Full text : Otto, Johann Friedrich Wilhelm: System einer allgemeinen Hydrographie des Erdbodens

Beschaffenheit  des  Quellwassers.
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sich  das  Quellwasser  sammlet,  ist  mit  einer  bräunlichen  Substanz ¬
  tuffsteinartig  überzogen  und  versintert  *).
Salpetrige  Wasser.
Salpetriger  Quellwasser  —  solcher,  die  gemeinen
prismatischen  Salpeter,  nemlich  Salpetersäure  mit  Kali  verbunden, ¬
  aufgelöset  enthalten  —  giebt  es  in  Ungarn  eine  unzählige ¬
  Menge,  und  der  gröste  Theil  des  in  diesem  Lande
verfertigten  Salpeters  hat  ihnen  sein  Daseyn  zu  verdanken.
Der  Reichthum  dieses  Naturproducts  ist  hier  so  groß,  daß
Ungarn  jährlich  noch  einmal  so  viel  davon  liefern  könnte,
als  Ostindien  dem  ganzen  Europa  giebt.  Die  allgemeine,
seit  Jahrhunderten  bestehende  Klage  über  das  schlechte  Wasser ¬
  in  diesem  Reiche,  mit  den  davon  abstammenden  Fiebern,
haben  den  Salpeter  zum  Grunde.  Von  dem  Samosflusse
an  bis  nahe  an  Wien,  in  einer  Länge  von  70  bis  80  Meilen, ¬
  und  von  den  Karpathen  bis  an  die  Drau  in  der
Breite,  ist  kaum  eine  Gegend,  wo  nicht  die  mehresten  Quellen, ¬
  mehr  oder  weniger,  von  Salpeter  untrinkbar  gemacht
sind.  Die  meisten  dieser  Quellen  kommen  an  dreißig  Fuß
aus  der  Erde  hervor,  und  man  findet  sie  überall,  wo  auf
Brunnen  gegraben  wird.  Sie  sind  so  reichhaltig,  daß  sie
weder  zum  Trinken  noch  zum  Kochen  taugen;  sie  sind  11
und  1  ½/  löthig,  auch,  wenn  sie  nicht  mit  Tagewasser  vermischt ¬
  sind,  4  löthig.  Mehrere  dieser  Wasser  kommen  an
etwas  tiefer  liegenden  Stellen,  durch  die  sandig-lehmige
Erde,  als  Schwitzwasser  hervor,  vertilgen  die  daselbst  befindlichen ¬
  Wirthschaftspflanzen,  und  bilden  unfruchtbare  Plätze,
die  sehr  feucht  sind,  auch  Salpeterseen.  Auf  jenen  dünstet
das  Wasser  weg,  und  der  Salpeter  bleibt,  mit  Erde  vermengt, ¬
  zurück,  und  wird  täglich  gesammelt.  Merkwürdig  ist
es,  daß  Salpeter=Soda=  und  Glaubersalz=Quellen  oft  kaum
*)  Pallas  Reise,  1.  Th.  S.  108.
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