstören, ¬
  bis  er  die  gehörige  Breite  und  Tiefe  bekommt.  Wenn
nemlich  das  Wasser  in  einem  solchen  engen  Raum  eingeschränkt ¬
  wird,  wodurch  es  nicht  ganz  ablaufen  kann,  so
schwillt  es  über  demselben  an,  und  erlangt  dadurch  einen  höhern ¬
  Stand.  Wenn  nun  das  Strombette  sich  unterwärts
wieder  ausbreitet,  so  erhält  das  Wasser  dadurch  eine  größere ¬
  Schnelligkeit,  wühlt  den  Boden  auf,  und  untergräbt
die  Ufer.
So  wie  die  Senkung  oder  der  Abhang  des  Bodens  in
einem  Flusse  den  Fall  oder  das  Gefälle  desselben  bestimmt,
so  versteht  man  unter  dem  letztern  besonders  die  Abweichung
der  Oberfläche  eines  Flusses  von  der  Horizontallinie,  in
einer  gewissen  Weite.  Je  größer  diese  Weite  ist,  desto  größer ¬
  ist  auch  das  Gefälle,  bei  einem  gleichen  Abhange  der
Oberfläche.  Man  findet  übrigens  das  Gefälle  eines  Flusses
durch  das  Wasserwägen.  Hierzu  bedient,  man  sich  eines
Werkzeugs,  welches  mit  einem  Fernrohre  versehen,  und  so
eingerichtet  ist,  daß  man  der  Achse  des  Fernrohrs,  durch  ein
Bleiloth,  oder  sonst  auf  eine  andere  Art,  eine  vollkommen
horizontale  Lage  geben  kann.  In  dem  Fernrohre  ist  ein
Kreuz  von  sehr  feinen  Fäden  angebracht,  deren  Durchschnitt
genau  in  die  Achse  des  Fernrohrs  fällt.  Mit  diesem  Werkzeuge ¬
  stellt  man  sich  an  das  Ufer  eines  Flusses,  und  läßt  ih
einer  weiten  Entfernung  an  demselben  Ufer  jemanden  eine
Stange  in  die  Erde  stecken,  an  welcher  er  eine  weiße,  mit
einem  schwarzen  Kreuze  bezeichnete  Tafel,  hinauf  und  herab
bewegen  kann.  Sieht  man  nun  durch  das  horizontal  gestellte
            
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