Inhaltsverzeichnis : Vitruvius: Tesoro De Las Tres Lengvas Española, Francesca, Y Italiana

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Vom  unreifen  Lebensalter.
Befriedigung  von  ihr  erwartend,  liebt  er  die  Ernährerin,  inniger
noch  die  Wärterin,  welche  ihm  Unterhaltung  verschafft  und  sein  inneres ¬
  Leben  anregt;  seine  ganze  Liebe  wendet  er  der  Mutter  zu,
wenn  diese,  der  Stimme  der  Natur  gemäß,  ihn  nicht  allein  säugt,
sondern  auch  wartet.  Wie  die  Liebe  der  Mutter  ihm  von  der  Natur ¬
  als  äußere  Bedingung  seiner  Entwickelung  gegeben  ist,  und  wie
jedem  Verhältnisse  der  Außenwelt  eine  innere  Kraft  seines  Lebens
harmonisch  entspricht,  so  begegnet  seine  Liebe  der  mütterlichen  und
ist  nicht  bloß  in  Gewohnheit  und  sinnlichem  Bedürfnisse  gegründet,
wie  sie  sich  denn  auch  später  mit  einer  Innigkeit  äußert,  welche
auf  einen  tieferen  Grund  hindeutet.  Die  Liebe  oder  die  auf  bestimmte ¬
  Personen  bezogene  und  dadurch  gesteigerte  Neigung  zum
Menschen  überhaupt  wendet  sich  auch  gegen  die,  welche  dem  sinnlichen ¬
  Bedürfnisse  keine  Befriedigung  gewähren.  Besonders  ziehen
den  Säugling  Kinder  an:  er  steht  ihnen  näher  und  erkennt  in
ihnen  unmittelbarer  seines  Gleichen;  wenn  sie  auch  nur  in  einfachen
Bewegungen  vor  ihn  treten  und  seine  Sinne  bei  weitem  nicht  so
mannichfaltig  beschäftigen  als  Erwachsene,  so  freut  er  sich  doch  viel
lebhafter  über  sie  und  jauchzt,  wenn  er  mit  ihnen  spielen  kann.
Nachdem  er  die  Personen,  welche  ihn  gewöhnlich  umgeben,  kennen
gelernt  hat,  fängt  er  an,  sich  vor  fremden  Menschen  zu  scheuen;
er  blickt  sie  mißtrauisch  an,  und  nur,  wenn  er  sie  eine  Zeit  lang
in  der  Ferne  beobachtet  hat,  erträgt  er  ihre  allmählige  Annäherung;
je  plötzlicher  und  unerwarteter  sie  zu  ihm  treten,  desto  mehr  fürchtet ¬
  er  sich  und  bricht  in  Geschrei  aus.  Aber  es  zeigt  sich  schon
eine  Wahl,  auf  unbestimmten  Gefühlen  der  Sympathie  und  Antipathie ¬
  beruhend:  der  Anblick  einiger  Menschen  wirkt  angenehm  auf
ihn,  und  er  giebt  sich  zutraulich  ihnen  hin;  andere  mögen  noch  so
freundlich  ihm  begegnen,  er  bleibt  scheu  und  mißtrauisch  gegen  sie.
Ist  der  Kreis  seiner  Vorstellungen  etwas  erweitert,  so  äußert  sich
die  Liebe  auch  als  Theilnahme  an  fremdem  Schicksale:  wenn  eine
experimentirende  Wärterin  sich  schlagen  läßt  und  sich  stellt,  als  ob
sie  weinte,  so  weint  er  mit,  und  wenn  sie  ihn  veranlaßt,  sie  zu
schlagen  und  dann  sich  weinend  stellt,  so  sucht  er  durch  Liebkosungen ¬
  sie  zu  besänftigen.  f)  Zu  Ende  dieses  Zeitraumes  äußert  er
auch  schon  eine  Ahnung  des  Rechts.  Er  wird  unruhig,  wenn
            
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