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Vom unreifen Lebensalter.
Befriedigung von ihr erwartend, liebt er die Ernährerin, inniger
noch die Wärterin, welche ihm Unterhaltung verschafft und sein inneres ¬
Leben anregt; seine ganze Liebe wendet er der Mutter zu,
wenn diese, der Stimme der Natur gemäß, ihn nicht allein säugt,
sondern auch wartet. Wie die Liebe der Mutter ihm von der Natur ¬
als äußere Bedingung seiner Entwickelung gegeben ist, und wie
jedem Verhältnisse der Außenwelt eine innere Kraft seines Lebens
harmonisch entspricht, so begegnet seine Liebe der mütterlichen und
ist nicht bloß in Gewohnheit und sinnlichem Bedürfnisse gegründet,
wie sie sich denn auch später mit einer Innigkeit äußert, welche
auf einen tieferen Grund hindeutet. Die Liebe oder die auf bestimmte ¬
Personen bezogene und dadurch gesteigerte Neigung zum
Menschen überhaupt wendet sich auch gegen die, welche dem sinnlichen ¬
Bedürfnisse keine Befriedigung gewähren. Besonders ziehen
den Säugling Kinder an: er steht ihnen näher und erkennt in
ihnen unmittelbarer seines Gleichen; wenn sie auch nur in einfachen
Bewegungen vor ihn treten und seine Sinne bei weitem nicht so
mannichfaltig beschäftigen als Erwachsene, so freut er sich doch viel
lebhafter über sie und jauchzt, wenn er mit ihnen spielen kann.
Nachdem er die Personen, welche ihn gewöhnlich umgeben, kennen
gelernt hat, fängt er an, sich vor fremden Menschen zu scheuen;
er blickt sie mißtrauisch an, und nur, wenn er sie eine Zeit lang
in der Ferne beobachtet hat, erträgt er ihre allmählige Annäherung;
je plötzlicher und unerwarteter sie zu ihm treten, desto mehr fürchtet ¬
er sich und bricht in Geschrei aus. Aber es zeigt sich schon
eine Wahl, auf unbestimmten Gefühlen der Sympathie und Antipathie ¬
beruhend: der Anblick einiger Menschen wirkt angenehm auf
ihn, und er giebt sich zutraulich ihnen hin; andere mögen noch so
freundlich ihm begegnen, er bleibt scheu und mißtrauisch gegen sie.
Ist der Kreis seiner Vorstellungen etwas erweitert, so äußert sich
die Liebe auch als Theilnahme an fremdem Schicksale: wenn eine
experimentirende Wärterin sich schlagen läßt und sich stellt, als ob
sie weinte, so weint er mit, und wenn sie ihn veranlaßt, sie zu
schlagen und dann sich weinend stellt, so sucht er durch Liebkosungen ¬
sie zu besänftigen. f) Zu Ende dieses Zeitraumes äußert er
auch schon eine Ahnung des Rechts. Er wird unruhig, wenn