Beschaffenheit des Quellwassers.
99
sich das Quellwasser sammlet, ist mit einer bräunlichen Substanz ¬
tuffsteinartig überzogen und versintert *).
Salpetrige Wasser.
Salpetriger Quellwasser — solcher, die gemeinen
prismatischen Salpeter, nemlich Salpetersäure mit Kali verbunden, ¬
aufgelöset enthalten — giebt es in Ungarn eine unzählige ¬
Menge, und der gröste Theil des in diesem Lande
verfertigten Salpeters hat ihnen sein Daseyn zu verdanken.
Der Reichthum dieses Naturproducts ist hier so groß, daß
Ungarn jährlich noch einmal so viel davon liefern könnte,
als Ostindien dem ganzen Europa giebt. Die allgemeine,
seit Jahrhunderten bestehende Klage über das schlechte Wasser ¬
in diesem Reiche, mit den davon abstammenden Fiebern,
haben den Salpeter zum Grunde. Von dem Samosflusse
an bis nahe an Wien, in einer Länge von 70 bis 80 Meilen, ¬
und von den Karpathen bis an die Drau in der
Breite, ist kaum eine Gegend, wo nicht die mehresten Quellen, ¬
mehr oder weniger, von Salpeter untrinkbar gemacht
sind. Die meisten dieser Quellen kommen an dreißig Fuß
aus der Erde hervor, und man findet sie überall, wo auf
Brunnen gegraben wird. Sie sind so reichhaltig, daß sie
weder zum Trinken noch zum Kochen taugen; sie sind 11
und 1 ½/ löthig, auch, wenn sie nicht mit Tagewasser vermischt ¬
sind, 4 löthig. Mehrere dieser Wasser kommen an
etwas tiefer liegenden Stellen, durch die sandig-lehmige
Erde, als Schwitzwasser hervor, vertilgen die daselbst befindlichen ¬
Wirthschaftspflanzen, und bilden unfruchtbare Plätze,
die sehr feucht sind, auch Salpeterseen. Auf jenen dünstet
das Wasser weg, und der Salpeter bleibt, mit Erde vermengt, ¬
zurück, und wird täglich gesammelt. Merkwürdig ist
es, daß Salpeter=Soda= und Glaubersalz=Quellen oft kaum
*) Pallas Reise, 1. Th. S. 108.
G 2