Planck: Zur Kritik des Entwurfes eines bürgerl. Gesetzbuches 377
meinschaft" zu Tage treten. Von den vielen schwer begreiflichen
Vorwürfen, welche Gierke gegen den Entwurf schleudert, ist
dies einer der unbegreiflichsten. Gierke erkennt zunächst selbst
an, daß in dem I. Abschnitte dieses Titels einige Zugeständnisse ¬
an die Einheit des Hauses enthalten seien. Was er
außerdem verlangt, ist nicht zu ersehen, sofern man nicht seine
Einwendungen gegen die Gestaltung, welche die elterliche Gewalt ¬
in dem Entwurfe gefunden hat, dahin rechnen will. Diese
Einwendungen sind aber in der Hauptsache rein doctrinärer
Art. Gierke erkennt an, daß der Entwurf hier entschieden
mit dem römischen Rechte gebrochen habe, aber doch sagt er
von demselben, „obwohl er hier nur mit deutschem Stoff arbeitet, ¬
preßt er denselben in die mechanisch-individualistische
Gedankenschablone, die nun einmal das unentrinnbare Verhäng
niß alles echten Privatrechtes bilden soll, die aber den echten
Geist des deutschen Familienrechtes unbarmherzig ertödtet"
Den Hauptgrund für dieses Urtheil scheint Gierke darin zu
finden, daß der Entwurf die elterliche Gewalt nicht als ein
gemeinschaftliches Recht beider Eltern betrachte, bei welchem dem
Vater nur eine bevorzugte Stellung zukomme, sondern als ein
besonderes Recht des einen oder anderen Elterntheiles, welches
zunächst dem Vater und nach dessen Tode der Mutter zustehe.
Nun ist aber gerade das Gegentheil der Fall. Bei allen Bestimmungen ¬
des Entwurfes über die elterliche Gwalt ist, wie
schon diese Bezeichnung andeutet, der Gedanke leitend gewesen,
daß es sich hierbei im Principe um eine beiden Eltern gemeinschaftlich ¬
obliegende Pflicht und ein derselben entsprechendes
Recht handelt und dem Vater dabei nur insoweit der Vorzug
gebührt, als es im Interesse des Kindes nothwendig wird,
Pflicht und Recht in eine Hand zu legen. Auf diesem Gedanken ¬
beruht zunächst die Vorschrift des § 1506, nach welcher
die Sorge für die Person des Kindes dem Vater und der
Mutter zusammen zusteht, bei Meinungsverschiedenheiten aber
die Stimme des Vaters den Ausschlag gibt. Nur wo es sich
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