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         <titleStmt>
				
            <title type="main">Cramer, Wilhelm: Die christliche Mutter in der Erziehung und in ihrem Gebete. – Dülmen : Laumann</title>
				
            <title type="main">Cramer, Wilhelm: Der christliche Vater wie er sein und was er thun soll  : nebst einem Anhange von Gebeten für denselben  / von W. Cramer . - Dülmen  : Laumann</title>
				
            <title type="sub">Elektronischer Volltext</title>
				
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               <resp>Projektträger:</resp>
					
               <orgName xml:id="MPIB">Projekt Digitization Lifecycle am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung</orgName>
				
            </respStmt>
				
            <respStmt>
					
               <resp>Volltexterstellung und Basis-TEI-Auszeichung durch:</resp>
					
               <orgName xml:id="Editura">Editura GmbH &amp; Co.KG, Berlin</orgName>
				
            </respStmt>
			
         </titleStmt>
			
         <publicationStmt>
				
            <publisher>
					
               <orgName xml:id="DLC">Projekt Digitization Lifecycle am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung</orgName>
				
            </publisher>
				
            <date when="2011"/>
			
         </publicationStmt>
			
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            <p/>
			
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            <p/>

         </projectDesc>

         <editorialDecl>

            <correction method="markup">
	
               <p>Im Allgemeinen werden Druckfehler der Vorlage identisch übernommen. Sehr offensichtliche Druckfehler wurden aber, soweit erkannt, über <gi>choice</gi> in den Texte gekennzeichnet. Innerhalb von <gi>choice</gi> steht der korrigierte Wert in <tag>corr type="misprint"</tag> und der originale Wert der Vorlage in <gi>sic</gi>. In der Editura-Basis HTML-Transformation wird zurzeit der Wert in <gi>corr</gi> realisiert.</p>
	
               <p>Corrigendaverzeichnisse und Druckfehlerverzeichnisse fanden sich in den Vorlagen nicht.</p>

            </correction>

            <correction method="markup">

               <p>Ggf. vorhandene unleserliche Stellen der Vorlage werden über <tag>unclear type="illegible"</tag> gekennzeichnet, durch Druckfehler entstehende Lücken im Text werden als <gi>gap</gi> ausgewiesen.</p>

            </correction>

            <normalization source="#DLC" method="silent">

               <p>Bei der Zeichenerkennung wurde nach Vorgabe des DLC modernisiert.</p>

            </normalization>

            <normalization source="#DLC" method="silent">

               <p>In Absprache mit dem MPI wurden die folgenden Aspekte der Vorlage nicht erfasst:</p>

               <p>Bogensignaturen und Kustoden</p>

               <p>Kolumnentitel</p>

               <p>Auf Titelblättern wurde auf die Auszeichnung der Schriftgrößenunterscheide zugunsten der Identifizierung von <gi>titlePart</gi>s verzichtet.</p>

               <p>Bei Textpassagen, die als Abschnittsüberschrift ausgeweisen werden können, wird auf die zusätzliche Auszeichnung des Layouts verzichtet.</p>

               <p>Keine Auszeichnung der Initialbuchstaben am Kapitelanfang.</p>

            </normalization>

            <normalization method="markup">

               <p>In Frakturvorlagen in Antiqua gesetzte Textpassagen wurden als <tag>hi rendition="#rom"</tag> ("roman") ausgezeichnet.</p>

               <p>In Antiquavorlagen in Fraktur gesetzte Textpassagen wurden als <tag>hi rendition="#goth"</tag> ausgezeichnet.</p>

            </normalization>

            <quotation marks="some">

               <p>Es wurden alle Anführungszeichen übernommen und die Zitate zusätzlich mit <tag>q</tag> ausgezeichnet.</p>

            </quotation>

            <hyphenation eol="all">

               <p>Weiche und harte Zeilentrennungen werden identisch als 002D übernommen. Der Zeilenumbruch selbst über <gi>lb</gi> ausgezeichnet.</p>

            </hyphenation>

         </editorialDecl>

         <tagsDecl>

            <rendition xml:id="w" scheme="css">letter-spacing: 2pt;</rendition>

            <rendition xml:id="c" scheme="css">text-align: center;</rendition>

            <rendition xml:id="no_ind" scheme="css">text-indent: none;</rendition>

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            <rendition xml:id="r" scheme="css">text-align: right;</rendition>

            <rendition xml:id="l" scheme="css">text-align: left;</rendition>

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            <rendition xml:id="rom" scheme="css">font-family: "times new roman", times, serif;</rendition>

            <rendition xml:id="goth" scheme="css">font-family: "times new roman", times, serif;</rendition>

            <rendition xml:id="sup" scheme="css">font-size: .7em; vertical-align: super;</rendition>

            <rendition xml:id="sub" scheme="css">font-size: .7em; vertical-align: sub;</rendition>

            <rendition xml:id="ul" scheme="css">text-decoration: underline</rendition>

            <namespace name="http://www.tei-c.org/ns/1.0">

               <tagUsage gi="div">Es wurden nur unnummerierte <gi>div</gi>s genutzt.</tagUsage>

               <tagUsage gi="pb">Trägt obligatorisch die folgenden Attribute: <att>n</att> gibt die Originalseite der Vorlage wieder, <att>facs</att> ruft die Faksimiledatei auf, <att>xml:id</att> bildet für Seitenverweise eine ID aus dem Wert von <att>n</att> und einer laufenden Nummer. Wird <gi>pb</gi> in Fußnotentexten ein zweites Mal gesetzt, zählt die genannte ID eine Stelle hoch.</tagUsage>

            </namespace>

         </tagsDecl>

         <refsDecl>

            <p>Über das ODD-File "DLC-TEI_editura.xml" wird die Schemaerstellung gesteuert. Neben den vier Grundmodulen tei, core, textstructure und header sind zur Zeit die folgenden Module eingebunden: transc, figure, linking, analysis, dictionaries, textcrit, namesdates, gaji, tagdocs. Bei den genannten Modulen wurde die Elementauswahl restriktiv gehandhabt und nicht benötigte Elemente ausgeschlossen. Eine Ausnahme bildet zur Zeit nur tagdocs.</p>

            <p>Folgende Attributwerte wurden für den Einsatz im Volltext im ODD-File "DLC-TEI_editura.xml" näher bestimmt und bereitgestellt:</p>

            <p>Element <gi>pb</gi>: Für das Attribut <att>n</att> sind neben Seitenzahlen weitere zugelassene Werte definiert.</p>

            <p>Element <gi>titlePart</gi>:  Mögliche Werte für das Attribut <att>type</att> sind als geschlossene Liste definiert.</p>

            <p>Element <gi>div</gi>:  Mögliche Werte für das Attribut <att>type</att> sind als geschlossene Liste definiert.</p>

            <p>Element <gi>corr</gi>:  Mögliche Werte für das Attribut <att>type</att> sind als geschlossene Liste definiert.</p>
	
            <p>Element <gi>figure</gi>:  Mögliche Werte für das Attribut <att>type</att> sind als geschlossene Liste definiert.</p>

         </refsDecl>

         <charDecl>

            <char xml:id="z0001">

               <figure xml:id="d62092e343">

                  <graphic url="../Sonderzeichen/z0001.jpg"/>

               </figure>

            </char>

            <char xml:id="z0002">

               <figure xml:id="d62092e351">

                  <graphic url="../Sonderzeichen/z0002.jpg"/>

               </figure>

            </char>

            <char xml:id="z0003">

               <figure xml:id="d62092e359">

                  <graphic url="../Sonderzeichen/z0003.jpg"/>

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            </char>

            <char xml:id="z0004">

               <figure xml:id="d62092e367">

                  <graphic url="../Sonderzeichen/z0004.jpg"/>

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            </char>

         </charDecl>

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         <change who="#Editura">Initiation <ident>$Revision: 155 $</ident>, <date>$Date: 2011-10-21 15:02:09 +0200 (Fr, 21. Okt 2011) $</date>
			
         </change>
		
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                  <docTitle>
							
                     
							
                     <titlePart type="main" rendition="#c">Der christliche Vater</titlePart>
							
                     <titlePart type="sub" rendition="#c">wie er<lb/>sein und was er thun soll<lb/>nebst einem<lb/>Anhange von Gebeten für denselben</titlePart>
						
                  </docTitle>
						
                  <titlePart type="sub" rendition="#c">von<lb/>
W. Cramer,<lb/>Domcapitular und Regens des Bischöflichen Priester-Seminars.</titlePart>
						
                  <titlePart type="sub" rendition="#c">Mit Erlaubniß der Obern.</titlePart>
						
                  <titlePart type="sub" rendition="#c">Zum Besten des Bonifacius-Vereins.</titlePart>
						
                  <titlePart type="sub" rendition="#c">Zweite Auflage.</titlePart>
						
                  <docImprint>A. Laumann in <pubPlace>Dülmen</pubPlace>
							
                     <publisher>Katholische Verlags-Buchhandlung.</publisher>
							
                     <docDate>1874.</docDate>
						
                  </docImprint>
						
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               <div xml:id="d62092e462" type="preface">
						
						
                  <head rendition="#c">Vorrede zur zweiten Auflage.</head>
						
                  <p>So theuer uns auch die Hoffnung war, daß<lb/>unser <q>„Christl. Vater“</q> in Betreff seiner Verbreitung<lb/>ähnliche Erfahrungen machen möge, wie <q>„die christ-<lb/>liche Mutter“</q>
                     <note place="bottom" anchored="true" n="*)">
                        <p>Nunmehr in 14 Auflagen und in 35,000 Exem-<lb/>plaren verbreitet.</p>
                     </note>, so wagten wir dennoch kaum zu<lb/>erwarten, daß bei einer so starken ersten Auflage<lb/>(5000) schon nach einem halben Jahre eine <hi rendition="#w">neue</hi>
                     <lb/>nothwendig sein würde. Um so erfreulicher die Auf-<lb/>gabe, der so bald nothwendig gewordenen zweiten<lb/>Auflage ein Wort zum Geleite mitzugeben. Was<lb/>könnte dasselbe besser zum Inhalte haben, als zuvor<lb/>den Ausdruck des freudigsten Dankes gegen den<lb/>Herrn, in dessen Obhut und Segen wir unser Büch-<lb/>lein von Anfang an so angelegentlich empfohlen<lb/>hatten und dem, als dem Geber alles Guten, wir<lb/>auch gern seine schnelle Verbreitung zuschreiben; -<lb/>dann die herzliche Erneuerung des am Schlusse der<lb/>Vorrede zur ersten Auflage ausgesprochenen Wun-<lb/>sches, auch für diese zweite Auflage, daß nämlich<lb/>auch sie recht bald ihre Leser, ihr Inhalt aber treue<lb/>Nachachtung und dem Gebetstheile nach eifrige Be-<lb/>nutzung finden möge. Und so Gott empfohlen!</p>
						
                  <p>
                     <hi rendition="#w">Münster</hi> am Oktavtage des Festes<lb/>            der hh. drei Könige 1874.</p>
						
                  <signed rendition="#b #r">Der Verfasser.</signed>
					
               </div>
					
               <pb facs="images/C889_001_1874_0008"
                   n="4"
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               <div xml:id="d62092e545" type="preface">
						
						
                  <head rendition="#c">Aus der Vorrede zur ersten Auflage.</head>
						
                  <p>...Es giebt – dem Herrn sei's gedankt! – auch<lb/>heut noch so manche Väter, welche von einem leben-<lb/>digen Glauben und von den besten Gesinnungen beseelt,<lb/>die hohe Bedeutung ihres väterlichen Berufes erkennen<lb/>und des besten Willens und aufrichtigen Bestrebens<lb/>sind, allen Obliegenheiten eines wahrhaft <q>„christlichen<lb/>Vaters“</q> zu genügen. An sie richten wir insbesondere<lb/>unser Wort; ihnen wird es willkommen sein; ist es<lb/>ja darauf berechnet, in einem der wichtigsten Punkte<lb/>ihrer Lebensaufgabe ihnen desto größere Klarheit<lb/>und Sicherheit zu vermitteln und die Erfüllung<lb/>ihrer heiligsten Pflichten ihnen näher zu legen und<lb/>zu erleichtern. – Gern geben wir uns dabei der<lb/>Hoffnung hin, daß unser Wort mit Gottes Gnade,<lb/>welche wir und mit uns Andere über dasselbe herab-<lb/>gerufen haben und herabrufen, auch Manche aus<lb/>der Zahl derjenigen Väter, welche ihren väterlichen<lb/>Beruf bisher nicht christlich auffaßten und daher bei<lb/>all ihrer Liebe zu ihren Kindern denselben dennoch<lb/>nicht zum wahren Wohle derselben handhabten, zur<lb/>Besinnung bringen werde und zur Einsicht, daß ihr<lb/>so herzliches Verlangen, ihre Kinder zu beglücken, nie<lb/>Erfüllung finden könne und werde, wenn sie dieselben<lb/>nicht zu einem echt christlichen Leben anzuleiten sich<lb/>angelegen sein lassen. Welch eine kostbare Frucht,<lb/>wenn unser Wort dazu beitrüge, sie zu <q>„<hi rendition="#w">christlichen</hi>
                        <lb/>
                        <hi rendition="#w">Vätern</hi>“</q> zu machen und so den Kindern derselben das<lb/>unschätzbare Gut einer <hi rendition="#w">christlichen</hi> Erziehung zu<lb/>vermitteln.</p>
						
                  <p>Jemehr – wie wir bereits in unserer <q>„Christ-<lb/>lichen Mutter“</q> bemerkt haben – die glaubensfeind-<lb/>
                     <pb facs="images/C889_001_1874_0009"
                         n="5"
                         xml:id="C889V3_001_1874_pb0005_0001"/>lichen Bestrebungen unserer Zeit darauf gerichtet sind,<lb/>der Jugend den Einfluß der h. Kirche und damit<lb/>Glauben und christliche Gesittung vorzuenthalten, desto<lb/>dringender legt sich jedem gläubigen Herzen der Wunsch<lb/>nahe, daß in den <hi rendition="#w">Familien</hi> der christliche Geist hei-<lb/>misch bleibe und kraft seiner die <hi rendition="#w">Erziehung</hi> einen<lb/>wahrhaft christlichen Charakter habe und daher, wie<lb/>die Mütter, so auch die Väter wahrhaft <hi rendition="#w">christliche</hi>
                     <lb/>seien; dann werden sie ihre Kinder in christliche Ge-<lb/>sinnung und in ein christliches Leben einführen und<lb/>ihnen, wenn sie in die böse Welt hinaus müssen, Glau-<lb/>ben und christliche Sitte als eine kostbare, schützende,<lb/>rettende und beglückende Mitgift zum Geleit geben.</p>
						
                  <p>Aber grad die Väter sind vermöge ihrer ganzen<lb/>Lebensstellung am Meisten den unseligen, Glauben<lb/>und christliche Sitte gefährdeten Einflüssen der Jetzt-<lb/>zeit ausgesetzt und daher in Gefahr, der Gesinnung<lb/>und dem Leben nach an ihrem christlichen Charakter<lb/>Schaden zu nehmen, um so nicht allein ihr eigenes<lb/>Heil in Gefahr zu bringen, sondern auch unfähig zu<lb/>werden, ihren Kindern eine christliche Erziehung, also<lb/>die wesentlichste Bedingung ihres wahren Wohles,<lb/>angedeihen zu lassen.</p>
						
                  <p>Daher gehörte es wesentlich zu unserer Aufgabe,<lb/>in diesem unserm Werkchen ganz insbesondere auch<lb/>Fingerzeige zu geben, wie der <q>„Vater“</q> trotz der ge-<lb/>dachten bösen Einflüsse seinen christlichen Charakter<lb/>behaupten und in echt christlichem Geiste bestehen möge.</p>
						
                  <p>Auch diesmal machen wir eine <hi rendition="#w">kleine</hi> Zugabe<lb/>von Gebeten für den <q>„christlichen Vater“</q>. Ohne<lb/>Segen von oben kann das große Geschäft der Er-<lb/>ziehung ein rechtes Gedeihen nicht finden. Dieser<lb/>Segen muß aber durch Gebet errungen werden.</p>
						
                  <pb facs="images/C889_001_1874_0010"
                      n="6"
                      xml:id="C889V3_001_1874_pb0006_0001"/>
						
                  <p>So möge denn auch der <q>„Christliche Vater“</q> ähn-<lb/>lich wie die <q>„Christliche Mutter“</q> sich die Wege bah-<lb/>nen in die Hände der Väter rings im deutschen Va-<lb/>terlande! Mögen seine Belehrungen, Winke und Rath-<lb/>schläge in deren Herzen eine gute Stätte finden, um<lb/>zu einem reichen Segen für die guten lieben Kinder<lb/>zu gedeihen. Der Herr gebe ihm das Geleite.</p>
						
                  <p>
                     <hi rendition="#w">Münster</hi> in der Pfingstwoche 1873.</p>
						
                  <signed rendition="#b #r">Der Verfasser.</signed>
					
               </div>
				
            </front>
				
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                  <head rendition="#c">Der Vatername.</head>
						
                  <p>
                     <q>„<hi rendition="#w">Vater</hi>“</q> – eines der ersten Worte, welche vom<lb/>kindlichen Munde gelallt werden, gewissermaßen die<lb/>Erstlinge der kostbaren Gabe der Sprache zur Ehre<lb/>dessen, dem Dasein und die Sprache zu verdanken,<lb/>des <hi rendition="#w">Vaters</hi> im Himmel und auch des irdischen<lb/>Vaters.</p>
						
                  <p>
                     <hi rendition="#w">Vater</hi> – welch ein ehrwürdiger Name! Von<lb/>Ewigkeit her wurde er genannt, zum Ausdruck des<lb/>geheimnisvollen Verhältnisses zwischen den beiden er-<lb/>sten Personen der Gottheit. Als aber Gott die<lb/>Menschen in's Dasein gerufen, da redeten sie Ihn<lb/>an mit dem Namen <q>„Vater!“</q>; Er <hi rendition="#w">war</hi> es, Er hatte<lb/>sie zu Seinen Kindern gemacht und als Seine Kin-<lb/>der mit den höchsten, mit wahrhaft göttlichen Gaben<lb/>sie ausgestattet.</p>
						
                  <p>Und als durch die Sünde dieser höchste Vorzug<lb/>der Kindschaft Gottes ihnen abhanden gekommen war<lb/>und nun Gott selbst in der zweiten Person der Gott-<lb/>heit auf die Erde herniederkam, um ihnen das ver-<lb/>lorene Heil wieder zu bringen, da war eben die<lb/>Wiederherstellung jenes gnadenvollen Verhältnisses der<lb/>
                     <hi rendition="#w">Kindschaft</hi> Gottes die kostbare Frucht des Lebens<lb/>und Wirkens, Leidens und Sterbens des Erlösers:<lb/>
                     <q>„So Viele an ihn glaubten, denen gab Er Macht,<lb/>
                        <hi rendition="#w">Kinder Gottes</hi> zu werden.“</q> Gott war und ist<lb/>wieder im Vollsinne des Wortes <q>„<hi rendition="#w">Vater</hi>“</q> aller der-<lb/>jenigen, welche in der h. Kirche wiedergeboren sind<lb/>zu Kindern Gottes.</p>
						
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                  <p>Als Vater lehrte Ihn der göttliche Erlöser wie-<lb/>der kennen; so nannte Er Ihn: <q>„Euer himmlischer<lb/>Vater;“</q>
							
                     <q>„euer Vater, der im Himmel ist;“</q> so sollten<lb/>nach Seiner Anleitung die, welche sich gläubig Ihm<lb/>angeschlossen hatten, Ihn anreden, wenn sie sich be-<lb/>tend an Ihn wendeten: <q>„<hi rendition="#w">Vater</hi> unser, der Du bist<lb/>im Himmel.“</q> Gott – der <hi rendition="#w">Vater</hi> der Menschen!<lb/>So Viele wiedergeboren sind aus dem Wasser und<lb/>dem h. Geiste, sie sind Seine Kinder, Er ihr <hi rendition="#w">Vater</hi>.</p>
						
                  <p>Mit welchem Rechte gebührt Ihm dieser Titel!<lb/>Ist Er es nicht, dem alle Menschen im tiefsten<lb/>Grunde Dasein und Wesen verdanken? Und wenn<lb/>sie in der Wiedergeburt die übernatürliche Kindschaft<lb/>Gottes erlangt haben, ist Er es nicht, der in der<lb/>Person des h. Geistes sie neugeschaffen hat? Er ist<lb/>es, der das von Ihm geschenkte natürliche und über-<lb/>natürliche Leben fristen und zu höherer Vollendung<lb/>führen muß, wenn es bestehen und zur Vollkommenheit<lb/>gedeihen soll. In Wahrheit – der <hi rendition="#w">Vater</hi> der Men-<lb/>schen, Seiner Kinder.</p>
						
                  <p>Aber Er hat die <hi rendition="#w">Vaterschaft</hi> und den erhabenen<lb/>
                     <hi rendition="#w">Vaternamen</hi> nicht für sich allein behalten wollen.<lb/>Wie Er in allen Menschen das Bild seines gött-<lb/>lichen Wesens abgeprägt und sie zu Seinen Eben-<lb/>bildern überhaupt geschaffen und hergestellt hat, so<lb/>sollte nach den Nachschlüssen Seiner göttlichen Weis-<lb/>heit und Liebe auch Seine <hi rendition="#w">Vaterschaft</hi> ihr Bild<lb/>in der Menschheit haben; eine gewisse Anzahl unter<lb/>den Menschen sollte Antheil haben an den Vorzügen<lb/>und Vorrechten Seiner väterlichen Würde; auch sie<lb/>sollten <hi rendition="#w">Väter</hi> sein und Kinder haben. Wie Ihm,<lb/>so sollten die Kinder auch <hi rendition="#w">ihnen</hi> ihr Dasein zu ver-<lb/>danken haben; gleichwie Er den Kindern, da Er sie<lb/>
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                         xml:id="C889V3_001_1874_pb0009_0001"/>zu Seinen natürlichen und übernatürlichen Edenbil-<lb/>dern schuf, einen Antheil an Seiner göttlichen We-<lb/>senheit schenkte, so sollten auch die Väter ihren Kin-<lb/>dern einen gewissen Antheil, wie an ihrer leiblichen,<lb/>so auch an ihrer geistigen Beschaffenheit übermitteln;<lb/>wie Er durch fortwährende Gnadenwirksamkeit Seine<lb/>Kinder zu immer höhern Stufen der Vollkommenheit<lb/>und so zum ewigen Heile zu führen sucht, so sollten<lb/>auch die Väter durch heilsamen Einfluß an diesem<lb/>Werke der Heiligung und einstigen Beseligung Theil<lb/>haben; – wie Er in alle Ewigkeit das beseligende<lb/>Bewußtsein hat, daß alle die, welche bei Ihm und<lb/>mit Ihm ewig unendlich selig sind, ihr Glück und<lb/>ihr Heil Ihm zu verdanken haben, so sollten auch<lb/>einst im Himmel die menschlichen Väter das ähnlich<lb/>beseligende Bewußtsein haben, durch treue Erfüllung<lb/>der Vaterpflichten geholfen zu haben, ihren Kindern<lb/>das Glück des Himmels zu vermitteln.</p>
						
                  <p>Also ist jeder menschliche Vater das Bild des<lb/>großen Vaters im Himmel, Sein Stellvertreter auf<lb/>Erden, von Gott dazu gesetzt. <q>„<hi rendition="#w">Alle</hi> Vaterschaft,“</q>
                     <lb/>sagt der Apostel, <q>„ist von Gott.“</q> Was er von der<lb/>weltlichen Obrigkeit sagt, das ist in noch viel höherm<lb/>Grade wahr in Betreff eines Vaters und von der<lb/>Vaterwürde: <q>„Sie ist von Gott; Gott hat sie ange-<lb/>ordnet.“</q> Ist aber der Vater ein Bild des großen<lb/>Vaters im Himmel und Sein Stellvertreter, so hat<lb/>er auch Theil an den Vorrechten der göttlichen Va-<lb/>terschaft: Er steht über seinen Kindern, er ist ihr<lb/>Herr und Gebieter; er hat Anspruch und Recht auf<lb/>Ehre, Gehorsam und Unterwürfigkeit von Seiten der<lb/>Kinder; ähnlich, wie Gott, ihrem himmlischen Vater,<lb/>schulden die Kinder auch ihm Ehrfurcht, Liebe und<lb/>
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                         xml:id="C889V3_001_1874_pb0010_0001"/>Gehorsam; sie sind im Gewissen verpflichtet, ihm<lb/>solche zu leisten. Auch für die Väter hat das Wort<lb/>des Herrn Geltung in Beziehung auf ihre Kinder:<lb/>
                     <q>„Wer euch hört, der hört Mich; wer euch verachtet,<lb/>der verachtet Mich.“</q> Konnte der große himmlische<lb/>Vater die menschlichen Väter, Seine Stellvertreter<lb/>auf Erden, höher ehren, als daß Er in Seinen h. Ge-<lb/>boten <hi rendition="#w">dem</hi> Gebote, welches sich auf <hi rendition="#w">sie</hi> bezieht, den<lb/>nächsten Platz nach den Seine göttliche Person be-<lb/>treffenden Geboten eingeräumt hat? Und nicht allein,<lb/>– auch dadurch hat Gott die Väter (und Mütter)<lb/>geehrt, daß das sie betreffende Gebot das einzige ist,<lb/>welches Er mit einer ausdrücklichen Verheißung be-<lb/>gleitet hat: <q>„Du sollst den Vater“</q> (und die Mutter)<lb/>
                     <q>„ehren, auf daß es dir wohl gehe.“</q>
                  </p>
						
                  <p>Was ist erhebender, als die Aussprüche der heil.<lb/>Schrift, worin der Herr in der manchfachsten Weise<lb/>den Kindern, welche gegen ihren Vater (und Mutter)<lb/>sich nach Pflicht erweisen, Seine himmlischen Seg-<lb/>nungen verspricht? Aber auch, was ergreifender, er-<lb/>schütternder, als der Fluch, den Er ausspricht über<lb/>Kinder, welche die dem Vater (der Mutter) gebührende<lb/>Ehre verletzen und ihr zuwider handeln? Und haben<lb/>diese Aussprüche des Herrn nicht in der h. Geschichte<lb/>die vielfältigste Bestätigung gefunden? Die reichste<lb/>Beglückung für gute Kinder; dagegen die strengsten<lb/>Strafgerichte über ungerathene Söhne und Töchter.<lb/>Und was so die h. Geschichte darlegt, das findet der<lb/>aufmerksamere Beobachter unablässig, immer von<lb/>Neuem bestätigt durch die tägliche Erfahrung.</p>
						
                  <p>Was folgt daraus? <hi rendition="#w">Das</hi> folgt daraus: Wenn<lb/>Gott, wie Er es hier durch Wort und That beweiset,<lb/>ein solches Gewicht legt auf die treue Erfüllung der<lb/>
                     <pb facs="images/C889_001_1874_0015"
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                         xml:id="C889V3_001_1874_pb0011_0001"/>Pflichten der Kinder gegen ihre Eltern, gegen ihre<lb/>Väter, wie hoch muß dann in Seinen Augen die<lb/>väterliche Würde stehen, wie erhaben erscheint dann<lb/>der Vatername, von Gott selbst also mit Ehren<lb/>umgeben!</p>
						
                  <p>Und wie ehrwürdig erscheint endlich die Vater-<lb/>schaft und der Name <q>„<hi rendition="#w">Vater</hi>“</q>, wenn wir mit un-<lb/>serm Blick eindringen in das <hi rendition="#w">Herz</hi> des Vaters!<lb/>Wie hat der Herr es eingerichtet? Ganz nach Sei-<lb/>nem <hi rendition="#w">Vaterherzen</hi>. <hi rendition="#w">Sein</hi> Vaterherz trägt eine<lb/>unendliche Liebe gegen Seine Kinder, und in der<lb/>Liebe, ein unermeßliches Verlangen, sie zu beglücken,<lb/>und eine unbegrenzte Bereitwilligkeit, dafür Alles zu<lb/>thun, und ein unaufhörliches, unermüdliches Walten,<lb/>um die Kinder zum wahren Wohle zu führen. Siehe<lb/>da die Ausstattung, welche der Herr <hi rendition="#w">jedem Vater-</hi>
                     <lb/>
                     <hi rendition="#w">herzen</hi> gegeben hat, die Mitgift. Aehnlich ist jedes<lb/>unverdorbene Vaterherz gegen die Kinder ganz von<lb/>selbst, unwillkührlich. Oder fände man wohl einen<lb/>Vater, dessen Herz, wenn Gott ihn nun in die Va-<lb/>terwürde einsetzt und ihm ein Kindlein schenkt, nicht<lb/>unwillkührlich den Drang der innigsten Liebe zu die-<lb/>sem seinem Kinde in sich verspürte und nicht Ver-<lb/>langen trüge, dies sein Kind zu beglücken und nicht<lb/>bereit wäre, dafür Alles zu thun?! Alle Welt würde<lb/>den einen <hi rendition="#w">unnatürlichen</hi> Vater nennen, dem es<lb/>an solcher Herzensverfassung gebräche. Nur bei einem<lb/>hohen Grade von Rohheit und Verkommenheit wäre<lb/>es möglich. Siehe da das <hi rendition="#w">Vaterherz</hi>.</p>
						
                  <p>Wer aber hat das menschliche Herz so eingerichtet<lb/>und geordnet, daß es, wenn der Mensch Vater wird<lb/>und ist, sich von solchen Gefühlen und Gesinnungen<lb/>alsbald beseelt findet? Es ist die Ausstattung des<lb/>
                     <pb facs="images/C889_001_1874_0016"
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                         xml:id="C889V3_001_1874_pb0012_0001"/>großen himmlischen Vaters an Seine Gleichbilder<lb/>und Stellvertreter auf Erden, die Mitgift aus Seinem<lb/>großen Vaterherzen an ihr Vaterherz.</p>
						
                  <p>Wie ehrwürdig lasset solche Verfassung des Vater-<lb/>herzens den Vaternamen erscheinen! Gott selbst, der<lb/>das Vaterherz gestaltet, hat ihn so ehrwürdig gemacht.</p>
						
                  <p>Will der Vatername <hi rendition="#w">nicht</hi> also ehrwürdig er-<lb/>scheinen, begegnet man vielmehr einer gewissen Miß-<lb/>achtung und Verachtung desselben, so hat das leider<lb/>seinen Grund in der Art, wie die hohe Würde bei<lb/>manchen Vätern der schmählichsten Entweihung und<lb/>Entehrung preisgegeben ist; ohne Gefühl und Sinn<lb/>für ihre väterliche Würde und für die hohe Aufgabe<lb/>ihres Berufes, unbekümmert um die Pflichten dessel-<lb/>ben, ja denselben auf die schnödeste Weise zuwider<lb/>handelnd lassen sie alle jene schönen Zuge, die das<lb/>Bild eines <hi rendition="#w">guten</hi> Vaters bietet, an sich vermissen<lb/>und bieten nur das häßliche Zerrbild eines entarteten<lb/>Vaters.</p>
						
                  <p>Aber lassen wir einen Vater der Idee seiner<lb/>väterlichen Würde entsprechen, führen wir uns einen<lb/>Vater vor, der in seinem Leben das Bild eines wahr-<lb/>haft guten Vaters zur Darstellung bringt, – wer<lb/>könnte ihm seine innigste Anerkennung, seine Hoch-<lb/>achtung vorenthalten? Wie ist bei Kindern eines<lb/>solchen Vaters der Vatername so hochgeachtet, so ehr-<lb/>würdig, so geschätzt, so geliebt! Ihr ganzes Herz<lb/>bewegt sich im Gedanken an den Vater; von ihm<lb/>getrennt, tragen sie heiße Sehnsucht nach ihm; seine<lb/>Gegenwart, sein Blick, sein Wort ist ihnen Beglückung.<lb/>Sein Andenken steht unverwüstlich in ihrem Herzen,<lb/>selbst dann noch, wenn er längst im Grabe ruhet.<lb/>
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                         xml:id="C889V3_001_1874_pb0013_0001"/>Giebt's denn wollthuendere, labendere Erinnerungen,<lb/>als die an einen wahrhaft guten Vater?</p>
						
                  <p>O ja, ehrwürdig ist der Vatername. <hi rendition="#w">Ihn</hi> braucht<lb/>man daher, um in allen Verhältnissen und Kreisen<lb/>des Lebens das Gute, das Vortreffliche, das Vor-<lb/>zügliche, das Beste zu bezeichnen. Welch ein ehrendes<lb/>Zeugniß für einen Hausherrn, wenn sein Gesinde<lb/>aus dem Zuge des Herzens ihn <q>„Vater“</q> nennt!<lb/>Welch ein Lob, wenn's von dem Vorsteher einer An-<lb/>stalt, einer Gemeinde heißt: Er ist den Genossen der<lb/>Anstalt, der Gemeinde ein Vater. Und giebt's für<lb/>einen Fürsten, König und Kaiser einen schönern Ruhm,<lb/>als wenn ihm der Name <q>„Landes<hi rendition="#w">vater</hi>“</q> mit Recht<lb/>gegeben werden mag?</p>
						
                  <p>Oder gehen wir in geistliche Kreise: Während<lb/>der Priester eines seiner wichtigsten Aemter verwaltet,<lb/>wo die ganze Liebe und Sorgfalt seines Herzens in<lb/>Anspruch genommen wird, und die Gläubigen den<lb/>höchsten Beweis ihres Vertrauens zu geben pflegen,<lb/>da nennt man ihn mit dem Vaternamen <q>„Beicht-<lb/>
                        <hi rendition="#w">vater</hi>“</q>. – Wenn ein Seelsorger sich einer Seele<lb/>mit besonderer Sorgfalt annimmt, um sie auf den<lb/>Wegen der Vollkommenheit weiter zu führen, da heißt<lb/>er ihr <q>„geistlicher <hi rendition="#w">Vater</hi>“</q>. – Pfarrer und Bischöfe,<lb/>welche ihres hohen und wichtigen Amtes mit beson-<lb/>derer Liebe und Sorgfalt walten, heißen <hi rendition="#w">Väter</hi> der<lb/>Gemeinden, der Diöcesen. – Ja selbst für den höchsten<lb/>Würdenträger in der h. Kirche, für ihr Oberhaupt,<lb/>für den eigentlichen Stellvertreter Jesu Christi hat<lb/>sich kein schönerer, treffenderer Name gefunden, als<lb/>der Name <q>„Vater“</q>; Papst heißt <q>„Vater“</q>; unser<lb/>ganzes Herz bewegt sich, wenn wir sagen: <q>„Unser<lb/>heiliger <hi rendition="#w">Vater</hi>.“</q>
                  </p>
						
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                  <p>So ehrwürdig ist der Vatername auf Erden.<lb/>Wird er's nicht auch im Himmel sein? Herrlich<lb/>werden einst an den Auserwählten ewiglich erglänzen<lb/>jene geheimnißvollen Ehrenzeichen, welche sie in der<lb/>h. Taufe, in der h. Firmung, und wenn sie Priester<lb/>waren, in der h. Priesterweihe empfingen, die Ehren-<lb/>zeichen der Kindschaft Gottes, der Ritterschaft Jesu<lb/>Christi, des Priesterthums. Wer möchte zweifeln,<lb/>daß in einer ähnlichen Art auch die Vaterwürde an<lb/>den Auserwählten, so Viele aus ihnen auf Erden<lb/>dieselbe bekleidet haben, zu ihrer ewigen Ehre und<lb/>Glorie hervorstrahlen werde?</p>
						
                  <p>Siehe, christlicher Vater, das bist du: <hi rendition="#w">Vater</hi>;<lb/>diesen ehrwürdigen Namen, von Gott und von Men-<lb/>schen mit Ehren umgeben, hochgeachtet auf Erden,<lb/>geehrt im Himmel, – ihn trägst du; er wird, wenn<lb/>du ihn würdig trägst, auch <hi rendition="#w">deine</hi> Ehre sein, deine<lb/>Beglückung, dein Heil für Zeit und Ewigkeit.</p>
						
                  <p>Auf denn, so erfülle sich dein Herz mit Erhebung<lb/>in dem Bewußtsein deiner väterlichen Würde; dein<lb/>Vatername – er sei dein Stolz; dich seiner zu aller<lb/>Zeit und in jeder Art würdig zu erweisen, das sei<lb/>dir h. Ehrensache!</p>
					
               </div>
					
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               <div xml:id="d62092e1525">
						
						
                  <head rendition="#c">Der Vaterberuf.</head>
						
                  <div xml:id="d62092e1530">
							
                     <head rendition="#c">Seine Aufgabe.</head>
						
                     <p>Ehrwürdig ist der Vatername. Namen, die von<lb/>Gott stammen, sind der Ausdruck des <hi rendition="#w">Wesens</hi> ihrer<lb/>Träger. Das ist es, was wir <hi rendition="#w">hier</hi> in's Auge fassen,<lb/>das <hi rendition="#w">Wesen</hi> der Würde des Vaters, seinen Beruf,<lb/>seine Aufgabe.</p>
						
                     <p>Des Vaters Aufgabe ist wie seine Würde, von<lb/>Gottes Gnaden; Gott hat ihn, da Er ihm seine<lb/>Kinder gab, zum Vater gemacht. Die Kinder sind<lb/>Gottes Geschenk. <q>„Er hat uns gemacht,“</q> sagt der<lb/>Psalmist, <q>„wir haben uns nicht selbst gemacht.“</q> Sie<lb/>sind Gottes Eigenthum; <q>„Er ist unser Gott,“</q> heißt<lb/>es ferner, <q>„wir aber sind <hi rendition="#w">Sein</hi> Volk, Schafe <hi rendition="#w">Sei-</hi>
                           <lb/>
                           <hi rendition="#w">ner</hi> Weide.“</q> Und: <q>„Dem Herrn gehört die Erde<lb/>und <hi rendition="#w">Alles</hi>, was auf ihr ist.“</q> Deine Kinder, o<lb/>Vater, sind Gottes Kinder, viel mehr und in einem<lb/>viel höhern Sinne, als sie <hi rendition="#w">deine</hi> Kinder sind. Liebst<lb/>du sie, Er liebt sie noch viel mehr. Hast du Sorge<lb/>für sie, Er hat noch mehr Sorge für sie. Sie ge-<lb/>hören in aller Weise so viel mehr Ihm, als dir.<lb/>Er hat sie <hi rendition="#w">dir</hi> anvertrauet.</p>
						
                     <p>Wozu hat Er sie dir anvertrauet? – Frag,<lb/>wozu hat er sie geschaffen? Die Antwort ist be-<lb/>kannt, sie sollen heranwachsen und gedeihen zu wahr-<lb/>haft guten Menschen, auf daß sie zur Zeit zu eigenem<lb/>Wohle und zum Besten ihrer Mitmenschen treu und<lb/>gewissenhaft ihrem Berufe auf Erden entsprechen und<lb/>durch ihr Leben auf Erden sich den Eingang in das<lb/>Reich Gottes im Himmel, in die ewige Seligkeit<lb/>erringen. Welch eine Aufgabe! An ihrer Erfüllung<lb/>
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0016_0001"/>hängt das Wohl des Menschen auf Erden, an ihrer<lb/>Erfüllung hängt sein Wohl für die ganze Ewigkeit.</p>
						
                     <p>Dazu hat dir nun der Herr deine Kinder gegeben<lb/>und anvertrauet, daß du ihnen behülflich sein sollest<lb/>zur Erfüllung <hi rendition="#w">dieser</hi> Aufgabe. Du sollst dazu bei-<lb/>tragen und ihnen behülflich sein, daß sie wahrhaft<lb/>gute Menschen werden, daß sie für den von Gott<lb/>gegebenen Beruf tüchtig werden und ihm in aller<lb/>Treue sich hingeben, auf daß ihr Leben auf Erden<lb/>nicht allein ihre zeitliche Wohlfahrt begründe, son-<lb/>dern ihnen auch den Himmel verschaffe.</p>
						
                     <p>Das alles hat der Herr in deine Hand gegeben<lb/>und zwar so sehr, daß deine Kinder, wenn du nicht<lb/>an ihnen und für sie bist und thust, was du nach<lb/>Gottes Absicht und Rathschluß sein und thun sollst,<lb/>so fast sicher ihre von Gott gegebene Bestimmung<lb/>
                        <hi rendition="#w">gar nicht</hi> erreichen. Sie werden keine gute Men-<lb/>schen, wenn du nicht das Deinige dazu thust; sie<lb/>werden ihren Beruf auf Erden nicht erreichen und<lb/>seine Aufforderungen nicht entsprechen, wenn du sie<lb/>nicht dazu anleitest; sie werden nicht wahrhaft glück-<lb/>lich auf Erden, sie werden leicht nicht in den Him-<lb/>mel kommen, wenn du nicht Gottes Willen an ihnen<lb/>erfüllest. Man kann in Wahrheit sagen: <hi rendition="#w">Die Kin-</hi>
                        <lb/>
                        <hi rendition="#w">der sind in deine Hand gegeben</hi>.</p>
						
                     <p>Es gibt Ausnahmen von der Regel: Kinder, an<lb/>welchen der Vater seine Pflicht <hi rendition="#w">nicht</hi> gethan hat, ja,<lb/>an denen er seiner Pflicht gradzu entgegen gehandelt<lb/>hat, werden dennoch gute Menschen und gelangen<lb/>zum Heile. Gott selbst tritt mit besondern Gnaden<lb/>und durch gnadenvolle Fügungen ein und ersetzt und<lb/>gleicht aus, was der Vater ihnen vorenthalten oder<lb/>an ihnen verdorben hat. Aber das sind <hi rendition="#w">Ausnah</hi>-<lb/>
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                        <hi rendition="#w">men</hi>, sogar sehr seltene. <hi rendition="#w">Regel</hi> bleibt es, daß Kin-<lb/>der, an welchen der Vater (und mit ihm die Mutter)<lb/>die Pflicht nicht erfüllt hat, nicht wahrhaft gute Men-<lb/>schen werden, nicht oder nicht in gebührender Weise<lb/>zum Heile gelangen. Die Rathschlüsse des Herrn<lb/>sind für den schwachen menschlichen Verstand viel-<lb/>fach unerforschlich. Fragt man, warum der Herr,<lb/>was er doch an einzelnen verwahrlosten Kindern<lb/>thut, nicht an allen, <hi rendition="#w">ja in der</hi> Regel <hi rendition="#w">nicht</hi> thue,<lb/>so ist eine sichere Auskunft darüber oft genug nicht<lb/>vergönnt; aber <hi rendition="#w">Thatsache</hi> ist es, daß in der Regel<lb/>das, was die Eltern ihren Kindern vorenthalten, was<lb/>sie an ihnen verdorben haben, ihnen überhaupt vor-<lb/>enthalten und verdorben bleibt.</p>
						
                     <p>Tritt nicht beim <hi rendition="#w">einzelnen</hi> Menschen etwas<lb/>Aehnliches zu Tage? Handelt es sich darum, daß<lb/>er ein guter Mensch sei und werde, daß er seinen<lb/>Beruf erreiche und erfülle, daß er zeitliches und<lb/>ewiges Wohl erlange, so muß in allen diesen Be-<lb/>ziehungen ohne Zweifel Gott das Meiste thun -<lb/>durch Seine Gnade, durch gnadenvolle Fügungen und<lb/>Einwirkungen. Aber dennoch muß auch der Mensch<lb/>überhaupt und in jedem einzelnen Falle mit Hand<lb/>an's Werk legen; er muß, wenn es sich um die Voll-<lb/>führung eines guten Werkes, um Ueberwindung der<lb/>Versuchung, um Befreiung von Fehlern, um Er-<lb/>ringung von Tugenden handelt, überall die von Gott<lb/>ihm verliehenen Kräfte, Gaben und Fähigkeiten ein-<lb/>setzen und benutzen; erst dann, und nur so viel, als<lb/>er es thut, pflegt Gott das <hi rendition="#w">Seinige</hi> zu thun, mit<lb/>Seiner Gnadenhülfe ihm beizustehen und das Man-<lb/>gelnde zu ersetzen. Aber auch selbst das thut Er<lb/>meist nur dann und in so fern, wenn und in so<lb/>
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0018_0001"/>fern der Mensch durch Gebet und sonstiges frommes<lb/>Thun Ihn dazu zu vermögen sucht. <q>„Hilf dir“</q> sagt<lb/>das Sprichwort, <q>„so wird Gott dir helfen,“</q> d. i.<lb/>setze das Deinige ein;<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
                           <p>Freilich, auch dazu bedarf der Mensch der Gnade.</p>
                        </note> dann darfst du hoffen, daß<lb/>Gott, wenn du Ihn bittest, auch das Seinige thun<lb/>werde. – Läßt es aber der Mensch daran fehlen,<lb/>benutzt er die von Gott ihm gegebenen Gaben und<lb/>Gnaden und Gelegenheiten nicht, um von seinen<lb/>Fehlern los zu kommen, um die Tugenden zu er-<lb/>ringen und das Heil zu erwerben, so tritt Gott<lb/>nicht ersetzend und gutmachend für ihn ein, ob Er's<lb/>auch könnte; der Mensch bleibt in seinen Fehlern<lb/>stecken, bleibt ohne Tugend, geht verloren.</p>
						
                     <p>So liegt es im geheimnißvollen Rathschlusse der<lb/>unendlichen Weisheit Gottes, Seiner Heiligkeit und<lb/>Liebe. Der Mensch soll – dahin geht dieser Rath-<lb/>schluß – er soll, so viel möglich, selbst der Urheber<lb/>seines Heiles sein, ähnlich, wie Gott, was er ist und<lb/>hat, aus sich hat und ist; sein Glück soll dadurch<lb/>desto größer werden. Aber ganz ähnlich liegt's im<lb/>Rathschlusse des Herrn, daß auch das Wohl des einen<lb/>Menschen durch die heilsame Einwirkung des Andern,<lb/>der Andern bedingt sei. Gott schuf die Menschen<lb/>so, daß sie nicht als vereinzelte Wesen neben ein-<lb/>ander stehen, sondern auf's Innigste, wie die Glieder<lb/>des Leibes, mit einander verbunden sein, ein großes<lb/>Ganze bilden sollten. Handelte es sich für den Ein-<lb/>zelnen darum, seine Bestimmung und sein zeitliches<lb/>und ewiges Wohl zu erreichen, so sollte es ihm nicht<lb/>allein anheimgegeben sein, sondern, damit es in desto<lb/>reicherem Maße geschehe, sollten auch die Andern,<lb/>also Viele dazu beitragen, dazu mitwirken; wie<lb/>
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0019_0001"/>denn hinwiederum der Einzelne den Andern darin<lb/>behülflich sein sollte.</p>
						
                     <p>Wir errathen die gnädige Absicht Gottes leicht.<lb/>Sollte dadurch, daß Viele dafür thätig wären, das<lb/>Heil des Einzelnen voller werden, so bezweckte der<lb/>Herr ohne Zweifel dadurch zugleich, daß ein Band<lb/>heiliger Liebe mehr und mehr Alle innig umschlinge<lb/>und einst in Ewigkeit die Auserwählten das beseligende<lb/>Bewußtsein tragen möchten, zum Wohle und zur Be-<lb/>glückung so vieler Andern beigetragen zu haben.</p>
						
                     <p>Wie dem auch sei, die Wahrheit steht fest, das<lb/>Wohl des einen Menschen ist auf manchfache Weise<lb/>bedingt durch einen gewissen heilsamen Einfluß der<lb/>Andern, so sehr, daß derselbe <hi rendition="#w">ohne</hi> diesen das für<lb/>ihn Erwünschliche gar nicht oder nur in viel gerin-<lb/>gerem Maße erreiche. Unterlassen und versäumen<lb/>es die Betreffenden, diesem oder jenem in nothwen-<lb/>diger oder erwünschlicher Art Gabe, Hülfe, Erleich-<lb/>terung, Trost, Unterstützung, Belehrung, Anleitung,<lb/>heilsamen Einfluß u.s.w. zuzuwenden, so bleibt<lb/>demselben das alles vorenthalten; er bleibt in seiner<lb/>Noth, er erlangt nicht das erwünschte Heil. Der<lb/>Herr tritt nicht ersetzend ein.</p>
						
                     <p>Wohl nirgends ist das aber in so hohem Grade<lb/>der Fall, wie bei den Kindern. Sie sind in jeglicher<lb/>Weise angewiesen auf den heilsamen Einfluß des<lb/>Vaters, der Mutter. Sind diese nicht darauf bedacht,<lb/>das Ihrige zu thun, um sie zu guten Menschen zu<lb/>machen, sie zum Heile zu führen, so werden sie nur<lb/>zu leicht überhaupt keine gute Menschen, gelangen<lb/>nicht zum Heile. Fraget jene unglücklichen Menschen,<lb/>welche zu keinem rechten Lebensberufe gelangt sind,<lb/>oder den Anforderungen ihres Berufes nicht ent-<lb/>
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0020_0001"/>sprechen, vielleicht in Sünde und Laster dahin leben,<lb/>welche daher ein wahres Lebensglück nicht gefunden<lb/>haben, vielmehr ein elendes Dasein führen, fraget<lb/>sie, woher dies alles? Fast immer wird die Antwort<lb/>auf einen Vater, auf eine Mutter zurückführen, welche<lb/>ihre Pflicht an ihnen nicht gethan haben. – Ja,<lb/>wäre es vergönnt, in der jenseitigen Welt dieselbe<lb/>Frage an jene Unseligen zu stellen, welche dem ewigen<lb/>Verderben anheimgefallen sind – ach, wie Viele<lb/>unter ihnen würden die Hauptschuld ihres Verderbens<lb/>auf den Vater, die Mutter wälzen!</p>
						
                     <p>Siehe also, o Vater, deine Aufgabe! Da es im<lb/>Plane der göttlichen Weisheit und Liebe lag, den<lb/>Menschen als unmündiges Kind in's Dasein zu<lb/>setzen, auf daß, wie das leibliche Leben, so auch das<lb/>geistige und höhere Leben sich aus kleinen und ge-<lb/>ringen Anfängen zu immer höhern Stufen der Voll-<lb/>endung entwickele, so bedurfte der junge Mensch für<lb/>die Zeit der Entwicklung seines leiblichen und geistigen<lb/>Lebens einer Stütze und Hülfe, eines Führers und<lb/>Erziehers, um in heilsamer Weise jene von Gott<lb/>ihm zugedachten Stufen der Vollendung zu erreichen,<lb/>ähnlich, wie das junge zarte Bäumchen der Stütze,<lb/>und Pflege bedarf.</p>
						
                     <p>Daher hat Er dem Menschen für die Zeit seiner<lb/>Kindheit und Jugend die Eltern, besonders den Vater,<lb/>zur Seite gegeben. Da der jugendliche Mensch selbst<lb/>noch nicht im Stande ist, das, was zur Erhaltung<lb/>und Fristung des Lebens Noth thut, sich zu verschaffen,<lb/>so soll es ihm vom Vater verschafft werden; da der<lb/>jugendliche Mensch, noch unwissend und unerfahren,<lb/>nicht weiß, was seines Berufs und Heiles ist, so<lb/>soll der Vater, reicher an Kenntniß und Erfahrung,<lb/>
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0021_0001"/>ihm die rechten Wege zeigen und auf sie hinlenken; da<lb/>der jugendliche Mensch, gleichwie am Körper, so auch<lb/>am Geiste und Willen schwach und unselbstständig durch<lb/>eigene Wahl und Bestimmung schwerlich den rechten<lb/>Weg einhalten mag, so soll der Vater, gereift durch<lb/>Erfahrung, gefestigt in guten Grundsätzen und stark<lb/>im christlichen Geiste, ihm ein Führer sein auf dem<lb/>rechten Wege und ihm, daß er ihn einhalte, eine<lb/>h. Gewalt anthun.</p>
						
                     <p>So ist das Kind, der Jüngling, die Jungfrau<lb/>überall und in allen Beziehungen auf den Vater<lb/>(die Mutter) angewiesen; sie <hi rendition="#w">werden</hi> fast immer das,<lb/>was der Vater aus ihnen macht. Kann es daher eine<lb/>höhere, wichtigere und verantwortlichere Aufgabe geben,<lb/>als die, welche der Vater an seinen Kindern hat?</p>
					
                  </div>
					
                  <div xml:id="d62092e2112">
						
                     <head rendition="#c">Die Ausstattung.</head>
						
                     <p>Darum hat denn auch der Herr, da er diese<lb/>Ordnung eingeführt und Seine Kinder für die erste<lb/>Zeit ihres Lebens in so hohem Grade den Eltern<lb/>anheimgegeben hat, auf die manchfachste Weise Sorge<lb/>getragen, den Eltern die Erfüllung ihrer wichtigen<lb/>Aufgabe auf jede Art möglich zu machen. Daher<lb/>hat Er im Herzen des Vaters und der Mutter jene<lb/>starken und mächtigen Regungen der Vater- und<lb/>Mutterliebe grundgelegt, auf daß sie durch dieselben,<lb/>wie unwillkürlich, erweckt würden, sich ihrer Kinder<lb/>mit aller Sorgfalt anzunehmen; was aber nun schon<lb/>das natürliche Gefühl der Liebe den Eltern nahe<lb/>legen mußte, das hat der Herr ihnen durch Wort<lb/>und That auf's Nachdrücklichste an's Herz gelegt und<lb/>zur heiligsten Pflicht gemacht. Wie ergreifend sind<lb/>Seine Drohungen wider pflichtvergessene Eltern! Wie<lb/>
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0022_0001"/>groß die Belohnungen, welche Er <hi rendition="#w">guten</hi> Eltern in<lb/>Aussicht stellt! Drohungen wie Verheißungen sollten<lb/>zu desto treuerer Erfüllung der Elternpflichten anregen.</p>
						
                     <p>Dem entsprechend hat der Herr die Herzen der<lb/>Kinder so eingerichtet, daß schon ein gewisser <hi rendition="#w">natür-</hi>
                        <lb/>
                        <hi rendition="#w">licher Trieb</hi> sie dahin vermöge, den Eltern in ihren<lb/>erziehenden Bestrebungen überall gewissermaßen auf<lb/>halbem Wege entgegenzukommen. Daher dieses Ge-<lb/>fühl der Liebe und Anhänglichkeit gegen Vater und<lb/>Mutter in jedem kindlichen Herzen, diese Empfäng-<lb/>lichkeit und dies gläubige, offene Herz für Alles, was<lb/>die Eltern sagen und thun, dieser Trieb, ihnen Alles<lb/>nachzumachen, diese Willigkeit, ihren Befehlen zu fol-<lb/>gen. Alles Fassungen, welche Gott dem Kindesherzen<lb/>eingepflanzt hat. Und auch hier ist Gott den <hi rendition="#w">natür</hi>-<lb/>
                        <hi rendition="#w">lichen</hi> Trieben durch Vorschrift und Gebot zu Hülfe<lb/>gekommen. Wie nachdrücklich hat Er den Kindern<lb/>Ehrfurcht, Liebe und Gehorsam gegen die Eltern zur<lb/>Pflicht gemacht! Und wie hat Er zu aller Zeit durch<lb/>Lohn und Strafe, an guten oder schlechten Kindern<lb/>vollführt, auf die augenscheinlichste Weise, nicht selten<lb/>in erschütternder Art diesen Seinen Geboten Nach-<lb/>druck gegeben!</p>
						
                     <p>Hatte der Herr bei allen diesem auch zunächst<lb/>das Wohl der Kinder im Auge, welches in so hohem<lb/>Grade durch die treue Erfüllung ihrer Pflichten gegen<lb/>die Eltern bedingt ist, so wollte Er dadurch doch<lb/>auch zugleich den Eltern zu Hülfe kommen, auf daß<lb/>sie desto sicherer ihre Aufgabe an den Kindern voll-<lb/>führen könnten.</p>
						
                     <p>Siehe also, o Vater, wie viel Gott, deinem Herrn,<lb/>daran liegt, daß du deine Aufgabe an deinen Kin-<lb/>dern nach Seinem h. Willen vollführest! Muß die-<lb/>
                        <pb facs="images/C889_001_1874_0027"
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0023_0001"/>selbe dir nicht um so wichtiger erscheinen, je mehr dein<lb/>Gott gethan hat, um die Erfüllung derselben zu sichern?</p>
					
                  </div>
					
                  <div xml:id="d62092e2250">
						
                     <head rendition="#c">Erhabenheit des väterlichen Berufs.<lb/>Strafe und Lohn.</head>
						
                     <p>Bedarf es noch mehr, um den Vätern ihren<lb/>Beruf werth und heilig zu machen, so können wir<lb/>hinweisen auf die <hi rendition="#w">Erhabenheit</hi> dieses Berufes. Oder,<lb/>was könnte Gott einem armen Menschen Kostbareres<lb/>und Besseres anvertrauen, als einen <hi rendition="#w">Menschen</hi>.</p>
						
                     <p>Einen Menschen! Hast du es schon je in seiner<lb/>Tiefe erfaßt, was denn ein Mensch ist? Der Mensch<lb/>ist das herrlichste Werk der Hand des Herrn: Alles<lb/>hatte Gott durch einen einfachen Akt Seines h. Wil-<lb/>lens in's Dasein gerufen; Er sprach: <q>„Es werde!“</q>
                        <lb/>und es war da. Als Er aber den Menschen in's<lb/>Dasein rufen wollte, da traten zuvor die anbetungs-<lb/>würdigen Personen der allerheiligsten Dreieinigkeit<lb/>gewissermaßen in einen h. Rath zusammen: <q>„Lasset<lb/>Uns den Menschen machen!“</q> Und so <q>„schuf Gott<lb/>den Menschen nach Seinem Bilde, nach Seinem<lb/>Gleichnis; schuf Er ihn.“</q> – Siehe, o Vater, dieses<lb/>herrlichste Werk Seiner Hände hat er dir anvertraut,<lb/>so vielfach, als Er dir Kinder geschenkt hat.</p>
						
                     <p>Und wie theuer sind Ihm deine Kinder! Sie<lb/>sind ja auch <hi rendition="#w">Seine</hi> Kinder, viel mehr und in viel<lb/>höherem Sinne, als sie deine Kinder sind. Er liebt<lb/>sie mehr, als du. <q>„Mit ewiger Liebe hat Er sie<lb/>geliebt.“</q> Er hat Seinen Sohn für sie hingegeben.<lb/>Und wie sehr liebt sie der göttliche Sohn, der große<lb/>Kinderfreund. Er hat sein Leben für sie hingegeben.<lb/>Und der h. Geist! Er hat in der heiligen Taufe<lb/>Besitz von ihnen genommen, um in ihnen als in<lb/>
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0024_0001"/>Seinen Tempeln zu wohnen und zu wirken. Siehe,<lb/>diese so hochgeliebten Kinder hat der dreieinige Gott<lb/>dir, o Vater, anvertraut, das Theuerste, was Er hat.<lb/>Du sollst Ihm helfen, diese deine und Seine Kinder<lb/>zum wahren Heil zu führen; Er hat dich in diesem<lb/>hochheiligen Werke zu Seinem Mitarbeiter erwählet.<lb/>O ehrwürdiges Amt, Gottes Mitarbeiter zu sein am<lb/>Heile Seiner Kinder!</p>
						
                     <p>Und um was handelt es sich? Es handelt sich<lb/>um das <hi rendition="#w">Wohl</hi> deiner Kinder. Handelte es sich blos<lb/>um das zeitliche Wohl der Kinder, wie wichtig er-<lb/>scheint schon das! Wie viel liegt daran, daß der<lb/>Mensch hier auf Erden ein wahres Lebensglück finde.<lb/>O gewiß, wenn es sich in der Erziehung bloß darum<lb/>handelte, so würde dieselbe jedem nur halbwegs guten<lb/>Vater schon höchst wichtig erscheinen müssen. Nun<lb/>aber handelt es sich um ein <hi rendition="#w">ewiges</hi> Wohl und<lb/>Wehe. Es ist in die Hand des Vaters gegeben,<lb/>durch eine gute Erziehung seine Kinder von dem<lb/>furchtbarsten, ewigen Verderben zu retten, ihnen das<lb/>Höchste, ein unendliches, ewiges Glück zu vermitteln.<lb/>Kann eine größere, höhere Aufgabe gedacht werden?<lb/>Darum hat auch der Herr Jesus nicht Anstand ge-<lb/>nommen, die größten Leiden und Qualen zu über-<lb/>nehmen, ja sich dem schmählichsten Tode hinzugeben,<lb/>da es sich darum handelte, die Menschen von jenem<lb/>Verderben zu retten und sie zu diesem Heile zu füh-<lb/>ren. Auch für die Seele eines jeden Kindes ist dieser<lb/>unendlich kostbare Preis, dieses Lösegeld von unend-<lb/>lichem Werthe entrichtet worden. O wahrhaft erha-<lb/>bene, unendlich wichtige Aufgabe des Vaters an sei-<lb/>nen Kindern!</p>
						
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                     <p>Was daher auch ein Vater an sonstigen Geschäf-<lb/>ten hier auf Erden zu vollführen hat, keines kann<lb/>sich auch nur von fern messen mit seiner Aufgabe<lb/>an seinen Kindern. Es ist in der That das wich-<lb/>tigste Geschäft, die höchste Aufgabe seines Lebens.</p>
						
                     <p>Von ihrer treuen und gewissenhaften Erfüllung<lb/>hängt daher auch mehr als von allem Andern sein<lb/>eigenes Wohl für Zeit und Ewigkeit ab. Welch'<lb/>eine Fülle der schönsten Genugthuungen wird guten<lb/>Eltern fast immer schon auf Erden von ihren wohl-<lb/>erzogenen Söhnen und Töchtern bereitet! Sind nicht<lb/>gute Kinder die Freude, die Ehre, der Reichthum<lb/>derselben, ihr höchstes Glück! Aber im Gegentheil,<lb/>welches Wehe auf Erden kann sich messen mit dem<lb/>Wehe, dem Kummer, dem Grame, so leichtsinnige<lb/>Eltern fast immer von ihren durch ihre Schuld miß-<lb/>rathenen Kindern erfahren?</p>
						
                     <p>Das ist die von der göttlichen Gerechtigkeit her-<lb/>gestellte Ordnung, das Vorspiel dessen, was den<lb/>Eltern die Ewigkeit bringt. Wie schwer wird die<lb/>Verantwortung eines Vaters sein, der in der Stunde<lb/>seines Gerichtes bekennen muß, daß er die höchste<lb/>und wichtigste Aufgabe, so Gott ihm auf Erden ge-<lb/>stellt hatte, verkannt und vernachlässigt habe und<lb/>durch diese Säumniß, durch die Gewissenlosigkeit,<lb/>womit er der heiligsten Pflicht seines Lebens, seiner<lb/>Vaterpflicht zuwider gehandelt hat, durch Wort und<lb/>Beispiel Schuld gewesen, daß die, welche er zu guten<lb/>Menschen erziehen sollte, schlecht geworden, daß die,<lb/>welchen er ein Führer zum Heil hätte sein sollen,<lb/>verloren gegangen sind! Und, sofern er seine große<lb/>Sünde nicht durch wahre Buße getilgt hat, welch'<lb/>ein Gericht! Und welche Verdammniß! Ist das<lb/>
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0026_0001"/>nicht allein schon eine Hölle, wenn ein solcher Va-<lb/>ter, was nur zu sehr zu fürchten steht, dort am<lb/>
                        <q>„Orte der Qualen“</q> seine Kinder um sich hat, um<lb/>aus ihrem Munde jene schrecklichen Vorwürfe, Ver-<lb/>fluchungen und Verwünschungen zu vernehmen?!</p>
						
                     <p>O Vater, bedenke das und lasse es dein höchstes<lb/>Streben sein, ein guter Vater au deinen Kindern<lb/>zu sein. Wer fände Worte, den Lohn eines guten<lb/>Vaters in der Ewigkeit auch nur annähernd darzu-<lb/>stellen? Immer will es uns scheinen, daß der Herr<lb/>jenes Wort, womit Er Seine treuen Diener einst<lb/>auf Seinem Richterthrone empfangen wird: <q>„Wohl<lb/>dir, guter und getreuer Knecht“</q> mit ganz besonderer<lb/>Liebe und Huld zu Vätern (und Müttern) sagen wird,<lb/>welche ihre Kinder gut erzogen, welche also denen,<lb/>die Er so sehr, die Er unendlich liebt, den Kindern,<lb/>so großes, das größte Heil vermittelt haben; welche<lb/>beitragen zur Erfüllung des höchsten Verlangens<lb/>Seines h. Herzens, daß doch die Seelen, wofür Er<lb/>Sein kostbares Blut vergossen und Sein Leben hin-<lb/>gegeben hat, zur ewigen Seligkeit gelangen möchten.</p>
						
                     <p>O ja! Und unaussprechlich groß wird der Lohn<lb/>sein, den Er ihnen zurichtet, Er, der nicht einen Trunk<lb/>Wassers unbelohnt lassen will. – Würde nicht das<lb/>allein schon ein Himmel für solche Väter sein, ihre<lb/>Kinder dort im Himmel um sich zu haben, sie unend-<lb/>lich glücklich zu sehen und dabei das Bewußtsein<lb/>haben zu dürfen, zu diesem ihrem Glücke so viel bei-<lb/>getragen, ja es mit Gottes Gnade recht eigentlich<lb/>begründet zu haben! Wahrhaftig, da ist das schöne<lb/>Wort im Vollsinne wahr, was der h. Augustinus<lb/>von <hi rendition="#w">allen</hi> Auserwählten sagt: <q>„Jeder freuet sich<lb/>über das Glück des Andern, wie über das eigene;<lb/>
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                           <hi rendition="#w">so viel Genossen, so viel Himmel</hi>,“</q>
							
                        <q>„der<lb/>Vater freuet sich über das Glück seiner Kinder, wie<lb/>über das eigene; <hi rendition="#w">so viel Kinder, so viel Him-</hi>
                           <lb/>
                           <hi rendition="#w">mel</hi>.“</q> Und wahrhaft glücklicher Vater, wenn dann<lb/>die Kinder vor dem ganzen Himmel Zeugniß geben,<lb/>daß sie ihr Himmelsglück nächst Gott dem Vater<lb/>(der Mutter) zu verdanken haben!</p>
						
                     <p>So vereinigt sich denn Alles, um den Vätern<lb/>ihre Pflichten gegen ihre Kinder heilig erscheinen zu<lb/>lassen und sie zur treuesten Erfüllung derselben auf's<lb/>Nachdrücklichste anzuregen.</p>
					
                  </div>
               </div>
					
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                  <head rendition="#c">Der christliche Vater.</head>
						
                  <p>Unser Büchlein trägt den Titel: Der <hi rendition="#w">christliche</hi>
                     <lb/>Vater; auf dem <q>„<hi rendition="#w">christlich</hi>“</q> liegt der Nachdruck.<lb/>Christlich, wahrhaft christlich, muß der Vater sein,<lb/>soll er seine Aufgabe lösen.</p>
						
                  <p>Wir haben uns die Aufgabe des väterlichen Be-<lb/>rufes vorgeführt. Der Vater soll mit der Mutter<lb/>das Kind heranbilden, daß es seine von Gott ihm<lb/>gegebene Bestimmung erreichen möge. Diese Bestim-<lb/>mung aber ist eben eine <hi rendition="#w">christliche</hi>. Kaum war<lb/>das Kind und zwar nach christlicher Anschauung in<lb/>einem äußerst bedauernswerthen Zustande geboren,<lb/>da hat der Herr, durch Seine h. Kirche jenen Akt<lb/>der höchsten göttlichen Huld und Gnade an ihm voll-<lb/>ziehend, es zu seinem Kinde angenommen und um-<lb/>gestaltet, und es demnächst, unendlich geadelt und mit<lb/>den höchsten Vorzügen ausgestattet, dem Vater und<lb/>der Mutter anheimgegeben, daß sie, auch Seine Stelle<lb/>an ihm vertretend, Sein und ihr Kind heranbildeten,<lb/>so wie es einem Kinde Gottes ziemet und daß es<lb/>zu einem würdigen Mitgliede der h. Kirche, zu einem<lb/>guten katholischen <hi rendition="#w">Christen</hi> heranwachse.</p>
						
                  <p>Also das Kind <hi rendition="#w">christlich</hi> zu erziehen, das ist<lb/>die dem Vater (nebst der Mutter) von Gott gestellte<lb/>Aufgabe. Sie kann nur ein <hi rendition="#w">wahrhaft christ</hi>-<lb/>
                     <hi rendition="#w">licher</hi> Vater lösen. Geht einem Vater echt christ-<lb/>liche Gesinnung ab, hat sein Leben nicht einen wahr-<lb/>haft christlichen Charakter, ja, wäre er sogar im Glau-<lb/>ben wankend oder gar schiffbrüchig geworden, so mag<lb/>er im Uebrigen alles Mögliche an seinen Kindern<lb/>
                     <pb facs="images/C889_001_1874_0033"
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                         xml:id="C889V3_001_1874_pb0029_0001"/>und für sie thun, seine eigentliche, von Gott ihm<lb/>gestellte Aufgabe, seine eigentliche Lebensaufgabe, er-<lb/>füllt er nicht, <hi rendition="#w">kann</hi> er nicht erfüllen; das Beste<lb/>und Höchste, dasjenige, was den eigentlichen und<lb/>durch Nichts zu ersetzenden Grund ihres wahren<lb/>Heiles für Zeit und Ewigkeit enthält, bleibt seinen<lb/>Kindern vorenthalten oder wird ihnen nicht in er-<lb/>wünschlicher Weise zu Theile – der Geist wahrer<lb/>christlicher Gottesfurcht und Frömmigkeit.</p>

					
                  <div xml:id="d62092e2744">
						
                     <head rendition="#c">Die christliche Mutter reicht allein nicht aus.</head>
						
                     <p>Man beruft sich vielleicht auf die Mutter. <q>„Ist<lb/>
                           <hi rendition="#w">sie</hi> eine wahrhaft christliche Mutter, so wird's wohl<lb/>um das Kind stehen, selbst wenn dem Vater der echt<lb/>christliche Geist abgeht.“</q> – Es ist wahr, die Mutter<lb/>hat namentlich in den früheren zarteren Jahren des<lb/>Kindes <hi rendition="#w">vorwiegend</hi> die Aufgabe, den christlichen<lb/>Sinn und Geist demselben einzuhauchen und es in<lb/>das christliche Leben einzuleiten. Und so wird für<lb/>ein Kind, das nicht das Glück hat, einen wahrhaft<lb/>christlichen Vater zu haben, ein großer Ersatz darin<lb/>liegen, eine gute Mutter zu haben. Aber dennoch<lb/>nie wird die Erziehung des Kindes in wahrhaft<lb/>gedeihlicher Weise und in dem vollen Maaße des<lb/>göttlichen Willens gelingen, wenn der christlichen<lb/>Mutter nicht ein wahrhaft christlicher Vater zur Seite<lb/>steht, um mit ihr Hand an's Werk zu legen. Nicht<lb/>der Mutter, wie auch nicht dem Vater hat der Herr<lb/>das Kind anvertrauet, sondern der Mutter <hi rendition="#w">und</hi> dem<lb/>Vater, <hi rendition="#w">Beiden vereint</hi>. Vater und Mutter, Mann<lb/>und Weib bilden ein geheimnisvolles Ganze – schon<lb/>von Natur aus. <q>„Darum,“</q> sagt das Wort des<lb/>Herrn, <q>„wird der Mensch Vater und Mutter ver-<lb/>
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0030_0001"/>lassen und seinem Weibe anhangen und sie werden<lb/>Zwei in <hi rendition="#w">Einem</hi> Fleische sein.“</q> Noch inniger ge-<lb/>staltete der Herr diese <hi rendition="#w">Einigung</hi> dann im h. Sa-<lb/>kramente der Ehe; da wurde geheimnißvoll und in<lb/>Gnaden der Mann der Ehegattin und diese dem<lb/>Manne <hi rendition="#w">geeint</hi> in einer geheimnißvoll-innigen, un-<lb/>auflöslichen Verbindung. Beide sind fortan nicht<lb/>mehr Zwei, sondern <hi rendition="#w">Eines</hi>, – <hi rendition="#w">Ein Ganzes</hi>,<lb/>
                        <q>„Zwei in Einem Fleische.“</q>
                     </p>
						
                     <p>So entsprach es dem Rathschlusse des Herrn.<lb/>Dieses durch die geheimnisvolle Wirkung des Sakra-<lb/>ments in so inniger Verbindung und Einigung be-<lb/>schlossene und zugleich übernatürlich geweihete und<lb/>begnadigte Verhältniß zwischen Mann und Frau sollte<lb/>nach dem Rathschlusse der göttlichen Weisheit der hei-<lb/>lige Boden sein, aus dem neue Menschen ersprießen,<lb/>aber auch, <hi rendition="#w">auf</hi> welchem dann auch diese neuen Men-<lb/>schen zu wahrhaft guten Menschen, zu Christen, zu<lb/>würdigen Gliedern des Reiches Gottes auf Erden<lb/>und so auch im Himmel heranwachsen sollten.</p>
						
                     <p>Nicht die Mutter <hi rendition="#w">allein</hi>, nicht der Vater <hi rendition="#w">allein</hi>,<lb/>sondern <hi rendition="#w">Beide</hi> zusammen, <hi rendition="#w">Beide</hi> in Vereinigung<lb/>sollten dem Kinde das Leben <hi rendition="#w">geben</hi>, aber dann auch<lb/>das Kind dem von Gott ihm gestellten Ziele entgegen<lb/>führen, <hi rendition="#w">Beide</hi> vereint sollten das Werk der christ-<lb/>lichen Erziehung vollführen. Mag daher eine christ-<lb/>liche Mutter sich die gute, christliche Erziehung der<lb/>Kinder noch so sehr angelegen sein lassen, steht der<lb/>Vater ihr darin nicht zur Seite, macht <hi rendition="#w">mit</hi> ihr nicht<lb/>auch <hi rendition="#w">er</hi>, von echt christlichem Geiste beseelt, einen ent-<lb/>sprechenden heilsamen Einfluß an den Kindern gel-<lb/>tend, so wird die Erziehung schwerlich und kaum je<lb/>in erwünschter Weise gelingen; so viel auch eine wahr-<lb/>
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0031_0001"/>haft gute Mutter leisten, so sehr sie auch das, woran<lb/>es der Vater fehlen lässet, ersetzen mag, voll und<lb/>ganz wird – wenigstens ohne ganz besondere Gnade<lb/>von oben – dieser Ersatz doch schwerlich jemals sein.</p>
						
                     <p>Sehen wir uns in der ganzen Natur um; überall<lb/>hat der Schöpfer für die einzelnen Pflanzen oder<lb/>Thiere einen gewissen Kreis heilsamer Einflüsse ge-<lb/>schaffen, welche das <hi rendition="#w">volle</hi> Gedeihen und Wachsthum<lb/>derselben bedingen. Fehlt auch nur einer von diesen<lb/>Einflüssen, oder findet er nicht in entsprechender<lb/>Weise statt, so wird in der Entwickelung der Pflanze,<lb/>des Thieres ein gewisser Mangel, ein gewisses Stocken,<lb/>ein gewisses Zurückbleiben, etwas Unvollendetes, viel-<lb/>leicht selbst Verkrüppeltes zu Tage treten.</p>
						
                     <p>Eine ganz ähnliche Bewandtniß hat es in unserm<lb/>Falle. Wie für das Leben des Kindes, so hat der<lb/>Herr auch für dessen fernere Entwicklung ein Eltern-<lb/>
                        <hi rendition="#w">Paar</hi> geordnet; nicht Vater oder Mutter allein, son-<lb/>dern Vater und Mutter. Die Einflüsse von <hi rendition="#w">Beiden</hi>
                        <lb/>müssen vereint dem Kinde zukommen, an ihm geltend<lb/>werden, soll es anders das werden, was es nach<lb/>Gottes Idee und Willen zu werden bestimmt ist.<lb/>Hat der Schöpfer die weibliche Natur der Mutter<lb/>mehr und vorherrschend ausgestattet mit den für eine<lb/>gedeihliche Erziehung erforderlichen oder zuträglichen<lb/>Eigenschaften des <hi rendition="#w">Herzens</hi>, so sind in Kraft dessel-<lb/>ben göttlichen Schöpferwillens in der männlichen<lb/>Natur des Vaters jene Eigenschaften des <hi rendition="#w">Geistes</hi>
                        <lb/>und <hi rendition="#w">Willens</hi>, welche einen guten Erfolg der Er-<lb/>ziehung bedingen, meist so viel reichlicher vertreten.<lb/>Indem also <hi rendition="#w">Beide</hi>, Mutter <hi rendition="#w">und</hi> Vater das vom<lb/>Herrn ihnen Gegebene im Werke der Erziehung gleich-<lb/>sam zusammentragen und vereint zur Geltung bringen,<lb/>
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0032_0001"/>so werden eben in diesem Vereine <hi rendition="#w">alle</hi> Einflüsse<lb/>wirksam, welche der große, allweise Vater für eine<lb/>gedeihliche Erziehung grundgelegt hat.</p>
						
                     <p>Das ist überhaupt und in allen Beziehungen<lb/>wahr, es ist aber ganz insbesondere wahr in Betreff<lb/>der christlichen Heranbildung des Kindes. Auch die<lb/>christliche Frömmigkeit erhält von den Eigenthümlich-<lb/>keiten des männlichen oder weiblichen Geschlechts eine<lb/>gewisse Färbung und tritt daher auch meist anders<lb/>auf beim Vater, als bei der Mutter. Vielleicht tritt<lb/>in der Frömmigkeit der Mutter nach der Eigenthüm-<lb/>lichkeit der weiblichen Natur, Herz und Gemüth, und<lb/>daher eine gewisse Innigkeit und Herzlichkeit hervor,<lb/>während in der Frömmigkeit des Mannes das Ver-<lb/>ständige, Thatkräftige, vielleicht selbst ein wenig auf<lb/>Kosten der Herzlichkeit, vorherrscht. Je mehr nun<lb/>Beide, Vater und Mutter, in der rechten Weise das<lb/>Kind beeinflussen, die Mutter mit ihrer Herzlichkeit,<lb/>der Vater mit seiner Verständigkeit und Manneskraft,<lb/>desto mehr wird die christliche Frömmigkeit im Kinde<lb/>zu einer gewissen Allseitigkeit und Vollendung gedei-<lb/>hen. Steht aber die Mutter (oder auch der Vater)<lb/>allein, so wird nur zu leicht eine gewisse Einseitigkeit<lb/>in der nachteiligsten Weise statthaben und die Erzie-<lb/>hung nicht in erwünschter Weise gelingen.<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
                           <p>So ist es auch schon aus diesem Gesichtspunkte höchst<lb/>bedauernswert, wenn Kinder durch den Tod früh ihren<lb/>Vater oder ihre Mutter verlieren! Wie sehr steht zu fürch-<lb/>ten, daß ihre Erziehung eine einseitige und mangelhafte<lb/>sein werde! Freilich <hi rendition="#w">hier</hi> und in <hi rendition="#w">solchem</hi> Falle darf<lb/>gehofft werden, daß Gott, der <hi rendition="#w">Vater</hi> der Wittwen und<lb/>Waisen, vielfach ersetzend eintreten werde.</p>
                        </note>
                     </p>
					
                  </div>
					
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                  <div xml:id="d62092e3133">
						
						
                     <head rendition="#c">Auch der Vater muß wahrhaft christlich sein.</head>
						
                     <p>Es leuchtet, so Gott will, aus dem Gesagten ein,<lb/>daß, wenn es sich um die rechte und volle christliche<lb/>Erziehung der Kinder handelt, der Vater <hi rendition="#w">mit</hi> der<lb/>Mutter vereint an dieser <hi rendition="#w">großen</hi> Aufgabe wirken<lb/>und <hi rendition="#w">sein</hi> Theil zu ihrer glücklichen Lösung beitragen<lb/>muß. Wir nennen sie eine <hi rendition="#w">große</hi> Aufgabe. Ist<lb/>sie es nicht? Handelt es sich dabei ja um das<lb/>Höchste und Wichtigste, was es für einen Menschen<lb/>giebt, um sein zeitliches und ewiges Wohl. Was man<lb/>auch sage, und wie man's auch versuchen und treiben<lb/>mag, immer kommt man schließlich auf den einen<lb/>Punkt zurück, daß der Mensch nur auf dem Wege<lb/>eines wahrhaft christlichen Lebens das wahre Glück<lb/>für Zeit und Ewigkeit finden möge. Ist es also<lb/>wahr, das der Mensch <hi rendition="#w">der Regel</hi> nach nur dann<lb/>zu einem rechten christlichen Leben komme, wenn er<lb/>schon als Kind, also, wie wir sahen, im Vereine mit<lb/>der Mutter vom Vater dazu angeleitet wird, wie<lb/>groß erscheint dann die Aufgabe des Vaters, seine<lb/>Kinder nach bestem Willen und Vermögen zur christ-<lb/>lichen Frömmigkeit anzuleiten! Heißt das ja nichts<lb/>anders, als den Grund legen zu ihrem wahren Glücke<lb/>für Zeit und Ewigkeit, ja die Bedingung desselben<lb/>erfüllen.</p>
						
                     <p>So groß und wichtig aber diese Aufgabe des<lb/>Vaters und so strenge und verantwortlich demgemäß<lb/>die Pflicht ist, ihre Erfüllung sich auf's Gewissen-<lb/>hafteste angelegen sein zu lassen, <hi rendition="#w">so groß und hei-</hi>
                        <lb/>
                        <hi rendition="#w">lig erscheint nun auch die Verpflichtung</hi>
                        <lb/>
                        <hi rendition="#w">des Vaters, selbst ein wahrer, guter Christ</hi>
                        <lb/>
                        <hi rendition="#w">zu sein</hi>. Denn <hi rendition="#w">nie</hi> – wir sagten's schon oben<lb/>– <hi rendition="#w">nie</hi> wird er jene große Aufgabe nach Pflicht und<lb/>
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0034_0001"/>Gebühr lösen oder lösen können, wenn er nicht selbst<lb/>von christlicher Gesinnung beseelt ist, wenn er nicht<lb/>selbst ein wahrhaft christliches Leben führt.</p>
						
                     <p>Führen wir uns auf einen Augenblick einen Vater<lb/>vor, bei welchem das nicht der Fall ist; er ist gleich-<lb/>gültig gegen Gott, Religion und Tugend, lässig im<lb/>Gebete; man sieht ihn zu Hause kaum je beten. Er<lb/>ist kein Freund vom Kirchengehen; Sonntags eine<lb/>kleine Messe – das ist Alles; Predigten selten oder<lb/>nie gehört; Beichten und Communionen höchst spar-<lb/>sam, kaum einmal im Jahre; Gespräche über reli-<lb/>giöse Dinge nie, oder nur höchst selten in einer<lb/>Weise, welche anstatt zu erbauen, nachtheilig wirket.<lb/>– Dabei dann – was unter solchen Voraussetzungen<lb/>kaum anders sein kann, mancherlei Verkehrtheit im<lb/>Verhalten und Betragen: Ausbrüche von Ungeduld<lb/>und Zorn, Unfreundlichkeit und Härte, Lieblosigkeit<lb/>im Unheil über Andere, in Gesinnung und That;<lb/>Haß und Feindschaft gegen Andere; allerlei Unord-<lb/>nung im täglichen Leben, Unaufrichtigkeit, Lug und<lb/>Trug; Unordnung im Essen, Unmäßigkeit im Trinken.<lb/>Wie soll ein Kind, das unter solchen Umständen und<lb/>Einflüssen aufwächset, zu echt christlicher Gesinnung<lb/>und Aufführung gelangen, vollends, wenn die Mutter<lb/>nicht besser ist, wenn sie es ähnlich hält und treibt?<lb/>Muß unter solchen Eltern das Kind nicht so fast<lb/>nothwendig entarten und schlecht werden?</p>
						
                     <p>Wie traurige Belege liefert unsere Zeit dafür!<lb/>Welche Entartung vielfach bei Knaben und Mädchen,<lb/>bei Jünglingen und Jungfrauen! Keine Spur von<lb/>christlicher Frömmigkeit; die größte Gleichgültigkeit<lb/>und Kälte gegen religiöse und kirchliche Uebungen; ja<lb/>offen kundgegebene Verachtung der Religion, Zweifel<lb/>
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0035_0001"/>und Unglauben. Und dabei welche sittliche Entartung!<lb/>Welches Aufgehen in Lebensgenuß und Vergnügen,<lb/>welche Hingegebenheit an Sünde und Ausschweifung!<lb/>Gewiß traurig und betrübend im höchsten Grade;<lb/>aber nicht verwunderlich, wenn man sieht, wie es<lb/>Vater und Mutter halten und treiben. – Unglück-<lb/>liche Kinder, welchen von denen, die Gott ihnen als<lb/>Führer zum Heile gegeben hat, die wesentlichste Be-<lb/>dingung desselben, christliche Gottesfurcht und Fröm-<lb/>migkeit, vorenthalten wird! Und entsetzliche Verant-<lb/>wortung solcher Eltern!</p>
						
                     <p>Aber setzen wir den Fall, daß die Kinder, wäh-<lb/>rend es um den Vater in der eben gedachten Weise<lb/>bestellt ist, doch eine gute Mutter haben und von ihr<lb/>eine christliche Erziehung erfahren. Der Umstand,<lb/>daß in diesem Falle der Wirksamkeit der Mutter die<lb/>vorher als so wesentlich erkannte Ergänzung der väter-<lb/>lichen Mitwirkung vorenthalten bleibt, wird allein<lb/>schon zur Folge haben, daß die christliche Erziehung<lb/>des Kindes nicht gedeihlich von statten gehe. Aber<lb/>dabei wird es keineswegs sein Bewenden haben. Ein<lb/>solcher Vater wird überdies, daß er der Mutter nicht<lb/>helfend und fördernd zur Seite steht, auch auf's<lb/>Manchfachste <hi rendition="#w">ihre</hi> Wirksamkeit behindern und stören<lb/>und hemmen, ja, er wird gradzu nachtheilig auf das<lb/>Kind einwirken und das, was die Mutter aufbauet,<lb/>wieder zerstören.</p>
						
                     <p>Liegt so viel, liegt Alles daran, daß das Kind<lb/>von früh an im elterlichen Hause heilsame religiöse<lb/>Eindrücke empfange, daß ihm Religion und Tugend<lb/>als das Wichtigste gelte und ehrwürdig erscheine, daß<lb/>es gewöhnt werde, Alles im Lichte des Glaubens zu<lb/>sehen und zu beurtheilen, daß es aus dem Glauben<lb/>
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0036_0001"/>leben lerne, so wird das alles, so sehr auch eine gute<lb/>Mutter dahin wirkt, dennoch recht und vollaus nicht<lb/>zu Stande kommen, wenn das Kind wahrnimmt, daß<lb/>das, was die Mutter ihm als ehrwürdig und wichtig<lb/>darstellt und an's Herz zu legen sucht, dem Vater<lb/>gleichgültig ist, daß er sich daraus wenig oder gar<lb/>nichts macht, wenn es aus <hi rendition="#w">seinem</hi> Munde nie etwas<lb/>davon vernimmt. Und wie erst, wenn es sogar merken<lb/>müßte, daß der Vater dagegen nicht blos gleichgültig,<lb/>sondern gradzu eingenommen, abgeneigt wäre?<lb/>Vollends, wenn es aus seinem Munde dahin gehende<lb/>Worte und Redensarten zu hören bekäme?</p>
						
                     <p>Oder es handelt sich um Anleitung des Kindes<lb/>zum christlichen Leben. Die Mutter läßt sich dieselbe<lb/>angelegen sein. Belehrend, ermunternd, anleitend,<lb/>durch Wort und Beispiel sucht sie das Kind früh zu<lb/>gewöhnen an regelmäßiges Beten am Morgen und<lb/>Abende, an den Besuch der Kirche, an die Anhörung<lb/>des göttlichen Wortes, und zur Zeit an den Empfang<lb/>der hh. Sakramente; sie warnt vor Sünde und leitet<lb/>das Kind an zum Kampfe dagegen; sie sucht es ein-<lb/>zuführen in die Uebung der christlichen Tugenden.<lb/>Aber ach, wie sehr wird der Erfolg ihrer schönen<lb/>Bestrebungen durch den Vater beeinträchtigt! Oder<lb/>läßt sich erwarten, daß das Kind für alle jene so<lb/>wichtigen und wesentlichen christlichen Uebungen und<lb/>Bestrebungen recht vollherzig werde gewonnen werden<lb/>oder bleiben, wenn es am Vater wenig oder nichts<lb/>von ihnen wahrnimmt, ja wenn es sieht, daß diesel-<lb/>ben dem Vater gleichgültig sind? Der Eindruck dieser<lb/>Wahrnehmung wird desto verderblicher wirken wegen<lb/>jenes dem Kinde in Betreff seiner Eltern angebornen<lb/>Nachahmungstriebes, welcher in Beziehung auf den<lb/>
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0037_0001"/>Vater wegen seines größern Ansehens namentlich<lb/>beim Heranwachsen des Kindes leicht eine noch größere<lb/>Macht übt. Nur zu leicht wird daher das Kind, un-<lb/>willkührlich nach und nach trotz aller Anleitung und<lb/>Aufmunterung der Mutter lässig werden im Gebete,<lb/>wenn es den Vater nie beten sieht oder merkt, daß der-<lb/>selbe sich aus dem Beten nicht viel mache; der Vater<lb/>ist so säumig im Kirchenbesuch und macht nicht viel<lb/>daraus; was Wunder, daß das Kind es nach und<lb/>nach eben so hält; der Vater verschmähet es, Pre-<lb/>digten zu hören, der Vater geht aus der Predigt;<lb/>allmählich tritt der Sohn in seine Fußstapfen. Warum<lb/>gehen die Kinder dieses Hauses so selten zu den hh. Sa-<lb/>kramenten, während doch andere so eifrig darin sind?<lb/>Nun, sie haben's vom Vater gesehen und gelernt.<lb/>Ein bekanntes Wort: Beispiele ziehen. Mögen die<lb/>
                        <hi rendition="#w">Worte</hi> der Mutter noch so sehr anregen und <hi rendition="#w">be-</hi>
                        <lb/>
                        <hi rendition="#w">wegen</hi>, das <hi rendition="#w">Beispiel</hi> des Vaters <hi rendition="#w">zieht</hi>.</p>
						
                     <p>So wird auch die Scheu vor gewissen Sünden<lb/>und Verkehrtheiten nach und nach beim Kinde ab-<lb/>sterben, wenn es dieselben am Vater bemerkt; bald<lb/>wird's auch selbst sie begehen. Und die christlichen<lb/>Tugenden; wird wohl ein Kind auf die Dauer sie<lb/>üben und anstreben, wenn es dieselben am Vater<lb/>vermisset?</p>
						
                     <p>So begreift es denn, ihr Väter, bedenket es, wie<lb/>groß und unersetzlich der Schaden ist, den ihr euren<lb/>Kindern bereitet, wenn ihr nicht nach Pflicht in christ-<lb/>licher Gesinnung bestehet, wenn ihr kein wahrhaft<lb/>christliches Leben führet. Dann bleibt das, was mehr<lb/>als alles Andere das Wohl eurer Kinder bedingt,<lb/>ohne welches sie gar nicht zum wahren Heile gelangen<lb/>können, durch eure Schuld ihnen vorenthalten. Ja<lb/>
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0038_0001"/>durch euer schlechtes Beispiel gebt ihr gradzu ihnen<lb/>Anlaß zum Verderben! Wie werdet ihr's einst vor<lb/>
                        <hi rendition="#w">dem</hi> verantworten, der euch in solcher Huld und zu<lb/>eurem eigenen Besten die Kinder, – <hi rendition="#w">Seine</hi> Kinder<lb/>anvertrauet hatte. Wie furchtbar wird einst euer<lb/>Gericht, wie schrecklich euere Strafe sein!</p>
					
                  </div>
					
                  <div xml:id="d62092e3585">
						
                     <head rendition="#c">Ernst dieser Verpflichtung.</head>
						
                     <p>Dem Gesagten zufolge kommt zu den vielfachen<lb/>kräftigen Beweggründen zu einem christlichen Leben,<lb/>welche der h. Glaube einem <hi rendition="#w">Jeden</hi> bietet, bei einem<lb/>
                        <hi rendition="#w">Vater</hi> als einer der kräftigsten noch hinzu die Rück-<lb/>sicht auf seine Kinder. Es ist eine seiner heiligsten<lb/>Verpflichtungen, die sein Heil so fast vor Allem be-<lb/>dingt, daß er seine Kinder zu wahrer Gottesfurcht<lb/>und Frömmigkeit erziehe, und er kann es nicht, ohne<lb/>selbst in wahrer Gottesfurcht und Frömmigkeit befestigt<lb/>zu sein. <hi rendition="#w">So viele Kinder ihm also der Herr</hi>
                        <lb/>
                        <hi rendition="#w">gegeben hat, so vielfach ist seine Verpflich-</hi>
                        <lb/>
                        <hi rendition="#w">tung zu einem wahrhaft christlichen Leben</hi>
                        <lb/>
                        <hi rendition="#w">erhöhet und verstärkt</hi>.</p>
						
                     <p>Wohl dem Kinde, dessen Vater dieser Verpflich-<lb/>tung nachkommt! Dessen Vater im Vereine mit der<lb/>Mutter an dem großen, unendlich wichtigen und fol-<lb/>genreichen Werke seiner religiösen und sittlichen Heran-<lb/>bildung thätig ist. Der heilsame Einfluß, den die<lb/>fromme Mutter auf dasselbe übt, wird auf's Reich-<lb/>lichste erhöhet durch die Wahrnehmung, daß auch der<lb/>Vater auf Gottesfurcht und Frömmigkeit hält. Nun<lb/>ist alles, was es hört, was es sieht, was es erfährt,<lb/>christlich, es steht im Einklange mit den Lehren und<lb/>Vorschriften des h. Glaubens. Die h. Religion, die<lb/>h. Kirche, ihre Lehren, ihre Vorschriften, ihre Weisen,<lb/>
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0039_0001"/>die Tugenden des christlichen Lebens sind ihm und<lb/>werden ihm mehr und mehr ehrwürdig und heilig;<lb/>sie sind's ja der Mutter, dem Vater. Was mit diesen<lb/>h. Lehren und Vorschriften und Weisen im Wider-<lb/>streit steht, das ist ihm und wird ihm mehr und mehr<lb/>verabscheuenswerth, das verabscheuet, das fliehet, das<lb/>meidet es; Vater und Mutter halten's ja eben so.<lb/>Von früh an wird's ihm so fast zur andern Natur,<lb/>christlich zu denken, zu sinnen, zu urtheilen, zu reden,<lb/>zu handeln, die Uebungen des christlichen Lebens treu<lb/>und eifrig zu machen, die christlichen Tugenden zu<lb/>üben; Vater und Mutter thun es ja, und ihr Leben<lb/>ist sein Spiegel, ihr Beispiel übt jene mächtige An-<lb/>ziehungskraft, die Gott ihm gegeben. O ja, es wäre<lb/>so fast ein Wunder, wenn ein Kind, das neben einer<lb/>wahrhaft christlichen Mutter auch einen wahrhaft<lb/>christlichen Vater hat, nicht brav und gut, nicht wohl-<lb/>erzogen und glücklich würde! Glückliches Kind daher,<lb/>das neben einer solchen Mutter einen solchen Vater hat!</p>
						
                     <p>Ist es also <q>„eine der höchsten Gnaden für ein<lb/>Kind, eine gute Mutter zu haben“</q>, so findet dieselbe<lb/>ihre Vollendung, ihre Krönung darin, daß es <hi rendition="#w">neben</hi>
                        <lb/>der guten Mutter einen guten Vater habe. Schon<lb/>durch eine wahrhaft gute Mutter ist die gute Heran-<lb/>bildung des Kindes in hohem Grade gesichert; aber<lb/>wie erst, wenn noch ein wahrhaft christlicher Vater<lb/>hinzukommt, die heilbringenden Bestrebungen der<lb/>Mutter zu unterstützen!</p>
						
                     <p>O christliche Väter, wer giebt uns, es euch mit<lb/>dem ganzen Nachdrucke an's Herz zu legen, wie viel<lb/>daran liege, daß ihr wahrhaft <hi rendition="#w">christliche</hi> Väter seid?</p>
					
                  </div>
               </div>
					
               <pb facs="images/C889_001_1874_0044"
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                   xml:id="C889V3_001_1874_pb0040_0001"/>
               <div xml:id="d62092e3748">
						
						
                  <head rendition="#c">Das Bild des christlichen Vaters.</head>
						
                  <p>Obwohl im bisherigen verschiedene Züge dieses<lb/>Bildes bereits vorgeführt wurden, so entspricht es doch<lb/>in aller Art der hohen Bedeutung der Sache, dasselbe<lb/>in vollendeter Weise hier vorzuführen.</p>
						
                  <div xml:id="d62092e3762">
						
                     <head rendition="#c">Die Skizze.</head>
						
                     <p>Wer ist ein <hi rendition="#w">christlicher</hi> Vater? Darauf zuvor<lb/>im <hi rendition="#w">Allgemeinen</hi> die ganz einfache Antwort: -<lb/>Ein <hi rendition="#w">christlicher</hi> Vater ist ein Vater dann, wenn er<lb/>ein rechter (katholischer) Christ ist. Wer ist also ein<lb/>rechter katholischer Christ? Die Antwort kennt Jeder:<lb/>Ein rechter katholischer Christ ist der, welcher in<lb/>treuer Mitwirkung mit der Glaubensgnade die Lehren<lb/>der h. Religion und zwar so wie unsere h. Kirche<lb/>sie lehrt und auslegt, nicht allein ohne Wanken<lb/>gläubig annimmt und freudig festhält, sondern auch<lb/>ernstlich darauf bedacht ist, seine Gesinnungen, sein<lb/>Reden und Thun, sein ganzes Leben nach den Lehren<lb/>und Vorschriften seines Glaubens zu regeln. Also<lb/>im Herzen Glaubenszuversicht und im ganzen äußern<lb/>Leben das christkatholische Gepräge. Nicht das macht<lb/>den rechten katholischen Christen, daß man die Lehren<lb/>der h. Religion im Wesentlichen kenne und eben<lb/>auch gelten lasse, im Uebrigen aber in Gesinnung<lb/>und Leben sich wenig oder gar nicht daran störe;<lb/>sondern, daß man diese Lehren im Leben wirksam<lb/>werden lasse, daß man sie nach außen hin in Wort<lb/>und That bekenne, daß das ganze äußere Verhalten<lb/>
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0041_0001"/>dieselben kundgebe und als einen echten katholischen<lb/>Christen erkennen lasse.</p>
						
                     <p>So soll's Jeder halten, so muß es Jeder halten,<lb/>ob er Vater sei oder nicht; es ist die Bedingung,<lb/>um ein katholischer Christ nicht bloß zu <hi rendition="#w">heißen</hi>,<lb/>sondern zu <hi rendition="#w">sein</hi>, um also als katholischer Christ das<lb/>Heil zu finden. Aber ein <hi rendition="#w">Vater</hi> soll's und muß<lb/>es um so mehr so halten um seiner Kinder willen,<lb/>weil es eine Bedingung ist, damit auch die Kinder<lb/>wahre katholische Christen werden und zum Heile<lb/>gelangen. Thut er's, so ist er ein wahrhaft christ-<lb/>licher Vater. Freilich hat der christliche <hi rendition="#w">Vater</hi> nun<lb/>auch noch die Erfüllung der besondern Pflichten eines<lb/>Vaters gegen seine Kinder sich angelegen sein zu<lb/>lassen; aber als guter Christ wird er auch das von<lb/>selbst thun; gehören ja diese besondern Pflichten auch<lb/>zu den Pflichten des christlichen Glaubens und zwar<lb/>zu den heiligsten derselben.</p>
						
                     <p>Das wäre also im Entwurf (in einer Skizze) der<lb/>
                        <hi rendition="#w">christliche</hi> Vater: Ein Vater, in welchem den Kin-<lb/>dern das Bild eines guten katholischen Christen lebendig<lb/>vor Augen steht, an dem sie es wahrnehmen, wie ein<lb/>katholischer Christ ist, wie er denkt, wie er urtheilt,<lb/>wie er sinnt, was er liebt, was er verabscheuet; was<lb/>er wünscht, was er fürchtet, was er hofft, was er<lb/>fliehet; wie er redet, wie er schweigt, was er meidet,<lb/>was er thut, wie er's thut.</p>
						
                     <p>Leuchtet nicht schon daraus auf's Klarste ein, welche<lb/>Bedeutung es hat, daß der Vater ein wahrhaft christ-<lb/>licher Vater sei. Ein doppelter Vortheil ist damit<lb/>verbunden; deuten wir ihn hier blos an. <hi rendition="#w">Zuvor</hi>
                        <lb/>nämlich lernen nun die Kinder auf die einfachste<lb/>Weise die h. Religion, ihre Lehren und Vorschriften<lb/>
                        <pb facs="images/C889_001_1874_0046"
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0042_0001"/>und die verschiedenen Beziehungen des rechten christ-<lb/>lichen Lebens kennen; dieselben werden ihnen ja täg-<lb/>lich vom Vater (und von der Mutter) in lebenden<lb/>Bildern anschaulich vorgeführt. Wie viel besser ver-<lb/>steht das Kind das, als den bloßen Unterricht, die<lb/>christliche Lehre. Eben daher braucht man ja auch<lb/>in Schulen gern Bilder, auf denen die Kinder das,<lb/>was man ihnen lehrend erklären will, mit ihren Au-<lb/>gen sehen; nun verstehen sie's viel leichter und besser.</p>
						
                     <p>
                        <hi rendition="#w">Fernerhin</hi> aber werden die Kinder, da man ja<lb/>die christliche Religion nicht blos kennen und glauben,<lb/>sondern auch <hi rendition="#w">üben</hi> soll, durch jenes täglich sich vor<lb/>ihren Augen entfaltende christliche Thun und Leben<lb/>des Vaters (der Mutter) auf eine eben so einfache<lb/>Weise in das christliche Thun und Leben gleichfalls<lb/>eingeführt, wiederum viel besser, als durch bloße<lb/>belehrende Anweisung. Wie viel leichter und besser<lb/>bringt Jeder, vollends das Kind zu Stande, was<lb/>ihm tatsächlich gezeigt und vorgemacht wird, als<lb/>was blos eine mündliche Erklärung findet. <hi rendition="#w">Hier</hi>
                        <lb/>aber kommt noch hinzu, daß die Kinder von Haus<lb/>aus (Gott selbst hat's ihnen so in's Herz gelegt) einen<lb/>großen Trieb haben, dem Vater (wie der Mutter)<lb/>das nachzumachen, was sie an und von ihnen wahr-<lb/>nehmen.</p>
						
                     <p>Daher – wir wiederholen es auch hier – wäre<lb/>es so fast verwunderlich, wenn ein Kind, das täglich<lb/>im Schalten und Walten seines Vaters das Bild<lb/>eines guten katholischen Christen vor Augen hat, nicht<lb/>auch ein guter katholischer Christ würde; wie es denn<lb/>von der andern Seite fast eben so sehr zu fürchten<lb/>steht, daß ein Kind, dem in seinen jugendlichen Jah-<lb/>ren dieses Bild eines guten katholischen Christen im<lb/>
                        <pb facs="images/C889_001_1874_0047"
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0043_0001"/>Vater und der Mutter nicht vor Augen steht, kein<lb/>guter katholischer Christ werden möge.</p>
						
                     <p>Indem wir dies schreiben, erhebt sich in unserm<lb/>Herzen mit der ganzen Lebendigkeit und auf's Er-<lb/>greifendste das Bewußtsein, welche wahrhaft unermeß-<lb/>liche Bedeutung es habe, daß die Väter wahrhaft<lb/>christlich seien. Und jemehr demselben das traurige<lb/>Bewußtsein zur Seite steht, daß leider so manche<lb/>Väter es nicht sind, desto mehr drängt's, hier, ehe<lb/>wir das Bild des Vaters im Nähern zeichnen, ein<lb/>Wort der Mahnung vorauszuschicken.</p>
					
                  </div>
					
                  <div xml:id="d62092e4031">
						
                     <head rendition="#c">Ein Zwischenakt.</head>
						
                     <p>Du liebst deine Kinder; mit deinem ganzen Her-<lb/>zen verwachsen ist der Wunsch, sie glücklich zu sehen.<lb/>Und dennoch, wir sagten's wiederholt, wird dir das<lb/>
                        <hi rendition="#w">nie</hi> gelingen, wenn du sie nicht zu guten Christen<lb/>machst, – <hi rendition="#b">nie!</hi> Sei versichert, so viel du sie nicht<lb/>zu guten Christen machst, so viel legst du den Grund<lb/>zu Störungen ihres Glückes, ach, nur zu leicht zu<lb/>ihrem Unglücke, zu ihrem ewigen Unglücke. Also zu<lb/>guten Christen mußt du die Kinder machen, willst<lb/>du sie glücklich machen.</p>
						
                     <p>Aber auch <hi rendition="#w">das</hi> wird dir <hi rendition="#w">nie</hi> gelingen, wenn du<lb/>nicht selbst ein guter katholischer Christ bist; <hi rendition="#w">nie</hi>!<lb/>Kann denn ein Handwerker, der sein Handwerk nicht<lb/>übt und auch nichts Rechtes davon versteht, einen<lb/>Lehrling zu einem Meister in dem Handwerk heran-<lb/>bilden? Oder kann Jemand einen jungen Menschen<lb/>zum Meister in einer Kunst heranbilden, die ihm<lb/>selbst fremd ist? Noch viel, viel weniger kann ein<lb/>Vater sein Kind zu einem guten Christen heranbilden,<lb/>wenn er's selbst nicht ist.</p>
						
                     <pb facs="images/C889_001_1874_0048"
                         n="44"
                         xml:id="C889V3_001_1874_pb0044_0001"/>
						
                     <p>So also, o Vater, steht deine Sache: Du sollst<lb/>dein Kind glücklich machen und – du willst es, es<lb/>ist dein tiefster Herzenswunsch; du kannst und wirst<lb/>es nicht glücklich machen, wenn du nicht machst, daß<lb/>es ein guter Christ werde; und das kannst du nicht<lb/>machen, wenn du nicht selbst ein guter Christ bist<lb/>oder ernst zu sein suchest. So steht deine Sache;<lb/>ob du's glaubst oder nicht, ob du's aus dem Sinne<lb/>schlägst, es ändert an der Sache nichts; <hi rendition="#w">so ist's</hi> -<lb/>
                        <hi rendition="#w">so bleibt's</hi>: Das Glück deines Kindes, deiner Kin-<lb/>der, es hängt davon ab, ob du ein guter katholischer<lb/>Christ bist.</p>
						
                     <p>Bist du es? Ach nein! – Eine böse, unselige<lb/>Jugend liegt hinter dir – voll Leichtsinn und Sünde.<lb/>Sie hat Sturm gelaufen gegen dein christliches Herz,<lb/>gegen dein Gewissen, ach vielleicht selbst gegen deinen<lb/>Glauben. Du hast dich der Sünde in die Arme<lb/>geworfen, der Unlauterkeit, der Unmäßigkeit. Du<lb/>hast das Unglück gehabt, mit leichtsinnigen, losen<lb/>jungen Leuten in Verkehr zu treten. Du warst Sol-<lb/>dat, und hast vom Soldatenleben viele üble Einwir-<lb/>kung erfahren. Die Kriegsjahre, welche du mit durch-<lb/>gemacht, haben leicht auch Hand gelegt an die Reste<lb/>deiner Gewissenhaftigkeit und Gläubigkeit. Endlich<lb/>ist die Sündfluch schlechter Bücher und Blätter auch<lb/>an dich gedrungen; o wie haben diese Schriften, die<lb/>du gelesen, diese schlechten Blätter, welche du gehal-<lb/>ten, deine Seele und dein Leben mit ihrem Gifte<lb/>erfüllt!</p>
						
                     <p>So ist denn dein Leben – überdies durch ein<lb/>Uebermaß irdischer Bestrebungen Gott und dem Hö-<lb/>heren entfremdet – voll geworden von Sünden man-<lb/>cher, – selbst der traurigsten Art. <hi rendition="#w">Sie</hi> lasten noch<lb/>
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0045_0001"/>allzumal auf deinem Gewissen; denn noch nie hast<lb/>du es dir ernstlich angelegen sein lassen, durch <hi rendition="#w">eine</hi>
                        <lb/>
                        <hi rendition="#w">Buße und Beichte, wie sie einem solchen Le-</hi>
                        <lb/>
                        <hi rendition="#w">ben entspricht</hi>, dich mit Gott zu versöhnen. Du<lb/>stehst in der Ungnade deines Gottes.</p>
						
                     <p>Und wie steht's nm dein Christentum? Ist nicht<lb/>über alle diese steten sündhaften Verirrungen und<lb/>Ausschweifungen deines Lebens, über all die losen<lb/>und leichtfertigen Reden und Beispiele, von welchen<lb/>du umgeben gewesen, über all die schlechten Bücher<lb/>und Schriften, welche du gelesen, dein Glaube wan-<lb/>kend geworden? Wehe, wenn du ihn sogar ganz<lb/>verloren und dem Unglauben dich in die Arme ge-<lb/>worfen hättest!</p>
						
                     <p>Oder bist du noch nicht in solche Tiefe versunken,<lb/>wie übel steht's dennoch mit deinem Christenthum!<lb/>Wie liegt dir Alles, was Gott, Religion und See-<lb/>lenheil betrifft, so fern, wie ist's dir so fremd, wie<lb/>bist du so gleichgültig dagegen! Du betest nicht, oder<lb/>dein Beten ist eitel Hersagen angelernter Formeln.<lb/>Du liebst nicht Kirche und Gottesdienst; wie ungern<lb/>gehst du hin, wie selten; und wie bist du, so du<lb/>einmal anwohnst, so ohne alle Theilnahme des Her-<lb/>zens. Beichten und Communiziren – du hast Scheu<lb/>davor, du umgehst es, wie immer möglich. Und<lb/>
                        <hi rendition="#w">wenn</hi> du dennoch hinzutrittst, – ach, die Feder<lb/>sträubt sich, den Gedanken zum vollen Ausdruck zu<lb/>bringen. – Und dein tägliches Leben – wie voll<lb/>von Unordnung, Verkehrtheit und Sünden so mancher<lb/>Art – von Zorn und Ungeduld, von Härte und<lb/>Unfreundlichkeit gegen Weib und Kind und Gesinde!<lb/>Dazu die Unmäßigkeit im Essen und Trinken, die<lb/>Verletzung der h. Reinigkeit; und – nicht auch Un-<lb/>
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0046_0001"/>redlichkeit, Lug und Trug im Handel und Wandel<lb/>und ungerechtes Gut?</p>
						
                     <p>Und <hi rendition="#w">du</hi> bist Vater! – Arme Kinder, die ihr einen<lb/>solchen Vater habet! Wer soll euch nun zu guten<lb/>katholischen Christen heranbilden? Und doch werdet<lb/>ihr ohne dies nie wahrhaft glücklich werden. Werdet<lb/>ihr anders werden, werdet ihr zur Zeit besser sein,<lb/>als euer Vater? O, wie sehr steht zu fürchten,<lb/>daß sein Beispiel mehr über euer jugendliches Herz<lb/>vermögen wird, als alle Lehre und Anleitung, die<lb/>ihr vielleicht anderswoher noch findet. Mit blutendem<lb/>Herzen sehen wir's kommen, auch ihr werdet mit der<lb/>Zeit in die traurigen Fußtapfen eurer Väter ein-<lb/>treten, auch ihr werdet in Leichtsinn und Sünde ab-<lb/>irren, auch ihr werdet ein unchristliches Leben führen;<lb/>auch ihr werdet euren Glauben verlieren. Ihr werdet<lb/>unglücklich sein! Arme Kinder!</p>
						
                     <p>O Vater, rührt dich denn nicht das Loos deiner<lb/>Kinder?</p>
						
                     <p>O so habe Erbarmen! Werde, was du sein mußt,<lb/>um sie glücklich zu machen, werde, was du bis dahin<lb/>nicht warst, <hi rendition="#w">von Stunde an kannst du es wer-</hi>
                        <lb/>
                        <hi rendition="#w">den – ein guter Vater</hi>.</p>
						
                     <p>Wie auch das Leben, so hinter dir liegt, sei, wie<lb/>voll von Sünden, und wie du auch jetzt beschaffen<lb/>sein mögest, wie verkommen auch, – o <hi rendition="#w">wolle</hi> es<lb/>nur aufrichtig, <hi rendition="#w">wolle</hi> ein guter christlicher Vater<lb/>werden! Schaue hin auf deine Kinder, sag's dir:<lb/>
                        <q>„Sie können ewig nicht wahrhaftig glücklich werden,<lb/>wenn ich nicht zuvor ein guter christlicher Vater<lb/>werde!“</q> Und dann möge deine Liebe zu den Kin-<lb/>dern, dein Verlangen nach ihrem Glücke die ganze<lb/>Macht an deinem Herzen entfalten, um den Entschluß<lb/>
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0047_0001"/>in dir zur Reife zu bringen: <q>„<hi rendition="#w">Ja, ich will ein</hi>
                           <lb/>
                           <hi rendition="#w">guter Vater werden</hi>.“</q>
                     </p>
						
                     <p>Sei versichert, ein solcher Entschluß wird Freude<lb/>im Himmel hervorrufen, einem solchen Entschlusse<lb/>wird jener große Vater im Himmel mit Barmher-<lb/>zigkeit und Gnade entgegen kommen. Sei versichert,<lb/>
                        <hi rendition="#w">so sehr Ihm das Heil deiner Kinder und</hi>
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                        <hi rendition="#w">dein Heil am Herzen liegt</hi>, so sehr er daher<lb/>Verlangen trägt, daß du ein guter Vater werden<lb/>mögest, <hi rendition="#w">so sehr ist er geneigt und bereit</hi>,<lb/>
                        <hi rendition="#w">an dir Barmherzikeit zu üben</hi> und dir alle<lb/>deine Sünden zu vergeben, wenn du Ihn mit reu-<lb/>müthigem Herzen darum anflehest; so sehr ist er bereit,<lb/>mit jeglicher Gnade dir du Hülfe zu kommen, damit<lb/>du wieder ein guter Christ und ein wahrhaft christ-<lb/>licher Vater werden mögest. Wahrhaftig, wenn über<lb/>
                        <hi rendition="#w">einen</hi> Sünder, der Buße thut, Freude ist im Himmel,<lb/>so wird über einen Vater, der Buße thut, um fortan<lb/>ein guter christlicher Vater zu sein, doppelte, ja so<lb/>vielfache Freude sein, als er Kinder hat; ja als er<lb/>Kindeskinder hat oder haben wird; ist ja seine Ret-<lb/>tung ihre Rettung, sein Heil ihr Heil! Also auf,<lb/>fortan sei <hi rendition="#w">ein guter christlicher Vater</hi>!</p>
						
                     <p>Darin ist ja auch dein eigenes Wohl und Heil<lb/>begriffen – für Zeit und Ewigkeit. Oder sage, hast<lb/>du es denn in deinem bisherigen Thun und Treiben<lb/>gefunden, wonach dein Herz verlangt? Gestehe es nur:<lb/>Nein! Willst du der Wahrheit Zeugniß geben und den<lb/>innersten Grund deiner Seele offen legen, so mußt du<lb/>bekennen, daß du den wahren Frieden der Seele durch<lb/>dein bisheriges unchristliches Leben nicht gefunden hast.</p>
						
                     <p>Christlicher Glaube und christliches Leben – das<lb/>
                        <hi rendition="#w">ist der von Gott für uns geordnete Weg</hi>
                        <lb/>
                        <hi rendition="#w">
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0048_0001"/>des Heiles für Zeit und Ewigkeit</hi>; auf<lb/>ihm erwächset der Friede, <hi rendition="#w">nur auf ihm</hi>, – auf<lb/>ihm wahres Lebensglück, auf ihm das Heil. <q>„Ihr<lb/>werdet“</q> auf ihm <q>„Ruhe finden für eure Seelen“</q>.<lb/>Außer ihm und in jeder Abirrung von ihm, in<lb/>Sünde und Verkehrtheit liegt Störung des Friedens<lb/>und wahren Lebensglückes, ja mehr und mehr <hi rendition="#w">Zer-</hi>
                        <lb/>
                        <hi rendition="#w">störung</hi> desselben, Wehe, Bedrängniß, Leid, Verder-<lb/>ben. <q>„Trübsal und Bedrängniß über die Seele<lb/>eines Jeden, der Böses thut.“</q>
                     </p>
						
                     <p>Also ein wahrer Christ mußt du sein, um selbst<lb/>wahrhaft glücklich zu sein, und, um deine Kinder<lb/>glücklich zu machen; denn wenn du ein guter Christ<lb/>bist, dann wirst du zugleich ein guter Vater sein,<lb/>und deine Kinder glücklich machen; denn du wirst<lb/>nicht nur überhaupt die Vaterpflichten an ihnen er-<lb/>füllen, sondern dann auch insbesondere <hi rendition="#w">das Bild</hi>
                        <lb/>
                        <hi rendition="#w">eines guten katholischen Christen in dei-</hi>
                        <lb/>
                        <hi rendition="#w">nem ganzen</hi> Leben vor deinen Kindern <hi rendition="#w">entfalten</hi>
                        <lb/>und dadurch mit Gottes Gnade sicher bewirken, daß<lb/>auch sie gute Christen und also glücklich werden;<lb/>denn jeder wahre, gute Christ ist glücklich.</p>
					
                  </div>
					
                  <div xml:id="d62092e4555">
						
                     <head rendition="#c">Das volle Bild.</head>
						
                     <p>Führen wir denn das Bild eines solchen christ-<lb/>lichen Vaters in seinen <hi rendition="#w">einzelnen Zügen</hi> nun-<lb/>mehr uns vor, wie es sich den Blicken der Kinder<lb/>darstellt.</p>
						
                     <p>Vor Allem leuchtet es aus all seinem Reden und<lb/>Thun und an seinem ganzen Verhalten hervor, daß<lb/>er ein treuer Sohn der heil. katholischen Kirche ist,<lb/>daß all ihre Lehre und all ihre Vorschrift und all<lb/>ihre Weise ihm heilig ist; daß er fest stehe im ka-<lb/>
                        <pb facs="images/C889_001_1874_0053"
                            n="49"
                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0049_0001"/>tholischen Glauben, wie er ihn auch, wo es Noth<lb/>thut, ohne Scheu bekennet.</p>
						
                     <p>Dann sehen die Kinder die Fast- und Abstinenz-<lb/>tage der h. Kirche vom Vater nach Pflicht beobachtet;<lb/>sie sehen ihn mit Ehrfurcht das heil. Kreuzzeichen<lb/>machen; sie sehen ihn das Weihwasser und von der<lb/>Kirche geweihete Dinge in Ehren halten; er ver-<lb/>schmähet es nicht, mit religiösen Bildern das Haus<lb/>und seine Räume auszustatten. Er ist – sie sehen's<lb/>tagtäglich – ein Freund des Gebetes. Gebetet wird<lb/>bei Tische vor und nach dem Essen; gebetet wird am<lb/>Morgen, am Abende; und leicht bei mancher andern<lb/>Gelegenheit. Die Sonn- und Festtage werden in<lb/>Ehren gehalten; da ruhet alle Arbeit, welche nicht<lb/>von der Noth geboten ist; da liebt man's, in der<lb/>Kirche zu weilen, nicht etwa blos bei einer kleinen<lb/>Messe, – nein recht viel, bei Hochamt und Predigt,<lb/>selbst an Nachmittagen. Gern ist, was an kirchlicher<lb/>Feier und Festlichkeit der Verlauf des Kirchenjahres<lb/>mit sich führet, gern ist das in Predigten zur Sprache<lb/>Gekommene, gern sind kirchliche Angelegenheiten Ge-<lb/>genstand der häuslichen Unterhaltung; wie denn über-<lb/>haupt der Vater ein Herz hat für die h. katholische<lb/>Kirche und ihre Geschicke und für ihr Oberhaupt,<lb/>den h. Vater, und für Alles, was die h. Kirche be-<lb/>trifft. Darüber wird gern gesprochen; die Kinder<lb/>hören darüber aus seinem Munde, was ihnen frommt;<lb/>er deutet ihnen die Dinge und die Vorfälle des Ta-<lb/>ges, er gibt ihnen heilsame Belehrung, Deutung<lb/>und Winke. – Mehr als einmal im Jahre sehen<lb/>die Kinder den Vater zur h. Beicht und Communion<lb/>gehen und mit welchem h. Ernste er diese h. Hand-<lb/>lungen hält und vollführet.</p>
						
                     <pb facs="images/C889_001_1874_0054"
                         n="50"
                         xml:id="C889V3_001_1874_pb0050_0001"/>
						
                     <p>In seinem Hause wird den Pfarrgeistlichen die<lb/>gebührende Ehre gezollt; die Kinder sehen und mer-<lb/>ken es, daß der Vater sie ihrer Würde gemäß achtet<lb/>und ihre Stellung in Ehren hält. Aehnliches tritt<lb/>zu Tage in Betreff der Lehrer und Lehrerinnen;<lb/>Aehnliches in Betreff der weltlichen Obrigkeit, nach<lb/>dem Grundsatze: <q>„Ehre dem Ehre gebühret.“</q>
                     </p>
						
                     <p>Die Familie hat ihre Geschichte; in ihr treten<lb/>Ereignisse – freudiger oder trauriger Art – zu<lb/>Tage. Sie empfangen die Weihe der h. Religion,<lb/>der h. Kirche. Gern wird Alles mit Gott begonnen<lb/>– nach Maaß der Wichtigkeit mit größerer oder<lb/>geringerer Angelegentlichkeit – mit Gebet, mit from-<lb/>mer Andacht, selbst mit kirchlicher Feier.</p>
						
                     <p>So empfängt im Bereiche und Verlaufe des Fa-<lb/>milienlebens Alles die Weihe des h. Glaubens, eine<lb/>religiöse Färbung, – nicht in gemachter, künstlicher<lb/>Art, nicht in widerwärtiger, pietistischer Weise, son-<lb/>dern ganz einfach und einfältig nach dem Zuge des<lb/>lebendig-gläubigen, katholischen Geistes.</p>
						
                     <p>Und mit dieser religiösen Richtung und katholi-<lb/>schen Färbung des Familienlebens geht ein entsprechen-<lb/>des sittliches Streben Hand in Hand. Das <hi rendition="#w">ganze</hi>
                        <lb/>Leben ist katholisch in Gesinnung, in Wort und Werk.</p>
						
                     <p>Da ist vor Allem das Verhältniß des Vaters<lb/>zur Mutter, oder zu den Kindern, oder zu den Dienst-<lb/>boten ein wahrhaft christliches, ein Verhältniß der<lb/>Liebe, der Eintracht und des Friedens, getragen von<lb/>Sanftmuth und Ruhe und Gelassenheit, gewürzt<lb/>durch Entgegenkommen, durch Dienst und Gefällig-<lb/>keit. Oder wenn, wie es menschliche Schwachheit<lb/>und Uebereilung schon mit sich führen mag, nun<lb/>und dann etwas vorfällt, so ist es wie leichtes Ge-<lb/>
                        <pb facs="images/C889_001_1874_0055"
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0051_0001"/>wölk, das rasch vorübereilend den hellen Schein der<lb/>Friedenssonne kaum trübt. Aehnliches wohl war's,<lb/>was dem h. Sänger jene schönen Worte in den Mund<lb/>legte: <q>„Siehe, wie ist es so gut und so wohlthuend,<lb/>brüderlich vereint zu wohnen; wie wohlriechende Salbe<lb/>auf dem Haupte des Hohenpriesters Aaron, welche<lb/>herabträufelt auf sein Barthaar, herab auf die Brä-<lb/>mung seines Gewandes, wie der Thau von Hermon,<lb/>der sich senkt auf den Berg Sinai.“</q>
                     </p>
						
                     <p>Liebe – dies auszeichnende Merkmal eines wah-<lb/>ren Christen, – ist überhaupt hier heimisch; keiner<lb/>ist von ihr ausgenommen. Der Vater hat – die<lb/>Kinder sehen Proben davon immer von Neuem -<lb/>er hat ein Herz für Alle; daher keine lieblose Reden<lb/>über Andere, keine Tadelsucht, keine Anschwärzung,<lb/>keine Verkleinerung; fern ist Neid und Mißgunst,<lb/>Abneigung, Haß und Rachsucht; fern Kränkung und<lb/>Beleidigung des Nächsten. So viel an ihm, findet<lb/>das Wort des Apostels seine Erfüllung: <q>„Haltet, so<lb/>viel an euch, Frieden mit allen Menschen!“</q>
                     </p>
						
                     <p>Und nicht allein. Es gehört zur Ordnung des<lb/>Hauses, daß man den Nachbarn und Nebenmenschen<lb/>gern zu Gefälligkeiten und Dienstleistungen bereit sei;<lb/>die Armen und Hilfsbedürftigen finden hier ein ge-<lb/>neigtes Ohr; ihrer wird gern gedacht; ihnen stießet<lb/>Hülfe und Gabe manchfach und nach Kräften zu.<lb/>– Muß noch hinzugefügt werden, daß in diesem<lb/>Hause Verstöße wider die christliche Zucht und Ehr-<lb/>barkeit, Unmäßigkeit und Völlerei ungekannt sind und<lb/>nicht geduldet werden?</p>
						
                     <p>Wir kommen zum Schlusse. Der Vater – so war<lb/>unsere Voraussetzung, – ist ein guter und wahrer<lb/>katholischer Christ und eben daher ein wahrhaft guter<lb/>
                        <pb facs="images/C889_001_1874_0056"
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0052_0001"/>Vater; ähnlich die Mutter. Was ist die Folge?<lb/>Der Geist, welcher Vater und Mutter beseelt, durch-<lb/>dringt nach und nach das ganze Haus; und dieser<lb/>Geist fördert mehr und mehr wie beim Vater und bei<lb/>der Mutter, so auch bei den Kindern jene kostbaren<lb/>Früchte, welche der h. Apostel (Galater 5, 22-23)<lb/>als Früchte des h. Geistes zeichnet, <q>„sie sind,“</q> sagt<lb/>er, <q>„Liebe, Freude, Friede, Geduld, Milde, Güte,<lb/>Langmuth, Sanftmuth, Treue, Mäßigkeit, Enthalt-<lb/>samkeit, Keuschheit.“</q>
                     </p>
						
                     <p>Sie erfüllen mit ihrem süßem Duft das ganze<lb/>Haus; sie erfreuen durch ihren Wohlgeschmack das<lb/>Herz, sie fördern durch ihre süße Nahrung in dem<lb/>Herzen und Leben der Kinder das Wachsthum echt<lb/>christlichen Geistes und jeglicher christlichen Tugend;<lb/>sie sind ein süßer Wohlgeruch vor dem Herrn und<lb/>Seine Huld und Gnade waltet über solchem Hause<lb/>und über seinen Bewohnern.</p>
						
                     <p>Glückliche Kinder, die in solchem Hause aufwach-<lb/>sen! Glückliche Kinder, die einen solchen Vater haben!</p>
					
                  </div>
					
                  <div xml:id="d62092e4877">
						
                     <head rendition="#c">Wie soll das geschehen?</head>
						
                     <p>Aber sinnen wir damit dem Vater, dem Manne<lb/>nicht zu viel an? Ist eine Frömmigkeit, wie sie im<lb/>vorstehenden Bilde entfaltet ist, nicht am Ende Sache<lb/>der Frauen, der Mütter, vom Manne nicht zu er-<lb/>warten?</p>
						
                     <p>Nichts liegt uns ferner, als dem Vater etwas<lb/>anzusinnen, was für ihn unmöglich oder nur mög-<lb/>lich wäre um den Preis einer gewissen Verläugnung<lb/>seines männlichen Charakters. Wir tragen vielmehr<lb/>in unsern Anforderungen an den christlichen Vater<lb/>seiner männlichen Eigenart alle schuldige Rechnung,<lb/>
                        <pb facs="images/C889_001_1874_0057"
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0053_0001"/>und wünschen und erwarten von ihm nichts anders<lb/>und nichts mehr, als was sein christlicher Charakter<lb/>von ihm als Vater in Anspruch nimmt, nichts, wo-<lb/>durch er seinem männlichen Charakter etwas zu ver-<lb/>geben, dessen er sich als Mann gewissermaßen zu<lb/>schämen hätte; im Gegentheil, Alles, worum es sich<lb/>hier handelt, wird vielmehr sein männliches Wesen<lb/>adeln, erst den rechten Mann, wie er nach Gottes<lb/>Idee sein soll, herstellen.</p>
						
                     <p>Worum handelt es sich denn, wenn wir an einen<lb/>Vater die Anforderung stellen, daß er ein wahrhaft<lb/>christlicher Vater sei? Zuvor und zumeist darum,<lb/>daß er gläubig sei, daß er die Lehren unserer heil.<lb/>Religion, so wie die h. Kirche sie lehret, also die<lb/>von Gott geoffenbarten Wahrheiten gläubig annehme<lb/>und halte. Was könnte darin eines Mannes Un-<lb/>würdiges oder für einen Mann Unmögliches liegen?<lb/>Würde man wohl der Ansicht huldigen, daß Je-<lb/>mand, der die Religion mit kaltem Verstande be-<lb/>trachte und einsichtig genug sei, sich nicht mehr dazu<lb/>verstehen könne, sie für wahr zu halten? Wie ist<lb/>es denn geschehen, daß zu allen Zeiten Männer,<lb/>welche sich durch Talent und Wissenschaft auf's Höchste<lb/>auszeichneten, und auf's Vollkommenste im Stande<lb/>waren, die Gründe für und gegen zu prüfen und<lb/>zu würdigen, keinen Grund gefunden haben, die Leh-<lb/>ren unserer h. Kirche zu bezweifeln, sondern sie mit<lb/>freudiger, gläubiger Zuversicht angenommen haben?<lb/>– Es ist wahr, es giebt und gab zu aller Zeit<lb/>auch Viele durch hohen Verstand und Geistesgabe<lb/>Ausgezeichnete, welche sich für berechtigt hielten, den<lb/>Glauben von sich zu werfen; aber feien wir ver-<lb/>sichert, daß das nicht an ihrem hohen Verstande lag<lb/>
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0054_0001"/>und weil sie etwa damit die Nichtigkeit des Glau-<lb/>bens eingesehen hätten; es lag vielmehr daran, daß<lb/>sie wegen des Mißbrauchs ihrer hohen Gaben, wegen<lb/>ihrer sündhaften Entartung den Sinn für die Lehren<lb/>des Glaubens und die Gnade des Glaubens ver-<lb/>loren haben.</p>
						
                     <p>Worum handelt es sich bei einem christlichen<lb/>Vater? Darum, daß er gewisse Uebungen des christ-<lb/>lichen Lebens mache, daß er nach Maaßgabe seiner<lb/>persönlichen und häuslichen und sonstigen Verhältnisse<lb/>zeitweilig dem Gebete, dem Besuche der Kirche, der<lb/>Beiwohnung der h. Messe, der Anhörung der Pre-<lb/>digt, dem Empfange der h. Sakramente sich widme,<lb/>und so seinen Kindern das Beispiel eines treuen ka-<lb/>tholischen Lebens vor Augen stelle.</p>
						
                     <p>Was könnte darin eines Mannes Unwürdiges,<lb/>einem Manne nicht Zustehendes gefunden werden?<lb/>Wir haben ja zugegeben, daß das alles nicht einmal<lb/>ganz so, wie die Mutter es übt, zu geschehen habe,<lb/>obwohl auch das nach Umständen ganz in dcr<lb/>Ordnung, ganz empfehlenswerth sein würde; aber<lb/>wir können immerhin in den gedachten Stücken<lb/>unsere Anforderungen etwas mildern, ohne fürchten<lb/>zu müssen, daß der Vater dadurch seinen wahrhaft<lb/>christlichen Charakter einbüße; mag immerhin der<lb/>Vater in den gedachten Stücken seine männliche Ei-<lb/>genart – nur in der rechten Weise – zur Geltung<lb/>bringen. Aber einzusehen, daß derartige, durch den<lb/>Geist unserer h. Religion oder durch ausdrückliche<lb/>Vorschrift der h. Kirche aufgelegte Uebungen für einen<lb/>Vater irgendwie ungeeignet, ja seiner männlichen Ehre<lb/>zu nahe tretend seien, – nein, es geht über unsere<lb/>Begriffe. Vielleicht ist leider die Zahl derer, welche<lb/>
                        <pb facs="images/C889_001_1874_0059"
                            n="55"
                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0055_0001"/>wir zu den wahrhaft christlichen und in solchen Ue-<lb/>bungen gebührend eifrigen Vätern rechnen dürfen,<lb/>nicht grad so groß; aber das unterliegt keinem Zwei-<lb/>fel, daß grad unter denen, welche zu dieser Zahl ge-<lb/>hören, die echten, wahren Männer zu finden seien.<lb/>Wer würde wohl jenen Führern des Centrums im<lb/>Abgeordnetenhause zu Berlin die echte, volle Man-<lb/>neswürde streitig zu machen sich erkühnen; schauet<lb/>ja die ganze katholische Welt auf sie als auf eine<lb/>Zierde ihrer Männerwelt; selbst die Gegner können<lb/>ihnen die Anerkennung nicht versagen. Nun wohl,<lb/>von ihnen ist es bekannt, daß sie wie überhaupt treue<lb/>und eifrige Glieder der h. Kirche, insbesondere in<lb/>allen jenen hh. Uebungen eifrig sind.<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
                           <p>Einer aus ihnen ging nach dem Tode seiner ihm<lb/>so hochtheuern Frau und, so lange ihre Leiche nicht zu<lb/>Grabe bestattet war, jeden Morgen zur h. Communion,<lb/>um dort sich Trost und Kraft zu schöpfen in seinem großen<lb/>Leide.</p>
                        </note> – Oder<lb/>wäre es für den Mann nach der Art seiner Lebens-<lb/>stellung nicht möglich, sich durch den gebührenden<lb/>Eifer in den religiösen Uebungen als einen wahrhaft<lb/>christlichen Vater zu erweisen? Wer das behaupten<lb/>wollte, würde ohne Weiteres widerlegt durch den Um-<lb/>stand, daß es ja in allen Klassen und Ständen<lb/>wirklich Väter gab und giebt, welche es also hal-<lb/>ten. Wodurch könnte es auch geschehen, daß das<lb/>einem Vater unmöglich wäre? Das hieße ja grad<lb/>so viel, als es sei ihm unmöglich, ein wahrhaft<lb/>christliches Leben zu führen. Beides ist ganz dasselbe.<lb/>Ein wenig beschwerlich – wir geben es zu – kann<lb/>das Eine oder Andere hier und dort dem Vater wer-<lb/>den, und eine gewisse Anstrengung, Mühewaltung<lb/>
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0056_0001"/>und Aufopferung in Anspruch nehmen. Aber wer<lb/>sich dadurch berechtigt hält, davon abzustehen, der hat<lb/>überhaupt auf alles christliche Heil zu verzichten; es<lb/>ist nur zu erringen um den Preis von Mühe und<lb/>Anstrengung; <q>„das Himmelreich,“</q> sagt der Herr,<lb/>
                        <q>„leidet Gewalt und nur die, welche Gewalt brauchen,<lb/>reißen es an sich.“</q>
                     </p>
						
                     <p>Worum handelt es sich endlich bei einem christ-<lb/>lichen Vater? Darum, daß er das, was der heil.<lb/>Glaube mißbilligt und verbietet, gewissenhaft zu mei-<lb/>den suche; darum, daß er darauf bedacht sei, die<lb/>Pflichten des christlichen Lebens zu erfüllen, seine<lb/>Tugenden zu üben. Nun, das <hi rendition="#w">muß</hi> ja eben jeder<lb/>Christ thun, wenn er sein Heil wirken will. Thut<lb/>aber ein Vater das, so ist er eben dadurch ein guter<lb/>christlicher Vater; er thut also eben nur, was er als<lb/>Christ thun muß. Ist ihm das nicht möglich? Ist<lb/>es ihm denn nicht möglich, als Christ zu handeln?<lb/>Wer also kann sich davon entschuldigen? Wer Un-<lb/>möglichkeit vorschützen?</p>
					
                  </div>
					
                  <div xml:id="d62092e5190">
						
                     <head rendition="#c">Doch seien wir gerecht!</head>
						
                     <p>Die Forderung also, daß jeglicher Vater ein<lb/>wahrhaft christlicher Vater sei, kann nicht bemängelt<lb/>werden; behaupten wollen, jene Frömmigkeit, wie wir<lb/>sie für einen Vater in Anspruch nehmen, lasse sich<lb/>nicht wohl zur Ausführung bringen oder sie stehe<lb/>dem Manne nicht wohl an, heißt wider Vernunft<lb/>und Glauben streiten.</p>
						
                     <p>Dennoch kann es nicht verkannt werden, daß die<lb/>Uebung einer solchen Frömmigkeit, wie sie für einen<lb/>Vater in Anspruch genommen werden muß, für den-<lb/>selben nach Umständen ihre besondern Schwierigkei-<lb/>
                        <pb facs="images/C889_001_1874_0061"
                            n="57"
                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0057_0001"/>ten haben kann und in Wirklichkeit recht oft hat.<lb/>Wir haben hier nicht jene allgemeinen Schwierigkei-<lb/>ten im Auge, welche das wahrhaft christliche Leben<lb/>immer und für alle mit sich führt; vielmehr sprechen<lb/>wir hier von gewissen <hi rendition="#w">besondern</hi> Schwierigkeiten,<lb/>welche eben mehr oder weniger ausschließlich für den<lb/>Vater bestehen. Sie liegen theils in seiner männ-<lb/>lichen Eigenart, theils in der besondern Aufgabe und<lb/>in den Verhältnissen seines Lebens.</p>
						
                     <p>Wird die Muter schon durch ihr natürliches<lb/>Wesen zur Frömmigkeit hingezogen, so ist das beim<lb/>Vater oft weniger der Fall. Bei ihm herrscht durch-<lb/>weg mehr der kalte Verstand vor; er hat das, was<lb/>die Mutter auch nach dem Zuge ihres Gefühles thut,<lb/>mehr in Berechnung des Verstandes und im Pflicht-<lb/>gefühl zu thun. Es ist leicht so viel schwerer. -<lb/>Er findet im Allgemeinen in den Uebungen des<lb/>christlichen Lebens nicht so große Genüge, wie die<lb/>Mutter; wiederum etwas, was ihm dieselben er-<lb/>schwert. – Er ist fast immer in viel höherm Grade<lb/>von der Arbeit und den Geschäften des Lebens, von<lb/>ihren Sorgen und Zerstreuungen in Anspruch ge-<lb/>nommen; dadurch wird's oft schwer genug, die Rich-<lb/>tung auf Gott, den Sinn für's Höhere, den Eifer<lb/>des christlichen Lebens zu behaupten. – Dazu kommt,<lb/>daß das Leben des Mannes an Gefahren und Ver-<lb/>suchungen der manchfachsten Art so viel reicher zu<lb/>sein pflegt, als das doch vorwiegend in viel engerm<lb/>Kreise beschlossene Leben der Mutter! Wird's ihn<lb/>nicht hinreißen zu gar zu häufigem Lebensgenuß, zu<lb/>unzeitigem Wirthshausbesuch, zur Unmäßigkeit im<lb/>Trinken, zu Verstößen wider die christliche Gerech-<lb/>tigkeit, zu Verstößen gegen die Keuschheit? – Und<lb/>
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                            n="58"
                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0058_0001"/>dann die Gefahren für seinen Glauben! Liegen sie<lb/>schon in einem bei ihm zu fürchtenden unzeitigen<lb/>Vorherrschen des kalten Verstandes, dann noch mehr<lb/>in dem nachtheiligen Einflusse, welchen der noth-<lb/>wendige oder nahegelegte Verkehr mit glaubensgleich-<lb/>gültigen, glaubenslosen Menschen, oder die ihm so<lb/>viel näher liegende Lesung schlechter Zeitungen und<lb/>Schriften ausübt.</p>
						
                     <p>Lauter Umstände, welche es nur zu leicht mit<lb/>sich bringen, daß Männer nach und nach, mehr und<lb/>mehr gegen Gott und gegen das Höhere gleichgültig,<lb/>in religiösen Uebungen immer lässiger werden, sich<lb/>von ihnen mehr und mehr zurückziehen; daß sie in<lb/>eitel-irdischem Sinn, in weltlichen Bestrebungen ganz<lb/>aufgehen; daß sie sich an Verkehrtheiten und Sünden<lb/>mancher Art hingeben; daß sie an ihrer Gläubigkeit<lb/>Schaden nehmen, ja ihren Glauben verlieren. Was<lb/>also zu thun?</p>
					
                  </div>
               </div>
					
               <pb facs="images/C889_001_1874_0063"
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                   xml:id="C889V3_001_1874_pb0059_0001"/>
               <div xml:id="d62092e5343">
						
						
                  <head rendition="#c">Ausführung des Bildes.</head>
						
                  <p>Sind die gedachten Schwierigkeiten und Gefah-<lb/>ren unüberwindlich? Wir erwiedern: Es gibt -<lb/>dem Herrn sei Dank – recht viele Väter, welche,<lb/>obwohl den gedachten Schwierigkeiten und Gefahren,<lb/>sogar in hohem Grade, ausgesetzt, dennoch wahrhaft<lb/>christliche Väter genannt werden dürfen. – Es kommt<lb/>hier, wie am Ende stets und überall, wenn man ein<lb/>wahrhaft christliches, zum Heile bringendes Leben<lb/>führen will, nur darauf an, daß man ernsten und<lb/>festen guten Willen habe; dann lassen sich mit Got-<lb/>tes Gnade Gefahr und Schwierigkeit überwinden.<lb/>Also, was zu thun?</p>

					
                  <div xml:id="d62092e5374">
						
                     <head rendition="#c">Mehre nicht ohne Noth die Schwierigkeiten.</head>
						
                     <p>Vielleicht führen Noth und – unabweisbare Ver-<lb/>anlassungen für manchen Vater, ohne daß er's än-<lb/>dern kann, Arbeiten, Geschäfte, Sorgen und Zerstreu-<lb/>ungen so vielfältig herbei, daß ihm kaum Zeit und<lb/>Ruhe bleibt, sich den Kindern und ihrer Erziehung<lb/>in erwünschter Weise zu widmen. So sehr das zu<lb/>bedauern steht, so darf dennoch mit Grund gehofft<lb/>werden, daß für den Fall, wo die Noth Solches mit<lb/>sich bringt und es sich nicht wohl ändern läßt, der<lb/>Herr selbst durch die Wirkungen Seiner Gnade Er-<lb/>satz leisten und an den Kindern das, was ihnen von<lb/>den Vätern abgeht, ausgleichen werde.</p>
						
                     <p>Aber das läßt sich nicht mit Grund für den Fall<lb/>hoffen, wenn der Vater ohne Noth und ohne ent-<lb/>sprechend wichtige Ursachen gewissermaßen muthwilliger<lb/>
                        <pb facs="images/C889_001_1874_0064"
                            n="60"
                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0060_0001"/>Weise, aus unordentlicher Hingebung an die Welt,<lb/>aus ungeregelter Habsucht, aus Ehrgeiz oder sonst<lb/>in unzeitiger Weise sich mit Arbeiten, Geschäften und<lb/>Zerstreuungen überhäuft. An ihm wird solche un-<lb/>zeitige Hingebung an die Welt und an das Irdische<lb/>die ganze nachtheilige und verderbliche Einwirkung<lb/>vollführen; es wird seine eigene Seele zu Grunde<lb/>richten und insbesondere der Anlaß werden, daß die<lb/>wichtigste Aufgabe seines Lebens, die gute Erziehung<lb/>der Kinder, vernachlässigt, oder nicht in gebührender<lb/>Weise vollführet werde.</p>
						
                     <p>Der gewissenhafte Vater ist darauf bedacht -<lb/>und er muß es – seine Arbeiten und Geschäfte,<lb/>so viel an ihm, auf ein bescheidenes Maaß, wie es<lb/>der Nothwendigkeit und dem Bedürfnisse und billigen<lb/>Wünschen entspricht, zu beschränken und beschränkt<lb/>zu halten.</p>
						
                     <p>Wird's nicht so mit <hi rendition="#w">jedem</hi> wichtigen Geschäfte<lb/>gehalten? Hat man ein wichtiges, folgenreiches Ge-<lb/>schäft, so sucht man Alles zu beseitigen oder fern zu<lb/>halten, was den glücklichen Fortgang des Geschäfts<lb/>und Unternehmens hindern oder gar fraglich machen<lb/>kann; hingegen sucht man Alles so zu ordnen, daß<lb/>es demselben zuträglich sei. Und eben, weil das recht<lb/>am Herzen liegt, so gelingt's auch bis zu einem ge-<lb/>wissen Grade. Giebt es nun aber ein Geschäft, ein<lb/>Unternehmen, welches sich an Wichtigkeit und Fol-<lb/>genreichthum mit der Aufgabe des väterlichen Berufs<lb/>auch nur von fern messen könnte? So darf also,<lb/>ja <hi rendition="#w">muß</hi> mit Recht erwartet werden, daß man auch<lb/>hier, ja hier noch viel mehr, es also halte.</p>
						
                     <p>Oder, worum handelt es sich denn zum großen,<lb/>ja zum größten Theile bei jenen überhäuften Arbeiten<lb/>
                        <pb facs="images/C889_001_1874_0065"
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0061_0001"/>und Geschäften? Nicht wahr, um das Wohl der<lb/>Kinder; für sie erwirbt man, für sie arbeitet man<lb/>und führt sein Geschäft; ihre Unterhaltung, ihr stan-<lb/>desmäßiges Fortkommen, <hi rendition="#w">ihr</hi> zeitliches Wohlergehen<lb/>hat man im Auge. – Wohl; aber wenn ihr <hi rendition="#w">zeit-</hi>
                        <lb/>
                        <hi rendition="#w">liches</hi> Wohlergehen so sehr am Herzen liegt, soll<lb/>das Heil ihrer Seele, ihr <hi rendition="#w">ewiges</hi> Wohlergehen nicht<lb/>so viel mehr am Herzen liegen! Wenn man also<lb/>an die Bestrebungen für ihr zeitliches Wohl sich also<lb/>hingiebt, daß man darüber mehr oder weniger un-<lb/>fähig wird, ihr ewiges Wohl zu begründen, kann das<lb/>denn recht sein! Heißt das nicht grausam sein gegen<lb/>die Kinder? Und so verhält es sich in der That.<lb/>Indem man so ganz aufgeht in zeitlicher Bestrebung,<lb/>behält man nicht mehr Zeit oder Fähigkeit, für das<lb/>Seelenheil der Kinder gebührend zu wirken, dafür<lb/>das Erwünschte und Nothwendige einzusetzen.</p>
						
                     <p>Christlicher Vater, halt Maaß in deinen äußern<lb/>Beschäftigungen! Wirf dich nicht so ganz in's Aeußere!<lb/>Verwickele dich nicht so unzeitig in jegliche Unterneh-<lb/>mung! Trag Sorge, deine Arbeiten und Beschäfti-<lb/>gungen, so viel an dir, dahin zu regeln, daß dir noch<lb/>Zeit bleibe, mit deinen Kindern dich abzugeben; daß<lb/>dir Zeit und Ruhe bleibe, das, was für dich selbst<lb/>zum Bestande und Fortgange des christlichen Lebens<lb/>erforderlich und heilsam ist, in gebührender Weise zu<lb/>thun, damit du ein <hi rendition="#w">christlicher</hi> Vater sein mögest.<lb/>Sei darauf bedacht, daß bei aller Arbeit und Be-<lb/>schäftigung das tägliche Gebet, der Besuch der Kirche,<lb/>der Empfung der hh. Sakramente und sonstige christ-<lb/>liche Uebung Platz und die rechte Berücksichtigung<lb/>finde!</p>
					
                  </div>
					
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                  <div xml:id="d62092e5584">
						
						
                     <head rendition="#c">Gehe den Gefahren aus dem Wege.</head>
						
                     <div xml:id="d62092e5589">
							
                        <head rendition="#c">a.) Die Gefahren für den Glauben.</head>
							
                        <p>Zu den schlimmsten Gefahren für jeden Christen,<lb/>und also insbesondere für den christlichen Vater, rech-<lb/>nen wir die, welche den Glauben zu schädigen, oder<lb/>gar zu untergraben drohen. Ist er ja das Funda-<lb/>ment des christlichen Lebens und dadurch die Bedin-<lb/>gung alles wahren Heiles für den Menschen in Zeit<lb/>und Ewigkeit. Wie trostlos ist das Leben des Men-<lb/>schen auf Erden ohne Glauben! Wie schrecklich seine<lb/>Aussichten für die Ewigkeit! <q>„Wer nicht glaubt, der<lb/>wird verdammt werden,“</q> spricht der Herr. Sein<lb/>Wort ist Wahrheit.</p>
							
                        <p>Daher das höchste Unglück für einen Menschen,<lb/>wenn er an seinem Glauben Schaden nimmt, wenn<lb/>er im Glauben schiffbrüchig wird; die größte Sünde,<lb/>wenn er die Treue bricht im Glauben und an der<lb/>h. Kirche. Und widerfährt ein solches Unglück einem<lb/>Vater, so ist ja der Erziehung der Kinder der Boden<lb/>genommen, so ist eine christliche Erziehung, die Be-<lb/>dingung des wahren Glückes der Kinder für Zeit<lb/>und Ewigkeit unmöglich geworden. O Familienun-<lb/>glück ohne Gleichen, wenn der Vater seinen Glauben<lb/>verliert, ja auch nur wankend und irre sich darin<lb/>machen läßt!</p>
							
                        <p>Und doch wie groß ist die Gefahr dazu in un-<lb/>sern Tagen für manchen Vater, wenn er immerfort<lb/>mit Menschen verkehrt, welche im Glauben wan-<lb/>kend geworden, welche ungläubig sind, welche über<lb/>Religion und Glauben spotten, die Lehren und Ge-<lb/>bräuche der h. Kirche lächerlich machen; wenn er<lb/>Bücher liefet, welche von Menschen ähnlicher Art,<lb/>von ungläubigen, sittlich verkommenen Subjekten ge-<lb/>
                           <pb facs="images/C889_001_1874_0067"
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0063_0001"/>schrieben sind; wenn er Zeitungen und Blätter hält,<lb/>welche nicht müde werden, Tag um Tag wider die<lb/>h. Kirche, wider ihre Lehren und Weisen mit Lug<lb/>und Verläumdung, mit Hohn und Spott aufzutreten;<lb/>vollends wenn er dabei jenes lose Wirths- und<lb/>Gasthaus-Leben führt voll Sinnlichkeit und Ueber-<lb/>maaß und Völlerei. In der That, da bedürfte es<lb/>so fast eines Wunders, um den Glauben zu bewah-<lb/>ren, um nicht in demselben zu Schanden zu werden.<lb/>Sind das ja zugleich eben so viele schlüpfrige Pfade<lb/>zur Sünde und Ausschweifung, und eben dadurch um<lb/>so mehr Wege zum Verluste des Glaubens, zum<lb/>Irr- und Unglauben.</p>
							
                        <p>O christlicher Vater, sei eingedenk deiner Kinder<lb/>und im Hinblick auf sie werde immer von Neuem<lb/>inne, welch ein kostbares Gut für dich, ihren Vater,<lb/>der <hi rendition="#w">Glaube</hi> ist; ist er ja die nothwendigste Be-<lb/>dingung, damit durch dich ihnen werden könne, was<lb/>der Herr durch dich ihnen hat vermitteln wollen, das<lb/>hohe Gut eines echt christlichen Sinnes und Lebens,<lb/>die Bedingung ihres Glückes. O darum hüte doch<lb/>ein Gut, worin für deine Kinder, wie für dich, im<lb/>eigentlichsten Sinne alles Heil für Zeit und Ewig-<lb/>keit begriffen liegt. Gehe also, so viel immer mög-<lb/>lich, dem aus dem Wege, was den Glauben bedrohet.<lb/>Meide den vertrauten Verkehr mit solchen Menschen,<lb/>die keinen Glauben, die den rechten Glauben nicht<lb/>haben, so viel du kannst. Verschmähe jedes Buch,<lb/>jede Zeitung, jede Schrift, worin Ausfälle wider die<lb/>h. Kirche, wider Religion und gute Sitte enthalten<lb/>sind.</p>
							
                        <p>Wähne doch nicht, daß das alles <hi rendition="#w">dir</hi> nicht scha-<lb/>den könne und werde. Bist du schon nicht mehr fest<lb/>
                           <pb facs="images/C889_001_1874_0068"
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0064_0001"/>in deinem Glauben, so wird's dir sicher schaden und<lb/>nur zu leicht dich um allen Glauben bringen. Aber<lb/>auch selbst da, wo du noch so fest in deinem Glau-<lb/>ben stehest, wird solcher Umgang und solche Lesung<lb/>dir schaden. Sie werden, wenn auch nach und nach,<lb/>aber sicher an deiner Seele und an ihrem Glaubens-<lb/>leben eine ähnliche Wirkung vollführen, wie der kalt-<lb/>wehende Nordwind im Frühjahre an der Natur: Ihr<lb/>Wachsthum wird gehemmt, die schon zu Tage tre-<lb/>tenden Keime und Sprößlinge kommen nicht weiter,<lb/>und an manchem Baum, der schon in Blüthe stand,<lb/>wird all die reiche Hoffnung des Blüthenschmucks<lb/>zerstört.</p>
							
                        <p>O wie Viele, die einst so gläubig und daher so<lb/>gut waren, haben auf diesem Wege ihren Glauben<lb/>verloren! Sollen wir zweifeln, daß Manche unter<lb/>denen, welche in neuerer Zeit in so unseliger Weise<lb/>von der Kirche sich losgerissen haben, nie dazu wür-<lb/>den gekommen sein, wenn sie die Lesung gewisser Ta-<lb/>gesblätter und Zeitschriften und Bücher nach Pflicht<lb/>vermieden hätten? Auch sie haben geglaubt, das<lb/>könne und werde <hi rendition="#w">ihnen</hi> nicht schaden; aber sie ha-<lb/>ben allmählich das Gift eingesogen, und schließlich<lb/>hats ihnen Tod und Verderben gebracht. Drum,<lb/>christlicher Vater, laß dich warnen!</p>
						
                     </div>
						
                     <div xml:id="d62092e5808">
							
                        <head rendition="#c">b) Das Wirthshausleben.</head>
							
                        <p>Wenn hier unter den Stücken, die zu meiden,<lb/>auch das Wirths- und Gasthausleben eine Stelle<lb/>findet, so bedarf es kaum der Bemerkung, daß es<lb/>nicht von fern unsere Meinung sein könne, den Be-<lb/>such eines anständigen Wirths- oder Gasthauses über-<lb/>haupt zu mißbilligen. Oder was wäre an sich daran<lb/>
                           <pb facs="images/C889_001_1874_0069"
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0065_0001"/>zu mißbilligen, wenn ein Vater die Ruhe und Er-<lb/>holung, deren er unter den Anstrengungen des täg-<lb/>lichen Lebens bedarf, in einem anständigen Wirths-<lb/>hause, im Kreise von Freunden und Bekannten auch<lb/>bei – freilich mäßigem – Genusse geistiger Ge-<lb/>tränke sucht? Es ist eben nur das Uebermaaß und<lb/>die Ausschreitung in diesem Punkte, so Tadel verdient,<lb/>und wovor gewarnt werden muß. Unter den ver-<lb/>schiedenen nachtheiligen Folgen, welche damit verbun-<lb/>den zu sein pflegen, ist nicht eine der geringsten die,<lb/>daß der Geist christlicher Gottesfurcht und Frömmig-<lb/>keit darunter so wesentlich leidet und demnach an<lb/>einem Vater für die Kinder das, was für sie das<lb/>Wichtigste und Nothwendigste ist, mehr oder weniger<lb/>abhanden kommt.</p>
							
                        <p>Ist es vielleicht insbesondere der Sonntag, welcher<lb/>solchem unzeitigen Wirthshausleben gewidmet wird,<lb/>wo bleibt da die Weihe und der Segen dieses Tages,<lb/>wodurch der Bestand und das Gedeihen des christ-<lb/>lichen Geistes und Lebens so wesentlich und in so<lb/>hohem Grade bedingt ist. Oder was könnte, wenn<lb/>von Erbauung und religiöser Erhebung durch gottes-<lb/>dienstliche Feier und durch Gottes Wort dann über-<lb/>haupt noch die Rede sein kann, von diesen Ergeb-<lb/>nissen des Sonntags noch übrig bleiben, wenn ein<lb/>so namhafter Theil des Morgens und ein noch nam-<lb/>hafterer Theil des Nachmittags, vielleicht bis tief in<lb/>die Nacht hinein auf solche Weise verbracht wird?<lb/>Auf diese Art geht das religiöse Leben auch am<lb/>Sonntage leer aus, ja es wird durch die nachtheili-<lb/>gen Einflüsse, welche sich im Wirthshause geltend zu<lb/>machen Pflegen, gradzu geschädigt. Was Wunder,<lb/>daß dasselbe, da es im Laufe der Woche auch so<lb/>
                           <pb facs="images/C889_001_1874_0070"
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0066_0001"/>wenig oder gar keine Nahrung findet, mehr und mehr<lb/>verkümmert, um schließlich zu ersterben. Niemand,<lb/>der anders die Sache zu beurtheilen versteht, zweifelt<lb/>daran, daß in dem Mangel an rechter und würdiger<lb/>Sonntagsfeier bei einer namhaften Zahl von Men-<lb/>schen ein Hauptgrund ihrer religiösen und sittlichen<lb/>Verkommenheit liegt und daß die würdige Sonntags-<lb/>feier und ihr Segen durch nichts mehr zu Schanden<lb/>gemacht wird, als durch jenes unselige Wirthshaus-<lb/>leben.<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
									
                              <p>Da wir hier den Vater im Auge haben, wie sehr<lb/>behelligt derselbe durch ein solches ungeordnetes Wirths-<lb/>hausleben auch den Segen des Sonntags für die Seinigen,<lb/>für die Kinder! Unmöglich kann denselben der Sonntag<lb/>auf die Dauer recht heilig erscheinen und geweiht sein,<lb/>wenn die Erfahrung ihnen denselben mehr und mehr als<lb/>einen Tag herausstellt, an dem der Vater großen- oder<lb/>größtentheils im Wirthshaus sich findet, an dem der Va-<lb/>ter am Wenigsten zu Hause zu finden ist, an dem der<lb/>Vater des Mittags und Abends in einer gewissen Aufre-<lb/>gung geistiger Getränke, gar im angetrunkenen oder betrun-<lb/>kenen zustande heimkehrt, an dem der Vater erst so spät<lb/>am Abende, erst in der Nacht zurückkommt. Das greift<lb/>dann unmittelbar und als böses Beispiel nachtheilig in<lb/>ihr kindliches Herz ein; aber es behindert und störet auch<lb/>die volle Erbauung, die innige Erquicklichkeit und den<lb/>rechten Segen des Sonntags für <hi rendition="#w">sie</hi>. – Wie sehr könnte<lb/>und sollte z.B. grad am Sonntage die Mittags- und<lb/>Abendtafel zu einer erquicklichen Scene des christlichen<lb/>Familienlebens und zu einem Sammelplatze christlicher<lb/>Sonntagsfreude sich gestalten, wenn Vater und Mutter<lb/>und Kinder, nun den Arbeiten und Armseligkeiten des<lb/>Alltagslebens enthoben, geweihet durch die Eindrücke der<lb/>kirchlichen Feier und der Andacht und durch die Ruhe und<lb/>das Außergewöhnliche des Tages gehoben bei einem -<lb/>diesmal bessern – gemeinschaftlichen Mahle sich zusam-<lb/>menfindend in trauter Unterhaltung und in gegenseitigem<lb/>Austausche ihrer Gedanken und Gefühle sich ersprächen?<lb/>Und wie wohlthuend und heilsam würde das sein! Nun<lb/>aber ist leicht grad die Sonntagstafel am meisten gestört,<lb/>am wenigsten erquicklich, da der Vater so lange im Wirths-<lb/>haus verharret oder die Spuren einer gewissen Unmäßig-<lb/>keit an sich finden lässet. Nun sind die Abende der Sonn-<lb/>tage die langweiligsten und unangenehmsten, da der Vater<lb/>fehlt, da der Vater erst so spät heimkehrt und die Mutter<lb/>in dem Leid darüber auch nicht recht froh sein kann. In<lb/>der That – traurig!</p>
                           </note>
                        </p>
							
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0067_0001"/>
							
                        <p>Aber auch abgesehen vom Sonntage, – läßt<lb/>sich der Mann überhaupt zu oft und zu lange und<lb/>in unzeitiger Weise in den Wirthshäusern finden,<lb/>so kann der gute christliche Geist dabei unmöglich<lb/>Bestand haben. Das ist insbesondere ein sehr ge-<lb/>fährlicher und schlüpfriger Weg, um nach und nach<lb/>in das unselige Laster des Trunkes zu gerathen; durch<lb/>das so oft, ja regelmäßig wiederkehrende Wirthshaus-<lb/>sitzen und Trinken entsteht mehr und mehr ein Be-<lb/>dürfniß, die Neigung zum Trinken, die Trunksucht.<lb/>Und schon das Bedürfniß selbst, der Umstand, daß<lb/>Manche gradzu Sclaven des Wirthshauses sind und<lb/>zu den bestimmten Zeiten nicht daraus fortbleiben<lb/>können, ist etwas des Christen Unwürdiges, wobei<lb/>das rechte christliche Leben nicht gedeihet. Ueberdies<lb/>sind nur zu leicht alle Eindrücke, welche in solchen<lb/>Kreisen zu walten pflegen, wenig dazu angethan, dem<lb/>guten christlichen Sinne Vorschub zu leisten; im<lb/>Gegentheil, Alles, was da geschieht, Alles, was da<lb/>gehört, gesehen, vernommen wird, Gespräche, Lieder,<lb/>Zeitungen u.s.w., übt nur zu oft einen gradzu<lb/>lähmenden, nachtheiligen Einfluß und ist geeignet,<lb/>durch die oftmalige Wiederholung das Herz dem<lb/>Höhern immer mehr zu entfremden. – Und wenn<lb/>
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0068_0001"/>dann gar, wie es an größern Orten leider nicht selten<lb/>ist, jeder Tag, den Gott kommen lässet, im Wirths-<lb/>haus seinen Abschluß findet, wenn dieser Abschluß<lb/>dann fast eben so oft in tiefer Nachtstunde seinen<lb/>Platz hat, wie sollte dabei das rechte christliche Wesen<lb/>und Leben auf die Dauer bestehen können?</p>
							
                        <p>Und nun, christlicher Vater, wie hast <hi rendition="#w">du</hi> es<lb/>bisher in diesem Punkte gehalten? Leicht hat sich<lb/>auch in deinem Leben Unordnung und Uebermaaß in<lb/>dieser Hinsicht eingeschlichen. Wir sind daher in der<lb/>Lage, dir ansinnen zu müssen, daß du entschieden<lb/>darauf bedacht seiest, in das Geleise der rechten, christ-<lb/>lichen Ordnung wieder einzulenken. Wo nicht, so<lb/>werden wir nur zu sehr zu fürchten haben, daß du<lb/>nach und nach mehr und mehr dich selbst untauglich<lb/>und unfähig machest, einer deiner heiligsten Verpflich-<lb/>tungen, der gegen deine Kinder, zu genügen.</p>
							
                        <p>Nichts liegt uns mehr fern, als das für dich<lb/>erforderliche oder erwünschliche Vergnügen, die nö-<lb/>thige Erholung dir irgendwie streitig zu machen, wir<lb/>würden vielmehr nach Umständen selbst dazu anregen<lb/>und aufmuntern. Aber geh' einmal recht ruhig und<lb/>vorurtheilsfrei über diesen Punkt mit dir zu Rathe!<lb/>Da wäre sogar die Frage zu empfehlen, ob du denn<lb/>nothwendig <hi rendition="#w">so ausschließlich</hi> das für dich erwünsch-<lb/>liche Vergnügen und deine Erholung im Wirthshause<lb/>suchen müssest? Es gibt so viele Männer in ähn-<lb/>licher Lage, wie du, welche man so viel seltener, wenn<lb/>überhaupt noch im Wirthshause trifft, ohne daß darin<lb/>eine Beeinträchtigung ihrer Zufriedenheit und wahren<lb/>Lebensfreude läge. Ja alle Einsichtigen und Lebens-<lb/>erfahrenen sind darüber einverstanden, eine wesentliche<lb/>Beeinträchtigung und Schmälerung des vollen Lebens-<lb/>
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0069_0001"/>genusses und der wahren Lebensfreude eben darin<lb/>finden zu müssen, daß man es so sehr und so aus-<lb/>schließlich in Wirthshäusern und Gesellschaften sucht.<lb/>Gewöhnte man sich – meinen sie, lernte man's, die<lb/>Erholung und Erheiterung mehr im häuslichen Kreise,<lb/>im Verkehre mit den Kindern oder auch mit Freunden<lb/>und ausgewählten Bekannten zu suchen, man würde<lb/>sie mehr und mehr und desto erquicklicher daselbst<lb/>finden.</p>
							
                        <p>Aber wir wollen darüber <hi rendition="#w">hier</hi> nicht streiten;<lb/>wir wollen nicht widersprechen, wenn behauptet wird,<lb/>daß <hi rendition="#w">das</hi> doch am Ende nicht Jedermanns Sache sei,<lb/>daß für Manche der Besuch eines anständigen Wirths-<lb/>hauses, der Verkehr mit dort befindlichen Gesellschaf-<lb/>ten nicht wohl entbehrlich sei. Huldigest also auch<lb/>du dieser Ansicht, wohl! Nur beobachte <hi rendition="#w">dann</hi> Maaß<lb/>und Schranke. Das ist etwas, worin nicht mehr<lb/>
                           <hi rendition="#w">Ansicht</hi> und <hi rendition="#w">Meinung</hi> Raum hat, das ist <hi rendition="#w">Pflicht</hi>
                           <lb/>des christlichen Lebens. Pflicht ist es, dich zu hüten,<lb/>daß dir der Wirthshausbesuch nicht zum Bedürfnisse,<lb/>zur Leidenschaft werde, daß du nicht Sclave des<lb/>Wirthshauses werdest. Daher dürfen wir es dir mit<lb/>allem möglichen Nachdrucke an's Herz legen, daß du<lb/>den <hi rendition="#w">unbedingt regelmäßigen</hi>, täglichen Besuch<lb/>meidest und es über dich gewinnest, ein und anderes<lb/>Mal vielmehr daheim zu bleiben. Gewinnst du das<lb/>nicht mehr über dich? – Dann sollst du dich fragen,<lb/>ob das nicht ein Stück Schande sei? Jedenfalls ist dein<lb/>Wirthshausbesuch <hi rendition="#w">dann</hi> für dich um so bedenklicher.</p>
							
                        <p>Pflicht ist es, darauf bedacht zu sein, nicht gar<lb/>zu lange im Wirthshause zu verweilen, am Wenig-<lb/>sten im Laufe des Tages. Liegt nicht in der That<lb/>etwas Unwürdiges darin, vielleicht sogar regelmäßig<lb/>
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0070_0001"/>ganze Stunden des eigentlichen Tages im Wirths-<lb/>hause zu versitzen? – Pflicht ist es, vollends für<lb/>einen Familienvater, daß er die Unsitte, bis in die<lb/>Nacht hinein im Wirthshaus zu sitzen, entschieden<lb/>von sich fern halte. Nichts frißt das wahre christliche<lb/>Leben mehr an, wie das.</p>
							
                        <p>Doch ziemlich unnütze Ermahnungen, wenn Je-<lb/>mand sich nicht entschließet, in diesem Punkte sich eine<lb/>feste Regel zu machen, um an ihr zu halten und<lb/>ohne die allerwichtigsten Gründe nicht davon abzuge-<lb/>hen; <hi rendition="#w">eine Regel</hi> in Betreff der <hi rendition="#w">Zeit: Nur so</hi>
                           <lb/>
                           <hi rendition="#w">und so lange</hi> im Wirthshause, in der Gesellschaft<lb/>zu verweilen; <hi rendition="#w">nie</hi> über <hi rendition="#w">die</hi> Stunde hinaus, <hi rendition="#w">nie</hi>;<lb/>
                           <hi rendition="#w">dann</hi> und <hi rendition="#w">dann</hi> sicher zu Hause zu gehen und sich<lb/>durch Nichts halten zu lassen; – <hi rendition="#w">eine Regel</hi> in Be-<lb/>treff des <hi rendition="#w">Maßes</hi> der zu genießenden geistigen Ge-<lb/>tränke: <hi rendition="#w">So und so viel</hi> nur! <hi rendition="#w">Unerbittlich nur</hi>
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                           <hi rendition="#w">so viel! Nie</hi> mehr! <hi rendition="#w">Unter keiner Bedingung</hi>,<lb/>
                           <hi rendition="#w">auf keine Veranlassung, auf kein Zureden</hi>
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                           <hi rendition="#w">mehr!</hi> – <q>„<hi rendition="#w">Aber das geht ja nicht an! das ist</hi>
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                              <hi rendition="#w">ja unmöglich!</hi>“</q> – erwiederst du vielleicht. – Sagst<lb/>du: <q>„Das ist doch recht schwer!“</q> so geben wir es<lb/>dir nach Umständen zu. Insbesondere wird's schwer<lb/>für dich, es also zu halten, wenn dir die Unordnung,<lb/>das Uebermaß schon zur Gewohnheit geworden. Aber<lb/>
                           <hi rendition="#w">unmöglich</hi> – nein! Denk einmal nach, werther<lb/>Freund, wie oft vielleicht schon in deinem Leben hast<lb/>du dich zu noch Schwererem verstanden und es zu<lb/>Stande gebracht, wenn du einsahest, es <hi rendition="#w">müsse</hi> eben<lb/>so, es <hi rendition="#w">handele</hi> sich <hi rendition="#w">um dein Wohl</hi>.</p>
							
                        <p>Nun, hier handelt es sich um dein Wohl in einem<lb/>sehr hohen Grade; hier handelt es sich zugleich um<lb/>das Wohl deiner Kinder. Wir haben's ja dargelegt,<lb/>
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0071_0001"/>ein Wirthshausleben, wie das deinige bisher war,<lb/>führt gar sehr die Gefahr mit sich, dich um deinen<lb/>rechten christlichen Geist und deine Kinder um den<lb/>Segen einer christlichen Erziehung, dich und sie in's<lb/>Verderben zu bringen. Es ist deine <hi rendition="#w">Pflicht</hi>, dasselbe<lb/>in's rechte Geleise zurück zu führen, es handelt sich<lb/>um dein und deiner Kinder Heil. Das <q>„braucht<lb/>
                              <hi rendition="#w">Gewalt</hi>; nur die Gewalt brauchen, gewinnen's“</q>.</p>
							
                        <p>Also Folgendes stehe für dich fest: Nicht gar so<lb/>lange im Wirthshause zu verweilen, am Wenigsten<lb/>im Laufe des Tages. Halte es als des Christen<lb/>unwürdig, fast regelmäßig ganze Stunden des Tages<lb/>im Wirthshause zu versitzen. Und am Abende: Nie<lb/>in die Nacht hineinzusitzen! Nichts ist demoralisi-<lb/>render, als das. Lasse es dir angelegen sein, in<lb/>dieser Hinsicht eine gewisse Regel zu haben; eine<lb/>Regel in Betreff der Zeit: So und so lange nur<lb/>– im Wirthshause, in der Gesellschaft zu verwei-<lb/>len; nie über <hi rendition="#w">die</hi> Stunde hinaus! Dann und dann<lb/>
                           <hi rendition="#w">sicher</hi> zu Hause zu gehen und dich durch Nichts<lb/>hallen zu lassen. – Eine Regel in Betreff des<lb/>Maßes der zu genießenden geistigen Getränke: So<lb/>und so viel! <hi rendition="#w">Unerbittlich nur so viel! Nie</hi>
                           <lb/>mehr, unter keiner Bedingung, auf keine Veranlas-<lb/>sung, auf keine Zureden!</p>
							
                        <p>Halst du es nicht so, dann wird das Wirthshaus<lb/>und die Gesellschaft für dich nur zu leicht, ja so fast<lb/>mit Gewißheit zur Gefahr, zum Verderben – auf<lb/>die Dauer. Für dich und – du bist Vater – für<lb/>deine Kinder! Hab Erbarmen mit deinen Kindern!</p>
						
                     </div>
						
                     <div xml:id="d62092e6486">
							
                        <head rendition="#c">c) Laß es nicht an der Uebung fehlen.</head>
							
                        <p>Es handelt sich um die wesentlichste Bedingung<lb/>einer rechten, den Absichten Gottes entsprechenden<lb/>
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0072_0001"/>Kindererziehung, <hi rendition="#w">darum</hi>, daß der Vater ein wahr-<lb/>haft christlicher sei und im rechten christlichen Geiste<lb/>und Sinne bestehe. So viel daran liegt, so viel soll<lb/>der Vater es sich angelegen sein lassen, alles das fern<lb/>zu halten resp. zu meiden, was ihm die Behauptung<lb/>der Frömmigkeit schwieriger macht, was dieselbe in<lb/>Gefahr stellt.</p>
							
                        <p>Aber beim besten Willen wird das nicht immer<lb/>in solchem Grade geschehen können, daß nicht dennoch<lb/>in dieser Hinsicht manche Schwierigkeit und Gefahr<lb/>für den Vater bleibe; es thut Noth, mit verhältniß-<lb/>mäßigem Eifer die Mittel in Anwendung zu bringen,<lb/>welche geeignet sind, trotz solcher Gefahren und Schwie-<lb/>rigkeiten den Geist der christlichen Frömmigkeit im<lb/>Herzen und Leben des Vaters zu erhalten, zu festigen<lb/>und zu fördern, so daß er mehr und mehr den Ge-<lb/>fahren und Schwierigkeiten trotze. Bekannte Mittel,<lb/>die in jedem christlichen Leben, soll es anders Bestand<lb/>und Fortschritt finden, Platz haben müssen. Aber<lb/>es lohnt sich, ja es thut Noth, sie hier in Kürze<lb/>insbesondere den Vätern vorzuführen und es ihnen<lb/>zum Bewußtsein zu bringen, wie die treue und eifrige<lb/>Verwendung dieser Mittel, während <hi rendition="#w">sie</hi> zur Ver-<lb/>nachlässigung derselben vielleicht am Meisten geneigt<lb/>sind, <hi rendition="#w">grad für sie</hi> von ganz besonderer Wichtigkeit<lb/>und Bedeutung ist.</p>
						
                     </div>
						
                     <div xml:id="d62092e6565">
							
                        <head rendition="#c">1. Um was handelt er sich?</head>
							
                        <p>Diese Frage oft an sich zu stellen, das ist das<lb/>erste Mittel. Wofür der Mensch etwas thun soll,<lb/>daran muß ihm etwas liegen. Wer wird Mittel<lb/>anwenden für eine Sache, woran ihm wenig oder<lb/>nichts liegt? Welcher Vater wird also treu und eifrig<lb/>
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0073_0001"/>sein in der Anwendung der Mittel zur christlichen<lb/>Gottesfurcht und Frömmigkeit, wenn ihm an dieser<lb/>nicht viel, wenn ihm nichts daran liegt? Wie wenig<lb/>liegt Manchem daran!</p>
							
                        <p>
                           <hi rendition="#w">In der That</hi> liegt <hi rendition="#w">Alles</hi> daran. Im Grunde<lb/>die einzige Aufgabe, welche Gott dem Menschen auf<lb/>Erden gegeben hat, daß er sich in Gottesfurcht und<lb/>Frömmigkeit übe und so sein zeitliches und ewiges<lb/>Heil gründe. Alles, was sonst auf Erden noch Be-<lb/>deutung und Wichtigkeit hat, sollte nach Gottes Ab-<lb/>sicht und Willen nur <hi rendition="#w">Mittel</hi> sein zu jenem großen<lb/>Zwecke. Wenn das kurze Menschenleben auf Erden<lb/>abgelaufen ist und der langen, endlosen Ewigkeit<lb/>Platz gemacht hat, da hat Jegliches, was auf Erden<lb/>dem Menschen immer am Herzen liegen mag, Be-<lb/>deutung und Werth für immer verloren; nur Eins<lb/>hat <hi rendition="#w">da</hi> Bedeutung und Werth behalten – Gottes-<lb/>furcht und Frömmigkeit; wer sie geübt hat, ist ewig<lb/>glücklich, wer sie nicht geübt hat, ewig unglücklich.</p>
							
                        <p>Und haben wir einen Vater im Auge, so kommen<lb/>noch die Kinder, ja leicht Kinder und Kindeskinder<lb/>hinzu; jenachdem <hi rendition="#w">er</hi> Gottesfurcht und Frömmigkeit<lb/>übt oder nicht übt, werden aller Voraussicht nach auch<lb/>
                           <hi rendition="#w">sie</hi> selbe üben oder nicht üben, also wie er ewig<lb/>glücklich oder unglücklich sein.</p>
							
                        <p>Wie viel liegt also bei einem Vater daran, daß<lb/>er in wahrer Gottesfurcht und Frömmigkeit bestehe!<lb/>Alles liegt daran. <hi rendition="#w">Es handelt sich ja um sein</hi>
                           <lb/>und <hi rendition="#w">seiner Kinder zeitliches und ewiges</hi>
                           <lb/>
                           <hi rendition="#w">Wohlergehen</hi>.</p>
							
                        <p>Das, christlicher Vater, rufe dir also oft, immer<lb/>von Neuem in's Bewußtsein, damit du in deine zeit-<lb/>lichen Bestrebungen, in den Sorgen und Zerstreuun-<lb/>
                           <pb facs="images/C889_001_1874_0078"
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0074_0001"/>gen des Lebens nicht gar zu sehr aufgehest. Frag<lb/>dich oft und sag dir: <q>„Worum handelt es sich denn<lb/>bei meinen zeitlichen Angelegenheiten, bei meinen Ge-<lb/>schäften, Arbeiten und Sorgen? Um was anders,<lb/>als um mein und meiner Kinder Wohl, darum,<lb/>dieses, jenes Gute zu erringen, dieses, jenes Uebele<lb/>abzuwenden. Nun aber giebt es nichts auf der Welt,<lb/>wodurch mein und meiner Kinder Wohl in solchem<lb/>Grade bedingt wäre, als die Uebung christlicher Gottes-<lb/>furcht und Frömmigkeit; nichts, wodurch so vieles<lb/>und großes Uebel über mich und meine Kinder ge-<lb/>bracht wird, als durch Vernachlässigung dieser Uebung,<lb/>durch Gleichgültigkeit und Sünde.“</q>
                        </p>
							
                        <p>Und die Folgerung: <q>„So ist's billig, daß nichts<lb/>mir so sehr am Herzen liege, als treue und beharr-<lb/>liche Uebung der christlichen Gottesfurcht und Fröm-<lb/>migkeit.“</q>
                        </p>
							
                        <p>Was thut dazu Noth? Die Antwort giebt uns<lb/>die fernern Mittel:</p>
						
                     </div>
						
                     <div xml:id="d62092e6739">
							
                        <head rendition="#c">2. Bete!</head>
							
                        <p>Bete namentlich am Morgen und am Abende.<lb/>Das muß heilige Regel sein. Wer selbst am Morgen<lb/>und Abende nicht wenigstens ein kurzes Gebet ver-<lb/>richtet (zu andern Zeiten des Tages wird der's noch<lb/>viel weniger thun), der beweiset <hi rendition="#w">dadurch schon</hi>, daß<lb/>das religiöse Leben in ihm, wenn nicht schon erstor-<lb/>ben, doch am Ersterben ist; aber eben in Folge dieser<lb/>Versäumniß wird dasselbe nach und nach sicher mehr<lb/>und mehr ersterben und der Mensch ganz in irdi-<lb/>schen Bestrebungen und in Sünde aufgehen. Oder<lb/>muß er, wenn er nicht einmal am Beginn und Schluß<lb/>des Tages ein wenig zur Besinnung kommt, um sich<lb/>seiner höhern Bestimmung und der ewigen Wahr-<lb/>
                           <pb facs="images/C889_001_1874_0079"
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0075_0001"/>heiten bewußt zu werden, und dann am Tage noch<lb/>weniger dessen eingedenk ist, nicht nach und nach allen<lb/>Sinn für's Höhere verlieren? Und dann seine Gna-<lb/>denarmuth! Unser h. Glaube lehrt uns, daß der<lb/>Mensch, während er, um sein Heil zu wirken, die<lb/>Sünde meiden und seine Pflichten erfüllen muß, weder<lb/>zu dem einen noch zum Andern im Stande ist ohne<lb/>die Hülfe der göttlichen Gnade. Im Allgemeinen<lb/>liegt's im göttlichen Rathschlusse, daß der Mensch<lb/>diese Gnadenhülfe nur empfangen soll, wenn er in<lb/>gebührender Weise Ihn darum bittet. Darum soll<lb/>der Christ insbesondere jeden Morgen den Herrn um<lb/>die Gnaden bitten, deren er bedarf, um heut in den<lb/>Versuchungen zu bestehen, um heut Alles gut und<lb/>gottgefällig zu vollführen. Thut er's nicht, so werden<lb/>ihm nur zu leicht diese Gnaden fehlen und die Folge?<lb/>Er wird in der Versuchung wanken und fallen; der<lb/>Tag wird leer bleiben von wahrhaft guten, vor Gott<lb/>und für die Ewigkeit gültigen Werken, es wird leicht<lb/>ein Tag werden, welcher, anstatt dem Himmel näher<lb/>zu führen, weiter von ihm zurückdrängt, der Hölle<lb/>näher führt. Und wie erst, wenn's also Regel ist?!<lb/>Wenn kaum je ein Morgen oder Abend durch Gebet<lb/>geweihet wird?!</p>
							
                        <p>Und ist, wie wir vernahmen, vielfach für die<lb/>Männer, für die Väter die Gefahr, vom Irdischen<lb/>verstrickt zu werden, größer, werden sie leicht mehr<lb/>und heftiger von Versuchung angefochten, thut <hi rendition="#w">ihnen</hi>
                           <lb/>dann das Gebet am Morgen und Abende nicht doppelt<lb/>Noth? O es unterliegt keinem Zweifel, daß in der<lb/>Unterlassung und Versäumniß dieser doch so einfachen<lb/>und leichten Uebung ein Hauptgrund mitliegt, warum<lb/>so oft bei Männern, bei Vätern so wenig christlicher<lb/>
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0076_0001"/>Sinn, so wenig christliche Frömmigkeit sich findet -<lb/>zum großen Schaden, zum Verderben für die Kinder.</p>
							
                        <p>Wir nannten die pünktliche Verrichtung des Mor-<lb/>gen- und Abendgebetes eine so einfache und leichte<lb/>Uebung. Ist sie es nicht? Am Morgen beim Auf-<lb/>stehen, beim Ankleiden, und indem man vielleicht auf<lb/>einige Augenblicke hinkniet oder wenn man will ste-<lb/>hend sich bewußt werden, was man denn heut soll,<lb/>sich dazu, zu christlichem Wandel von Neuem kurz<lb/>entschließen, und darauf den Herrn vielleicht durch<lb/>ein andächtiges h. Vater unser und unter Anrufung<lb/>der h. Jungfrau und der Heiligen um seinen Gna-<lb/>denbeistand bitten; eben so am Abende, ehe man sich<lb/>zur Ruhe begiebt, in Danksagung, Abbitte und Empfeh-<lb/>lung an Gottes Schutz eine entsprechende Gebetsübung<lb/>machen; könnte das schwer erscheinen? Oder dürfte<lb/>man Mangel an Zeit dazu vorschützen? Wo ist denn<lb/>Jemand, der nicht täglich die Zeit fände, die für ihn<lb/>erforderliche Nahrung zu sich zu nehmen? Nun hat<lb/>aber das tägliche Gebet für das höhere Leben so ziem-<lb/>lich dieselbe Bedeutung, wie die tägliche Nahrung für<lb/>das leibliche Leben; ohne dasselbe verkümmert es, um<lb/>allmählich zu ersterben.</p>
							
                        <p>O christlicher Vater, bei den um deinetwillen<lb/>und um deiner Kinder willen so viel, <hi rendition="#w">Alles</hi> daran<lb/>liegt, im rechten christlichen Geiste zu bestehen, laß<lb/>es dir eine heilige unverbrüchliche Regel sein, stets am<lb/>Morgen und Abende zu beten. Es ist das noth-<lb/>wendige Mittel dazu. Muß nicht schon der Hinblick<lb/>auf deine Kinder und wie sehr auch ihnen Gottes<lb/>Gnade Noth thut, an und für sich dich dazu vermögen?</p>
							
                        <p>Ja wir möchten noch weiter gehen. Vor etlichen<lb/>Jahren hielt ein namhafter Jesuitenpater in einer<lb/>
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0077_0001"/>größern Stadt vor einer größern Zahl von Männern<lb/>aus den angesehenen Ständen eine Reihe sogenannter<lb/>Conferenz-Vorträge, die einen großen Eindruck mach-<lb/>en. Im Schlußvortrage, welcher zur Aufgabe hatte,<lb/>Mittel zur Hand zu geben, um das durch die Con-<lb/>ferenzen gewirkte Gute zu erhalten und fruchtbar zu<lb/>machen, erklärte er: Einen der ersten Plätze unter<lb/>diesen Mitteln nehme die tägliche Beiwohnung der<lb/>h. Messe ein. Wir haben nicht in Erfahrung ge-<lb/>bracht, wie viel Nachachtung des Paters Wink ge-<lb/>funden hat; aber gut, willkommen geheißen haben<lb/>wir ihn von ganzem Herzen.</p>
							
                        <p>Warum wohnen vielfach der täglichen heiligen<lb/>Messe so wenig Männer bei? Thut es ihnen weniger<lb/>Noth, als den Frauen? Wir haben gesehen, daß es<lb/>ihnen wegen der größern Schwierigkeiten und Gefahren<lb/>
                           <hi rendition="#w">ihrer</hi> Heilswirkung noch viel mehr Noth thäte. Oder<lb/>sind sie nicht in der Lage? Haben sie nicht Zeit?<lb/>Manche freilich nicht. Aber wie Viele hätten gar<lb/>wohl die Zeit dazu, würden sie wenigstens sehr leicht<lb/>finden können, wenn sie vielleicht nur eine halbe<lb/>Stunde früher aufstehen wollten, ja nicht einmal das,<lb/>wenn sie es nur ein wenig darauf ablegten. Was<lb/>würde das für ein Segen sein für ihr Tagesleben!<lb/>Wie würde das an sich und in Kraft der Segnungen<lb/>des h. Opfers den christlichen Geist nähren und auf-<lb/>recht halten! Wie reich würde das die Gnade des<lb/>Himmels auf das tägliche Leben und Thun herab-<lb/>ziehen! Zu welchem Segen auch für die Kinder sich<lb/>gestalten, um so mehr, wenn dabei dem auf dem<lb/>Altare gegenwärtigen und sich zum Opfer weihenden<lb/>Kinderfreunde die Kinder empfohlen würden!</p>
						
                     </div>
						
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                        <head rendition="#c">3. <q>„Gedenke, daß du den Sonntag heiligst.“</q>
							
                        </head>
							
                        <p>Hier brauchen wir mit Fleiß Gottes eigenes<lb/>Wort. Dürfte nicht geglaubt werden, daß der Nach-<lb/>druck, mit welchem der Herr die Feier des h. Tages<lb/>eingeschärft hat, Sein <q>„Gedenke!“</q> fast vor Allen an<lb/>die Männer, an die Väter gerichtet sei? Wem thut<lb/>eine rechte Sonntagsfeier mehr Noth? Wenn, wie<lb/>oben gesagt, die ganze Lebensverumständigung der<lb/>großen Mehrzahl von Männern darnach angethan ist,<lb/>das Herz unmäßig vom Höhern abzulenken und an's<lb/>Irdische zu fesseln, und in mancherlei Verirrung ab-<lb/>zulenken, welche Bedeutung hat dann grad für sie der<lb/>Sonntag und daß an ihm nach Gottes Willen nun<lb/>einmal alle irdische Arbeit und Beschäftigung ruhe<lb/>und das Bewußtsein der höhern Bestimmung und<lb/>seine Weihe am Herzen zur Geltung komme und<lb/>Herz und Willen wieder zu h. Regungen und Ent-<lb/>schließungen hinaufgetragen und das erforderliche<lb/>Maß der Gnade wieder ergänzt werde?</p>
							
                        <p>Wie aber, wenn nun der Mann, der Vater auch<lb/>diesen Tag nicht solcher Erneuerung weihet, auch an<lb/>diesem Tage nicht lässet von seinem irdischen Sinn<lb/>und Streben, auch am Sonntage seinen Geschäften<lb/>und Sorgen nachhängt und um Gebet, Gottesdienst,<lb/>um Gottes Wort und christliche Uebung sich wenig<lb/>oder gar nicht kümmert? Wird dann nicht, muß<lb/>nicht nothwendig der christliche Charakter mehr und<lb/>mehr zu Schanden werden und die Seele zu Grunde<lb/>gehen?</p>
							
                        <p>O christlicher Vater, halte den Sonntag nach<lb/>Gottes h. Willen und Absicht. Halte dich überzeugt,<lb/>daß es nothwendig ist, um dein eigenes Heil zu<lb/>wirken, nothwendig, um deinen Kindern ein christ-<lb/>
                           <pb facs="images/C889_001_1874_0083"
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0079_0001"/>licher, d. i. ein guter Vater zu sein. Wer könnte<lb/>zweifeln, daß das schon um des Beispiels willen<lb/>h. Pflicht für dich sei. Auch für die Kinder liegt<lb/>eine Bedingung ihres Heiles darin, daß sie früh es<lb/>lernen und gewöhnt werden, den Sonntag nach Got-<lb/>tes h. Willen zu feiern. Werden sie es, wenn sie<lb/>sehen, wie leicht es der Vater mit dem Sonntage<lb/>nimmt? Doch das wollten wir nur nebenbei er-<lb/>wähnen. Hier handelt es sich um die würdige Sonn-<lb/>tagsfeier nur in so fern, als sie ein Mittel, eines<lb/>der wesentlichsten Mittel für den Vater ist, um im<lb/>rechten christlichen Geiste zu bestehen und zu gedeihen.<lb/>O, in der That, darin allein schon, daß ein Vater<lb/>den Sonntag nach Gottes Willen und Anordnung<lb/>hält, liegt eine in hohem Grade sichere Bürgschaft<lb/>dafür, daß er ein wahrhaft christlicher, d. i. guter<lb/>Vater an seinen Kindern sein und eine wahrhaft christ-<lb/>liche Erziehung ihnen angedeihen lassen werde.</p>
							
                        <p>Also wiederum heilige Regel sei's: Am Sonn-<lb/>tag ruhet jegliche Arbeit, jegliches Geschäft, so nicht<lb/>die Noth gebietet! <q>„Er ist der Ruhetag des Herrn,“</q>
                           <lb/>spricht Gott, <q>„an ihm sollst du <hi rendition="#w">kein</hi> Geschäft thun.“</q>
                           <lb/>– Heilige Erbauung zu finden und neue Anregung<lb/>und Erweckung und Gnade zum Guten und so wie-<lb/>der gerüstet zu werden und tüchtig für das große<lb/>Geschäft der Heilswirkung, das sei es, was am Sonn-<lb/>tage über Alles am Herzen liege. Daher treue an-<lb/>dächtige Anwohnung der h. Messe, Anhörung des<lb/>göttlichen Wortes, Betheiligung an den kirchlichen<lb/>Gottesdiensten, erbauliche Lesung und Uebung, so viel<lb/>es die Umstände immer gestatten. Und darf und soll<lb/>daneben auch die Erholung und das Vergnügen Platz<lb/>
                           <pb facs="images/C889_001_1874_0084"
                               n="80"
                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0080_0001"/>finden, nie wird dabei das rechte Maß überschritten<lb/>oder die rechte christliche Weise verleugnet.</p>
							
                        <p>Wohl dem Hause, worin's der Vater und dann<lb/>auch das ganze Haus also mit dem Sonntage hält.<lb/>Der Geist echter christlicher Gottesfurcht und Fröm-<lb/>migkeit wird in ihm mehr und mehr festen Bestand<lb/>gewinnen und heimisch werden und die kostbarsten<lb/>Segnungen des Himmels werden sich über dasselbe<lb/>verbreiten!<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
									
                              <p>Es versteht sich so fast von selbst, daß in einem<lb/>Hause, in welchem eine würdige Sonntagsfeier zur Regel<lb/>geworden ist, auch die Feste der h. Kirche ihre gebührende<lb/>Begehung finden. Welche reiche Nahrung und welche<lb/>Förderung des guten katholischen Sinnes und Lebens liegt<lb/>aber in einem solchen Anschlusse an die h. Kirche in der<lb/>Art, wie sie ihr Kirchenjahr begeht und ihre Feste feiert!<lb/>Zugleich, welche kostbare Mitgift für die Kinder, wenn sie<lb/>in solchem Hause dann von zartester Jugend an in das<lb/>Jahr der h. Kirche und in die Feier ihrer Feste thatsächlich<lb/>eingeführt werden!</p>
                           </note>
                        </p>
							
                        <p>Nunmehr bliebe uns, da es sich um die Haupt-<lb/>mittel zum Fortbestande und Gedeihen echt christlichen<lb/>Geistes handelt, nur noch eins übrig, welches im<lb/>gewissen Betrachte die Krone der übrigen ist:</p>
						
                     </div>
						
                     <div xml:id="d62092e7235">
							
                        <head rendition="#c">4. <q>„Steh auf und iß!“</q>
                        </head>
							
                        <p>So sprach der Engel zum Elias, als er auf der<lb/>Flucht vor der grausamen Königin Jezabel ermüdet<lb/>unter einem Wachholderstrauche eingeschlafen war.<lb/>Er brachte ein wunderbares Brod mit sich; dann<lb/>weckte er ihn und sprach: <q>„Steh auf und iß, denn<lb/>du hast noch einen weiten Weg zu machen.“</q>
                        </p>
							
                        <p>Wie oft gehst du zur h. Communion? – Wenn<lb/>man an Sonn- und Festtagen diejenigen sieht, welche<lb/>
                           <pb facs="images/C889_001_1874_0085"
                               n="81"
                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0081_0001"/>am h. Tische sich einfinden, so ist fast regelmäßig<lb/>die Zahl der weiblichen Personen ganz unverhält-<lb/>nißmäßig überwiegend. Männer finden sich unter<lb/>ihnen, – wenn überhaupt noch – doch in sehr ge-<lb/>ringer Zahl. Wir wollen das nicht zu strenge be-<lb/>urtheilen. Wir wollen zugeben, daß es der Frau<lb/>schon mehr, wie dem Manne, nahe liegen mag, zu<lb/>den hh. Sakramenten zu gehen; daß man dem Manne<lb/>ein oder anderes Mal weniger schon zu Gute zu hal-<lb/>ten sich geneigt finden mag. Aber dieses <q>„weniger“</q>
                           <lb/>findet doch nur zu oft in einem Grade statt, und<lb/>das Erscheinen des Mannes am Communiontische<lb/>gehört mitunter so sehr zu den seltenen Dingen, daß<lb/>es recht sehr zu bedauern steht und geeignet ist, bange<lb/>Befürchtung zu wecken, zumal, wenn es <hi rendition="#w">Väter</hi> sind,<lb/>wobei man solche Bemerkung zu machen hat.</p>
							
                        <p>Woher denn diese Erscheinung? Findet sie in<lb/>der Art und Lage der Väter ihre Erklärung und<lb/>Entschuldigung? Darf man's von ihnen vielleicht<lb/>nicht erwarten, daß sie öfter zur h. Communion<lb/>kommen? Nenne man uns Gründe!</p>
							
                        <p>Haben sie es vielleicht nicht nothwendig, öfter die<lb/>h. Communion zu empfangen? Wir haben oben<lb/>vernommen, daß die Männer, wenn es sich um ein<lb/>wahrhaft christliches Leben handele, mit mehr Schwie-<lb/>rigkeiten zu kämpfen haben, größeren Gefahren aus-<lb/>gesetzt sind, und leicht härtere Kämpfe bestehen müssen,<lb/>als die Frauen. So haben sie denn auch Anregung,<lb/>Ermuthigung und Gnade dazu nöthig, mehr, als<lb/>Frauen. Wo könnten sie solche Anregung, Ermuthi-<lb/>gung und Gnade reichlicher finden, als eben in dem<lb/>würdigen Empfange der hh. Sakramente der Buße<lb/>und des Altars! Keiner, der anders in den Wegen<lb/>
                           <pb facs="images/C889_001_1874_0086"
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0082_0001"/>des christlichen Lebens erleuchtet ist, verkennt es, daß<lb/>eine der wesentlichsten Ursachen, warum manche Män-<lb/>ner so wenig Herz und Sinn haben für Gott und<lb/>das Höhere, so sehr an die Welt und Sünde verkauft<lb/>sind, eben in der großen Seltenheit ihrer h. Beichten<lb/>und Communionen liege. Nun ermattet das höhere<lb/>Leben, weil ihm die h. Speise, die der göttliche Hei-<lb/>land eben für es hinterlassen hat, so lange vorent-<lb/>halten, weil sie so selten empfangen wird; nach und<lb/>nach erstirbt es ganz. <q>„Wenn ihr das Fleisch des<lb/>Menschensohnes nicht esset,“</q> spricht der Herr, <q>„und<lb/>Sein Blut nicht trinket, so werdet ihr das Leben<lb/>nicht in euch haben.“</q>
                        </p>
							
                        <p>Das leibliche Leben muß, soll's nicht ermatten<lb/>und erliegen, durch täglich neuen Genuß der Nah-<lb/>rung gefristet werden; auch das höhere Leben bedarf<lb/>der Stärkung durch die Nahrung der göttlichen Gnade;<lb/>diese Nahrung hat der Herr aber insbesondere im<lb/>h. Sakramente des Altars bereitet; da soll der Christ<lb/>sie suchen und empfangen. Versäumt er es, so wird<lb/>ihm die nothwendige Gnade zur Heilswirkung fehlen;<lb/>der Herr wird sie ihm vorenthalten, da er das von<lb/>ihm zu diesem Zwecke geordnete Mittel nicht anwendet.</p>
							
                        <p>O ihr Väter, möchtet ihr's doch erkennen, wie<lb/>sehr zur Erlangung und Behauptung einer wahren<lb/>christlichen Frömmigkeit die h. Communion Noth<lb/>thut, wie sehr es also grad für euch wünschenswerth<lb/>ist, daß ihr oft die h. Speise empfanget, weil sie das<lb/>Mittel zu jener christlichen Frömmigkeit ist, welche<lb/>für euch, für die gute Erziehung eurer Kinder eine<lb/>so große Bedeutung hat.<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
									
                              <p>Auch hier muß gesagt werden, daß ein gebührender<lb/>Eifer im Empfange der h. Communion für einen Vater<lb/>um so mehr als Pflicht erscheint wegen der Obliegenheit,<lb/>den Kindern in diesem wichtigen Punkte ein gutes Beispiel<lb/>zu geben. Werden die Kinder öfter zur h. Communion<lb/>gehen, wenn der Vater darin so lässig ist?</p>
                           </note>
                        </p>
							
                        <pb facs="images/C889_001_1874_0087"
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                        <p>Und warum denn nicht? Warum denn nur so<lb/>selten zur h. Communion gehen? Ist es euch viel-<lb/>leicht nicht möglich, öfter hinzuzutreten? O, bekennt<lb/>es nur, es liegt fast immer einzig an euerm guten<lb/>Willen. Wer ernst will und es sich angelegen sein<lb/>lässet, der findet sicher nach Verlauf von etlichen<lb/>Wochen oder höchstens einigen Monaten die Zeit,<lb/>welche zur h. Beicht und Communion in Anspruch<lb/>genommen wird. Recht besehen und aufrichtig ge-<lb/>sprochen liegt der eigentliche Grund jener Seltenheit<lb/>stets in einem Mangel an Liebe zum Herrn, an Eifer<lb/>für das Seelenheil, welcher dann durch die Seltenheit<lb/>der Communionen noch ärger wird.</p>
							
                        <p>Also auch hier werde und sei es h. Regel, daß,<lb/>wie die Mutter, auch der Vater recht oft, immer von<lb/>Neuem die h. Speise empfange. Das wird den Geist<lb/>christlicher Frömmigkeit immer von Neuem wieder<lb/>in ihm nähren und kräftigen und denselben immer<lb/>höher fördern; das wird ihm Schutz und Kraft bieten<lb/>in den Gefahren und Schwierigkeiten, die seine Le-<lb/>bensverhältnisse für das christliche Leben mit sich füh-<lb/>ren; das wird vor Allem dazu beitragen, ihn zu einem<lb/>wahrhaft christlichen Vater zu machen.</p>
						
                     </div>
					
                  </div>
               </div>
					
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                   xml:id="C889V3_001_1874_pb0084_0001"/>
               <div xml:id="d62092e7497">
						
						
                  <head rendition="#c">Die Thätigkeit des christlichen Vaters.</head>
						
                  <p>Lange haben wir beim vorigen Theile verweilt,<lb/>aber nicht zu lange. Arbeiteten wir ja am Funda-<lb/>ment; das mußte, wo es sich um einen Bau handelt,<lb/>der in die Ewigkeit hineinragt, sicher und fest sein.<lb/>
                     <q>„<hi rendition="#w">Christlich</hi>“</q> muß der Vater sein, darauf kommt<lb/>Alles an. Auf den Familien – darüber sind alle<lb/>Einsichtigen einverstanden – ruhet – zumal in un-<lb/>sern Tagen – nächst Gott das Heil der Welt, auf<lb/>der Mutter, auf dem Vater. Wird aber gefragt,<lb/>welche Eigenschaften den Vätern, wie den Müttern<lb/>vor allem Noth thun, damit sie das Heil anbahnen,<lb/>so werden alle Erleuchteten sagen: So wichtig auch<lb/>für den guten und rechten Fortgang der Erziehung<lb/>manche andere Eigenschaften sind, die erste, höchste,<lb/>wichtigste und nothwendigste ist, daß wie die Mutter,<lb/>so auch der Vater wahrhaft <hi rendition="#w">christlich</hi> sei.</p>
						
                  <p>Und ist es uns gelungen, es in etwa gebührend<lb/>zum Bewußtsein zu bringen, welche Bedeutung für<lb/>den rechten Fortgang der Erziehung insbesondere die<lb/>echt <q>„christliche“</q> Gesinnung des Vaters habe, so wird<lb/>man es der Sache durchaus entsprechend finden, daß<lb/>wir so eingehend darauf hingearbeitet haben, die Väter<lb/>dahin zu vermögen, daß sie wahrhaft christliche Väter<lb/>seien. Es reichte nicht hin, ihnen blos zu sagen, wie<lb/>wichtig das sei und sie dazu zu ermuntern; es mußte<lb/>bestimmt und im Einzelnen dargelegt werden, was<lb/>zu meiden, was zu thun sei, um im rechten christlichen<lb/>Geiste zu bestehen und fortzuschreiten.</p>
						
                  <pb facs="images/C889_001_1874_0089"
                      n="85"
                      xml:id="C889V3_001_1874_pb0085_0001"/>
						
                  <p>Nunmehr kommen wir an die Handhabung des<lb/>väterlichen Berufes, an die Frage, was der christliche<lb/>Vater denn zu thun habe, um das Werk der Erzie-<lb/>hung heilsam zu vollführen? Wir haben es uns<lb/>nicht zur Aufgabe stellen können, eine vollständige<lb/>Lehre von der christlichen Erziehung zu geben; dann<lb/>würde ja unsere Arbeit zu einem umfangreichen Buche<lb/>anwachsen, welches anzuschaffen und zu lesen am Ende<lb/>nur Wenige im Stande sein würden. Nur einige<lb/>Punkte, die im Werke der Erziehung – leicht vor-<lb/>wiegend für den Vater – als besonders wichtig er-<lb/>scheinen, möchten wir hervorheben. Das reicht bei<lb/>unserer Voraussetzung auch hin; ist nämlich nach un-<lb/>serer Voraussetzung die Hauptsache, ein echt christlicher<lb/>Geist, beim Vater da, so wird derselbe kraft eigener<lb/>Ueberlegung und im Lichte der ihm zur Seite stehen-<lb/>den göttlichen Gnade im Wesentlichen den rechten<lb/>Weg in der Erziehung ohne Zweifel schon von selbst<lb/>finden.<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
                        <p>Dennoch können wir nicht umhin, den Vätern auch<lb/>die Lesung unsers Werkchens <q>„die christliche Mutter“</q>
                           <lb/>(14. Auflage) bestens zu empfehlen. Im Wesentlichen hat<lb/>das dort Gesagte auch für den christlichen Vater Geltung.<lb/>Auch bei ihm muß, soll das Werk der Erziehung wohl<lb/>gelingen, jene natürliche Liebe zu den Kinden durch den<lb/>Glauben und durch die Gnade <hi rendition="#w">geweihet und verklärt</hi>
                           <lb/>sein (Seite 35); auch bei ihm kann man von jener <q>„<hi rendition="#w">Mit-</hi>
                              <lb/>
                              <hi rendition="#w">gift</hi>“</q> (S. 45) sprechen, dahin, daß auch des Vaters Wesen<lb/>und Eigenschaften als ein Segen oder Unsegen auf die<lb/>Kinder übergehen; auch er hat sein Theil dazu beizutragen,<lb/>daß im Hause jene <q>„<hi rendition="#w">Weihe</hi>“</q> (S. 53) herrsche, welche<lb/>den guten Erfolg der Erziehung so wesentlich bedingt; und<lb/>handelt es sich bei der Mutter um <q>„<hi rendition="#w">die Einführung</hi>
                              <lb/>der Kinder <hi rendition="#w">in die christliche Wahrheit</hi>“</q> (S. 57), so<lb/>ist das ohne Zweifel eine gemeinschaftliche Aufgabe der<lb/>Mutter und des Vaters. Aehnliches gilt von dem <q>„<hi rendition="#w">Vor-</hi>
                              <lb/>
                              <hi rendition="#w">gehen gegen die Fehler der Kinder</hi>“</q> (S. 65), von<lb/>der <q>„Huth der h. Scham und Unschuld“</q> (S. 78), von der<lb/>
                           <q>„<hi rendition="#w">Anleitung</hi>“</q> (S. 88), endlich vom <q>„<hi rendition="#w">Gebete der Mut-</hi>
                              <lb/>
                              <hi rendition="#w">ter</hi>“</q>(S. 116.) – Indem wir in diesem unserm Werkchen<lb/>von den noch übrigen Punkten in Betreff der guten christ-<lb/>lichen Erziehung die wesentlichsten hervorheben, so bilden<lb/>beide Werkchen <q>„der christliche Vater“</q> und <q>„die christliche<lb/>Mutter“</q> in gewissem Betrachte ein <hi rendition="#w">Ganzes</hi>. Recht sehr<lb/>möchten wir daher um der guten Sache willen wünschen,<lb/>daß die Väter auch das letztere, und die Mütter auch das<lb/>erstere Werkchen lesen möchten.</p>
                     </note>
                  </p>
						
                  <pb facs="images/C889_001_1874_0090"
                      n="86"
                      xml:id="C889V3_001_1874_pb0086_0001"/>
                  <div xml:id="d62092e7754">
							
							
                     <head rendition="#c">1. <q>„Sammelt euch Schätze.“</q>
							
                     </head>
							
                     <p>Das lautet ja fast, als wollten wir, indem wir<lb/>das christliche Erziehungsgeschäft besprechen, einen<lb/>Punkt oben an stellen, welchem nach christlichen Grund-<lb/>sätzen nicht die erste Stelle gebührt, nämlich die Sorge<lb/>des Vaters für das zeitliche Fortkommen der Kinder,<lb/>die Ansammlung einer reichen Mitgift an die Kinder.</p>
							
                     <p>Doch nein! – Erklären wir uns! – Allerdings<lb/>betrifft das was wir sagen <hi rendition="#w">zunächst</hi> die Thätigkeit<lb/>und die Bemühungen des Vaters für das zeitliche<lb/>Fortkommen seiner Kinder. Sie bildet ja unzweifel-<lb/>haft (auch nach christlichen Grundsätzen) einen Theil<lb/>seiner väterlichen Aufgabe. <hi rendition="#w">Ihm</hi> hat es der Herr<lb/>aufgegeben, das zu erwerben, was nothwendig oder<lb/>wünschenswerth ist, um den Kindern in entsprechender<lb/>Weise Nahrung und Kleidung zu verschaffen, um sie<lb/>Nützliches und Nothwendiges lernen zu lassen, um sie<lb/>in den Stand zu setzen, zur Zeit selbst ein standes-<lb/>mäßiges Auskommen zu finden. Doch dazu bedarf<lb/>es für einen christlichen Vater wohl kaum der Er-<lb/>munterung und Ermahnung; er findet sich dazu von<lb/>selbst angeregt. Wir haben auch nichts dawider zu<lb/>
                        <pb facs="images/C889_001_1874_0091"
                            n="87"
                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0087_0001"/>erinnern, wenn ein Vater es sich angelegen sein läs-<lb/>set, dahin zu kommen, daß er zur Zeit seine Kinder<lb/>mit einer <hi rendition="#w">reichen</hi> Mitgift ausstatten könne, wenn er<lb/>darüber nur das Wichtigste, die Sorge für sein und<lb/>der Kinder Seelenheil nicht unzeitig aus dem Auge<lb/>lässet. Das ist ohne Zweifel die kostbarste und die<lb/>das Glück der Kinder am Meisten bedingende und<lb/>sichernde Mitgift, wenn Vater und Mutter Sorge ge-<lb/>tragen haben, den Kindern von früh an einen reichen<lb/>Schatz von christlicher Gottesfurcht und Frömmigkeit<lb/>zu vermitteln. Wie im Gegentheil jede auch noch so<lb/>reiche Mitgift und Ausstattung, welche Kinder von<lb/>ihren Eltern empfangen, zu theuer erkauft ist, wenn<lb/>über deren Erwerb der echt christliche Geist bei Eltern<lb/>und Kindern Schaden genommen hat. Es wäre nicht<lb/>schwer, aus dem Leben die zahlreichsten Belege für<lb/>die Wahrheit herbeizuführen, daß nicht diejenigen die<lb/>Glücklichsten sind, welche die reichste Mitgift, sondern<lb/>vielmehr die, welche die beste, eine wahrhaft christliche<lb/>Erziehung von ihren Eltern empfangen haben.</p>
							
                     <p>Also nicht von Schätzen für die Kinder ist hier<lb/>Rede, sondern von Schätzen, welche die <hi rendition="#w">Väter</hi> eben<lb/>durch ihre Bestrebungen für das zeitliche Fortkommen<lb/>ihrer Kinder für sich selbst sammeln sollen und zwar<lb/>durch die Art, wie sie dieselben vollführen.</p>
							
                     <p>Beginnen wir mit einer Erzählung: Wir kannten<lb/>einen Mann, der selbst keine Kinder hatte. In einer<lb/>Predigt ergriff ihn in ganz eigenthümlicher Weise das<lb/>vom Prediger verwendete Wort des Herrn: <q>„Wer ein<lb/>solches Kind aufnimmt in Meinem Namen, der nimmt<lb/>
                           <hi rendition="#w">Mich</hi> auf;“</q> es ließ ihm keine Ruhe und es verfolgte<lb/>ihn der Gedanke, vielleicht habe Gott eben darum ihm<lb/>leibliche Kinder vorenthalten, auf daß er sich armer,<lb/>
                        <pb facs="images/C889_001_1874_0092"
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0088_0001"/>verlassener Kinder annehme. Bald reifte der Ent-<lb/>schluß, dem Winke zu folgen. Die Frau war von<lb/>ganzem Herzen einverstanden. Nicht lange, da zog<lb/>das erste Kind, ein Waisenkind, ein; ihm folgte bald<lb/>ein zweites, und schließlich hatte er sechs verwahrlo-<lb/>sete oder verwaisete Kinder. Niemand, der's nicht<lb/>gewußt oder an der zu großen Verschiedenheit der<lb/>Gesichtsbildung es gemerkt hätte, würde auf den Ge-<lb/>danken gekommen sein, daß das lauter <hi rendition="#w">fremde</hi> Kin-<lb/>der seien; so sehr hielt der Pflegvater sie als seine<lb/>eigenen Kinder: Mit solchem Eifer ging er, um für<lb/>die zahlreiche Familie zu erwerben, seinen Arbeiten<lb/>und Geschäften nach; und es wurde für die Kinder<lb/>angeschafft, ausgegeben, Sorge getragen – ganz und<lb/>gar so, wie es von einem Vater nur immer für<lb/>eigene Kinder geschehen mag.</p>
							
                     <p>Welchen Eindruck, christlicher Vater, macht diese<lb/>Erzählung auf dich, der du aus Erfahrung weißt,<lb/>was ein Kind, was zwei, drei, was gar sechs kleine<lb/>Kinder an Arbeit, Mühe, Sorge, Aufopferung von<lb/>Tag zu Tag in Anspruch nehmen – Jahre lang?<lb/>Wir irren schwerlich, wenn wir in diesem Eindrucke<lb/>insbesondere <hi rendition="#w">einen</hi> Gedanken voraussetzen, den Ge-<lb/>danken: <q>„Welchen Schatz von Verdiensten sammelte<lb/>sich dieser Vater, wie groß wird sein Lohn sein!“</q>
                     </p>
							
                     <p>Freilich, <hi rendition="#w">der</hi> Gedanke drängt sich im Anhören<lb/>unserer Erzählung vor; auch wir hatten ihn mehr<lb/>als einmal. Denn rechnet man zusammen, was so<lb/>viele Kinder dem Pflegevater täglich kosteten, welche<lb/>Mühewaltungen und Anstrengungen sie ihm täglich<lb/>verursachen, und wie hoch sich das alles im Laufe<lb/>des Jahres belief; und bedenkt man dann, daß der<lb/>Herr nicht einen Trunk Wassers, in Liebe gereicht,<lb/>
                        <pb facs="images/C889_001_1874_0093"
                            n="89"
                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0089_0001"/>unbelohnt lassen will, wie hoch war dann das Verdienst<lb/>jenes Vaters, wie groß sein Lohn, da er also in Liebe<lb/>zum Herrn und zu den Kindern jahrelang täglich so<lb/>Vieles that und gab!</p>
							
                     <p>Nun wohl! Machen wir einmal die Anwendung:<lb/>Thust du, o Vater, weniger für deine leiblichen Kin-<lb/>der, als jener Edle für seine Pflegekinder? O nein,<lb/>du thust ganz dasselbe, leicht noch mehr. Welche Aus-<lb/>gaben heut, morgen, übermorgen! Und gar im Laufe<lb/>eines Jahres, im Laufe mehrerer Jahre! Und wie viel<lb/>Arbeit, Mühewaltung, Anstrengung, Entbehrung, Op-<lb/>fer – ebenso von Tag zu Tag, im Jahre, in Jahren!</p>
							
                     <p>Kann man also nicht, wie von jenem Pflegevater,<lb/>auch von dir sagen: <q>„Welch ein Schatz von Verdien-<lb/>sten und welcher Lohn!?“</q> Oder macht es vielleicht<lb/>einen Unterschied, daß es bei dir die eigenen, leib-<lb/>lichen Kinder sind, für welche du das alles thust und<lb/>dir gefallen lässest? Sind sie dem Herrn weniger<lb/>werth, als jene angenommenen Kinder? Oder wiegt<lb/>das, was du an ihnen und für sie thust, weniger<lb/>schwer vor ihm? O nein!</p>
							
                     <p>Alles das ist ganz dasselbe bei dir, wie bei jenem<lb/>Vater. Aber nun weiter! Was ist es denn eigentlich,<lb/>was jenem Pflegevater das hohe Verdienst bereitet?<lb/>Das was er an den Kindern thut? Freilich, aber<lb/>im tiefsten Grunde doch nur darum, <hi rendition="#w">weil er es</hi>
                        <lb/>
                        <hi rendition="#w">thut aus Liebe zum göttlichen Heilande</hi>,<lb/>
                        <hi rendition="#w">aus christlicher Liebe zu den Kindern</hi>. Da<lb/>sind wir also an dem Punkte, zu dem wir steuerten:<lb/>Thust auch du, christlicher Vater, das, was du an<lb/>deinen Kindern und für sie thust, in gleicher Weise<lb/>aus Liebe zum göttlichen Herrn, aus <hi rendition="#w">christlicher</hi>
                        <lb/>Liebe zu deinen Kindern? Dann stehst du jenem edlen<lb/>
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0090_0001"/>Pflegevater völlig gleich, und wir dürfen auch bei dir<lb/>sagen: <hi rendition="#w">Welch ein Schatz von Verdiensten!</hi>
                        <lb/>Welcher Lohn!</p>
							
                     <p>In der That, auf solche Weise wird so fast das<lb/>ganze Thun und Lassen, das ganze tägliche Leben<lb/>eines Vaters zu einem ununterbrochenen Werke der<lb/>Barmherzigkeit. Was ist denn ein Werk der Barm-<lb/>herzigkeit? Was anders, als etwas, wodurch man<lb/>dem Nächsten, besonders in der Noth, zu Hülfe kommt,<lb/>und zwar aus christlicher Liebe? – Nun geht aber<lb/>so fast das ganze tägliche Leben eines Vaters auf in<lb/>Arbeiten, Sorgen, Bemühungen für seine Kinder, um<lb/>sie zu <q>„<hi rendition="#w">speisen</hi>“</q> und zu <q>„<hi rendition="#w">tränken</hi>“</q>, um sie, wenn<lb/>sie <q>„<hi rendition="#w">krank</hi>“</q> sind, wieder herzustellen, um sie zu <q>„<hi rendition="#w">be-</hi>
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                           <hi rendition="#w">kleiden</hi>“</q>, um sie zu <q>„<hi rendition="#w">beherbergen</hi>“</q>, um sie zu<lb/>
                        <q>„<hi rendition="#w">belehren</hi>“</q>, zu <q>„<hi rendition="#w">berathen</hi>“</q>, zu <q>„<hi rendition="#w">trösten</hi>“</q>, zu<lb/>
                        <q>„<hi rendition="#w">dulden</hi>“</q>, um ihnen so oft zu <q>„<hi rendition="#w">verzeihen</hi>“</q>.<lb/>Thut also ein Vater das alles im Geiste der über-<lb/>natürlichen Liebe zu Gott und zu seinen Kindern,<lb/>so reihet sich in seinem Leben <hi rendition="#w">ein</hi> Werk der Barm-<lb/>herzigkeit <hi rendition="#w">an das andere</hi>.</p>
							
                     <p>Wie hoch hält der Herr die Werke der Barm-<lb/>herzigkeit! Wie reichen Lohn für Leib und Seele, für<lb/>Zeit und Ewigkeit hat Er ihnen zugesagt!</p>
							
                     <p>Siehe also, christlicher Vater, so bist du in der<lb/>kostbaren Lage, dein Leben, deine Zeit und deine<lb/>Ewigkeit mit diesem Segen der christlichen Barmher-<lb/>zigkeit zu erfüllen. Es thut nur Noth, daß du das<lb/>alles, was du ohnehin täglich für deine Kinder und<lb/>an ihnen thuest, nun thuest nicht blos nach und aus<lb/>dem Zuge deiner natürlichen Liebe zu den Kindern,<lb/>nicht bloß aus Noth, sondern in den Gesinnungen<lb/>
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0091_0001"/>der Liebe zu Gott, in christlicher Liebe zu deinen<lb/>Kindern.</p>
							
                     <p>Du sollst deine Kinder als von Gott, deinem<lb/>Herrn, gegeben und anvertrauet erachten, und was<lb/>du an Arbeit, Sorge und Entbehrung durch sie hast,<lb/>das sollst du als von Gott dir auferlegt betrachten,<lb/>als den von Gott dir gegebenen Beruf und so nun<lb/>Alles thun und übernehmen und tragen, mit bereit-<lb/>willigem Herzen aus Liebe zu Gott und zu deinen<lb/>Kindern. In der That, dann ist all dein täglich Thun<lb/>ein Gotteswerk und ein Werk der Barmherzigkeit an<lb/>deinen Kindern. Und jegliches Werk der Barmher-<lb/>zigkeit, welches in das Leben eines Menschen einge-<lb/>fügt wird, ist ein ständiger Ruf zum Herrn um<lb/>Gnade und Barmherzigkeit für den, der es vollbracht<lb/>hat. Siehe da, wie reich dein Leben werden kann<lb/>durch deine Kinder! Desto reicher, je größer ihre<lb/>Zahl, je größer die Mühe und Sorge und Last, so<lb/>sie dir bereiten.</p>
							
                     <p>Ist das nicht auch ganz und gar dazu angethan,<lb/>dich mit so viel Mühe und Anstrengung, welche dir<lb/>deine Kinder bereiten, zu versöhnen und vor Unmuth<lb/>und Ungeduld zu bewahren? Nirgends findet mensch-<lb/>liche Mühe reichern Lohn, als wenn sie im Dienste<lb/>dessen, der ein so <q>„reicher Vergelter“</q> ist, verwendet<lb/>wird, verwendet wird zum Besten derer, welche <hi rendition="#w">Ihm</hi>
                        <lb/>so theuer, welche auch <hi rendition="#w">Seine</hi> Kinder sind. In der<lb/>That, die einträglichste Arbeit auf Erden das ist die<lb/>– christlich vollführte – Arbeit des Vaters, der<lb/>Eltern für die Kinder.</p>
							
                     <p>Wie sehr steht es also zu bedauern, wenn Eltern,<lb/>wenn Väter bei ihren Arbeiten, welche ihnen wegen<lb/>ihrer Kinder obliegen, immer nur die Last und das<lb/>
                        <pb facs="images/C889_001_1874_0096"
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0092_0001"/>Unangenehme im Auge haben und sie somit nur aus<lb/>Noth und daher mit Verdruß und Widerwillen voll-<lb/>führen! Während sie sich dieselben so zu einem schwe-<lb/>ren Kreuze machen, lassen sie sich den herrlichen Lohn,<lb/>den sie damit erringen könnten, entgehen, ja versün-<lb/>digen sich obendrein. Wie bedauernswerh, wenn von<lb/>der andern Seite Eltern, Väter bei diesen Arbeiten<lb/>blos durch <hi rendition="#w">natürliche</hi> Rücksichten bestimmt werden,<lb/>durch ihre natürliche Liebe zu den Kindern, durch zeit-<lb/>liche Zwecke; nun haben sie dafür vor Gott und für<lb/>die Ewigkeit keinen Lohn.</p>
							
                     <p>So hab denn Sorge, christlicher Vater, deine Ar-<lb/>beiten und Bestrebungen zum Besten deiner Kinder<lb/>von Tag zu Tag im christlichen Geiste zu vollführen.<lb/>Freilich wird das im Grunde nur dann geschehen<lb/>können, wenn du von christlichen Gesinnungen wahr-<lb/>haft durchdrungen, wenn du eben ein wahrhaft christ-<lb/>licher Vater bist. So legt sich das also auch von<lb/>dieser Seite nahe.</p>
						
                  </div>
						
                  <div xml:id="d62092e8360">
							
                     <head rendition="#c">2. Das Regiment.</head>
							
                     <p>Es fällt in die Augen, daß wir damit, nunmehr<lb/>die Erziehung selbst in's Auge fassend, einen Punkt<lb/>an die Spitze stellen, der im Werke der Erziehung<lb/>eine hervorragende Bedeutung hat und ohne Zweifel<lb/>ganz vorwiegend Sache des Vaters ist. Ist ja nach<lb/>der Erklärung des göttlichen Vaters der <q>„Mann das<lb/>Haupt des Weibes“</q> (1. Cor. 11, 3) und somit das<lb/>
                        <hi rendition="#w">Haupt</hi> der ganzen Familie, der <hi rendition="#w">Herr</hi> des Hauses;<lb/>er soll also das <hi rendition="#w">Regiment</hi> führen, – freilich ein<lb/>
                        <hi rendition="#w">christliches</hi> Regiment, wie er ja ein <hi rendition="#w">christlicher</hi>
                        <lb/>Vater ist, und als solcher denen, welche ihm unter-<lb/>than sind und sein sollen, Liebe, herzliche, aufrichtige<lb/>
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0093_0001"/>Liebe schuldig ist. <q>„Ihr Männer“</q>, ermahnt der Herr,<lb/>
                        <q>„<hi rendition="#w">liebet</hi> euere Frauen, wie Christus Seine Kirche<lb/>liebet!“</q> Und welcher christliche Vater liebte nicht<lb/>seine Kinder? Also ein durch Liebe gemildertes und<lb/>geleitetes Regiment; aber immer ein <hi rendition="#w">Regiment</hi>.<lb/>Der Vater soll es handhaben; er muß es handhaben,<lb/>soll anders das Werk der Erziehung wohl von stat-<lb/>ten gehen.</p>
							
                     <p>Wo ist ein Staat auf Erden, der nicht seine<lb/>Obrigkeit hätte? Jedermann sieht, daß es ohne dies<lb/>nicht geht. Es muß, soll Ordnung und Ruhe be-<lb/>stehen und das Wohl des Landes gedeihen, ein Kai-<lb/>ser oder König oder eine oberste Behörde mit ihrem<lb/>Präsidenten an der Spitze stehen; also eine Obrigkeit.<lb/>
                        <hi rendition="#w">Ihr</hi> Wille, in der Anerkennung der bestehenden oder<lb/>in Erlassung neuer Gesetze ist maßgebend für Alle;<lb/>
                        <hi rendition="#w">sie wacht</hi> über die Beobachtung derselben und be-<lb/>steht darauf; <hi rendition="#w">sie</hi> übt über die Widerstrebenden <hi rendition="#w">Straf-</hi>
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                        <hi rendition="#w">gewalt</hi>. So die weltliche Obrigkeit in den Staaten<lb/>und in den irdischen Angelegenheiten. Aehnlich ist<lb/>in der Kirche ein Oberhaupt über Alle, und Ober-<lb/>hirten in den einzelnen Bezirken und gleichfalls Ge-<lb/>setz und Vorschrift, Überwachung und Strafe. Es<lb/>
                        <hi rendition="#w">kann</hi> nicht anders, es <hi rendition="#w">muß so sein</hi>, soll ein staat-<lb/>licher oder kirchlicher Verein bestehen und seinem<lb/>Zwecke entsprechend die Wohlfahrt der Mitglieder, der<lb/>Untergebenen begründen und fördern.</p>
							
                     <p>Ganz dieselbe Bewandtniß hat es mit der Fa-<lb/>milie. Soll ihre Wohlfahrt gedeihen, soll also, was<lb/>ja den Haupttheil der Wohlfahrt einer Familie aus-<lb/>macht, die Erziehung der Kinder wohl von statten<lb/>gehen, so muß es in ihr ähnlich sein, es muß ein<lb/>Regiment in ihr bestehen, sie muß ein Oberhaupt<lb/>
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0094_0001"/>haben. Und in der That hat der Herr ein solches<lb/>für sie eingesetzt; es ist der Vater. Er ist das Ober-<lb/>haupt der Familie; <hi rendition="#w">von ihm also</hi> (sei es auch im<lb/>Verein mit der Mutter) <hi rendition="#w">geht Gesetz, Regel und</hi>
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                        <hi rendition="#w">Ordnung aus; er wacht über die treue Ein-</hi>
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                        <hi rendition="#w">haltung derselben; er übt das Strafrecht</hi>.<lb/>Eben so viele Punkte für unsere nächsten Erörterungen.</p>
							
                     <div xml:id="d62092e8549">
								
                        <head rendition="#c">a) Gesetz, Regel und Ordnung.</head>
								
                        <p>Das Haus ist nach Gottes weisem Rathschlusse<lb/>die Pflanzstätte für Kirche und Staat. <hi rendition="#w">Hier</hi> sollen<lb/>die Kinder herangebildet werden und heranwachsen zu<lb/>guten Menschen und zu guten Christen, um dann<lb/>zur Zeit, das elterliche Haus verlassend, im Staate<lb/>und in der Kirche dazustehen und zu wirken als<lb/>würdige und nützliche Mitglieder.</p>
								
                        <p>So giebt es auch Pflanzstätten für den geistlichen<lb/>Stand, die Seminarien<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
                              <p>Seminar heißt Pflanzstätte.</p>
                           </note>, von geistlichen Oberhirten<lb/>gegründete Häuser, in welchen junge Leute, die den<lb/>Beruf zum geistlichen Stande in sich finden, zu wür-<lb/>digen und nützlichen Mitgliedern des geistlichen Stan-<lb/>des herangebildet werden sollen. <hi rendition="#w">Das</hi> ist also der<lb/>Zweck, die Aufgabe dieser Priesterhäuser, ihre Zög-<lb/>linge zu guten Priestern heranzubilden und daher<lb/>den Geist des Priesterlichen Berufs in ihnen zu hegen<lb/>und zu pflegen und sie für die Aufgaben des priester-<lb/>lichen und seelsorglichen Berufes geschickt und tüchtig<lb/>zu machen, sie in ihren Beruf einzuführen.</p>
								
                        <p>Für diesen Zweck ist dann Alles in einem solchen<lb/>Priesterhause eingerichtet: Vor Allem besteht für das-<lb/>selbe eine bestimmte Regel für das tägliche Leben und<lb/>
                           <pb facs="images/C889_001_1874_0099"
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0095_0001"/>Verhalten der Zöglinge, das <hi rendition="#w">Statut</hi>. Dasselbe ist,<lb/>zur Zeit von den geistlichen Obern nach reiflichster<lb/>Ueberlegung verfaßt, nach und nach an der Hand der<lb/>Erfahrung zum Abschlusse gekommen; seine einzelnen<lb/>Bestimmungen und Vorschriften zielen sämmtlich<lb/>dahin, das tägliche Leben und die Beschäftigungen<lb/>der Zöglinge so zu regeln, daß der Zweck des Se-<lb/>minars möglichst vollkommen erreicht werde. In die-<lb/>sem Statut ist daher Zeit und Stunde festgesetzt, wo<lb/>die Zöglinge am Morgen aufzustehen, am Abende<lb/>sich zur Ruhe zu begeben haben; fest steht die Zeit<lb/>für Frühstück, Mittags- und Abendessen, für die täg-<lb/>lichen Erholungen; es sind die täglich oder zeitweilig<lb/>zu machenden religiösen Uebungen (Morgen- und<lb/>Abendgebet, Betrachtung, h. Messe, Beicht und Com-<lb/>munion u.s.w.) angegeben und für jede wie auch<lb/>für Studium und seelsorgliche Anleitungen die be-<lb/>stimmte Zeit festgesetzt; dazu kommen dann Regeln<lb/>und Vorschriften in Betreff mancher anderer, das<lb/>zusammenleben und den gegenseitigen Verkehr u. s.<lb/>w. betreffenden Punkte. – Das ist die Regel, das<lb/>Statut; und der Vorstand des Seminars leitet das-<lb/>selbe ganz nach den Bestimmungen dieses Statuts;<lb/>er überwachet die Beobachtung dieses Statuts, er hat<lb/>auf dieselbe durch Aufsicht, Ermahnung und nach<lb/>Umständen durch ernstere Mittel hinzuwirken. So<lb/>viel und so vollkommen das geschieht, so viel er es<lb/>versteht, die Zöglinge dahin zu vermögen, daß sie<lb/>treu und gewissenhaft nach dem Statut ihr ganzes<lb/>Thun und Lassen regeln, so viel (es darf gehofft wer-<lb/>den) wird der Zweck des Seminars an ihnen erreicht,<lb/>so viel werden sie also zur Zeit als gute Priester<lb/>und Seelsorger das Seminar verlassen. Ohne Statut,<lb/>
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0096_0001"/>ohne Regel und Ordnung und ohne treues Halten<lb/>daran würde das nimmer der Fall sein.</p>
								
                        <p>Wir nannten oben die Familien die Pflanzstätten<lb/>für Kirche und Staat. Also Pflanzstätten, Semi-<lb/>narien. Sollen auch sie ihren Zweck, würdige und<lb/>nützliche Glieder für Staat und Kirche heranzubilden,<lb/>erreichen, so müssen sie in ähnlicher Weise, wie die<lb/>Priesterseminarien, ihr Statut, ihre Regel und Ord-<lb/>nung haben und der Vater, der Vorstand der Fa-<lb/>milie muß für treues Halten daran Sorge tragen.</p>
								
                        <p>Es bedarf kaum der Erwähnung, daß es unmög-<lb/>lich unsere Meinung sein kann, für das Familien-<lb/>leben eine Regel (ein Statut) in Anspruch zu neh-<lb/>men, welche ähnlich, wie das Statut eines Seminars,<lb/>bis in's Kleinste hin die Weise des täglichen Lebens<lb/>für die Kinder bestimmte; würde ja, da das Familien-<lb/>leben sich auch nicht von ferne so regelmäßig, wie<lb/>das Leben in einem Seminar, verläuft, die Beobach-<lb/>tung einer <hi rendition="#w">solchen</hi> Regel unmöglich sein. – Aber<lb/>dennoch eine <hi rendition="#w">gewisse</hi> Regel und Ordnung muß<lb/>auch für das Leben in der Familie bestehen, soll an-<lb/>ders eine gute Erziehung gelingen. Ohne sie wird<lb/>nichts Rechtes gedeihen, ohne sie werden die Kinder<lb/>weder gute Menschen (Glieder des Staates), noch<lb/>gute Christen.</p>
								
                        <p>Eine <hi rendition="#w">gewisse</hi> Regel und Ordnung ist nun für<lb/>die christliche Familie von selbst schon gegeben; das<lb/>ist die Regel des göttlichen Willens. Sie steht für<lb/>die christliche Familie unumstößlich fest, und der Vater<lb/>hat vor Allem über <hi rendition="#w">ihre</hi> Einhaltung zu wachen.<lb/>Was gegen den h. Willen Gottes, was Sünde ist,<lb/>das wird nicht geduldet; was von Gott geboten, was<lb/>Pflicht ist, auf dessen Uebung wird gehalten.</p>
								
                        <pb facs="images/C889_001_1874_0101"
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0097_0001"/>
								
                        <p>Demgemäß ist von der Ordnung eines guten<lb/>christlichen Hauses ausgeschlossen jegliche unchristliche<lb/>Weise und Gewohnheit, – die Gewohnheit zornmü-<lb/>thiger Ereiferung, des Schimpfens und Fluchens;<lb/>die häßliche Gewohnheit des Lügens; die Gewohnheit<lb/>des bösen Tadels und der übeln Nachrede über An-<lb/>dere; vollends jegliche lockere, leichtfertige, unzüch-<lb/>tige Rede oder frivole Aeußerung über die Lehren<lb/>und Gebräuche der h. Kirche.</p>
								
                        <p>Hingegen, was wahrhaft christlich, was Gottes<lb/>h. Wille ist, das hat in der Ordnung eines christ-<lb/>lichen Hauses Platz: Es wird vor und nach Tisch<lb/>gebetet, desgleichen am Morgen und Abende; – an<lb/>Sonn- und Festtagen ruhet jegliche Arbeit<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
										
                              <p>
                                 <q>„Sechs Tage sollst du arbeiten,“</q> spricht der Herr,<lb/>
                                 <q>„und alle deine Geschäfte thun; am siebenten Tage sollst<lb/>du <hi rendition="#w">keine</hi> Arbeit thun, <hi rendition="#w">weder du, noch dein Sohn</hi>,<lb/>
                                    <hi rendition="#w">noch deine Tochter u. s. w</hi>.“</q>
                              </p>
                           </note>, welche<lb/>nicht durch die Noth geboten ist; da wird zur Bei-<lb/>wohnung der h. Messe, der Predigt, der Andachten<lb/>die Kirche besucht; – zur Zeit gehen die Glieder<lb/>des Hauses zur h. Beicht und Communion; – an<lb/>den Freitagen, am Aschermittwoch, am Grünendon-<lb/>nerstag und Charsamstag, oder wo es sonst von der<lb/>betreffenden kirchlichen Behörde verboten ist, wird hier<lb/>nimmer Fleisch gegessen<note place="bottom" anchored="true" n="**)">
										
                              <p>Auch wird an Fasttagen, wo es die kirchliche Vor-<lb/>schrift also mit sich bringt, <hi rendition="#w">nur</hi> einmal Fleisch gegessen.</p>
                           </note>, eben so an den Fasttagen<lb/>von den Fastenpflichtigen gefastet; – und was sonst<lb/>unter den Mitgliedern unserer h. Kirche in einer<lb/>gewissen Allgemeinheit an Sitten, Gewohnheiten und<lb/>Weisen besteht, das findet hier seine gebührende Be-<lb/>rücksichtigung; – fernerhin finden in der Ordnung<lb/>
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0098_0001"/>eines christlichen Hauses auch die Werke der christ-<lb/>lichen Liebe und Barmherzigkeit ihren Platz, wie denn<lb/>aufrichtige Liebe und Theilnahme für die Mitmen-<lb/>schen seine Glieder beseelet; – wollen wir endlich<lb/>die Reihe vollständig machen, so dürfen wir auch die<lb/>Mäßigkeit und Nüchternheit, die Liebe zur h. Reinig-<lb/>keit, die Sanftmuth, die Geduld, die Arbeitsamkeit,<lb/>den Fleiß, die Reinlichkeit u.s.w. als Bestandtheile<lb/>der christlichen Hausordnung bezeichnen.</p>
								
                        <p>Brauchen wir hinzuzusetzen, daß es lauter Segen<lb/>und Heil für die Kinder ist, wenn diese christliche<lb/>Ordnung und Regel im Hause herrscht, wenn sie<lb/>mitten darin aufwachsen, wenn sie unwillkührlich sich<lb/>in dieselbe hineingewöhnen und hineinleben? Werden<lb/>sie nicht fast unwillkührlich und ohne es zu wissen,<lb/>von selbst zu guten Menschen und Christen heran-<lb/>wachsen? – Aber arme Kinder, wenn solche Ord-<lb/>nung nicht Platz hat, wenn sie sich unaufhörlich von<lb/>Verletzungen des göttlichen Willens, von Verstößen<lb/>wider christkatholische Vorschrift und Sitte und Ge-<lb/>wohnheit umgeben finden! Bedarf's nicht so fast<lb/>eines Wunders, wenn sie noch gut werden sollen?</p>
								
                        <p>Es ist nun freilich wahr, daß wir damit die<lb/>
                           <hi rendition="#w">Hauptsache</hi> schon berührt haben; denn daß in einem<lb/>Hause eine solche christliche Ordnung und Regel<lb/>herrsche und daß der Vater (mit der Mutter) ihre<lb/>treue Einhaltung sich angelegen sein lasse, davon hängt<lb/>vor Allem das glückliche Gelingen der Erziehung ab.<lb/>Dennoch möchten wir unsere Regel für die christliche<lb/>Familie noch weiter ausgedehnt haben.</p>
								
                        <p>Ist der Vater von Gott, dem höchsten Herrn,<lb/>zum Haupte der Familie eingesetzt, so hat er auch<lb/>die Vollmacht, bindende Vorschriften für die Glieder<lb/>
                           <pb facs="images/C889_001_1874_0103"
                               n="99"
                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0099_0001"/>derselben, insbesondere für die Kinder zu machen,<lb/>und dieselben haben, so viel sie nicht wider den Willen<lb/>Gottes verstoßen, bindende Kraft für die Familien-<lb/>glieder, ähnlich, wie Gottes Gebote. Vermöge dieser<lb/>seiner von Gott ihm verliehenen Vollmacht soll dann<lb/>der Vater für das tägliche Leben der Kinder, wie der<lb/>Hausbewohner überhaupt, Alles das ordnen und fest-<lb/>setzen, was dazu nothwendig oder nützlich ist, damit<lb/>die Kinder zu guten Menschen und Christen gedeihen.</p>
								
                        <p>Da dürften wir nun manche Bestimmungen aus<lb/>dem Statute der Priesterseminare herausheben und<lb/>dringend für das Hausstatut empfehlen. Dahin ge-<lb/>hört, daß die Stunde zum Aufstehen und zum Schla-<lb/>fengehen, die Zeit zum Frühstück, zum Mittag- und<lb/>Abendessen, die Zeit zum Arbeiten und die Zeit zur<lb/>Erholung feststehe und möglichst treu<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
										
                              <p>Wir sagen, <q>„möglichst treu;“</q> wir wissen nur zu<lb/>gut, daß Ausnahmen von der Regel zuweilen durch die<lb/>Noth geboten sind; aber wir wissen auch, daß es wohl<lb/>möglich ist, die Ausnahmen auf ein geringes Maaß be-<lb/>schränkt zu halten, so daß doch <hi rendition="#w">durchweg</hi> die Regel bleibe.</p>
                           </note> eingehalten<lb/>werde. Hat das alles <hi rendition="#w">schon an sich</hi> Vieles für<lb/>sich, so kann insbesondere der Nutzen und Segen<lb/>eines so viel möglich geordneten und geregelten Le-<lb/>bens und der frühen Gewöhnung der Kinder daran<lb/>nicht hoch genug angeschlagen werden; das bringt<lb/>namentlich eine Frische, eine gewisse Freudigkeit in's<lb/>tägliche Leben, wodurch den sonstigen Bestrebungen<lb/>desselben auf's Wesentlichste Vorschub geleistet wird.<lb/>
                           <q>„Gott,“</q> sagt der h. Augustinus, <q>„ist ein Gott der<lb/>Ordnung; Alles, was von ihm ist, ist Ordnung;<lb/>wer daher der Ordnung lebt, der lebt Gott.“</q>
									
                           <q>„Meine<lb/>Brüder,“</q> so ermahnt der h. Bernhard seine Ordens-<lb/>
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0100_0001"/>genossen, <q>„ich ermahne euch im Herrn, seid eifrig<lb/>darauf bedacht, die (vorgeschriebene) <q>„Ordnung zu<lb/>hüten; und die Ordnung wird euch behüten.“</q>
									
                           </q>
                        </p>
								
                        <p>Es ist nicht dem Belieben der Kinder (wie auch<lb/>den übrigen Hausgenossen) überlassen, ob und wann<lb/>sie etwa zum Vergnügen oder sonst aus dem Hause<lb/>gehen oder wann sie dahin zurückkehren; der Vater<lb/>(oder von ihm bevollmächtigt die Mutter) hat dazu<lb/>Erlaubniß zu geben und die Zeit der Wiederkehr fest-<lb/>zusetzen, wie denn insbesondere für die Abende der<lb/>Zeitpunkt feststeht, wo unerbittlich Jeder im Hause<lb/>sein muß und die Thüre geschlossen wird.</p>
								
                        <p>Ist es Sache des Vaters (mit der Mutter), den<lb/>einzelnen Gliedern des Hauses ihre Arbeiten und<lb/>Beschäftigungen anzuweisen, so ist er gern darauf<lb/>bedacht, so viel es geschehen kann, jedem einzelnen,<lb/>mit möglichster Berücksichtigung von Geschick und<lb/>Neigung, irgend etwas Bestimmtes überhaupt ein für<lb/>allemal oder zeitweilig zu übergeben, daß er sich<lb/>dessen gänzlich anzunehmen habe; so wird's leicht desto<lb/>besser gemacht, es wird sich in heilsamer Art eine<lb/>gewisse Selbständigkeit entwickeln und am Ende auch<lb/>für jedes Einzelne entsprechend gesorgt werden.</p>
								
                        <p>Nehmen wir noch hinzu, daß auch in Betreff der<lb/>Art, wie und wie oft man am kirchlichen Gottesdienst<lb/>teilnehmen, wie oft man zu den hh. Sakramenten<lb/>gehen soll, vom Vater (mit der Mutter) Bestimmun-<lb/>gen getroffen werden; desgleichen, daß auch in Rück-<lb/>sicht auf Vergnügungen, Ausgänge u. dgl. im All-<lb/>gemeinen eine gewisse Regel festgesetzt werde; daß es<lb/>endlich feststehe, daß Söhne und Töchter überhaupt<lb/>ohne Wissen und Willen des Vaters nichts von irgend<lb/>welchem Belange thun, anfangen, unternehmen dürfen;<lb/>
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0101_0001"/>so hätten wir damit in allgemeinen Zügen einen Ent-<lb/>wurf für die Regel und Ordnung, für das Statut<lb/>eines christlichen Hauses gegeben. Es wäre das<lb/>Gesetz des Hauses, der Familie und die Aufgabe<lb/>des Vaters, als ihres Hauptes,</p>
							
                     </div>
							
                     <div xml:id="d62092e9152">
								
                        <head rendition="#c">b) über die treue Einhaltung desselben zu wachen.</head>
								
                        <p>Kehren wir noch einmal zu dem Vorstande eines<lb/>Priesterseminars zurück, so wird derselbe ganz nach<lb/>dem Maße, als ihm die Heranbildung guter Geist-<lb/>lichen am Herzen liegt und als er in den einzelnen<lb/>Bestimmungen des Statuts nothwendige und nützliche<lb/>Mittel dazu anerkennt, es sich auch angelegen sein lassen,<lb/>nach Kräften dahin zu wirken, daß dieselben von den<lb/>Zöglingen treu und gewissenhaft beobachtet werden.<lb/>In dem eben Gesagten haben wir nun das, was von<lb/>Bedeutung ist, damit die Kinder zu guten Menschen<lb/>und Christen heranwachsen, in einer Regel zusammen-<lb/>gestellt; jeder gute und einsichtige Vater, dem die gute<lb/>Erziehung der Kinder am Herzen liegt, wird daher<lb/>auch auf's Angelegentlichste darauf bedacht sein, die<lb/>Kinder zur treuesten Beobachtung alles dessen, was<lb/>er ihnen als Gesetz und Ordnung vorgeschrieben hat,<lb/>anzuhalten.</p>
								
                        <p>
                           <hi rendition="#w">Das</hi> ist des Vaters Wille – das Kind weiß<lb/>es – und eben daher, wie <hi rendition="#w">Jedes</hi>, was der Vater<lb/>ohne Widerstreit gegen <hi rendition="#w">Gottes</hi> Willen will und ge-<lb/>bietet, <hi rendition="#w">seine</hi> Pflicht. Es muß <hi rendition="#w">gehorsam sein</hi>; im<lb/>
                           <hi rendition="#w">Gehorsam</hi> des Vaters Willen erfüllen.</p>
								
                        <p>
                           <hi rendition="#w">Gehorsam</hi>; in der treuen Uebung desselben<lb/>liegt schon an sich der höchste Segen für das Kind.<lb/>Wird ja dadurch im Menschen das, was ein so großes<lb/>Hinderniß an der treuen Erfüllung des göttlichen<lb/>
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0102_0001"/>Willens, an einem wahrhaft christlichen Leben ist, der<lb/>Eigenwille gebrochen. Ist der Mensch schon früh,<lb/>schon als Kind gewöhnt, seinen Willen im Gehorsam<lb/>dem Willen des Vaters zu unterwerfen, so wird es<lb/>ihm zur Zeit so viel leichter, sich dem Willen An-<lb/>derer überhaupt, dem Willen seiner Vorgesetzten und<lb/>dem Willen Gottes zu fügen. Macht also Gehorsam<lb/>gegen die Gesetze des Staates den guten Bürger,<lb/>macht Gehorsam gegen die Vorschriften der h. Kirche<lb/>und Gottes den guten Christen, so erfüllt der Vater<lb/>ganz insbesondere dadurch, daß er treue Einhaltung<lb/>seines Willens, vollen Gehorsam vom Kinde fordert,<lb/>es streng an Gehorsam gewöhnt, die Aufgabe seines<lb/>väterlichen Berufes, die Kinder zu guten Menschen<lb/>und Christen heranzubilden.</p>
								
                        <p>Das soll ihm also zu jeder Zeit am Herzen liegen.<lb/>
                           <hi rendition="#w">Sein</hi> Wille muß für das Kind maßgebend sein;<lb/>es muß demselben unumstößlich feststehen, daß das,<lb/>was der Vater einmal – wir setzen voraus, wohl-<lb/>überlegt – festgesetzt, vorgeschrieben, befohlen hat,<lb/>unbedingt und ohne Nachsicht geschehen muß. Nichts<lb/>bewegt den rechten, einsichtigen Vater, dem Kinde<lb/>gegenüber von seiner Willensmeinung, wenn dieselbe<lb/>anders an sich nicht unstatthaft ist, abzustehen; am<lb/>Allerwenigsten unzeitige Nachsicht gegen das Kind;<lb/>unerschütterlich hält er daran fest, was er auch thun,<lb/>und wie strenge Maßregeln er auch ergreifen müßte,<lb/>das Kind zur Erfüllung desselben zu vermögen. Ohne<lb/>Zweifel hat der Herr auch darum dem Willen des<lb/>Mannes im Allgemeinen eine größere Entschiedenheit,<lb/>Festigkeit und Kraft verliehen, als dem weiblichen<lb/>Willen, damit kraft dessen die Väter ihren Kindern<lb/>gegenüber in ihren Willensäußerungen fest ständen<lb/>
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0103_0001"/>und denselben der für ihre gute Heranbildung so<lb/>wichtige unbedingte Gehorsam gesicherter sein möchte,<lb/>und damit, wenn vielleicht die Mutter vermöge der<lb/>größern Weichheit ihres Herzens von den Bitten und<lb/>sonstigen Versuchen und Kundgebungen des kindlichen<lb/>Eigensinns sich verleiten ließe, dem Eigenwillen des<lb/>Kindes nachzugeben, der Vater es verhüte und das<lb/>Kind vor dem Schaden und Verderben solcher un-<lb/>zeitigen Nachgiebigkeit schütze.</p>
								
                        <p>Es wird nicht selten die Klage laut, daß insbe-<lb/>sondere von den mehr heranwachsenden Kindern der<lb/>Gehorsam geweigert wird. So sehr in dieser Hin-<lb/>sicht auch zugegeben werden mag, daß vielfach eine<lb/>gewisse Entartung erwachsener Söhne und Töchter an<lb/>dieser beklagenswerthen Erscheinung Schuld ist, so<lb/>kann doch nicht geleugnet werden, daß die Eltern,<lb/>insbesondere die Väter, denen die Handhabung des<lb/>Gehorsams vorwiegend obliegt, nur zu oft Solches<lb/>selbst angebahnt haben. Oder wie soll man sich wun-<lb/>dern, wenn Söhne und Töchter, welche der Vater in<lb/>der Zeit ihrer Kindheit mit ihrem Eigensinn und<lb/>Eigenwillen durchzulassen pflegte, späterhin, wo mit<lb/>der übeln Gewohnheit und dem darin großgezogenen<lb/>Eigensinn zugleich ein desto größerer Trieb zur Selb-<lb/>ständigkeit vom Gehorsam abhält, sich des Ungehor-<lb/>sams, ja der Verachtung des väterlichen Willens<lb/>schuldig machen? Das ist dann meist für die Väter<lb/>und Mütter die Ursache einer sich immer von Neuem<lb/>wiederholenden Kränkung, die Quelle der ärgsten Un-<lb/>annehmlichkeiten, so sehr, daß das allein schon auf's<lb/>Nachdrücklichste dahin vermögen sollte, die Kinder von<lb/>früh an mit unerbittlicher Entschiedenheit zum Gehor-<lb/>sam anzuhalten. In der That, Väter, welche es sich<lb/>
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0104_0001"/>ernst angelegen sein lassen, von früh an ihre Kinder<lb/>an Gehorsam und Unterwürfigkeit zu gewöhnen, ar-<lb/>beiten dadurch, während sie ihren Kindern die größte<lb/>Wohlthat bereiten, zugleich an ihrem eigenen Wohle:<lb/>Ihre Kinder werden ihnen zur Zeit durch ihre Folg-<lb/>samkeit reichen Trost und Freude bereiten.</p>
								
                        <p>So führt der Gehorsam schon an sich reichen<lb/>Segen mit sich; dazu aber kommt noch, daß nach un-<lb/>serer Voraussetzung auch in dem, was der Gehorsam<lb/>den Kindern auflegt, in den Willensbestimmungen<lb/>des Vaters das Beste der Kinder, der Weg ihres<lb/>wahren Heiles begriffen liegt. Genug, nach dem Ur-<lb/>theile aller Einsichtigen giebt es für das Kind keine<lb/>größere Wohlthat, als wenn es von früh an gewöhnt<lb/>wird an Gehorsam. Grund genug für den Vater,<lb/>darauf bedacht zu sein, dem Kinde diese Wohlthat<lb/>in möglichst reichem Maße zuzuwenden, sei es, daß<lb/>er durch Festsetzung einer guten christlichen Hausord-<lb/>nung und durch die Bestimmungen, welche er über-<lb/>haupt dem Kinde in seinen einzelnen Beziehungen<lb/>giebt, so viel möglich, das ganze Thun und Lassen<lb/>desselben unter den Gehorsam zu stellen sucht, oder<lb/>daß er mit Sorgfalt und Entschiedenheit über die<lb/>treue Einhaltung dessen, was der Gehorsam auflegt,<lb/>hält. Eben daher nimmt er nicht Anstand und hält<lb/>er's für seine Pflicht, da, wo Lehre, Ermahnung und<lb/>Warnung allein das Kind zum Gehorsam nicht ver-<lb/>mögen, durch</p>
							
                     </div>
							
                     <div xml:id="d62092e9453">
								
                        <head rendition="#c">c) Uebung des Strafrechts</head>
								
                        <p rendition="#no_ind">seinem Willen Geltung zu verschaffen. <q>„Wo ist ein<lb/>Sohn,“</q> spricht der heil. Paulus (Hebr. 12. 7),<lb/>
                           <q>„den sein Vater nicht züchtigte?“</q>
									
                           <q>„Wenn also,“</q>
                           <lb/>
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0105_0001"/>setzt er hinzu, <q>„wenn Gott euch züchtigt, so behandelt<lb/>Er euch als Seine Söhne,“</q> so erweist Er, will er<lb/>sagen, sich gegen euch als <hi rendition="#w">Vater</hi>; <q>„die Er liebt,<lb/>die züchtigt Er; Er schlägt“</q> (sucht mit Leiden heim)<lb/>
                           <q>„jeglichen Sohn, dessen Er sich annimmt,“</q> d. i. den<lb/>Er gnädig im Guten voran und zum Heile zu führen<lb/>sucht. Das könnte freilich, wie Widerspruch zu lauten<lb/>scheinen: <q>„Die Gott liebt, die züchtigt Er.“</q> Und<lb/>dennoch ist es volle Wahrheit. Der Apostel erklärt's<lb/>im 11. Verse: <q>„Jegliche Züchtigung scheint zwar<lb/>
                              <hi rendition="#w">für den Augenblick</hi> vielmehr Anlaß zur Betrüb-<lb/>niß, als zur Freude zu sein; <hi rendition="#w">nachher</hi> aber wird sie<lb/>denen, welche durch sie“</q> (die Züchtigung) <q>„geübt“</q>,<lb/>d. i. zur christlichen Vollkommenheit gefördert <q>„sind,<lb/>die friedenvolle Frucht der Gerechtigkeit bringen“</q>.<lb/>Das Wehe und das Leid, womit Gott Seine Kinder<lb/>heimsucht, um sie vor der Sünde zu bewahren, um<lb/>sie von ihren bösen Neigungen los zu machen, um<lb/>sie zur christlichen Vollkommenheit oder in derselben<lb/>weiter zu bringen, kommt gar nicht in Vergleich mit<lb/>dem Leid und Wehe, was ohne dies die Sünde über<lb/>sie bringen würde, nicht in Vergleich mit dem großen<lb/>Heile, was Er ihnen dadurch bereitet. Ist also die<lb/>Züchtigung das Mittel zu einem solchen Heile, so ist<lb/>es Erweis der göttlichen Liebe, sie anzuwenden.</p>
								
                        <p>Darin ist also der große Himmelsvater das er-<lb/>habene Vorbild für menschliche Väter. Die von Gott,<lb/>durch Gottes Gebot, durch Vorschrift und Anordnung<lb/>der h. Kirche oder vom Vater selbst nach reiflicher<lb/>christlicher Ueberlegung festgesetzte Regel und Ordnung<lb/>des Hauses, wie auch alles das, was der Vater ver-<lb/>möge seiner so viel größern, durch Erfahrung gereiften<lb/>Einsicht in den einzelnen Beziehungen für das Kind<lb/>
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0106_0001"/>angeordnet und befohlen hat, – das ist für das Kind<lb/>der Weg, das Geleise, auf dem allein es zu einem<lb/>guten Menschen und Christen, d. i. zum wahren zeit-<lb/>lichen und ewigen Heile heranwächst und gedeihet.<lb/>Was also in der Hand des Vaters dazu beiträgt,<lb/>das Kind in diesem Geleise zu halten oder in das-<lb/>selbe wieder zurückzuführen, das ist Wohlthat für das<lb/>Kind, ist Förderung seines wahren Glückes, dessen<lb/>Anwendung ist Bethätigung der Liebe.</p>
								
                        <p>Wenn also der böse, von den Eingebungen der<lb/>verkehrten Natur, vielleicht auch von den schädlichen<lb/>Einflüssen einer bösen Welt und selbst des bösen<lb/>Feindes bestimmte und geleitete Wille des Kindes<lb/>dasselbe aus diesem Geleise herauslenkt und sich durch<lb/>die mildern Mittel der Belehrung und Ermahnung<lb/>allein nicht wieder zurückbringen lassen will, so soll<lb/>der Vater strengere, ja, wenn's Noth thut, selbst die<lb/>strengsten Mittel, Züchtigung und Strafe, nicht scheuen,<lb/>um den bösen Willen des Kindes zu zügeln, um seine<lb/>Störrigkeit zu überwinden, um es wie gegen seinen<lb/>Willen in das rechte Geleise zurück zu bringen.</p>
								
                        <p>Das ist dann freilich <q>„für den Augenblick Anlaß<lb/>zur Betrübniß“</q> für Kind und Vater; das Kind<lb/>seufzt, weint, schreiet, klagt, bittet, flehet; das natür-<lb/>liche Gefühl der väterlichen Liebe sträubt sich, fühlt<lb/>sich verletzt, das Vaterherz wird weich, gerührt durch<lb/>das Klagen und Flehen des Kindes. Und dennoch<lb/>muß das alles überwunden und die Zuchtruthe ge-<lb/>schwungen werden. Wo nicht, so wird die augen-<lb/>blickliche Schonung nebst dem Uebel des Ungehorsams<lb/>auch jene Auswüchse der verkehrten Natur, ja diese<lb/>selbst und ihre bösen Neigungen nähren und groß<lb/>ziehen und so mit der Zeit Uebel und Wehe über<lb/>
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0107_0001"/>die Kinder bringen, wogegen alles Leid der Züchti-<lb/>gung und Strafe gering, ja wie nichts erscheint;<lb/>wohingegen die zur rechten Zeit und in der rechten<lb/>Weise ausgeführte Strafe den bösen Willen des Kin-<lb/>des, seinen Eigensinn, seinen Trotz bricht und seiner<lb/>Verkehrtheit Einhalt thut, und es in's Geleise des<lb/>
                           <hi rendition="#w">guten</hi> göttlichen und väterlichen Willens, d. i. auf<lb/>die Bahn des Heiles zurück oder auf derselben weiter<lb/>bringt, und so ihm <q>„die friedenvolle Frucht der Ge-<lb/>rechtigkeit bereitet“</q>.</p>
								
                        <p>Demgemäß erscheint es als eine heilige Pflicht<lb/>der Väter, zur Zeit und <hi rendition="#w">so viel es Noth thut</hi>
                           <lb/>und <hi rendition="#w">heilsam</hi> ist, die Kinder zu strafen. Mit Recht<lb/>wird zum Nachweise dieser Pflicht hingewiesen auf<lb/>die furchtbaren Strafen, welche der Herr über den<lb/>Hohenpriester Heli verhängte, weil er seine beiden<lb/>gleichfalls priesterlichen Söhne, welche durch die Art,<lb/>wie sie die Tempelandacht versahen, dem ganzen Volke<lb/>zum Aergernisse waren, nicht nach Gebühr bestrafte:<lb/>
                           <q>„Ich werde,“</q> so sprach der Herr in der nächtlichen<lb/>Erscheinung zum jungen Samuel, auf daß er es an<lb/>Heli berichte, <q>„ich werde gegen den Heli Alles in's<lb/>Werk setzen, was ich über sein Haus geredet habe“</q>
                           <lb/>(schon vorher hatte der Herr durch einen Propheten<lb/>(<q>„Mann Gottes“</q>), den er zu ihm sandte, den Heli<lb/>gewarnt und ihm die strengsten Strafen angedrohet);<lb/>
                           <q>„denn ich habe ihm vorausgesagt, daß ich an seinem<lb/>Hause ein Strafgericht vollziehen werde um der Sünde<lb/>willen, daß er um das <hi rendition="#w">unwürdige Vorgehen</hi>
                              <lb/>seiner Söhne <hi rendition="#w">wußte</hi> und <hi rendition="#w">sie dennoch nicht</hi>
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                              <hi rendition="#w">bestrafte</hi>; nun werde ich beginnen und es voll-<lb/>ziehen.“</q> Und bald darauf erfüllte sich das Wort<lb/>des Herrn; Er ließ es zu, daß in einer Schlacht<lb/>
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0108_0001"/>gegen die Philistäer <q>„Israel geschlagen wurde und<lb/>eine überaus große Niederlage erlitt, und es fielen<lb/>von Israel 30,000 Mann und die Arche Gottes<lb/>gerieth in feindliche Gewalt und die beiden Söhne<lb/>Heli's wurden getödtet“</q>. Als aber ein Bote dem<lb/>98jährigen Heli Solches berichtete, <q>„fiel er rücklings<lb/>vom Stuhle, brach das Genick und starb.“</q> Kann es<lb/>da noch zweifelhaft bleiben, wie strenge Pflicht es für<lb/>die Väter sei, die Kinder zur Zeit und wo es Noth<lb/>thut, zu strafen?</p>
								
                        <p>Wir sagen: <q>„<hi rendition="#w">Zur Zeit</hi>;“</q> Zweck der Strafe<lb/>und Züchtigung ist eben, durch sie die Kinder im<lb/>Geleise des Gehorsams zu halten oder darein zurück<lb/>zu bringen. Kann dieser Zweck durch die milderen<lb/>Mittel der Belehrung und Ermahnung erreicht wer-<lb/>den, so hieße es, das Strafrecht mißbrauchen, wenn<lb/>der Vater zur Züchtigung schritte. Wie oft fehlen<lb/>die Kinder aus Unwissenheit, aus Unvorsichtigkeit und<lb/>ohne allen bösen Willen; <hi rendition="#w">fast immer</hi> wird's da<lb/>zum Ziele führen, wenn man die Kinder gehörig<lb/>belehrt, sie zur Vorsicht und Bedachtsamkeit ermahnt;<lb/>sie auch dann ohne Weiteres züchtigen und strafen,<lb/>ist nicht blos unberechtigt, sondern wirkt auch meist<lb/>schädlich auf das Gemüthsleben und auf die Ent-<lb/>wickelung des Kindes ein, vollends, wenn das Kind<lb/>von Natur scheu und wenig befähigt ist. In allen<lb/>Fällen und wo immer das Kind durch liebevolle Be-<lb/>lehrung und wenn auch nachdrückliche, doch väterliche<lb/>Ermahnung, vielleicht unter dem Beistande einer<lb/>Warnung zum rechten Handeln und Verhalten ge-<lb/>führt werden kann, verdient das in jeglicher Weise<lb/>den Vorzug vor dem strafenden Vorgehen.</p>
								
                        <pb facs="images/C889_001_1874_0113"
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                        <p>Wir sagten: <q>„<hi rendition="#w">So viel es Noth thut und</hi>
                              <lb/>
                              <hi rendition="#w">heilsam ist</hi>.“</q> Es ist die <hi rendition="#w">Rücksicht auf das Kind</hi>,<lb/>welche die Hand des Vaters zur Züchtigung in<lb/>Bewegung setzt, das Verlangen, das Kind durch die<lb/>Züchtigung und Strafe von seinen Fehlern los und<lb/>zu einem guten Sinn und Wandel hinzuführen; das<lb/>allein hatte auch der große Vater und Herr im Auge,<lb/>als Er den menschlichen Vätern das Strafrecht ein-<lb/>räumte. Sich also zum Strafen verleiten oder viel-<lb/>mehr hinreißen lassen von der durch die Unarten<lb/>und Fehler der Kinder hervorgerufenen Ungeduld<lb/>und zornmüthige Aufregung, durch eine augenblick-<lb/>liche oder überhaupt genährte Widerwilligkeit und<lb/>Abgeneigtheit gegen dieselben, also im Grunde durch<lb/>die Rücksicht auf sich selbst, das heißt gleichfalls und<lb/>in recht schlimmer Weise und zum großen Schaden<lb/>der Kinder das Strafrecht mißbrauchen, das heißt,<lb/>im Zuge und Dienste seiner eigenen verkehrten Natur<lb/>gegen die verkehrte Natur des Kindes auftreten, das<lb/>heißt, während man gegen einen Fehler des Kindes<lb/>auftritt, selbst einen leicht viel größern begehen. Daß<lb/>das nicht Segen schaffen kann, sieht Jeder leicht ein.<lb/>Wie könnte das Segen schaffen, was aus so bösem<lb/>Grunde stammt und <hi rendition="#w">in so übler Weise voll-</hi>
                           <lb/>
                           <hi rendition="#w">führt wird</hi>.</p>
								
                        <p>Das pflegt nämlich der Fluch aller jener Züch-<lb/>tigungen und Strafen zu sein, welche Väter solcher<lb/>Art aus dem Zuge ihrer eigenen verkehrten Natur<lb/>vollführen; sie werden nicht in der rechten, nicht in<lb/>heilsamer Weise vollführt.</p>
								
                        <p>Gesetzt auch, die Art der Strafe wäre an sich<lb/>nicht ungeeignet, entspräche vielmehr der Beschaffen-<lb/>heit des Kindes und seines Fehlers, so wird der Va-<lb/>
                           <pb facs="images/C889_001_1874_0114"
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0110_0001"/>ter unter der gemachten Voraussetzung sie schwerlich<lb/>mit der nöthigen oder wünschenswerthen Ruhe voll-<lb/>führen; sie wird vielmehr vollzogen in der Aufwal-<lb/>lung des Zornes, leicht unter einem zahlreichen<lb/>Geleite von bittern Vorwürfen, Schmähungen und<lb/>Schimpfreden, mit unbesonnener, übermäßiger Härte,<lb/>ja Grausamkeit, so daß das Maß des Verdienten<lb/>weit überschritten wird und das <hi rendition="#w">eigene</hi> Kind vom<lb/>Vater arg mißhandelt und unbilliger Weise aufs<lb/>Empfindlichste gekränkt wird. Das Kind fühlt die Un-<lb/>gerechtigkeit einer also ausgeführten Strafe, es wird<lb/>in seinem Innersten verletzt, da es den eigenen Va-<lb/>ter wie einen Feind also hart und grausam wider<lb/>sich auftreten sieht, und die Wahrnehmung eines<lb/>solchen unwürdigen leidenschaftlichen Auftretens des-<lb/>selben versetzt der angestammten Hochachtung seines<lb/>kindlichen Herzens gegen den Vater eine tödtliche<lb/>Wunde, ja erfüllt es mit Verachtung und Wider-<lb/>willen.</p>
								
                        <p>Das ist dann also eine Züchtigung, welche das<lb/>Kind von seinen Fehlern nicht heilt, sondern es noch<lb/>mehr, noch viel ärger verwundet; eine Züchtigung,<lb/>welche nicht <q>„die friedenvolle Frucht der Gerechtigkeit“</q>,<lb/>sondern arger sittlicher Verderbniß zur Folge hat.</p>
								
                        <p>Und doch, wie oft und vielfach hat man eine<lb/>solche Weise der Bestrafung der Kinder grad von<lb/>Seiten der Väter zu beklagen! Welche Verantwor-<lb/>tung! Die von Gott gestellt sind zu Freunden und<lb/>Vätern der Kinder, die werden zu ihren ärgsten Fein-<lb/>den; denn wie sie in der Ausführung ihrer Strafen<lb/>äußerlich als solche auftreten, so sind sie es in der<lb/>That durch den unsäglichen Schaden und Nachtheil,<lb/>den sie dadurch ihren Kindern zufügen. Ohne Zweifel<lb/>
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0111_0001"/>hatte der h. Apostel das im Auge, als er (Phil. 6, 4)<lb/>schreibt: <q>„Und ihr, Väter, hütet euch, eure Söhne<lb/>zum Zorne zu reizen, sondern erziehet sie in der<lb/>Zucht und Züchtigung des Herrn,“</q> also, will der<lb/>Apostel sagen, haltet eure Söhne allerdings in Zucht,<lb/>strafet sie auch, wenn's Noth thut, aber so wie <q>„<hi rendition="#w">der</hi>
                              <lb/>
                              <hi rendition="#w">Herr</hi>,“</q> der auch im Strafen die Gerechtigkeit und<lb/>die Barmherzigkeit und Schonung nicht verleugnet.<lb/>Aehnlich im Briefe an die Colosser (3, 21): <q>„Ihr<lb/>Väter, wollet doch nicht“</q> (nämlich durch unzeitiges<lb/>Strafen) <q>„eure Söhne zum Unwillen und Verdruß<lb/>wider euch aufreizen, damit sie nicht in Verzagtheit<lb/>gerathen.“</q>
                        </p>
								
                        <p>Wir machten oben die Voraussetzung, daß im<lb/>gedachten Falle nur die Art der Ausführung, als<lb/>voll Zorn und Aufregung, unzeitig und verderblich<lb/>sei; aber wie leicht verpaart sich damit ein anderes<lb/>Uebel, daß man nämlich auch nicht die rechten und an-<lb/>gemessenen Strafen wählt und in Anwendung bringt.<lb/>Wie vielfach wird auch hier gefehlt!</p>
								
                        <p>Das Kind muß gestraft werden. Aber nun giebt<lb/>es eine gewisse Auswahl von Strafen. Freilich, hätte<lb/>man nach der Verfahrungsweise mancher Eltern zu<lb/>urtheilen, da müßte man des Meinens werden, es<lb/>gebe nur <hi rendition="#w">eine</hi> Art von Strafen, die körperliche Züch-<lb/>tigung: da werden die Kinder mit Ruthen, mit Peit-<lb/>schen, selbst mit Stöcken geschlagen; da regnet es<lb/>Faustschläge, Ohrfeigen, Rücken- und Rippenstöße,<lb/>da werden die Ohren gezupft, die Haare gerupft, da<lb/>wirft man nach Umständen den ersten besten Gegen-<lb/>stand den fliehenden Kindern nach u.s.w. u.s.w.</p>
								
                        <p>Was nun die letztern Arten körperlicher Züchti-<lb/>gung angeht, so sind wir der wohlbegründeten Ansicht<lb/>
                           <pb facs="images/C889_001_1874_0116"
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0112_0001"/>und des wohlberechtigten Gefühles, daß dieselben des<lb/>christlichen Vaters (der christlichen Mutter) durchaus<lb/>unwürdig sind und auch wohl kaum anders, als<lb/>während zorniger Aufregung sich bieten werden. So<lb/>straft die christliche Ruhe und Besonnenheit nicht, zu-<lb/>mal nicht das eigene Kind.</p>
								
                        <p>Die übrigen körperlichen Züchtigungen haben<lb/>auch in <hi rendition="#w">christlichen</hi> Familien, also auch in der<lb/>Hand des <hi rendition="#w">christlichen</hi> Vaters ihre Berechtigung;<lb/>so die Strafen mit der Ruthe, mit einer Peitsche;<lb/>wir würden nach Umständen selbst eine nur nicht<lb/>allzu derb ausgeführte Ohrfeige, einen Faustschlag<lb/>in den Rücken gutheißen dürfen. Leicht werden die<lb/>Kinder oder eines und anders unter ihnen <hi rendition="#w">der</hi> Art<lb/>sein, daß es ohne körperliche Züchtigung, wie man<lb/>sagt, ohne Ruthe nicht wohl abgehen kann. Es giebt<lb/>auch Fälle, wo es sich empfiehlt, daß eine Strafe<lb/>auf der Stelle und kurz und gut abgemacht werde,<lb/>wo sich also die genannten körperlichen Züchtigungen<lb/>empfehlen.</p>
								
                        <p>Aber nun die Sache auf <hi rendition="#w">sie</hi> beschränken, <hi rendition="#w">sie</hi>
                           <lb/>eben für <hi rendition="#w">alle</hi> Fälle, an <hi rendition="#w">allen</hi> Kindern ohne Un-<lb/>terschied anwenden, das heißt doch gradzu einseitig<lb/>und unzeitig handeln, das heißt, den Kindern den<lb/>Segen der Züchtigung nur zu sehr schmälern. Es<lb/>giebt, wie wir schon erwähnten, eine gewisse Auswahl<lb/>von Strafen. Es ist Strafe für ein Kind, wenn<lb/>ihm gewisse Annehmlichkeiten, Dinge, die es liebt,<lb/>woran es sich erfreuet, vorenthalten werden: Es darf<lb/>zur Zeit nicht spielen; es darf nicht mit ausgehen;<lb/>es wird ihm bis zu einem gewissen Maße das<lb/>Mittags- und Abendessen vorenthalten; etwas Liebes,<lb/>was es hat, oder was ihm in Aussicht stand, wird<lb/>
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0113_0001"/>ihm entzogen; der Besuch an diesem Hause, der Ver-<lb/>kehr mit diesen Kindern oder jungen Leuten, so an-<lb/>genehm und ersehnt, wird zeitweilig untersagt u.s.w.<lb/>– Es ist Strafe, wenn ihm Unangenehmes aufge-<lb/>legt wird: Es wird zeitweilig eingeschlossen oder doch<lb/>allein gelassen; es muß eine ihm unangenehme und<lb/>widerwärtige Arbeit thun; es muß ein schlechteres Klei-<lb/>dungsstück tragen oder sonst eine Zurücksetzung und<lb/>Demüthigung erfahren u.s.w.</p>
								
                        <p>Genug, fast immer stehen den Eltern verschiedene<lb/>Strafen zur Auswahl, von denen einige viel mehr<lb/>dem Zwecke der Strafe, der Besserung des Kindes<lb/>entsprechen, sei es daß sie der Art des vorliegenden Feh-<lb/>lers oder der Natur und Beschaffenheit des Kindes oder<lb/>den Verhältnissen mehr angemessen sind. Oder wer<lb/>könnte verkennen, daß für ein Kind, welches von Natur<lb/>zart oder scheu und furchtsam ist, sich die hier zuletzt ge-<lb/>nannten, überhaupt mildere Strafen mehr empfehlen,<lb/>als körperliche Züchtigung; daß für Kinder, welche<lb/>im Alter schon mehr vorgeschritten sind, die für kleinere<lb/>Kinder vielleicht zu empfehlenden Strafen weniger<lb/>passend und geeignet sind; daß für Fehler, die ihren<lb/>Grund in ungeordneter Sinnlichkeit haben, Strafen,<lb/>wodurch etwas Sinnlich-Angenehmes vorenthalten<lb/>oder etwas Sinnlich-Unangenehmes zugewendet wird,<lb/>hingegen für Fehler, welche in Stolz und Hochmuth<lb/>wurzeln, Demüthigungen den Vorzug verdienen?</p>
								
                        <p>Wo ist denn ein Handwerksmann, der wenn er<lb/>eine Arbeit unter Händen und eine Auswahl ent-<lb/>sprechender Instrumente vor sich hat, jedesmal nach<lb/>dem ersten besten griffe und nicht vielmehr jedesmal<lb/>das auswählte, welches am geeignetsten ist, die Arbeit<lb/>gut herzustellen. Und Eltern, Väter sollten, wenn<lb/>
                           <pb facs="images/C889_001_1874_0118"
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0114_0001"/>es sich darum handelt, das wichtigste, kostbarste Werk,<lb/>die gute Erziehung ihrer Kinder zu vollführen, da,<lb/>wo sie als nothwendiges Mittel dazu Züchtigung und<lb/>Strafe in Anwendung bringen müssen, zu den ersten<lb/>besten Strafen greifen, und nicht vielmehr eine ver-<lb/>nünftige und wohl überlegte Auswahl machen?</p>
								
                        <p>Freilich ist das alles, was wir hierdurch den Vä-<lb/>tern ansinnen müssen, in der beharrlichen und con-<lb/>sequenten Durchführung nicht eben eine leichte Sache;<lb/>es ist viel leichter und bequemer, die Kinder unge-<lb/>straft zu lassen oder sie in den angedeuteten unzei-<lb/>tigen Weisen zu bestrafen. Die rechte Ausführung<lb/>des Strafamts nimmt meist eine große Hingebung<lb/>an die Sache der guten Erziehung der Kinder,<lb/>große Mühe, viel Nachdenken und Ueberlegung, eine<lb/>nicht geringe Opferwilligkeit in Anspruch. Aber sie<lb/>ist Pflicht, heilige Pflicht, und selbst Mitbedingung<lb/>der ewigen Seligkeit für jeden christlichen Vater und<lb/>auch hier gilt das Wort des Herrn: <q>„Nur die Ge-<lb/>walt brauchen, reißen das Himmelreich an sich.“</q>
                           <lb/>Ueberdies ist die kostbare Frucht, welche die väter-<lb/>liche Strafgewalt, wenn sie nach den gegebenen Win-<lb/>ken gehandhabt wird, an den Kindern trägt, die <q>„frie-<lb/>denvolle Frucht der Gerechtigkeit“</q> aller damit verbun-<lb/>denen Mühen und Opfer werth; fast immer wird<lb/>dem Vater schon hier auf Erden in seinen eigenen<lb/>Kindern durch die Vortrefflichkeit derselben für jene<lb/>Mühen und Opfer reicher Lohn bereitet, vollends in<lb/>der Ewigkeit, während Väter, welche an ihren Kin-<lb/>dern die pflichtmäßige Zucht überhaupt nicht oder nicht<lb/>in gebührender Weise üben, sich in ihren entartenden<lb/>Kindern selbst eine Zuchtruthe und Kummer und<lb/>Gram in einem Maße bereiten, wogegen alle Mühe<lb/>
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0115_0001"/>und Aufopferung der rechten christlichen Zucht gering<lb/>erscheint. Und was wird ihr Loos sein in der<lb/>Ewigkeit?</p>
							
                     </div>
                  </div>
							
                  <div xml:id="d62092e10387">
								
                     <head rendition="#c">3. Die väterliche Fürsorge.</head>
								
                     <p>Denken wir uns eine Familie, in welcher der<lb/>Vater den bis hierher gemachten Andeutungen und<lb/>Winken zu entsprechen sich bemühet, so sind die Kin-<lb/>der, so viel sie unter solcher Huth und unter solchem<lb/>Einflusse stehen, in hohem Grade gesichert und wohl-<lb/>geborgen. Aber doch nicht immer weilen und ver-<lb/>harren die Kinder in dem also gesicherten Gehege<lb/>des Familienlebens. Vielfach weilen und verkehren<lb/>sie außer dem Hause; ja es kommt die Zeit, wo der<lb/>Sohn, die Tochter aus dem häuslichen Kreise über-<lb/>haupt oder für kürzere oder längere Zeit entlassen<lb/>werden müssen. Da ergeben sich dann neue Obliegen-<lb/>heiten des Vaters. Erörtern wir sie.</p>
								
                     <div xml:id="d62092e10421">
									
                        <head rendition="#c">a) Die Aufsicht über die Kinder.</head>
									
                        <p>Es ist nicht wohl möglich, daß der Vater (die<lb/>Mutter), die kleineren oder die heranwachsenden Kin-<lb/>der stets unter unmittelbarer Aufsicht halte. Vielleicht<lb/>führt Arbeit und Geschäft ihn von denselben hinweg<lb/>und lässet ihn kürzere oder längere Zeit von ihnen<lb/>ferne bleiben; oder die Kinder selbst befinden sich<lb/>außerhalb des Hauses, sei es, um dies oder jenes<lb/>zu besorgen, oder, um ihrem Vergnügen, der Erho-<lb/>lung nachzugehen, Besuche zu machen u.s.w.</p>
									
                        <p>Auf solche Art erwachsen dann für die Kinder<lb/>mancherlei Gefahren, leicht selbst recht schlimmer Art.<lb/>Sie treffen mit Kindern oder gar erwachsenen Per-<lb/>sonen zusammen, welche durch ihre Reden und durch<lb/>
                           <pb facs="images/C889_001_1874_0120"
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0116_0001"/>ihr Verhalten ihnen Aergerniß bereiten, ja gradezu<lb/>sie zum Bösen zu verleiten suchen; welche Gefahr<lb/>für die Kinder, namentlich, wenn sie mit solchen in<lb/>Verkehr treten; sie kommen an Orte, wo ihrer Un-<lb/>schuld und ihrer Gläubigkeit Gefahr drohet; sie woh-<lb/>nen bedenklichen Lustbarkeiten bei; sie unterhalten eine<lb/>Freundschaft, einen Umgang, eine Bekanntschaft,<lb/>welche bedenklicher Art ist.</p>
									
                        <p>Kinder sind unerfahren; wie leicht rennen sie,<lb/>wenn nicht gewarnt, in die Gefahr mitten hinein;<lb/>wie leicht gehen sie in ihr zu Grunde! – Kinder<lb/>sind leichtsinnig; ohne Bedacht und Sorge geben sie<lb/>sich dem hin, was ihnen Verderben bringt. Kinder<lb/>sind unselbständig, um so leichter werden sie hinge-<lb/>nommen, verlockt und verführt.</p>
									
                        <p>Wird also ein Vater, der das alles, was er ja<lb/>weiß, beherzigt, nicht auch in diesen Beziehungen<lb/>Sorge haben für sein Kind, um es vor den drohen-<lb/>den Gefahren, so viel an ihm ist, zu schützen und<lb/>sicher zu stellen? Muß er's nicht? Erscheint es<lb/>nicht als seine heilige Pflicht?</p>
									
                        <p>Es ist freilich nicht zu verkennen, daß in dieser<lb/>Hinsicht auch beim besten Willen eine <hi rendition="#w">völlige</hi> Sicher-<lb/>stellung des Kindes nicht erzielt werden kann; aber<lb/>nur um so dringender erscheint die Pflicht, das Er-<lb/>reichbare zu thun. Und bei aufrichtig-gutem Willen<lb/>und wenn Mühe und Opfer für eine so wichtige<lb/>Sache nicht gescheuet wird, kann fast immer recht<lb/>viel erreicht werden, wie das Beispiel wahrhaft ge-<lb/>wissenhafter Eltern beweiset. Freilich ist das in nicht<lb/>wenigen Fällen nur möglich um den Preis ernstlicher,<lb/>opfervoller und andauernder Mühewaltung; und da<lb/>sich dazu manche Väter nicht verstehen, so lassen sie<lb/>
                           <pb facs="images/C889_001_1874_0121"
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0117_0001"/>ihre Kinder ohne Aufsicht und so fast gänzlich nach<lb/>eigenem Belieben gehen und thun, wie sie eben wollen.<lb/>Wie manches Kind geht über dem Mangel an dieser<lb/>pflichtmäßigen Wachsamkeit und Aufsicht des Vaters<lb/>(der Mutter) zu Grunde!</p>
									
                        <p>Man pflegt in Betreff dieses Punktes darauf<lb/>hinzuweisen, wie manche Väter mehr Sorge haben für<lb/>ihr Vieh, als für ihre Kinder, für deren Seelenheil,<lb/>indem sie wohl und zwar recht angelegentlich darauf<lb/>bedacht seien, von jenem Gefahr, Schaden und Nach-<lb/>theil abzuhalten, während sie ihre Kinder den größten<lb/>Gefahren für ihr Seelenheil in unbegreiflicher Sorg-<lb/>losigkeit hingeben. Wie berechtigt ist vielfach dieser<lb/>Vergleich! Aber er wird auch zur Zeit zum Zeug-<lb/>nisse wider sie auftreten, um das Urtheil der Ver-<lb/>dammniß über solche Gewissenlosigkeit zu begründen.</p>
									
                        <p>Also das Erreichbare in dieser Hinsicht anzu-<lb/>streben, das erscheint als h. Pflicht des christlichen<lb/>Vaters. – Und was dürfen wir zu dem Erreich-<lb/>baren rechnen? Zunächst doch, daß der Vater (die<lb/>Mutter), so viel an ihm, Kenntniß zu haben suche,<lb/>
                           <hi rendition="#w">wo</hi> das Kind, der Sohn, die Tochter sich befinden,<lb/>wenn sie, vollends auf längere Zeit, außer dem Hause<lb/>sich befinden, mit welchen Menschen sie verkehren.</p>
									
                        <p>Fernerhin soll er sich Kunde zu verschaffen suchen,<lb/>
                           <hi rendition="#w">was</hi> für Orte das sind, wo seine Kinder sich auf-<lb/>halten, was für Menschen, womit sie verkehren, was<lb/>für Unterhaltungen und Vergnügungen, denen sie<lb/>nachhängen, was an diesen Orten, mit diesen Men-<lb/>schen, mit diesen Vergnügungen getrieben wird. Läßt<lb/>der Vater sich dieses, wie er's soll, am Herzen liegen,<lb/>so wird es ihm an Mitteln und Wegen dazu nicht<lb/>fehlen. Er wird nach Umständen den Sohn, die<lb/>Tochter auffordern, Rechenschaft über das Betreffende<lb/>
                           <pb facs="images/C889_001_1874_0122"
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0118_0001"/>zu geben; er wird selbst ihre Spur verfolgen können,<lb/>um den Sachverhalt zu erfahren; er wird, wenn er<lb/>mit der gebührenden Klugheit und Vorsicht vorgeht,<lb/>Manches durch Andere erfahren können; vielleicht<lb/>kommen ihm seine eigenen, früher gemachten Erfah-<lb/>rungen zu Statten, um z.B. in Betreff der erwach-<lb/>senen Kinder das Bedenkliche und Gefährliche gewisser<lb/>Lustbarkeiten oder gar zu großer Freiheit oder des<lb/>vertrauten Umgangs mit Personen des andern Ge-<lb/>schlechts zu ermessen.</p>
									
                        <p>Demgemäß regelt sich dann endlich die Art und<lb/>Weise, wie der Vater es in den vorliegenden Bezie-<lb/>hungen mit den Kindern hält. Vor Allem kann es<lb/>nicht dringend genug betont werden, daß die Kinder<lb/>von frühester Jugend streng gehalten werden, Rechen-<lb/>schaft darüber zu geben, wohin sie, wenn sie das Haus<lb/>verlassen, gehen wollen, und daß sie nicht ohne Er-<lb/>laubniß gehen. Sind sie von früh an daran gewöhnt,<lb/>so darf auch in spätern Jahren die Einhaltung dieser<lb/>Gewohnheit desto eher erwartet werden.</p>
									
                        <p>Was als für die Kinder in Rücksicht auf ihr<lb/>Alter, auf ihre persönliche Beschaffenheit oder über-<lb/>haupt gefährlich erkannt wird, das wird ihnen mit<lb/>der entsprechenden Strenge untersagt – der Verkehr<lb/>mit <hi rendition="#w">diesen</hi> Kindern, der Besuch jenes Hauses, oder,<lb/>wenn es sich um erwachsene Kinder handelt, der Um-<lb/>gang mit dieser Person, die Betheiligung an dem<lb/>und dem Vergnügen u.s.w. Und an diesem Ver-<lb/>bote wird streng gehalten; es findet die entsprechende<lb/>Ueberwachung statt, nach Umständen Nachfrage, Nach-<lb/>forschung und Untersuchung.</p>
									
                        <p>Stellt sich heraus, daß der Sohn, die Tochter<lb/>in diesem Punkte etwas verbrochen hat, so wird nach<lb/>
                           <pb facs="images/C889_001_1874_0123"
                               n="119"
                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0119_0001"/>Maßgabe des Falles gegen dieselben vorgegangen -<lb/>mit mehr oder weniger nachdrücklicher Warnung und<lb/>Rüge, wofern nicht so sehr böser Wille, als Un-<lb/>wissenheit, Mangel an Erfahrung und ein gewisser<lb/>Leichtsinn vorliegt; mit Züchtigung und Strafe, selbst<lb/>der strengsten Art, wofern mit bösem Willen, trotz<lb/>vorheriger Warnung und Untersagung, in bewußtem<lb/>Ungehorsam gehandelt worden ist. Wenn je, so thut<lb/>hier Ernst, Festigkeit und Entschiedenheit und nach<lb/>Umständen die äußerste Strenge Noth, besonders wo<lb/>es sich um einen offenbar gefährlichen und verderb-<lb/>lichen Umgang oder um die Betheiligung an sünd-<lb/>haften Vergnügungen handelt.</p>
									
                        <p>Gar sehr kommt es dem Vater in dieser Hin-<lb/>sicht zu statten, wenn überhaupt im Hause Regel und<lb/>Ordnung herrscht und man <hi rendition="#w">ihr</hi> gemäß namentlich<lb/>daran gewöhnt ist, zur bestimmten Zeit sicher zu<lb/>Hause sein zu müssen. Jedenfalls wird, wofern gewisse<lb/>Ausgänge zum Zwecke der Theilnahme an diesem<lb/>oder jenem Vergnügen gestattet werden, genau die<lb/>Stunde festgesetzt, wo man wieder zu Hause sein muß;<lb/>und es wird mit unerbittlicher Strenge darauf gehalten.</p>
									
                        <p>Denken wir uns Fälle, wo der Vater dem Sohne<lb/>oder insbesondere der Tochter etwas, das doch <hi rendition="#w">nicht</hi>
                           <lb/>ohne Gefahr ist, nicht wohl versagen kann, so wird<lb/>er der Pflicht entsprechender Beaufsichtigung nie un-<lb/>eingedenk sein, mag er solcher nun in eigener Person<lb/>oder auf irgend einem andern sichernden Wege ge-<lb/>recht werden.</p>
									
                        <p>Das sind einige Andeutungen in einer Sache,<lb/>worin sich die einzelnen Fälle zu verschiedentlich ent-<lb/>wickeln können, als daß man sie erschöpfend behandeln<lb/>könnte. Dennoch reicht das Gesagte hin, um als<lb/>
                           <pb facs="images/C889_001_1874_0124"
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0120_0001"/>Fingerzeig überhaupt und auch für Fälle, die hier<lb/>nicht in Rede kommen, zu dienen.</p>
									
                        <p>Und möchten doch alle Väter und Mütter hier<lb/>ihrer Pflicht genügen! Wie viel Sünden und Ver-<lb/>irrungen der Kinder würden verhütet, wie manches<lb/>Kind von dem Verderben, dem es nun anheimfällt,<lb/>gerettet! Wie Viele sind eben dadurch, daß es die<lb/>Eltern in ihrer Jugend an der pflichtmäßigen Wach-<lb/>samkeit und Aufsicht und Strenge haben fehlen lassen,<lb/>in die unseligsten Verirrungen gerathen, in Folge<lb/>derer das Glück ihres ganzen Lebens zerknickt, über<lb/>sie und Viele Unheil und Verderben gekommen und<lb/>ihre Seele zu Grunde gegangen ist. Wehe den El-<lb/>tern solcher Unglücklichen! <q>„Wahrlich,“</q> wird zu<lb/>ihnen dereinst der Herr sagen mit den Worten des<lb/>h. Johannes an jenen Bischof, dem er den ihm so<lb/>werthen Jüngling anvertrauet hatte, <q>„daß er für ihn<lb/>Sorge trage,“</q> und der diesen so unselig verwahrloset<lb/>hatte, <q>„wahrlich, einem schönen Wächter habe ich<lb/>meinen Sohn anvertrauet.“</q> Schreckliche Verantwor-<lb/>tung und Strafe!</p>
									
                        <p>Darum auf, christliche Väter, seid eures Berufes<lb/>eingedenk! Wachet und führet Aufsicht über die Kin-<lb/>der, <q>„welche der Herr euch anvertrauet hat.“</q>
										
                           <note place="bottom" anchored="true" n="*)">
											
                              <p>Bei dieser Gelegenheit möchten wir aufmerksam<lb/>machen auf einen Punkt, der nach unseren im seelsorg-<lb/>lichen Berufe in leider nicht so seltenen Fällen für junge<lb/>Leute, insbesondere für Knaben der Grund zu gar großen<lb/>Uebeln und Sünden wird; es ist, daß dieselben in der<lb/>Lage sind, über Geldmittel verfügen zu können in einer<lb/>Art, welche für sie höchst gefährlich und nachtheilig ist, sei<lb/>es, daß die Väter (oder die Mütter) in unzeitiger Güte<lb/>oder Willfährigkeit ihnen im Uebermaße Geld zukommen<lb/>lassen, oder, daß es jenen, da die Eltern das Geld nicht<lb/>in genugsam gesichertem Verwahr beschlossen halten, mög-<lb/>lich ist, vielleicht sogar ohne Mühe sich solches diebisch zu<lb/>verschaffen. Fast immer haben wir die traurige Erfahrung<lb/>gemacht, daß das die Veranlassung und der unselige Weg<lb/>für junge Leute geworden, um nach und nach in der trau-<lb/>rigsten Weise zu entarten um nach und nach zum Trunke,<lb/>zur Ausschweifung, selbst zu Unredlichkeit und Diebstahl<lb/>zu kommen; das Herz mußte Einem bluten, wenn man<lb/>Solches wahrnahm, und mit dem größten Nachdruck ver-<lb/>lautbarte sich der Wunsch: O könnte man es doch dem<lb/>betreffenden Vater, der Mutter gebührend an's Herz legen,<lb/>daß sie ihren Kindern, sowohl denen, die sie bei sich haben,<lb/>als auch insbesondere denen, welche in der Fremde weilen,<lb/>doch das Geld, wo möglich, ganz vorenthalten, oder sonst<lb/>es ihnen, so viel es thunlich, nach dem strengsten Bedürf-<lb/>nisse zumessen; daß sie doch die nöthige Vorsicht anwen-<lb/>den, damit ihren Kindern der Zugang zu ihren Kassen<lb/>und Taschen nicht möglich sei. Gelegenheit macht Diebe.</p>
                           </note>
                        </p>
								
                     </div>
								
                     <pb facs="images/C889_001_1874_0125"
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                     <div xml:id="d62092e10913">
									
									
                        <head rendition="#c">b) Der Sohn, die Tochter außer dem Hause.</head>
									
                        <p>Der Sohn, die Tochter verlassen das väterliche<lb/>Haus und werden zeitweilig Genossen einer andern<lb/>Familie in der Nähe oder vielleicht in weit gelegener<lb/>Ferne; es handelt sich darum, das für den künftigen<lb/>Beruf Erforderliche zu lernen und sich anzueignen,<lb/>oder sich schon jetzt ihr Fortkommen selbst zu<lb/>schaffen. Der Sohn tritt als Zögling an einer An-<lb/>stalt ein, oder er findet als Lehrling in einem Han-<lb/>delshause, in einer Werkstatt, als Dienstbote bei einer<lb/>Herrschaft seine Stelle. Die Tochter verläßt das<lb/>Haus, um in einer fremden Familie die erwünschte<lb/>Weiterbildung zu erlangen, oder um als Dienst-<lb/>mädchen bei andern zu dienen.</p>
									
                        <p>Einen Vater, wie wir ihn uns vorstellen, dem,<lb/>wie es sein soll, vor Allem das Seelenheil seiner<lb/>Kinder am Herzen liegt und der bis dahin Alles<lb/>
                           <pb facs="images/C889_001_1874_0126"
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0122_0001"/>aufgeboten hat, um dasselbe zu sichern und zu för-<lb/>dern, kann es unmöglich gleichgültig und unbesorgt<lb/>lassen, wenn er sein geliebtes Kind, den Sohn, die<lb/>Tochter aus seiner Nähe, aus seiner Aufsicht und<lb/>aus seinem unmittelbaren Einflusse entlassen und in<lb/>eine fremde Familie, vielleicht in eine fremde Stadt<lb/>entsenden muß. Wie, wenn der Sohn, die Tochter<lb/>dort nachtheiligen, verderblichen Einwirkungen preis-<lb/>gegeben sein würde, dem Einflusse eines bösen Bei-<lb/>spiels, eines unchristlichen, leichsinnigen, sündhaften<lb/>Lebens, dem Einflusse leichtfertiger, unlauterer, fri-<lb/>voler, Glauben und christliche Sitte verletzender und<lb/>untergrabender Reden, ja sogar der Verleitung, Ver-<lb/>lockung, Anreizung und Verführung zum Bösen?!</p>
									
                        <p>Und wie sehr steht das vielleicht zu fürchten, zu-<lb/>mal in unsern Tagen! Ach, wie mancher Jüngling,<lb/>wie manche Jungfrau, die bis dahin unter dem Ein-<lb/>flusse eines wahrhaft christlichen Familienlebens so<lb/>wohl gediehen waren und so gut und wohlgeartet<lb/>das elterliche Haus verließen, haben unter den nach-<lb/>theiligen und verderblichen Wirkungen der Verhält-<lb/>nisse des Hauses, der Umgebung, denen sie außer-<lb/>halb des elterlichen Hauses anheimgegeben waren,<lb/>mehr und mehr ihren religiösen, frommen Sinn ein-<lb/>gebüßt, sich dem Leichtsinne, der Sünde, der Aus-<lb/>schweifung in die Arme geworfen, ihre Unschuld, ja<lb/>ihren Glauben verloren und sind zur Zeit als ganz<lb/>Andere in's elterliche Haus zurückgekehrt – des<lb/>höchsten Schatzes und Glückes ihres Lebens beraubt!</p>
									
                        <p>Kann also ein rechter, ein christlicher Vater (und<lb/>mit ihm die Mutter) gleichgültig dabei bleiben, wenn<lb/>er in der Lage ist, also sein Kind entlassen zu müssen?<lb/>Kann er unbesorgt es seinem Geschicke überlassen?<lb/>
                           <pb facs="images/C889_001_1874_0127"
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0123_0001"/>Unmöglich! Er wird vielmehr, wie es auch heilige<lb/>Pflicht ist, darauf bedacht sein, sein Kind, wenn er<lb/>nicht umhin kann, es aus seiner Nähe und Huth zu<lb/>entlassen, so viel an ihm ist, vor drohenden Gefahren<lb/>sicher zu stellen und alle mögliche Sorgfalt darauf ver-<lb/>wenden, daß das Gute, was zu Hause in ihm grund-<lb/>gelegt ist, bleibe und seine fernere Entwicklung finde.</p>
									
                        <p>Eigenthümlich! Wenn man sonst etwas Werthes<lb/>und Theures einem Andern anheim giebt, da hat man<lb/>alle Sorge, daß man es zur Zeit unverletzt und wohl-<lb/>behalten wieder erlange, sucht sich z.B., wenn man<lb/>ein Kapital bei einem Andern verzinslich anlegen<lb/>will, auf jede Art zu überzeugen, ob derselbe hinläng-<lb/>lich Sicherheit bieten könne; man entschließt sich nicht,<lb/>ihm sein Geld zu leihen, wenn Gefahr da ist, daß<lb/>es verloren gehe. Und das Kostbarste von Allem, die<lb/>Kinder, giebt man dahin, ohne sich zu überzeugen,<lb/>ob ihr Seelenheil nicht Gefahr dabei laufe, ja man<lb/>giebt sie hin, während das offen zu Tage liegt.<lb/>Welcher Leichtsinn! Welche Verantwortung!</p>
									
                        <p>Es ist wahr, oft genug ist es gar nicht leicht,<lb/>ja, nur zu oft ist es den Eltern in solchen Verhält-<lb/>nissen gradzu unmöglich, etwas Wesentliches für die<lb/>Sicherstellung und zum Schutze der Kinder zu thun.<lb/>Ein Haus, eine Condition, ein Dienstverhältniß, wo<lb/>in Beziehung auf gute christliche Gesinnung und Sitte<lb/>Alles wohl bestellt wäre oder auch nur billigem Wun-<lb/>sche entspreche, läßt sich beim besten Willen kaum<lb/>ausfindig machen; und doch <hi rendition="#w">muß</hi> der Sohn, die<lb/>Tochter hinaus; es läßt sich nichts daran ändern.</p>
									
                        <p>Aber es kann leider nicht verkannt werden, daß<lb/>nur zu oft, ja so fast muß man sagen, in den meisten<lb/>Fällen in dieser Hinsicht eine unbegreifliche Gleich-<lb/>
                           <pb facs="images/C889_001_1874_0128"
                               n="124"
                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0124_0001"/>gültigkeit und ein Leichtsinn sich geltend macht, der<lb/>mit echter, christlicher Gesinnung durchaus unverein-<lb/>bar, ja, gradzu gewissenlos ist. Fast immer sind <hi rendition="#w">nur</hi>
                           <lb/>die zeitlichen Rücksichten maßgebend; der Sohn, die<lb/>Tochter können da und da viel für die Welt und in<lb/>zeitlicher Hinsicht Nützliches, Vortheilhaftes lernen<lb/>und sich aneignen, oder sie können daselbst viel ver-<lb/>dienen; da und da, so und so öffnen sich günstige<lb/>Aussichten für die Zukunft u.s.w.; – genug, um<lb/>seinen Entschluß zu fassen; man fragt nicht, ob Sohn<lb/>und Tochter da und da nicht großen Gefahren für's<lb/>Seelenheil ausgesetzt sein werden, der Gefahr, Un-<lb/>schuld, gute christliche Sitte, ja den Glauben zu ver-<lb/>lieren; man hat kein Auge dafür, man verschließt es<lb/>gradzu dagegen.</p>
									
                        <p>Und die Folge? Freilich, der Sohn, die Tochter<lb/>– werden nun in diesen Verhältnissen, denen sie also<lb/>rücksichtslos anheimgegeben worden, vielleicht recht sehr<lb/>gelehrt, geschickt, gewandt für den Verkehr in der<lb/>Welt; sie verdienen einen reichen Lohn; es eröffnen<lb/>sich ihnen glänzende Aussichten für die Zukunft.<lb/>Aber, zur Zeit findet es sich, daß über alles dieses<lb/>der gute christliche Sinn ihnen abhanden gekommen,<lb/>christliche Uebung und Tugendsamkeit ihnen fremd<lb/>geworden ist; sie stehen im Dienste ihrer bösen Nei-<lb/>gungen und Leidenschaften, sie haben ihre Unschuld<lb/>verloren, sie haben am Kostbarsten, an ihrem Glau-<lb/>ben Schiffbruch gelitten. Werden sie bei all ihren<lb/>sonstigen Errungenschaften glücklich sein? Ach, sie<lb/>werden nicht einmal auf Erden glücklich sein. Wie<lb/>oft und wie sehr man's auch verkennt, so bleibt's<lb/>doch ewig wahr, ohne das Fundament wahrhaft christ-<lb/>licher Gesinnung und Gesittung wird jeglicher Aufbau<lb/>
                           <pb facs="images/C889_001_1874_0129"
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0125_0001"/>irdischen Glückes, und würde er auch mit dem höchsten<lb/>Aufwande irdischer Güter und Spenden aufgeführt,<lb/>nur zu bald in sich selbst zerfallen und Leere und<lb/>Jammer in den Herzen zurücklassen. – Und dann<lb/>die Ewigkeit! Ob wohl unter den Unglücklichen der<lb/>Ewigkeit die Zahl derer gering ist, welche den Grund<lb/>ihres ewigen Verderbens grad in jenen Jahren finden,<lb/>wo ihre Eltern, gewissenlos und grausam, sie Ver-<lb/>hältnissen und Lagen der oben geschilderten Art<lb/>preisgaben?</p>
									
                        <p>Genug, <hi rendition="#w">das</hi> kann nicht dem geringsten Zweifel<lb/>unterliegen, daß die Pflicht des Vaters (und mit ihm<lb/>der Mutter), für das Seelenheil der Kinder, so lange<lb/>ihnen noch sichernde Selbstständigkeit abgeht, Sorge<lb/>zu haben und dasselbe nach bestem Wissen zu schützen<lb/>und zu sichern, auch dann nicht aufhört, wenn er<lb/>dieselben aus seiner unmittelbaren Aufsicht entlassen<lb/>muß. Kann er zur Sicherstellung nicht das Wün-<lb/>schenswerthe erreichen, so hat er doch darauf bedacht<lb/>zu sein, das Mögliche zu thun. So große Schwie-<lb/>rigkeiten sich auch für eine gute Unterbringung der<lb/>Kinder bieten, so zeigt doch die Erfahrung, daß ge-<lb/>wissenhafte Eltern in dieser Hinsicht meist recht Vie-<lb/>les erreichen. Aber sie lassen sich das auch angelegen<lb/>sein; sie geben sich Mühe, sie ziehen Erkundigungen<lb/>ein, sie forschen nach, sie scheuen keine Opfer. Eben,<lb/>weil sie ihre Kinder wahrhaft lieben, weil ihnen das<lb/>wahre Wohl derselben aufrichtig am Herzen liegt,<lb/>weil ihnen das Seelenheil derselben über Alles hoch<lb/>gilt, – so scheint ihnen, wo es sich darum, um das<lb/>Seelenheil der Kinder handelt, nicht leicht etwas zu<lb/>schwer und zu viel; dabei macht die Liebe zu den<lb/>Kindern sie erfinderisch. Und da sie in solchen, ihnen<lb/>
                           <pb facs="images/C889_001_1874_0130"
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0126_0001"/>so wichtigen Angelegenheiten, auch zu Gott ihre Zuflucht<lb/>nehmen, so ist auch der Herr mit ihnen, sei es, daß<lb/>Er sie in Seinem Lichte das Rechte erkennen lasse<lb/>oder daß Er die Umstände zu ihrem Gunsten füge.</p>
									
                        <p>So gewissenhafte Eltern, <hi rendition="#w">christliche</hi> Väter und<lb/>Mütter. Und ob sie auch, da das Wünschenswerthe<lb/>beim besten Willen nicht immer erreichbar ist, mit-<lb/>unter in der Lage sind, mit dem billigen Wünschen<lb/>wenigstens in etwa Entsprechenden vorlieb zu nehmen;<lb/>dennoch <hi rendition="#w">nie</hi> werden sie (wie sie es auch nicht dürfen)<lb/>durch die Rücksicht auf zeitliche Vortheile und Aus-<lb/>sichten, und wären es auch die größten und glänzend-<lb/>sten, sich bestimmen lassen, ihre Kinder in Häuser,<lb/>in Verhältnisse u.s.w. hinzugeben, wo ihre Tu-<lb/>gend, ihre Unschuld, ihr Glaube augenscheinlicher und<lb/>offener Gefahr preisgegeben sein würde.</p>
									
                        <p>Und ist ein Sohn, eine Tochter aus dem väter-<lb/>lichen Hause entlassen, so wird der wahre christliche<lb/>Vater (mit der Mutter) stets, wie es wiederum Pflicht<lb/>ist, ein Auge auf dieselben haben und, so viel es<lb/>möglich, sich Kenntniß darüber zu verschaffen suchen,<lb/>wie es um dasselbe, um seine Lage, um sein Ver-<lb/>halten stehe. Stellt sich heraus, daß seine ur-<lb/>sprünglichen Voraussetzungen sich nicht erfüllten, daß<lb/>der Sohn, die Tochter dort übel berathen seien, daß<lb/>ihrer christlichen Gesinnung und Sitte arge Gefahr<lb/>drohe, da wird er nicht gleichgültig zusehen, da wird<lb/>er, wenn er die Sache an sich nicht ändern kann,<lb/>Alles aufbieten und selbst die größten Unannehm-<lb/>lichkeiten und Opfer nicht scheuen, um, wo immer<lb/>möglich und so bald möglich, sein Kind, damit er es<lb/>aus der Gefahr rette, aus jenem Hause, aus diesen<lb/>Verhältnissen fortzuschaffen.</p>
									
                        <pb facs="images/C889_001_1874_0131"
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0127_0001"/>
									
                        <p>Auch hier ist zuweilen das Erwünschte nicht, oder<lb/>nicht sofort möglich; aber das <hi rendition="#w">Mögliche</hi> thut der<lb/>Vater; und er muß es thun, es ist eben Pflicht,<lb/>heilige Pflicht des väterlichen Berufes. Was thut<lb/>Jedermann, der eine Summe Geldes bei einem An-<lb/>dern stehen hat, wenn dasselbe in Gefahr ist, verloren<lb/>zu gehen? Er ist darauf bedacht, er giebt sich alle<lb/>mögliche Mühe, um sein Geld in Sicherheit zu brin-<lb/>gen. Und wo es sich um so viel Kostbareres, um<lb/>Kinder, um ihr zeitliches und ewiges Wohl handelt,<lb/>sollte man es nicht so halten?</p>
									
                        <p>Leider wird's nur zu oft nicht also gehalten; Eltern<lb/>lassen sich in dieser Hinsicht eine ganz unbegreifliche<lb/>Sorglosigkeit und Gleichgültigkeit zu Schulden kom-<lb/>men; hintennach, wenn's zu spät ist, haben sie dann<lb/>freilich unter den üblen Folgen zu leiden; ihre eigenen<lb/>Söhne und Töchter sind ihre Buße; welches Herzen-<lb/>leid, welche Erfahrnisse, welche Vorwürfe! Also<lb/>
                           <q>„habet Acht auf die, über welche ihr gesetzt seid“</q>!</p>
								
                     </div>
								
                     <div xml:id="d62092e11395">
									
                        <head rendition="#c">c) Der Sohn (die Tochter) in der Wahl<lb/>des Berufes.</head>
									
                        <p>Wir haben hier insbesondere den Sohn im Auge.<lb/>Die seltenen Fälle, wo eine Tochter Beruf zum Or-<lb/>densleben in sich findet, ausgenommen, werden den<lb/>Töchtern für die Wahl ihres Berufes, ihrer schließ-<lb/>lichen Lebensverhältnisse meistentheils die entsprechen-<lb/>den Fingerzeige durch äußere Umstände nahegelegt;<lb/>wir kommen darauf zurück. Zunächst denken wir<lb/>also an die Söhne.</p>
									
                        <p>Also, was soll aus dem Kinde werden? – Soll er<lb/>studiren? – Soll er ein Geschäft, irgend eine Kunst,<lb/>ein Handwerk lernen? Welches? – Soll er Soldat<lb/>
                           <pb facs="images/C889_001_1874_0132"
                               n="128"
                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0128_0001"/>werden? – Oder soll er einfach der Vollführung<lb/>der gewöhnlichen häuslichen Arbeiten zu Hause oder<lb/>in einem Dienstverhältnisse sein Leben widmen? -<lb/>Fragen, welche sich dem rechten, um das Wohl sei-<lb/>ner Kinder aufrichtig besorgten Vater so ganz von<lb/>selbst bieten.</p>
									
                        <p>Es ist nicht zweifelhaft, daß es für jedes Kind,<lb/>wir sagen hier, für jeden Sohn, eine Lebensweise<lb/>(einen Stand, ein Geschäft, oder wie man's nennen<lb/>mag) giebt, welche nach Maßgabe seiner körperlichen<lb/>und geistigen Ausstattung, nach Maßgabe der ihm<lb/>zu Gebote stehenden Mittel, nach Maßgabe der Um-<lb/>stände und Verhältnisse, worin er steht, <hi rendition="#w">für ihn</hi>, die<lb/>am meisten zu empfehlende, <hi rendition="#w">für ihn</hi> die beste und<lb/>daher auch am Sichersten und Meisten zum wahren<lb/>Wohle führende und somit die dem h. Willen Gottes<lb/>am meisten, im Grunde <hi rendition="#w">einzig</hi> entsprechende ist.<lb/>Das wäre der <hi rendition="#w">Beruf</hi> des Sohnes.</p>
									
                        <p>In dem Gesagten liegt bereits ausgesprochen,<lb/>wie wichtig und bedeutungsvoll es sei, daß der Sohn<lb/>seinen Beruf erkenne und demnächst ihn wähle, sich<lb/>für ihn vorbereite, zur Zeit in ihn eintrete. Es ist<lb/>der Stand, welcher dem göttlichen Willen und Rath-<lb/>schlusse entspricht; für diesen Stand und Beruf hat<lb/>Gott, der <q>„von einem Ende der Erde bis zum an-<lb/>dern waltet und Alles auf's Vortrefflichste ordnet“</q>,<lb/>ihn bestimmt, für ihn hat Er ihm die entsprechenden<lb/>Gaben und Fähigkeiten, für ihn meist eine gewisse<lb/>Neigung zukommen lassen und ihn dadurch und durch<lb/>die sonstigen Verhältnisse in die Lage gesetzt, daß er<lb/>das, was er für seinen Stand lernen, sich aneignen,<lb/>zu eigen haben muß, die Kenntnisse und Fertigkeiten,<lb/>die Ausbildung, die Mittel u.s.w., wirklich lernen,<lb/>
                           <pb facs="images/C889_001_1874_0133"
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0129_0001"/>haben und sich aneignen könne. Läßt <hi rendition="#w">das</hi> schon<lb/>mit Grund hoffen, daß er zur Zeit die Obliegen-<lb/>heiten des betreffenden Standes in entsprechender<lb/>Weise vollführen und in demselben die wünschens-<lb/>werthe Zufriedenheit finden werde, so wird diese Hoff-<lb/>nung noch mehr befestigt durch die wohlbegründete<lb/>Erwartung, daß der Herr ihm in diesem von Ihm<lb/>selbst gegebenen Berufe mit besondern Gnaden bei-<lb/>stehen und insbesondere die äußern Umstände desselben<lb/>in einer Weise ordnen und leiten werde, welche so-<lb/>wohl für die gute Vollführung der Obliegenheiten dessel-<lb/>ben, als auch für die wahre Zufriedenheit zuträglich ist.</p>
									
                        <p>Ist das alles geeignet, die hohe Bedeutung des<lb/>Berufs darzulegen, so tritt dieselbe in das volle Licht<lb/>durch den Umstand, daß der Beruf eines Menschen<lb/>zugleich der sicherste, im Grunde der einzige Weg<lb/>ist, um schon hier auf Erden zu einer wahren Zu-<lb/>friedenheit zu kommen, um, so viel es hier möglich<lb/>ist, wahrhaft glücklich zu sein; und der sicherste und<lb/>beste Weg zur ewigen Seligkeit. Menschen, welche<lb/>ihren Beruf verfehlt haben, pflegen sich in ihrem<lb/>Stande unglücklich zu fühlen, und, da ihnen Lust<lb/>und Liebe zu demselben und dessen Obliegenheiten<lb/>abgeht, so macht sich in Betreff der Erfüllung dieser<lb/>Obliegenheiten nur zu leicht eine Lässigkeit und Säum-<lb/>niß geltend, welche ihr Gewissen auf's Bedenklichste<lb/>beschwert und oft in der traurigsten Weise das Wohl<lb/>Anderer behelligt; und so führet Verfehlung des Be-<lb/>rufes in hohem Grade die Gefahr mit sich, schließlich<lb/>zu Grunde zu gehen.</p>
									
                        <p>Unaussprechlich wichtig ist es daher, daß der<lb/>Mensch seinen Beruf erkenne und wähle. Und wenn<lb/>die betreffende Wahl und Entscheidung vielfach, ja<lb/>
                           <pb facs="images/C889_001_1874_0134"
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0130_0001"/>in den meisten Fällen schon in jene Zeit des Lebens<lb/>fällt, wo der Mensch weder die gehörige Reife des<lb/>Verstandes, noch die hinlängliche Lebenskenntniß und<lb/>Erfahrung hat, um richtig zu urtheilen und zu ent-<lb/>scheiden, so soll, wie die Mutter, so insbesondere der<lb/>Vater mit seinem reifern Verstande, mit seiner Le-<lb/>benskenntniß und Erfahrung dem Sohne unterweisend<lb/>und rathend zur Seite stehen. Liegt ja darin der<lb/>Grund jenes weisen Rathschlusses Gottes, wonach<lb/>Er das kindliche und jugendliche Alter unter die Ob-<lb/>hut und Leitung der Eltern gestellt hat, auf daß<lb/>diese ersetzen sollten, was dem Kinde noch abgeht.</p>
									
                        <p>Wird es daher den Kindern als h. Pflicht an's<lb/>Herz gelegt, ihren Beruf und einen neuen Stand<lb/>nicht zu wählen, ohne die Meinung der Eltern er-<lb/>fahren und ihren Rath eingeholt zu haben, so sollen<lb/>die Eltern, die Väter es sich am Herzen liegen lassen,<lb/>über den Beruf ihrer Kinder klar zu werden, um<lb/>guten Rath ertheilen zu können.</p>
									
                        <p>Mitunter ist das nicht schwer; der Beruf des<lb/>Sohnes stellt sich gewissermaßen von selbst heraus.<lb/>Es tritt von früh an eine entschiedene Neigung zu<lb/>einem bestimmten Stande, Geschäfte, Handwerke u.<lb/>s. w. im Sohne auf; ein gutes Zeichen für den Beruf<lb/>dazu, vollends, wenn auch die entsprechenden Gaben,<lb/>ein gewisses angebornes Geschick dafür, vielleicht sogar<lb/>in ausnehmender Art sich zeigen, und in den sonstigen<lb/>Verhältnissen kein Hinderniß liegt. – Oder, Um-<lb/>stände und Verhältnisse sind <hi rendition="#w">der</hi> Art oder gestalten<lb/>sich so, daß es sich gewissermaßen von selbst versteht,<lb/>daß z.B. der Sohn zur Zeit das Geschäft, das<lb/>Handwerk, das Anwesen des Vaters fortsetze; wie-<lb/>derum ein gutes Zeichen dafür, daß dies der Beruf<lb/>
                           <pb facs="images/C889_001_1874_0135"
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0131_0001"/>des Sohnes sei, vorausgesetzt, daß derselbe nicht gradzu<lb/>sich abgeneigt fühle und einen Widerwillen gegen<lb/>diesen Stand in sich finde, oder daß ihm die erfor-<lb/>derlichen Gaben und Fähigkeiten dazu nicht in auf-<lb/>fälliger Weise abgehen.</p>
									
                        <p>Doch nicht immer liegt des Sohnes Beruf in<lb/>solcher Bestimmtheit da; jene ausgeprägte Neigung<lb/>tritt nicht zu Tage; oder, wenn auch vielleicht, so<lb/>stehen unübersteigliche Hindernisse dem der Neigung<lb/>Entsprechenden im Wege; auch Umstände und Verhält-<lb/>nisse geben keine Entscheidung. Es muß überlegt,<lb/>es muß Rath gepflogen werden, um den rechten Beruf<lb/>des Sohnes zu finden.</p>
									
                        <p>
                           <hi rendition="#w">Da</hi> wird nun viel gefehlt; daher so vielfach ver-<lb/>fehlter Beruf mit all den unheilvollen Folgen für<lb/>die Betreffenden und meist für Viele Andere.</p>
									
                        <p>
                           <hi rendition="#w">Ein</hi> Fehler bei der in Rede stehenden Lei-<lb/>tung der Standeswahl der Söhne seitens der Väter<lb/>(Eltern) ist, daß sie sich dabei leiten lassen durch<lb/>unzeitige, selbstsüchtige Rücksichten, durch mißverstan-<lb/>dene Ehre, durch ungeordnete Gier nach zeitlichem<lb/>Gewinn u.s.w. <hi rendition="#w">Dieser</hi> Vater wählt <hi rendition="#w">diesen</hi>
                           <lb/>Stand für seinen Sohn und lenkt seinen Lebensweg<lb/>dahin ein, weil er ihm ehrenvoller scheint.<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
											
                              <p>Warum sonst die traurige Erscheinung, daß die Kin-<lb/>der der höhern Klassen so fast ausschließlich auch in die<lb/>in diesen höhern Regionen begriffenen Stände eingeführt<lb/>werden, obwohl ihnen Alles, was dazu erforderlich ist,<lb/>Lust und Liebe, Gabe und Fähigkeit u.s.w. völlig oder<lb/>doch nur gar zu sehr abgeht? Daher auch so viele un-<lb/>nütze Subjekte in diesen Ständen, sich und Andern zur<lb/>Last und der menschlichen Gesellschaft zum Schaden. Warum<lb/>denn nicht, wenn Lust und Gabe und Mittel für solche<lb/>höhern Stände abgehen, den Sohn anregen und anleiten,<lb/>irgend ein anständiges Geschäft oder Handwerk zu lernen?<lb/>Wie viel zufriedener und glücklicher würde derselbe darin<lb/>auf die Dauer sein! Und ist es denn <hi rendition="#w">Unehre</hi> für einen<lb/>Menschen, ein Geschäftsmann, ein Handwerker zu sein?<lb/>Giebt es nicht in der Klasse derselben gar Viele, welche<lb/>unendlich achtenswürdiger sind, als manche Beamtete und<lb/>Gelehrte?</p>
                           </note> Ein<lb/>
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0132_0001"/>anderer, weil ihm durch denselben vom Sohne am<lb/>ersten und meisten Vortheil und Gewinn erwächset;<lb/>so muß mancher Sohn fort und fort zu Hause oder<lb/>in einer Fabrik, oder im Tagelohn arbeiten, und<lb/>kommt nicht dazu, das für ihn erwünschte Geschäft<lb/>oder Handwerk zu erlernen. Darüber also vergißt<lb/>oder verschmähet man es, auf die Neigungen und<lb/>Fähigkeiten des Sohnes, oder gar auf sein Seelenheil<lb/>Rücksicht zu nehmen.</p>
									
                        <p>Das letztere führt uns auf einen anderen, gleich-<lb/>falls verderbenbringenden Fehler bei der Leitung der<lb/>Standeswahl, daß man nämlich dabei sich so fast<lb/>ganz allein leiten lässet durch zeitliche Rücksichten,<lb/>ohne das Seelenheil des Sohnes dabei im Auge zu<lb/>haben. Man sucht sich einen Stand für den Sohn<lb/>aus, man bestimmt diesen – vielleicht mit einer<lb/>gewissen Nöthigung – für denselben, während sowohl<lb/>die Vorbereitung zu demselben, als zur Zeit der<lb/>Stand selbst nach aller Erfahrung überhaupt oder<lb/>wegen der persönlichen Eigenthümlichkeiten des Soh-<lb/>nes die offenbarsten und größten Hindernisse und<lb/>Gefahren für das Seelenheil desselben in sich begreift.<lb/>Höchstens könnte das (vorausgesetzt, daß nicht wegen<lb/>gewisser Umstände, der Antritt eines Standes von<lb/>vornherein unstatthaft und sündhaft ist) darin ent-<lb/>schuldigt erscheinen, wenn eine gewisse Nothwendigkeit<lb/>
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0133_0001"/>vorläge, <hi rendition="#w">diesen</hi> Stand zu wählen; <hi rendition="#w">nie</hi> da, wo<lb/>noch Auswahl da ist.</p>
									
                        <p>Muß nicht im Grunde die Rücksicht auf das<lb/>Seelenheil die Hauptrücksicht bei der in Rede stehen-<lb/>den Wahl sein, wenigstens dahin, daß so viel möglich<lb/>kein Stand gewählt werde, welcher dem Seelenheile<lb/>gradzu Hinderniß und Gefahr drohet; daß bei der<lb/>Wahl gern, so viel möglich, dem Stande der Vorzug<lb/>gegeben werde, welcher am Meisten Schutz und För-<lb/>derung des Seelenheiles bietet! Oder ist nicht, im<lb/>Lichte des Glaubens betrachtet, das Leben des Men-<lb/>schen auf Erden eine Vorbereitungsfrist für die Ewig-<lb/>keit, mit Allem, was der Mensch ist und hat und<lb/>um sich findet, dazu von Gott gegeben, daß er sich<lb/>entwickele und ausbilde zur Würdigkeit für eine selige<lb/>Ewigkeit? Wie das also die Hauptaufgabe des Le-<lb/>bens überhaupt, so ist es auch die Hauptaufgabe der<lb/>verschiedenen Lebensstände, und daher die Hauptrück-<lb/>sicht bei der Wahl derselben, daß man prüfe und<lb/>sehe, ob der betreffende Stand für die Erreichung<lb/>jener Hauptaufgabe zuträglich oder hinderlich sei.<lb/>Läßt also ein Vater das aus dem Auge, hat er bei<lb/>der Standeswahl für den Sohn nur das Leben auf<lb/>Erden und irdische Rücksichten im Auge, so wird der<lb/>Sohn durch den also einseitig gewählten Stand nur<lb/>zu leicht dem ewigen Verderben entgegengeführt. Was<lb/>wird es ihm dann nutzen, ob er für die paar Jahre<lb/>seines Lebens auch noch so viel Erdenglück genossen<lb/>hätte? Aber derselbe wird auf die Dauer nicht ein-<lb/>mal ein wahres Glück auf Erden finden; denn wah-<lb/>res Glück blühet auch auf Erden nur dem, der seiner<lb/>Bestimmung gemäß ein gottgefälliges Leben führt.</p>
									
                        <pb facs="images/C889_001_1874_0138"
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0134_0001"/>
									
                        <p>Man fehlt bei der Wahl des Standes für den<lb/>Sohn, indem man zu wenig oder gar nicht Rücksicht<lb/>nimmt auf die Neigung desselben. Hält man mit<lb/>Recht eine gewisse Hinneigung zu diesem oder jenem<lb/>Stande für ein Zeichen des Berufes zu demselben,<lb/>so liegt darin zugleich eine gewisse Bürgschaft dafür,<lb/>daß der Mensch in diesem Stande sich am leichtesten<lb/>und meisten zufrieden finden und die Pflichten dessel-<lb/>ben am besten erfüllen werde. Höchst bedenklich ist<lb/>es in allen Fällen, den Sohn zu einem Stande zu<lb/>drängen, dem er gradzu abhold ist.</p>
									
                        <p>Man fehlt bei der Wahl des Standes, indem<lb/>man nicht gebührend die Gaben und Fähigkeiten des<lb/>Sohnes, seine körperliche und geistige Beschaffenheit<lb/>beachtet. Dadurch wird dann derselbe in einen Stand<lb/>gebracht, für welchen ihm die entsprechende Begabung<lb/>abgeht, für den er die nöthigen Kenntnisse und Fer-<lb/>tigkeiten sich nicht erworben hat und nicht hat erwer-<lb/>ben können, dessen Anforderungen er also nicht ge-<lb/>wachsen ist. Wie übel für ihn und für Andere!</p>
									
                        <p>Es wird bei der Standeswahl dadurch gefehlt,<lb/>daß man sich die Frage nicht in erwünschter Art<lb/>beantwortet, ob der gewählte Stand auch hinlängliche<lb/>Aussichten und Bürgschaften für das zeitliche Fort-<lb/>kommen und für eine entsprechende Lebensstellung biete.</p>
									
                        <p>Je mehr es sich also bei der Wahl des künftigen<lb/>Lebensstandes recht eigentlich um das Wohl des Soh-<lb/>nes für Zeit und Ewigkeit handelt, je Mehreres<lb/>dabei zu berücksichtigen steht und je schwieriger leicht<lb/>ein gesichertes und richtiges Urtheil ist, desto ernster<lb/>und verantwortlicher erscheint die Aufgabe des Va-<lb/>ters, der eine solche Wahl leiten und vollführen soll,<lb/>wichtig genug, um sie bei sich selbst in die ernsteste<lb/>
                           <pb facs="images/C889_001_1874_0139"
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0135_0001"/>Erwägung zu ziehen, wichtig genug, um nach Umständen<lb/>mit andern einsichtigen und theilnehmenden Personen<lb/>die Sache zu überlegen, wichtig genug, um insbesondere<lb/>dieselbe dem Herrn in vielem Gebete zu empfehlen,<lb/>und Ihn zu bitten, daß Er Licht und Gnade gebe,<lb/>den Stand zu erkennen, zu welchem <hi rendition="#w">Er</hi> den Sohn<lb/>berufen hat, daß <hi rendition="#w">Er</hi> vor aller unzeitigen Rücksicht<lb/>behüte und Gnade verleihe, um das als gottgefällig<lb/>und gut Erkannte auch zu wählen und daran fest-<lb/>zuhalten. <q>„Zeige, o Herr, was <hi rendition="#w">Du</hi> erwählet hast!“</q>
                        </p>
									
                        <p>O würde <hi rendition="#w">diese</hi> Aufgabe christlicher Väter in<lb/>ihrer Wichtigkeit und hohen Bedeutung recht begriffen<lb/>und mit dem gebührenden Ernste und nach christ-<lb/>lichen Grundsätzen vollführet, wie viel Leid und Un-<lb/>heil würde dann manchem Sohne und Vielen erspart<lb/>sein, wie viel mehr würden dann Alle den rechten,<lb/>von Gott gegebenen Beruf finden und antreten, um<lb/>den Segen davon an sich zu erfahren und über An-<lb/>dere zu verbreiten!</p>
									
                        <p>Wir haben noch ein Wort hinzuzufügen in Be-<lb/>treff eines besondern Falles der Standeswahl, wo es<lb/>sich nämlich um den ehelichen Stand, also um die<lb/>Unterbringung der Kinder durch Heirath handelt.<lb/>Wir haben hier, obwohl das zu Sagende nach Um-<lb/>ständen auch auf die Söhne Anwendung finden muß,<lb/>doch vorwiegend die Töchter im Auge.</p>
									
                        <p>Auch hier hat man leider nur zu oft so sehr<lb/>nur oder doch ganz vorherrschend die zeitlichen und<lb/>irdischen Verhältnisse im Auge, daß man, vollends,<lb/>wenn auf der andern Seite ein guter oder gar vor-<lb/>züglicher Besitzstand, ein reiches Einkommen, ein<lb/>namhaftes Vermögen vorliegt, oder wenn daselbst<lb/>ein gewisses Ansehen, Ehre, Amt und Würde besteht,<lb/>
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0136_0001"/>kaum mehr nach den religiösen und sittlichen Verhält-<lb/>nissen der betreffenden Person fragt, ja in die Hei-<lb/>rath einwilligt, sie sogar auf alle Weise in's Werk<lb/>zu setzen sucht, selbst dann, wenn es feststeht, daß<lb/>z.B. der betreffende junge Mann sittlich ausschwei-<lb/>fend und übel berüchtigt ist, daß er sich aus Religion<lb/>und Kirche nicht viel, gar nichts mache, seine reli-<lb/>giösen Pflichten versäume, ja gradzu mit dem Glau-<lb/>ben und der h. Kirche gebrochen habe. Daher dann<lb/>auch nachher diese unglücklichen Ehen! Die Tochter<lb/>ist freilich in einen guten Besitz gekommen, sie ist<lb/>Frau in einem angesehenen Hause, die Gattin eines<lb/>wohlhabenden, vielleicht hochgestellten Mannes, sie<lb/>wohnt schön und vornehm, sie stellt in der mensch-<lb/>lichen Gesellschaft etwas vor; <hi rendition="#w">aber</hi> ihr Mann ist<lb/>leichtsinnig, ist ohne Religion und Tugend, giebt sich<lb/>seinen bösen Neigungen hin, hat auf die Dauer für<lb/>die Frau kein Herz, bereitet ihr Kummer und Gram;<lb/>die Frau schleppt in ihrem schönen Hause unter ihren<lb/>kostbaren Kleidern, in den Gesellschaften und Cirkeln<lb/>ein unbefriedigtes, leeres, vielleicht selbst gramerfülltes,<lb/>unglückliches Herz herum. Und wird sie unter solchen<lb/>Verhältnissen nicht auch selbst Gott und dem Höhern<lb/>entfremdet werden, ein Raub des Leichtsinns und der<lb/>Sünde? Und mit ihr dann auch die Kinder! Welche<lb/>Aussichten dann für die Ewigkeit?! Belege für das<lb/>Gesagte bietet die Gegenwart in reicher Zahl. Ja,<lb/>man hat es zu beklagen, daß selbst Eltern, denen<lb/>man sonst eine gute und gläubige Gesinnung nicht<lb/>absprechen kann, in diesem Punkte ganz ähnlich han-<lb/>deln; sie geben z.B. ihre gleichfalls braven Töchter<lb/>an junge Männer der oben geschilderten Art zur<lb/>Ehe hin. Freilich schmeicheln sie sich dabei vielleicht<lb/>
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0137_0001"/>mit der Hoffnung, der gedachte Mann werde durch<lb/>den Einfluß ihrer braven Tochter zu bessern Gesin-<lb/>nungen und auf geordnetere Wege zurückgeführt wer-<lb/>den. Aber ach, wie leicht wird die Hoffnung zu<lb/>Schanden! Wie leicht wird die Tochter, anstatt den<lb/>Mann zu sich herüberzuziehen, vielmehr durch ihn<lb/>und durch die Einwirkungen, welche sie von dem<lb/>täglichen vertrauten Verkehre mit ihm erfährt, nach<lb/>und nach zu ihm hinübergezogen, um schließlich<lb/>sammt den Kindern mit ihm zu Grunde zu gehen.<lb/>Es ist unmöglich, daß ein einsichtiger und <hi rendition="#w">wahr-</hi>
                           <lb/>
                           <hi rendition="#w">haft christlicher</hi> Vater seine Einwilligung zu<lb/>solcher Heirath gebe; und lägen auch im Uebrigen<lb/>die glänzendsten Bedingungen vor; <hi rendition="#w">er</hi> wird die Seele<lb/>und das wahre Glück seines Kindes nicht an solche<lb/>zeitliche Vortheile verschachern.</p>
								
                     </div>
							
                  </div>
						
               </div>

					
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               <div xml:id="d62092e12217">
						
						
                  <head rendition="#c">Zwei vortreffliche Väter.</head>
						
                  <div xml:id="d62092e12222">
							
                     <head rendition="#c">a. Abraham.</head>
							
                     <p>Insbesondere die zuletzt verhandelten Punkte legen<lb/>es nahe, zweier vortrefflichen Väter Erwähnung zu<lb/>thun, welche die h. Geschichte uns vorführt. Zu-<lb/>nächst begegnet uns Abraham. Da er mitten unter<lb/>einem abgöttischen, sittenverderbten Volke wohnte, so<lb/>war es seine angelegentlichste Sorge, daß sein Sohn<lb/>Isaac nicht aus dessen Töchtern eine Frau erhalte,<lb/>damit er nicht selbst verdorben würde. Daher sendete<lb/>er (1. B. Mos. 24) den obersten seiner zahlreichen<lb/>Untergebenen, den treuen Elieser, daß er hinziehe in<lb/>sein Geburtsland und aus der Zahl der Töchter<lb/>seiner Verwandten, welche gläubig und wohlgesittet<lb/>waren, eine Frau für seinen Sohn herbeiführe. Und<lb/>wie ernst nahm er diese Sache! Mit einem Eide<lb/>mußte Elieser ihm versichern, daß er den Auftrag<lb/>im Sinne seines Herrn ausführen wolle: <q>„Leg deine<lb/>Hand auf's Herz,“</q> sprach er zu ihm, <q>„auf daß ich<lb/>dich beschwöre durch den Herrn, den Gott Himmels<lb/>und der Erde, daß du eine Gattin für meinen Sohn<lb/>holest nicht von den Töchtern der Chananäer, unter<lb/>denen ich wohne, sondern in mein Vaterland und zu<lb/>meiner Verwandtschaft dich begebest und dorther eine<lb/>Gattin nehmest für meinen Sohn Isaac.“</q> Und<lb/>Elieser führte den Auftrag seines Herrn in aller<lb/>Treue aus und führte Bathuels Tochter, die edle<lb/>Rebekka herbei. Gottes Segen ruhete auf dieser Ehe.</p>
							
                     <p>Ohne Zweifel gab es unter den <q>„Töchtern der<lb/>Chanaaniter“</q> auch solche, welche sich durch Reichthum<lb/>
                        <pb facs="images/C889_001_1874_0143"
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0139_0001"/>und Wohlhabenheit, durch Schönheit und andere Vor-<lb/>züge auszeichneten; leicht würde es dem Abraham<lb/>manche Vortheile und Annehmlichkeiten verschafft ha-<lb/>ben, wenn er durch eine eheliche Verbindung seines<lb/>Sohnes zu den Familien des Landes in näheres<lb/>Verhältniß getreten wäre; aber <hi rendition="#w">über</hi> Reichthum und<lb/>Ehre und sonstige Genüge galt ihm die Ehre seines<lb/>Herrn und das <hi rendition="#w">Seelenheil</hi> seines Sohnes; es<lb/>lag ihm über Alles daran, daß sein Sohn eine gottes-<lb/>fürchtige und sittenreine Gattin erhalte.</p>
							
                     <p>Wollte Gott, daß alle Väter in diesem Punkte<lb/>es also hielten! Wie viel glücklicher – für Zeit<lb/>und Ewigkeit – würden dann oft die Ehen ihrer<lb/>Kinder sein!</p>
							
                     <p>
                        <q>„Daß du eine Gattin für meinen Sohn holest<lb/>nicht von den Töchtern der Chanaanäer“</q> – dieses<lb/>Wort Abrahams führt uns insbesondere auf einen<lb/>Punkt, welcher von der größten Bedeutung ist und<lb/>nicht schweigend übergangen werden darf; es betrifft<lb/>die sogenannten <q>„<hi rendition="#w">gemischten Ehen</hi>“</q>. Wir dür-<lb/>fen mit Zuversicht es aussprechen, daß in diesem<lb/>Punkte <hi rendition="#w">jeder wahrhaft christliche Vater es ganz</hi>
                        <lb/>
                        <hi rendition="#w">so halten und machen wird wie Abraham</hi>:<lb/>Es wird sein fester, unerschütterlicher Grundsatz sein,<lb/>daß der Sohn eine <hi rendition="#w">katholische</hi> Gattin, die Tochter<lb/>einen <hi rendition="#w">katholischen</hi> Gatten erhalte und nimmer-<lb/>mehr sich vereheliche mit einer Person, welche sich zu<lb/>einem andern Glauben bekennt. Ja, es ist, sofern<lb/>anders der Vater ein wahrhaft christkatholischer Vater,<lb/>ist und sich mit Herz und Leben zu seinem h. Glau-<lb/>ben und zur h. Kirche bekennt, gradzu unmöglich,<lb/>gleichgültig dagegen zu sein, welchem Glaubensbe-<lb/>kenntnisse die angehören, mit welchen seine Kinder in<lb/>
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0140_0001"/>das eheliche Verhältniß eintreten. Leider gestattet es<lb/>uns der Raum nicht, hier diesen wichtigen Gegen-<lb/>stand ausführlich zu behandeln; wir müssen uns auf<lb/>einige Andeutungen darüber beschränken.</p>
							
                     <p>Gewiß giebt es kein innigeres Verhältniß auf<lb/>Erden, als das Verhältniß zwischen Mann und Frau.<lb/>
                        <q>„Sie werden Zwei in Einem Fleische sein.“</q> Wie<lb/>innig sollen demgemäß auch die Herzen der Eheleute<lb/>vereinigt sein! Wird das möglich sein, wenn in dem<lb/>Höchsten und Innersten des menschlichen Herzens, in<lb/>der religiösen Ueberzeugung und Gesinnung keine<lb/>Einheit, sondern Zwiespältigkeit besteht? Nie wird<lb/>daher auch in einer gemischten Ehe das <hi rendition="#w">volle ehe-</hi>
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                        <hi rendition="#w">liche Glück</hi> zu Stande kommen. Sind die beiden<lb/>Ehetheile gleichgültig gegen Religion und Glauben,<lb/>so wird freilich die Verschiedenheit der Confession an<lb/>sich nicht störend eingreifen; aber <hi rendition="#w">dann</hi> kann <hi rendition="#w">über-</hi>
                        <lb/>
                        <hi rendition="#w">haupt</hi> von einem wahren ehelichen Glücke nicht Rede<lb/>sein; solches kann und wird <hi rendition="#w">auf die Dauer</hi> immer<lb/>nur da stattfinden, wo Religion und Glauben besteht.<lb/>Ist das aber der Fall, so wird die Verschiedenheit<lb/>der Confession bei Eheleuten stets mehr oder weniger<lb/>störend in das eheliche Glück eingreifen. So sehr<lb/>daher auch ein Vater, der sein Kind in eine gemischte<lb/>Ehe eintreten lasset, wegen der etwa dabei vorfind-<lb/>lichen günstigen Umstände das Wohl seines Kindes<lb/>zu fördern scheint, immer ist es – vollends auf die<lb/>Dauer – <hi rendition="#w">nur Schein</hi>. Man macht mit Recht<lb/>aufmerksam auf den Umstand, daß der akatholische<lb/>Ehetheil möglicher Weise früher oder später von<lb/>dem angeblichen Rechte der Ehescheidung Gebrauch<lb/>machend zu einer <hi rendition="#w">andern</hi> Ehe schreitet, was dem<lb/>
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0141_0001"/>katholischen Theile nicht gestattet ist. Muß nicht durch<lb/>einen solchen Schritt der Letztere unglücklich werden?</p>
							
                     <p>Doch das ist nicht das größte Uebel bei gemisch-<lb/>ten Ehen. Bei denselben steht das <hi rendition="#w">Seelenheil</hi> des<lb/>katholischen Theiles, wie auch der Kinder in der be-<lb/>denklichsten Weise auf dem Spiele. Wie leicht mag<lb/>es geschehen, daß der katholische Theil in diesem fort-<lb/>gesetzten, täglichen und dabei so engen Verkehre mit<lb/>dem akatholischen Ehetheile an seiner vollen Gläu-<lb/>bigkeit, an dem ausgeprägt katholischen Geiste nach<lb/>und nach Schaden nehme, sich nach und nach an<lb/>Gleichgültigkeit und Lässigkeit in den Uebungen des<lb/>katholischen Lebens hingebe, zumal, wenn diese von<lb/>der andern Seite ungern gesehen, unzeitig oder gar<lb/>lächerlich gefunden werden! Wer die Armseligkeit<lb/>des menschlichen Herzens und die Schwäche des<lb/>Willens kennt, der kann unmöglich die Gefahr ver-<lb/>kennen, unter solchen Umständen selbst gegen Religion<lb/>und Glauben überhaupt gleichgültig zu werden, ja<lb/>davon abzufallen.</p>
							
                     <p>Und gehen selbst im günstigsten Falle bei solcher<lb/>Ehe dem katholischen Theile nicht alle jene Anregun-<lb/>gen und Förderungen des echt christlichen Lebens ab,<lb/>welche Eheleute, die beide treuen katholischen Sinn<lb/>tragen, in der <hi rendition="#w">Gemeinsamkeit</hi> ihres religiösen<lb/>Lebens so reichlich finden!</p>
							
                     <p>Aber wie bedenklich gestaltet sich erst die Sache,<lb/>wenn man bei solchen gemischten Ehen die Kinder<lb/>in's Auge faßt! Wir machen die Voraussetzung,<lb/>daß beim Antritte einer solchen Ehe die Vereinbarung<lb/>getroffen worden, daß die Kinder sämmtlich katholisch<lb/>werden sollen; – ohne eine solche Vereinbarung ist<lb/>dieselbe von vornherein unbedingt unzulässig und einer<lb/>
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0142_0001"/>Verläugnung des Glaubens gleich, weshalb auch die<lb/>h. Kirche <hi rendition="#w">solche</hi> Ehen von vornherein verboten hat<lb/>und jede Betheiligung an ihrer Schließung entschieden<lb/>ablehnt. Aber bietet jene Vereinbarung, so feierlich<lb/>sie auch geschlossen und so aufrichtig auch die ent-<lb/>sprechende Zusage gewesen sein mag, nun auch wirk-<lb/>lich die Bürgschaft dafür, daß die Kinder zur Zeit<lb/>katholisch erzogen werden? Wie, wenn der protestan-<lb/>tische Theil, vielleicht von Verwandten, von Vorge-<lb/>setzten, oder auf eine sonstige Art beeinflußt, oder<lb/>von selbst seinem Versprechen untreu wird? Solche<lb/>Fälle sind gar nicht so selten. – Oder wenn Ver-<lb/>setzungen in rein protestantische Gegenden führen, wo<lb/>der katholische Theil für sich und Kinder weder einen<lb/>katholischen Geistlichen, noch Kirche, noch Schule fin-<lb/>det? – Oder, es stirbt der katholische Theil vor der<lb/>Zeit; nun sind die armen Kinder dem protestantischen<lb/>Theile gänzlich anheimgegeben; vielleicht schreitet dieser<lb/>noch überdies zu einer zweiten Ehe mit einer pro-<lb/>testantischen Person. Woher sollen nun die Kinder<lb/>– wenn man sie nicht gar nöthigt, protestantisch zu<lb/>werden – eine katholische Erziehung bekommen?</p>
							
                     <p>O wie traurig gestaltet sich meist das Loos der<lb/>Kinder in religiöser Beziehung in solchen gemischten<lb/>Ehen! Was für Kinder oft, welche aus ihnen her-<lb/>vorgehen! Und welche Wucht von Verantwortung<lb/>wälzt sich dadurch auf das Gewissen der Person,<lb/>welche durch ihren Leichtsinn die oft so traurigen<lb/>Folgen solcher Ehen herbeigeführt hat, – und vielleicht<lb/>noch mehr auf das Gewissen der Eltern, welche sol-<lb/>chem Leichtsinn nicht nach Pflicht entgegengetreten sind!</p>
							
                     <p>Aber auch selbst im günstigsten Falle, daß näm-<lb/>lich die katholische Erziehung der Kinder nicht auf<lb/>
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0143_0001"/>Hindernisse stößt, wird dennoch dieselbe kaum je wahr-<lb/>haft und vollkommen gedeihlich von statten gehen.<lb/>Mehr als einmal haben wir es im Vorhergehendem<lb/>betont, daß, sofern die Erziehung in einer dem gött-<lb/>lichen Willen entsprechenden, wahrhaft gedeihlichen<lb/>Weise von statten gehen solle, <hi rendition="#w">Vater und Mutter</hi>
                        <lb/>
                        <hi rendition="#w">vereint</hi> Hand an's Werk legen und <hi rendition="#w">in solcher</hi>
                        <lb/>
                        <hi rendition="#w">Bereinigung</hi> ihre Kinder von früh an durch Wort<lb/>uns Beispiel in das wahre katholische Leben einführen<lb/>müssen. Selbst also unter der Voraussetzung, (welche<lb/>in solchen Ehen leider gar zu oft <hi rendition="#w">nicht</hi> stattfindet)<lb/>daß der katholische Ehetheil von einer entschiedenen<lb/>katholischen Gesinnung beseelt sei, wird von einer<lb/>solchen vollkommen gedeihlichen katholischen Erziehung<lb/>nicht Rede sein können. Das erziehende Element ist<lb/>ja nur zum Theil da; der eine, protestantische Ehe-<lb/>theil setzt seinen Theil in die katholische Erziehung<lb/>
                        <hi rendition="#w">nicht</hi> ein; es bleibt also etwas fehlen.</p>
							
                     <p>Wie viel bleibt insbesondere fehlen, wenn das<lb/>katholisch zu erziehende Kind eine nichtkatholische<lb/>Mutter hat, und also in den Jahren, wo sein ganzes<lb/>Wesen Richtung nimmt, auf deren Einfluß fast allein<lb/>angewiesen ist. Wird <hi rendition="#w">sie</hi>, die Protestantin, ihm jenen<lb/>katholischen Geist und Sinn einhauchen, es in das<lb/>rechte katholische Leben einführen können? Und wenn<lb/>in der Erziehung der Kinder das Beispiel der Eltern<lb/>so fast das Meiste thun muß, welch ein Schaden für<lb/>das Kind, wenn ihm grad in dem wichtigsten Punkte,<lb/>im Glauben und religiösen Leben, das Beispiel we-<lb/>nigstens von der einen Seite fehlt! Welche bedenk-<lb/>liche Eingriffe in die Zuversicht des Glaubens und<lb/>in die religiöse Ueberzeugung des Kindes macht leicht<lb/>fortwährend der Gedanke, daß der Vater oder die<lb/>
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0144_0001"/>Mutter diese Ueberzeugung nicht theilt, und das,<lb/>was dem katholischen Herzen ehrwürdig und theuer<lb/>ist, vielleicht für Wahn und Aberglauben hält.</p>
							
                     <p>O nein, eine entschiedene, allseitige und vollends<lb/>innige katholische Heranbildung des Kindes gehört in<lb/>gemischten Ehen so fast zu den unmöglichen Dingen.<lb/>Und so bleibt dem Kinde vorenthalten, was für das<lb/>Heil seiner Seele von der allergrößten Bedeutung ist.</p>
							
                     <p>Von welcher Seite man daher auch gemischte<lb/>Ehen betrachten möge, so erscheinen sie fast immer<lb/>als ein Uebel; Fälle, wo sie nicht als solche erschei-<lb/>nen, gehören, wenn sie überhaupt denkbar sind, sicher<lb/>zu den allerseltensten.</p>
							
                     <p>Man berufe sich nicht darauf, daß doch die Kirche<lb/>in gewissen Fällen und unter gewissen Bedingungen<lb/>solche Ehen gestatte. Sie <hi rendition="#w">mißbilligt</hi> dieselben<lb/>grundsätzlich <hi rendition="#w">überhaupt</hi>; und wenn sie in einzelnen<lb/>Fällen sie nicht gradzu verhindert und in gewisser<lb/>Hinsicht gestattet, so thut sie es gewissermaßen mit<lb/>schwerem Herzen, nur um <hi rendition="#w">größere</hi> Uebel zu ver-<lb/>hüten; für ein <hi rendition="#w">Uebel</hi> hält sie aber solche Ehen.</p>
							
                     <p>Es liegt ja auch in der Natur der Sache. Oder<lb/>sollte sich wohl eine Person, welche von echt katho-<lb/>lischem Geiste beseelt ist und gute katholische Gesin-<lb/>nung trägt, dazu verstehen, in das eheliche Verhältniß<lb/>einzutreten mit einer Person, welche in dem, was<lb/>ihr als das Höchste gilt, nicht übereinstimmt? O<lb/>nein, das <hi rendition="#w">rechte katholische Herz sträubt</hi> sich<lb/>dagegen. Findet aber eine Person einen solchen An-<lb/>stand dagegen nicht in sich, so ist das leider ein<lb/>Zeichen, daß sie in Betreff ihrer religiösen Gesinnung<lb/>bereits entartet ist. In der gemischten Ehe aber wird<lb/>solche Entartung dann nur noch weiter um sich greifen.</p>
							
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                     <p>Eben daher wird dann auch ein wahrhaft christ-<lb/>licher Vater solche Ehen mißbilligen und nie die<lb/>Hand dazu leihen, daß seine Kinder in dieselben ein-<lb/>gehen, vielmehr es für h. Pflicht halten, um jeden<lb/>Preis dieselben zu verhindern.</p>
						
                  </div>
						
                  <div xml:id="d62092e12865">
							
                     <head rendition="#c">b. Tobias.</head>
							
                     <p>Dem großen Patriarchen Abraham steht schön<lb/>zur Seite der hochehrwürdige Tobias. Als er in<lb/>der assyrischen Gefangenschaft in die Nothwendigkeit<lb/>versetzt war, seinen Sohn, den jüngeren Tobias, aus<lb/>der Obhut des väterlichen Hauses zu entlassen und<lb/>gen Rages im fernen Mederlande zum Gabelus zu<lb/>senden, wie groß war da seine Sorgfalt, für den-<lb/>selben einen zuverlässigen Führer zu schaffen, dem<lb/>er ihn anvertrauen könnte und der ihm rathend und<lb/>schützend zur Seite ginge! <q>„Gehe hin,“</q> sprach er<lb/>zum Sohne, (Buch Tobias 5. Cap.) <q>„suche einen<lb/>
                           <hi rendition="#w">zuverlässigen</hi> Mann, daß er mit dir gehe.“</q>
                        <lb/>Tobias war ein Mann des Gebetes; so betete er<lb/>ohne Zweifel, während der Sohn ging, daß der Herr<lb/>einen guten Führer vermitteln möge. Wir wissen,<lb/>wie der Herr den Engel Raphael entsendete, auf daß<lb/>er dem Sohne seines treuen Dieners ein Führer sei.<lb/>Als derselbe in der Gestalt eines vortrefflichen Jüng-<lb/>lings zu ihm trat, sprach Tobias: <q>„Wirst du mei-<lb/>nen Sohn zu Gabelus in Rages führen können?<lb/>Nach der Rückkehr werde ich deinen Lohn dir geben.“</q>
                        <lb/>Dann entließ er die Abreisenden und sprach: <q>„So<lb/>wandelt nun wohl; und Gott sei auf eurer Reise<lb/>mit euch und sein Engel begleite euch!“</q> Und als<lb/>nach der Abreise die Mutter weinte und klagte, trö-<lb/>stete er sie mit den weissagenden Worten: <q>„Weine<lb/>
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0146_0001"/>nicht; wohlbehalten wird unser Sohn anlangen und<lb/>wohlbehalten zu uns heimkehren und unsere Augen<lb/>werden ihn sehen; denn ich glaube, daß ein Engel<lb/>Gottes ihm das Geleite giebt und Alles wohl ordnen<lb/>werde, was ihn betrifft, so daß er mit Freude zu<lb/>uns zurückkehren wird.“</q> Wir wissen, wie überreich<lb/>diese Hoffnung erfüllt wurde.</p>
							
                     <p>Diese schöne Geschichte zeigt zugleich, wie Gott<lb/>selbst sich der Kinder wahrhaft gottesfürchtiger Eltern,<lb/>denen das Heil ihrer Kinder aufrichtig am Herzen<lb/>liegt und die Ihm dieselben daher in vielem Gebete<lb/>empfehlen, in Gnaden annimmt, besonders, wenn sie<lb/>dieselben von sich entlassen müssen. Der Herr ist<lb/>heut, wie damals, ewig derselbe. Wenn daher ein<lb/>Vater (eine Mutter) da, wo das Kind aus dem<lb/>Hause entlassen werden muß, selbst sorgfältig be-<lb/>mühet ist, für die Sicherstellung desselben nach Kräf-<lb/>ten zu wirken und fernerhin nicht abläßt, dem Herrn<lb/>sein Kind im Gebete zu empfehlen, so wird der Herr<lb/>sich eines solchen Kindes wenn auch nicht so wun-<lb/>derbar, doch nicht weniger gnädig annehmen, wie des<lb/>Tobias. <q>„Er hat Seinen Engeln deinetwegen be-<lb/>fohlen, daß sie auf allen deinen Wegen dich beschützen,<lb/>daß sie auf Händen dich tragen, damit du nicht etwa<lb/>an einem Steine dich verletzest.“</q>
                     </p>
							
                     <p>Indem wir diesen vortrefflichen Vater erwähnen,<lb/>der in allen Beziehungen als das schönste Muster<lb/>eines Mannes und Familienvaters erscheint, (wes-<lb/>halb wir die unter den Büchern der h. Schrift be-<lb/>findliche unaussprechlich anziehende Darstellung seines<lb/>Lebens besonders den Vätern auf's Angelegentlichste<lb/>zur Lesung empfehlen) so können wir es uns nicht<lb/>versagen, das 4. Kapitel dieser seiner Geschichte her-<lb/>
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0147_0001"/>zusetzen. Es enthält jene schönen Ermahnungen,<lb/>welche Tobias seinem Sohne gab, als er glaubte,<lb/>das Ende seines Lebens sei herangekommen: <q>„Höre,<lb/>mein Sohn, die Worte meines Mundes, und lege<lb/>sie wie eine Grundfeste in dein Herz. Wenn Gott<lb/>meine Seele aufgenommen hat, so begrabe meinen<lb/>Leib: und halte deine Mutter in Ehren alle Tage<lb/>deines Lebens: denn du sollst gedenken, was und wie<lb/>große Gefahren sie ausgestanden um deinetwillen in<lb/>ihrem Leibe. Wenn aber auch sie die Zeit ihres<lb/>Lebens vollendet hat, so begrabe sie neben mir. Und<lb/>alle Tage deines Lebens habe Gott in deinem Herzen,<lb/>und hüte dich, je in eine Sünde zu willigen, und<lb/>die Gebote des Herrn unseres Gottes außer Acht zu<lb/>lassen. Gib Almosen von deinem Vermögen, und<lb/>wende von keinem Armen dein Angesicht ab: denn<lb/>also wird geschehen, daß des Herrn Angesicht auch<lb/>von dir nicht abgewandt werde. Wie du es kannst,<lb/>also sei barmherzig. Wenn du viel hast, gib reichlich:<lb/>wenn du wenig hast, suche auch das Wenige gern<lb/>zu geben. Denn einen guten Lohn sammelst du dir<lb/>auf den Tag der Noth; weil das Almosen von jeg-<lb/>licher Sünde und vom Tode erlös't, und die Seele<lb/>in die Finsterniß nicht kommen läßt. Almosen gibt<lb/>großes Vertrauen vor dem höchsten Gott Allen, die<lb/>es geben. Hüte dich, mein Sohn, vor aller Unkeusch-<lb/>heit, begnüge dich mit deinem Weibe, und laß übri-<lb/>gens nie etwas Lasterhaftes von dir hören. Laß die<lb/>Hoffart niemals in deinem Sinne oder in deinen<lb/>Worten herrschen, denn alles Verderben hat in der-<lb/>selben seinen Anfang genommen. Wer dir etwas<lb/>arbeitet, dem gib alsbald seinen Lohn, und laß ja<lb/>deines Taglöhners Lohn nicht bei dir bleiben. Sieh,<lb/>
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0148_0001"/>daß du niemals einem Andern thust, was du nicht<lb/>willst, daß dir von einem Andern widerfahre. Iß<lb/>dein Brod mit den Hungrigen und Dürstigen, und be-<lb/>decke mit deinen Kleidern die Nackenden. Setze dein<lb/>Brod und deinen Wein auf das Begräbniß des Ge-<lb/>rechten, aber iß und trink nicht davon mit den Sün-<lb/>dern. Suche allzeit Rath bei einem Weisen. Lobe<lb/>Gott zu aller Zeit, und bitte ihn, daß er deine Wege<lb/>leite, und daß alle deine Anschläge in ihm verbleiben.</q>
                     </p>
							
                     <p>
                        <q>Fürchte dich nicht, mein Sohn, wir führen zwar<lb/>ein armes Leben, aber wir werden viel Gutes erhalten,<lb/>wenn wir Gott fürchten, und alle Sünden meiden,<lb/>und Gutes thun.“</q>
                     </p>
						
                  </div>
					
               </div>
					
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                  <head rendition="#c">Ein Vater aus dem Münsterlande.</head>
						
                  <p>Im ersten Jahrgange des Missionsblattes (1852)<lb/>wurde eine Reihe interessanter Mittheilungen gebracht<lb/>unter dem Titel: <q>„Der rothe Bauer.“</q> Gegenstand<lb/>derselben war ein durch und durch vortrefflicher<lb/>Bauersmann im Münsterlande, dem der rothe Rock,<lb/>womit er an den hohen Festen des Jahres nach alter<lb/>Landessitte in der Stadt und in der Kirche erschien,<lb/>bei der jüngeren Generation den Titel <q>„der rothe<lb/>Bauer“</q> eingebracht hatte. Hören wir von dem vielen<lb/>Schönen und Guten, was in den oben genannten<lb/>Mittheilungen der Sohn desselben, ein Geistlicher,<lb/>von seinem vortrefflichen Vater erzählt, hier das, was<lb/>über ihn als <hi rendition="#w">Vater</hi> gesagt wurde.</p>
						
                  <p>
                     <q>„Er war ein guter Pädagog (Erzieher), obschon<lb/>er nur seinem gesunden Menschenverstande folgte und<lb/>niemals in seinem Leben pädagogische Schriften ge-<lb/>lesen hatte.</q> Ich besaß ein sehr aufgeregtes Tempera-<lb/>ment, ließ mich von jeder Gemüthsaffektion leiten und<lb/>hinreißen. Mein Vater aber verstand es, meiner<lb/>Lebhaftigkeit einen Zaum anzulegen und mich durch<lb/>verschiedene Verdemüthigungen zu besänftigen. Wenn<lb/>ich mit einem Knechte oder einem von meinen drei<lb/>Brüdern im Streite lag, so mußte ich zuerst die Hand<lb/>der Versöhnung anbieten, wenn ich mich nicht seinem<lb/>Unwillen, den ich über Alles fürchtete, aussetzen wollte.<lb/>War ich unwillig über irgend etwas und wollte ich<lb/>dann weder essen noch reden, so hatten alle Unsrigen<lb/>den strengen Befehl, sich darum nichts zu kümmern.<lb/>Keiner durfte fragen, was mir fehle; keiner durfte mich<lb/>
                     <pb facs="images/C889_001_1874_0154"
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                         xml:id="C889V3_001_1874_pb0150_0001"/>zum Essen anhalten, sondern man mußte mich ganz<lb/>ruhig gewähren lassen und sich durchaus nicht um mich<lb/>kümmern. Gerade dies aber war für mich eine uner-<lb/>trägliche Strafe und gar bald fing ich es dann zu be-<lb/>reuen an, mich böse und unzufrieden gezeigt zu haben.</p>
						
                  <p>Körperliche Züchtigung brachte er fast nie zur<lb/>Anwendung; er strafte mich so viel möglich, durch<lb/>mich selbst, indem er z.B. denselben Fehler mir ge-<lb/>genüber äußerte, wodurch ich ihn beleidiget hatte. Einst<lb/>saß ich, am Feuer, als er vom Felde heimkam; man<lb/>hatte grad zum ersten Male ein Fohlen vorgespannt,<lb/>um es zu gewöhnen. Mein Vater meinte, ich würde<lb/>große Lust haben, die Bezähmung des muthigen Thie-<lb/>res anzusehen, und daher lud er mich ein, mit ihm<lb/>hinzugehen. Ich aber war übler Laune, weil unsere<lb/>Mutter mir nur ein sehr kleines Stück Weißbrod<lb/>zum Butterbrod gegeben hatte. Ich antwortete also,<lb/>ich hätte sehr wenig Lust zum Ausgehen und zöge<lb/>vor, am Heerde sitzen zu bleiben. Der Vater merkte<lb/>meinen Eigensinn und erwiederte: <q>„Wenn du keine<lb/>Lust hast, mich zu begleiten, so bleibe ja daheim!“</q>
                     <lb/>Nachdem ich am Morgen, bald nachdem der Vater wie-<lb/>der zum Acker gegangen war, für mein Zurückbleiben<lb/>beim Feuer dadurch bestraft war, daß mir aus dem<lb/>am Feuer stehenden Kessel heißes Wasser auf die Füße<lb/>gerieth, wollte ich am Nachmittage gerne hinaus, und<lb/>ich bat den Vater, der in der Küche mit dem Rei-<lb/>nigen des Saatkorns beschäftigt war, er möchte mit<lb/>mir zum Garten gehen, um von dem hohen Birn-<lb/>baume einige Birnen herunter zu werfen. Er aber<lb/>sprach: <q>„Ich könnte freilich noch wohl so viel Zeit<lb/>erübrigen. Indeß habe ich gerade gar keine Lust, hin-<lb/>auszugehen, wie du diesen Morgen auch mich nicht<lb/>
                        <pb facs="images/C889_001_1874_0155"
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0151_0001"/>begleiten wolltest.“</q> So machte er mir den Eigen-<lb/>sinn recht verächtlich.</p>
						
                  <p>Ein anderes Mal war ich auf der Diele in un-<lb/>serer Kornscheuer recht lustig am Spielen. Da kam<lb/>der Vater mit den Schlüsseln, um die großen Flügel-<lb/>thüren wieder zu verschließen. Ich aber wollte noch<lb/>nicht hinaus und bat mit Thränen, er möge wieder<lb/>zurückgehen und mich noch nicht in meinem Spiele<lb/>stören. Er aber legte mir die Gründe vor, warum<lb/>er gerade jetzt die Thüren verschließen wolle, und lud<lb/>mich nochmals ein, herauszukommen. Die Gründe<lb/>wollte ich jedoch nicht respektiren und wiederholte mein<lb/>Geschrei. Was that er? Er machte die Thüren wacker<lb/>zu und ließ mich bis Abend ohne Speise und Trank<lb/>sitzen. Das war mir anfangs nicht unangenehm und ich<lb/>setzte mein Spiel fort. Aber nach einer Stunde, als<lb/>man die kleine Glocke auf dem Dache des Wohnhauses<lb/>zum Vesperbrode zog und mich auch das Brausen<lb/>des Windes schreckte, wurde ich sehr unruhig und ver-<lb/>suchte, hinauszukommen. Aber trotz aller Kraft-An-<lb/>strengung konnte ich die schweren Thüren kaum in<lb/>Bewegung setzen, geschweige öffnen; mein Weinen<lb/>verscheuchte blos eine große Eule, die mit lautem<lb/>Geschrei unter den Dachziegeln davon flog; kein<lb/>Mensch kümmerte sich um den kleinen Gefangenen.<lb/>Schon neigte sich der Tag und noch kein Retter er-<lb/>schien. Meine Reue aus Angst und Schrecken erreichte<lb/>den höchsten Grad. Da lernte ich das erste Mal in<lb/>meinem Leben recht herzlich zu beten. Ich legte<lb/>mich auf meine Knie und rezitirte alle Gebete, die<lb/>ich konnte. Endlich erschien der Vater und öffnete<lb/>die Thüre. Er schwieg, während ich ihm versprach,<lb/>nie wieder seinem Willen entgegen sein zu wollen.</p>
						
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                  <p>Es war überhaupt seine Weise, selten zu tadeln und<lb/>selten positive Strafen und Züchtigungen anzuwen-<lb/>den; er strafte mich durch mich selbst. In den langen<lb/>Winterabenden hielt er mit uns eine Art Abendschule,<lb/>welche auch die jüngern Dienstboten besuchten. Ein-<lb/>mal zeigte ich keine Lust, auf die Stube zu gehen,<lb/>um da zu lernen, und erklärte offen, ich zöge vor,<lb/>bei den Knechten auf der Diele zu bleiben, wo ich<lb/>Rüben für das Vieh zerschneiden half. Meine beiden<lb/>Schwestern aber folgten mit großem Vergnügen dem<lb/>Vater. Nach einer Weile hörte ich auf der Stube<lb/>singen. Der Vater lehrte das Lied: <q>„Prinz Euge-<lb/>nius, der edle Ritter etc.“</q> Nun warf ich mein Messer<lb/>bei Seite, griff zu meinem Schreibzeuge und wollte<lb/>hinauf. Aber ich fand die Thüre verschlossen und<lb/>konnte an der lauten Freude der Uebrigen nicht Theil<lb/>nehmen. Traurig nahm ich Platz auf der Stuben-<lb/>treppe und bereuete meinen Fehler. Als aber endlich<lb/>die Andern herunterkamen und mir ihr schönes Bil-<lb/>derbuch zeigten, welches der Vater am Nachmittage<lb/>aus der Stadt mitgebracht und ihnen für ihre Lust<lb/>am Lernen geschenkt hatte, da hätte ich vor Reue ver-<lb/>gehen mögen. So war mein Eigenwille ohne Stock<lb/>und Ruthe abermals hart bestraft.</p>
						
                  <p>Wie er meine Fehler nicht ungeahndet ließ, so<lb/>verstand er es auch, mich angemessen zu belohnen,<lb/>wenn ich es verdient hatte. Hatte ich mich mehrere<lb/>Tage hindurch durch Folgsamkeit und Fleiß ausge-<lb/>zeichnet, so wurde ich, und zwar ohne daß er es mir<lb/>sagte, wofür ich den Lohn empfing, von ihm beson-<lb/>ders mit Aufmerksamkeit und Freundlichkeit behandelt.<lb/>Das war uns überhaupt die süßeste Belohnung, zu<lb/>wissen, daß der Vater mit uns zufrieden sei und an<lb/>
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                         xml:id="C889V3_001_1874_pb0153_0001"/>uns Freude habe. In den Mittagsstunden oder am<lb/>Abende machte er uns mit großer Geschicklichkeit<lb/>allerlei Spielsachen. Bald verfertigte er uns einen<lb/>kleinen Karren oder Wagen und Geschirr, um den<lb/>kräftigen Hund davor spannen zu können; bald zog<lb/>er uns Saiten über einen Holzschuh, um darauf<lb/>Violine spielen zu können. Meinen Schwestern machte<lb/>er Nähkistchen, Nadelköcher und Wiegen für ihre<lb/>Puppen. Während der Arbeit hielten wir uns dann<lb/>zu ihm und hielten die Bretter zum Sägen oder<lb/>Bohren fest, oder wir gaben auch unser Votum (Gut-<lb/>achten) über die zweckmäßige Einrichtung der Spiel-<lb/>sachen ab. Dabei gab er uns mit der größten Freund-<lb/>lichkeit und Bereitwilligkeit auf unsere unzähligen<lb/>Fragen Antwort.</p>
						
                  <p>Hatten wir alle drei seine Aufmerksamkeit verdient,<lb/>so durften wir auch alle drei bei der Anfertigung<lb/>der Spielsachen und Geräthschaften zugegen sein.<lb/>Wer aber seine Unzufriedenheit sich zugezogen hatte,<lb/>der erhielt den Befehl, zurück zu bleiben und anderswo<lb/>eine Arbeit zu verrichten. Wenn wir uns aber alle<lb/>drei irgendwie verfehlt hatten, so ruhete gleich die zu<lb/>unserm Vergnügen angefangene Arbeit; er that dann<lb/>sehr kalt gegen uns, würdigte uns kaum eines Blickes<lb/>und er schien dann sich um uns gar nicht zu be-<lb/>kümmern. Es schwebt mir jetzt nach dreißig Jahren<lb/>noch sehr lebhaft vor der Seele, wie glücklich wir<lb/>uns fühlten, wenn wir seiner Zufriedenheit uns er-<lb/>freueten, wie wehe es uns aber that, wenn er uns<lb/>wegen eines Fehlers aus dem Herzen gestoßen zu<lb/>haben schien.</p>
						
                  <p>Von unsern Leistungen in der Schule mußten wir<lb/>jeden Sonntag Nachmittag durch Vorzeigen unserer<lb/>
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                         n="154"
                         xml:id="C889V3_001_1874_pb0154_0001"/>Hefte Rechnung ablegen. Erschienen Lehrer und<lb/>Lehrerinnen zum Besuche auf unserm Hofe, so muß-<lb/>ten wir ihnen mit großer Freundlichkeit entgegen<lb/>gehen und sie ehrerbietig einholen und gleich mit auf<lb/>die Stube gehen, wo ein recht strenges Examen über<lb/>Sitten und Leistungen abgehalten wurde. Erst dar-<lb/>nach durften wir uns entfernen. Eben weil unsere<lb/>Eltern eine große Liebe und Achtung gegen Lehrer<lb/>und Lehrerinnen bewiesen, erschienen diese uns doppelt<lb/>ehrwürdig.</p>
						
                  <p>Als ich später auf dem Gymnasium studirte, setzte<lb/>der Vater dieselbe strenge Controle fort. Wenn ich<lb/>in den Ferien zu Hause kam, wurde mir, ehe mir<lb/>ein Stuhl angeboten und mein Gepäck abgenommen<lb/>wurde, die Frage gestellt: Nun, wo ist dein Paß?<lb/>Laß sehen, wie es auf demselben aussieht? Ich zog<lb/>dann die Censur (d. i. Zeugniß) hervor, die er mit<lb/>großem Ernste musterte und mit der vorhergehenden,<lb/>von der er sich die Abschrift aufbewahrt hatte, ver-<lb/>glich. Waren die Prädikate zu seiner Zufriedenheit,<lb/>so war er ungemein froh und aufgeräumt. Einmal<lb/>kam ich mit schwerem Herzen heim, weil die Censur<lb/>also anfing: <q>„Betragen: gut; der Schüler ist aber<lb/>einmal wegen eines Vergehens bestraft.“</q> Mit zit-<lb/>ternder Hand reichte ich sie meinem strengen Richter<lb/>dar; denn ich fürchtete, wieder zurückgewiesen zu wer-<lb/>den. Glücklicher Weise aber verlas er sich; er las<lb/>statt <q>„Vergehens“</q> Versehens, in welchem Worte er<lb/>eine Entschuldigung für den begangenen Fehler zu<lb/>finden glaubte, und daher kam ich noch ziemlich glück-<lb/>lich davon. – Meine Lehrer hatten mir längst meine<lb/>Ehrfurcht vor meinem Vater abgemerkt, und wußten<lb/>dieselbe sehr gut zu meinem Wohle dadurch zu be-<lb/>
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                         xml:id="C889V3_001_1874_pb0155_0001"/>nutzen, daß sie mir mit Anzeigen droheten, wenn ich<lb/>im Fleiß nachließe oder sonst einen Fehler beging.<lb/>Alle andern Strafen waren mir in Vergleich mit<lb/>dieser Drohung gar nicht empfindlich. Auch nach<lb/>dem Tode meines Vaters hielt mich diese Ehrfurcht<lb/>oft aufrecht in Gefahren zur Sünde, indem ich be-<lb/>dachte, daß mein Vater im Himmel um mein Be-<lb/>tragen wisse.</p>
						
                  <p>Des Vaters liebste Erholung war das Spiel mit<lb/>uns Kindern in den Mittags- und Abendstunden.<lb/>Nürnberger Spielsachen waren uns unbekannt, aber<lb/>wir hatten so gut unser hölzernes Pferd, unsern<lb/>Wagen, unser Schaukelkissen, unsern Bogen, unsern<lb/>Schmetterlingsfänger, als die Stadtkinder. In der<lb/>Anfertigung und Gebrauchs-Anweisung dieser Dinge<lb/>bestand für ihn eine süße Erholung. An allen Sonn-<lb/>tag-Nachmittagen, wenn das Wetter günstig war,<lb/>gingen wir mit ihm und der Mutter spazieren durch<lb/>den Busch und die Kornfelder. Das nannten wir<lb/>
                     <hi rendition="#w">Rundgehen</hi>. Wie unser mit rothem Halsband ge-<lb/>ziertes Küchenhündchen schwebten wir leichten Schrit-<lb/>tes hin und wieder, während unsere Eltern bedacht-<lb/>sam uns folgten und ihre Freude daran hatten,<lb/>unsere tausend Fragen zu beantworten. Dann wur-<lb/>den wir aufmerksam gemacht, nicht bloß auf Blumen<lb/>und Vögel zu achten, sondern auch Gottes Güte und<lb/>Liebe in den wogenden Saaten zu betrachten. Vater,<lb/>fragte ich einst beim Spaziergange, warum läßt der<lb/>liebe Gott doch den Halm so dünn, daß er kaum die<lb/>schwere Aehre tragen kann? Er antwortete: Siehst<lb/>du da nicht das Vögelchen? Siehe nur, es will<lb/>aus der Aehre Körner picken, aber wenn es sich an<lb/>dem Halme halten will, geht dieser nach unten und<lb/>
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                         xml:id="C889V3_001_1874_pb0156_0001"/>seine Schadlust wird vereitelt. Ja, ja, nun sehe ich<lb/>es, daß Gott es weise eingerichtet hat. Der Boh-<lb/>nenstrauch aber darf dicker sein, weil die Vögel diese<lb/>Frucht nicht verschlucken können, erwiederte ich.</p>
						
                  <p>In ähnlicher Weise lernte ich von ihm, Gottes<lb/>Weisheit an den Knoten des Halmes, an der Be-<lb/>deckung der Körner in den Aehren und an tausend<lb/>andern Beispielen der Natur bewundern. Das machte<lb/>mir sichtbare Freude, die er mir durch folgendes Ge-<lb/>spräch recht zum Bewußtsein brachte. Sag mir, mein<lb/>Kind, sprach er, warum bist du so froh? Ich ant-<lb/>wortete: <q>„Es ist ja so schönes Wetter, deß freuen sich<lb/>die Vögelein, und ich sollte nicht froh sein? Wir<lb/>werden eine gute Ernte und zu essen haben und auch<lb/>den Armen mittheilen können. Darauf freue ich mich<lb/>schon jetzt. An jeder Blume, an jedem Halme, an<lb/>jeder Aehre glänzet die Güte und Weisheit Gottes,<lb/>wie du mich lehrtest. Das zu wissen, macht mir<lb/>Freude. – Vater, wenn's hier schon so schön ist,<lb/>wie viel schöner muß es im Himmel sein!“</q>
                  </p>
						
                  <p>Als wir unter solchen Gesprächen an das Ende<lb/>des Kampes (eingehägtes Ackerstück) gekommen waren,<lb/>wo ein dicker Baumstamm lag, setzten wir uns da-<lb/>rauf und Vater lehrte mich das Gebet: <q>„Dir dienen,<lb/>Gott, ist Seligkeit. – So leben, wie es dir gefällt,<lb/>– Bringt größere Zufriedenheit, – Als alles Geld<lb/>und Gut der Welt!“</q>
                  </p>
						
                  <p>War nachher, nachdem die übliche Hausandacht<lb/>vollendet war, noch Zeit und Muße übrig, so wurde<lb/>auf dem Hofe ein allgemeines Spiel, woran Groß<lb/>und Klein Theil nahm, gewöhnlich Ballspiel, ange-<lb/>ordnet. Auf des Vaters Commando: <q>„Genug für<lb/>heute!“</q> hatte Alles ein Ende.</p>
						
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                  <p>Den vergnügtesten Abend brachte uns der Oster-<lb/>tag mit seinem Osterfeuer. Das Holz, Dornen und<lb/>Stroh wurde in den Zwischenstunden der letzten vier-<lb/>zehn Tage mit großem Fleiß und Eifer zusammen-<lb/>getragen und hoch aufgethürmt, damit man nach des<lb/>Vaters willen am Ostersonntage keine Arbeit mehr<lb/>damit habe. Sobald dann am Festtage die Oster-<lb/>eier verzehrt waren, brachen wir auf. Der Vater<lb/>nahm Gebet- und Gesangbuch, ich gewöhnlich den<lb/>Holzschuh mit Feuer, der Baumeister die Forke, der<lb/>Dieljunge kam gewöhnlich schwitzend mit einer aus-<lb/>gerissenen Bohnenstange nachgetrabt. Der wollte<lb/>auch das Seinige beitragen, daß unser Feuer recht<lb/>hoch brenne und seine Genossen an den nachfolgen-<lb/>den Tagen auf dem Schulwege darüber nicht spotten<lb/>könnten. Sobald die knisternde Flamme aufloderte,<lb/>ordnete der Vater die Kreisprozession an; er selbst<lb/>ging vorauf und stimmte das Lied: <q>„Christus ist auf-<lb/>erstanden“</q> an und sonstige allgemein bekannte Oster-<lb/>lieder. Du hättest diese Feier mitmachen müssen,<lb/>lieber Leser! um dir eine Vorstellung von unserer<lb/>Freude und Erbauung machen zu können. Ich darf<lb/>versichern, daß ich später noch nie Ostern erlebt habe,<lb/>ohne recht lebhaft an diese Osterfreuden meiner Ju-<lb/>gend zurückzudenken und zu wünschen, noch einmal<lb/>wieder daran Theil nehmen zu können.</p>
						
                  <p>
                     <q>So sehr übrigens der Vater für angemessene Er-<lb/>holungen und Vergnügungen war, da er wohl wußte,<lb/>daß der Mensch ihrer bedürfte, und so sehr er daher<lb/>auch darauf bedacht war und es verstand, den Sei-<lb/>nigen auf die schönste Weise Erholungen und Er-<lb/>heiterungen zu bereiten, so war er doch nie ein Freund<lb/>von gewissen Lustbarkeiten, wie sie zur Zeit auf<lb/>
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0158_0001"/>Tanzböden, bei Hochzeiten oder in den Fastnachts-<lb/>tagen im Schwunge waren. Dennoch, obwohl er<lb/>der Ansicht war, daß auch die besten Tanzlustbarkei-<lb/>ten nicht viel taugen, trat er nicht unbesonnen und<lb/>heftig dagegen auf; vielmehr suchte er zuvor, so viel<lb/>an ihm war, die größte Gefahr derselben zu heben,<lb/>um nach und nach ganz abzubrechen.“</q>
                  </p>
						
                  <p>Hören wir schließlich, wie es mit dem religiösen<lb/>Leben des vortrefflichen Vaters stand. Also berichtet<lb/>der priesterliche Sohn:</p>
						
                  <p>
                     <q>„In seiner Schlafstube stand ein weiß gescheuerter<lb/>Tisch mit einem großen Crucifixe, das er selbst aus<lb/>Kevelaer mitgebracht hatte. Ein Kniebänkchen oder Bet-<lb/>schemel stand nicht vor dem Tische, sondern er warf<lb/>sich mit den Knieen auf den steinernen Fußboden. Hier<lb/>betete er jeden Abend mit müden Gliedern, nachdem<lb/>er schon zuvor mit der ganzen Haushaltung das all-<lb/>gemeine Abendgebet in der Küche verrichtet hatte,<lb/>wenigstens eine starke Viertelstunde. Was seine Für-<lb/>bitte für Andere betrifft, so verdient bemerkt zu wer-<lb/>den, daß er immer ein besonderes Gebet für unsere<lb/>Gemeinde sprach, die ihm so sehr am Herzen lag.<lb/>Im Uebrigen war seine Betweise, wie er selbst, ganz<lb/>natürlich und ungekünstelt, und er war dabei so in<lb/>Andacht versunken, daß ihn dabei nichts stören konnte.<lb/>Seine Schlafstube hatte er mit den Bildern geziert,<lb/>die er zum Andenken von frühern Pfarrgeistlichen<lb/>erhalten hatte; jeder der fünf Pfarrer, welche er über-<lb/>lebte, hatte ihm einen werthvollen Kupferstich zum<lb/>Andenken gegeben. Auch daneben ein Weihwasser-<lb/>beckchen fehlte nicht; zwei sehr alte, vielgebrauchte,<lb/>aber gut erhaltene Rosenkränze, von denen er be-<lb/>hauptete, sie seien gegen hundert Jahre alt.</q>
                  </p>
						
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                  <p>An allen Vier-Hochzeiten wie auch an den da-<lb/>zwischen fallenden Muttergottesfesten ging er zu den<lb/>h. Sakramenten, so daß er es nie über sechs Wochen<lb/>kommen ließ. Dazu bereitete er sich nicht allein durch<lb/>
                     <hi rendition="#w">Gebet</hi> recht ernstlich vor, sondern er hatte die Ge-<lb/>wohnheit, dann jedesmal ein besonderes, recht reich-<lb/>liches Almosen an eine dürftige Familie auszutheilen<lb/>oder auch dem Pfarrer zur Austheilung einzuhän-<lb/>digen. Wallfahrten machte er jährlich zwei, die eine<lb/>nach dem h. Kreuze in Coesfeld, die andere nach Keve-<lb/>laer. Leuten, die auf Wallfahrten nicht halten, pflegte<lb/>er zu sagen: <q>„Ich bin ganz deiner Meinung, daß<lb/>man sich auch hier sehr wohl beten könnte, aber,<lb/>wenn man hier bleibt, <hi rendition="#w">geschieht</hi> es nicht! In mei-<lb/>ner Jugend habe ich Andern auch wohl das dumme<lb/>Sprichwort nachgesprochen: Menschen, die hier nicht<lb/>arbeiten wollen, gehen nach Holland zur Arbeit, und<lb/>Leute, die hier nicht beten wollen, gehen nach Keve-<lb/>laer zum Gebete. Als ich aber nur einmal an die-<lb/>sem Gnadenorte gewesen war, schämte ich mich, so<lb/>beschränkt gewesen zu sein, gegen eine so h. Uebung<lb/>je ein Wort gesprochen zu haben.“</q> – Daß in neuerer<lb/>Zeit die Gläubigen wieder Geschmack und Lust an<lb/>dieser Religionsübung zeigten, war ihm eine ganz<lb/>besondere Freude, und er wußte sehr wohl die Quelle<lb/>dieser erfreulichen Erscheinung aufzufinden, da er, so<lb/>oft darauf die Rede kam, sagte: <q>„Clemens August<lb/>hat uns wieder wach gemacht!“</q>
                     <note place="bottom" anchored="true" n="*)">
                        <p>Interessant ist, daß unser Ehrenmann ein eben so<lb/>tüchtiger Ackerwirth, als brav und fromm war und da-<lb/>durch jenen Einwand zu Schanden machte, den Manche<lb/>so gern geltend machen, als ob sich mit wahrer Fröm-<lb/>migkeit Tüchtigkeit und Eifer für's Geschäft weniger ver-<lb/>trage. So sehr er nämlich in Beziehung auf Mode und<lb/>manche sonstige Dinge ein Freund des Alten war, so hul-<lb/>digte er dennoch in der Ackerwirthschaft so sehr dem Fort-<lb/>schritte, daß er nichts unversucht ließ, was der ökonomische<lb/>Verein, dessen Mitglied er war, und ein in der Nachbar-<lb/>schaft wohnender, einsichtiger Oekonom empfahl und jede<lb/>Woche einmal den Vorlesungen des Letztern beiwohnte.<lb/>Ueber Manches, was er auf solche Art versuchte und ein-<lb/>führte, schüttelte Mancher den Kopf, um es bald ihm nach-<lb/>zumachen.</p>
							
                        <p>Hören wir schließlich noch etwas über sein Ende. Als<lb/>er sein Testament gemacht hatte und seine Hand ihm den<lb/>Dienst zur Unterschrift versagte, sprach er: <q>„Kinder, es ist<lb/>vorbei; noch einige Tage, und ihr tragt mich hinaus;<lb/>betet für meine arme Seele.“</q> Dann machte er das heil.<lb/>Kreuzzeichen und ließ jedes seiner Kinder vor sich kommen,<lb/>ihnen ein heilsames Wort zu sagen. Zu seinem Sohne,<lb/>der sich zum geistlichen Stande vorbereitete (Schreiber des<lb/>Obigen), sprach er unter Anderm: <q>„Sohn, strebe deinem<lb/>frei gewählten Berufe nach; ehre deine Mutter und rathe<lb/>deinen Schwestern.“</q> – Am Beerdigungsmorgen sprach der<lb/>Pfarrer in seiner Leichenrede: <q>„Wir stehen am Grabe eines<lb/>Ehrenmannes, den ich selbst als einen Vater geliebt habe;<lb/>treu haltend an guter alter Sitte gewann er durch das<lb/>Beispiel der Tugend, der Genügsamkeit und Mäßigkeit, der<lb/>Gerechtigkeit und Reinigkeit rings Ansehen und Ehre. Ich<lb/>möchte wünschen, so sicher, wie er, die ewige Krone er-<lb/>warten zu dürfen. Keiner steht hier am Grabe, der den<lb/>Verstorbenen nicht geachtet hätte; die Meisten sind ihm zu<lb/>großem Danke verpflichtet.“</q>
                        </p>
                     </note>
                  </p>
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               </div>
					
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               <div xml:id="d62092e14094">
						
						
                  <head rendition="#c">Der Vater in seinem Gebete.</head>
						
                  <p>Unmöglich können wir unsere Erörterungen für<lb/>den <q>„christlichen Vater“</q> schließen, ohne der Gebets-<lb/>thätigkeit, welche der Vaterberuf mit sich führt, Er-<lb/>wähnung zu thun; sie darf, ja sie <hi rendition="#w">kann</hi> in der Reihe<lb/>der Bestrebungen, welche dem Vaterberufe entsprechen,<lb/>nicht fehlen; der Vater darf eben nur ein wahrhaft<lb/>christlicher Vater sein, um durch seinen väterlichen<lb/>Beruf zum Gebete angeregt zu werden.<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
					
                        <p>Väter, wie es deren vor etlichen Jahrzehnten einen<lb/>in Belgien gab, haben wir ja unter unsern Lesern nicht<lb/>vorauszusetzen. Derselbe hatte einen Sohn und mit ihm<lb/>viel Verdruß. Der Bube that zu Haus kein Gut, und<lb/>außer dem Hause in allerhand Erziehungsanstalten auch<lb/>nicht; er wurde nach kurzer Zeit überall davongejagt. So<lb/>kam er denn eines schönen Tages wieder als Entlassener<lb/>zum Vater zurück. Der Vater schlägt die Hände zusam-<lb/>men und jammert und gebärdet sich gegen den wilden<lb/>Buben, als wollte er ihm sein letztes Stündlein ankünden.<lb/>Was soll er jetzt mit ihm anfangen? Er klagt seine Va-<lb/>ternoth nach rechts und nach links, bis ihm endlich Je-<lb/>mand den Rath gibt, er soll es versuchen, den Wildfang<lb/>in die Erziehungsanstalt da und da hinzugeben, es seien dort<lb/>Jesuiten, und man höre viel Gutes von dieser Erziehung.<lb/>In der verzweifelten Lage nimmt er den Rath an, obwohl<lb/>er kein Freund der Jesuiten war. Er führt also den Jun-<lb/>gen zum geistlichen Vorstande der Anstalt, klagt ihm sei-<lb/>nen Kummer, erzählt ihm die Bubenstreiche des Söhnleins,<lb/>und er bitte also, er möge es doch in die Anstalt aufneh-<lb/>men, er habe von derselben so viel Rühmliches gehört,<lb/>daß er vertraue, man werde auch seinen Sohn noch zu-<lb/>rechtbringen. Weil das Kind noch nicht zu alt war, meinte<lb/>der Vorstand, man solle die Hoffnung nicht aufgeben, in-<lb/>dessen möge der Vater nur recht einträchtig mit den Vor-<lb/>gesetzten vorwärtsgehen, und soll inzwischen für das arme<lb/>Kind recht fleißig beten. Kaum war das Wort: <q>„<hi rendition="#w">Beten</hi>“</q>
                           <lb/>über die Lippen des Rectors, als sich über das Angesicht<lb/>des Vaters ein Zug ausbreitete, als hätte er bittere Man-<lb/>deln zwischen den Zähnen. So öffnet er den Mund und<lb/>spricht: <q>„Ich muß Ihnen schon sagen, Herr Rector, daß<lb/>ich dringend wünsche, und es zur Bedingung mache, daß<lb/>Sie meinen Sohn mit allen religiösen Sachen verschonen.<lb/>Es ist mein Entschluß, ihm in dieser Beziehung keine Rich-<lb/>tung zu geben; ist er alt genug, mag er sich nach eigener<lb/>Ueberzeugung selbst den rechten Weg einschlagen.“</q> Jetzt<lb/>war es an dem Herrn Rector, sein Gesicht bis zum Aus-<lb/>druck der Verwunderung aufzuspannen und zu sagen: <q>„Mein<lb/>Herr! da bitte ich, ihren Sohn nur wieder mit sich nach<lb/>Haus zu nehmen; unter dieser Bedingung erklären wir<lb/>uns für unfähig, an Ihrem Sohne was Gutes zu erzie-<lb/>hen; denn offen gesprochen, wenn wir, wie Sie sagen,<lb/>einige glückliche Erfolge in der Anstalt erzielt haben, ist<lb/>es nur gelungen, weil wir uns bemühten, unsern Zög-<lb/>lingen wahres Christenthum ins Herz zu pflanzen.“</q>
                        </p>
                     </note>
                  </p>
						
                  <pb facs="images/C889_001_1874_0166"
                      n="162"
                      xml:id="C889V3_001_1874_pb0162_0001"/>
						
                  <p>Dürfen wir nun die Voraussetzung machen, daß<lb/>unserm oben ausgesprochenen Wunsche gemäß unser<lb/>Büchlein <q>„die christliche Mutter“</q> auch von den Vä-<lb/>tern werde gelesen werde, so könnten wir hier einfach<lb/>darauf verweisen, was dort über diesen Punkt gesagt<lb/>ist (die christliche Mutter im Gebete S. 116); denn<lb/>ganz dasselbe gilt im Wesentlichen auch für den Vater.<lb/>Aber da diese Voraussetzung leicht nicht <hi rendition="#w">allgemeine</hi>
                     <lb/>Erfüllung findet und es doch so wichtig ist, daß auch<lb/>die Väter diesen Punkt beherzigen, so glaubten wir<lb/>es nicht unterlassen zu dürfen, auch hier, wenn auch<lb/>nur in aller Kürze, ein Wort darüber zu sagen.</p>
						
                  <p>Wer die Aufgabe des väterlichen Berufes nur<lb/>halbwegs zu würdigen versteht, der wird gestehen, daß<lb/>sie eine schwere sei und ohne einen besondern Bei-<lb/>stand von oben nicht zu lösen sei. Dieses Beistandes<lb/>bedarf's für den Vater, damit er es verstehe, seine<lb/>Kinder gut zu erziehen, für die Kinder aber, damit<lb/>das, was er an ihnen thut, Erfolg habe und fruchte.<lb/>
                     <pb facs="images/C889_001_1874_0167"
                         n="163"
                         xml:id="C889V3_001_1874_pb0163_0001"/>Solcher Beistand aber von oben muß erflehet werden;<lb/>
                     <hi rendition="#w">der Vater muß beten</hi>.</p>
						
                  <p>
                     <hi rendition="#w">Er muß beten für sich</hi>, daß der Herr ihm<lb/>beistehe, um seinen Kindern ein guter Vater zu sein.<lb/>Wie nachdrücklich legt's dem Vater sein Vaterberuf<lb/>an's Herz, zum Herrn zu flehen um die Gnade<lb/>eines wahrhaft christlichen Lebens, um die Gnade,<lb/>diese oder jene Sünde zu meiden, um die Gnade, seine<lb/>christlichen Pflichten zu erfüllen, da ja das alles eine<lb/>nothwendige Vorbedingung für das Gelingen der Er-<lb/>ziehung ist! Dann hat auch er, wie die Mutter,<lb/>Gott zu bitten um die rechte Einsicht, um die Gabe<lb/>des Rathes, damit er in den oft schwierigen Fällen,<lb/>welche im Werke der Erziehung begegnen, das Rechte<lb/>treffe und insbesondere erkenne, wie er jedes seiner<lb/>Kinder nach der besondern Beschaffenheit, nach seinen<lb/>Fähigkeiten, nach seinen guten oder bösen Eigenschaften<lb/>behandeln müsse; er hat zu flehen um die Gnade der<lb/>rechten, übernatürlichen, erleuchteten Liebe zu seinen Kin-<lb/>dern und der Ausdauer in den Opfern und Beschwer-<lb/>den der Erziehung. Und wo wäre ein Vater, welcher<lb/>die hohe Bedeutung und die Schwierigkeiten der guten<lb/>Erziehung zu würdigen versteht, und sich nicht angeregt<lb/>fände, um Hülfe und Beistand zu Gott zu flehen?</p>
						
                  <p>
                     <hi rendition="#w">Er muß beten für seine Kinder</hi>. Je auf-<lb/>richtiger er sie liebt, je mehr er wünscht, sie zum<lb/>wahren Heile und daher zu einem echt christlichen<lb/>Leben zu führen, desto mehr und inständiger wird er<lb/>für sie beten. Denn was immer und so viel er auch<lb/>an seinen Kindern und für sie thun mag, nie ver-<lb/>gisset er, daß es dennoch nur dann recht fruchten und<lb/>gedeihen werde, wenn der Herr in Seiner Gnade mit<lb/>Hand an's Werk legt. Darum flehet er also zu Ihm,<lb/>
                     <pb facs="images/C889_001_1874_0168"
                         n="164"
                         xml:id="C889V3_001_1874_pb0164_0001"/>immer von Neuem. Ja, wäre es wohl möglich, daß<lb/>ein rechter Vater überhaupt – sei es am Morgen,<lb/>am Abende, bei der h. Communion oder wo immer<lb/>– betete, ohne seiner Kinder zu gedenken?</p>
						
                  <p>Was er an seinen Kindern und für sie thut, das<lb/>empfiehlt er im Gebete der Hülfe der göttlichen Gnade.<lb/>Er betet, daß der Herr sie in der Gnade bewahre, daß<lb/>Er sie vor schwerer Sünde behüte, daß Er sie von<lb/>ihren Fehlern befreie; daß Er die christlichen Tugenden<lb/>in ihnen gedeihen lasse, daß Er sie zum Heile führe.</p>
						
                  <p>Auch der christliche Vater begleitet gern, gleichwie<lb/>die Mutter, mit seinem Gebete das Kind, wenn es<lb/>zur h. Beicht, zur h. Communion geht; vollends,<lb/>wenn es das elterliche Haus verlässet und in die<lb/>Fremde zieht. Wie groß sind leicht die Gefahren,<lb/>denen der Sohn, die Tochter da draußen ausgesetzt<lb/>sind; um so inständiger steigt täglich das Gebet des<lb/>Vaters um Schutz und Gnade für sie zum Himmel.<lb/>– Oder es handelt sich um die Standeswahl; welch<lb/>ein dringender Anlaß, oft für den Sohn, die Tochter<lb/>zu beten, daß eine gute Wahl getroffen werde! Oder<lb/>es treten gewisse Unarten und Fehler an den Kindern<lb/>hervor; der Sohn, die Tochter ist entartet, auf Irr-<lb/>wege gerathen; des Vaters Einwirkung, seine Ermah-<lb/>nungen, seine Warnungen, seine Strafen – Alles<lb/>vergebens. Das Vaterherz blutet, ohne helfen zu<lb/>können. Aber es bleibt die Zuflucht zum Herrn,<lb/>zum Gebete. Der Vater betet, flehet für sein unglück-<lb/>liches Kind, er ringt mit dem Herrn im Gebete, und<lb/>lässet nicht von Ihm, daß Er ihn erhöre.</p>
						
                  <p>So giebt's der Anlässe fast unzählbare, welche<lb/>einen christlich gesinnten Vater zum Gebete rufen. Und<lb/>er folgt dem Rufe. In allen seinen Gebeten findet<lb/>
                     <pb facs="images/C889_001_1874_0169"
                         n="165"
                         xml:id="C889V3_001_1874_pb0165_0001"/>das Flehen für seine Kinder Platz, um so mehr, je<lb/>dringlicher und wichtiger der Anlaß. Wie die Mutter,<lb/>so wendet auch der Vater sich in diesem Gebete gern<lb/>an Jesus, den großen Kinderfreund. – Er wendet<lb/>sich an die Himmelsbewohner, damit sie sein Gebet<lb/>unterstützen, an Maria, die Hülfe der Christen, an<lb/>die Engel und Namenspatrone seiner Kinder, an<lb/>die auserwählten Väter und Mütter.</p>
						
                  <p>Gewiß, auch aus diesem Grunde dürfen wir ein<lb/>Kind glücklich preisen, das einen wahrhaft christlichen<lb/>Vater hat; derselbe zieht durch sein Gebet und Fle-<lb/>hen die reichste Fülle himmlischer Gaben und Gnaden<lb/>auf dasselbe herab. Und so groß auch der Segen ist,<lb/>den ein solcher Vater durch seine erziehenden Bestrebungen<lb/>dem Kinde vermittelt, so ist dennoch leicht der Segen<lb/>seiner Gebete für dasselbe noch größer; ja im Grunde<lb/>erhalten alle seine sonstigen Bestrebungen für sein Kind<lb/>durch das Gebet und vermöge der dadurch errungenen<lb/>Gnaden erst ihre rechte Kraft und Wirksamkeit.</p>
						
                  <p>Durften wir daher in unserer <q>„christlichen Mut-<lb/>ter“</q> sagen: <q>„Selig das Kind, welches eine solche<lb/>Mutter hat“</q> (die eifrig für es betet); wie viel mehr<lb/>dürfen wir dann ein Kind selig preisen, welches neben<lb/>einer solchen Mutter auch einen Vater hat, wie wir<lb/>ihn schilderten, einen Vater, der <hi rendition="#w">mit der Mutter</hi>
                     <lb/>für dasselbe betet! O in der That, ein Elternpaar,<lb/>Vater und Mutter, vereint im Gebete für ihre Kinder<lb/>– das ist ein Schauspiel, auf dem das Auge des<lb/>Herrn mit Wohlgefallen ruhet, ihr Gebet ein Ruf,<lb/>dem Er nicht widersteht. Deshalb sagen wir's auch<lb/>hier: <q>„O Väter, betet doch, betet ohne Unterlaß,<lb/>betet mit allem Eifer für euere Kinder!“</q>
                  </p>
					
               </div>
					
               <pb facs="images/C889_001_1874_0170"
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               <div xml:id="d62092e14533">
						
						
                  <head rendition="#c">Gebete</head>
						
                  <div xml:id="d62092e14538">
							
                     <head rendition="#c">Gebet um die Gnade christlicher Gottes-<lb/>furcht und Frömmigkeit.</head>
							
                     <p>O Gott, Du hast auch mich in's Dasein gerufen<lb/>nur zu dem Zwecke, daß ich während meiner kurzen<lb/>Lebensfrist auf Erden durch treue Erfüllung Deines<lb/>h. Willens meine Seele heiligen und so Deinen<lb/>h. Namen verherrlichen und ewig selig werden möchte.<lb/>Schon hier auf Erden kann ich nur dann wahrhaft<lb/>glücklich sein, wenn ich dieser meiner Bestimmung<lb/>gemäß ein Leben nach Deinem h. Wohlgefallen führe.<lb/>Und ich bin Vater. Du hast mir Kinder anvertrauet;<lb/>sie sind Dein und Du hast sie mir anvertrauet, auf<lb/>daß ich sie für Dich und in Deiner h. Furcht und<lb/>zu christlichem Wandel erziehe. Wehe mir, wenn ich<lb/>dieser Deiner gnadenvollen Absicht nicht entspräche und<lb/>die Kinder durch meine Schuld entarteten! Wie groß<lb/>würde meine Verantwortung, wie schrecklich die Strafe<lb/>sein! Und dennoch kann ich meine Kinder nicht in<lb/>Deiner h. Furcht und zu einem frommen Leben er-<lb/>ziehen, wenn ich nicht selbst vom Geiste wahrer Got-<lb/>tesfurcht und Frömmigkeit beseelt bin. O Gott, so<lb/>verleihe mir denn die Gnade, daß ich diese ernsten<lb/>Wahrheiten stets vor Augen halte; erwecke mich durch<lb/>dieselben und hilf mir, daß ich es mir mehr, als<lb/>Alles, am Herzen liegen lasse, ein wahrhaft Dir<lb/>wohlgefälliges Leben zu führen, auf daß ich meine<lb/>
                        <pb facs="images/C889_001_1874_0171"
                            n="167"
                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0167_0001"/>Seele rette und meinen Kindern ein wahrhaft guter<lb/>Vater sei. Gieb mir die Gnade, daß ich gewissen-<lb/>haft Alles meide und fliehe, was den rechten christ-<lb/>lichen Sinn und Wandel behindert oder gefährdet;<lb/>lehre mich treu und beharrlich thun und üben, was<lb/>nothwendig oder nützlich ist, um im Guten zu beste-<lb/>hen und fortzuschreiten.</p>
							
                     <p>O ihr Auserwählten und ihr heiligen Väter, bittet<lb/>für mich. Amen.</p>
						
                  </div>
						
                  <div xml:id="d62092e14621">
							
                     <head rendition="#c">Gebet um die Gnade des Glaubens.</head>
							
                     <p>O Gott, der Du alle jene Wahrheiten und Leh-<lb/>ren, die zu unserm Heile nothwendig oder zuträglich<lb/>sind, durch Deine Gesandten und durch Deinen ein-<lb/>gebornen Sohn, unsern Herrn, geoffenbaret hast und<lb/>durch die h. unfehlbare Kirche uns verkündest ver-<lb/>mehre in mir die Gnade des Glaubens, auf daß ich<lb/>alle diese Heileslehren mit zweifelloser Zuversicht<lb/>gläubig aufnehme. Wenn ich in Gefahr bin, durch<lb/>die Zuflüsterungen meiner stolzen Natur und durch<lb/>das Reden und Beispiel einer glaubenslosen Welt<lb/>im Glauben wankend zu werden, so richte Du mich<lb/>auf und halte mich; lehre mich es erkennen, daß<lb/>unser h. Glaube auf festen Gründen ruhet, und daß<lb/>nur ein verkehrtes Herz noch zweifeln kann. Erwecke<lb/>mich, daß ich das kostbare Gut des Glaubens mit<lb/>schuldiger Sorgfalt behüte und es nach Pflicht ver-<lb/>meide, glaubensfeindliche Schriften zu lesen, oder<lb/>unzeitig mit Menschen, die an ihrem Glauben Scha-<lb/>den genommen haben, zu verkehren, auf daß ich nicht<lb/>angesteckt und nach und nach im Glauben schiffbrüchig<lb/>werde. Vor Allem aber, o Herr, stehe mir bei, daß<lb/>ich nach meinem h. Glauben lebe und mein ganzes<lb/>
                        <pb facs="images/C889_001_1874_0172"
                            n="168"
                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0168_0001"/>Leben nach seinen Lehren ordne; dann wird durch<lb/>Deine Gnade heller und heller das Licht des Glau-<lb/>bens in mir leuchten und mein Herz mit Glaubens-<lb/>zuversicht erfüllen.</p>
							
                     <p>Auch meine Kinder empfehle ich Dir; beschütze<lb/>sie in den Gefahren des h. Glaubens; laß sie durch<lb/>deine Gnade als treue Kinder unserer h. Kirche all-<lb/>immerdar an allen ihren Lehren fest und unerschütter-<lb/>lich halten. Amen.</p>
						
                  </div>
						
                  <div xml:id="d62092e14697">
							
                     <head rendition="#c">Gebet um die Gnade der Mäßigkeit.</head>
							
                     <p>O Gott, der Du uns durch Deinen göttlichen<lb/>Sohn und durch Deine Diener so nachdrücklich vor<lb/>Unmäßigkeit und Trunkenheit warnest, und willst,<lb/>daß wir als Christen <q>„wandeln, nicht in Völlerei“</q>,<lb/>sondern als Nachahmer Jesu und Seines abgetödteten<lb/>Lebens; verleihe mir die Gnade einer wahren christ-<lb/>lichen Mäßigkeit. Halte mich, auf daß ich dem un-<lb/>seligen Laster der Trunkenheit nicht verfalle. Wehe,<lb/>wenn meine Kinder die Schmach dieser Verkehrtheit<lb/>an ihrem Vater wahrnehmen müßten! O Gott, er-<lb/>fülle mich mit Abscheu vor derselben und mit Furcht,<lb/>damit ich mich nicht der Gefahr aussetze, nach und<lb/>nach ein Trinker zu werden. Flöße mir einen h. Ernst<lb/>ein, auf daß ich <hi rendition="#w">nie</hi>, dem Leichtsinn mich ergebend,<lb/>die Schranken der christlichen Mäßigkeit überschreite,<lb/>sondern bei jeglicher Gelegenheit ihren Anforderungen<lb/>getreu verbleibe. Lehre mich jeglichen <hi rendition="#w">unzeitigen</hi> Be-<lb/>such des Wirthshauses meiden, lehre mich den Verkehr<lb/>mit leichtsinnigen Menschen fliehen. Beschirme mich,<lb/>o Herr, in so vielen Gefahren, welche unsere genuß-<lb/>süchtige Zeit und ihr unchristlicher Geist der Mäßig-<lb/>keit bereitet, mit mächtigem Arm und erfülle mich<lb/>
                        <pb facs="images/C889_001_1874_0173"
                            n="169"
                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0169_0001"/>mit dem Geiste der Mäßigkeit und Nüchternheit.<lb/>Amen.</p>
						
                  </div>
						
                  <div xml:id="d62092e14767">
							
                     <head rendition="#c">Gebet um Gnade wider unordentliche<lb/>Hingebung an die Welt.</head>
							
                     <p>Göttlicher Heiland, der Du uns ermahnest, daß<lb/>wir <q>„<hi rendition="#w">zuerst</hi> das Reich Gottes und die Gerechtigkeit<lb/>desselben suchen sollen“</q>; möchte ich dieser Deiner<lb/>Mahnung doch stets nachkommen! Ach, ich gebe mich<lb/>an meine Geschäfte und irdischen Angelegenheiten so<lb/>leicht ganz und gar hin, so daß ich über dieselben<lb/>Deiner vergesse, Gebet und christliche Uebung unter-<lb/>lasse und immer mehr, Dir und dem Höhern ent-<lb/>fremdet, ganz im irdischen Sinn verstrickt werde.<lb/>Darf ich dabei noch hoffen, einst Antheil zu erlangen<lb/>an den himmlischen Gütern, gegen welche ich gleich-<lb/>gültig bin und nichts Rechtes thue? Habe ich nicht<lb/>zu fürchten, durch dieses stete und übermäßige irdische<lb/>Treiben meine Seele zu Grunde zu richten? Dann<lb/>wehe mir, wenn ich – zu spät – es erkenne, wie<lb/>thöricht ich war, mein Leben und die ganze Zeit und<lb/>Kraft meines Lebens Dingen zu weihen, welche, durch<lb/>den Tod so bald schon geraubet, in der Ewigkeit kei-<lb/>nerlei Werth haben, und mich um das, was <hi rendition="#w">ewig</hi>
                        <lb/>mich beglücken sollte, nicht zu kümmern! – O Herr,<lb/>so reiße durch deine mächtige Gnade mein Herz von<lb/>dieser unzeitigen Hingegebenheit an's Irdische los!<lb/>Lehre mich es erkennen, daß alle irdischen Geschäfte<lb/>und Bestrebungen nur Mittel sind, um Dir dadurch<lb/>zu dienen und für die Ewigkeit dadurch Verdienste<lb/>zu sammeln. Verleihe mir die Gnade, all mein<lb/>tägliches Thun mit guter Meinung zu vollführen.<lb/>Befestige mich in dem Eifer zum Gebete und zu christ-<lb/>
                        <pb facs="images/C889_001_1874_0174"
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0170_0001"/>licher Uebung, auf daß ich <hi rendition="#w">nie</hi> um meiner irdischen<lb/>Geschäfte willen das Gebet am Morgen und am<lb/>Abende und bei Tische versäume; die Sonn- und<lb/>Festtage sollen mir heilig sein; an ihnen soll alle<lb/>Arbeit und jegliches Geschäft ruhen, damit ich mich<lb/>ganz dem Gebete und der Theilnahme an der kirch-<lb/>lichen Feier widmen könne. Bewahre mich, o Herr,<lb/>vor Nachlässigkeit im Empfange der h. Sakramente,<lb/>welcher für mich so nothwendig ist, um neue Auf-<lb/>munterung und Gnade zu erlangen; erwecke mich<lb/>zur Zeit durch Deine Gnade und führe mich zum<lb/>Mahle des Heiles. – So stehe mir bei, o Gott,<lb/>damit ich <q>„so durch die irdischen Güter hindurch gehe,<lb/>daß ich die ewigen nicht verliere“</q>. Amen.</p>
						
                  </div>
						
                  <div xml:id="d62092e14885">
							
                     <head rendition="#c">Gebet *) am Jahrestage der Verehelichung. **)</head>
                     <note place="bottom" anchored="true" n="*)">
                        <p>Nichts schien uns im Wege zu stehen, im Folgen-<lb/>den die von uns für die christliche Mutter verfaßten Ge-<lb/>bete zu benutzen, so viel dieselben dem väterlichen Berufe<lb/>entsprechen und nachdem die nöthigen Aenderungen ge-<lb/>macht waren.</p>
                     </note>                     
                     <note place="bottom" anchored="true" n="**)">
                        <p>Wahrhaft christliche Eheleute gehen gern am Jah-<lb/>restage ihrer Verehelichung, oder am Sonntage vor oder<lb/>nach demselben wo möglich gemeinschaftlich zu den hh. Sa-<lb/>kramenten, um so die entsprechenden Uebungen desto besser<lb/>anstellen zu können und die Gnade des h. Sakramentes<lb/>der Ehe zu erneuern. Welche schöne Sitte! – Könnte<lb/>man nicht <hi rendition="#w">wenigstens</hi> an diesem Tage in solcher Mei-<lb/>nung einer h. Messe beiwohnen? Wie sehr thut den Ehe-<lb/>leuten bei den wichtigen Obliegenheiten, in den Beschwer-<lb/>den und Gefahren ihres Standes der Segen und die<lb/>Gnade des Herrn Noth, damit sie im Ehestand nicht zu<lb/>Grunde gehen, sondern ihr Heil wirken! Daher eben das<lb/>h. Sakrament der Ehe; daher die jährliche Erneuerung<lb/>der Gnade desselben so empfehlenswerth.</p>
                     </note>							
							
                     <p>O mein Gott und Herr, an diesem Tage war<lb/>es, wo ich in Deinem h. Hause am Traualtare hin-<lb/>geknieet das heil. Sakrament der Ehe empfing und<lb/>unter dem Segen desselben in meinen ehelichen Stand<lb/>
                        <pb facs="images/C889_001_1874_0175"
                            n="171"
                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0171_0001"/>eintrat. Dürfte ich ihn ohne Dank und heilsame<lb/>Uebung vorübergehen lassen? Nein, o Herr, von<lb/>ganzem Herzen danke ich Dir, daß du mich durch<lb/>ein heil. Sakrament in den Ehestand eingeführt und<lb/>meine eheliche Verbindung geheiliget und mir den<lb/>Schatz Deiner Gnade eröffnet hast, damit ich im<lb/>Stande wäre, den Anforderungen des <hi rendition="#w">christlichen</hi>
                        <lb/>Ehestandes zu entsprechen und in unverbrüchlicher<lb/>Treue und Liebe gegen meine Frau und in standes-<lb/>mäßiger Keuschheit allimmerdar zu verharren, die von<lb/>Dir geschenkten Kinder in Deiner Furcht und Zucht<lb/>zu erziehen und so mein Heil zu wirken. Ich danke<lb/>Dir für alle Gnaden, welche ich seitdem in Kraft<lb/>dieses h. Sakramentes empfangen habe; ich danke Dir<lb/>für den Schutz und für die Hülfe und für alles<lb/>Gute, so Du mir und den Meinigen gespendet hast.<lb/>Sei ewiglich gelobet und gepriesen!</p>
							
                     <p>Habe ich denn in freier Mitwirkung mit Deiner<lb/>Gnade die Obliegenheiten meines Standes treu er-<lb/>füllt? Habe ich als ein wahrhaft christlicher Ehe-<lb/>mann und Vater gelebt? Ach, nur zu Vieles habe<lb/>ich mir vorzuwerfen! (Denke ein wenig nach.) O<lb/>mein Gott, von ganzem Herzen bereue ich es. Sei<lb/>mir gnädig! Verzeihe mir in deiner unendlichen<lb/>Barmherzigkeit und um Jesu, Deines Sohnes willen!<lb/>– Fest steht mein Vorsatz: Mit erneuertem Eifer<lb/>will ich mich fortan bestreben, alle Pflichten, welche<lb/>ich als christlicher Ehemann und Vater habe, treu<lb/>und gewissenhaft zu erfüllen. Wie darf ich sonst hoffen,<lb/>
                        <pb facs="images/C889_001_1874_0176"
                            n="172"
                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0172_0001"/>bei Dir in Gnade zu sein und mein Heil zu wirken?<lb/>Aber, o Herr, was nützen mir alle Vorsätze, wenn<lb/>Du nicht Gnade giebst, sie auszuführen? So er-<lb/>neuere denn, o Herr, am heutigen Tage den Segen<lb/>des h. Sakramentes; lasse die Gnaden desselben mir<lb/>von Tag zu Tag reichlich <unclear reason="illegible">zufließen</unclear>; durch sie angeregt<lb/>und gekräftigt, werde ich <unclear reason="illegible">darauf</unclear> bedacht und im<lb/>Stande sein, meines Berufes <unclear reason="illegible">würdig</unclear> zu wandeln.</p>
							
                     <p>Auch meine Frau empfehle ich Deiner Huld und<lb/>Gnade. Verleihe uns, daß wir, durch das h. Sa-<lb/>krament so innig vereint, auch in herzlicher Liebe und<lb/>in treuer Gottesfurcht allimmerdar befunden werden,<lb/>damit unser ehelicher Stand, wie er es soll, ein Bild<lb/>sei von der innigen Vereinigung Christi mit Seiner<lb/>heil. Kirche und uns <unclear reason="illegible">führen zum</unclear> ewigen Leben.</p>
							
                     <p>Lasse Dir auch, o <unclear reason="illegible">
                           <gap/>
                        </unclear> Kinder, die Du uns<lb/>gegeben, empfohlen sein <unclear reason="illegible">
                           <gap/>
                        </unclear> sie, behüte sie, be-<lb/>gnadige sie, damit sie <unclear reason="illegible">zu Deinem</unclear> h. Wohlgefallen<lb/>gedeihen. Stehe mir bei, <unclear reason="illegible">daß</unclear> ich sie ganz für Dich<lb/>erziehen möge.</p>
							
                     <p>Heilige Jungfrau und Mutter Maria, h. Joseph<lb/>und alle heiligen Eheleute und Eltern, bittet für<lb/>mich! Amen.</p>
						
                  </div>
						
                  <div xml:id="d62092e15103">
							
                     <head rendition="#c">Gebet am Morgen.</head>
							
                     <p>Gütigster Gott, Du hast diesen Tag mir geschenkt,<lb/>daß ich in treuer Erfüllung meiner Pflichten Dir<lb/>dienen und mein Heil wirken soll. So stehe mir<lb/>denn dazu bei mit Deiner Gnade! Vor Allem hilf<lb/>mir, daß ich meine wichtigsten und heiligsten Pflichten,<lb/>welche ich gegen meine Kinder habe, heut mit Sorg-<lb/>falt und Treue erfülle und insbesondere ihnen in<lb/>meinem ganzen Thun und Lassen mit einem guten<lb/>
                        <pb facs="images/C889_001_1874_0177"
                            n="173"
                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0173_0001"/>Beispiele vorgehe. Segne Alles, was ich heut zu<lb/>ihrer Heranbildung sagen oder thun werde.</p>
							
                     <p>Meine Kinder aber, o Gott, nimm in die Obhut<lb/>Deiner Liebe und Gnade. Beschütze sie in Gefahren<lb/>und behüte sie vor allem Uebel! Bewahre sie vor<lb/>Sünde! Erfülle <unclear reason="illegible">
                           <gap/>
                        </unclear> kindliches Herz mit Deiner heil.<lb/>Liebe und erwecke <unclear reason="illegible">
                           <gap/>
                        </unclear> stärke sie mit Deiner Gnade,<lb/>auf daß sie Dir <unclear reason="illegible">
                           <gap/>
                        </unclear> dienen und wie an Alter, so<lb/>an Tugend und <unclear reason="illegible">Gnade</unclear> bei Dir zunehmen mögen.</p>
							
                     <p>Ihr h. Schutzengel und Namenspatronen meiner<lb/>Kinder, euch empfehle ich sie; nehmet euch ihrer an,<lb/>bittet für sie. Amen.</p>
						
                  </div>
						
                  <div xml:id="d62092e15174">
							
                     <head rendition="#c">Gebet am Abend.<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
									
                           <p>Unterlaß es nicht, christlicher Vater, am Abende,<lb/>wenn auch nur in Kürze dein Gewissen zu erforschen, be-<lb/>sonders, ob du deine Pflichten als Vater heut treu erfüllt<lb/>hast. (War dein Beispiel musterhaft? Hast du nichts für<lb/>die Kinder Anstößiges gesagt, gethan? Hast du nach Pflicht<lb/>ein Auge auf sie gehabt? Sie nicht zu sehr ohne Auf-<lb/>sicht gehen lassen? Sie gebührend zum Guten (zur Kirche,<lb/>zur Schule) angehalten? Warst du darauf bedacht, auch<lb/>selbst sie heilsam zu belehren, sie an Gott und Höheres<lb/>zu erinnern? Hast du auf ihre Fehler sie aufmerksam<lb/>gemacht, sie nach Pflicht gemahnt, gewarnt, gestraft? Hast<lb/>du dich dabei von Zorn und Verdruß hinnehmen lassen,<lb/>in Aufregung und Uebermaß gestraft? Hast du sie an-<lb/>geleitet und angehalten zum Beten, zum Gehorsam, zur<lb/>Wahrhaftigkeit, zur Vertragsamkeit, zur Arbeit, zur Rein-<lb/>lichkeit und Ordnung? Betest du nach Pflicht für sie?...)<lb/>– Bereue, wenn du gefehlt; thue Abbitte vor Gott; ent-<lb/>schließe dich und versprich's dem Herrn, morgen treuer zu<lb/>sein.</p>
                        </note>
							
                     </head>
							
                     <p>Dank sei Dir, o <unclear reason="illegible">
                           <gap/>
                        </unclear> und Vater, für alle Gnade<lb/>und Wohlthat, <unclear reason="illegible">welch<gap/>
                        </unclear> heut mir und mei-<lb/>nen Kindern huldreich <unclear reason="illegible">
                           <gap/>
                        </unclear> hast. Alle gute Gabe<lb/>
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                            n="174"
                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0174_0001"/>kommt ja von Dir; Du waltest über uns voll Er-<lb/>barmung. Wehe mir, daß ich so undankbar bin und<lb/>Dich, den besten Vater, so oft beleidige! Verzeihe<lb/>gnädig! Insbesondere vergieb mir, was ich heut in<lb/>meinem väterlichen Berufe verbrochen habe!....<lb/>Was bleibt mir, als um Gnade zu flehen? Sei mir<lb/>gnädig! Möchte ich doch mehr und mehr die Hei-<lb/>ligkeit meiner Vaterpflichten erkennen und sie mit<lb/>Gewissenhaftigkeit erfüllen! Ja, Herr, ich will's.<lb/>Von Neuem verspreche ich es Dir. Komm mit Dei-<lb/>ner reichen Gnade mir zu Hülfe. Entzünde mein Herz<lb/>immermehr mit Deiner h. Liebe und mit wahrer Liebe<lb/>zu meinen Kindern, auf daß ich stets voll h. Ernstes<lb/>sei, sie für Dich und zu ihrem Heile zu erziehen.</p>
							
                     <p>Für diese Nacht aber, o Vater, laß Dir meine<lb/>Kinder empfohlen sein. Deine Hand beschirme sie<lb/>in ihrer nächtlichen Ruhe; verscheuch den Feind von<lb/>ihrer Lagerstätte, lasse Deine h. Engel bei ihnen sein.<lb/>O gieb nicht zu, daß die Nacht ihnen Anlaß werde zur<lb/>Sünde; erhalte sie in Unschuld und unbefleckter Reinig-<lb/>keit! H. Jungfrau, h. Joseph, ihr hh. Engel und Aus-<lb/>erwählten, lasset meine Kinder euch befohlen sein! Amen.</p>
						
                  </div>
						
                  <div xml:id="d62092e15298">
							
                     <head rendition="#c">Gebet eines christlichen Vaters bei der<lb/>heil. Messe.<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
									
                           <p>Je wichtiger oft die Anliegen eines Vaters sind, je<lb/>größere Gnaden er für sich, zur Erfüllung seiner Vater-<lb/>pflichten, oder für seine Kinder bedarf, desto mehr sollte<lb/>es sich ihm nahe legen, oft, immer von Neuem zum h. Meß-<lb/>opfer seine Zuflucht zu nehmen. Da steht er, mag er für<lb/>sich und seine Kinder nun für empfangene Gnaden und<lb/>Wohlthaten zu danken oder um neue zu flehen haben, nicht<lb/>
                              <hi rendition="#w">allein</hi> vor dem Herrn, wegen seiner Armseligkeit und<lb/>Unwürdigkeit nur zu sehr in Gefahr, nicht in Gnaden an-<lb/>gesehen zu werden; da tritt, wenn er mit Glauben und<lb/>Vertrauen nahet, Jesus für ihn ein und zwar durch Sein<lb/>h. Opfer, um es als Dank- und Bittopfer für ihn und<lb/>seine Kinder dem Vater zu weihen, wie er denn selbst Sein<lb/>heil. Opfer nehmen und es dem Himmel darbieten mag.<lb/>O welcher Segen für Väter und Kinder! – Möchten das<lb/>alle Väter recht würdigen! – Wie schön, wenn der Vater<lb/>zuweilen, recht oft, einer b. Messe beiwohnte, in der Mei-<lb/>nung, dadurch die Gnaden für sich zu erlangen, welche er<lb/>für die gute Erziehung seiner Kinder nothwendig hat; oder<lb/>ein anderes Mal in der Meinung, daß Gott Alles, was<lb/>er und mit ihm die Mutter, die Geistlichen, die Lehrer und<lb/>Lehrerinnen an den Kindern thun, segnen und wirksam<lb/>machen wolle; oder wieder ein anderes Mal, um die Kin-<lb/>der in die Gnade des Herrn, in Seinen Schutz, in Seine<lb/>Hülfe zu empfehlen; oder auch, um für dieses oder jenes<lb/>Kind, welches wegen eines Fehlers, den es an sich hat,<lb/>wegen einer wichtigen Handlung (es kommt in die Schule,<lb/>es geht zur h. Beicht, es bereitet sich zu seiner ersten heil.<lb/>Communion, es hat das elterliche Haus zu verlassen u.s.w.)<lb/>oder sonst einer besondern Gnade bedarf, dieselbe vom Herrn<lb/>zu erstehen. Gewiß, das würde dem Herrn hoch genehm<lb/>sein, das würde Seinen liebevollen Absichten so ganz ent-<lb/>sprechen und es würde den Strom der Gnaden, der dem<lb/>h. Opfer entquillt, in die Familien hinüberleiten zum Heile<lb/>für Eltern und Kinder. Oder wird wohl leicht Einer<lb/>beim heil. Opfer dem Herrn, dem großen Kinderfreunde,<lb/>mehr genehm sein, als ein christlicher Vater, eine christliche<lb/>Mutter, welche um ihrer Kinder willen gegenwärtig sind?<lb/>Darum folgt hier eine Reihe von Gebeten, in welchen die<lb/>wesentlichsten Gebetsanliegen eines Vaters ihren Ausdruck<lb/>finden. Selbstredend können dieselben zu jeder Zeit und<lb/>auch bei andern Gelegenheiten, aber wohl kaum irgendwo<lb/>besser, als bei der h. Messe verwendet werden, sei es, daß<lb/>man sie im Anfange der heil. Messe, beim
Offertorium,<lb/>oder beim Canon und nach der heil. Wandlung zwischen<lb/>seine sonstigen Meßgebete einfüge.</p>
                        </note>
							
                     </head>
							
                     <div xml:id="d62092e15411">
								
                        <head rendition="#c">I. Für sich selbst, um die für den Vaterberuf<lb/>erforderlichen Gnaden zu erflehen.</head>
								
                        <p rendition="#c">Zum Eingange der h. Messe.</p>
								
                        <p>O Gott, ich erscheine hier in Deinem h. Hause,<lb/>um Gnade zu erflehen für meinen väterlichen Beruf.</p>
								
                        <pb facs="images/C889_001_1874_0179"
                            n="175"
                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0175_0001"/>
								
                        <p>Ich bin nicht im Stande, die Pflichten desselben<lb/>zu Deinem Wohlgefallen und zum Heile meiner Kin-<lb/>der zu erfüllen, wenn Du mir nicht hilfst. Du hast<lb/>mir Deinen Gnadenbeistand zugesichert im h. Sakra-<lb/>mente der Ehe. Wäre ich nur desselben würdiger!<lb/>Ach, Herr, ich erkenne meine Unwürdigkeit und daß<lb/>ich Deiner Gnaden nicht werth bin. Darum komme<lb/>ich zum Altare Deines göttlichen Sohnes, um im<lb/>
                           <pb facs="images/C889_001_1874_0180"
                               n="176"
                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0176_0001"/>Vereine mit dem h. Opfer, welches Er auf demselben<lb/>auch für mich vollbringt, nicht ganz unwürdig zu er-<lb/>scheinen und Erhörung zu finden, wenn ich um Dei-<lb/>nen göttlichen Beistand in meinem Berufe und um<lb/>Gnade für meine Kinder flehe. So verleihe mir<lb/>denn, daß ich diesem h. Opfer mit wahrer Andacht<lb/>und mit Segen beiwohne. Amen.</p>
								
                        <p rendition="#c">Zum Offertorium.<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
										
                              <p>In der Zwischenzeit, besonders zum Canon und<lb/>nach der Wandlung können die Gebete unten S. 182 u.<lb/>s. w. genommen werden.</p>
                           </note>
                        </p>
								
                        <p>Allmächtiger, ewiger Gott, in Vereinigung mit<lb/>dem Priester weihe auch ich Dir diese Gabe von Brod<lb/>und Wein und lege mit ihr zugleich das Anliegen<lb/>meines Herzens, mein Verlangen und mein Flehen<lb/>nach Gnade zur heilsamen Erfüllung meiner Vater-<lb/>pflichten im Geiste auf den Altar. O Gott, ich er-<lb/>kenne es, daß, gleichwie die Gabe des Brodes und<lb/>des Weines so auch meine Gebete vor Dir gering<lb/>und ohne Werth sind; aber da es durch Deine Huld<lb/>und Macht geschieht, daß Brod und Wein in das<lb/>
                           <pb facs="images/C889_001_1874_0181"
                               n="177"
                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0177_0001"/>Dir unendlich wohlgefällige Opfer des Fleisches und<lb/>Blutes Deines göttlichen Sohnes umgewandelt wird,<lb/>so lasse im Vereine mit diesem h. Opfer auch mein<lb/>Anliegen vor Dir Gnade und Erhörung finden. Darum<lb/>flehe ich zu Dir im Geiste der Demuth und mit zer-<lb/>knirschtem Herzen und unter Anrufung der allerseligsten<lb/>Jungfrau Maria und des h. Joseph, wie auch sämmt-<lb/>licher auserwählten Väter und aller Heiligen. Amen.</p>
								
                        <p rendition="#c">Zur Consekration.</p>
								
                        <p>O Jesu, Du würdigest Dich mit unendlicher Liebe<lb/>auf das Wort Deines Dieners auf den Altar her-<lb/>niederzukommen, um in Brodes- und Weinesgestalt<lb/>das erbarmungs- und gnadenreiche Opfer, welches<lb/>Du auf Golgatha vollzogen, zu unserm Heile erneuert<lb/>vor uns darzustellen, damit wir seiner Segnungen<lb/>und Gnaden theilhaftig würden.</p>
								
                        <p>In tiefster Demuth bete ich Dich an, gnadenvoll<lb/>gegenwärtiger Herr und Heiland; Lob und Preis Dir<lb/>und Danksagung aus dem wärmsten Grunde meines<lb/>Herzens für so viel Huld und Gnade! – So nimm<lb/>mich denn, o Jesus, mit meinen Anliegen und mit<lb/>meinen Bitten auf in Dein h. Opfer und lasse sie<lb/>durch Deine Verdienste Gnade und Erhörung finden,<lb/>auf daß ich an meinen Kindern, <hi rendition="#w">Deinen</hi> Lieblingen,<lb/>ein wahrhaft guter Vater sein möge. Amen.</p>
								
                        <p rendition="#c">Nach der Consekration.</p>
								
                        <p>O Gott, nun erhebt sich mein Herz mit Ver-<lb/>trauen und Zuversicht zu Dir; denn es ist Dein<lb/>göttlicher Sohn, welcher mich vor Dir vertritt und<lb/>mein Flehen im Vereine mit dem Opfer Seines<lb/>h. Fleisches und Blutes Dir darbringt. Es ist kein<lb/>anderes Opfer, als jenes, welches Er einst am Kreuze,<lb/>
                           <pb facs="images/C889_001_1874_0182"
                               n="178"
                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0178_0001"/>in Gehorsam gegen Dich bis zum Tode vollbrachte,<lb/>vor Dir unendlich wohlgefällig. So möge denn mein<lb/>Anliegen in Vereinigung mit diesem h. Opfer und<lb/>um Seinetwegen Gnade, bei Dir finden! Verzeihe<lb/>mir gnädig, was ich bisher durch Untreue in den<lb/>Verpflichtungen meines Standes verbrochen habe; er-<lb/>wecke mich, daß ich fortan mit erneuetem Eifer sie<lb/>erfülle. Gieb mir alle jene Gnaden, welche ich zur<lb/>guten Erziehung meiner Kinder bedarf, ein muster-<lb/>haftes Leben, Liebe, Weisheit, Geduld, Sanftmuth,<lb/>Ausdauer, Eifer im Gebete für meine Kinder. Ver-<lb/>leihe, o Herr, die Gnade, meine Kinder so zu erzie-<lb/>hen, daß es Dir zur Ehre, <hi rendition="#w">ihnen</hi> zum Heile, mir<lb/>zum ewigen Leben gereichen möge. Amen.</p>
								
                        <p>Vater unser.</p>
								
                        <p rendition="#c">Vor und bei der Communion.</p>
								
                        <p>Das Gebet zu Jesus dem Kinderfreunde, S. 184.</p>
								
                        <p rendition="#c">Zum Schlusse.</p>
								
                        <p>Die Gebete S. 166 bis 170; S. 182 bis 188<lb/>und S. 197 bis 206.</p>
							
                     </div>
							
                     <div xml:id="d62092e15632">
								
                        <head rendition="#c">II. Gebete bei der h. Messe, wenn der Vater<lb/>sie für seine Kinder hört.</head>
								
                        <p rendition="#c">Zum Eingange der h. Messe.</p>
								
                        <p>O Gott, die Liebe zu meinen Kindern und das<lb/>Verlangen nach ihrem Heile führt mich heut zum<lb/>Altare und zum Opfer Deines göttlichen Sohnes.<lb/>So sehr mir auch das Wohl meiner Kinder am<lb/>Herzen liegt und so sehr ich mich auch bemühen mag,<lb/>sie gut zu erziehen, so werden dennoch alle meine<lb/>Bemühungen ohne Frucht und rechten Segen bleiben,<lb/>
                           <pb facs="images/C889_001_1874_0183"
                               n="179"
                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0179_0001"/>wenn Du nicht hilfst und mit Deiner Gnade meine<lb/>Kinder heimsuchst. Darum flehe ich zu Dir. Und<lb/>da mein Gebet und Flehen armselig und unwürdig<lb/>vor Dir ist, so vereinige ich es in dieser h. Messe<lb/>mit dem Opfer Deines göttlichen Sohnes, meines<lb/>Herrn, und bringe selbst dieses h. Opfer Dir für<lb/>meine Kinder dar. Gib mir Gnade, daß ich es mit<lb/>wahrer Andacht thue und für meine lieben Kinder<lb/>reichen Gnadensegen erwirken möge. Amen.<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
										
                              <p>Auch <hi rendition="#w">hier</hi> zwischenein die Gebete unten Seite 189<lb/>bis 194.</p>
                           </note>
                        </p>
								
                        <p rendition="#c">Zum Offertorium.</p>
								
                        <p>Gott, himmlischer Vater, die geringen Gaben von<lb/>Brod und Wein werden Dir vom Priester darge-<lb/>bracht, damit Du selbst aus ihnen ein vor Dir wohl-<lb/>gefälliges Opfer bereiten mögest. Es nahet der heil.<lb/>Augenblick, wo in der Kraft des heil. Geistes am<lb/>Worte Deines Priesters die wunderbare Wandlung<lb/>geschehen und dann Dein göttlicher Sohn unser<lb/>Opferpriester und unser Opfer sein wird. So führe<lb/>ich denn im Geiste meine Kinder zu dieser geheiligten<lb/>Stätte, damit der Segen dieses gnadenvollen Opfers<lb/>über sie kommen möge. Lasse sie durch die Verdienste<lb/>dieses heiligen Opfers Vergebung ihrer Sünden und<lb/>Gnade finden, vor Sünde bewahrt zu bleiben. Gleich-<lb/>wie durch Deine göttliche Macht hier Brod und Wein<lb/>in das h. Fleisch und Blut Jesu Christi verwandelt<lb/>wird, so erweise in Kraft dieses h. Opfers die Macht<lb/>Deiner Gnade auch an meinen Kindern, auf daß<lb/>ihr Herz mehr und mehr umgestaltet werde zur Voll-<lb/>kommenheit christlicher Gesinnung und Tugend, und<lb/>
                           <pb facs="images/C889_001_1874_0184"
                               n="180"
                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0180_0001"/>zu einem wohlgefälligen Opfer vor Dir. Sie sind<lb/>ja auch Deine Kinder; so segne sie denn und erfülle<lb/>sie mit Deiner Gnade, damit sie Deiner würdig seien.<lb/>Verleihe, daß sie Dir mit lebendigem Glauben und<lb/>mit kindlicher Liebe anhangen und Deinen heiligen<lb/>Willen zur Richtschnur ihres Lebens haben und von<lb/>ihm nicht abweichen, sondern auf Deinen Wegen<lb/>wandelnd für Zeit und Ewigkeit wahrhaft glücklich<lb/>seien. Amen.</p>
								
                        <p>Ihr Heiligen Gottes, h. Jungfrau Maria, h. Jo-<lb/>seph, ihr h. Schutzengel meiner Kinder und ihr heil.<lb/>Namenspatrone derselben, alle hh. Väter und Mütter<lb/>und alle hh. Kinder unterstützet mein Gebet, und<lb/>stehet, daß die Früchte dieses h. Opfers sich reichlich<lb/>über meine Kinder ergießen. Amen.</p>
								
                        <p rendition="#c">Zur Consekration.</p>
								
                        <p>Göttlicher Heiland, der Du einst segnend und<lb/>gnadenspendend im heil. Lande unter den Menschen<lb/>wandeltest, wiederum bist Du, vom Himmel herab-<lb/>gekommen, mir nahe in der geheimnißvollen Gegen-<lb/>wart unter der Brodes- und Weinesgestalt und in<lb/>der gnadenvollen Erneuerung Deines h. Opfers. So<lb/>benutze ich diese gnadenvollen Augenblicke, um Dir,<lb/>göttlicher Freund der Kinder, im Geiste alle meine<lb/>Kinder zuzuführen. O Herr Jesu, was Du einst<lb/>an den Kindern, welche Dir zugeführt wurden, thatest,<lb/>indem Du sie in Deine Arme schlossest, ihnen Deine<lb/>Hände auflegtest, das wollest Du durch die Gnaden<lb/>und Segnungen dieses h. Opfers auch an meinen<lb/>Kindern huldreich vollführen. Amen.</p>
								
                        <pb facs="images/C889_001_1874_0185"
                            n="181"
                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0181_0001"/>
								
                        <p rendition="#c">Nach der Consekration.</p>
								
                        <p>Gott, himmlischer Vater, wie Du einst, als Dein<lb/>göttlicher Sohn, mein Heiland, auf Erden wandelte<lb/>und wirkte, vom Himmel her gesprochen hast: <q>„Die-<lb/>ser ist Mein geliebter Sohn, an dem Ich Mein<lb/>Wohlgefallen habe“</q>, so schauest Du auch jetzt mit<lb/>Wohlgefallen auf Ihn herab, da Er zur Ehre Dei-<lb/>nes h. Namens und zum Wohle Deiner Kinder Sein<lb/>h. Opfer geheimnißvoll erneuert. Indem ich mich<lb/>daher Seinem h. Opfer anschließe, so erscheine ich<lb/>mit Zuversicht vor dem Throne Deiner Barmherzig-<lb/>keit, um Dir meine Kinder zu empfehlen. Lasse sie<lb/>Deinen mächtigen Schutz erfahren in allen Gefahren<lb/>Leibes und der Seele. Bewahre sie vor Sünde und<lb/>vor Allem, was ihrer Seele Schaden bringen mag.<lb/>Ordne gnädig alle zeitlichen Verhältnisse zu ihrem<lb/>Besten. Erhalte sie in unverletzter Unschuld, erhalte<lb/>sie in Deiner Gnade! Verleihe, daß sie nach dem<lb/>Vorbilde des göttlichen Heilandes zunehmen, wie an<lb/>Alter, so an wahrer Weisheit und an Tugend und<lb/>Gnade bei Dir und bei den Menschen. O Gott,<lb/>mächtig in Deiner Gnade, sei in Kraft dieses heil.<lb/>Opfers Deines Sohnes also mit meinen Kindern,<lb/>daß sie stets mein Trost und meine Freude seien<lb/>hier auf Erden, meine Krone in der Ewigkeit und<lb/>daß Du, großer Vater, an ihnen Wohlgefallen habest<lb/>als an Deinen geliebten Kindern. Amen.</p>
								
                        <p>Vater unser. (Für die Kinder.)</p>
								
                        <p rendition="#c">Zur h. Communion.</p>
								
                        <p>O Herr, Jesu Christi, Du Sohn des lebendigen<lb/>Gottes, noch einmal wende ich mich an Dich; Du<lb/>hast nach dem Willen des Vaters und in Mitwirkung<lb/>
                           <pb facs="images/C889_001_1874_0186"
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                               xml:id="C889V3_001_1874_pb0182_0001"/>des heil. Geistes durch Deinen Tod der Welt das<lb/>Leben gerettet; so bitte ich Dich denn durch dies Dein<lb/>hochheiliges Fleisch und Blut, daß Du meine Kinder<lb/>von allen ihren Vergehungen und von allem Uebel<lb/>befreien und verleihen wollest, daß sie stets treu an<lb/>Deinen Vorschriften halten und von Dir niemals<lb/>getrennt werden mögen. Amen.</p>
								
                        <p rendition="#c">Zum Schlusse.</p>
								
                        <p>Gebet... Seite 188 u.s.w.</p>
							
                     </div>
						
                  </div>
						
                  <div xml:id="d62092e15908">
							
                     <head rendition="#c">Gebet um Weisheit.<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
									
                           <p>
                              <q>„Salomon aber“</q>, so erzählt die heilige Schrift (3.<lb/>B. d. Kön. 3.), <q>„liebte den Herrn; und der Herr erschien<lb/>ihm zur Nachtzeit im Schlafe und sprach: Begehre, was<lb/>du willst, daß ich dir geben möge. Und Salomon sprach:<lb/>Du hast mich, mein Herr und Gott, zum Könige gemacht<lb/>anstatt meines Vaters David; ich aber bin noch jung und<lb/>unerfahren; so gib denn Deinem Diener ein gelehriges<lb/>Herz, daß er Dein Volk zu regieren und zu unterscheiden<lb/>wisse zwischen Gut und Bös; denn wer vermöchte ohne<lb/>dieses das Volk zu regieren, dieses große Volk?! Und der<lb/>Herr sprach zu Salomon: Weil du solches begehrt hast,<lb/>und hast um Weisheit gebeten, so hab' ich dir gethan nach<lb/>deinem Worte und dir ein weises und verständiges Herz<lb/>gegeben.“</q> Welche Aufforderung für den christlichen Va-<lb/>ter zu ähnlicher Bitte. Wird der Herr nicht auch ihn er-<lb/>hören?</p>
                        </note>
							
                     </head>
							
                     <p>Wie groß, o Gott, und wie wichtig ist der Be-<lb/>ruf, den Du mir gegeben hast, und wie schwer seine<lb/>Aufgabe: Ich soll die Kinder, welche Du mir an-<lb/>vertrauet hast, ein jedes nach seiner Art erziehen<lb/>und sie zur Ablegung ihrer Fehler und zur Uebung<lb/>der christlichen Tugenden anleiten. O mein Gott,<lb/>ich bin unwissend und unvermögend. Wie soll ich<lb/>
                        <pb facs="images/C889_001_1874_0187"
                            n="183"
                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0183_0001"/>zu jeder Zeit den rechten Weg erkennen, der zum<lb/>Ziele führt, wenn Du nicht hilfst? So sende denn,<lb/>Du Gott des Lichtes und der Erkenntniß, von Dei-<lb/>nem himmlischen Throne einen Strahl Deiner gött-<lb/>lichen Weisheit in mein Herz, gleich wie Du einst<lb/>dem Salomon auf sein Flehen ein weises und ein-<lb/>sichtsvolles Herz gegeben hast, auf daß er sein Volk<lb/>heilsam regieren könne. Erleuchte mich, auf daß ich<lb/>erkenne, wie ich meine Kinder, ein jedes nach seiner<lb/>Art, behandeln muß, damit sie von ihren Fehlern<lb/>befreiet und vor dem, was ihnen nachtheilig und<lb/>gefährlich ist, bewahrt werden; zeige mir die Mittel<lb/>und Wege, sie wahrhaft gut zu erziehen; führe mich,<lb/>daß ich gleich fern bleibe von schädlicher Nachsicht<lb/>und unzeitiger Strenge; gib mir das rechte Wort,<lb/>wenn ich sie belehre, rüge und ermahne; zeige mir<lb/>Deinen h. Willen, wenn ich ihnen zu rathen habe.<lb/>So laß mich das Werk der Erziehung vollführen<lb/>wie an Deiner Hand, der Du Deine Kinder mit<lb/>unendlicher Weisheit auf den besten Wegen ihrem<lb/>Heile entgegenzuführen weißt.</p>
							
                     <p>O heiliger Geist, Du Spender der Gnaden und<lb/>Gaben, verleihe mir die Gabe der Weisheit und des<lb/>Rathes zum Besten meiner Kinder. Amen.</p>
							
                     <p>Vater unser und Ave.</p>
						
                  </div>
						
                  <div xml:id="d62092e16031">
							
                     <head rendition="#c">Gebet um Sanftmuth.</head>
							
                     <p>Göttlicher Heiland, der Du drei Jahre lang mit<lb/>Deinen Jüngern, wie ein Vater mit seinen Kindern<lb/>verkehrt hast, wie viel hattest Du durch ihre Arm-<lb/>seligkeit, durch ihre Unvollkommenheiten und Fehler<lb/>zu leiden, wie geeignet war nicht selten ihr Verhal-<lb/>ten, Dich zu Ungeduld und Zorn zu reizen! Und<lb/>
                        <pb facs="images/C889_001_1874_0188"
                            n="184"
                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0184_0001"/>dennoch, wie warst Du gegen sie stets so nachsichtig,<lb/>so duldsam, so sanftmüthig und milde! Nie kam ein<lb/>unfreundliches, hartes, kränkendes Wort über Deine<lb/>Lippen. – O möchte ich Dir ähnlich sein im Ver-<lb/>halten gegen meine Kinder! Ich <hi rendition="#w">muß</hi> es, wenn ich<lb/>Dein Jünger sein und mein Heil wirken will. So<lb/>laß mich <q>„von Dir lernen, sanftmüthig zu sein“</q>.<lb/>Wenn sich bei den Unarten und Verkehrtheiten der<lb/>Kinder Unwillen, Zorn und Ungeduld in mir reget,<lb/>so hilf mir, diese Regungen zu beherrschen, auf daß<lb/>ich sie nicht in Wort und That an den Tag lege.<lb/>Halte mich aufrecht, daß ich ruhig und besonnen<lb/>bleibe, so oft ich meine Kinder rügen oder bestrafen<lb/>muß. Denn <q>„der Zorn wirkt nicht, was vor Dir<lb/>gerecht ist“</q>. Du sanftmüthigster Jesus, erbarme Dich<lb/>meiner! Amen.<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
									
                           <p>Je mehr ein Vater zum Zorn geneigt ist, je leich-<lb/>ter er sich dazu hinreißen läßt, desto mehr muß er es an<lb/>jedem Morgen sich ernstlich vornehmen, auf seiner Hut<lb/>zu sein und zu kämpfen, desto inständiger muß er zum<lb/>Herrn um Beistand flehen, besonders Morgens und auch<lb/>sonst; um so den Zorn, dieses große Uebel bei einem Va-<lb/>ter, beherrschen zu lernen.</p>
                        </note> – Vater unser und Ave.</p>
						
                  </div>
						
                  <div xml:id="d62092e16117">
							
                     <head rendition="#c">Gebet zu Jesus dem Kinderfreund.<note place="bottom" anchored="true" n="**)">
									
                           <p>
                              <q>„Einmal“</q> so erzählt das h. Evangelium, <q>„wur-<lb/>den“</q> (von den Müttern) <q>„Kinder zu Jesus gebracht, daß<lb/>Er ihnen die Hände auflege und für sie bete. Die Jün-<lb/>ger aber“</q> (welche ihrem ohnehin belästigten Meister diese<lb/>neue Mühe ersparen wollten) <q>„wiesen sie mit rauhen Wor-<lb/>ten ab. Da Jesus das bemerkte, legte Er ihnen seine<lb/>Mißbilligung an den Tag und sprach: <q>„<q>„Lasset die Kleinen<lb/>zu Mir kommen und wehret es ihnen nicht; denn für<lb/>Solche ist das Himmelreich.“</q>“</q> Und er schloß sie in Seine<lb/>Arme, legte ihnen Seine Hände auf und segnete sie.“</q>
                              <lb/>Konnte Er auf eine rührendere Art Seine Liebe zu den<lb/>Kindern an den Tag legen? Aehnliche Züge Seiner Liebe<lb/>zu den Kindern erzählt das Evangelium auch au andern<lb/>Stellen. Und haben wir nicht Grund, anzunehmen, daß<lb/>Jesus die <hi rendition="#w">christlichen</hi> Kinder, welche nicht mehr wie die<lb/>jüdischen in der Erbsünde haften, welche als christliche<lb/>Kinder so innig mit Ihm verbunden sind, noch so viel mehr<lb/>liebe? Also, christlicher Vater. Ihm dem großen Freunde<lb/>deiner Kinder schließe dich innig an!</p>
                        </note>
							
                     </head>
							
                     <p rendition="#c">(Besonders bei der h. Messe, bei der h. Communion oder<lb/>sonst vor dem h. Sakramente.)</p>
							
                     <p>O Jesus, wie groß war einst Deine Liebe zu<lb/>den Kindern! Sie ist es noch heut. Ja, Deine<lb/>
                        <pb facs="images/C889_001_1874_0189"
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0185_0001"/>Liebe zu den christlichen Kindern ist noch so viel<lb/>größer. So liebst Du, göttlicher Herr, auch meine<lb/>Kinder mehr als ich, und bist ihr göttlicher Freund.<lb/>O wie trostreich und erhebend für mich! Sei gelobet<lb/>und gepriesen! – So verleihe mir denn, göttlicher<lb/>Heiland, die Gnade, daß ich in Allem mich so gegen<lb/>meine Kinder verhalte und Alles so an ihnen thue,<lb/>wie es dem Verlangen Deines h. Herzens und Dei-<lb/>nem Wohlgefallen entspricht. Gib mir, daß ich sie<lb/>ganz für Dich erziehe und sie aus allen Kräften an-<lb/>leite, Dich mehr und mehr zu erkennen, Dich zu<lb/>lieben und nach Deiner Lehre und nach Deinem<lb/>h. Beispiele ihr ganzes Leben einzurichten, auf daß<lb/>sie Deine wahren Jünger und Jüngerinnen seien<lb/>und durch Dich das Heil erlangen. O Jesu, in<lb/>Kraft des h. Sakramentes, durch welches Du mich<lb/>in den ehelichen Stand und in den väterlichen Be-<lb/>ruf eingeführt hast und durch die Gnaden Deines<lb/>h. Opfers verleihe mir, daß ich alle Obliegenheiten<lb/>eines christlichen Vaters auf's Treueste und Eifrigste<lb/>erfülle. Laß mein Leben ein Muster werden für<lb/>meine Kinder; durchdringe mein Herz mit jener<lb/>
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                            n="186"
                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0186_0001"/>Liebe, welche Dein göttliches Herz gegen meine Kin-<lb/>der trägt; gieb mir Weisheit, gieb mir Starkmuth,<lb/>gieb mir Geduld und Sanftmuth, gieb mir Eifer<lb/>zum Gebete für meine Kinder. Dein göttlicher Se-<lb/>gen komme über Alles, was ich an meinen Kindern<lb/>thue. Amen.</p>
						
                  </div>
						
                  <div xml:id="d62092e16263">
							
                     <head rendition="#c">Gebet zur h. Jungfrau Maria.</head>
							
                     <p>O allerseligste Jungfrau Maria, Du <q>„wunder-<lb/>bare Mutter“</q>, zu Dir nehme ich meine Zuflucht,<lb/>da ich vom Herrn des väterlichen Berufes gewürdigt<lb/>bin. Erflehe mir, Du heilige und mächtige Mutter,<lb/>die Gnade, mich meines Berufes würdig zu erweisen.<lb/>Durch Deine mächtige Fürbitte möge es mir ver-<lb/>gönnt sein, daß ich mit Gewissenhaftigkeit, mit Treue<lb/>und Ausdauer alle Pflichten, welche ich als christlicher<lb/>Vater habe, allimmerdar erfülle. – Welch ein gott-<lb/>gefälliges, heiliges Leben war es, das Du, h. Mutter,<lb/>an der Seite Deines h. Bräutigams mit Jesu, Dei-<lb/>nem göttlichen Sohne, in Gebet und gottgeweihter<lb/>Arbeit und in guten Werken in der Hütte zu Na-<lb/>zareth führtest! O lasse es das Vorbild für <hi rendition="#w">mein</hi>
                        <lb/>Familienleben sein! Flehe den Geist der Gottes-<lb/>furcht und Frömmigkeit über unser Haus herab, damit<lb/>in ihm meine Kinder zu allem Guten gedeihen. Amen.</p>
						
                  </div>
						
                  <div xml:id="d62092e16312">
							
                     <head rendition="#c">Gebet zum h. Joseph.<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
									
                           <p>Möchten doch alle Eltern nebst der heil. Jungfrau<lb/>auch den h. Joseph als Patron der christlichen Familien<lb/>innig verehren!</p>
                        </note>
							
                     </head>
							
                     <p>H. Joseph, Du treuer Gefährte der h. Mutter,<lb/>Deiner jungfräulichen Braut, der Du sie und ihr<lb/>
                        <pb facs="images/C889_001_1874_0191"
                            n="187"
                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0187_0001"/>göttliches Kind mit solcher Hingebung und Sorgfalt<lb/>beschützet und Dein ganzes Leben ihnen geweihet hast,<lb/>ich bitte Dich, sei auch mein und meiner Kinder Be-<lb/>schützer und Fürsprecher bei Jesu. Deinem erhabenen<lb/>Pflegesohne. Erflehe mir die Gnade, daß ich die<lb/>Pflichten gegen meine Kinder, ähnlich, wie Maria<lb/>und Du gegen Jesus, erfüllen möge. Heil. Joseph,<lb/>bitte für mich! Amen.</p>
						
                  </div>
						
                  <div xml:id="d62092e16352">
							
                     <head rendition="#c">Gebet zu den h. Schutzengel.<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
									
                           <p>Nach der Lehre unserer h. Kirche ist die Ueberzeu-<lb/>gung, daß den Kindern die h. Schutzengel zu Seite stehen,<lb/>wohlbegründet. Muß sie nicht dem christlichen Vater eine<lb/>ganz besondere Verehrung gegen diese Schutzengel seiner<lb/>Kinder einstoßen? Liegt es nicht nahe, dieselben gewisser-<lb/>maßen als Freunde des Hauses zu halten und zu verehren,<lb/>und demnach in allen Anliegen, welche die Kinder betref-<lb/>fen, zu ihnen insbesondere seine Zuflucht zu nehmen?</p>
                        </note>
							
                     </head>
							
                     <p>O hh. Schutzengel, ihr himmlischen Freunde mei-<lb/>ner Kinder, vertrauensvoll wende ich mich an euch.<lb/>Die der Herr meiner Sorgfalt anvertrauet hat, die<lb/>sind ja auch der Gegenstand eurer Liebe und Sorge.<lb/>So erflehet mir denn die Gnade, daß ich gleiche<lb/>Gesinnungen, wie ihr, gegen meine Kinder trage und<lb/>es mir vor Allem, wie euch, am Herzen liege, sie für<lb/>Gott und den Himmel zu erziehen. O möchte ich ein<lb/>solcher Vater an meinen Kindern sein, daß ich eurer<lb/>Liebe und Freundschaft nie unwürdig erscheine! Das<lb/>erflehet mir! Amen.</p>
						
                  </div>
						
                  <div xml:id="d62092e16403">
							
                     <head rendition="#c">Gebet zu den h. Namenspatronen der<lb/>Kinder.<note place="bottom" anchored="true" n="**)">
									
                           <p>Auch <hi rendition="#w">sie</hi> sollten billig von dem Vater besonders<lb/>verehrt und angerufen werden; sind sie ja bei der heil.<lb/>Taufe von der h. Kirche und vom Herrn gleichsam dazu<lb/>angewiesen, wie die Vorbilder, so auch die besondern Für-<lb/>sprecher der Kinder zu sein. Daher auch die Vorschrift,<lb/>dem Kinde eben den Namen eines (oder einer) Heiligen<lb/>beizulegen.</p>
                        </note>
							
                     </head>
							
                     <p>Heilige Namenspatrone meiner Kinder, h....,<lb/>nehmet euch auch meiner, ihres Vaters, an; bittet<lb/>
                        <pb facs="images/C889_001_1874_0192"
                            n="188"
                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0188_0001"/>für mich, damit ich durch euere Fürbitte die Gnade<lb/>erlange, durch Wort und That einen heilsamen Ein-<lb/>fluß auf meine Kinder zu üben, auf daß sie in treuer<lb/>Nachahmung eurer Tugenden zu wahrhaft guten Mit-<lb/>gliedern der h. Kirche heranwachsen und einst in eure<lb/>glückselige Gesellschaft aufgenommen werden mögen.<lb/>Amen.</p>
						
                  </div>
						
                  <div xml:id="d62092e16455">
							
                     <head rendition="#c">Gebet des Vaters um Segen und Gedeihen<lb/>für seine Bemühungen an den Kindern.</head>
							
                     <p>O Gott, ohne den Segen Deiner Gnade wird<lb/>Alles, was ich zur guten Erziehung meiner Kinder<lb/>thue, dennoch keine rechte Frucht bringen. Ob ich<lb/>auch <q>„pflanze und begieße“</q>, so wird <q>„das Gedeihen“</q>
                        <lb/>fehlen, wenn Du es nicht <q>„giebst“</q>. <q>„Vergebens bauen<lb/>die Bauleute,“</q> sagt Dein Prophet, <q>„wenn der Herr<lb/>nicht bauen hilft; und wenn der Herr das Haus<lb/>nicht bewacht, so wacht der Wächter umsonst.“</q> Darum<lb/>flehe ich zu Dir, o Herr, gieb dem, was ich durch<lb/>Lehre und Ermahnung, durch Warnung und Strafe,<lb/>durch Wachsamkeit und Anleitung an meinen Kin-<lb/>dern thue, das <q>„Gedeihen“</q>; hilf mir über dieselben<lb/>
                        <q>„wachen“</q>, daß sie von allem Uebel an Leib und<lb/>Seele bewahrt bleiben; hilf mir <q>„bauen“</q>, daß das<lb/>Gebäude der Tugend und Vollkommenheit in ihnen<lb/>eine feste Grundlage habe und sich mehr und mehr<lb/>erhebe. Begleite huldreich all mein Wort und Werk<lb/>mit Deiner Gnade, auf daß es zum wahren Wohle<lb/>meiner Kinder gereiche. Durch Jesum Christum. Amen.</p>
						
                  </div>
						
                  <pb facs="images/C889_001_1874_0193"
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                  <div xml:id="d62092e16532">
							
							
                     <head rendition="#c">Gebet um Schutz für die Kinder in ihren<lb/>Gefahren.</head>
							
                     <p>O Gott, wie vielen und großen Gefahren sind<lb/>meine Kinder ausgesetzt, an Leib und Seele Schaden<lb/>zu nehmen, ja zu Grunde zu gehen! Und wie un-<lb/>zureichend ist der Schutz, den ich ihnen angedeihen<lb/>lassen kann. Ja, Herr, <q>„vergeblich wache ich über<lb/>sie, wenn Du nicht wachen hilfst.“</q> Wenn sie aber<lb/>
                        <q>„unter Deinem hülfreichen Schutze wohnen, o Aller-<lb/>höchster, und weilen unter Deiner Obhut, Du Gott<lb/>des Himmels“</q>, wie ruhig darf ich dann sein. So<lb/>empfehle ich denn, o Herr, meine Kinder in Deinem<lb/>mächtigen Schutz und Schirm. Halte gnädig von<lb/>ihnen fern, was für ihre Gesundheit und Unversehrt-<lb/>heit, oder für ihr Leben gefährlich oder schädlich ist;<lb/>lasse sie ihrem Leibe nach wohl gedeihen. Vor Allem<lb/>aber schütze sie in den Gefahren ihrer Seele. Wehre<lb/>mit mächtiger Hand von ihnen ab, was einen nach-<lb/>theiligen Einfluß auf ihr jugendliches Herz üben<lb/>und zu Verkehrtheit und Sünde Anlaß werden mag.<lb/>Bewahre sie vor der Sünde! Sende <q>„Deine h. En-<lb/>gel, daß sie meine Kinder behüten auf allen ihren<lb/>Wegen, daß sie dieselben auf ihren Händen tragen,<lb/>um nicht anzustoßen“</q>. O allmächtiger Gott und<lb/>Vater, führe meine Kinder durch die Gefahren und<lb/>Stürme dieses Lebens also hindurch, daß sie sicher<lb/>einst anlangen im Hafen des Heiles. Amen.</p>
						
                  </div>
						
                  <div xml:id="d62092e16603">
							
                     <head rendition="#c">Gebet, daß der Herr die Kinder vor der<lb/>Todsünde bewahre.</head>
							
                     <p>O Gott, wie zahlreich und wie groß sind in der<lb/>jetzigen Welt für meine Kinder die Gefahren der<lb/>Sünde und des Verderbens! Und nimmer liegt es<lb/>
                        <pb facs="images/C889_001_1874_0194"
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0190_0001"/>in meiner Macht, sie davor sicher zu stellen. Du<lb/>mußt helfen, Du mußt schützen, Du mußt retten<lb/>und zum Siege führen. So rüste Dich denn, o Herr,<lb/>mit der Kraft Deiner Gnaden und eile mit großer<lb/>Macht zu Hülfe, damit das Ungeheuer der Todsünde<lb/>sich keinem meiner Kinder nahe. Du weißt es, o<lb/>Herr, wie sehr ich meine Kinder liebe; aber lieber<lb/>will ich, daß Du sie durch den Tod mir nehmest,<lb/>als daß sie durch schwere Sünde in den Tod der<lb/>Seele verfallen und für Dich ein Gegenstand des<lb/>Abscheu's und des Hasses werden. Darum bitte ich<lb/>Dich. Du Vater meiner Kinder, eile, wenn längeres<lb/>Leben sie in dieses Unglück stürzen würde, mit ihnen<lb/>hinweg aus diesem Leben, auf daß ich, für dies<lb/>kurze Erdenleben sie missend, in Deinem Hause sie<lb/>wiederfinden möge, um ewig sie mit Dir und in Dir<lb/>zu besitzen. Erhöre mich, o Herr, erhöre mich. Durch<lb/>Jesum Christum unsern Herrn. Amen.</p>
							
                     <p>Ave Maria.</p>
						
                  </div>
						
                  <div xml:id="d62092e16662">
							
                     <head rendition="#c">Gebet für die Kinder um die Gnade der<lb/>Keuschheit.</head>
							
                     <p>O allerheiligster Gott, der Du die Reinigkeit<lb/>und Unschuld liebest, verleihe meinen Kindern die<lb/>kostbare Gnade der h. Reinigkeit. Wehe, wenn das<lb/>Laster der Unkeuschheit über sie hereinbräche! Wie<lb/>unglücklich würden sie sein – leicht für Zeit und<lb/>Ewigkeit. Herr behüte sie; halt mit mächtigem Arm<lb/>dies Ungethüm von ihnen fern! Ohne Deine beson-<lb/>dere Gnade können sie die Keuschheit nicht bewahren.<lb/>O Gott, schenke ihnen diese Gnade! Durch sie sei<lb/>ihr Herz wie ein Heiligthum, unentweihet von jeg-<lb/>lichem unreinen Gedanken und Sinne; durch sie sei ihr<lb/>
                        <pb facs="images/C889_001_1874_0195"
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0191_0001"/>Auge züchtig, Ohr und Mund jeglicher Ungebühr<lb/>in Wort und Rede unzugänglich und verschlossen.<lb/>Durch sie erfülle sie mit Abscheu gegen Jegliches,<lb/>was der h. Ehrbarkeit zuwider ist und lasse sie nach<lb/>Leib und Seele in unverletzter Lauterkeit bestehen,<lb/>auf daß sie allimmerdar reine Hände zu Dir erheben<lb/>und ihr Leib ein unentweihter Tempel des h. Geistes<lb/>verbleibe. O Gott, Du Liebhaber reiner Seelen, laß<lb/>meine Kinder zu Deinen Lieblingen gehören; lasse<lb/>den Segen und das Heil, so nach Deiner gnädigen<lb/>Anordnung in Zeit und Ewigkeit die h. Reinigkeit<lb/>begleitet, auch über meine Kinder kommen. Amen.</p>
							
                     <p>H. Jungfrau Maria, Du keuscheste Mutter, Du<lb/>Vorbild und Fürsprecherin reiner Seelen, h. Joseph,<lb/>Du keuschester Bräutigam der h. Jungfrau, h. Aloy-<lb/>sius, Du Engel im Fleische, und alle ihr h. Jünglinge<lb/>und Jungfrauen und Kinder und alle Heiligen, helfet<lb/>mir mit eurer kräftigen Fürbitte, auf daß der Herr<lb/>wie einst euch, so auch meinen Kindern die Gnade<lb/>unverletzter Unschuld und Keuschheit gebe. Amen.</p>
						
                  </div>
						
                  <div xml:id="d62092e16740">
							
                     <head rendition="#c">Gebet, daß Gott die Lebensverhältnisse der<lb/>Kinder zu ihrem Besten lenken möge.</head>
							
                     <p>Alles, o Gott, ruhet in Deiner Hand; <q>„Deine<lb/>Macht waltet von einem Ende der Erde bis zum<lb/>andern und ordnet alles gar wohl.“</q> Du ordnest<lb/>Alles so, daß es, so viel an Dir, dazu diene, die<lb/>Menschen zu dem Ziele wahrer Lebensheiligkeit, wo-<lb/>zu Du sie geschaffen hast, zu führen, damit sie Dei-<lb/>nen h. Namen verherrlichen und zeitlich und ewig<lb/>wahrhaft glücklich seien. Und Du kennest, allwissen-<lb/>der Gott, die Wege, auf welchen meine Kinder am<lb/>Sichersten und am Besten zu diesem ihrem wahren<lb/>
                        <pb facs="images/C889_001_1874_0196"
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0192_0001"/>Heile gelangen mögen. Darum stehe ich zu Dir,<lb/>führe sie gnädig auf diese Wege. Möge in Allem<lb/>nur Dein heil. Wille an ihnen geschehen! Dein<lb/>heil. Wille allein ist ihr Heil. Lasse nicht zu, daß<lb/>ich selbst durch unzeitige irdische Rücksichten verleitet<lb/>und verblendet sie auf Wege leite, die trotz allem<lb/>Scheine schließlich zu ihrem verderben führen. Halte<lb/>sie, daß sie nicht selbst durch jugendlichen Leichtsinn<lb/>verlockt auf solche Wege sich verirren! Du, o gro-<lb/>ßer, unendlich weiser, unendlich liebevoller, unend-<lb/>lich mächtiger Vater meiner Kinder, Du wollest sie<lb/>führen; Du führst stets zum Heile.</p>
							
                     <p>Insbesondere flehe ich zu Dir, Du wollest es<lb/>nach der Weisheit und Macht Deiner Wege ordnen,<lb/>daß ein jedes meiner Kinder zu dem Lebensstande<lb/>gelange, wozu Du sie berufen hast. In diesem von<lb/>Dir bestimmten Berufe allein liegt ihr <hi rendition="#w">volles</hi> Heil.<lb/>O darum lasse es nicht zu, daß meine Kinder von<lb/>Sünde und verkehrter Neigung hingenommen den-<lb/>selben verfehlen. Gib und erhalte ihnen einen le-<lb/>bendigen Glauben, befestige sie in Deiner h. Furcht<lb/>und in wahrer Frömmigkeit; dann werden sie durch<lb/>Deine Gnade zur Zeit ihren Beruf erkennen; dann<lb/>werden sie unbeirrt sich demselben hingeben und Du<lb/>wirst mit ihnen sein. Erhöre mich, o Herr, erhöre<lb/>mich. Durch Jesum Christum. Amen.</p>
						
                  </div>
						
                  <div xml:id="d62092e16835">
							
                     <head rendition="#c">Gebet für Kinder, die an hartnäckigen<lb/>Fehlern leiden.<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
									
                           <p>Es geschieht zuweilen, am Ende nicht selten, daß sich<lb/>bei den Kindern, besonders bei den Erwachsenen, gewisse<lb/>Fehler herausstellen, welche zu beseitigen den Eltern bei<lb/>aller Sorgfalt und Mühe nicht gelingt. Vielleicht ist,<lb/>wenn es sich um erwachsene Söhne oder Töchter handelt,<lb/>der Vater, die Mutter selbst nicht ohne Schuld; weil sie<lb/>früh, wo es Zeit war, gegen die Fehler ihrer Kinder nicht<lb/>eingetreten sind, so sind dieselben größer und hartnäckiger<lb/>geworden. Was denn nun? Sollen sie die Waffen strecken?<lb/>Die Sache aufgeben? Das sei fern! Muß ihnen denn<lb/>nicht Alles daran liegen, daß ihre Kinder von ihren Feh-<lb/>lern, worin die Gefahr ihres Verderbens liegt, loskom-<lb/>men? Und dazu bleibt, wenn auch Alles fehlschlägt,<lb/>dennoch ein Mittel, das inständige, beharrliche flehentliche<lb/>Gebet für solche Kinder. O, wenn alle Väter und Müt-<lb/>ter, der h. Monika ähnlich, das Mittel gebührend verwen-<lb/>deten! Wie manches Kind, das nun in seinen Fehlern<lb/>heranwächst, wie manche Söhne und Töchter, die nun<lb/>dem Verderben entgegeneilen, würden durch das Gebet<lb/>der Eltern die Gnade erhalten, von ihren Fehlern und<lb/>Verirrungen loszukommen zu ihrem Heile, zur unaus-<lb/>sprechlichen Freude des Vaters, der Mutter!</p>
                        </note>
							
                     </head>
							
                     <p>Allmächtiger Gott, reich an Gnade, der Du<lb/>
                        <q>„die Herzen der Menschen lenkest, wie Wasserbäche“</q>,<lb/>
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0193_0001"/>höre gnädig mein Flehen für meinen Sohn (meine<lb/>Tochter). Du weißt es, wie sehr der Zustand seiner<lb/>(ihrer) Seele mein Herz mit Kummer und Sorge<lb/>erfüllt. Ach, <hi rendition="#w">meine</hi> Bestrebungen bleiben an ihm<lb/>(ihr) ohne Erfolg. Was bleibt mir also, als zu<lb/>Dir meine Zuflucht zu nehmen? Du bist ein starker<lb/>Gott, <q>„mächtig, jegliche Gnade in überfließendem<lb/>Maße zu geben,“</q> und durch Deine Gnade auch die<lb/>härtesten Herzen zu rühren. Wie oft hast Du durch<lb/>die Wirkungen Deiner Gnade auch die verkommensten<lb/>Sünder zur Umkehr vermocht; wie oft hast Du ins-<lb/>besondere die Bitten frommer Eltern erhört und um<lb/>ihretwillen den Kindern die Gnade wahrer Besserung<lb/>verliehen. So verschmähe denn auch mein Flehen<lb/>nicht. Es ist unwürdig, ich bekenne es, ich habe vor<lb/>Dir gesündigt und trage vielleicht selbst einen Theil<lb/>
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0194_0001"/>der Schuld an den Fehlern und Verirrungen meines<lb/>Sohnes (meiner Tochter). Aber, o barmherziger<lb/>Gott, verzeihe mir, da ich nun meine Sünde herz-<lb/>lich bereue; laß Gnade für Recht ergehen. Durch<lb/>Deine unermeßliche Barmherzigkeit, durch die Ver-<lb/>dienste Deines göttlichen Sohnes, meines Heilandes,<lb/>durch die Fürbitte der allerseligsten Jungfrau Maria,<lb/>der h. Monika und aller Heiligen bitte ich Dich,<lb/>suche meinen Sohn (meine Tochter) heim mit Deiner<lb/>Gnade, damit er seinen (sie ihren) Fehler erkenne,<lb/>ihn herzlich bereue und fortan in Allem nach Deinem<lb/>h. Willen und Wohlgefallen wandelnd das Heil erlange.</p>
							
                     <p>O Maria, Du Mutter der Barmherzigkeit, Du<lb/>Zuflucht der Sünder, h. Monika, du siegreiche Be-<lb/>terin für deinen Sohn und alle Heiligen unterstützet<lb/>durch eure mächtige Fürbitte mein Gebet, auf daß<lb/>es Erhörung finden möge. Amen.</p>
						
                  </div>
						
                  <div xml:id="d62092e16985">
							
                     <head rendition="#c">Der Rosenkranz des christlichen Vaters.</head>
							
                     <p rendition="#l1em">I. <hi rendition="#w">Für sich selbst</hi>.</p>
							
                     <p>1. Der mir die Gnade eines guten Beispiels für<lb/>meine Kinder geben wolle.</p>
							
                     <p>2. Der mir Weisheit zu einer heilsamen Er-<lb/>ziehung schenken wolle.</p>
							
                     <p>3. Der mich vor unzeitiger Nachsicht und vor<lb/>allem aufgebrachten Wesen bewahren wolle.</p>
							
                     <p>4. Der mir Eifer und Ausdauer für die gute<lb/>Erziehung meiner Kinder schenken wolle.</p>
							
                     <p>5. Der meine Bemühungen für meine Kinder<lb/>segnen wolle.</p>
							
                     <p rendition="#l1em">II. <hi rendition="#w">Für die Kinder</hi>.</p>
							
                     <p>1. Der meine Kinder in allen Gefahren Leibes<lb/>und der Seele beschützen wolle.</p>
							
                     <pb facs="images/C889_001_1874_0199"
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                     <p>2. Der meine Kinder von ihren bösen Neigungen<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
									
                           <p>Oder nach Umständen nehme man für <q>„von ihren<lb/>bösen Neigungen“</q>: <q>„von ihrer Neigung zum <hi rendition="#w">Lügen</hi>“</q>,<lb/>– <q>„zum Naschen“</q> – <q>„von ihrem Eigensinn und Unge-<lb/>horsam“</q> – <q>„von ihrer Trägheit und Nachlässigkeit im<lb/>Lernen“</q> – <q>„von ihrer Ausgelassenheit“</q> – <q>„von ihrer<lb/>Unvertragsamkeit“</q> – <q>„von ihrem Leichtsinn“</q> – <q>„von dem<lb/>Geiste der Unlauterkeit“</q> – <q>„von ihrem Hange nach sinn-<lb/>lichen Vergnügen“</q> – <q>„von ihrer Gleichgültigkeit gegen<lb/>Gott und Religion u.s.w.“</q>
                           </p>
                        </note>
                        <lb/>befreien wolle.</p>
							
                     <p>3. Der meinen Kindern den Geist der Gottesfurcht<lb/>und Frömmigkeit<note place="bottom" anchored="true" n="**)">
									
                           <p>Oder nach Umständen statt <q>„den Geist der Gottes-<lb/>furcht und Frömmigkeit“</q>: <q>„die Gnade des Glaubens“</q> –<lb/>
                              <q>„die Gnade der göttlichen Liebe“</q> – <q>„die Gnade des Eifers<lb/>zu Gebet und Gottesdienst“</q> – <q>„die Gnade der Demuth<lb/>und Bescheidenheit“</q> – <q>„die Gnade der Mäßigkeit“</q> -<lb/>
                              <q>„die Gnade einer wahren Nächstenliebe“</q> – <q>„die Gnade<lb/>der Barmherzigkeit gegen die Armen.“</q>
                           </p>
                        </note> geben und vermehren wolle.</p>
							
                     <p>4. Der meinen Kindern den Segen des vierten<lb/>Gebotes vermitteln wolle.<note place="bottom" anchored="true" n="***)">
									
                           <p>Das will sagen: Der meine Kinder zur treuen Er-<lb/>füllung ihrer Pflichten gegen die Eltern erwecken und be-<lb/>gnadigen wolle, damit der Segen des vierten Gebotes ihnen<lb/>zu Theile werde. Diese Pflichten sind <hi rendition="#w">ja für die Kin-</hi>
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                              <hi rendition="#w">der</hi> die allerwichtigsten, in ihrer Erfüllung ist für sie<lb/>
                              <hi rendition="#w">alles</hi> Gute begriffen; so vollkommen sie <hi rendition="#w">diese</hi> Pflichten<lb/>der Hochachtung, der Liebe und des Gehorsams gegen die<lb/>Eltern erfüllen, so <hi rendition="#w">gut</hi> sind sie jetzt vor Gott, so <hi rendition="#w">begrün-</hi>
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                              <hi rendition="#w">det</hi> ist die Hoffnung, daß sie auch in ihren übrigen und<lb/>in den spätern Lebensbeziehungen gut sein werden, so <hi rendition="#w">viel</hi>
                           </p>
									
                           <p>wird der Segen wahrer christlicher Tugendhaftigkeit über-<lb/>haupt über sie kommen. Was könnten also die Eltern<lb/>Kostbareres für ihre Kinder erstehen, als die Gnade, das<lb/>vierte Gebot treu und vollkommen zu erfüllen? <hi rendition="#w">Ohne</hi>
                              <lb/>die Gnade Gottes <hi rendition="#w">können</hi> ja die Kinder es nicht erfüllen.</p>
                        </note>
                     </p>
							
                     <pb facs="images/C889_001_1874_0200"
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                     <p>5. Der meine Kinder vor dem Unglücke der Tod-<lb/>sünde bewahren wollet<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
									
                           <p>Zur Abwechselung oder bei besondern Anlässen,<lb/>z.B. wenn die Kinder zur h. Beicht gehen sollen: <q>„Der<lb/>meinem Sohne (meiner Tochter) die Gnade der Buße (einer<lb/>wahren Reue) und einer würdigen Beichte verleihen wolle.“</q>
                              <lb/>– Zur Zeit des Communion-Unterrichtes: <q>„Der m. S.<lb/>(m. T.) zur heilsamen Erlernung der h. Religion erwecken<lb/>und erleuchten wolle;“</q>
										
                              <q>„der m. S. (m. T.) die Gnade<lb/>einer würdigen Vorbereitung zur ersten h. Communion<lb/>verleihen wolle.“</q> – In den Tagen vor der ersten h. Com-<lb/>munion: <q>„Der das Herz meines Sohnes (meiner Tochter)<lb/>durch Seine Gnade zu einer würdigen Wohnung für Sich<lb/>zubereiten wolle.“</q> – Bei Entlassung eines Sohnes (einer<lb/>Tochter) aus dem elterlichen Hause (in die Fremde u.s.w.):<lb/>
                              <q>„Der m. S. (m. T.) in der Obhut Seines Schutzes und<lb/>Seiner Gnade unverletzt erhalten wolle.“</q> – In Betreff<lb/>der Standeswahl: <q>„Der m. S. (m. T.) durch das Licht<lb/>und den Beistand Seiner Gnade zu seinem (ihrem) wah-<lb/>ren Berufe verhelfen wolle,“</q> u.s.w.</p>
                        </note>
                     </p>
						
                  </div>
						
                  <div xml:id="d62092e17290">
							
                     <head rendition="#c">Gebet des christlichen Vaters für seine Frau.</head>
							
                     <p>O Gott, der Du nebst mir auch meiner Ehe-<lb/>gattin die Kinder anvertrauet hast, höre an mein<lb/>Flehen für sie. Wie groß ist der Einfluß, den sie<lb/>als Mutter auf die Kinder üben mag; sei also mit<lb/>ihr, auf daß sie unsern Kindern eine treue, wahrhaft<lb/>christliche Mutter sei. Durchdringe sie ganz mit dem<lb/>Geiste wahrer Gottesfurcht und Frömmigkeit, erfülle<lb/>ihr Herz mehr und mehr mit Liebe zu Dir und zu<lb/>den Kindern, auf daß sie dieselben für Dich erziehe<lb/>und durch Wort und Beispiel zu einem wahrhaft<lb/>christlichen Leben anleite und zum Heile führe. Stehe<lb/>ihr bei, auf daß sie unter den Opfern und Beschwer-<lb/>den ihres mütterlichen Berufes nicht erliege; suche sie<lb/>heim mit dem Troste Deiner Gnade. Segne ihre<lb/>
                        <pb facs="images/C889_001_1874_0201"
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0197_0001"/>Bemühungen an den Kindern, auf daß sie zu Dei-<lb/>nem Wohlgefallen und zu ihrer und meiner Freude<lb/>heranwachsen. Du bist ein reicher Vergelter; so lohne<lb/>denn meiner Gattin Alles, was sie für die Kinder,<lb/>welche ja auch Dein sind, unablässig thut, mit Gnade<lb/>und ewigem Heile. Amen.</p>
						
                  </div>
						
                  <div xml:id="d62092e17342">
							
                     <head rendition="#c">Gebet um die Gnade der standesmäßigen<lb/>Keuschheit.<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
									
                           <p>Mit Recht findet dieses Gebet Platz unter den Gebe-<lb/>ten eines christlichen Vaters. Denn kommt es, damit die<lb/>Erziehung wohl gelinge, vor Allem darauf an, daß die<lb/>Eltern echt christliche Frömmigkeit üben, weil nur dann<lb/>das so notwendige gute Beispiel und der Segen der gött-<lb/>lichen Gnade – beide ganz unentbehrlich – stattfindet,<lb/>so ist es ja eben ein keusches Herz und Leben, worin allein<lb/>solche Frömmigkeit gedeihet. Daher Gottes h. Wille, daß<lb/>auch Eheleute in ihrem Stande züchtig und ehrbar leben.<lb/>Es finde hier das ernste Wort des h. Engels Raphael<lb/>an den jüngern Tobias Platz (Buch Tobias 6, 17 ff.):<lb/>
                              <q>„Welche so in den Ehestand treten,“</q> und so darin leben,<lb/>
                              <q>„daß sie Gott von sich und von ihrem Herzen ausschlie-<lb/>ßen, und ihrer Wollust also Pflegen, wie Roß und Maul-<lb/>esel, die keinen Verstand haben, über <hi rendition="#w">die</hi> hat der Teufel<lb/>Gewalt“</q> (das bezieht sich auf die sieben Männer der Sara,<lb/>welche sämmtlich in der Nacht nach der Verehelichung plötz-<lb/>lich starben); <q>„ich habe gehört,“</q> sagte Tobias (6, 14), <q>„daß<lb/>ein böser Geist sie getödtet hat“</q> (und der Engel bestätigt<lb/>das). <q>„Du aber,“</q> fährt der Engel fort, <q>„nimm die Jung-<lb/>frau (Sara) zu dir in der Furcht des Herrn, mehr aus<lb/>Liebe zu den Kindern, als aus Lust.“</q> Und also sprach<lb/>Tobias zu seiner Gemahlin Sara: <q>„Wir sind Kinder der<lb/>Heiligen und dürfen nicht so zusammenkommen, wie die<lb/>Heiden, welche Gott nicht kennen.“</q> Sollen aber christliche<lb/>Eheleute so zusammenkommen, wie es <q>„Kindern der Heili-<lb/>gen“</q> d. i. Christen geziemt, sollen sie in standesmäßiger<lb/>Keuschheit leben, so bedürfen sie einer besondern Gnade.<lb/>
                              <q>„Und da ich wußte,“</q> heißt es im Buche der Weisheit<lb/>(8, 21) <q>„daß ich nicht enthaltsam (keusch) sein könnte, wenn<lb/>der Herr es nicht verleihet, so trat ich zum Herrn und<lb/>flehete“</q> (um diese Gnade), <q>„mit der ganzen Inbrunst mei-<lb/>nes Herzens.“</q> Daher obiges Gebet. Möge es oft <q>„mit<lb/>der ganzen Inbrunst des Herzens“</q> verrichtet werden.</p>
                        </note>
							
                     </head>
							
                     <p>O Gott, Du Liebhaber reiner Seelen, <q>„von dem<lb/>jegliches vollkommene Geschenk kommt,“</q> auch ich<lb/>
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                        <q>„trete zu Dir hin und flehe mit ganzer Inbrunst<lb/>meines Herzens“</q> um die Gabe und Gnade der stan-<lb/>desmäßigen Keuschheit, denn <q>„ich weiß, daß ich nicht<lb/>keusch zu leben vermag, wenn Du es nicht verleihest“</q>.<lb/>Schenke mir diese Gnade! Wie kostbar ist vor Dir<lb/>das züchtige und ehrbare Zusammenleben der Ehe-<lb/>leute, welche ein reines Herz haben! Auf ihnen ruhet<lb/>Dein Wohlgefallen; sie erfahren den Segen Deiner<lb/>besten Gaben und Gnaden; von ihnen gehet Heil und<lb/>Segen aus über die Kinder. <q>„O wie schön ist ein<lb/>keusches Geschlecht!“</q> – So lasse denn nicht zu, daß<lb/>ich im ehelichen Zusammleben mich zügellos den<lb/>sinnlichen Gelüsten in die Arme werfe, <q>„wie Roß<lb/>und Maulesel, die keinen Verstand haben,“</q> laß nicht<lb/>zu, daß ich die h. Scham mit Füßen trete, <q>„wie die<lb/>Heiden“</q> und so <q>„Dich von mir und meinem Herzen<lb/>ausschließend dem Teufel über mich Gewalt einräume“</q>.<lb/>Nein, o Herr, o nein! <q>„Lasse uns zusammenkommen<lb/>so, wie es Kindern der Heiligen geziemt,“</q>
								
                        <q>in der<lb/>Furcht des Herrn, mehr aus Liebe zu den Kindern,<lb/>als aus Lust.“</q> – Du hast nur huldreich Anspruch<lb/>auf solche Gnade gegeben im h. Sakrament der Ehe,<lb/>Du bist bereit, sie mir zu schenken, wenn ich nach<lb/>Gebühr bei Dir flehend darum anhalte. Sieh, Herr,<lb/>ich flehe darum; so gieb sie mir! Durch diese Gnade<lb/>hast Du zu aller Zeit in Deiner h. Kirche jene hei-<lb/>ligen Eheleute gebildet, die selbst im Ehestande ein<lb/>
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                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0199_0001"/>enthaltsames Leben führten. Durch sie werde auch ich<lb/>stark sein, die unordentliche Sinnlichkeit zu zügeln;<lb/>durch sie gekräftigt werde ich treu verharren in den<lb/>Schranken, die Du gesetzt hast; von ihr erleuchtet<lb/>und geweihet werde ich den Zweck des ehelichen Stan-<lb/>des stets im Auge haltend mir nie erlauben, was<lb/>
                        <hi rendition="#w">ihm</hi> nicht entspricht; von ihr gestärkt werde ich ent-<lb/>haltsam sein, so viel es Dein h. Wille ist Du star-<lb/>ker Gott, <q>„bei dem Alles möglich ist,“</q> erhöre mich!</p>
							
                     <p>O h. Jungfrau Maria und Du jungfräulicher<lb/>Bräutigam derselben, h. Joseph, und ihr h. Eheleute<lb/>allzumal, bittet für mich. Amen.</p>
						
                  </div>
						
                  <div xml:id="d62092e17593">
							
                     <head rendition="#c">Litanei des christlichen Vaters.</head>
							
                     <p rendition="#ind-1">Herr, erbarme Dich meiner! – Christe, erbarme<lb/>Dich meiner!</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Herr, erbarme Dich meiner! – Christe, höre mich!</p>
							
                     <note place="margin" type="section-start" targetEnd="#marg_pbV30199">Erbarme Dich meiner!</note>
							
                     <p rendition="#ind-1">
                        <hi rendition="#w">Gott Vater vom Himmel</hi>,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Du großer Vater, von dem alle Vaterschaft ausgeht,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Gott, Du himmlischer Vater meiner Kinder,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Der Du meine Kinder mehr liebst, als ich sie<lb/>lieben kann,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Der Du willst, daß sie bei Dir ewig selig werden,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Der Du auch für sie Deinen eingebornen Sohn<lb/>dahingegeben hast,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Der Du Deine Engel zu ihrem Schutze sendest,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Der Du sie meiner Liebe und Sorge anvertrauet hast,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Der Du willst, daß ich sie Dir erhalte und für<lb/>Dich erziehe,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Der Du mich darüber einst zur strengen Rechen-<lb/>schaft ziehen wirst,</p>
								
                     <p rendition="#ind-1">Der Du die treue Erfüllung der Vaterpflichten<lb/>unaussprechlich belohnen willst,</p>
							
                     <pb facs="images/C889_001_1874_0204"
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                     <p rendition="#ind-1">
                        <hi rendition="#w">Gott Sohn, Erlöser der Welt</hi>,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Der Du für uns Mensch geworden bist,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">O Jesu, der Du selbst zum Kinde geworden das<lb/>zarte Alter der Kinder geheiligt hast,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">O Jesu, Du liebevollstes Kind,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">O Jesu, Du dankbarster und gehorsamster Sohn<lb/>Deiner h. Eltern,<lb/>O Jesu, Du Freund der Kinder,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Der Du die Kleinen zu Dir kommen hießest, um<lb/>sie zu herzen und zu segnen,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Der Du über Alle, welche den Kindern Anlaß<lb/>zum Bösen sein würden, Wehe gesprochen hast,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Der Du Alles, was um Deinetwillen an den<lb/>Kindern geschieht, als Dir geschehen erachtest,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Der Du meine Kinder geliebet und Dich selbst<lb/>für sie dahingegeben hast,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Der Du auch für sie Deine h. Kirche mit allen<lb/>Gnadengütern ausgestattet hast,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Der Du mich durch das h. Sakrament der Ehe für<lb/>meinen Vaterberuf geweihet und begnadiget hast,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Der Du mir in Deiner h. Kirche für diesen Be-<lb/>ruf reichliche Gnade bereitet hast,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">
                        <hi rendition="#w">Gott h. Geist</hi>,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Der Du durch Deine Gnadenwirksamkeit in der<lb/>heil. Taufe meine Kinder zu Kindern Gottes<lb/>umgeschaffen hast,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Ohne dessen Gnade ich meine Pflichten an den<lb/>Kindern nicht heilsam erfüllen kann,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Ohne dessen Gnade meine Kinder nicht gut wer-<lb/>den und sein können,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Du Geist der Weisheit und des Verstandes,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Du Geist des Rathes und der Stärke,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Du Geist der Gottseligkeit und der Furcht des Herrn,</p>
                     <note place="margin" type="section-end" xml:id="marg_pbV30199"/>
							
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                     <p rendition="#ind-1">Du Geist der Wissenschaft und aller Gnaden, er-<lb/>barme Dich meiner!</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Der Du oft schon in Kindern wunderbare Gnaden<lb/>wirksam gemacht hast, erbarme etc.</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">H. Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme etc.</p>
							
                     <note place="margin" type="section-start" targetEnd="#marg_pbV30201">Bitte (bittet) für mich!</note>
							
                     <p rendition="#ind-1">
                        <hi rendition="#w">H. Maria</hi>,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Du Gottesgebärerin,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Mutter Christi,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Die Du Deinen göttlichen Sohn im Tempel ge-<lb/>opfert hast,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Die Du mit Ihm nach Aegypten geflüchtet bist,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Die Du Ihn drei Tage mit Schmerzen gesucht hast,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Die Du Ihn am Kreuze hast leiden und sterben<lb/>gesehen,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Die Du Ihn willig dem Vater zum Opfer ge-<lb/>bracht hast,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Die Du durch Seine Auferstehung und Himmel-<lb/>fahrt hoch erfreut worden,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Die Du nun mit Ihm im Himmel verherrlicht<lb/>bist,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">
                        <hi rendition="#w">H. Joseph</hi>,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Du Patron der christlichen Familien,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Der Du Deinen göttlichen Pflegesohn auf's Sorg-<lb/>fältigste beschützet und gepflegt hast,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Der Du das Glück hattest, mit Ihm so viele<lb/>Jahre zu leben und zu arbeiten,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Der Du in Seinen Armen Deinen Geist aus-<lb/>gehaucht hast,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Ihr hh. <hi rendition="#w">Schutzengel</hi> und Freunde meiner Kinder,<lb/>die ihr stets das Angesicht des himmlischen Va-<lb/>ters schauet,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Die ihr von Gott gesendet seid zum Schutze mei-<lb/>ner Kinder,</p>
							
                     <pb facs="images/C889_001_1874_0206"
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                     <p rendition="#ind-1">Die ihr voll Liebe zu meinen Kindern stets darauf<lb/>bedacht seid, sie zu schützen und zu führen,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">H. <hi rendition="#w">Joachim</hi>, du frommer Gemahl der h. Anna,<lb/>du Vater der h. Jungfrau Maria,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Alle hh. Väter des alten Bundes,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Alle ihr hh. Väter, welche ihr eure Kinder lieber<lb/>in Martern sterben als ihren Glauben ver-<lb/>leugnen sehen wolltet,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Alle hh. Väter!</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Die ihr mit der vollkommensten Sorgfalt die vom<lb/>Herrn euch geschenkten Kinder durch Wort und<lb/>Beispiel zur wahren Lebensheiligkeit erzogen habet,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Die ihr durch die treue Erfüllung eurer Vater-<lb/>pflichten auch selbst zur Heiligkeit und zur<lb/>höchsten Herrlichkeit im Himmel gelangt seid,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Alle h. Engel,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Alle h. Patriarchen und Propheten,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Alle h. Apostel und Märtyrer,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Alle h. Bischöfe, Priester und Bekenner,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Alle h. Jungfrauen und Wittwen,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Alle heiligen und unschuldigen Kinder,</p>
                     <note place="margin" type="section-end" xml:id="marg_pbV30201"/>
							
                     <p rendition="#ind-1">Sei mir gnädig, verschone mich, o Herr!</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Sei mir gnädig, erhöre mich, o Herr!</p>
							
                     <note place="margin" type="section-start" targetEnd="#marg_pbV30202">Erlöse mich, o Herr!</note>
							
                     <p rendition="#ind-1">Von allem Uebel,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Von Gleichgültigkeit gegen meinen väterlichen Beruf,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Von Vernachlässigung meiner Vaterpflichten,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Von Geringschätzung des Seelenheiles meiner Kinder,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Von unzeitiger Liebe und Nachsicht,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Von Zorn und auffahrendem Wesen,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Von jeglichem bösen Beispiele,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Vom Geiste der Unkeuschheit,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Durch die Verdienste Deines Lebens, Leidens und<lb/>Sterbens,</p>
                     <note place="margin" type="section-end" xml:id="marg_pbV30202"/>
							
                     <pb facs="images/C889_001_1874_0207"
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                     <p rendition="#ind-1">Durch Deine Liebe zu den Kindern, erlöse mich, o Herr!</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Durch den reichen Lohn, den Du denen verheißen<lb/>hast, welche sich um Deinetwillen der Kinder an-<lb/>nehmen, erlöse etc.</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Durch die Erbarmungen Deines göttlichen Herzens,<lb/>erlöse etc.</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Ich Sünder! Ich bitte Dich, erhöre mich!</p>
							
                     <note place="margin" type="section-start" targetEnd="#marg_pbV30203">Ich bitte Dich, erhöhe mich!</note>
							
                     <p rendition="#ind-1">Daß Du mir die Gnade verleihen wollest, die<lb/>Hoheit meines väterlichen Berufes gebührend<lb/>zu erkennen!</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Daß Du mir zur rechten Erkenntniß der Heilig-<lb/>keit und Wichtigkeit der Pflichten gegen meine<lb/>Kinder verhelfen wollest!</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Daß Du mir im schweren Werke der Erziehung<lb/>Einsicht und Weisheit schenken wollest,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Daß Du mein Herz zur rechten Liebe gegen meine<lb/>Kinder lenken wollest,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Daß Du mich zum Eifer im Gebete für meine<lb/>Kinder erwecken wollest,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Daß Du meine Lehren und Ermahnungen segnen<lb/>wollest,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Daß Du mir die Gnade geben wollest, meinen Kindern<lb/>in Allem mit einem guten Beispiele vorzugehen,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Daß Du meine Kinder vor allem Leichtsinn und<lb/>vor jeglicher Todsünde bewahren wollest,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Daß Du den Geist wahrer Gottesfurcht und Fröm-<lb/>migkeit in ihnen begründen und erhalten wollest,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Daß Du ihnen den Schatz unverletzter Unschuld<lb/>erhalten wollest,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Daß Du die Nachstellungen des bösen Feindes<lb/>an ihnen zu Schanden machen wollest,</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Daß Du sie vor den bösen Einflüssen der Welt<lb/>bewahren wollest,</p>
                     <note place="margin" type="section-end" xml:id="marg_pbV30203"/>
							
                     <pb facs="images/C889_001_1874_0208"
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                     <p rendition="#ind-1">Daß Du die Bemühungen der Geistlichen und Lehrer<lb/>an ihnen segnen wollest, ich bitte Dich, erhöre mich!</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Daß Du sie in Deiner Gnade erhalten wollest, ich<lb/>bitte etc.</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Daß Du sie zum ewigen Leben führen wollest, ich<lb/>bitte etc.</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">O Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die<lb/>Sünden der Welt, verschone mich, o Herr!</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">O Du Lamm Gottes..., erhöre mich, o Herr!</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">O Du Lamm Gottes..., erbarme Dich meiner!</p>
							
                     <p rendition="#ind-1">Christe, höre mich u.s.w.</p>
							
                     <p>Vater unser. – Ave.</p>
							
                     <p rendition="#c">Gebet.</p>
							
                     <p>O Gott, dessen Barmherzigkeit unermeßlich und<lb/>dessen Güte unendlich ist, ich danke Deiner mildesten<lb/>Majestät für alle Gaben und Gnaden, welche Du<lb/>meinen Kindern und mir in ihnen bisher verliehen<lb/>hast, und da Du den Flehenden ihre Bitte gewäh-<lb/>rest, so flehe ich unablässig zu Deiner Vaterhuld,<lb/>daß Du mich und meine Kinder nimmer verlassen<lb/>und uns zu den ewigen Belohnungen verhelfen wollest.<lb/>Durch Jesum Christum. Amen.</p>
						
                  </div>
						
                  <div xml:id="d62092e18118">
							
                     <head rendition="#c">Gebet zum h. Herzen Jesu.</head>
							
                     <p>O heiligstes Herz Jesu, Du Sitz der vollkommensten<lb/>Liebe, Du Inbegriff aller Vollkommenheiten, würdig,<lb/>daß alle Herzen Dich aufs Höchste verehren, Dich lie-<lb/>ben, Dir anhangen; auch ich bringe Dir meine innigste<lb/>Verehrung dar; ich liebe Dich von ganzem Herzen und<lb/>wünsche nichts mehr, als daß ich Dich immer mehr lieben,<lb/>möge, um Dir mein ganzes Herz und Leben zu weihen.</p>
							
                     <p>O göttliches Herz, das Du Dich mit solcher Liebe<lb/>und Sorgfalt der Menschen angenommen und Alles,<lb/>
                        <pb facs="images/C889_001_1874_0209"
                            n="205"
                            xml:id="C889V3_001_1874_pb0205_0001"/>was zu ihrem Heile dienlich war, für sie gethan und<lb/>geordnet und Dich für sie in Schmach und Qual<lb/>und in den Tod hingegeben hast, erwecke auch in<lb/>meinem Herzen diese Gesinnungen der Liebe gegen<lb/>meine Kinder, auf daß ich ganz für sie lebe und,<lb/>wie Du, Alles aufbiete, sie zum Heile zu führen.</p>
							
                     <p>In Dein liebevolles Herz, o Jesu, empfehle und<lb/>beschließe ich meine Kinder. Du kennest die Gefahren,<lb/>denen sie ausgesetzt sind, die Feinde, die ihnen Ver-<lb/>derben drohen. Habe Mitleid mit ihnen! Nach der<lb/>Menge Deiner Erbarmungen eile ihnen zu Hülfe.</p>
							
                     <p>O heiligstes Herz meines Herrn, Du Inbegriff<lb/>aller Tugenden und Vollkommenheiten, tilge an mei-<lb/>nen Kindern Alles, was Dir an ihnen mißfällt; zer-<lb/>störe in ihnen die Sünde und vergieb ihnen alles Böse,<lb/>was sie wider Dich gethan haben. Was immer Dir<lb/>gefällt, das flöße ihnen aus Deinem allerheiligsten<lb/>Herzen ein. Wenn sie nur in deiner Liebe verbleiben,<lb/>so schalte im Uebrigen mit ihnen nach Deinem Wohl-<lb/>gefallen; nur verwirf sie nicht von Dir. Lasse sie auf<lb/>ewig mit Dir in Liebe und Seligkeit vereint sein. Amen.</p>
						
                  </div>
						
                  <div xml:id="d62092e18193">
							
                     <head rendition="#c">Gebet zum h. Herzen Maria.</head>
							
                     <p>O h. Herz Mariä, der Mutter Gottes und unserer<lb/>Mutter, der Gegenstand des höchsten Wohlgefallens<lb/>der anbetungswürdigsten Dreieinigkeit und würdig, von<lb/>Engeln und Menschen verehrt und geliebt zu werden;<lb/>o Herz, das Du am meisten dem h. Herzen Jesu<lb/>gleichest, dessen vollkommenstes Ebenbild Du bist; Herz<lb/>voll Güte und des innigsten Mitleids gegen unser<lb/>Elend; Dir empfehle ich mich in der heiligsten An-<lb/>gelegenheit meines Lebens, in der Erziehung meiner<lb/>Kinder.</p>
							
                     <pb facs="images/C889_001_1874_0210"
                         n="206"
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                     <p>Dir, o liebevolles Herz Mariä, empfehle ich meine<lb/>Kinder; durch Deine Fürbitte vermagst Du Alles. So<lb/>flöße ihnen denn Liebe zu Deinen Tugenden ein und<lb/>entzünde in ihnen jenes h. Feuer, von welchem Du<lb/>allezeit entflammt warest. Wache über sie beschütze sie<lb/>und sei ihnen stets eine milde Zuflucht und eine un-<lb/>überwindliche Beste gegen die Anfälle des bösen Fein-<lb/>des. Sei ihre Hülfe in der Noth, ihre Kraft in Be-<lb/>drängniß, ihre Zuflucht in Versuchungen, ihr Beistand<lb/>in Gefahren; sei ihnen eine Mutter: Versöhne sie mit<lb/>Deinem Sohne, empfiehl sie Deinem Sohne, stelle sie<lb/>Deinem Sohne vor! Stehe ihnen bei jetzt und zu al-<lb/>ler Zeit, am meisten in der Stunde ihres Todes, o<lb/>gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria. Amen.</p>
						
                  </div>
						
                  <div xml:id="d62092e18255">
							
                     <head rendition="#c">Gebet zum h. Aloysius.</head>
							
                     <p>O h. Aloysius, der du in neuester Mitwirkung<lb/>mit der Gnade ein wahrhaft engelgleiches Leben ge-<lb/>führt hast und von unserer Kirche als Vorbild und<lb/>Schutzpatron der Jugend verehrt wirst, ich empfehle<lb/>dir auch meine Kinder; nimm dich ihrer am Throne<lb/>Gottes an. Bitte für sie, damit auch sie in allen Ge-<lb/>boten des Herrn wandeln und wie du, die Sünde has-<lb/>sen und meiden. Erflehe ihnen die Gnade der Un-<lb/>schuld und Herzensreinigkeit, die dein Leben zieret; be-<lb/>wirke, daß sie so innig, wie du, den Herrn und Seine<lb/>h. Mutter verehren und lieben mögen. O h. Aloysius,<lb/>bitte für sie. Amen.</p>
						
                  </div>
					
               </div>
					
				
            </body>
				
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               <div xml:id="d62092e18293" type="contents">
					
					
                  <head rendition="#c">Inhalts-Verzeichniß.</head>
					
                  <list>
						
                     <item>Vorrede <ref target="#C889V3_001_1874_pb0002_0001">2</ref>
                     </item>
						
                     <item>Der Vatername <ref target="#C889V3_001_1874_pb0007_0001">7</ref>
                     </item>
						
                     <item>Der Vaterberuf <ref target="#C889V3_001_1874_pb0015_0001">15</ref>
                     </item>
						
                     <item>Die Ausstattung <ref target="#C889V3_001_1874_pb0021_0001">21</ref>
                     </item>
						
                     <item>Erhabenheit. Strafe und Lohn <ref target="#C889V3_001_1874_pb0023_0001">23</ref>
                     </item>
						
                     <item>Der <hi rendition="#w">christliche</hi> Vater <ref target="#C889V3_001_1874_pb0028_0001">28</ref>
                     </item>
						
                     <item>Auch der Vater muß wahrhaft christlich sein <ref target="#C889V3_001_1874_pb0033_0001">33</ref>
                     </item>
						
                     <item>Ernst dieser Verpflichtung <ref target="#C889V3_001_1874_pb0038_0001">38</ref>
                     </item>
						
                     <item>Das Bild des christlichen Vaters. Skizze <ref target="#C889V3_001_1874_pb0040_0001">40</ref>
                     </item>
						
                     <item>Ein Zwischenakt <ref target="#C889V3_001_1874_pb0043_0001">43</ref>
                     </item>
						
                     <item>Das volle Bild <ref target="#C889V3_001_1874_pb0048_0001">48</ref>
                     </item>
						
                     <item>Wie soll das geschehen <ref target="#C889V3_001_1874_pb0052_0001">52</ref>
                     </item>
						
                     <item>Doch seien wir gerecht <ref target="#C889V3_001_1874_pb0056_0001">56</ref>
                     </item>
						
                     <item>Ausführung des Bildes <ref target="#C889V3_001_1874_pb0059_0001">59</ref>
                     </item>
						
                     <item>Mehre nicht ohne Noth die Schwierigkeiten <ref target="#C889V3_001_1874_pb0059_0001">59</ref>
                     </item>
						
                     <item>Gehe den Gefahren aus dem Wege <ref target="#C889V3_001_1874_pb0062_0001">62</ref>
							
                        <list>
								
                           <item>
                              <list>
									
                                 <item>a) Gefahren für den Glauben <ref target="#C889V3_001_1874_pb0062_0001">62</ref>
                                 </item>
									
                                 <item>b) Das Wirthshausleben <ref target="#C889V3_001_1874_pb0064_0001">64</ref>
                                 </item>
									
                                 <item>c) Laß es nicht an Uebung fehlen <ref target="#C889V3_001_1874_pb0071_0001">71</ref>
                                 </item>
								
                              </list>
                           </item>
								
                           <item>1. Um was handelt es sich <ref target="#C889V3_001_1874_pb0072_0001">72</ref>
                           </item>
								
                           <item>2. Bete <ref target="#C889V3_001_1874_pb0074_0001">74</ref>
                           </item>
								
                           <item>3. Gedenke, daß du den Sonntag heiligst <ref target="#C889V3_001_1874_pb0078_0001">78</ref>
                           </item>
								
                           <item>4. Steh auf und iß <ref target="#C889V3_001_1874_pb0080_0001">80</ref>
                           </item>
							
                        </list>
                     </item>
						
                     <item>Die Thätigkeit des christlichen Vaters <ref target="#C889V3_001_1874_pb0084_0001">84</ref>
                        <list>
							
                           <item>1. Sammelt euch Schätze <ref target="#C889V3_001_1874_pb0086_0001">86</ref>
                           </item>
							
                           <item>2. Das Regiment <ref target="#C889V3_001_1874_pb0092_0001">92</ref>
                              <list>
								
                                 <item>a) Gesetz, Regel und Ordnung <ref target="#C889V3_001_1874_pb0094_0001">94</ref>
                                 </item>
								
                                 <item>b) Wachsamkeit <ref target="#C889V3_001_1874_pb0101_0001">101</ref>
                                 </item>
								
                                 <item>c) Strafe <ref target="#C889V3_001_1874_pb0104_0001">104</ref>
                                 </item>
							
                              </list>
                           </item>
							
                           <item>3. Die väterliche Fürsorge <ref target="#C889V3_001_1874_pb0115_0001">115</ref>
                              <list>
								
                                 <item>a) Aufsicht <ref target="#C889V3_001_1874_pb0115_0001">115</ref>
                                 </item>
								
                                 <item>b) Der Sohn, die Tochter außer dem Hause <ref target="#C889V3_001_1874_pb0121_0001">121</ref>
                                 </item>
								
                                 <item>c) Der Sohn (die Tochter) in der Wahl des<lb/>Berufes <ref target="#C889V3_001_1874_pb0127_0001">127</ref>
                                 </item>
							
                              </list>
                           </item>
						
                        </list>
                     </item>
						
                     <item>Zwei vortreffliche Väter <ref target="#C889V3_001_1874_pb0138_0001">138</ref>
                        <list>
							
                           <item>
                              <list>
								
                                 <item>a) Abraham <ref target="#C889V3_001_1874_pb0138_0001">138</ref>
                                 </item>
								
                                 <item>b) Tobias <ref target="#C889V3_001_1874_pb0145_0001">145</ref>
                                 </item>
							
                              </list>
                           </item>
						
                        </list>
                     </item>
						
                     <item>
                        <pb facs="images/C889_001_1874_0212"
                            n="208"
                            xml:id="C889V3_001_1874_0208"/>Ein Vater aus dem Münsterlande <ref target="#C889V3_001_1874_pb0149_0001">149</ref>
                     </item>
						
                     <item>Der Vater im Gebete <ref target="#C889V3_001_1874_pb0161_0001">161</ref>
                     </item>
					
                  </list>
					
                  <p rendition="#c">Gebete.</p>
					
                  <list>
						
                     <item>Um die Gnade christlicher Gottesfurcht und Fröm-<lb/>migkeit <ref target="#C889V3_001_1874_pb0166_0001">166</ref>
                     </item>
						
                     <item>Um die Gnade des Glaubens <ref target="#C889V3_001_1874_pb0167_0001">167</ref>
                     </item>
						
                     <item>Um die Gnade der Mäßigkeit <ref target="#C889V3_001_1874_pb0168_0001">168</ref>
                     </item>
						
                     <item>Um Gnade wider unordentliche Hingebung an die Welt <ref target="#C889V3_001_1874_pb0169_0001">169</ref>
                     </item>
						
                     <item>Am Jahrestage der Verehelichung <ref target="#C889V3_001_1874_pb0170_0001">170</ref>
                     </item>
						
                     <item>Am Morgen <ref target="#C889V3_001_1874_pb0172_0001">172</ref>
                     </item>
						
                     <item>Am Abend <ref target="#C889V3_001_1874_pb0173_0001">173</ref>
                     </item>
						
                     <item>Bei der h. Messe für sich selbst <ref target="#C889V3_001_1874_pb0174_0001">174</ref>
                     </item>
						
                     <item>Bei der h. Messe für die Kinder <ref target="#C889V3_001_1874_pb0178_0001">178</ref>
                     </item>
						
                     <item>Um Weisheit <ref target="#C889V3_001_1874_pb0182_0001">182</ref>
                     </item>
						
                     <item>Um Sanftmuth <ref target="#C889V3_001_1874_pb0183_0001">183</ref>
                     </item>
						
                     <item>Zu Jesus dem Kinderfreunde <ref target="#C889V3_001_1874_pb0184_0001">184</ref>
                     </item>
						
                     <item>Zur h. Jungfrau <ref target="#C889V3_001_1874_pb0186_0001">186</ref>
                     </item>
						
                     <item>Zum h. Joseph <ref target="#C889V3_001_1874_pb0186_0001">186</ref>
                     </item>
						
                     <item>Zu den h. Schutzengeln <ref target="#C889V3_001_1874_pb0187_0001">187</ref>
                     </item>
						
                     <item>Zu den Namenspatronen <ref target="#C889V3_001_1874_pb0187_0001">187</ref>
                     </item>
						
                     <item>Um Segen für die Erziehung <ref target="#C889V3_001_1874_pb0188_0001">188</ref>
                     </item>
						
                     <item>Um Schutz für die Kinder <ref target="#C889V3_001_1874_pb0189_0001">189</ref>
                     </item>
						
                     <item>Um Bewahrung vor Todsünden <ref target="#C889V3_001_1874_pb0189_0001">189</ref>
                     </item>
						
                     <item>Um die Gnade der Keuschheit für die Kinder <ref target="#C889V3_001_1874_pb0190_0001">190</ref>
                     </item>
						
                     <item>Um Lenkung der Kinder <ref target="#C889V3_001_1874_pb0191_0001">191</ref>
                     </item>
						
                     <item>Um Gnade gegen hartnäckige Fehler der Kinder <ref target="#C889V3_001_1874_pb0192_0001">192</ref>
                     </item>
						
                     <item>Der Rosenkranz (für sich; für die Kinder) <ref target="#C889V3_001_1874_pb0194_0001">194</ref>
                     </item>
						
                     <item>Für die Ehefrau <ref target="#C889V3_001_1874_pb0196_0001">196</ref>
                     </item>
						
                     <item>Um standesmäßige Keuschheit <ref target="#C889V3_001_1874_pb0197_0001">197</ref>
                     </item>
						
                     <item>Litanei <ref target="#C889V3_001_1874_pb0199_0001">199</ref>
                     </item>
						
                     <item>Zum h. Herzen Jesu <ref target="#C889V3_001_1874_pb0204_0001">204</ref>
                     </item>
						
                     <item>Zum h. Herzen Mariä <ref target="#C889V3_001_1874_pb0205_0001">205</ref>
                     </item>
						
                     <item>Zum h. Aloysius <ref target="#C889V3_001_1874_pb0206_0001">206</ref>
                     </item>
					
                  </list>
				
               </div>
            </back>
			
         </text>
			
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                        <docTitle>
								
                           
								
                           <titlePart type="main" rendition="#c">Die<lb/>christliche Mutter</titlePart>
									
                           <titlePart type="sub" rendition="#c">in der<lb/>Erziehung und in ihrem Gebete<lb/>von<lb/>W. Cramer,</titlePart>
                        </docTitle>
								
                        <titlePart type="sub" rendition="#c">Domkapitular und Regens des bischöflichen Priester-Seminars.</titlePart>
								
                        <epigraph>
									
                           <cit>
										
                              <quote rendition="#r">
                                 <q>„Eine der höchsten Gnaden ist für<lb/>den Menschen eine gute Mutter.“</q>
                              </quote>
										
                              <bibl rendition="#r">Ein Kirchenfürst.</bibl>
									
                           </cit>
								
                        </epigraph>
								
                        <titlePart type="sub" rendition="#c">Mit Erlaubniß der Obern.</titlePart>
								
                        <titlePart type="sub" rendition="#c">Nein-Ertrag für den Bonifacius-Verein.</titlePart>
								
                        <titlePart type="sub" rendition="#c">Vierzehnte Auflage.</titlePart>
								
                        <docImprint>A. Laumann in <pubPlace>Dülmen</pubPlace>
									
                           <publisher>Katholische Verlags-Buchhandlung.</publisher>
                        </docImprint>
								
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                     </titlePage>
							
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                     <div xml:id="d62092e18828" type="preface">
								
								
                        <head rendition="#c">Einleitung.</head>
								
                        <p>Von achtbarer Seite ersucht, in dem <q>„Katholischen Mis-<lb/>sionsblatte“</q> ein Wort zu bringen über jene, in neuerer<lb/>Zeit leider mehrfach abhanden gekommene ehrwürdige und<lb/>schöne Sitte, wonach katholische Mütter nach der Geburt<lb/>eines Kindleins ihren ersten Kirchengang in einer gewissen,<lb/>von der Kirche geregelten feierlichen Weise anstellen, gaben<lb/>wir diesem Ansinnen um so lieber Raum, als wir schon<lb/>seit Langem uns sehr nachdrücklich angeregt fanden, ein<lb/>Wort an die christlichen Mütter überhaupt zu richten. Der<lb/>
                           <q>„erste Kirchengang“</q> aber schien zu diesem Gegenstande einen<lb/>vortrefflichen Eingang zu bilden.</p>
								
                        <p>So begaben wir uns denn mit wahrer Herzensfreude<lb/>an die Arbeit. Je weiter wir aber darin fortschritten,<lb/>desto mehr gewann die Ueberzeugung von der großen Be-<lb/>deutung dieses Gegenstandes Boden und Frische und es<lb/>trat immer bestimmter die Anregung auf, das zunächst<lb/>für's Missionsblatt Ausgearbeitete in einem besondern<lb/>Schriftchen herauszugeben, um es einem weitern Leserkreise<lb/>zugänglich zu machen. Als daher von verschiedenen Seiten<lb/>um eine solche Separat-Ausgabe des in einer Reihe von<lb/>Nummern des Missionsblattes Gebrachten angelegentlich<lb/>ersucht wurde, so entschlossen wir uns dazu um so leichter.</p>
								
                        <p>Es wird daher im Allgemeinen das im Missionsblatt<lb/>Gebrachte hier wiedergegeben. Da aber der enge Raum<lb/>des gedachten Blattes nicht überall die erwünschliche Aus-<lb/>führlichkeit gestattete. Etliches hierher Gehörige auch schon<lb/>in frühern Jahrgängen von uns besprochen war, so ist hier<lb/>manches etwas weiter ausgeführt, Anderes neu hinzugefügt.</p>
								
                        <p>Zur richtigen Würdigung des Werkchens sei noch bemerkt,<lb/>
                           <pb facs="images/C889_001_1874_0216"
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0004_0001"/>daß der Abfassung desselben nicht so sehr der Zweck zu<lb/>Grunde lag, die Ausgabe der Mütter überhaupt und all-<lb/>seitig darzustellen, als vielmehr <hi rendition="#w">hauptsächlich</hi> nur <hi rendition="#w">die</hi>
                           <lb/>Seite ihrer Aufgabe hervorzuheben, welche sie als <hi rendition="#w">christ-</hi>
                           <lb/>
                           <hi rendition="#w">liche</hi> Mütter betrifft, also die <hi rendition="#w">religiöse</hi> Heranbildung<lb/>des Kindes und auch diese zumeist nur für die Jahre der<lb/>zartesten Kindheit. Eine solche Einschränkung nämlich war durch<lb/>den Wunsch, dem Werkchen eine möglichst große Verbrei-<lb/>tung anzubahnen, nahe gelegt. Manche Mütter sind nicht<lb/>in der Lage, umfangreichere Bücher zu lesen; selbst der<lb/>Kostenpunkt kommt bei einigen in Betracht. Bei kürzerer<lb/>Fassung also durfte auf einen desto größeren Leserkreis ge-<lb/>rechnet werden, was in diesem Falle um so schwerer in<lb/>die Wagschaale fällt, als es sich um einen Punkt handelt,<lb/>der überhaupt und besonders in unsern Tagen so tief<lb/>in's Leben einschneidet.</p>
								
                        <p>Will es ja doch in unsern Tagen so fast scheinen, als<lb/>habe Alles sich verbündet, den Menschen Religion und<lb/>Glauben zu rauben. Während von der einen Seite die<lb/>ganze Art, wie sich mehr und mehr die äußern Lebensver-<lb/>hältnisse gestalten, darnach angethan ist, den Menschen<lb/>gegen Gott und das Höhere gleichgültig und davon ab-<lb/>wendig zu machen, so gewinnt leider von der andern Seite<lb/>der höllische Plan, jede Einwirkung der Kirche und der<lb/>Geistlichkeit aus der Schule zu verbannen und so der Ju-<lb/>gend den Einfluß einer religiösen Anleitung vorzuenthalten,<lb/>immer mehr an Ausdehnung und an Aussicht auf Ver-<lb/>wirklichung. Was bleibt da, wenn es sich um die erste<lb/>christliche Heranbildung der Jugend handelt, noch übrig,<lb/>als das Haus und das christliche Walten der Familie und<lb/>in ihr besonders der Mutter, welcher in den meisten Fällen<lb/>insbesondere die zarte Jugend des Kindes fast ausschließ-<lb/>lich anheimgegeben ist? Wie viel liegt daher grad in<lb/>unsern Tagen daran, daß sie eine wahrhaft <hi rendition="#w">christliche</hi>
                           <lb/>
                           <hi rendition="#w">Mutter</hi> sei und ihre Kinder grade in den Jahren, wo<lb/>einerseits die gottentfremdete Welt ihren verpesteten Einfluß<lb/>an ihnen noch nicht geltend machen kann, und andererseits<lb/>das so empfängliche und bildsame kindliche Herz dem er-<lb/>ziehenden Einflusse so reichliche Empfänglichkeit bietet, in<lb/>den Geist wahrer christlicher Gottesfurcht und Frömmigkeit<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0005_0001"/>tief einführe! Dadurch werden die Herzen der Kinder in<lb/>jenen ersten Jahren ihres Lebens, wo sich das ganze Men-<lb/>schenwesen so recht eigentlich setzt, eine gewisse <hi rendition="#w">christliche</hi>
                           <lb/>Durchwürzung und Durchfärbung erfahren, welche leicht<lb/>für's ganze Leben, auch unter den spätern verderblichen<lb/>Einflüssen einer bösen Welt vorhält; und es hat daher<lb/>das Wort eines noch lebenden Kirchenfürsten, welches wir<lb/>zu unserm Motto gewählt haben, grad in unsern Tagen<lb/>die vollste Wahrheit: <q>„Eine der höchsten Gnaden für den<lb/>Menschen ist eine gute Mutter.“</q>
                        </p>
								
                        <p>Dazu kommt, daß der Geist unserer Zeit in so hohem<lb/>Grade darnach angethan ist, Jünglinge, welche von Gott<lb/>den Beruf zum geistlichen Stande erhalten haben, ihrem<lb/>Berufe untreu und abwendig zu machen und so jenen<lb/>Mangel an Priestern – ein Uebel, unter dessen traurigen<lb/>Folgen schon so manche Theile der katholischen Welt seufzen<lb/>– immer mehr herbeizuführen. Darf aber von einem<lb/>Knaben oder Jünglinge, der von Gott mit dem erhabenen<lb/>Priesterberufe begnadigt ist, nicht mit Grund gehofft wer-<lb/>den, daß er demselben treu bleiben und zur Zeit ein guter<lb/>Priester sein werde, wenn er das Glück hat, daß durch eine<lb/>wahrhaft christliche Mutter in seiner zarten Jugend mit<lb/>dem Geiste wahrer Gottesfurcht und Frömmigkeit zugleich<lb/>auch der Priesterberuf gewahrt und genährt wird? So<lb/>ruhet denn auch von dieser Seite die Hoffnung der heil.<lb/>Kirche und der christlichen Welt vielfach auf den christlichen<lb/>Müttern; und da wir vom Herrn den Beruf erhalten<lb/>haben, angehenden Priestern in ihrer letzten Vorbereitung<lb/>zu ihrem h. Stande zur Hand zu gehen, so war es ganz<lb/>insbesondere dieser letztgedachte Umstand, welcher an der<lb/>obengedachten Anregung, das vorliegende Werkchen heraus-<lb/>zugeben, wesentlich Theil hatte.</p>
								
                        <p>Die lebendige Ueberzeugung aber, daß die der christlichen<lb/>Mutter vom Herrn anvertraute Aufgabe ihre erwünschte<lb/>Lösung nur finden könne, wenn der Segen der göttlichen<lb/>Gnade sie und ihr Wirken begleitet und sie es also ver-<lb/>steht, diese Gnade sich in entsprechender Art durch Gebet und<lb/>fromme Uebung zu vermitteln, vermochte uns, für die<lb/>wichtigsten Anliegen einer christlichen Mutter besondere<lb/>Gebete zu verfassen und sie zum Schlusse anzufügen.</p>
								
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                        <p>Wie glücklich würden wir uns schätzen, wenn diese unsere<lb/>Arbeit ihr Scherflein dazu beitrüge, solche kostbaren Zwecke<lb/>zu fördern! – So wolle denn der Herr dem Büchlein<lb/>rings in die christlichen Familien hinein gnädig den Weg<lb/>bahnen und seine Lehre im Herzen und Leben der Mütter<lb/>wirksam machen.</p>
								
                        <p>
                           <hi rendition="#w">Münster</hi>, am Octavtage der <q>„Unschuldigen Kinder“</q> 1872.</p>
								
                        <signed rendition="#r">Der Verfasser.</signed>
							
                     </div>
							
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                     <div xml:id="d62092e19143" type="preface">
								
								
                        <head rendition="#c">Vorwort zur elften Auflage.</head>
								
                        <p>Seit wir in den ersten Tagen des Juni d. J. die<lb/>
                           <hi rendition="#w">achte</hi> Auflage mit etlichen Worten begleiteten, ist eine<lb/>neunte und zehnte Auflage derselben in kurzen Zwischen-<lb/>räumen gefolgt und schon wieder vergriffen. Also in sieben<lb/>Monaten zehn Auflagen! Sollten wir's verhehlen, daß uns<lb/>das <hi rendition="#w">um der guten Sache willen</hi> zu einer überaus<lb/>großen Freude gereicht? <q>„Werden ja nun,“</q> so sagen wir<lb/>in Wiederholung der Worte der achten Auflage <q>„viel tausend<lb/>Mütter, indem sie unser Werkchen lesen, vertraut mit einem<lb/>Gegenstande, welcher über die allerwichtigste und heiligste<lb/>Angelegenheit ihres Lebens handelt; gern und freudig geben<lb/>wir uns der Hoffnung hin und flehen ohne Unterlaß darum<lb/>zum Herrn, daß die Lesung nicht ohne Frucht bleiben und<lb/>durch treue Beobachtung der im Büchlein gegebenen Winke<lb/>und Ermahnungen der Segen einer wahrhaft christlichen<lb/>Erziehung in desto vollerem Maße sich über die lieben Kin-<lb/>der verbreiten möge, um so mehr, wenn die guten Mütter,<lb/>was wir zuversichtlich hoffen, auch fleißig den zweiten Theil<lb/>des Büchleins brauchen und in ihren Berufsangelegenheiten<lb/>sich oft betend vor dem Herrn finden lassen,“</q> und, setzen<lb/>wir hinzu, dadurch über ihre mütterlichen Bestrebungen<lb/>eine desto reichere Fülle der göttlichen Gnade herabziehen.<lb/>Dazu kommt, daß die anerkennenden Stimmen über unser<lb/>Werkchen sich gemehrt haben, wie denn viele hochachtbare<lb/>Mütter uns ihre dankbare Anerkennung persönlich kund<lb/>gegeben haben, zu desto freudigerer Zuversicht, daß der<lb/>Zweck, den wir durch Abfassung unseres Werkchens ver-<lb/>folgten, in reichem Maße Erfüllung finde. Dem Herrn,<lb/>von dem alle gute Gabe kommt, sei Preis und Dank!</p>
								
                        <p>
                           <hi rendition="#w">Münster</hi>, am Rosenkranzfeste 1872.</p>
								
                        <signed rendition="#r">Der Verfasser.</signed>
							
                     </div>
							
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                     <div xml:id="d62092e19236" type="preface">
								
								
                        <head rendition="#c">Vorwort zur dreizehnten Auflage.</head>
								
                        <p>
                           <q>„Wir bitten den Herrn, daß Er auch diese elfte Auf-<lb/>lage in die Hände der christlichen Mütter einführen wolle<lb/>u.s.w.“</q> – so schlossen wir unser Vorwort zur elften<lb/>Auflage Anfangs Oktober v. J. Auch diesmal sind unsere<lb/>Wünsche über alles Verhoffen hinaus erfüllt worden: Auf<lb/>die elfte Auflage ist bald eine zwölfte gefolgt und auch sie<lb/>ist schon wieder vergriffen, so daß unser Büchlein in nahezu<lb/>30,000 Exemplaren in allen Theilen Deutschlands verbreitet<lb/>ist. Ein unaussprechlicher Trost für uns! Dürfen wir<lb/>uns ja nunmehr der Hoffnung hingeben, daß, wenn eben<lb/>so viel tausend Mütter unser Büchlein benutzen, seine<lb/>Lehren beherzigen und befolgen, seine Gebete verrichten,<lb/>daraus Heil und Segen sich ergießen werde über noch<lb/>viel mehr tausend Kinder. So möge denn nun diese drei-<lb/>zehnte Auflage den Kreis seiner Leserinnen noch weiter<lb/>ausdehnen und jenen Segen und Trost mehren!</p>
								
                        <p>Unterdeß haben wir – mehrseitig uns ausgesprochenen<lb/>Wünschen folgend – ein ähnliches Werkchen für Väter<lb/>verfasset und wird dasselbe in der allernächsten Zeit unter<lb/>dem Titel: <q>„<hi rendition="#w">Der christliche Vater</hi>“</q> erscheinen. (5 Sgr.)<lb/>Da es auf manche Punkte in Betreff der Erziehung der<lb/>Kinder eingeht, welche in der <q>„christlichen Mutter“</q> nicht,<lb/>oder nicht so eingehend behandelt sind, so glauben wir es<lb/>auch den Müttern empfehlen zu dürfen, um so mehr, da<lb/>seine Anschaffung leicht zugleich für die Väter Anlaß sein<lb/>würde, es zu benutzen. Muß Eltern nicht Jedes willkom-<lb/>men sein, was dazu beitragen kann, das, was ihnen das<lb/>Theuerste ist, das Wohl ihrer Kinder zu fördern?</p>
								
                        <p>
                           <hi rendition="#w">Münster</hi>, am Feste der h. Monika,</p>
								
                        <p rendition="#l3em">4. Mai 1873.</p>
								
                        <signed rendition="#b #r">Der Verfasser.</signed>
							
                     </div>
						
                  </front>
						
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                        <head rendition="#c">Der erste Kirchengang.</head>
								
                        <p>Die neuere Zeit, welche sich von Gott und Re-<lb/>ligion, d. i. von der Wahrheit, vielfach losgesagt hat,<lb/>weiß nicht mehr von der wahren Bestimmung des<lb/>Menschen und läßt den Wahn herrschen, als ob<lb/>Alles nur dahin zu zielen habe, daß das ganze<lb/>Leben hier auf Erden möglichst ausgestattet sei mit<lb/>Lust und Ehre und daher auch mit irdischen Gütern.<lb/>Die heil. Kirche dagegen und die ihr von Gott<lb/>anheim gegebene Wahrheit lehrt, daß das Leben des<lb/>Menschen und Alles in der Welt nur dahin zu<lb/>zielen habe, daß der Mensch nach seiner wahren<lb/>Bestimmung als Kind Gottes Ihm diene und so<lb/>Ihn verherrliche und selig werde. Auch vom <hi rendition="#w">ehe-</hi>
                           <lb/>
                           <hi rendition="#w">lichen</hi> Verhältnisse gilt das. Die höchste Aufgabe<lb/>der Eheleute ist, daß sie in ihrem Ehestande und<lb/>durch ihn Gott dienen und ihr Heil wirken, und<lb/>insbesondere, daß sie die Kinder, womit der Herr<lb/>ihre Ehe segnet, vor Allem dazu anleiten, daß auch<lb/>sie Gott dienen und ihr Heil wirken.</p>
								
                        <p>Darum lässet die h. Kirche nach der Anordnung<lb/>ihres Herrn ihre Kinder in das eheliche Verhältniß<lb/>nicht so ohne Weiteres eintreten, sondern sie heiligt<lb/>und weihet zuvor dieses Verhältniß durch das vom<lb/>Herrn in ihr geordnete Sakrament der Ehe. Durch<lb/>dasselbe werden nach dem erhabenen Vorbilde der<lb/>Einigung Christi mit Seiner h. Kirche Mann und<lb/>Frau geheimnißvoll auf's Engste mit einander ver-<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0010_0001"/>knüpft, so daß sie gewissermaßen aufhören, zwei zu<lb/>sein; <q>„sie werden Zwei in <hi rendition="#w">Einem</hi> Fleische sein“</q>;<lb/>und in Kraft desselben h. Sakramentes senket sich<lb/>sofort und fortan über die also <hi rendition="#w">geeinten</hi> Eheleute,<lb/>so viel sie sich empfänglich erweisen, jegliche Gnade<lb/>des Herrn, welche Noth thut, auf daß das eheliche<lb/>Verhältniß ein wahrhaft christliches sei, und sie,<lb/>
                           <q>„zusammenkommen, nicht wie die Heiden, welche<lb/>Gott nicht kennen, sondern, wie es Kindern der<lb/>Heiligen zusteht.“</q>
                        </p>
								
                        <p>Nun hat das also geweihete und geheiligte ehe-<lb/>liche Verhältniß den Segen des Herrn empfangen;<lb/>die Gattin ist Mutter geworden. In Mutter-<lb/>freuden hält sie das Söhnchen, das Töchterlein in<lb/>ihren Armen. Das Wort des Herrn ist an ihr<lb/>wahr geworden: <q>„Ein Weib, so es gebieret, hat<lb/>Traurigkeit, weil ihre Stunde gekommen ist; hat<lb/>sie aber das Knäblein geboren, so gedenkt sie<lb/>nimmer ihrer Nöthen ob der <hi rendition="#w">Freude</hi>, daß ein<lb/>Mensch geboren ist.“</q> Aber ihre Freude soll noch<lb/>voller werden.</p>
								
                        <p>Die Kirche eilt zur Mutter, nimmt das Knäb-<lb/>lein aus ihren Armen, auf daß es an ihrer Hand<lb/>im Bade der Wiedergeburt von dem unseligen Erbe<lb/>der Stammeltern befreiet wiedergeboren werde zum<lb/>Kinde Gottes. Und so empfängt es dann die be-<lb/>glückte Mutter von der h. Kirche, und indem sie<lb/>ihren Glaubensblick auf dem Lieblinge ruhen lässet,<lb/>schauet sie, wie <hi rendition="#w">ihr</hi> Kind nun auch ein Kind Gottes<lb/>ist, angethan mit all' der Herrlichkeit, welche sich<lb/>ziemet für das Kind eines so großen Vaters, von<lb/>Ihm, wie von ihr, ja mehr noch geliebt, ausge-<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0011_0001"/>stattet mit dem ehren- und gnadenvollen Anrechte,<lb/>zur Zeit Erbe zu werden all' Seiner himmlischen<lb/>Herrlichkeit und Freude.</p>
								
                        <p>Ist das nicht dazu angethan, das Herz einer<lb/>Mutter, so es anders vom Glauben erleuchtet ist,<lb/>zur höchsten Freude zu erheben?</p>
								
                        <p>Und welch' ein Beruf, der ihr nun geworden!<lb/>Das Kostbarste, was es für Gott selbst außer Ihm<lb/>gibt, Sein Kind, in welchem das Bild Seiner gött-<lb/>lichen Majestät sich spiegelt, gibt Er (freilich auch<lb/>dem Vater, aber so fast mehr noch) der Mutter<lb/>anheim, daß sie fortan Seine <hi rendition="#w">Gehülfin</hi> sei in<lb/>dem großen Werke der Heranbildung dieses Seines<lb/>Kindes zu jener Herrlichkeit und Seligkeit, welche<lb/>Er ihm für alle Ewigkeit zugedacht hat, und auf<lb/>daß sie theilhaft werde der Freude, welche da liegt<lb/>in dem Bewußtsein, einen Menschen also beglückt<lb/>zu haben ewiglich. Welch' ein Beruf! Und daher<lb/>welche Würde, die ihr dadurch übertragen worden,<lb/>die <hi rendition="#w">Mutterwürde</hi>!</p>
								
                        <p>Siehe da die Lage einer christlichen Ehefrau,<lb/>nachdem sie Mutter geworden! Wird – ja muß<lb/>ihre Seele nicht voll dankbarer Freude sein? Wird<lb/>das Bewußtsein ihrer Mutterwürde und der hohen<lb/>Aufgabe, welche ihr dadurch aufgelegt ist, ihr Herz<lb/>nicht zugleich heben und zu heiligem Ernste<lb/>stimmen?</p>
								
                        <p>Und wenn nun, nachdem auch die Wehen im<lb/>Geleite des Neugeborenen glücklich überstanden und<lb/>die Herstellung erreicht worden, der Gang zum<lb/>Gotteshause wieder gestattet ist, was liegt näher,<lb/>als daß dieser <hi rendition="#w">erste Kirchengang</hi> nicht in der<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0012_0001"/>gewöhnlichen Art, sondern in gewisser feierlicher<lb/>Weise geschehe? Wird nicht, wenn sie das Haus<lb/>dessen, der sie mit Wohlthaten und Gnaden über-<lb/>häuft hat, nun wieder betritt, der Dank gegen Ihn<lb/>mit erneuerter vermehrter Innigkeit in ihrem Herzen<lb/>sich regen? Wird sie diesen Dank im Hause des<lb/>Herrn nicht aus der ganzen Innigkeit ihrer Seele<lb/>aussprechen? Wird nicht das Bewußtsein ihrer<lb/>Mutterwürde und Mutterpflicht lebendiger sich er-<lb/>heben und auffordern, hier, an den Stufen des<lb/>Altares, vor dem Angesichte des Herrn das heilige<lb/>Gelöbniß niederzulegen, alle Obliegenheiten ihres<lb/>Mutterberufs fortan gewissenhaft und treu erfüllen<lb/>zu wollen? Und wie nahe liegt's, daß sie hier an<lb/>heiliger Stätte mit erneuerter und vermehrter<lb/>Innigkeit und Zuversicht den Liebling ihres Herzens<lb/>dem Herrn und Seiner heiligen Mutter empfehle<lb/>und den Segen der göttlichen Gnade herabflehe<lb/>über sich und über ihren Mutterberuf und über<lb/>Alles, was sie fortan im schwierigen Werke der<lb/>Erziehung zu thun habe.</p>
								
                        <p>Lauter Fassungen und Uebungen, welche sich bei<lb/>einer wahrhaft christlichen Mutter, wenn sie nun<lb/>ihren ersten Kirchengang macht, <hi rendition="#w">so fast ganz</hi>
                           <lb/>
                           <hi rendition="#w">von selbst</hi> ergeben. Aber unsere h. Kirche, die<lb/>so gern in allen Angelegenheiten des höhern Lebens<lb/>ihren Kindern beispringt, um als die erleuchtete<lb/>und vom Herrn hochbegnadigte Mutter ihre<lb/>frommen Uebungen zu unterstützen und zu fördern,<lb/>sie hat auch die christliche Mutter in der gedachten<lb/>geweiheten Stunde ihres Lebens nicht allein lassen<lb/>wollen; sie gesellet sich in der Person ihres Dieners<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0013_0001"/>ihr zu, damit sie gleichsam an ihrer Hand den<lb/>ersten Kirchengang machend die heiligen Uebungen<lb/>desselben desto gottgefälliger und ersprießlicher vollführe.</p>
								
                        <p>An der Thüre der Kirche wird die Mutter, die<lb/>ihren ersten Kirchengang macht, vom Diener der<lb/>Kirche in Rochet mit Stola empfangen. Die hei-<lb/>liche Kirche hat bei ihr das Auge so fast nur ge-<lb/>richtet auf die Würde und Aufgabe, welche sie<lb/>durch die Geburt des Kindleins als dessen Mutter<lb/>hat; daher gleich beim ersten Begegnen der Wunsch,<lb/>daß Gottes Gnade über sie komme, um fortan<lb/>ihres Berufes würdig zu wandeln. Indem nämlich<lb/>die Kirche durch den Priester die Mutter mit Weih-<lb/>wasser besprengt, spricht sie: <q>„Es besprenge dich<lb/>der Herr mit dem Thaue der himmlischen Gnade.<lb/>Amen.“</q> Als wolle sie sagen: Wie die Tropfen<lb/>des von mir geweihten Wassers, den Thautropfen<lb/>ähnlich, über dich kommen, so möge auch die gött-<lb/>liche Gnade wie linder Thau für deinen Mutter-<lb/>beruf über dich kommen. – Dann wird der Mutter<lb/>– und auch dabei hat die h. Kirche die Mutter-<lb/>würde im Auge – ein brennendes Licht in die<lb/>Hand gegeben, gleichsam als Mahnung: <q>„Lasse<lb/>fortan das Licht“</q> des christlichen Glaubens und<lb/>eines echt christlichen Wandels <q>„leuchten“</q> vor deinem<lb/>Kinde, <q>„auf daß es deine guten Werke sehe“</q> und<lb/>sie nachahmend <q>„den Vater im Himmel preise“</q>;<lb/>in die andere Hand wird das Ende der Stola ihr<lb/>dargereicht, zum Zeichen, daß sie sich fortan in der<lb/>Erziehung ihres Kindes und auch jetzt auf's innigste<lb/>der heiligen Kirche anschließen wolle. <q>„Auch jetzt“</q>:<lb/>Im innigsten Anschlusse an die h. Kirche macht sie<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0014_0001"/>ihren ersten Kirchengang und dessen Uebungen. Daher<lb/>die Worte bei Ueberreichung der Stola: <q>„Trete<lb/>hinein in den Tempel Gottes, bete“</q> – dankbar<lb/>– <q>„an den Sohn der seligen Jungfrau Maria,<lb/>welcher dir die Fruchtbarkeit der Nachkommenschaft<lb/>verliehen hat.“</q>
                        </p>
								
                        <p>Und in den Lesungen und Gebeten, welche die<lb/>heilige Kirche nunmehr beim Hingange zum Altare<lb/>durch ihren Priester im Namen der Mutter aus-<lb/>spricht, kommt verschiedentlich und immer von Neuem<lb/>das Dreifache zum Ausdruck, was in solchem Falle<lb/>im Herzen der Mutter mit Recht vorausgesetzt<lb/>wird: Der Dank für die erfahrene göttliche Huld,<lb/>der Entschluß, das Kind christlich zu erziehen und<lb/>das Flehen um den dazu erforderlichen göttlichen<lb/>Beistand.</p>
								
                        <p>Auf dem Wege zum Altare wird der 120. Psalm<lb/>gesprochen: <q>„Ich habe meine Augen erhoben zu den<lb/>Höhen“</q> (des Himmels, zum Herrn), <q>von woher<lb/>mir Hülfe kommt; meine Hülfe kommt vom Herrn,<lb/>der Himmel und Erde gemacht hat,“</q> der also<lb/>mächtig ist zu jeglicher Hülfe. Diese Worte legt<lb/>die h. Kirche gewissermaßen der Mutter in den<lb/>Mund, theils in dankbarer Erinnerung an die<lb/>nunmehr in ihrem Kinde erfahrene <q>„Hülfe“</q> des<lb/>Herrn, theils in der zuversichtlichen Hoffnung, sie<lb/>fernerhin für sich und für ihr Kind zu erfahren.<lb/>Dann flehet im folgenden Verse die Kirche selbst<lb/>für die Mutter: <q>„Nicht wolle der Herr wanken<lb/>lassen deinen Fuß, nicht möge Er schlummern in<lb/>deiner Hut! Nein,“</q> so wendet sie sich dann an<lb/>die Mutter, <q>„nein, Er schlummert nimmer, Er<lb/>
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                                  xml:id="C889_001_1874_pb0015_0001"/>schläft nicht, der Sein Volk beschützt. Der Herr<lb/>behütet dich, der Herr ist dein Schirm zu deiner<lb/>Rechten. Tags wird dir die Sonne nicht lästig<lb/>fallen, noch zur Nachtzeit der Mond. Vor jeglichem<lb/>Uebel wird dich der Herr behüten, behüten wird<lb/>der Herr deine Seele, behüten wird er deinen<lb/>Eingang und deinen Ausgang von nun an immer-<lb/>dar. Ehre sei dem Vater...“</q>
                        </p>
								
                        <p>Nunmehr findet das Anliegen der Mutter Aus-<lb/>druck im h. Vater unser, welches ihr die Kirche<lb/>für ihre Person und in Betreff ihres Kindes in<lb/>den Mund legt. <q>„Herr, erbarme dich unser,<lb/>Christe, erbarme dich unser, Herr erbarme dich<lb/>unser! Vater unser u.s.w.“</q> Die Mutter betet<lb/>es in ihrem und des Kindes Namen in Andacht<lb/>mit! <q>„Vater unser“</q>, mein und meines Kindes<lb/>Vater; <q>„geheiligt werde dein Name“</q>; sei gepriesen<lb/>für alle Huld und Gnade, welche du, da du mich<lb/>hast Mutter werden lassen, mir, – und in der<lb/>Geburt und Wiedergeburt meinem Kinde erwiesen<lb/>hast. O möchte doch durch mich und mein Kind<lb/>fortan allimmerdar dein heiliger Name verherrlicht<lb/>werden! Verleihe es durch deine Gnade! <q>„Zu-<lb/>komme dein Reich!“</q> Verleihe, o Vater, mir und<lb/>meinem Kinde, daß wir stets vollen Antheil an den<lb/>Segnungen deiner heiligen Kirche erlangen und so<lb/>zu immer würdigern Mitgliedern derselben gedeihen;<lb/>
                           <q>„dein Wille geschehe“</q> allimmerdar an mir und<lb/>meinem Kinde und auch von mir und durch mich<lb/>von meinem Kinde! <q>„Unser tägliches Brod gib<lb/>uns heut!“</q> Im Zeitlichen gib und ordne Alles<lb/>zu meines Kindes und meinem Heile. <q>„Ver-<lb/>
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                                  xml:id="C889_001_1874_pb0016_0001"/>gib....“</q>, was ich bisher verbrochen habe. <q>„Führe<lb/>uns“</q> – mich und mein Kind – <q>„nicht in Ver-<lb/>suchung, sondern erlöse uns vom Uebel. Amen.“</q>
                        </p>
								
                        <p>An das h. Vater unser schließen sich folgende<lb/>Wechselgebete, wodurch die h. Kirche die Gnaden-<lb/>hülfe und den Schutz des Herrn auf die Mutter<lb/>für ihren Mutterberuf herabfleht:</p>
								
                        <p>P. <q>„Mache selig deine Dienerin,</q>
                        </p>
								
                        <p>D. <q>Die auf dich, o Gott, hoffet!</q>
                        </p>
								
                        <p>P. <q>Sende ihr Hülfe von deinem Heiligthume,</q>
                        </p>
								
                        <p>D. <q>Und von Sion aus beschütze sie.</q>
                        </p>
								
                        <p>P. <q>„Nichts vermöge der“</q> (böse) <q>„Feind wi-<lb/>der sie,</q>
                        </p>
								
                        <p>D. <q>Und der Sohn der Bosheit“</q> (der Teufel)<lb/>
                           <q>„lege es nicht darauf an, ihr zu schaden.“</q>
                        </p>
								
                        <p>P. <q>Herr, erhöre mein Gebet,</q>
                        </p>
								
                        <p>D. <q>Und mein Rufen komme zu dir!</q>
                        </p>
								
                        <p>P. <q>Der Herr sei mit euch!</q>
                        </p>
								
                        <p>D. <q>Und mit deinem Geiste!“</q>
                        </p>
								
                        <p rendition="#c">
                           <hi rendition="#w">Lasset uns beten</hi>!</p>
								
                        <p>
                           <q>„Allmächtiger ewiger Gott, der du durch die<lb/>Geburt der seligsten Jungfrau Maria die Schmer-<lb/>zen der Gebärenden, welche gläubig sind, in Freude<lb/>verwandelt hast, siehe gnädig herab auf diese deine<lb/>Dienerin, welche, um dir Dank zu bringen, freudig<lb/>zu deinem Tempel, eilt und verleihe, daß sie durch<lb/>die Fürbitte der h. Jungfrau Maria nach diesem<lb/>Leben mit ihrem Kinde eben so“</q> (freudig, wie jetzt<lb/>zum Tempel) <q>„zu den Freuden der ewigen Selig-<lb/>keit gelangen möge. Durch Christum unsern Herrn.<lb/>Amen.“</q>
                        </p>
								
                        <pb facs="images/C889_001_1874_0229"
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                        <p>Welch' ein treffliches Gebet! <q>„Durch die Geburt“</q>
                           <lb/>Jesu sind <q>„die Schmerzen der Gebärenden, welche<lb/>glauben, in Freude verwandelt“</q>: denn die <hi rendition="#w">gebo-</hi>
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                           <hi rendition="#w">ren</hi> werden, die werden <hi rendition="#w">nun</hi> auch <hi rendition="#w">wiederge-</hi>
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                           <hi rendition="#w">boren</hi> zu Kindern Gottes und zur reichsten Erb-<lb/>schaft des göttlichen Vaters. Ohne diese <hi rendition="#w">Wieder-</hi>
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                           <hi rendition="#w">geburt</hi> wäre eines Kindes Geburt nur Grund zu<lb/>Leid und Trauer. – <q>„Die, um dir Dank zu<lb/>bringen, <hi rendition="#w">froh</hi> zum Tempel eilt“</q>: <q>„Froh“</q>; wir<lb/>vernahmen die vielfachen Ursachen ihrer Freude;<lb/>
                           <q>„Dank zu bringen“</q> dafür, ist <hi rendition="#w">auch</hi> Zweck<lb/>ihres heutigen Ganges. <q>„Verleihe, daß sie <hi rendition="#w">ebenso</hi>
                              <lb/>mit ihrem Kinde zu den Freuden der ewigen Se-<lb/>ligkeit gelange“</q>, d.h. verleihe, daß sie ihre Mutter-<lb/>pflichten treu erfülle und ihr Kind also in christ-<lb/>licher Gottesfurcht und Frömmigkeit erziehe, daß<lb/>sie zur Zeit sammt ihrem Kinde in den Tempel<lb/>deiner himmlischen Herrlichkeit eingehen möge,<lb/>
                           <q>„ebenso“</q> wie heut, voll Freude, daß, wie sie, auch<lb/>ihr Kind, und zwar auch durch ihre Vermittlung<lb/>ewig also glücklich sein soll.</p>
								
                        <p>Die Verlesung des Anfanges des Evangeliums<lb/>vom h. Johannes: <q>„Im Anfange war das Wort<lb/>...“</q> bildet den Schluß der Einführung, zur Mah-<lb/>nung für die Mutter, daß die durch das Evange-<lb/>lium mitgetheilten Lehren des menschgewordenen<lb/>Sohnes Gottes fortan Grundlage und Regel bilden<lb/>sollen, gleichwie für den eigenen Wandel, so auch<lb/>für das große Werk der Erziehung des Kindes.<lb/>Und zum Zeichen ihrer Bereitwilligkeit dazu und<lb/>ihrer Verehrung gegen die Lehre des Herrn küsset<lb/>die Mutter das vom Priester ihr dargereichte Buch<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0018_0001"/>bei den Anfangsworten des Evangeliums und em-<lb/>pfängt darauf den Segen der h. Kirche: <q>„Der<lb/>Segen Gottes des Vaters, des Sohnes und des<lb/>h. Geistes komme über dich herab und bleibe immer-<lb/>dar! Amen!“</q>
                        </p>
								
                        <p>Ein ernstwichtiger Segen! Durch ihn erflehet<lb/>und spendet die h. Kirche der Mutter die Gnaden-<lb/>hülfe des Herrn für ihren Mutterberuf, auf daß<lb/>sie denselben in Kraft der himmlischen Hülfe nach<lb/>Gottes h. Willen, zur Ehre des Herrn und zum<lb/>Heil ihres Kindes vollführen möge.</p>
								
                        <p>Und so entlässet nun die h. Kirche die Mutter,<lb/>gleichsam eingeweihet, gesegnet und begnadigt für<lb/>ihre hohe Aufgabe, die sie an ihrem Kinde zu voll-<lb/>ziehen hat. In der That, so stellt sich dieser ganze<lb/>Akt der kirchlichen Einführung beim <q>„ersten Kirchen-<lb/>gange“</q> dar als eine feierliche, von der Kirche voll-<lb/>zogene Einführung der Mutter in ihren mütter-<lb/>lichen Beruf. Freilich wird diese Gelegenheit auch<lb/>benutzt, um Gott, wie wir hörten, in feierlicher<lb/>Art den gebührenden Dank zu bringen. Als <hi rendition="#w">vor-</hi>
                           <lb/>
                           <hi rendition="#w">herrschend</hi> ist doch der Zweck gerichtet auf den<lb/>mütterlichen Beruf; die Mutter soll – so will es<lb/>die Kirche – bei dieser Gelegenheit sich ihrer hoch-<lb/>wichtigen Aufgabe als Mutter bewußt werden; sie<lb/>soll sich und ihr Kind und Alles, was sie an ihm<lb/>thun wird, dem Herrn empfehlen; sie soll in das<lb/>wichtige Wert von der h. Kirche eingeführt und<lb/>eingesegnet werden; sie soll es fortan an der Hand<lb/>der Kirche vollführen.</p>
								
                        <p>Wie sehr steht es also zu bedauern, wenn dieser<lb/>schöne Akt von christlichen Müttern versäumt wird!<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0019_0001"/>Heißt das nicht, sich und dem Kinde die Segnungen<lb/>der h. Kirche vorenthalten, und sich des heilsamen<lb/>Einflusses dieser erbaulichen Handlung berauben?<lb/>Möchte daher der schöne Brauch wieder recht all-<lb/>gemein werden! Mögen alle Mütter, welche ihn<lb/>ausführen, es mit solchen Gesinnungen und in<lb/>solcher Weise thun, wie wir es angedeutet haben.<lb/>Gewiß es wird ein Segen sein für Mütter und<lb/>Kinder.</p>
							
                     </div>
							
                     <div xml:id="d62092e20305">
								
                        <head rendition="#c">Beruf und Heranbildung der Mutter.</head>
								
                        <p>Ernst fasset unsere h. Kirche – wir vernahmen<lb/>es – den Beruf der christlichen Mutter auf; da-<lb/>her führet sie unter Gebet und Segnungen bei<lb/>ihrem ersten Kirchengange dieselbe feierlich in den-<lb/>selben ein. Sie soll fortan <hi rendition="#w">zunächst</hi> den jungen<lb/>Menschen, ihr Söhnchen oder Töchterlein in das<lb/>von Christo dem Herrn bereitete Heil, und daher<lb/>in den Geist wahrer Gottesfurcht und Frömmig-<lb/>keit einführen an ihrer (der Kirche) Statt und in<lb/>ihrem Namem. Was die Diener der h. Kirche<lb/>bei den Erwachsenen, das soll in gewissem Be-<lb/>trachte die Mutter in den ersten jugendlichen Jahren<lb/>an dem Kinde thun und also recht eigentlich eine<lb/>Dienerin der h. Kirche sein. Erhabener Beruf!<lb/>Fassen wir ihn ein wenig näher in's Auge.</p>
								
                        <p>Dem leiblichen Leben nach ist das Kind in seinen<lb/>ersten Jahren fast ausschließlich auf die Mutter<lb/>angewiesen. Seine körperlichen Organe sind noch<lb/>zu zart, als daß es seine leibliche Nahrung, wie<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0020_0001"/>die Erwachsenen, unmittelbar aus der Hand der<lb/>Natur empfangen könnte. Die Mutter em-<lb/>pfängt zuvor von der Natur die Nahrung für ihr<lb/>Kindlein und vermöge der weisen Einrichtung des<lb/>Schöpfers wird die also genommene Nahrung zum<lb/>Theil durch die besondern Organe ihres Körpers<lb/>zu einer für das zarte Kind geeigneten Nahrung<lb/>zugerichtet und dann dem Kindlein gespendet; es<lb/>ist die Muttermilch. Das Kind liegt an der<lb/>Mutterbrust und saugt begierig die Spende der-<lb/>selben, seine Nahrung, in sich auf. Und so ge-<lb/>deihet es seinem leiblichen Leben nach und wächset<lb/>heran gewissermaßen in den Armen seiner Mutter,<lb/>an der Mutterbrust.</p>
								
                        <p>Aber das Kindlein hat ein anderes Leben em-<lb/>pfangen – in der h. Taufe; es ist das übernatür-<lb/>liche Leben der heiligmachenden Gnade, wodurch es<lb/>ein Kind Gottes ist. Wie nun der Herr die<lb/>Nahrung für das natürliche (leibliche) Leben in der<lb/>äußern Natur niedergelegt hat, so hat er die Nah-<lb/>rung für das übernatürliche Leben hauptsächlich<lb/>der Kirche anheimgegeben. Sie nährt und fördert<lb/>dasselbe durch ihre Lehre, durch ihre Gnadenmittel,<lb/>durch ihre Leitung. Aber sie thut es, so lange<lb/>dieses höhere Leben im Kinde noch zart und un-<lb/>entwickelt ist, nicht unmittelbar, sondern vorwiegend<lb/>durch die Mutter. Auch hier ist das Kind nicht<lb/>fähig, das was zum Gedeihen und Wachsthum<lb/>seines übernatürlichen Lebens, oder was dasselbe<lb/>sagt, was für seine Heranbildung zu Gottesfurcht<lb/>und Frömmigkeit der h. Kirche anheimgegeben ist,<lb/>unmittelbar zu empfangen; es muß ihm von der<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0021_0001"/>Mutter so zubereitet, wie es für sein zartes Alter<lb/>passet, geboten werden; die Mutter muß die hei-<lb/>ligen Lehren und Weisen und Tugenden des christ-<lb/>lichen Lebens in kindlich-herablassender Weise, ge-<lb/>wissermaßen als nährende Milch dem Kinde bie-<lb/>ten, auch in diesem Sinne soll das Kind in<lb/>seinen jugendlichen Jahren gewissermaßen an der<lb/>geistigen Mutterbrust ruhen, und es soll seinem<lb/>übernatürlichen Leben nach gedeihen und heran-<lb/>wachsen in den Armen seiner Mutter – an der<lb/>Mutterbrust.</p>
								
                        <p>In der That, die Mutter vertritt an ihrem<lb/>Kinde in den ersten Jahren recht eigentlich die<lb/>Stelle der h. Kirche. Die Aufgabe, welche die<lb/>Kirche vom Herrn empfangen hat, den Menschen<lb/>das christliche Heil zu vermitteln und sie daher<lb/>zur christlichen Gottesfurcht und Frömmigkeit an-<lb/>zuleiten, soll in den ersten, zartesten Jahren des<lb/>Menschen insbesondere, ja fast ausschließlich durch<lb/>die christliche Mutter gehandhabt werden. Die christ-<lb/>liche Mutter ist die Dienerin der Kirche an ihrem Kinde.<lb/>Wehe, wenn sie ihre Aufgabe nicht erkennt und erfüllt!</p>
								
                        <p>Kaum darf man hoffen, daß ein Mensch, welcher<lb/>nicht früh durch seine Mutter zu echt christlichem<lb/>Geiste herangebildet wurde, je ein wahrhaft guter<lb/>Christ werden möge. Wie der Mensch überhaupt<lb/>das von Christo bereitete Heil nicht erlangt, wenn<lb/>es ihm nicht von der Kirche gespendet wird, so<lb/>bleibt er fast immer mehr oder weniger dessen be-<lb/>raubt, wenn die Mutter es versäumt, ihn schon<lb/>als Kind in dasselbe einzuführen.</p>
								
                        <p>Aber wohl dem Kinde, welches eine wahrhaft<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0022_0001"/>christlich-fromme Mutter hat, die es versteht und<lb/>sich angelegen sein lässet, ihm von zartester Kind-<lb/>heit an den christlichen Geist einzuhauchen und zur<lb/>Uebung aller christlichen Tugenden es anzuleiten.<lb/>Fast mit Sicherheit läßt sich voraussehen, daß auf<lb/>diesem von einer solchen Mutter gelegten Funda-<lb/>mente sich später das Gebäude der christlichen Fröm-<lb/>migkeit hoch ausbauen, daß das Kind ein wahrhaft<lb/>guter Christ sein und zum ewigen Heile gelangen<lb/>werde. Wie groß ist die Zahl der Heiligen, welche<lb/>ihre wunderbare Heiligkeit und die hohe Stufe<lb/>ihrer himmlischen Herrlichkeit nächst Gott eben dem<lb/>heilsamen Einflusse zu verdanken haben, den eine<lb/>fromme Mutter in ihrer zarten Jugend auf sie<lb/>geübt hat. Ja wie viele unter den Heiligen hatten<lb/>eben Heilige zu Müttern, – der Hauptgrund ihrer<lb/>eigenen Heiligkeit. – Welch ein Segen daher für<lb/>das Kind, eine echt christliche, wahrhaft fromme<lb/>Mutter zu haben!</p>
								
                        <p>Die christliche Mutter ist die Dienerin der<lb/>Kirche; waltet sie ihres Amtes würdig, so geht<lb/>Segen von ihr aus auf das Kind und auf die<lb/>menschliche Gesellschaft. Darum läßt die h. Kirche<lb/>es sich auch in jeder Art angelegen sein, daß, so<lb/>viel an ihr, wahrhaft christliche Mütter herange-<lb/>bildet werden, welche würdig <hi rendition="#w">ihre</hi> Stelle an den<lb/>Kindern vertreten möchten. Ja Gott selbst wollte,<lb/>da Er der Mutter einen so hohen und wichtigen<lb/>Beruf an ihren Kindern gegeben hat, sie auch, so<lb/>viel an Ihm, dafür tauglich machen. Wer kann<lb/>es verkennen, daß die Personen des weiblichen Ge-<lb/>schlechtes eine gewisse natürliche Anlage zur Gottes-<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0023_0001"/>furcht und Frömmigkeit und insbesondere zu den-<lb/>jenigen Tugenden, welche für die rechte Behandlung<lb/>und Erziehung zarter Kinder von Bedeutung sind,<lb/>im Allgemeinen in viel reicherem Maaße, als<lb/>männliche Personen, vom Herrn empfangen haben,<lb/>so daß es ihnen in mancher Hinsicht leichter wird,<lb/>die christliche Frömmigkeit und jene Tugenden zu<lb/>üben, und darin Fortschritte zu machen. Ohne<lb/>Zweifel hat der Schöpfer der weiblichen Natur<lb/>diese Einrichtung gegeben ganz insbesondere mit<lb/>Rücksicht auf den mütterlichen Beruf. Da der<lb/>jugendliche Mensch in den ersten Jahren seines<lb/>Lebens, in den Jahren, wo sein Herz für den Ein-<lb/>fluß der Erwachsenen am empfänglichsten sich er-<lb/>weiset, ganz vorzüglich, ja fast ausschließlich auf<lb/>die Mutter angewiesen ist, welche, während der<lb/>Vater seinen Geschäften nachzugehen hat, so fast<lb/>den ganzen Tag das Kind um sich hat; da eben<lb/>deßhalb so viel daran liegt, daß der Einfluß der<lb/>Mutter ein guter und sie daher vom Geiste echter<lb/>Gottesfurcht und Frömmigkeit beseelt sei, so hat<lb/>der Herr auch selbst durch die natürliche Ein-<lb/>richtung des weiblichen Wesens der Mutter die<lb/>Uebung der Frömmigkeit und der für eine Mutter<lb/>nöthigen Tugenden desto leichter machen, desto näher<lb/>legen wollen. Um so mehr wehe der Mutter, wenn<lb/>es ihr daran fehlt!</p>
								
                        <p>Aber auch die h. Kirche läßt es sich, wie schon<lb/>angedeutet, auf's Angelegentlichste am Herzen liegen,<lb/>wahrhaft christlich-fromme Mütter heranzubilden.<lb/>Wer kennte nicht die mannichfaltigen Bestrebungen,<lb/>Einrichtungen, Vereine und Genossenschaften in<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0024_0001"/>unserer h. Kirche zum Besten der Jugend, um sie<lb/>überhaupt in echt christlicher Gesinnung und be-<lb/>sonders in unverletzter Unschuld zu erhalten? So<lb/>fern sich diese auf christliche Jungfrauen beziehen,<lb/>hat die Kirche dabei ganz insbesondere die Heran-<lb/>bildung derselben für jenen Beruf im Auge, wel-<lb/>cher der großen Mehrzahl der Jungfrauen zur<lb/>Zeit zufallen wird, den mütterlichen Beruf. Sie<lb/>möchte echt christliche Mütter heranbilden.</p>
								
                        <p>Daher insbesondere ihre Wachsamkeit und Sorge,<lb/>wenn nun der erste Schritt zu dem ernstwichtigen<lb/>Berufe geschehen, wenn die Jungfrau Braut ge-<lb/>worden ist. Ach vielleicht ist die Gefahr, nunmehr<lb/>an dem kostbarsten Gute und Schmucke ihrer Seele,<lb/>an der Unschuld Schaden zu nehmen, desto größer<lb/>geworden. Die Kirche erkennt in der ganzen<lb/>Größe das Unglück, welches darin liegt, wenn eine<lb/>Jungfrau ihren Brautstand mißbraucht zu Leicht-<lb/>sinn und Ausschweifung und an ihrer Unschuld<lb/>schiffbrüchig wird. Wie könnte sie in einer solchen<lb/>Unglücklichen, bei welcher mit der Lauterkeit des<lb/>Herzens und Lebens nur zu bald die gesammte<lb/>christliche Tugendhaftigkeit wankend und zu Schan-<lb/>den wird, noch eine wahrhaft gute Mutter erhoffen?<lb/>Daher der hohe Ernst ihrer Mahnungen, ihrer<lb/>Warnungen, ihrer Rügen auf der Kanzel, im<lb/>Beichtstuhle und wo immer sich Gelegenheit bietet;<lb/>daher der Aufwand aller möglichen Mittel, um es<lb/>zu erwirken, daß ihre Bräute in unverletzter Un-<lb/>schuld und mit reinem Herzen am Traualtare er-<lb/>scheinen. Ist das der Fall, so werden sie – die<lb/>Kirche hofft es zuversichtlich und freudig – zur<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0025_0001"/>Zeit gute Mütter sein. Haben wir nicht eben in<lb/>dem Leichtsinn des verlobten Standes die Ursache<lb/>zu beklagen, warum zuweilen die Ehen so unglück-<lb/>lich, so gottentfremdet sind und daß darin die<lb/>Elternpflichten so arg vernachlässigt werden?</p>
								
                        <p>Der ernste Zeitpunkt, wo die Jungfrau Ehe-<lb/>gattin werden soll, rückt heran. Mit mütterlicher<lb/>Angelegentlichkeit tritt daher die Kirche an sie heran,<lb/>Alles aufbietend, daß der ernste Schritt nicht ohne<lb/>die gewissenhafteste Vorbereitung geschehe. Sie<lb/>hat es ihren Dienern zur Pflicht gemacht, die christ-<lb/>lichen Bräute vor dem Antritte des ehelichen Standes<lb/>zu sich zu bescheiden, um sie zu solcher Vorberei-<lb/>tung anzuregen und ihnen zugleich eine eingehende<lb/>Unterweisung über die Pflichten und Obliegenheiten<lb/>des ehelichen Standes zu geben. Und da sind es<lb/>ganz insbesondere die Elternpflichten, welche der<lb/>Pfarrer ihnen darlegt, und deren treue Erfüllung<lb/>er mit allem Nachdruck ihnen einschärft.</p>
								
                        <p>Nun ist der Augenblick da: Die Braut soll an<lb/>den Traualtar hintreten, um zu ewigem Bunde<lb/>dem Bräutigam die Hand zu reichen. Aber nicht<lb/>so ohne Weiteres lässet die h. Kirche dieselbe zur<lb/>h. Stätte hintreten. Hat sie schon im Braut-<lb/>examen zu gewissenhafter Vorbereitung auf die<lb/>ernste Handlung und daher zu frommen Uebungen<lb/>angeregt, so soll nun am Vorabende des Ver-<lb/>mählungstages, am Morgen desselben die Braut<lb/>mit ihrem Bräutigam zum Richterstuhle der Buße<lb/>und demnächst zur h. Communion gehen, um<lb/>dann rein von jeglicher Sünde und in Vereinigung<lb/>mit dem göttlichen Erlöser am Traualtare zu erscheinen.</p>
								
                        <pb facs="images/C889_001_1874_0238"
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                            xml:id="C889_001_1874_pb0026_0001"/>
								
                        <p>Und während sie den ernsten Schritt thut, steht<lb/>die h. Kirche ihr zur Seite. In ihrer Gegenwart<lb/>soll das h. Bündniß geschlossen werden, auf <hi rendition="#w">daß</hi>
                           <lb/>
                           <hi rendition="#w">es zu einem h. Sakramente werde</hi> und <hi rendition="#w">ihren</hi>
                           <lb/>Segen empfange. Also durch ein h. Sakrament<lb/>lässet die h. Kirche im Auftrage des Herrn die<lb/>Braut in den Ehestand treten, auf daß durch die<lb/>geheimnißvolle Wirkung desselben die Ehe geheiligt<lb/>und gleichsam der geheiligte Boden sei, aus dem<lb/>die Kinder in <hi rendition="#w">heiliger</hi> Weise entsprießen möchten;<lb/>und daß durch die gnadenvollen Wirkungen dieses<lb/>h. Sakramentes die Eltern und vorab die Mütter<lb/>in den Stand gesetzt würden, die von Gott ge-<lb/>schenkten Kinder in wahrhaft christlicher Weise zu<lb/>erziehen.</p>
								
                        <p>So hält es die h. Kirche mit dem ehelichen<lb/>Stande, und mit dem darin begriffenen mütter-<lb/>lichen Berufe. Er ist ihr heilig. Daher ihre<lb/>Sorge und ihr Bestreben, dahin zu wirken, daß er<lb/>von den Eheleuten, insbesondere von der Ehefrau<lb/>heilig gehalten, heilig angetreten und heilig geführt<lb/>werde.</p>
								
                        <p>Wohl der Jungfrau und der Gattin, welche<lb/>diese Vorbereitung an der Hand der Kirche treu<lb/>und nach ihrem Willen vollführt! Kommt die<lb/>Zeit, wo die h. Pflichten des Mutterberufs zu er-<lb/>füllen sind, so wird sie als eine wahrhaft <hi rendition="#w">christ-</hi>
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                           <hi rendition="#w">liche</hi> Mutter sich erweisen, und groß wird der<lb/>Segen sein, der von ihr ausgeht. Das war die<lb/>Schule, in welcher jene Mütter herangebildet sind,<lb/>welche unsere h. Kirche als Heilige verehrt, eine<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0027_0001"/>h. Elisabeth, eine h. Hedwig, eine h. Monika, eine<lb/>h. Paula und so viele Andere.</p>
								
                        <p>Aber wird es nicht – besonders in unsern Ta-<lb/>gen, von Vielen verschmähet, also in der Schule<lb/>der h. Kirche und an ihrer Hand zu einem so<lb/>wichtigen und folgenschweren Stande und Berufe<lb/>sich vorzubereiten? Wo ist der Geist der Gottes-<lb/>furcht und Frömmigkeit bei so manchen Jung-<lb/>frauen? Ach all ihr Sinnen und Trachten ist in<lb/>Putzsucht, eiteln Tand und Vergnügen aufgegangen.<lb/>Kein Eifer im Gebet, im Besuch der Kirche, im<lb/>Empfange der hh. Sakramente; Verletzung der<lb/>heiligsten Pflichten gegen die Eltern; eitele, nichtige<lb/>Vergeudung der Zeit. Und wie steht's um die<lb/>Unschuld des Herzens? Ach, an ihr hat man längst<lb/>Schiffbruch gelitten.</p>
								
                        <p>Und dann die Zeit des verlobten Standes:<lb/>Wird sie nicht mißbraucht zu den abscheulichsten<lb/>Sünden?! Während man Alles aufbieten sollte,<lb/>um durch desto größern Eifer in allem Guten sich<lb/>zu einem so wichtigen Stande vorzubereiten, häuft<lb/>man Sünde auf Sünde.</p>
								
                        <p>Und wie erscheint man dann endlich am Trau-<lb/>altare? Ach, der Leichtsinn des Brautstandes reicht<lb/>auch in den Vermählungstag hinein; keine Spur<lb/>von jenem h. Ernste, der hier ziemte. Ja em-<lb/>pfängt man nicht gar in Folge der vorangegangenen<lb/>ungültigen Beicht und unwürdigen Communion das<lb/>h. Sakrament der Ehe unwürdig? Entsetzlich! Mit<lb/>einem dreifachen Gottesraube, mit dreifacher Tod-<lb/>sünde in den Ehestand treten!</p>
								
                        <p>Wie kann da Gottes Segen im Ehestande wal-<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0028_0001"/>ten?! Wie soll man da insbesondere erwarten,<lb/>daß eine solche Person eine gute Mutter sein werde?<lb/>Ach, die Erfahrung bestätigt es, nach solchen Vor-<lb/>gängen haben die unglücklichen Kinder einer solchen<lb/>Ehe Mütter, welche, anstatt ihnen den Geist der<lb/>Gottesfurcht und Frömmigkeit einzuflößen, vielmehr<lb/>durch Wort und Beispiel Schuld werden an ihrem<lb/>Verderben.</p>
							
                     </div>
							
                     <div xml:id="d62092e20978">
								
                        <head rendition="#c">Nothwendige Vorbedingungen.</head>
								
                        <p>Die christliche Mutter ist an ihren kleinen Kin-<lb/>dern die Dienerin der Kirche. Wie diese die Auf-<lb/>gabe hat, ihre Genossen ihrer von Gott ihnen gege-<lb/>benen Bestimmung entgegenzuführen, so die Mut-<lb/>ter in Betreff ihrer Kinder: Sie soll (mit dem Va-<lb/>ter) also auf dieselben einzuwirken suchen, daß sie,<lb/>so viel an ihr ist, ihre Bestimmung erreichen. Der<lb/>Mensch hat – wenn wir wollen, – eine doppelte<lb/>Bestimmung, eine Bestimmung für dies irdische<lb/>Leben und eine Bestimmung für die Ewigkeit, eine<lb/>irdische und eine überirdische, höhere. Im Grunde<lb/>gibt es freilich nur <hi rendition="#w">eine</hi> Bestimmung, die über-<lb/>irdische; sie zu erreichen, dazu soll auch die irdische<lb/>dienen. Die Aufgabe der Eltern, und zunächst der<lb/>Mutter ist es demnach, das Kind von früh an für<lb/>diese doppelte Bestimmung heranzubilden. Gewiß<lb/>soll sie daher dem Kinde von früh an, so viel an<lb/>ihr ist, die entsprechende Anleitung geben in Allem,<lb/>was für seine irdische Bestimmung, für sein zeit-<lb/>liches Fortkommen und für seine Zukunft in der<lb/>menschlichen Gesellschaft nothwendig oder nützlich<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0029_0001"/>ist. Aber noch viel mehr soll sie ihr Kind dazu<lb/>anleiten, daß es seine ewige Bestimmung erreiche,<lb/>daß es also zu einem würdigen Mitgliede der<lb/>h. Kirche heranwachse und so einst würdig er-<lb/>scheine, ein Mitglied des Reiches Gottes im Him-<lb/>mel zu sein.</p>
								
                        <p>Das ist also recht eigentlich die Aufgabe, die<lb/>höchste Aufgabe der Mutter, daß sie (freilich im<lb/>Verein mit dem Vater) ihre Kinder zu wahrer<lb/>Gottesfurcht und Frömmigkeit führe. Alles, was<lb/>sonst noch einer guten Mutter für ihre Kinder<lb/>am Herzen liegen kann und soll, ist im Vergleich<lb/>hierzu nur höchst untergeordneter Art; so viel das<lb/>Leben in der Ewigkeit länger und daher wichtiger<lb/>ist, als das kurze Leben hier auf Erden, so viel<lb/>steht die Heranbildung ihrer Kinder für die Ewig-<lb/>keit, also zur Gottesfurcht und Frömmigkeit, höher,<lb/>als ihre Heranbildung für die Zwecke dieses<lb/>Lebens.</p>
								
                        <p>Also, ihre Kinder von frühester Jugend an zu<lb/>einer wahren Gottesfurcht und Frömmigkeit anzu-<lb/>leiten und zu erziehen, das ist in der That die<lb/>höchste Aufgabe, der eigentliche Beruf einer christ-<lb/>lichen Mutter, der wichtigste Punkt in der christ-<lb/>lichen Erziehung. Hat eine Mutter sich auch alle<lb/>erdenkliche Mühe gegeben und es verstanden, ihre<lb/>Kinder für das Leben in der Welt auf's Beste zu<lb/>erziehen, hat sie ihnen alle möglichen Kenntnisse<lb/>und Fertigkeiten und Geschicklichkeiten vermittelt, so<lb/>daß sie in der Welt wohl aufzutreten wissen, daß<lb/>sie das, was dem Stande und den Verhältnissen<lb/>derselben entspricht, auf's Beste verstehen; hat sie<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0030_0001"/>es aber versäumt oder es nicht verstanden, dem<lb/>Herzen ihrer Kinder zugleich den Geist echter<lb/>Gottesfurcht und Frömmigkeit einzupflanzen, so<lb/>müssen wir sagen, sie hat ihre Aufgabe nicht ge-<lb/>löset, sie hat ihrem Berufe nicht entsprochen, sie ist<lb/>keine gute Mutter an ihren Kindern gewesen; wie<lb/>schwer wird ihre Verantwortung vor dem Richter<lb/>sein! Und ihre Kinder, mögen sie auch für die<lb/>Welt noch so geschickt und tüchtig sein, und in der<lb/>Welt noch so hoch gehalten werden, sind dennoch<lb/>unaussprechlich zu bedauern; was sie auch durch<lb/>ihre Mutter erlangt haben, das Beste, das We-<lb/>sentlichste, das Rechte ist ihnen vorenthalten worden.</p>
								
                        <p>Gottesfurcht und Frömmigkeit, das ist das Erste<lb/>und Höchste, was die Mutter ihren Kindern von<lb/>frühester Jugend an vermitteln soll; Gottesfurcht<lb/>und Frömmigkeit, das soll die kostbare Mitgift der<lb/>christlichen Mutter für ihre Kinder sein. Darin<lb/>liegt das Höchste, das Wesentlichste der Berufs-<lb/>aufgabe der Mutter ausgesprochen. Soll sie die-<lb/>selbe aber in erwünschter Weise lösen, so thuen vor<lb/>Allem zwei Stücke Noth, die wir daher zunächst<lb/>in's Auge fassen müssen. Das erste ist, daß die<lb/>Mutter vom Geiste wahrer Gottesfurcht und Fröm-<lb/>migkeit beseelt sei; und das zweite, daß sie eine<lb/>wahre Liebe zu ihren Kindern trage. Also zu-<lb/>nächst:</p>
								
                        <div xml:id="d62092e21167">
									
                           <head rendition="#c">Die Gottesfurcht und Frömmigkeit</head>
									
                           <p rendition="#no_ind">der Mutter. – Die Mutter muß, um ihre Kinder<lb/>recht und gut erziehen zu können, selbst wahrhaft<lb/>gottesfürchtig und fromm sein.</p>
									
                           <pb facs="images/C889_001_1874_0243"
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                           <p>Kann ich denn einem Andern geben, was ich<lb/>selbst nicht habe? Wie soll denn eine Mutter ihren<lb/>Kindern den Geist der christlichen Frömmigkeit ein-<lb/>hauchen, wenn sie ihn selbst nicht hat? Oder, wer<lb/>kann einem Andern Anweisung oder Anleitung ge-<lb/>ben in einer Sache, welche er selbst nicht versteht?<lb/>Nehmen wir die geringfügigsten Dinge, oder ein<lb/>Handwerk, ein Kunst, eine Wissenschaft, – um<lb/>Andere darin anzuleiten, muß man – Jeder<lb/>weiß es – sie erst selbst gelernt haben. Sollte<lb/>es mit der Gottesfurcht und Frömmigkeit anders<lb/>sein? O nein, da ist es nur noch viel mehr der<lb/>Fall, wie in allen übrigen Dingen: Man muß<lb/>sie, um Andere zu ihr anzuleiten, zuvor selbst sich<lb/>angeeignet haben. Doch die Sache ist so wichtig,<lb/>wir müssen nothwendig ein wenig näher in sie ein-<lb/>gehen.</p>
									
                           <p>Zuvor wird es wohl einer Mutter, welcher der<lb/>Geist christlicher Frömmigkeit abgeht, überhaupt am<lb/>Herzen liegen, ihre Kinder dazu anzuleiten? Nie-<lb/>mand thut etwas Rechtes für eine Sache, welche<lb/>ihm gleichgültig ist. Siehe da den Grund, warum<lb/>manche Eltern, oder bleiben wir bei den Müttern,<lb/>warum manche Mutter sich so wenig oder gar<lb/>nicht darum kümmern, daß ihre Kinder gottes-<lb/>fürchtig und fromm werden. Alles lernen in man-<lb/>chem Hause die Kinder von der Mutter, häusliche<lb/>Beschäftigungen, Geschicklichkeiten, Artigkeiten; nur,<lb/>was zu einem echt christlichen, gottgefälligen Leben<lb/>gehört, Religion und christliche Tugend, Eifer zum<lb/>Gebete am Morgen, am Abende, bei Tische; Liebe<lb/>und Eifer für Kirche und Gottesdienst, die Uebungen<lb/>
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                                  xml:id="C889_001_1874_pb0032_0001"/>des katholischen Lebens – das lernen sie nicht,<lb/>davon hören oder sehen sie zu Hause von der<lb/>Mutter wenig oder gar nichts. Warum? Es liegt<lb/>der Mutter selbst nichts daran.<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
											
                                 <p>Vor nicht langer Zeit traf ich auf einem Spazier-<lb/>gange mit einem wackern Knaben zusammen; ich ließ<lb/>mich mit ihm in ein Gespräch ein und vernahm, daß<lb/>er schon 6 Jahre alt sei, ich fragte ihn, ob ihm die<lb/>Mutter schon vom lieben Gott und dem Himmel,<lb/>vom göttlichen Heilande erzählt habe? Der Knabe<lb/>wußte davon noch nichts. <q>„Ob er das Vater unser,<lb/>Ave Maria schon beten könne?“</q> – Nein! – <q>„Ob<lb/>er sich segnen (das Kreuzzeichen machen) könne?“</q> -<lb/>Nein. <q>„Armer Knabe“</q>, dachte ich, <q>„schon 6 Jahre<lb/>alt, und verstehst von all diesem noch nichts. Was<lb/>für Eltern müssen das sein! Was für eine Mutter!“</q>
                                    <lb/>– Ich schärfte dem Knaben ein, er möge seiner<lb/>Mutter sagen, ein Geistlicher habe ihm gesagt, er solle<lb/>sie bitten, daß sie ihm das Kreuzzeichen, das h. Vater<lb/>unser und Ave lehre. Später hab' ich, da ich mir<lb/>den Namen hatte sagen lassen, den betreffenden Pfarr-<lb/>geistlichen aufmerksam gemacht.</p>
                              </note>
                           </p>
									
                           <p>Also, soll man von der Mutter erwarten, daß<lb/>sie ihren Kindern eine religiöse Anleitung gebe, so<lb/>muß sie selbst von lebendiger Gottesfurcht beseelt<lb/>sein. Nur dann wird sie sich fernerhin dazu ver-<lb/>stehen, die Mühe und Anstrengung, welche damit<lb/>verbunden ist, zu übernehmen. Immer nämlich<lb/>ist, besonders auf die Dauer, die gute Erziehung<lb/>der Kinder mit manchen Beschwerden und Opfern<lb/>verbunden; es kostet leicht von Tag zu Tag viel-<lb/>fache Selbstverläugnung, wenn eine Mutter es sich<lb/>nach Gebühr will angelegen sein lassen, ihre Kin-<lb/>der in der rechten Weise zu entsprechender Be-<lb/>
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                                  xml:id="C889_001_1874_pb0033_0001"/>schäftigung, zum Besuche der Schule und der Kirche<lb/>zum Gebete anzuleiten, oder über ihr Thun und<lb/>Lassen gebührend zu wachen, in Betreff ihres Um-<lb/>ganges ein wachsames Auge zu haben, sie in der<lb/>rechten Weise zu belehren, zu ermahnen, zu rügen,<lb/>zu bestrafen. Und doch ist das alles und so man-<lb/>ches Andere erforderlich, wenn das Kind gut wer-<lb/>den soll. Dazu versteht sich aber <hi rendition="#w">auf die Dauer</hi>
                              <lb/>nur eine echt christliche Mutter. Der Mutter,<lb/>welche nicht in wahrer Frömmigkeit befestigt ist,<lb/>wird leicht Alles zu viel; sie liebt das bequeme,<lb/>behagliche, angenehme Leben; das will sie sich auch<lb/>durch ihre Kinder nicht stören lassen; daher kümmert<lb/>sie sich um dieselbe nicht mehr, als Noth thut.</p>
									
                           <p>Kann man aber nur von einer wahrhaft christ-<lb/>lich-frommen Mutter erwarten, daß sie sich mit der<lb/>religiösen Heranbildung ihrer Kinder befasse, so<lb/>kann auch nur <hi rendition="#w">ihre</hi> Wirksamkeit Erfolg haben.<lb/>Nur eine wahrhaft und herzlich fromme Mutter<lb/>vermag es, eine Sprache zu reden, welche das<lb/>kindliche Herz versteht und welche in dasselbe ein-<lb/>dringt. Je mehr ihr Herz von Liebe zu Gott be-<lb/>seelt ist und von dem Wunsche, daß auch ihr theures<lb/>Kind den Herrn lieben und Ihm dienen möge,<lb/>desto leichter lasset sie sich zu ihrem Kinde herab,<lb/>desto mehr findet sie Ausdruck und Weise, um in<lb/>kindlichem Tone verständlich zum Kinde zu sprechen,<lb/>und desto mehr dringt ihr Wort in das Herz des<lb/>Kindes ein. Was zu Herzen gehen soll, das muß<lb/>vom Herzen kommen. Wie tief senken sich daher<lb/>die Belehrungen und Ermahnungen einer wahr-<lb/>haft frommen Mutter in das zarte Kinderherz,<lb/>
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                                  xml:id="C889_001_1874_pb0034_0001"/>um für das ganze Leben als ein Segen vorzu-<lb/>halten!</p>
									
                           <p>Aber ach, wie kalt und eindruckslos sind die<lb/>Worte einer Mutter, deren Herz Gott entfremdet<lb/>ist, wenn sie anders noch über Gott und Religion<lb/>zum Kinde spricht! Und sie lassen das Herz des<lb/>Kindes kalt.</p>
									
                           <p>Ferner ist die rechte und gute Erziehung eine<lb/>schwere Aufgabe. Wie soll man erwarten, daß alle<lb/>Eltern, hier, daß alle Mütter die Regeln und<lb/>Grundsätze der richtigen Erziehung kennen und ver-<lb/>stehen? Aber ist die Mutter vom Geiste echter<lb/>Gottesfurcht beseelt, so wird das vom Glauben<lb/>und durch die Gnade erleuchtete Herz ihr durchweg<lb/>für die Erziehung den rechten Weg zeigen, und ihr<lb/>frommes Leben wird für das Kind eine Schule<lb/>sein, in welcher es am Ende richtiger, als durch<lb/>alle Regeln und Grundsätze angeleitet wird. Daher<lb/>dann auch die Erfahrung, daß ein Kind, welches<lb/>wahrhaft fromme Eltern hat, auf die Dauer nicht<lb/>so leicht entartet; während nicht selten andere Kin-<lb/>der, die vielleicht ganz nach der Regel erzogen<lb/>werden, aber das gute Beispiel entbehren, in hohem<lb/>Grade mißrathen. Dazu kommt, daß das Kind,<lb/>namentlich in den früheren, zarteren Jahren, viel<lb/>weniger, am Ende noch gar nicht empfänglich ist<lb/>für religiöse Belehrung und Ermahnung in <hi rendition="#w">Wor-</hi>
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                              <hi rendition="#w">ten</hi>; aber desto besser versteht es die Sprache des<lb/>
                              <hi rendition="#w">Beispiels</hi> der Mutter. Und es macht leicht und<lb/>so gern Alles nach, was es an und von der Mut-<lb/>ter sieht. Gott selbst hat diesen Nachahmungstrieb<lb/>und zwar in so hohem Grade im Kindesherzen<lb/>
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                                  xml:id="C889_001_1874_pb0035_0001"/>hergestellt, damit das Kind desto mehr von der<lb/>Mutter lerne, was es lernen und verstehen muß,<lb/>indem Er voraussetzte, daß die Mutter nur Gutes<lb/>vor ihren Kindern zu Tage legen würde. So<lb/>wird denn, wenn die Mutter in wahrer Frömmig-<lb/>keit besteht, ihr tägliches gottgeweihtes Walten und<lb/>Thun für das zarte Kind eine Schule sein, worin<lb/>es die Weisen und Uebungen des christlichen Lebens<lb/>gewissermaßen schon eher lernt, als es sie verstehen<lb/>kann, um dann, wenn es sie versteht, desto sicherer<lb/>sie zu vollführen, und dem heilsamen Beispiele der<lb/>Mutter zu folgen.</p>
									
                           <p>So lernt das Kind von zartester Jugend an<lb/>von der Mutter und an ihrem frommen Beispiele<lb/>Gott und den Heiland lieben, es lernt voll Ehr-<lb/>furcht und Vertrauen zum Herrn seine Hände fal-<lb/>ten, es lernt Kirche und Gottesdienst schätzen und<lb/>gern besuchen; es lernt Barmherzigkeit gegen die<lb/>Armen; es lernt Arbeitsamkeit, Ordnung, Rein-<lb/>lichkeit, diese kräftigen Stützen christlicher Gottes-<lb/>furcht; es lernt Milde, Sanftmuth, Freundlichkeit;<lb/>es lernt Wahrhaftigkeit im Reden und welche Tu-<lb/>genden immer sonst noch im Leben der Mutter<lb/>hervortreten.</p>
									
                           <p>Glückliches Kind daher, welches eine wahrhaft<lb/>fromme Mutter hat! <hi rendition="#w">Ihr</hi> Leben und ihr Bei-<lb/>spiel ist seine Schule, worin es so fast, ohne es<lb/>zu wissen und ohne Mühe in alle Weisen des<lb/>christlichen Lebens eingeweihet und eingeführt wird.<lb/>Und was in dieser Schule des Beispiels gelernt<lb/>wird, wie senkt sich das so tief in das ganze Men-<lb/>schenwesen, um zu einem unverwüstlichen Funda-<lb/>
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                                  xml:id="C889_001_1874_pb0036_0001"/>mente zu werden, auf dem christlicher Geist und<lb/>christliches Leben sich sicher und hoch aufbauet.</p>
									
                           <p>Schwerlich wird dagegen ein Kind wohl gedeihen,<lb/>welches in seiner zarten Jugend den Einfluß einer<lb/>guten Mutter und den Segen ihres gottgefälligen<lb/>Lebens nicht erfahren hat. Vielmehr wird sich,<lb/>wenn die Mutter gegen Gott und Tugend gleich-<lb/>gültig ist und ein kaltes Herz hat, diese Kälte und<lb/>Gleichgültigkeit auch dem Kinde mittheilen, und<lb/>was wird vermögend sein, die Eisrinde, welche sich<lb/>um sein zartes Herz bildet, wieder aufzulösen?<lb/>Wie wird es zur Zeit gelingen, dem Kinde ein<lb/>Interesse zu vermitteln für Gott und Religion und<lb/>Tugend, für etwas, wovon es zu Hause wenig<lb/>oder nichts gehört und gesehen hat, was ihm<lb/>in den Jahren, wo das Herz seine Färbung er<lb/>hält und der Wille Richtung nimmt, fremd ge-<lb/>blieben ist? Namenloses Unglück für ein Kind,<lb/>eine Mutter zu haben, welche sich aus Gott und<lb/>Religion und aus einem christlichen Leben nichts macht!</p>
									
                           <p>O, wenn alle christlichen Mütter das begriffen,<lb/>wie unendlich viel daran liegt, daß <hi rendition="#w">sie</hi> aufrichtig<lb/>gottesfürchtig und wahrhaft fromm sind, welch ein<lb/>Antrieb müßte es für sie sein, aus allen Kräften<lb/>dahin zu streben! So viele Kinder der Herr ihnen<lb/>gegeben hat, so vielfach dringt der Aufruf dazu an<lb/>ihr Herz. Denn alle diese Kinder werden nur dann<lb/>wahrhaft gut, wenn die Mutter es ist; sie werden<lb/>nur insofern gut, als die Mutter es ist. Je mehr<lb/>die Mutter in echter, gediegener Frömmigkeit fort-<lb/>geschritten ist, desto mehr ist sie befähigt, ihre Kin-<lb/>der gut zu erziehen, zu desto höheren Stufen kann<lb/>
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                                  xml:id="C889_001_1874_pb0037_0001"/>sie dieselben heranführen. Sind nicht so manche<lb/>Heilige, wovon wir schon Erwähnung thaten, Be-<lb/>leg dafür? Sie hatten <hi rendition="#w">heilige</hi> Mütter; und<lb/>
                              <hi rendition="#w">diesen</hi> hatten sie es nächst Gott zu danken, daß<lb/>sie Heilige wurden.</p>
									
                           <p>Auf denn, christliche Mütter, werdet euch bewußt<lb/>der Erhabenheit eures mütterlichen Berufes, der<lb/>nichts Geringeres zur Aufgabe hat, als die von<lb/>Gott anvertrauten Kinder zu Gott zu führen; und<lb/>eingedenk, daß es unmöglich ist, diese Aufgabe zu<lb/>erfüllen, ohne daß ihr selbst Gott euerm Herrn<lb/>von ganzem Herzen anhanget und dienet, bietet<lb/>Alles auf, um immer mehr fortzuschreiten in der<lb/>wahren Liebe zu Gott, in der treuen Erfüllung<lb/>Seines h. Willens, in allen christlichen Tugenden.<lb/>Das sei der Gegenstand euerer eifrigsten Gebete,<lb/>daß der Herr euch mehr und mehr Gnade <hi rendition="#w">dazu</hi>
                              <lb/>gebe.</p>
								
                        </div>
								
                        <div xml:id="d62092e21706">
									
                           <head rendition="#c">Die Liebe.</head>
									
                           <p>Aber wozu denn hierüber viele Worte? <hi rendition="#w">Wo</hi>
                              <lb/>wäre denn eine Mutter, die ihre Kinder nicht<lb/>liebte? <hi rendition="#w">Liebe</hi>, – die innigste, zärtlichste Liebe<lb/>der Mutter zum Kinde ist ja die natürliche Mit-<lb/>gift ihrer Mutterschaft. Nur bei der äußersten<lb/>Entartung eines Mutterherzens würden wir sie<lb/>vermissen; es wäre geradezu Unnatur. Von<lb/>
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                              <lb/>nicht die Rede. Wir sprechen von der Liebe der<lb/>
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                                  xml:id="C889_001_1874_pb0038_0001"/>diese blos natürliche Liebe nicht aus; dazu bedarfs<lb/>einer höhern, der christlichen, der <hi rendition="#w">übernatür-</hi>
                              <lb/>
                              <hi rendition="#w">lichen</hi> Mutterliebe. Von ihr sprechen wir.</p>
									
                           <p>Die blos natürliche Mutterliebe reicht, wenn es<lb/>sich um die Erfüllung der Pflichten handelt, welche<lb/>die christliche Mutter in Betreff ihrer Kinder hat,<lb/>nicht aus. Ja sie ist, sofern sie für sich allein<lb/>und nicht zur höhern christlichen Liebe veredelt ist,<lb/>nur zu leicht ein Hinderniß an der Erfüllung der<lb/>Mutterpflichten, die Ursache, daß dieselben gar nicht,<lb/>oder nicht gebührend erfüllt werden. Oder würde<lb/>es schwer sein, Beispiele zu finden, daß Mütter<lb/>sich durch ihre blos natürliche Liebe zu ihren Kin-<lb/>dern abhalten lassen, das an ihren Kindern oder<lb/>für dieselben zu thun, was doch für ihr <hi rendition="#w">wahres</hi>
                              <lb/>Wohl nothwendig ist? Wie oft geschieht es, daß<lb/>Mütter, obwohl sie in jener natürlichen Weise ihre<lb/>Kinder fast unmäßig lieben, dennoch gerade <hi rendition="#w">das</hi>
                              <lb/>an ihnen versäumen, was sie allein wahrhaft glück-<lb/>lich machen kann und sie in einer Weise groß<lb/>ziehen, welche zu ihrem Verderben führt. Muß<lb/>das nicht von allen Müttern gesagt werden, welche<lb/>nur das <hi rendition="#w">zeitliche</hi> Wohlergehen derselben im<lb/>Auge haben und nur dafür sich bemühen? Welche,<lb/>um ihren Kindern zeitlichen Gewinn, ein Unter-<lb/>kommen u.s.w. zu verschaffen, dieselben der augen-<lb/>scheinlichsten Gefahr aussetzen, in schwere Sünde<lb/>zu fallen, ihre Unschuld, ihren Glauben zu ver-<lb/>lieren?</p>
									
                           <p>Ihrer unzeitigen Liebe wegen verstehen sich auch<lb/>manche Mütter nicht dazu, ihre Kinder überhaupt<lb/>in der rechten Art zu strafen, in Zaum und<lb/>
                              <pb facs="images/C889_001_1874_0251"
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                                  xml:id="C889_001_1874_pb0039_0001"/>Schranken zu halten, ihnen etwas zu versagen, so<lb/>sehr es auch Vernunft und Klugheit gebietet; sie<lb/>lassen ihnen in Allem ihren Willen, sie gestatten<lb/>ihnen, was zu ihrem Verderben dient, sie nähren<lb/>durch ihre unzeitige Willfährigkeit in ihnen allerlei<lb/>Unarten und Fehler. Könnten wir da, wo wir in<lb/>Leichtsinn und Sünde verkommene und unglücklich<lb/>gewordene Menschen kennen oder finden, überall<lb/>ihre Entartung bis auf die letzte Ursache verfolgen,<lb/>wie oft würden wir diese Ursache in den Müttern<lb/>derselben finden, eben gerade in ihrer unzeitigen<lb/>Liebe zu ihnen.</p>
									
                           <p>O ja, jene natürliche, durch den h. Glauben<lb/>und durch die Gnade nicht geregelte und geheiligte<lb/>und daher unzeitige Liebe der Mütter ist bei un-<lb/>zähligen Menschen der Grund zu ihrem zeitlichen<lb/>und ewigen Unglücke.</p>
									
                           <p>So wahr es daher ist, daß eine innige Liebe zu<lb/>den Kindern als ein nothwendiges Erforderniß für<lb/>die Erfüllung des Mutterberufs hingestellt werden<lb/>muß (<hi rendition="#w">sie</hi> muß ja der Mutter den Muth, die Ge-<lb/>duld, die Ausdauer, den Eifer zur Uebernahme all<lb/>der Beschwerden, Opfer und Mühen, welche damit<lb/>verbunden sind, geben), so sehr thut es auch Noth,<lb/>daß diese Liebe, damit sie diese Zwecke erfülle, den<lb/>übernatürlichen Charakter habe, eine christliche, über-<lb/>natürliche sei. <hi rendition="#w">Sie</hi> kommt aus der Gnade und<lb/>aus dem Glauben. Alle jene Eigenschaften, welche<lb/>wir an der natürlichen Mutterliebe finden, diese<lb/>Innigkeit, diese Hingebung, diese Opferwilligkeit,<lb/>hat auch die übernatürliche Mutterliebe zu eigen,<lb/>nur veredelt, gewissermaßen verklärt, nur in noch<lb/>
                              <pb facs="images/C889_001_1874_0252"
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                                  xml:id="C889_001_1874_pb0040_0001"/>höherem Grade. Nimm einen Obstbaumstamm<lb/>und pflanze ihm ein edles Propfreis ein; je fri-<lb/>scher und kräftiger der wilde Stamm war, desto<lb/>fröhlicher und kräftiger wird das edle Pfropfreis<lb/>sich auf ihm entwickeln, desto herrlicher der edle<lb/>Obstbaum sich entfalten und Frucht tragen. Ein<lb/>solcher kräftiger Stamm ist die natürliche Mutter-<lb/>liebe; durch die Gnade und durch den Glauben<lb/>zur übernatürlichen Liebe veredelt, wird sie die Vor-<lb/>züge der natürlichen Liebe, nur auch veredelt und<lb/>erhöhet, erweisen.</p>
									
                           <p>Die wahrhaft christliche Mutter nämlich erkennet<lb/>in ihrem Kinde, da sie es mit dem Auge des Glau-<lb/>bens betrachtet, <hi rendition="#w">auch</hi> das Kind Gottes. Wie es<lb/>in der natürlichen Geburt aus <hi rendition="#w">ihr</hi> geboren und<lb/>dadurch ihr Kind ist, so ist es in der h. Taufe<lb/>aus <hi rendition="#w">Gott</hi> wiedergeboren und dadurch <hi rendition="#w">Gottes</hi>
                              <lb/>Kind. Es ist nicht weniger, ja noch viel mehr<lb/>
                              <hi rendition="#w">Gottes</hi> Kind, als <hi rendition="#w">ihr</hi> Kind. Alle Liebe daher,<lb/>welche die christliche Mutter zu Gott ihrem Herrn<lb/>trägt, die wendet sich kraft Seiner Gnade auch<lb/>auf Sein Kind, und da sie dasselbe auch als <hi rendition="#w">ihr</hi>
                              <lb/>Kind liebt, so vereinigt sich nun mit dieser ihrer<lb/>natürlichen Liebe jene höhere übernatürliche, sie er-<lb/>höhend, sie verklärend.</p>
									
                           <p>Nicht allein; die christliche Mutter erschauet in<lb/>ihrem Kinde ein Brüderchen, ein Schwesterchen<lb/>Jesu Christi, des Gottmenschen, ja den Liebling<lb/>Seines heiligen Herzens. Sie weiß, wie sehr Je-<lb/>sus, der große Kinderfreund, die Kinder, auch ihr<lb/>Kind, liebe, wie theuer es Ihm ist. So sehr sie<lb/>daher ihren Heiland liebt, so sehr, um so viel<lb/>
                              <pb facs="images/C889_001_1874_0253"
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                                  xml:id="C889_001_1874_pb0041_0001"/>mehr liebt sie um Seinetwillen und in Ihm ihr<lb/>Kind mit erhöhter und veredelter Mutterliebe.</p>
									
                           <p>Ihr Glaube sagt es ihr, daß ihr Kind ein Glied<lb/>ist in jener großen Gemeinschaft der Heiligen;<lb/>daß daher der ganze Himmel, Maria, die Himmels-<lb/>königin an der Spitze und mit ihr die Auser-<lb/>wählten allesammt sich für ihr Kind interessiren,<lb/>es als ihr Brüderchen und Schwesterchen lieben,<lb/>voll Theilnahme für dasselbe, voll Verlangen nach<lb/>seinem Heile. Sie weiß, daß auch jene erhabenen<lb/>himmlischen Geister, die h. Engel sich dieser Liebe<lb/>der Auserwählten zu ihrem Kinde anschließen, ja!<lb/>daß Einer aus ihrer Zahl der ganz besondere<lb/>Freund und Beschützer ihres Kindes ist. Wird es<lb/>nicht, <hi rendition="#w">muß</hi> es nicht den Liebling ihres Herzens<lb/>ihr unaussprechlich viel theurer machen?</p>
									
                           <p>Ihr Glaube lässet sie in ihrem Kinde das<lb/>Ebenbild Gottes schauen, welches, in der h. Taufe<lb/>mit der heiligmachenden Gnade ausgestattet, das<lb/>Bild des höchsten Gottes in sich trägt und daher<lb/>in den Augen Gottes unaussprechlich schön und<lb/>herrlich ist; er lässet sie in ihm einen Erlöseten<lb/>Jesu Christi, des Sohnes Gottes finden, für wel-<lb/>chen der Gottmensch <hi rendition="#w">auch</hi> Sein kostbares Blut<lb/>vergossen und welchen Er um diesen theuren Preis<lb/>erlauft hat; – er lässet in ihm einen Tempel des<lb/>h. Geistes erkennen, der vermöge der heiligmachen-<lb/>den Gnade geheimnißvoll in dem Kinde wohnt und<lb/>waltet; – <hi rendition="#w">er</hi> lässet in ihrem Kinde einen Erben<lb/>des Himmels sehen, bestimmt, einst ewig an den<lb/>Freuden und Wonnen des großen Vaterhauses<lb/>Theil zu haben. Muß das alles ihr das Kind<lb/>
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                                  xml:id="C889_001_1874_pb0042_0001"/>ihres Herzens nicht unaussprechlich kostbar, ja hoch<lb/>und hehr erscheinen lassen? O ja! Und ihr Auge<lb/>wird fortan mit einer gewissen Ehrfurcht auf dem<lb/>Lieblinge ihres Herzens ruhen und das wird ihr<lb/>Mutterherz mit h. Freude erfüllen und mit Hülfe<lb/>der Gnade die Liebe desselben wundersam erhöhen<lb/>und zugleich verklären, und mit der tiefsten Inn-<lb/>brunst dieser geheiligten, übernatürlich erhöhten<lb/>Liebe wird sie ihr Kind in ihre Arme schließen,<lb/>an ihr Herz drücken.</p>
									
                           <p>Das ist die Liebe, welche nach Gottes h. Willen<lb/>die christliche Mutter zu ihrem Kinde haben soll,<lb/>welche ihrem Berufe entspricht. Darum ist Er auch<lb/>selbst bereit und darauf bedacht, durch besondere<lb/>Gnadenspendung <hi rendition="#w">diese</hi> übernatürliche Liebe ihr zu<lb/>vermitteln und immer höher zu fördern. Das ist<lb/>
                              <hi rendition="#w">eine</hi> von den Gnadenwirkungen des h. Ehesakra-<lb/>mentes; und wenn die christliche Mutter fortan<lb/>durch Gebet, durch Beiwohnung der h. Messe<lb/>durch Beicht und Communion oder durch sonstige<lb/>Uebung eine Erneuerung und Mehrung der gött-<lb/>lichen Gnade erwirket, da ist es eben auch und<lb/>ganz besonders die Mutterliebe, welche durch die<lb/>Wirkungen dieser Gnade erneuert und gemehrt<lb/>wird. Die Liebe einer christlichen Mutter wurzelt<lb/>im tiefsten Grunde in der Gnade und gewinnt aus<lb/>ihr Bestand und Wachsthum und wird ganz ins-<lb/>besondere durch sie zu einer übernatürlichen. Ja<lb/>und eben jene Gesichtspunkte, welche, wie wir sahen,<lb/>zur Nährung und Mehrung der Mutterliebe der<lb/>Glaube bietet, erhalten schließlich durch diese<lb/>
                              <pb facs="images/C889_001_1874_0255"
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                                  xml:id="C889_001_1874_pb0043_0001"/>Gnade ihr rechtes Licht, ihre volle Wirksamkeit<lb/>und Frucht.</p>
									
                           <p>Siehe da die Mutterliebe, von welcher wir hier<lb/>reden, die Liebe einer christlichen Mutter. Sie ist<lb/>das Werk, die Schöpfung Gottes im Mutterherzen.<lb/>Er, welcher diesem Herzen jene Macht der natür-<lb/>lichen Mutterliebe eingepflanzt hat, ist es auch,<lb/>welcher durch Seine Gnade und Wahrheit sie<lb/>übernatürlich verklärt, erhöhet und mehrt. Und<lb/>erregt das Werk der Natur, die natürliche Mutter-<lb/>liebe, mit ihren großen Wirkungen unsere Be-<lb/>wunderung und Verehrung, wie viel herrlicher,<lb/>schöner und größer ist das himmelentstammende<lb/>Werk der Uebernatur, die übernatürliche Mutter-<lb/>liebe! Und wie so viel mächtiger und herrlicher<lb/>sind <hi rendition="#w">ihre</hi> Wirkungen und Früchte!</p>
									
                           <p>
                              <q>„Stark, wie der Tod, ist die Liebe“</q> – dieser<lb/>Ausspruch des h. Geistes findet seine Bewährung<lb/>schon bei der natürlichen Mutterliebe, aber wie erst<lb/>bei der übernatürlichen! Ja, jemehr eine Mutter<lb/>von echt christlichem Geiste beseelt ist, jemehr daher<lb/>die Liebe zu ihrem Kinde den übernatürlichen Cha-<lb/>rakter trägt, desto mehr ist es wahr: Keine Mühe<lb/>und Arbeit, keine Beschwerde und Unannehmlichkeit,<lb/>kein Opfer ist ihr zu groß, zu schwer für ihr<lb/>Kind. Welche Last ihr dasselbe bereite, welche<lb/>Entbehrungen es ihr auflege, und ob sie um seinet-<lb/>wegen nicht Ruhe habe bei Tag und bei Nacht,<lb/>sie verliert nicht den frohen Muth, sie harret un-<lb/>verdrossen aus; nimmer erliegt sie in Ungeduld<lb/>und Verdruß. Für ihr Kind lässet sie sich Alles<lb/>gefallen, für ihr Kind thut sie Alles, leidet sie Alles,<lb/>
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                                  xml:id="C889_001_1874_pb0044_0001"/>opfert sie Alles; selbst das Leben würde sie für<lb/>dasselbe einsetzen. Was der h. Apostel von der<lb/>christlichen Nächstenliebe überhaupt sagt, wie ist es<lb/>voll und ganz erst wahr von der christlichen Mut-<lb/>terliebe: <q>„Sie läßt sich nicht erbittern, sie ist ge-<lb/>duldig, sie trägt Alles, sie übersteht Alles, sie ist<lb/>gütig, sie sucht nimmer das Ihrige.“</q>
                           </p>
									
                           <p>Des Kindes Leid ist <hi rendition="#w">ihr</hi> Leid, sie nicht ruhen<lb/>lassend, bis sie es erleichtert, bis sie es abgewendet<lb/>habe; des Kindes Freude und Beglückung ist das<lb/>stete Ziel ihrer Wünsche und Bestrebungen, ist<lb/>
                              <hi rendition="#w">ihre</hi> Freude und Beglückung. Das ist überhaupt<lb/>wahr, aber es ist ganz insbesondere und hauptsäch-<lb/>lich wahr von dem <hi rendition="#w">höhern Wohl</hi> und Wehe des<lb/>Kindes.</p>
									
                           <p>Die wahrhaft christliche Mutter erkennet und<lb/>schauet in ihrem Kinde – wir sagten es schon -<lb/>das Kind Gottes, ihr vom großen Vater anver-<lb/>trauet; sie soll es Ihm zuführen, sie soll, so viel<lb/>an ihr, bewirken, daß es einst zu Ihm in's Himm-<lb/>lische Vaterhaus gelange. Grad die übernatürliche<lb/>Liebe zum Kinde bewirkt, daß sie das wirklich thue.<lb/>Vermöge ihrer ist es der höchste Gegenstand ihrer<lb/>Sorge und Bemühung, ihr Kind zu einem voll-<lb/>endeten Kinde Gottes heranzubilden, es vor dem<lb/>größten Uebel, der Sünde und dem ewigen Ver-<lb/>derben zu bewahren, es zu dem höchsten Glücke,<lb/>zur Herrlichkeit und Seligkeit des Himmels zu<lb/>führen.</p>
									
                           <p>Nichts liegt der christlichen Mutter mehr am<lb/>Herzen, als daß das Kind vor der Sünde bewahrt<lb/>bleibe, daß es, wenn es gesündigt, wenn es Fehler<lb/>
                              <pb facs="images/C889_001_1874_0257"
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                                  xml:id="C889_001_1874_pb0045_0001"/>an sich hätte, davon befreiet werde. So Blanka,<lb/>die gottselige Mutter des heiligen Königs Ludwig:<lb/>Als derselbe nach seiner Taufe ihr wieder zuge-<lb/>tragen wurde, nahm sie ihn in ihre Arme, drückte<lb/>einen Kuß auf seine Brust und sprach: <q>„Kind,<lb/>du bist jetzt eine Wohnung des h. Geistes; o möge<lb/>diese Wohnung nie durch eine Sünde entweihet<lb/>werden!“</q> Als er heranwuchs, suchte sie ihm einen<lb/>großen Haß gegen die Sünde einzuprägen und<lb/>sprach gar oft wiederholentlich zu ihm: <q>„Mein<lb/>Sohn, lieber wollte ich dich des Thrones, ja des<lb/>Lebens beraubt, als mit einer Todsünde befleckt<lb/>sehen.“</q> Wir kennen die Frucht dieser <hi rendition="#w">heiligen</hi>
                              <lb/>Mutterliebe: Der Sohn wurde ein Heiliger.</p>
									
                           <p>Kein Leid, kein Schmerz, kein Uebel, – das<lb/>ist die Ueberzeugung der christlichen Mutterliebe -<lb/>kann auch nur von fern sich messen mit dem Leid,<lb/>dem Schmerze, dem Uebel, welche Sünde und<lb/>Verkehrtheit über das Kind bringen würde. Daher<lb/>liegt dieser wahren Mutterliebe nichts so fern, als<lb/>unzeitige Zärtlichkeit und Schonung, da, wo es sich<lb/>um die Verhütung oder Forträumung der Sünde<lb/>handelt. Daher nimmt die christliche Mutter nicht<lb/>Anstand, an ihrem Kinde eine strenge Zucht zu<lb/>üben, ihm Manches vorzuenthalten, es zu strafen,<lb/>ja selbst körperliche Züchtigung an ihm zu voll-<lb/>führen, so oft sie darin das einzige Mittel erkennt,<lb/>das Kind vor Sünde zu bewahren oder es zu<lb/>bessern. Ist ja <hi rendition="#w">ihre</hi> Liebe zum Kinde ein Aus-<lb/>fluß jener Liebe, die im Herzen Gottes gegen die<lb/>Menschen waltet. Hält dieselbe den Herrn ab,<lb/>uns, wo es Noth thut, zu züchtigen und zu stra-<lb/>
                              <pb facs="images/C889_001_1874_0258"
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                                  xml:id="C889_001_1874_pb0046_0001"/>fen? Im Gegentheil: <q>„Die Gott lieb hat,“</q> sagt<lb/>der Apostel, <q>„die züchtigt Er und hält streng jeg-<lb/>lichen Sohn, dessen Er sich annimmt.“</q>
                           </p>
									
                           <p>Es ist dieselbe erleuchtete Liebe, welche die christ-<lb/>liche Mutter vermag, über ihr Kind zu wachen,<lb/>um, so viel an ihr, Alles von ihm fern zu halten,<lb/>was es in Gefahr bringen würde, an seiner Seele<lb/>Schaden zu nehmen, sei es im Hause oder außer<lb/>demselben, seien es leichtfertige Reden, böse Bei-<lb/>spiele, gefährlicher Umgang, bedenkliche Belusti-<lb/>gungen oder was immer. Je vollkommner die<lb/>Liebe, desto sorgsamer, desto eifriger diese Wach-<lb/>samkeit.</p>
									
                           <p>Daß das Kind in wahrer Gottesfurcht und<lb/>Frömmigkeit heranwachse, das ist der höchste Wunsch<lb/>eines jeden von der übernatürlichen Liebe beseelten<lb/>Mutterherzens. Je größer und inniger daher diese<lb/>Liebe, desto eifriger auch ihre Bestrebungen, das<lb/>Kind von frühester Jugend an durch Wort und<lb/>Beispiel zu allem Guten, zu immer vollkommnerer<lb/>Erkenntniß der religiösen Wahrheiten, zum Gebete,<lb/>zur Liebe gegen Gott, zu wahrer Nächstenliebe<lb/>und zu jeglicher Tugend anzuleiten. Wie nämlich<lb/>der Mutter eben wegen ihrer Liebe das zeitliche<lb/>Wohl ihres Kindes am Herzen liegt, so auch und<lb/>noch viel mehr, unendlich mehr, das Heil seiner<lb/>Seele, und daher, daß es in einem gottgefälligen<lb/>Leben bestehe und gedeihe. Weiß sie ja auch, daß<lb/>ohne Gottesfurcht und Frömmigkeit nicht einmal<lb/>hier auf Erden wahres Wohlsein zu Stande kommen<lb/>könne.</p>
									
                           <p>Ruft so die Liebe die eifrigsten und angelegent-<lb/>
                              <pb facs="images/C889_001_1874_0259"
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                                  xml:id="C889_001_1874_pb0047_0001"/>lichsten Bemühungen der Mutter für das Wohl<lb/>des Kindes wach, so ist <hi rendition="#w">sie</hi> es auch, die den Eifer<lb/>des Gebetes für das Kind rege hält und mehrt.<lb/>Was nämlich die Mutter für ihr Kind auch thue,<lb/>es genügt ihr dennoch nimmer; ein viel reicheres<lb/>und höheres Glück, als <hi rendition="#w">sie</hi> ihm vermitteln kann,<lb/>wünscht sie ihrem Kinde. Darum führet die wahre<lb/>Liebe die Mutter immer von Neuem zum Throne<lb/>Gottes, um für ihr und <hi rendition="#w">Sein</hi> Kind alles das zu<lb/>erflehen, was ihrer Liebe für dasselbe erwünscht<lb/>erscheint.</p>
									
                           <p>Genug! Das Gesagte reicht hin, um zu zeigen,<lb/>welche hohe Bedeutung im Berufe der Mutter die<lb/>wahre, erleuchtete, christliche Liebe habe. Sie ist<lb/>die Bedingung, daß die Pflichten dieses Berufes<lb/>überhaupt, daß sie in rechter Weise, daß sie desto<lb/>vollkommener und erfolgreicher erfüllt werden. Auch<lb/>von ihr kann man sagen, was der h. Geist von<lb/>der <q>„Weisheit“</q> sagt: <q>„Mit ihr ist mir Alles<lb/>Gute zugleich gekommen.“</q> Und jemehr die Mutter-<lb/>liebe jenen wahrhaft höhern, christlichen, über-<lb/>natürlichen Charakter hat, desto reichlicher wird sie<lb/>die angedeuteten heilsamen Wirkungen erweisen.</p>
									
                           <p>Liegt darin nicht eine kräftige Aufforderung für<lb/>jede Mutter, diese übernatürliche Liebe zu ihren<lb/>Kindern in sich zu üben, zu nähren, zu vervoll-<lb/>kommnen? Sie thut es schon durch jede Uebung<lb/>des christlichen Lebens. Kann <hi rendition="#w">die</hi> Mutterliebe,<lb/>wovon hier Rede war, überhaupt nur bei einer<lb/>wahrhaft christlichen Mutter zu Stande kommen,<lb/>so wird durch jeden Fortschritt in der christlichen<lb/>Frömmigkeit auch sie Zuwachs und höhere Voll-<lb/>
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                                  xml:id="C889_001_1874_pb0048_0001"/>kommenheit gewinnen. Aber auch unmittelbar wird<lb/>sie genährt und gefördert durch die Beherzigung<lb/>der Glaubenswahrheiten, welche wir oben in Er-<lb/>wähnung gebracht haben. Sie sollten also der<lb/>oftmalige Gegenstand des Andenkens, des Nach-<lb/>denkens, der Beherzigung der christlichen Mutter<lb/>sein. Dieselbe sollte sich gewöhnen, ihr Kind recht<lb/>oft mit dem Blicke des Glaubens zu betrachten.<lb/>Alles was dieser Glaubensblick an ihrem Kinde<lb/>oder in Betreff desselben erschauen läßt, ist in so<lb/>hohem Grade geeignet, das Kind ihrem Herzen so<lb/>viel theuerer zu machen.</p>
									
                           <p>Insbesondere aber sollte die Mutter zum Herrn<lb/>stehen, daß Er ihr solche Liebe verleihe; daß Er<lb/>durch Seine Gnade ihre natürliche Liebe überna-<lb/>türlich verklären und dieselbe in ihr zu immer<lb/>höherer Vollkommenheit führen möge. Doch wir<lb/>kommen noch darauf zurück.</p>
								
                        </div>
							
                     </div>
							
                     <div xml:id="d62092e22634">
								
                        <head rendition="#c">Die Mitgift.</head>
								
                        <p>Wenn der Sohn, die Tochter, zu reiferen Jah-<lb/>ren herangewachsen, das elterliche Haus verlassen,<lb/>um ein eigenes Familienwesen anzutreten, da wer-<lb/>den sie von der sorgsamen Liebe der Eltern mit<lb/>dem, was zum Beginne eines eigenen Hauswesens<lb/>Noth thut, nach Kräften ausgestattet; das ist eine<lb/>
                           <hi rendition="#w">Mitgift</hi>. Von <hi rendition="#w">dieser</hi> Mitgift ist hier nicht die<lb/>Rede. Wir haben ja das zarte, junge Kind im<lb/>Auge und den Einfluß der Mutter auf dasselbe.<lb/>Aber es gibt noch eine andere Mitgift welche von<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0049_0001"/>den Eltern, insbesondere von der Mutter auch schon<lb/>dem zarten Kinde vermittelt wird.</p>
								
                        <p>Wenn am Taufmorgen das Kindlein heimge-<lb/>tragen wird, da empfängt es die gläubige Mutter<lb/>mit dankgerührtem Herzen. Sie schauet in <hi rendition="#w">ihrem</hi>
                           <lb/>Kinde nun auch das Kind Gottes; als solches ist<lb/>es hervorgegangen aus seiner Wiedergeburt in der<lb/>heiligen Taufe. Und vermöge dieser Wiedergeburt<lb/>ist es ausgestattet mit den kostbarsten Gütern des<lb/>Himmels, mit der heiligmachenden Gnade und mit<lb/>allen Vorzügen und Anrechten derselben. Das ist<lb/>die Mitgift des himmlischen Vaters, das ist die<lb/>Mitgift der geistigen Mutter des Kindes, der heil.<lb/>Kirche, für das Leben in der heiligen Kirche,<lb/>für das Leben in der Ewigkeit, für das ewige<lb/>Leben.</p>
								
                        <p>Aber auch von der leiblichen Mutter (wie vom<lb/>leiblichen Vater) hat das Kind eine Mitgift er-<lb/>halten und bringt sie mit auf die Welt. Das<lb/>sind die Eigenschaften der Mütter, ja vielleicht<lb/>ihre Eigenthümlichkeiten. Sie gehen in geheimniß-<lb/>voller Weise von der Mutter auf das Kind über.</p>
								
                        <p>Betrachte dieses Kind! Ist es nicht das Eben-<lb/>bild seiner Mutter? Dieselbe Gesichtsbildung,<lb/>dieselben Augen, dieselbe Stirn, dieselben Züge;<lb/>und wenn es heranwächset, welche Aehnlichkeit in<lb/>Größe und Körperbildung, im Gange und Be-<lb/>nehmen! Es ist als ob sich die Mutter ihrem<lb/>Körper nach im Kinde verjüngt habe. Aehnlich,<lb/>nur meist noch weit mehr, gehen auch die <hi rendition="#w">geisti-</hi>
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                           <hi rendition="#w">gen</hi> Eigenschaften der Mutter auf das Kind über,<lb/>besonders die Eigenschaften ihres Herzens. Lasset<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0050_0001"/>die Mutter recht sanft und milde und freundlich,<lb/>gütig und barmherzig sein, lasset sie auf Ordnung<lb/>und Reinlichkeit halten, lasset sie gewissenhaft,<lb/>wahrheitsliebend, redlich sein, und ihr werdet leicht<lb/>in ihren Kindern, wenn ihr sie näher beobachtet,<lb/>von frühester Jugend an einen natürlichen Zug zu<lb/>all diesen schönen Eigenschaften hin wahrnehmen.<lb/>Ja, ist die Mutter von den Gesinnungen aufrich-<lb/>tiger Gottesfurcht und Frömmigkeit durchdrungen,<lb/>so wird das Kind leicht eine gewisse natürliche An-<lb/>lage zur Frömmigkeit mit auf die Welt bringen.<lb/>Siehe da die <hi rendition="#w">Mitgift</hi> der Mutter an ihr Kind;<lb/>eine kostbare Mitgift.</p>
								
                        <p>Aber auch im Gegentheil: Auch die <hi rendition="#w">Verkehrt-</hi>
                           <lb/>
                           <hi rendition="#w">heiten</hi> der Mutter vererben sich auf die Kinder.<lb/>Verfolgt man, wo man an Kindern mit wehem<lb/>Herzen oft schon so früh so vielerlei Unarten und<lb/>eine Neigung zu den manchfachsten Verkehrtheiten<lb/>erfährt, die Spur, so wird man nur zu oft die<lb/>traurige Entdeckung machen, daß der tiefste Grund<lb/>und die eigentliche Quelle dieser Fehler und Un-<lb/>arten in der Mutter (vielleicht auch mit ihr im<lb/>Vater) sich finden. Die Mutter ist eigensinnig,<lb/>reizbar, zornmüthig; das Kind auch. Sie ist eitel<lb/>und putzsüchtig; das Kind auch. Sie ist lügenhaft,<lb/>sie ist genußsüchtig; so auch ihr Kind. Die Mutter<lb/>hat die Makel der Unlauterkeit an ihrer Seele;<lb/>und ach, das Kind neigt gleichfalls schon früh dahin.<lb/>Die Mutter ist unredlich, unehrlich, sie streckt ihre<lb/>Hand nach fremdem Gut aus, und das Kind ver-<lb/>fällt in denselben Fehler. So ist es. Als ob die<lb/>Mutter den Samen, die Keime ihrer Fehler in<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0051_0001"/>das zarte Herz ihres Kindes hinübergepflanzt habe,<lb/>so sehr treten dieselben Fehler im zarten Herzen<lb/>und Leben des Kindes zu Tage; <hi rendition="#w">ein Hang zu</hi>
                           <lb/>
                           <hi rendition="#w">denselben, eine Neigung dazu</hi> ist ihm ange-<lb/>boren. <hi rendition="#w">Auch</hi> eine Mitgift der Mutter an ihr<lb/>Kind; eine unselige Mitgift.</p>
								
                        <p>Die Thatsache ist unbestreitbar. Belege für sie<lb/>lassen sich in jedem Hause finden. Freilich diese<lb/>angebornen Fehler oder Tugenden sind noch keine<lb/>wahren Tugenden oder Fehler; das Kind ist durch<lb/>die ersten an <hi rendition="#w">sich</hi> noch nicht wohlgefällig vor dem<lb/>Herrn und wegen der letztern an sich nicht miß-<lb/>fällig vor Ihm. Aber wie sehr tragen diese natür-<lb/>lichen angeerbten Tugenden und Fehler dazu bei,<lb/>daß der Mensch zur Zeit zur wahren christlichen<lb/>Tugend komme und daß er es recht weit darin<lb/>bringe, oder, daß er um so leichter jenen Fehlern<lb/>anheimfalle und tiefer in dieselben versinke.</p>
								
                        <p>Es ist wahr, es wird schließlich Niemand, wel-<lb/>cher der Sünde und dem Laster anheimfällt, sich<lb/>vor Gott mit der Heftigkeit seiner natürlichen,<lb/>vielleicht von den Eltern ererbten, Neigungen ent-<lb/>schuldigen können; war doch der Herr bereit, ihm,<lb/>sofern seine angebornen Neigungen ihm die Mei-<lb/>dung der Sünde schwerer machten, auch größere<lb/>Gnade zur Ueberwindung derselben zu geben, wenn<lb/>er sich nur in gebührender Weise darum bewarb.<lb/>
                           <hi rendition="#w">Jeder</hi> kann mit der Gnade Gottes sein Heil<lb/>wirken. Aber zeigt nicht die traurige Erfahrung,<lb/>daß Menschen, welche <hi rendition="#w">angeborene</hi> böse Neigungen<lb/>haben, sich von denselben nur zu leicht hinreißen<lb/>und überwinden lassen? Und so ist es gleichfalls<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0052_0001"/>ein Erfahrungssatz, daß angeborene Anlagen zur<lb/>Tugend so viel sicherer die Uebung der Tugend<lb/>zur Zeit erwarten lassen, wie sie denn auch wesent-<lb/>lich dazu beitragen mögen, daß man einen höheren<lb/>Grad darin erreiche.</p>
								
                        <p>Welch ein Vorwurf daher für eine Mutter, wenn<lb/>sie ihre Verkehrtheiten, Fehler und Sünden in<lb/>ihren Kindern gewissermaßen abgeprägt findet!<lb/>Welch' eine Bitterkeit, wenn sie, wie es nur zu<lb/>leicht der Fall ist, mit der Zeit von den Unarten<lb/>und Fehlern ihrer Kinder selbst so viel Hartes und<lb/>Unangenehmes zu erfahren hat und sich sagen muß:<lb/>Du selbst bist Schuld daran! Du hast selbst diese<lb/>Zuchtruthe für dich gewunden. Und welcher Gram,<lb/>wenn dann die von ihr ererbten Fehler in den<lb/>Kindern zur Leidenschaft heranwachsen und dieselben<lb/>wie in zeitliches, so in das ewige Verderben zu<lb/>stürzen drohen!</p>
								
                        <p>Auch hierin liegt eine ernste Mahnung und<lb/>Verpflichtung für die christliche Mutter (auch für<lb/>den Vater), daß sie es sich angelegen sein lasse, sich<lb/>alles dessen, was tadelhaft, verkehrt und böse ist,<lb/>zu enthalten, daß sie sich ihrer Fehler mehr und<lb/>mehr entledige, damit sie nicht ihren Kindern eine<lb/>so traurige Mitgift in's Leben bereite; – es liegt<lb/>der kräftigste Antrieb darin, sich jeglicher Tugend<lb/>und alles wahrhaft Guten zu befleißigen, damit die<lb/>Anlage zu <hi rendition="#w">demselben</hi> Guten, zu <hi rendition="#w">denselben</hi>
                           <lb/>Tugenden das Erbtheil der Kinder von ihrer Mut-<lb/>ter sei.</p>
								
                        <p>In der That ist diese Uebertragung der Fehler<lb/>und Tugenden der Mutter auf das Kind nicht<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0053_0001"/>allein und nicht zunächst dem Einflusse, welchen die<lb/>Mutter durch ihr Wort und Beispiel auf das Kind<lb/>ausübt, zuzuschreiben, sondern auch jener geheimniß-<lb/>vollen Einrichtung des Schöpfers, vermöge deren<lb/>die Mutter ihrem Kinde von ihrem innersten We-<lb/>sen mittheilt, gleichwie sie ihm durch die Mitthei-<lb/>lung des Blutes, so in ihren Adern rinnt, und<lb/>durch die Spende ihrer Mutterbrust das <hi rendition="#w">leibliche</hi>
                           <lb/>Leben vermittelt. Ja, und mit jener Mittheilung<lb/>ihrer körperlichen Bestandtheile vollzieht sich auch<lb/>geheimnißvoll die Mittheilung der Verfassung ihres<lb/>Herzens, der Beschaffenheit ihrer Seele überhaupt<lb/>und insbesondere <hi rendition="#w">derjenigen</hi> Beschaffenheit, welche<lb/>während der Zeit, wo jene körperliche Mittheilung<lb/>sich vollzieht, stattfindet. Und so geschieht es denn,<lb/>daß die Mutter selbst schon <hi rendition="#w">vor</hi> der Geburt ihres<lb/>Kindes jenen merkwürdigen Einfluß auf die Her-<lb/>zensverfassung und Gemüthsbeschaffenheit desselben<lb/>ausübet, den die Erfahrung so oft bestätigt. Die<lb/>Gesinnung, die Herzensverfassung, welche die Mut-<lb/>ter in der Zeit, welche der Geburt des Kindes<lb/>vorhergeht, in sich nährt, geht nicht selten in der<lb/>auffälligsten Art auf das Kind über.<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
                              <p>Man hat Beispiele, daß, wenn Mütter in dieser<lb/>Zeit z.B. sich eines Diebstahls schuldig machten, das<lb/>Kind zur Zeit einen unwiderstehlichen Hang zum<lb/>Stehlen zeigte. – Bei einem jungen Manne trat ein<lb/>Hang zu frommen Uebungen und ein Zug inniger<lb/>Frömmigkeit in sehr auffälliger Weise zu Tage, wäh-<lb/>rend seine Angehörigen sämmtlich eine große Gleich-<lb/>gültigkeit gegen Gott und Religion bewiesen; er wurde<lb/>später Ordensmann. Erst hintennach erfuhr man, daß<lb/>die Mutter desselben in der Zeit vor seiner Geburt<lb/>sich mit dem Gedanken getragen, sie werde bald ster-<lb/>ben und sich daher durch einen großen Eifer in re-<lb/>ligiösen Uebungen zum Tode vorzubereiten suchte (wie<lb/>sie denn auch wirklich starb); und das Räthsel war<lb/>gelöset.</p>
                           </note>
                        </p>
								
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                            xml:id="C889_001_1874_pb0054_0001"/>
								
                        <p>Welch eine ernste Verpflichtung also für christ-<lb/>liche Mütter, <hi rendition="#w">diese</hi> Zeit, die Wochen und Monate<lb/>vor des Kindes Geburt heilig zu halten. Wie sehr<lb/>sollen sie vor jeder unordentlichen Gemüthsbewe-<lb/>gung, vor jeglicher Verkehrtheit sich hüten! Wie<lb/>soll es ihnen am Herzen liegen, sich in wahrer<lb/>christlicher Frömmigkeit zu üben, eifrig zu sein im<lb/>Gebete, in Beiwohnung der h. Messe und des<lb/>Gottesdienstes, im Empfang der h. Sakramente, in<lb/>jeglichen guten Werken, insbesondere in Werken der<lb/>Barmherzigkeit!</p>
								
                        <p>So wird es in den Legenden von den Müttern<lb/>mancher Heiligen erzählt. Schon vor der Geburt<lb/>weiheten sie diese ihre Kinder nach dem Zuge ihres<lb/>frommen Herzens dem Herrn und begleiteten<lb/>diese Widmung mit den mannichfaltigsten guten<lb/>Werken und mit vielem Gebet und Flehen für<lb/>ihre Kinder. Und so geschah es, daß sie denselben<lb/>eine gewisse Anlage zur Heiligkeit und einen Reich-<lb/>thum der kostbarsten für sie vermittelten Gnaden<lb/>gewissermaßen mit auf die Welt gaben. Und es<lb/>wird einst offenbar werden, wie sehr diese kostbare<lb/>Mitgift, der vortrefflichen Mütter dazu beigetragen<lb/>habe, daß ihre Kinder zu so hohen Stufen der<lb/>Heiligkeit gelangten und welchen reichen Antheil<lb/>an den Tugenden und Vollkommenheiten und den<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0055_0001"/>großen Werken dieser Heiligen ihre heiligen Mütter<lb/>haben. Es wird ewig ihr Ruhm und ihre Selig-<lb/>keit sein.</p>
								
                        <p>Wer sieht nicht ein, welch große und heilige<lb/>Verpflichtungen in dem Gesagten für die christliche<lb/>Mutter begriffen liegen, Verpflichtungen, deren<lb/>treue und gewissenhafte Erfüllung so wesentlich für<lb/>das Wohl und Wehe der Kinder für Zeit und<lb/>Ewigkeit entscheiden hilft. Das ist es auch, was<lb/>uns vermocht hat, diesen Punkt, der sonst so zarter<lb/>Natur ist, trotz einer gewissen Scheu, hier zur<lb/>Sprache zu bringen; er greift so wesentlich in das<lb/>Wohl und Wehe der Kinder ein. Wolle Gott, daß<lb/>wir es nicht vergeblich gethan haben! Möge es<lb/>dazu beitragen, daß die christlichen Mütter um so<lb/>eifriger es sich angelegen sein lassen, ein wahrhaft<lb/>christliches Leben zu führen, jegliche Sünde und<lb/>sündhafte Neigung aus ihrem Herzen und Leben<lb/>fortzuräumen, in jeglicher Tugend sich zu üben,<lb/>auf daß sie allesammt ihren Kindern die kostbare<lb/>Mitgift der Anlage zu allem Guten vermitteln<lb/>mögen.<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
                              <p>Um jeglichem Mißverständnisse vorzubeugen, fügen wir<lb/>folgende Bemerkung bei: Wenn wir in dem hier<lb/>Gesagten den von den Eltern ererbten natürlichen<lb/>Anlagen oder Dispositionen zu gewissen Tugenden<lb/>oder Fehlern so große Bedeutung beilegen, so sind<lb/>wir selbstredend weit entfernt, dadurch jener verwerf-<lb/>lichen Ansicht der Ungläubigen (der Materialisten),<lb/>welche von einer unsterblichen Seele, von Gott und<lb/>Gnade nichts wissen wollen, auch nur im Mindesten<lb/>das Wort reden zu wollen, als ob eben die Tugenden<lb/>und Laster nichts seien, als das Zutagetreten gewisser<lb/>natürlichen, im tiefsten Grunde in der Beschaffenheit<lb/>des Körpers wurzelnden Dispositionen. Wie schon<lb/>angedeutet worden, so liegt der eigentliche tiefe Grund<lb/>der Tugenden und Fehler in der unsterblichen Seele<lb/>und in ihrem Verhältniß zur göttlichen Gnade. Den-<lb/>noch hat die – mehrfach vielleicht von den Eltern<lb/>ererbte – Beschaffenheit der natürlichen Seite des<lb/>Menschen, auch selbst seines Leibes auf die Seele bei<lb/>der Uebung des Guten oder des Bösen oft einen be-<lb/>deutenden, hindernden oder fördernden Einfluß, so<lb/>daß vermöge der natürlichen, ererbten Anlagen zum<lb/>Guten oder zum Bösen das Gute oder das Böse im<lb/>Allgemeinen so viel leichter und eher geschieht, so viel<lb/>sicherer erwartet oder gefürchtet werden darf. Wer<lb/>sieht also nicht, welch große Bedeutung diese ererbten<lb/>Anlagen haben, obwohl es im tiefsten Grunde stets<lb/>der von der Gnade unterstützte Wille ist, der in Be-<lb/>nutzung der Gnade das Gute, in Nichtbenutzung der-<lb/>selben das Böse thut. Und wie der Mensch auch bei<lb/>den günstigsten natürlichen Anlagen <hi rendition="#w">ohne</hi> die Gnade<lb/>dennoch nichts wahrhaft Gutes vermag, so kann er<lb/>mit der Gnade auch die ungünstigsten, schlimmsten<lb/>natürlichen Neigungen überwinden.</p>
										
                              <p>Darum wird auch Niemand seine Sünden einst vor<lb/>Gott mit der Heftigkeit und Macht seiner angebornen<lb/>bösen Neigungen entschuldigen können; Gott war be-<lb/>reit, ihm mit Seiner Gnade beizustehen, um sie zu<lb/>überwinden; er durfte nur um diesen Gnadenbeistand<lb/>sich gebührend bewerben. Immer ist es schließlich und<lb/>im tiefsten Grunde des Menschen eigene Schuld, wenn<lb/>er sündigt und verloren geht. Aber wenn dabei nicht<lb/>verkannt werden kann, daß etwa bei einem Kinde ge-<lb/>wisse böse Neigungen der <hi rendition="#w">nächste Anlaß</hi> zur Sünde<lb/>und so zum Verderben gewesen sind, bleibt es dann<lb/>nicht für die Mutter ein unsäglich bitterer Vorwurf,<lb/>sich sagen zu müssen: Diese heftigen bösen Neigungen<lb/>hatte oder hat es durch mich.</p>
                           </note>
                        </p>
							
                     </div>
							
                     <div xml:id="d62092e23331">
								
                        <head rendition="#c">Die Weihe.</head>
								
                        <p>Nimm diese Pflanze, diese Blume; soll sie wach-<lb/>sen und gedeihen, so kommt's ganz wesentlich darauf<lb/>an, daß die Atmosphäre (der Dunstkreis, die Luft)<lb/>
                           <pb facs="images/C889_001_1874_0268"
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0056_0001"/>die entsprechende Beschaffenheit habe. So gedeihen<lb/>gewisse Blumen, vielfach die schönsten, nur unter<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0057_0001"/>dem milden, sonnenwarmen südlichen Himmel. Und<lb/>wird nicht im Frühjahre Alles verkümmern und<lb/>krüppelhaft bleiben und vergehen, wenn unablässig<lb/>der kalte Nordwind wehet und Nässe und Kälte<lb/>waltet, und der Sonne milder Strahl sich nicht<lb/>geltend machen kann und heilsame Bestandtheile<lb/>für die Luft sich nicht lösen? So muß auch im<lb/>Hause eine entsprechende Atmosphäre herrschen, soll<lb/>anders das Gute im Kinde gedeihen. Der Herr<lb/>hat in der h. Taufe mit dem übernatürlichen Le-<lb/>ben die Keime der herrlichen Himmelspflanzen, des<lb/>Glaubens, der Hoffnung und der Liebe und aller<lb/>darin begriffenen Tugenden in das zarte Kindes-<lb/>herz gleichsam eingepflanzt; dort sollen sie wachsen<lb/>mehr und mehr und sollen sich zur Blüthe ent-<lb/>falten und Früchte zur Reife bringen für's ewige<lb/>Leben. Das elterliche Haus ist das Gehege, dem<lb/>diese Himmelspflanzung des Kindesherzens in den<lb/>ersten Jahren fast ausschließlich anheimgegeben,<lb/>worin sie geborgen ist, und so kommt denn Alles<lb/>darauf an, daß <hi rendition="#w">hier</hi> im elterlichen Hause die rechte<lb/>Atmosphäre sei, mit andern Worten, daß im elter-<lb/>lichen Hause ein echt christlicher Geist herrsche, daß<lb/>in allen Beziehungen und Verhältnissen des Fa-<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0058_0001"/>milienlebens das Walten und die Herrschaft eines<lb/>wahrhaft katholischen Lebens zu Tage trete. Und<lb/>daß Solches der Fall wirklich sei, ist namentlich<lb/>für die erste Jugend des Kindes, für die Jahre<lb/>der eigentlichen Kindheit – so fast vor Allem<lb/>Sache der Mutter.</p>
								
                        <p>Das ist Gottes gnädiger Wille, eine solche, ich<lb/>möchte sagen echt christliche Atmosphäre sollte in<lb/>jeglichem Hause herrschen, auf daß darin jene kost-<lb/>baren Keime der Tugenden des christlichen Lebens<lb/>sich entfalten, wachsen und erblühen und zur reich-<lb/>sten Frucht sich entwickeln möchten und das kind-<lb/>liche Herz eine wahrhaft <hi rendition="#w">christliche Weihe</hi> em-<lb/>pfange.</p>
								
                        <p>Denken wir uns ein Kind, welches von seiner<lb/>zartesten Jugend an in einer solchen echt katho-<lb/>lischen Familie stände, in einem Hause lebte, wo<lb/>Alles vom Geiste katholischer Gottesfurcht und<lb/>Frömmigkeit beseelt wäre, welches nie irgend etwas<lb/>zu sehen und zu vernehmen hätte, was diesem<lb/>Geiste widerspricht, dem vielmehr in dem Betragen,<lb/>im Reden, im Thun und Lassen der Angehörigen,<lb/>selbst in der Ausstattung des Hauses der Ausdruck<lb/>echt katholischen Sinnes und wahrer Frömmigkeit<lb/>entgegenträte; würden wir es nicht so fast für un-<lb/>möglich halten müssen, daß ein solches Kind nicht<lb/>zu gleichem Sinn und Leben heranwüchse? Das<lb/>ist die Atmosphäre eines echt christlichen Hauses;<lb/>sie trägt unendlich viel bei zur glücklichen, wahrhaft<lb/>christlichen Entwickelung des Kindes, sie ist es,<lb/>welche dem zarten Herzen des Kindes in Wahrheit<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0059_0001"/>eine gewisse <hi rendition="#w">Weihe</hi>, die Weihe des christlichen<lb/>Lebens verleihet.</p>
								
                        <p>Also auf, christliche Mutter, schaffe, so viel an<lb/>dir ist, eine solche Atmosphäre um deine Kinder.<lb/>Es ist vor allem <hi rendition="#w">deine</hi> Sache. Ist ja das Kind<lb/>– wir wiesen schon früher darauf hin – in<lb/>seinen ersten, entscheidungsvollsten Jahren haupt-<lb/>sächlich, ja vielfach so fast ausschließlich auf die<lb/>Mutter angewiesen. <hi rendition="#w">Ihr</hi> Verhalten, <hi rendition="#w">ihr</hi> Reden<lb/>und Thun, ihre Art und Weise, ihr Beispiel, ihr<lb/>sämmtliches Walten im Hause, das schaffet für<lb/>ihre Kleinen die Atmosphäre. Wohl ihr und dem<lb/>Kinde, wenn sie es versteht, dieselbe wahrhaft<lb/>christkatholisch, d. i. wahrhaft heilsam für ihre<lb/>Kinder zu gestalten. Eine jede wahrhaft christliche<lb/>Mutter thut's.</p>
								
                        <p>Schon das Haus selbst hat durch ihre Vermit-<lb/>tlung eine christliche Ausstattung. Da findet man<lb/>in den verschiedenen, wenigstens in den Haupt-<lb/>räumlichkeiten des Hauses religiöse Bilder, ein<lb/>Crucifix, vielleicht eine Statue der Mutter Gottes<lb/>und anderer Heiligen; da findet man Weihwasser-<lb/>brünnchen, vielleicht auch geweihete Kerzen u.s.w.<lb/>Das Kind sieht, wird aufmerksam, fragt, hört von<lb/>der Mutter die Bedeutung, lernt, und nimmt<lb/>durch Sehen und Hören heilsamen religiösen<lb/>Eindruck in sich auf und wird früh an katho-<lb/>lisches Leben gewöhnt; eine <hi rendition="#w">Weihe</hi> seines kindlichen<lb/>Herzens.</p>
								
                        <p>Mehr aber noch ist es das christliche <hi rendition="#w">Leben</hi> der<lb/>Mutter selbst, was jene heilsame Atmosphäre schafft.<lb/>Das Kind merkt, daß die Mutter betet, zur Kirche,<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0060_0001"/>zur Predigt, zur h. Beicht, zur h. Communion.<lb/>geht; es sieht die Mutter vor und nach dem Essen<lb/>andächtig ihre Hände falten und beten; und das<lb/>alles wird ihm, eben weil's die Mutter thut, von<lb/>früh an ehrwürdig, und es fühlt sich zu allem<lb/>diesem gleichfalls angetrieben, und thut und macht<lb/>es nach, so viel es kann.</p>
								
                        <p>Oder, das Kind sieht, wie die Mutter so arbeit-<lb/>sam ist, wie sie auf Reinlichkeit und Ordnung hält,<lb/>wie sie bei Beschwerden, Unannehmlichkeiten und<lb/>Leiden so ruhig ist, so geduldig, nie hört es aus<lb/>ihrem Munde ein verdrießliches Wort, noch weni-<lb/>ger Zorn und Flüche. Es sieht, wie die Mutter<lb/>so theilnehmend, so milde und freundlich ist gegen<lb/>Alle im Hause; wie sie auch gegen andere Leute<lb/>so gut ist, ihnen gern Gefallen thut und hilft, wie.<lb/>sie die Armen unterstützt; und siehe, lauter stumme<lb/>Predigten für das Kind, es macht gern der Mut-<lb/>ter das alles nach, es wird, ohne daß die Mutter<lb/>vielleicht nur ein Wort darüber sagt, zu allen diesen<lb/>Tugenden angeregt; die Keime dieser Tugenden,<lb/>welche Gott ihm in's Herz gelegt hat, fangen an<lb/>zu wachsen und gedeihen.</p>
								
                        <p>Und so in Allem. Das ganze Schalten und<lb/>Walten einer wahrhaft christlichen Mutter ist in<lb/>der That für das Kind wie eine günstige, gesegnete<lb/>Atmosphäre, worin die von Gott in seinem Herzen<lb/>grundgelegten Keime fröhlich aufsprießen und reiches<lb/>Wachsthum gewinnen und ihm von früh an Hoch-<lb/>schätzung und Liebe zur Religion und Tugend ein-<lb/>geflößt wird. <hi rendition="#w">Es ist die christliche Weihe</hi>
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                           <hi rendition="#w">des Kindesherzens</hi>. Ja, der Einfluß, den das<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0061_0001"/>allseitig christliche Verhalten einer Mutter auf ihr<lb/>Kind ausübt, senkt sich tief in das ganze Wesen<lb/>desselben ein, um so fast unverwüstlich darin zu<lb/>wirken, und ist in mancher Hinsicht so viel höher<lb/>anzuschlagen, als Ermahnungen und sonstige Ein-<lb/>wirkungen auf das Kind. Glückliches Kind, das<lb/>ihn an sich erfahren hat! Ein Glück, eine Gnade,<lb/>womit nichts auf Erden sich messen darf.</p>
							
                     </div>
							
                     <div xml:id="d62092e23672">
								
                        <head rendition="#c">Die Einführung in die christliche<lb/>Wahrheit.</head>
								
                        <p>Wenn das Kind auf die so eben erwähnte Art<lb/>im elterlichen Hause vom christlichen Geiste allseitig<lb/>gleichsam angewehet wird, so lebt es sich unwill-<lb/>kürlich in denselben hinein; sein Herz empfängt,<lb/>so fast ohne es zu wissen, eine christliche Ver-<lb/>fassung.</p>
								
                        <p>Aber auch unmittelbar sucht die Mutter dahin<lb/>thätig zu sein, das Kind in das christliche Leben<lb/>einzuführen. Sie thut es vor Allem durch <hi rendition="#w">Ein-</hi>
                           <lb/>
                           <hi rendition="#w">führung des Kindes in die christliche</hi>
                           <lb/>
                           <hi rendition="#w">Wahrheit</hi>.</p>
								
                        <p>Eingedenk, daß Gott dem Herrn der erste und<lb/>höchste Antheil an ihrem Kinde gebühre und daß<lb/>Er es ihr anvertrauet habe, um es für Ihn zu<lb/>erziehen, ist die Mutter schon früh darauf bedacht,<lb/>sein Herz und seinen Sinn auch durch Lehre und<lb/>Anleitung auf Gott und das Höhere hinzulenken.<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
                              <p>Unlängst lasen wir einen Brief, worin eine brave<lb/>christliche Jungfrau, welcher die kleineren Kinde einer<lb/>hochadeligen Familie anvertrauet sind, sich über ihren<lb/>kleinsten Pflegling in folgenden Worten äußert: <q>„Das<lb/>kleine Kindchen wird so niedlich; es kann schon so<lb/>schön seine Händchen falten, wenn ich des Morgens<lb/>sein Gebetchen mit ihm mache; <hi rendition="#w">und dabei horcht</hi>
                                    <lb/>
                                    <hi rendition="#w">es mit einem ganz ernsten Gesichtchen auf</hi>
                                    <lb/>
                                    <hi rendition="#w">jedes Wort, welches ich ihm vorsage</hi>
                                    <lb/>und fängt auch an, mir einige Worte nachzusprechen.“</q>
                                 <lb/>Sollen wir's verhehlen, – diese Worte haben uns<lb/>recht gerührt. O, dachten wir, wenn's so rings die<lb/>Mütter mit ihren Kindern hielten, um schon in den<lb/>zartesten Jahren anzufangen, sie zu Gott hinzuleiten.<lb/>– Wir glaubten es uns auch nickt versagen zu<lb/>sollen, aus dem Briefe einer jungen Mutter (unserer<lb/>früheren Schülerin), der wir die erste Auflage dieses<lb/>Werkchen's zugeschickt hatten, Folgendes mitzutheilen:<lb/>
                                 <q>„...Eine besondere Freude empfand ich beim Durch-<lb/>lesen des Büchleins darüber, daß ich mit Manchem,<lb/>was dasselbe den Müttern an's Herz legt, schon den<lb/>Anfang gemacht hatte. Erlauben Sie, daß ich Eini-<lb/>ges anführe: So kann sich unsere kleine Maria (sie<lb/>ist jetzt ein Jahr und acht Monate alt) schon allein<lb/>segnen und das kleine Gebetchen <q>„Lieber Gott, mach<lb/>mich fromm, daß ich in den Himmel komm“</q> beten.<lb/>Auch betet sie für Mama, Papa, Großpapa und<lb/>Großmama und Onkel. Und wenn ich sie frage:<lb/>
                                    <q>„Mariechen, wo ist der liebe Gott?“</q> dann sagt sie:<lb/>
                                    <q>„Oben im Himmel; wenn Mariechen artig ist, top<lb/>(komm) in Himmel in.“</q> Wo sie nur ein Crucifix<lb/>sieht, da will sie den lieben Gott küssen. – Wir<lb/>freuen uns so darüber. <q>„Auch mein Mann“</q> (ein<lb/>Beamter) <q>„steht mir hierin treulich zur Seite; so läßt<lb/>er sie, wenn er sie Abends mal zu Bette bringt, ihre<lb/>kleinen Händchen falten und beten, auch des Mittags<lb/>vor und nach Tische“</q>... <q>„Auch meiner guten Mutter<lb/>verdanke ich so Vieles, da sie mich von Kind an zu<lb/>allem Guten angehalten hat. Noch jetzt bete ich noch<lb/>jeden Morgen nur mit etlichen Zusätzen die gute<lb/>Meinung, die sie mich als Kind beten gelehrt hat“</q>...<lb/>
                                    <q>„Wie drängt es mich jetzt oft, zu Gott zu beten, daß<lb/>er die kleine Maria und das Kind, daß ich unterm<lb/>Herzen trage, in der Unschuld erhalten wolle. Ach<lb/>ja, wenn ich das kleine unschuldige Wesen so in der<lb/>Wiege schlummern sehe, da muß ich oft weinen und<lb/>es schaudert mich bei dem Gedanken an die Gefahren,<lb/>denen es vielleicht noch ausgesetzt wird. Dann muß<lb/>ich zu Gott flehen, daß Er helfe, mit meinem Manne<lb/>vereint die Kleinen zu guten Menschen heranzubilden.<lb/>Hierin soll nun auch das liebe Büchlein mir dienlich<lb/>sein; ich werde es fleißig gebrauchen“</q>...</q>
                              </p>
                           </note>
                        </p>
								
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                        <p>Es ist in der That etwas Wundersames um die<lb/>Empfänglichkeit der Kinder für Gott und das Höhere.<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0063_0001"/>Selbst wenn sie noch nicht das rechte oder volle<lb/>Verständniß für die Lehren der h. Religion haben,<lb/>ist es, als ob in dem Innersten ihres Wesens<lb/>eine Saite anklinge, wenn man ihnen von Gott,<lb/>vom lieben Heilande, vom Himmel und himmli-<lb/>schen Dingen erzählt; so hingebend und so fromm<lb/>nehmen sie es auf und auf ihrem kindlichen Ge-<lb/>sichtchen malt es sich, welchen Eindruck es auf ihr<lb/>Herz gemacht hat. Es sind gewissermaßen die<lb/>von Gott selbst im Kinde gespannten Saiten, welche<lb/>bei solchen Gelegenheiten anklingen.</p>
								
                        <p>Darum ist auch der Grundsatz so verwerflich,<lb/>man müsse die Kinder in den Jahren ihrer zarten<lb/>Jugend nicht mit solchen Dingen behelligen, weil<lb/>sie dieselben ja doch noch nicht verstehen könnten.<lb/>Sie verstehen dieselben freilich nicht so, wie die<lb/>Erwachsenen; aber sie verstehen viel mehr davon,<lb/>als man gewöhnlich annimmt; sie verstehen genug<lb/>davon, um es mit Nutzen zu hören und zu lernen.<lb/>Und der größte Vortheil ist, daß auf solche Art<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0064_0001"/>schon früh, daß in den Jahren, wo die Richtung<lb/>des menschlichen Herzen stets für's ganze Leben so<lb/>wesentlich bestimmt wird, die kindlichen Herzen für<lb/>Gott und das Höhere gewonnen werden. Das<lb/>volle Verständniß werden sie dann auch schon ge-<lb/>winnen. Dagegen wie schwer ist es, Kinder, welche<lb/>schon zu reiferen Jahren herangewachsen sind, ohne<lb/>von Gott und göttlichen Dingen zu hören, zu<lb/>sehen, oder zu ihnen angeleitet zu werden, noch<lb/>dahin zu bringen, daß sie für Gott und das<lb/>Höhere wahrhaft ein Herz haben. Sie lernen und<lb/>verstehen vielleicht, aber das Herz bleibt kalt dabei.</p>
								
                        <p>Das Kleine wächset nun heran; es entwickelt<lb/>sich zu einer gewissen Selbstständigkeit; es lernt<lb/>sprechen, – es kann allein gehen. Gern verfolgt<lb/>die Mutter diese ansteigenden Stufen der Ent-<lb/>wickelung des natürlichen Lebens ihres Kindes mit<lb/>entsprechenden Belehrungen und Anleitungen für<lb/>das höhere Leben. Sie sagt dem Kinde manches<lb/>vom lieben Gott, sie erzählt ihm vom lieben Hei-<lb/>lande.<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
                              <p>Wie er <hi rendition="#w">auch</hi> Gott sei und uns zu Liebe Mensch<lb/>geworden und ein Kind gewesen sei; wie Er geboren,<lb/>wie Er sich als Kind und Knabe zu Hause gegen<lb/>Mutter und Vater benommen, wie Er ihnen in ihren<lb/>Arbeiten geholfen habe; insbesondere, daß Er zu jeder<lb/>Zeit, auch wo Er schon Seine göttliche Lehre ver-<lb/>kündete und so große Wunder wirkte, die Kinder so<lb/>lieb hatte, sie zu sich rief, sie umarmte und herzte und<lb/>segnete und so viel Schönes von ihnen und zu ihnen<lb/>sagte; wie Er dann für uns am Kreuze gestorben,<lb/>aber wieder auferstanden und nun im Himmel sei,<lb/>und uns so gern helfen wolle, daß wir dorthin zu<lb/>Ihm kommen und mit Ihm ewig glücklich seien.</p>
                           </note>
                        </p>
								
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                        <p>So, wenn die Mutter etwa in der Stube, oder<lb/>am Feuer, oder im Sommer vor der Thür bei<lb/>ihrer Arbeit dasitzt und das kleine Kind ist um<lb/>sie, mit seinem Spiel oder auch mit seiner Arbeit<lb/>beschäftigt; oder es steht vor ihr, die Händchen in<lb/>ihren Schooß gelehnt, oder an ihrem Kleid oder<lb/>an ihrer Arbeit spielend. Siehe, wie hängt das<lb/>Kleine mit Aug und Mund an der Mutter, wenn<lb/>sie dabei von jenen lieben Sachen ihm erzählt! -<lb/>Oder es ist Sonntag, da setzt sich am Nachmittage<lb/>oder Abende oder am Morgen, wenn die Andern<lb/>zur Kirche sind, die Mutter mit ihrem Kleinen zu<lb/>solcher Unterhaltung hin; oder sie nimmt in freier<lb/>Stunde dasselbe an die Hand, geht mit ihm in<lb/>den Garten oder hinaus in die freie Natur; da<lb/>wird das Kind aufmerksam gemacht auf all das<lb/>Schöne, was dem Aug' begegnet, und wie es der<lb/>liebe Gott und Vater sei, der das alles, – und<lb/>Alles so schön – gemacht habe, diese Pflanzen<lb/>und Blumen und Früchte, diese Vöglein und Thiere,<lb/>diese ganze Welt.</p>
								
                        <p>Kann es schwer sein, davon und Solches zum<lb/>Kinde zu reden? Sicher nicht, wenn die Mutter<lb/>selbst für alles dies ein Herz hat. Und dann<lb/>redet sie eine Sprache, welche das Kind gar wohl<lb/>versteht und welche das Gesagte tief in's kindliche<lb/>Herz senkt, viel tiefer meist, als der förmliche<lb/>Unterricht in der Schule, besonders, wenn die<lb/>Mutter es versteht, sich der Art des kindlichen<lb/>Geistes anzuschließen.</p>
								
                        <p>Das Kind, noch wenig gewöhnt an eigentliches<lb/>Denken und wenig geübt darin, nimmt am Leich-<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0066_0001"/>testen und Besten das, was es erfassen soll, durch<lb/>Sinneneindrücke auf. Daher benutzt die einsichtige<lb/>Mutter auch gern solche äußere Eindrücke, um ihr<lb/>Kind zur Erkenntniß der höhern Wahrheiten, der<lb/>christlichen Lehren, zu führen. Sie zeigt ihm Bil-<lb/>der, auf welchen oder durch welche das, was sie<lb/>ihm sagen will, dargestellt ist; sie erklärt ihm die<lb/>Bilder und was sich auf und an denselben findet<lb/>und das Kind erfaßt es leicht und schnell. Daher<lb/>nimmt sie es, auch wo es noch jung und zart ist,<lb/>zuweilen mit in die Kirche, besonders vor oder<lb/>nach festlichen Veranlassungen. Versteht das Kind<lb/>auch nicht viel von dem was es thut, sieht oder<lb/>hört, so empfängt es doch vom Ganzen einen für<lb/>das kindliche Gemüth heilsamen Eindruck. Be-<lb/>sonders, wenn die Mutter ihm sagt, das sei ein<lb/>heiliger Ort, da wohne der liebe Heiland, da<lb/>müsse man sich recht fromm verhalten, und wenn<lb/>sie darauf hält, daß es in der Kirche recht fromm<lb/>kniee oder stehe und seine Händchen falte. Da<lb/>wird sie dann vor der Rückkehr dem Kinde so<lb/>Manches in der Kirche zeigen, Bilder und Sta-<lb/>tuen und Altäre und Kanzel und Beichtstühle,<lb/>oder zu Weihnachten das Krippchen, zu Ostern<lb/>das Grab u.s.w., bald das Eine, bald das<lb/>Andere.</p>
								
                        <p>Und was dann in der Kirche gesehen worden,<lb/>das wird zu Hause erklärt, und das bietet Gele-<lb/>genheit und Stoff zu den heilsamsten Mittheilungen<lb/>der Mutter an das Kind, und zu den nützlichsten<lb/>Aufklärungen auf die Fragen, welche das Letztere<lb/>aus der Kirche mit nach Hause bringt.</p>
								
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                        <p>Welch einen schönen Anlaß und welches Hülfs-<lb/>mittel zugleich zu solchen religiösen Mittheilungen<lb/>der Mutter an ihr Kind bieten da insbesondere<lb/>die Feste und Festzeiten des Kirchenjahres. Kann<lb/>es denn für eine Mutter schwer sein, in den Ta-<lb/>gen vor dem Feste oder am Festtage selbst, we-<lb/>nigstens im Allgemeinen, zu sagen und zu erklären,<lb/>was dieses Fest zu bedeuten habe? Und thut sie<lb/>es, so wird das Kind nach und nach, Weihnachten,<lb/>in der Charwoche, Ostern, Christi Himmelfahrt,<lb/>Pfingsten u.s.w., in lebendiger, frischer Weise<lb/>in die Geschichte des Herrn und in die Geheim-<lb/>nisse Seines Lebens eingeweihet; es wird an den<lb/>Festen der h. Jungfrau mehr und mehr vertraut<lb/>mit der Mutter des Herrn und in ihre Verehrung<lb/>eingeführt. Und wie viel Stoff zu den nützlichsten<lb/>Erzählungen würden der Mutter die täglich im<lb/>Kalender verzeichneten Heiligen bieten, wenn sie es<lb/>sich angelegen sein ließe, selbst recht fleißig die Le-<lb/>ben dieser Heiligen zu lesen!</p>
								
                        <p>Außerdem wird es an Anknüpfungspunkten<lb/>mancher Art nicht fehlen und eine Mutter, welche<lb/>selbst ein Herz hat für Gott und Religion und<lb/>ihre Pflicht, das Kind früh zu Gott hinzuleiten,<lb/>zu würdigen versteht, wird solche leicht finden und<lb/>sie benutzen.</p>
								
                        <p>Oder wird sie sich damit entschuldigen können,<lb/>daß sie nicht Zeit dazu habe, sich also mit ihren<lb/>Kleinen zu beschäftigen, oder daß sie das nicht ver-<lb/>stehe? Bedarfs denn dazu so viele Zeit, wenn<lb/>die Mutter so, wie wir es hier angedeutet haben,<lb/>sich mit ihrem Kinde abgibt? Der große Vortheil,<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0068_0001"/>welchen solche religiöse Mittheilungen der Mutter<lb/>an das Kind mit sich führen, ist nicht dadurch be-<lb/>dingt, daß dieselben gar so oft stattfinden oder gar<lb/>so viel Zeit darauf verwendet wird; ja das <q>„zu<lb/>oft oder zu lange“</q> könnte sogar schädlich sein;<lb/>sondern es liegt darin, daß das Kind eben aus<lb/>
                           <hi rendition="#w">dem Munde der Mutter</hi> diese für dasselbe so<lb/>wichtigen Dinge – schon früh – vernehme und<lb/>kennen und darauf halten lerne, und also die<lb/>Mutter bei ähnlichen Gelegenheiten, wie wir sie<lb/>eben nannten, darüber spreche. Und dazu hat jede<lb/>Mutter Zeit; es kommt ganz allein auf den guten<lb/>Willen an.</p>
								
                        <p>Aber sie versteht es nicht?! – Was wäre da<lb/>denn zu <hi rendition="#w">verstehen</hi>? Wenigstens das, was sie<lb/>weiß, kann die Mutter ihrem Kinde doch sagen.<lb/>Und wäre das auch noch so wenig, es schafft un-<lb/>berechenbaren Segen. Und könnte die Mutter,<lb/>wenn sie wenig versteht, sich nicht bemühen, um<lb/>ihrer Kinder willen durch Lesen oder Anhören von<lb/>Predigten und christlichen Lehren mehr zu lernen?<lb/>Ist das nicht am Ende ihre Pflicht?</p>
								
                        <p>Der Kern der Sache und der eigentliche Vor-<lb/>theil liegt nicht zunächst und am meisten in dem<lb/>Mehr oder Weniger religiöser Kenntnisse, welche das<lb/>Kind so von der Mutter erlangt, als vielmehr<lb/>darin, daß das Kind eben recht früh, schon sofort<lb/>beim Erwachen seines Bewußtseins und dann mehr<lb/>und mehr, also schon längst vor der Zeit, wo es<lb/>in die Schule kommt, von Gott und dem Höheren<lb/>erfahre, auf daß sich sein zartes Herzchen in seinen<lb/>ersten Regungen dafür erschließe; <hi rendition="#w">daß</hi> es eben aus<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0069_0001"/>dem Munde der Mutter (oder des Vaters) davon<lb/>vernehme, auf daß die angeborene Ehrfurcht und<lb/>Liebe gegen die Mutter sich auch auf das, was es<lb/>aus ihrem Munde höre, übertrage. Beides etwas,<lb/>so nicht hoch genug zu schätzen ist.</p>
								
                        <p>Armes Kind, das in diesen zarten, entscheidungs-<lb/>vollen Jahren zu Hause und bis es in die Schule<lb/>kommt, von Gott und göttlichen Dingen so zu sagen<lb/>nichts erfährt, nichts sieht, nichts hört. Da sein<lb/>
                           <hi rendition="#w">kindliches</hi> Herz für Gott und das Höhere ver-<lb/>schlossen und kalt geblieben ist, wird es nun später<lb/>sich noch wahrhaft und nach Gebühr dafür erschlie-<lb/>ßen? Da es von Vater und Mutter, deren Ver-<lb/>halten in jenen zarten Jahren die einzige Norm<lb/>und Maßgabe ist, nie etwas von Gott, vom gött-<lb/>lichen Heilande, von Maria, von Kirche und Got-<lb/>tesdienst u.s.w. vernimmt, sieht oder hört, wird<lb/>ihm da dies Alles nicht völlig gleichgültig bleiben,<lb/>weil es ja dem Vater, der Mutter auch gleichgül-<lb/>tig ist?</p>
								
                        <p>Unersetzlicher Ausfall! Unersetzlicher Schaden!</p>
								
                        <p>Freilich soll das, was wir hier angedeutet ha-<lb/>ben, im Allgemeinen zum Vollzug kommen, -<lb/>und es ist eine ganz wesentliche Bedingung der<lb/>rechten, <hi rendition="#w">echt christlichen</hi> Entwicklung des Kindes,<lb/>– so muß (wir wiederholen es) die Mutter selbst<lb/>vom Geiste echter Gottesfurcht und Frömmigkeit<lb/>beseelt sein. Ohne dies ist es eben gar nicht<lb/>möglich. Eine wahrhaft christliche Mutter aber<lb/>wird das alles so fast von selbst thun; sie wird<lb/>es um so mehr, um so besser und daher mit desto<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0070_0001"/>reicherem Erfolge thun, je mehr sie eben eine wahr-<lb/>haft christliche Mutter ist.</p>
								
                        <p>Wie viel – wir müssen es immer wiederholen<lb/>– wie viel liegt also daran, daß unsere Mütter<lb/>wahre, echte, christliche Gottesfurcht und Frömmig-<lb/>keit zu eigen haben! Möchten das alle Mütter<lb/>erkennen, und daher aus allen Kräften das er-<lb/>streben, ohne welches sie zu ihrem eigenen und<lb/>ihrer Kinder Verderben ihrer heiligsten Verpflich-<lb/>tung untreu werden müssen!</p>
							
                     </div>
							
                     <div xml:id="d62092e24421">
								
                        <head rendition="#c">Das Vorgehen gegen die Fehler der<lb/>Kinder.</head>
								
                        <p>Mehr als einmal wiesen wir darauf hin, wie<lb/>durch die Huld des Herrn und in Kraft des Heils-<lb/>werkes Jesu Christi bei der in der h. Taufe sich<lb/>vollziehenden Wiedergeburt die Seele des Kindes,<lb/>sein Herz gleichsam umgeschaffen worden in einen<lb/>herrlichen Himmelsgarten, in welchem die freigebige<lb/>Hand des Herrn die gewissermaßen dem Urgrunde<lb/>Seines eigenen Wesens entnommenen kostbaren<lb/>Keime aller jener großen Grundtugenden des christ-<lb/>lichen Lebens und die Samenkörner jeglicher Tu-<lb/>gend und alles dessen, woraus eine immer höhere<lb/>Aehnlichkeit des göttlichen Wesens ersprießen mag,<lb/>tief eingesenkt hat. Den Eltern und in den ersten<lb/>Jahren ganz vorwiegend der Mutter hat dann der<lb/>Herr diese wahrhaft göttliche Schöpfung, diesen<lb/>Gottesgarten anheimgegeben, daß sie ihn hege und<lb/>pflege.</p>
								
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                        <p>Aber ach, neben und zwischen diesen himmlischen<lb/>Keimen und Samenkörnern finden sich auch die<lb/>Keime und der Samen des Unkrauts, das traurige<lb/>Erbe der Stammeltern, ach, vielleicht auch der<lb/>eigenen Eltern des Kindes. <q>„Und als die“</q> (Gottes-)<lb/>
                           <q>„Saat wuchs, da ließ sich auch das Unkraut sehen.“</q>
                           <lb/>Es sind die bösen Neigungen der erbsündig ver-<lb/>derbten menschlichen Natur, welche nach dem an-<lb/>betungswürdigen Rathschlusse Gottes durch die<lb/>Taufe nicht beseitigt, sondern unter dem in der<lb/>Taufe verbürgten Beistande der Gnade vom Men-<lb/>schen selbst – zu seinem desto größern Heile -<lb/>durch Kampf und Streben überwunden werden<lb/>sollten. Und leicht ist die Macht dieser bösen Nei-<lb/>gungen, insofern sie ihren Grund in der Erbsünde<lb/>haben, noch gemehrt und erhöhet durch den hohen<lb/>Grad der Entwickelung, welche dieselben in dem<lb/>Herzen der Eltern in Folge ihrer Sünden und<lb/>Verkehrtheiten zur Zeit, als das Kind von ihnen<lb/>geboren ward, zu eigen hatten.</p>
								
                        <p>So treten denn die Auswüchse dieses im Kin-<lb/>desherzen begriffenen Unkrauts schon früh, schon im<lb/>zarten Kinde in allerlei Unarten und Verkehrt-<lb/>heiten und Fehlern zu Tage. Wer wüßte es<lb/>nicht? Kann es insbesondere der Mutter, wo<lb/>anders sie nicht von jener verkehrten Liebe zu ihrem<lb/>Kinde verblendet ist, entgehen? Und daher ist es ihre<lb/>Pflicht, und ein ganz wesentlicher Theil der Auf-<lb/>gabe ihres Mutterberufes, daß sie – und zwar<lb/>von <hi rendition="#w">der frühesten Jugend ihres Kindes</hi>
                           <lb/>an darauf bedacht sei und es sich angelegen sein<lb/>lasse, gegen diese Fehler desselben mit entschiedenem<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0072_0001"/>Ernste und mit weiser Vorsicht und mit unermüd-<lb/>licher Liebe vorzugehen. Wo nicht, so werden diese<lb/>Fehler <hi rendition="#w">mit dem Kinde heranwachsen</hi>, um<lb/>zum Verderben des Kindes nicht allein der üppige<lb/>Grund von Sünden aller Art zu werden, sondern<lb/>auch das Wachsthum und Gedeihen jener göttlichen<lb/>Keime und Samenkörner auf's Wesentlichste zu be-<lb/>hindern, ja ganz und gar zu Schanden zu machen.</p>
								
                        <p>Möchten doch alle Mütter es einsehen und ge-<lb/>bührend würdigen, wie wichtig, ja wie nothwendig<lb/>es ist, daß sie dieses Vorgehen gegen die Fehler<lb/>ihrer Kinder schon in der frühesten, zartesten Ju-<lb/>gend derselben beginnen und schon die ersten Jahre<lb/>der Kindheit dazu benutzen, um das Kind in rechter<lb/>Weise zur Ablegung seiner Fehler zu vermögen!<lb/>Handelte es sich, wenn das Kind fehlt, eben nur<lb/>um vereinzelte, gewissermaßen zufällige Fehltritte,<lb/>so würde die Sache vielleicht weniger Bedenken<lb/>haben. Aber es handelt sich um Fehler, welche<lb/>tief im Herzen des Kindes ihre Wurzel haben, um<lb/>Fehler, denen böse Neigungen zu Grunde liegen,<lb/>welche, wenn man ihre Auswüchse gewähren lässet,<lb/>nur zu sehr an Wachsthum und Kraft gewinnen<lb/>und mehr und mehr jenen unseligen Hang zu den<lb/>entsprechenden Fehlern, sündhafte Gewohnheiten,<lb/>Leidenschaften erzeugen.</p>
								
                        <p>Nie setzt sich ein Fehler im Menschenwesen so<lb/>leicht und in so hohem Grade fest, als eben in<lb/>der frühesten Kindheit; kein Fehler wird schwerer<lb/>überwunden und ist schwieriger auszurotten, als<lb/>der, welchen man sich als Kind angewöhnt hat.<lb/>Wer kennt nicht das Sprichwort: <q>„Jung gewohnt,<lb/>
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                                  xml:id="C889_001_1874_pb0073_0001"/>Alt gethan?“</q> Lasset ein Kind in seinen ersten<lb/>Jahren hin mit seinem Eigensinn, mit seiner<lb/>Starrköpfigkeit, mit seinem Ungehorsam, mit seiner<lb/>Mißgunst und Eigennützigkeit, mit seinem tückischen<lb/>und boshaften Wesen, mit seiner Grausamkeit ge-<lb/>gen Thiere, mit seiner Naschhaftigkeit und Ge-<lb/>fräßigkeit, mit seiner Eitelkeit und Putzsucht, mit<lb/>seiner Lügenhaftigkeit u.s.w.; und alle diese Feh-<lb/>ler werden in ihm heranwachsen und gewissermaßen<lb/>mit ihm verwachsen, und zur andern Natur werden<lb/>und im Knaben und Mädchen schwer mehr zu<lb/>überwinden sein und sich leicht in's ganze spätere<lb/>Leben hineinziehen, als giftige Wurzeln, welche das<lb/>Unkraut der Sünde immer von Neuem ersprießen<lb/>lassen und das Wachsthum echt christlichen Wesens<lb/>auf's Wesentlichste behindern – nur zu leicht zum<lb/>zeitlichen und ewigen Verderben.</p>
								
                        <p>Und doch hätte dieses Unkraut in den Jahren<lb/>der Kindheit so leicht ausgerottet werden können!<lb/>Also ernstwichtige Pflicht und Aufgabe ganz ins-<lb/>besondere der Mutter, weil sie mehr Gelegenheit<lb/>hat, am Ende es auch besser versteht, in den zarten<lb/>Jahren den entsprechenden Einfluß auf ihr Kind<lb/>auszuüben.</p>
								
                        <p>Daher soll sie Acht haben auf die Fehler ihrer<lb/>Kleinen. Vielleicht tritt der eine oder andere Feh-<lb/>ler besonders an ihnen hervor. Und dann nicht<lb/>lange zugesehen und gewartet! Nicht denken, das<lb/>Kind ist noch so jung, es versteht nichts davon;<lb/>später werde ich schon Sorge haben. O nein! <hi rendition="#w">je</hi>
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                           <hi rendition="#w">früher, desto besser; nur früh</hi> gelingts. Es<lb/>thut nicht Noth, daß das Kind die Häßlichkeit des<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0074_0001"/>Fehlers schon einsehen könne; genug, wenn es weiß,<lb/>es darf das nicht thun, die Mutter, (der Vater)<lb/>will's nicht haben, und dann sich desselben entwöhnt<lb/>und von ihm loskommt, vor ihm bewahrt bleibt.<lb/>Also die Mutter lasse die Kinder – vielfach selbst<lb/>dann schon, wenn sie noch kein Selbstbewußtsein<lb/>(Verstand) haben – mit keinem Fehler hin! Sie<lb/>sage es dem Kleinen mit aller Liebe und Mütter-<lb/>lichkeit, etwa: Das darfst du nicht; das mußt du<lb/>nicht; das ist nicht recht; oder: Das ist dem lieben<lb/>Gott mißfällig; dann bist und wirst du kein gutes<lb/>Kind; oder: Dann geht's dir nicht gut; dann<lb/>kommst du nicht in den Himmel u.s.w. Hilft<lb/>das nicht, so wird die Sprache ernster; es tritt<lb/>nach und nach die Drohung einer Strafe hinzu;<lb/>hilft auch dies nicht, so erfolgt die Strafe, gelin-<lb/>der oder strenger, für einmal oder wiederholt und<lb/>anhaltend, wie es der Erfolg erheischt.</p>
								
                        <p>Eine wahrhaft christliche Mutter erkennt es als<lb/>h. Pflicht, ihre Kinder früh ihrer Fehler zu ent-<lb/>wöhnen und scheuet daher, wenn es zu diesem Zwecke<lb/>nothwendig ist, auch die Strafe, ja selbst harte<lb/>Strafe und körperliche Züchtigung nicht. Wenn<lb/>sich ihr natürliches Gefühl, das Gefühl der Mut-<lb/>terliebe dagegen sträubt, so weiß sie, daß sie sich<lb/>dadurch nicht leiten lassen darf, daß es Gottes<lb/>Wille, und also Pflicht ist, dasselbe zu überwinden,<lb/>wo immer das wahre Wohl des Kindes es erheischt.<lb/>Das ist echte, erleuchtete, christliche Liebe, wenn<lb/>eine Mutter ihr Kind straft, um es von seinen<lb/>Fehlern zu befreien.</p>
								
                        <p>Freilich wird die <hi rendition="#w">wahre</hi> Mutterliebe die Mut-<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0075_0001"/>ter dahin vermögen, daß sie ihr Kind so viel als<lb/>möglich durch mildere Mittel zur Besserung zu<lb/>bringen suche; aber führen diese nicht zum Ziele,<lb/>so scheuet sie auch die strengern Mittel, die Strafe,<lb/>nicht. Ist das nicht in Wahrheit Grausamkeit<lb/>gegen das Kind, wenn eine Mutter aus weichlicher<lb/>Scheu, dem Kinde vorübergebend wehe zu thun,<lb/>dasselbe mit seinen Fehlern hinläßt und auf solche<lb/>Art Schuld wird, daß es mit seinen Fehlern heran-<lb/>wachse und dadurch sein wahres Glück behindert<lb/>und ihm viel Uebels bereitet wird. Wer hat<lb/>größere Liebe zu den Menschen, als Gott selbst?<lb/>Und dennoch, wie scharf züchtigt Er sie nicht selten!<lb/>
                           <q>„Die ich liebe“</q>, sagt Er selbst, <q>„die züchtige ich<lb/>scharf.“</q>
                        </p>
								
                        <p>Je hartnäckiger ein Fehler am Kinde hervortritt,<lb/>desto nachdrücklichere Mittel sind oft anzuwenden,<lb/>desto beharrlicher müssen diese Mittel verwandt<lb/>werden. Was will es sagen, wenn die Mutter<lb/>hier und dort das Kind auf seine Fehler aufmerk-<lb/>sam macht, oder es dafür bestraft, dann aber die<lb/>Sache wieder gehen lässet; oder wenn sie diesmal<lb/>und ein anderes Mal straft, dagegen wieder andere<lb/>Male, vielleicht viel öfter den Fehler ungerügt und un-<lb/>gestraft hinlässet. Freilich ist das folgerichtige und<lb/>beharrliche Vorgehen gegen die Fehler der Kinder<lb/>nicht selten eine Aufgabe, welche große Selbstver-<lb/>läugnung und schwere Opfer in Anspruch nimmt.<lb/>Es ist meist viel bequemer, die Kinder mit ihren<lb/>Fehlern gehen zu lassen. Aber die Mutter bedenke,<lb/>daß ohne Mühe und Opfer ein christliches Leben<lb/>überhaupt nicht möglich ist, und daß es hier, wo<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0076_0001"/>es sich in solchem Grade um das Wohl des Kindes<lb/>handelt, doppelt heilige Pflicht ist, sie zu über-<lb/>nehmen und unter ihnen zu beharren.</p>
								
                        <p>Manche Mütter sind nun zwar gegen die Fehler<lb/>ihrer Kinder nicht gleichgültig, sie gehen gegen die-<lb/>selben vor; aber in welcher Art? Fast immer<lb/>lassen sie – besonders bei größern Unarten und<lb/>Fehlern der Kinder zu Verdruß, zu Zorn und auf-<lb/>gebrachtem Wesen sich hinreißen. Und nun ist es<lb/>ein Strom zornmüthiger Worte und Ausdrücke,<lb/>den sie über die Kinder ergießen, ohne daß eine<lb/>angemessene Strafe erfolgte; oder es erfolgt freilich<lb/>eine Strafe, aber wie aus Zorn, so auch voll von<lb/>Zorn, und daher nur zu leicht im Uebermaße, selbst<lb/>bis zur Grausamkeit.</p>
								
                        <p>Wie traurig! <hi rendition="#w">Nützen</hi> kann solches Vorgehen<lb/>selbstredend dem Kinde nicht im Mindesten, nimmer-<lb/>mehr es zu gründlicher Ablegung seiner Fehler<lb/>vermögen. Aber wie sehr <hi rendition="#w">schadet</hi> es ihm! Denn<lb/>wo bleibt die Achtung vor der Mutter, wenn das<lb/>Kind sie also in Zorn und Wuthausbrüchen sehen<lb/>muß? Wo die zarte Liebe des Kindes, wenn die<lb/>Mutter so grausam über dasselbe losfährt? Und<lb/>doch sind Achtung und Liebe so nothwendige Be-<lb/>dingungen einer gedeihlichen Erziehung! Dazu<lb/>kommt noch das böse Beispiel – von einer Seite,<lb/>wo ein durchaus gutes Beispiel heilige Pflicht ist!</p>
								
                        <p>O möchten doch alle Mütter bedenken, wie streng<lb/>gerade <hi rendition="#w">sie</hi> verpflichtet sind, ihren Kindern gegen-<lb/>über den Zorn beherrschen zu lernen! Mag das<lb/>nach Umständen recht schwer sein, besonders, wenn<lb/>die Mutter von Natur zum Zorn geneigt ist, so<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0077_0001"/>ist ja der Herr auch bereit, größere Gnade zu ge-<lb/>ben, um siegreich in Sanftmuth und Geduld zu<lb/>bestehen. Also nur oft, immer von Neuem den<lb/>Vorsatz erneuert! Immer von Neuem um die Hülfe<lb/>der göttlichen Gnade geflehet!</p>
								
                        <p>Eine gute Mutter ist bei den Fehlern der Kin-<lb/>der, so sehr sie auch dieselben fortzuschaffen sucht,<lb/>doch auch duldsam und vorsichtig; sie vergißt nie,<lb/>daß es eben Kinder sind, die fehlen, und daß daher<lb/>ihre Schuld nicht so groß ist. Aber durch solche<lb/>Nachsicht läßt sie sich keineswegs bestimmen, von<lb/>einem ernsten Vorgehen gegen ihre Fehler abzu-<lb/>stehen. Nur geht sie wider dieselben mit Ruhe,<lb/>Besonnenheit und Ueberlegung vor, bald belehrend,<lb/>bald warnend, bald strafend, aber <hi rendition="#w">nie</hi> im Zorn.<lb/>Und je mehr sie ihre Kinder bei ihren Fehlern<lb/>mit solcher Ruhe zurechtweist oder züchtigt, desto<lb/>sicherer kommt sie zum Ziele. Die Kinder begrei-<lb/>fen es mehr und mehr, daß nur Abscheu gegen<lb/>ihre Fehler die Mutter leite; sie lernen selbst ihre<lb/>Fehler verabscheuen, so daß nicht allein die Furcht<lb/>vor Strafe, sondern auch dieser Abscheu sie vom<lb/>Bösen abhält und ihre Besserung dadurch desto ge-<lb/>sicherter ist, wie denn auf solche Art auch ihre Liebe<lb/>zur Mutter unverletzt bleibt<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
                              <p>Es scheint uns heilsam, hier etliche Fehler besonders<lb/>hervorzuheben:</p>
										
                              <p>An erster Stelle komme der Eigensinn, welcher bei<lb/>Kindern so gern sich geltend macht, gegen welchen eine<lb/>gute Mutter von frühester Kindheit an mit Ent-<lb/>schiedenheit auftritt. Sie gewöhnt ihr Kind an Ge-<lb/>horsam gegen <hi rendition="#w">ihren</hi> und des Vaters Willen. Was<lb/>einmal – freilich wohlüberlegt – gesagt und ge-<lb/>boten ist, daran wird festgehalten, das <hi rendition="#w">muß</hi> das Kind<lb/>thun, es gehe, wie es wolle, und müßte es auch durch<lb/>die nachdrücklichsten Strafen dazu vermocht werden.<lb/>Wehe, wenn ein Kind merkt, daß es ihm hilft, daß<lb/>es damit zum Ziele kommt, wenn es auf seinen Kopf<lb/>besteht! Der Eigensinn, dies große Uebel und Hinder-<lb/>niß alles Guten, wird in ihm groß wachsen, besonders,<lb/>wenn das Kind von Haus aus schon Neigung zu<lb/>solchem Eigensinn verräth. Leicht ist die Gefahr, sich<lb/>durch unzeitige Liebe zu schädlicher Nachgiebigkeit ver-<lb/>leiten zu lassen, bei der Mutter am größten. Daher,<lb/>christliche Mutter, sei auf der Huth! Es ist Pflicht,<lb/>da wo es sich um Brechung des Eigensinns handelt,<lb/>die natürlichen Gefühle zu überwinden. Sei versichert,<lb/>dein Kind wird's dir zur Zeit Dank wissen. Frühe<lb/>Gewöhnung an Gehorsam ist Bedingung und Bürg-<lb/>schaft für den Gehorsam gegen Gott, d.h. für ein<lb/>christliches und also auch glückliches Leben.</p>
										
                              <p>Demnächst kommt die <hi rendition="#w">Eitelkeit</hi> und <hi rendition="#w">Putzsucht</hi>,<lb/>besonders bei Mädchen. Wie nachtheilig und verderb-<lb/>lich tritt dieser Fehler bei Erwachsenen auf. Abge-<lb/>sehen von dem Verluste an Zeit und Vermögen, welche<lb/>derselbe mit sich zu führen pflegt, wirkt er höchst ver-<lb/>derblich auf's Herz, macht, daß dasselbe in dem eiteln<lb/>Tande nichtigen Putzes aufgehe, den Sinn für Gott<lb/>und Höheres mehr und mehr einbüße, und ist leicht,<lb/>leider auch nur zu oft der Grund, daß man das<lb/>kostbare Gut der Unschuld verliere und den traurig-<lb/>sten sittlichen Verirrungen anheimfalle. Und wie oft<lb/>wird der Grund zu diesen Fehlern schon in den Jah-<lb/>ren der Kindheit – von der eigenen Mutter des<lb/>Kindes gelegt. Sie lässet das Kind mit seiner ihm<lb/>angebornen Eitelkeit hin, ja nährt und fördert dieselbe<lb/>gradezu. Oder ist es nicht reiche Nahrung für die-<lb/>selbe, wenn das Kind wahrnimmt, wie oft und mit<lb/>welcher Angelegentlichkeit die Mutter von Kleidung<lb/>und Putz spricht, wie viel Gewicht sie darauf legt,<lb/>wie viel Umstände sie dafür macht, wie sehr sie sich<lb/>darin gefällt? Oder, wenn die Mutter so viel We-<lb/>sens macht mit dem Anzuge des Kindes, so viel<lb/>Sorge und Kosten und Zeit darauf verwendet und<lb/>zwar mit einer Wichtigkeit, als sei das bei Weitem<lb/>die Hauptsache.</p>
										
                              <p>Kein vernünftiger Mensch zweifelt, daß es Aufgabe<lb/>und Pflicht der Mutter ist, ihre Kinder auch in Be-<lb/>treff der Kleidung zur Ordnung und Reinlichkeit, ja<lb/>selbst zu einer gewissen Nettigkeit (um so zu sagen)<lb/>anzuhalten und anzuleiten. Ordnung und Reinlichkeit<lb/>in der Kleidung, ja bis zu einem gewissen Grade<lb/>etwas hübsches und Schönes im Anzuge kann einen<lb/>heilsamen Einfluß selbst auf die sittliche Verfassung<lb/>des Herzens üben, während Unordnung und Unrein-<lb/>lichkeit nur zu leicht der Unsittlichkeit Vorschub leistet.<lb/>Aber eben so sehr ist es Pflicht, alles das zu meiden,<lb/>was die Eitelkeit und Putzsucht in den Kindern<lb/>gradezu fördert. Dahin gehört, was wir eben schon<lb/>erwähnten; oder, wenn die Mutter gar so viel We-<lb/>sens mit dem Anzuge der Kinder macht, als sei das<lb/>eine Hauptsache; wenn sie so unmäßig viel Zeit und<lb/>Kosten darauf verwendet; wenn sie das Kind in sei-<lb/>nem Anzuge oder Kleidungsstücke so viel anerkennt,<lb/>erhebt und bewundert, insbesondere, wenn sie es<lb/>gradezu darauf ablegt, das Kind in ungewöhnlicher,<lb/>auffälliger Weise herauszuputzen und vor andern<lb/>Kindern auszuzeichnen, und so selbst mit ihren Kindern<lb/>Eitelkeit treibt. Heißt das nicht, das arme Kind mit<lb/>vollen regeln in das Unwesen der Eitelkeit hinein-<lb/>fahren? Wem es beschieden ist, in einer größern<lb/>Stadt zu wohnen, der findet nur zu oft Gelegenheit,<lb/>solchen Kindern zu begegnen, welche von ihren thörich-<lb/>ten Müttern also aufgeputzt sind. Man könnte sich<lb/>versucht finden zu glauben, es seien Commödianten-<lb/>kinder. Was für ein Geist wird durch solche Schau-<lb/>spieleranzüge in den Kindern genährt? Der <hi rendition="#w">christ-</hi>
                                 <lb/>
                                 <hi rendition="#w">liche</hi> gewiß nicht. – Und wie wenig ist dabei oft<lb/>der zarten und christlichen Züchtigkeit und Scham-<lb/>haftigkeit Rechnung getragen! – O christliche Mütter,<lb/>seid doch nicht so grausam gegen eure Kinder! Nähret<lb/>doch nicht so geflissentlich das Unwesen der Eitelkeit<lb/>in ihnen – zu ihrem Verderben! Behauptet in der<lb/>Art, euere Kinder zu kleiden, bei aller Rücksicht auf<lb/>die Anforderungen des Standes doch eine gewisse Be-<lb/>scheidenheit und Mäßigung! Weiset euere Kinder<lb/>früh darauf hin, daß der wahre und schönste<lb/>Schmuck des Menschen darin bestehe, daß er ein sün-<lb/>denreines, mit christlichen Tugenden ausgestattetes<lb/>Herz habe.</p>
										
                              <p>Wehe, wenn ihr selbst mit eueren Kindern Eitel-<lb/>keit treibet, indem ihr sie so unmäßig zieret, um vor<lb/>Andern mit ihnen zu glänzen! Heißt das nicht, das<lb/>wahre Wohl euerer Kinder, indem ihr das Uebel der<lb/>Eitelkeit in ihnen nähret, auf's Spiel setzen, um euere<lb/>Eitelkeit zu befriedrigen? heißt das nicht, der Seele<lb/>eurer Kinder schaden, um eurer Eitelkeit zu schmei-<lb/>cheln? In der That, das ist so ewas von der Art<lb/>jener Mütter, welche ihre Kinder – opfernd – in<lb/>die glühenden Arme des Moloch werfen!</p>
										
                              <p>Kommen wir zu einem andern Fehler, der gleich-<lb/>falls in der Kinderwelt nur zu sehr vertreten ist; es<lb/>ist die <hi rendition="#w">Lügenhaftigkeit</hi>. Brauchen wir die Häß-<lb/>lichkeit und Verderblichkeit dieses Fehlers erst aus-<lb/>einanderzusetzen? Wahrheitsliebe und Abscheu vor<lb/>Lügen gehört wesentlich zu dem echt christlichen Geiste;<lb/>nie wird Jemand, dem es mit seinem Christenthum<lb/>aufrichtig ernst ist, sich dazu verstehen, zu lügen. So<lb/>viel Jemand sich wenig oder nichts daraus macht,<lb/>so viel zeigt er dadurch, daß es noch sehr bei ihm<lb/>fehle. Würde wohl die h. Jungfrau auch nur zur<lb/>geringsten Lüge sich verstanden haben? Eher zur<lb/>Hingabe ihres Lebens! – Dazu kommt, daß das Lü-<lb/>gen der abschüssige Weg ist zu vielen andern Fehlern.<lb/>– Also, christliche Mutter, tritt bei deinen Kindern<lb/>gegen diesen Fehler ein! Lasse das Verderben dessel-<lb/>ben nicht über selbe kommen! Kinder kommen leicht<lb/>zum Lügen und, wenn man sie damit lässet, zur ver-<lb/>derblichen Gewohnheit desselben. Also warne dein<lb/>Kind; belehre es zur Zeit über die Häßlichkeit des<lb/>Lügens. Halt streng darauf, daß es stets und in<lb/>Allem die lautere Wahrheit sage! Wo nicht, so folgt<lb/>Rüge und Strafe. Suche es, wo es wirklich oder<lb/>doch wahrscheinlich gelogen hat, zum Bekenntniß zu<lb/>bringen; bekennt es aufrichtig und mit Leid, so tritt<lb/>Milderung, vielleicht selbst Nachlaß der Strafe ein.<lb/>– Fern sei es, daß du selbst deinen Kindern das<lb/>Beispiel des Lügens gebest oder gar sie zum Lügen<lb/>anleitest und veranlassest!</p>
										
                              <p>Gottes Segen über jedes Haus, in dem man die<lb/>Lüge haßt und meidet!</p>
										
                              <p>Vielleicht leidet ein und anderes Kind an einer<lb/>
                                 <hi rendition="#w">reizbaren, heftigen</hi> Natur; es geräth leicht in<lb/>
                                 <hi rendition="#w">Zorn</hi>, wird aufgeregt, schimpft, flucht, tobt u.s.w.<lb/>Läßt man's damit, so wächset der <hi rendition="#w">Jähzorn</hi> in ihm<lb/>heran, der in der Reibe der <hi rendition="#w">Hauptsünden</hi> steht,<lb/>d. i. jener Fehler, welche die besonders ergiebigen<lb/>Quellen von Sünden und zwar von Sünden recht<lb/>schlimmer Art zu sein pflegen. Wie schwer wird er<lb/>überwunden, wenn er bereits im Menschen herange-<lb/>wachsen und zur andern Natur geworden ist! Und<lb/>wie störend greift er in das eigene Wohl und meist<lb/>in das Wohlsein Vieler ein!</p>
										
                              <p>Merkst du also, christliche Mutter, daß dein Kind<lb/>an diesem Fehler leide, so säume nicht, von früh an<lb/>denselben zu zügeln und es davon zu befreien. Belehre,<lb/>ermahne, rüge, strafe – immer von Neuem nach Maß<lb/>der Heftigkeit des Fehlers. Ruhe nicht, bis es dir<lb/>mit Gottes Hülfe gelungen. – Freilich, wenn du<lb/>selbst an diesem Fehler littest, wenn das Kind, das<lb/>zum Zorne geneigt ist, vielleicht nur zu oft <hi rendition="#w">deine</hi>
                                 <lb/>Zornausbrüche wahrnehmen oder gar an sich erfahren<lb/>muß, wie soll dann ihm Hülfe von dir werden? Ach,<lb/>du stößest es in seinen Fehlern nur tiefer hinein,<lb/>festigst es darin. Wehe!</p>
										
                              <p>Vielleicht hängt mit dem letzten Fehler ein anderer<lb/>zusammen – ein gewisses <hi rendition="#w">liebloses, selbstsüch-</hi>
                                 <lb/>
                                 <hi rendition="#w">tiges</hi> Wesen. Dasselbe tritt zu Tage den Geschwistern<lb/>gegenüber: das Kind ist eigennützig, es gönnt den<lb/>Geschwistern nichts, es entzieht ihnen gern das Ihrige;<lb/>es ist ungefällig; es kränkt dieselben durch Wort und<lb/>That, kann sich mit ihnen nicht vertagen u.s.w.<lb/>Oder jenes verkehrte Wesen gibt sich kund andern<lb/>Kindern oder den Mitmenschen überhaupt gegenüber:<lb/>das Kind hat keinerlei Theilnahme für fremde Noth,<lb/>es gibt und hilft andern Kindern nicht, wo es kann,<lb/>es hadert und zankt leicht mit ihnen, schimpft sie aus,<lb/>entzweiet, rauft sich mit ihnen u.s.w. Lauter Aus-<lb/>wüchse jener Selbstsucht und Lieblosigkeit der verderb-<lb/>ten menschlichen Natur. Läßt man sie im Kinde ge-<lb/>währen, tritt man nicht dagegen ein, so wächset in<lb/>ihm jener Egoismus heran, den man heut bei so<lb/>Vielen findet, und es bleibt ohne jene Tugend, welche<lb/>zur Grundverfassung des christlichen Lebens gehört,<lb/>ohne wahre Nächstenliebe. Wie viele Ursache, ihren<lb/>Mangel in der Welt zu beklagen! Und doch ist man<lb/>ohne wahre Nächstenliebe kein rechter Christ und hat<lb/>nicht die Hoffnung des Heiles. Der Grund dieser<lb/>traurigen Erscheinung liegt nur zu oft schon im Kin-<lb/>desalter: die Mutter hat das Kind mit seinen manch-<lb/>fachen Verstößen gegen die Liebe hingelassen und es<lb/>ist nicht an Liebe gewöhnt.</p>
										
                              <p>Christliche Mutter, halte es für einen der wichtig-<lb/>sten Punkte in der Erziehung, deine Kinder durch<lb/>Belehrung, Ermahnung, Warnung, Rüge, Strafe<lb/>und durch Gebet dahin zu bringen, daß sie Alles<lb/>meiden und ablegen, was wider die Liebe verstößt,<lb/>zunächst den Geschwistern und Hausgenossen, dann<lb/>aber überhaupt allen Menschen gegenüber. Lasse sie<lb/>an dir das Beispiel echter, herzlicher Nächstenliebe er-<lb/>fahren!</p>
                           </note>
                        </p>
								
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                        <p>Gewisse Fehler walten im Kinde mit einer Hart-<lb/>näckigkeit, welche alle Bemühungen der Mutter zu<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0079_0001"/>Schanden zu machen scheint. Soll sie da den<lb/>Muth aufgeben und die Sache gehen lassen, wie<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0080_0001"/>sie eben geht? Das sei fern! Was thut nicht<lb/>eine Mutter, wenn ihr Kind an einem körperlichen<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0081_0001"/>Fehler leidet? Alles bietet sie auf, um es davon<lb/>zu befreien; alle Mittel wendet sie, so viel an ihr<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0082_0001"/>ist, an, alle Aerzte nimmt sie in Anspruch. Und<lb/>die so viel schlimmern Fehler an der Seele sollte<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0083_0001"/>sie gewähren lassen? O nein! Sie kann von dem<lb/>Verlangen, von der Hoffnung, ihr Kind davon<lb/>befreit zu sehen, nicht lassen. Hilft ihr Bemühen<lb/>allein nicht, so nimmt sie den Vater zu Hülfe; sie<lb/>beräth sich mit einsichtigen Freunden, mit den<lb/>Geistlichen; sie sucht deren Beistand. Und führt<lb/>Alles nicht zum Ziele, so ist ja der Herr ein mäch-<lb/>tiger Helfer. Zu Ihm nimmt sie, wie zu jeder<lb/>Zeit, so nun um so angelegentlicher ihre Zuflucht,<lb/>zu Ihm stehet sie in unablässigem Gebete, daß<lb/>Er mit mächtiger Gnade zu Hülfe eile und den<lb/>bösen Sinn des Kindes breche und es von seinen<lb/>Fehlern befreie. <q>„Was bei den Menschen un-<lb/>möglich ist“</q>, spricht der Herr, <q>„das ist bei Gott<lb/>möglich.“</q>
                        </p>
							
                     </div>
							
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                        <head rendition="#c">Die Huth der h. Scham und Unschuld.</head>
								
                        <p>Freunde auserlesener Blumen, welche in der<lb/>Lage sind, solche in größerer Zahl zu halten, ha-<lb/>ben wo möglich ein Treibhaus. In demselben<lb/>werden insbesondere fremde Blumen und Pflanzen,<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0084_0001"/>welche an ein wärmeres Klima gewohnt sind, in<lb/>den kälteren Jahreszeiten aufbewahrt, um sie vor<lb/>den schädlichen Einflüssen des Wetters und über-<lb/>haupt zu schützen, um sie in der Obhut des Treib-<lb/>hauses und durch die dort herrschende Wärme zu<lb/>hegen und ihr Wachsthum zu fördern.</p>
								
                        <p>So eine Art Treibhaus sollte nun insbesondere<lb/>durch die Vermittlung der Mutter jedes christliche<lb/>Haus sein – zum Schutze, zur Obhut, zur För-<lb/>derung des Wachsthums – für eine der kostbarsten,<lb/>schönsten, duftreichsten Blumen. Sie stammt aus<lb/>fernem Himmelsland; Jesus unser Herr hat sie<lb/>vom Himmel her auf die Erde gebracht und sie<lb/>gepflanzt in den blumenreichen Garten seiner heil.<lb/>Kirche. Da hat sie nun geblüht von Anbeginn,<lb/>um durch ihre Schönheit und mit ihrem reichen<lb/>Dufte wie das Herz Gottes, so tausend und tau-<lb/>send Menschenherzen zu erfreuen. Sie ist von<lb/>zarter Natur; nur zu leicht wird sie verletzet vom<lb/>kalten Hauche der Welt und von ihren argen Ein-<lb/>flüssen, daß ihre Schönheit welke und ihr Duft<lb/>schwinde und sie elendiglich vergehe. Darum be-<lb/>darfs auch für sie gleichsam eines Treibhauses,<lb/>einer schützenden Obhut; das christliche Haus soll<lb/>dieses Treibhaus sein, die christliche Mutter ihre<lb/>Obhut.</p>
								
                        <p>Welche ist diese kostbare Himmelsblume? Es ist<lb/>die h. Reinigkeit, die Tugend der Keuschheit. Wer<lb/>kännte und schätzte nicht ihren Werth, wer fühlte<lb/>sich nicht angezogen durch ihre Schönheit, wer nicht<lb/>erfreuet durch den Duft, den sie um sich verbreitet.<lb/>Ist sie es ja, welche in dem Herzen, das von ihr<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0085_0001"/>geheiliget ist, den höchsten Frieden schaffet; sie ist<lb/>das feste, sichere Fundament des wahren Lebens-<lb/>glückes, sie die Bürgschaft für Gottes Liebe und<lb/>Gnade, sie die sicherste Gewährschaft des ewigen<lb/>Himmelsglückes. Und wo ist eine Tugend, die so<lb/>reiche Segnungen nach allen Seiten um sich ver-<lb/>breitete, als die Tugend der Keuschheit? Aber sie<lb/>ist eine gar zarte Tugend, ganz einer zarten Blume<lb/>ähnlich, welche durch jede unzarte Berührung, durch<lb/>jeden kalten Hauch des Wetters verletzt wird.<lb/>Darum soll nach Gottes h. Willen auch das christ-<lb/>liche Haus ihr zur Obhut und zum Schutze dienen;<lb/>da soll sie sicher geborgen sein; da soll vor Allem<lb/>durch die Sorgfalt der christlichen Mutter Alles<lb/>fern gehalten werden, was ihr schaden, was sie<lb/>verletzen mag; da soll sie gehegt und gepflegt wer-<lb/>den. Daher unsere Ueberschrift: <hi rendition="#w">Die Huth der</hi>
                           <lb/>
                           <hi rendition="#w">h. Scham und Unschuld</hi>.</p>
								
                        <p>Ach, draußen in der Welt ist's für unsere zarte<lb/>Himmelsblume vollends in unsern Tagen gar schlecht<lb/>bestellt, da drohen ihr tausend Gefahren, da werden<lb/>ihr tausend Nachstellungen bereitet, da wehen Stürme,<lb/>da herrschet Kälte, da schleichet das Gezücht von<lb/>allerlei Ungeziefer, da geht die h. Unschuld, die<lb/>Keuschheit nur zu leicht zu Grunde. Wehe, wenn<lb/>auch im Schooße der Familie für sie nicht Schutz<lb/>und Obhut mehr wäre, wenn auch im Heiligthume<lb/>des christlichen Hauses ihr Gefahren bereitet wür-<lb/>den! Nein, der christliche Vater und fast noch<lb/>mehr die Mutter hat Sorge und ist darauf be-<lb/>dacht, daß hier im Hause eine h. Zucht walte –<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0086_0001"/>stets und überall, im Reden, im Verhalten, in den<lb/>Verhältnissen.</p>
								
                        <p>Eine h. Zucht herrscht in Beziehung auf die<lb/>
                           <hi rendition="#w">Gespräche</hi>. Kein zweideutiges, unanständiges<lb/>Wort darf hier laut werden; unpassende Scherze<lb/>und Lieder kennt man nicht; nie bilden unan-<lb/>ständige Dinge und Vorfälle den Gegenstand der<lb/>Gespräche.</p>
								
                        <p>Unanständige Reden, Scherze, Lieder sind schon<lb/>an sich verwerflich und sündhaft; unanständige<lb/>Dinge sollen, nach der Ermahnung des h. Apostels,<lb/>von Christen nicht einmal genannt, viel weniger<lb/>soll darüber gesprochen werden. Aber wie groß ist<lb/>ferner der Schaden, das Verderben, welches solche<lb/>Reden und Scherze in den Redenden und Hören-<lb/>den zu Wege bringen! Sie sind eine wahre Pest,<lb/>sie sind Samenkörner der Unzucht, durch leicht-<lb/>sinnigen Menschenmund ausgestreuet in die Her-<lb/>zen, um in unreinen Gedanken, Gelüsten, Werken<lb/>aufzusprießen. Es unterliegt gar keinem Zweifel,<lb/>daß in tausend und tausend Seelen, welche nun im<lb/>Laster der Unkeuschheit zu Grunde gehen, der Grund<lb/>dieses Verderbens durch unanständige Reden gelegt<lb/>worden ist. Schaffe die unkeuschen Reden und<lb/>Scherze von der Erde fort, und Tausende, die im<lb/>Dienste der Unzucht so unglücklich sind und werden,<lb/>werden das hohe Gut der Keuschheit <hi rendition="#w">nie</hi> verlieren,<lb/>werden unter ihrem Segen zeitlich und ewig glück-<lb/>lich sein. <q>„Böse Reden“</q>, spricht der h. Geist,<lb/>
                           <q>„verderben gute Sitten.“</q> Welch ein unbarmherzi-<lb/>ges Gericht wird daher über die ergehen, welche<lb/>sich solcher Reden unmittelbar oder mittelbar (da-<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0087_0001"/>durch, daß sie dieselben nicht verhinderten, wo sie<lb/>konnten und sollten) schuldig machen!</p>
								
                        <p>Solche unanständige Reden, Scherze, Unterhal-<lb/>tungen, Lieder werden in einem christlichen Hause<lb/>nicht geduldet, sondern auf's Sorgfältigste vermie-<lb/>den und verhütet. Die Mutter hält es für hei-<lb/>lige Pflicht, in diesem Punkte eine sorgfältige Wach-<lb/>samkeit im Hause zu üben und mit Ernst und<lb/>Strenge darauf zu halten, daß kein unanständiges<lb/>Wort gehört werde. Sie hat auf die Dienstboten<lb/>und Tagelöhner ein wachsames Auge, daß sie nicht,<lb/>wie es leider nur zu oft der Fall ist, in Gegen-<lb/>wart der Kinder unvorsichtige oder unehrbare Re-<lb/>den führen. Geschieht das, so wird es mit Ernst<lb/>und Nachdruck gerügt, und solche Dienstboten oder<lb/>Tagelöhner, welche auf Ermahnungen nicht achten,<lb/>werden so bald wie möglich aus dem Dienste, aus<lb/>der Arbeit entlassen. Wie manches Kind (wie<lb/>mancher jüngere Dienstbote) verliert durch den<lb/>Leichtsinn und durch die Schlechtigkeit solcher Men-<lb/>schen seine Unschuld, sein kostbarstes Gut!<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
                              <p>Von einer Hansfrau auf dem Hofe N. an der Grenze<lb/>des Münsterlandes erzählte bei ihrer Beerdigung der<lb/>Pfarrer: Es war ein neuer Knecht auf den Hof ge-<lb/>kommen. Obwohl man bei der Dingung vom Dienst-<lb/>boten ein Hauptgewicht darauf legte, daß dieselben<lb/>gottesfürchtig und fromm wären, so hatte man sich<lb/>doch diesmal versehen. Der neue Knecht hatte ein<lb/>loses Maul, das gar reichlich überfloß von liederlicher<lb/>Rede. Und wie es denn solchen Unholden eigen ist,<lb/>daß sie ihr schmutziges Maul bei keiner Gelegenheit<lb/>halten können, so ließ der Gedachte auch selbst bei<lb/>Tische Proben seiner schändlichen Redeweise verneh-<lb/>men. Die Hausfrau ließ es hinlänglich bemerkbar<lb/>werden, daß dergleichen hier im Hause, zumal in Ge-<lb/>genwart der Kinder, nicht bräuchlich sei. Vergebens.<lb/>Von Neuem schmutzige Worte. Da trat sie ruhig<lb/>hinter den Stuhl, auf dem der Lose saß, und voll-<lb/>führte rechts und links zwei Ohrfeigen an dessen un-<lb/>gewaschenem Haupte, daß es sausete. Das half. War<lb/>das auch ein wenig derb, so hat auch unser Herr<lb/>einst über gewisse Leute die Geissel geschwungen und<lb/>wir glauben, Er würde es noch thun über manche der<lb/>Unholde, worüber hier Rede ist. Jedenfalls ist es<lb/>Pflicht, gegen solches Unwesen ernstlich vorzugehen.</p>
                           </note>
                        </p>
								
                        <p>Wehe dem Hause, in welchem derartige Reden<lb/>sogar in Gegenwart der Hausfrau ungestört ge-<lb/>führt werden dürfen, ja wo der Hausherr, die<lb/>Hausfrau selbst leichtsinnig oder schlecht genug<lb/>wären, um einzustimmen.</p>
								
                        <p>Es ist ferner in einem christlichen Hause Regel,<lb/>daß über gewisse unzüchtige Vorfälle in der Ge-<lb/>meinde überhaupt, und zumal in Gegenwart der<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0088_0001"/>Kinder oder jüngeren Hausgenossen, nicht gesprochen<lb/>werde. O, warum wird doch im Sprechen keine<lb/>größere Vorsicht gebraucht?! Die Kinder sind lei-<lb/>der oft in diesem Punkte so vorwitzig; sie horchen<lb/>so aufmerksam auf, wo über schlüpfrige Gegen-<lb/>stände Rede ist, sie haschen jedes Wort auf, sie<lb/>denken darüber nach, sie fragen und sprechen weiter<lb/>darüber bei ihres Gleichen, und so wird eine zu<lb/>Hause gehörte unvorsichtige Aeußerung bei ihnen<lb/>nur zu leicht die Quelle eines großen Verderbens.<lb/>
                           <q>„Ein kleiner Funke“</q>, sagt der Apostel, <q>„welch einen<lb/>großen Brand entzündet er oft!“</q>
                           <note place="bottom" anchored="true" n="*)">
                              <p>Für Mütter auf dem Lande (oder welche es sonst be-<lb/>trifft) haben wir noch die Warnung beizufügen, daß<lb/>sie doch um jeden Preis darauf bedacht seien, gewisse<lb/>Vorgänge mit dem Viehe (die Begattung etwa der<lb/>Kühe, der Pferde u.s.w.) den Augen der Kinder zu<lb/>entziehen. Welch eine unbegreifliche Rücksichtslosigkeit<lb/>hat in diesem Punkte nicht selten Platz! Mit der<lb/>größten Gleichgültigkeit läßt man es zu, daß so etwas<lb/>unter den Augen der Kinder stattfinde; ja man ver-<lb/>anlaßt es sogar, indem man die Kinder dabei zu<lb/>hülfe nimmt. Wie ist es möglich?! Sieht man<lb/>denn nicht, daß Solches geradezu darnach angethan<lb/>ist, um das Schamgefühl auf die nachtheiligste Art zu<lb/>verletzen und gefährliche Versuchungen und Sünden<lb/>wider die h. Reinigkeit herbeizuführen? Es ist unbe-<lb/>greiflich, wie es Eltern geben kann, die das nicht<lb/>einsehen; es ist eine Rücksichtslosigkeit, welche wegen<lb/>der nur zu leicht daraus sich entwickelnden üblen Fol-<lb/>gen nicht genug bedauert werden kann. Darum euch,<lb/>christliche Mütter, sei's an's Herz gelegt, in diesem<lb/>Punkte die zarteste Rücksicht und Vorsicht walten zu<lb/>lassen; es ist insbesondere <hi rendition="#w">euere</hi> Sache und heilige<lb/>Pflicht für euch; etwaige Mühe und Unbequemlichkeit<lb/>kann euch unmöglich davon dispensiren. Um jeden<lb/>Preis sollt ihr zu verhüten suchen, daß solche Dinge<lb/>nicht in Gegenwart der Kinder geschehen, so viel<lb/>möglich selbst dann nicht, wenn sie schon mehr er-<lb/>wachsen sind.</p>
                           </note>
                        </p>
								
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                        <p>Die christliche Mutter hält ferner auf Züchtigkeit<lb/>und Ehrbarkeit in der Kleidung. Es ist hier nicht<lb/>Rede von Kleidern, welche an <hi rendition="#w">sich</hi> unanständig<lb/>sind. Solche Kleider, die in ihrem Schnitte, in<lb/>ihrer ganzen Art unanständig sind, unanständige<lb/>Moden wird eine gewissenhafte Mutter im Hause<lb/>nicht dulden. <hi rendition="#w">Hier</hi> ist Rede von jener Unsitte,<lb/>wonach in manchem Hause zu gewissen Zeiten,<lb/>z.B. am Morgen oder im Sommer, wenn es<lb/>heiß ist, oder bei gewissen Arbeilen, die Unvoll-<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0090_0001"/>ständigkeit der Kleider die gute Sitte und den An-<lb/>stand verletzt. Mit Strenge soll daher die Mutter<lb/>darauf halten, daß die Kinder nie ihr Schlafgemach<lb/>verlassen, ohne wenigstens in sofern angekleidet zu<lb/>sein, daß Anstand und Schamhaftigkeit nicht ver-<lb/>letzt werden, daß sie sich vernünftiger Weise nicht<lb/>zu schämen haben, auch von Fremden gesehen zu<lb/>werden. Wie sehr steht's zu bedauern, wenn die<lb/>kleinen Kinder Morgens, man möchte sagen halb-<lb/>nackt, mit unbedeckten Füßen, im bloßen Hemde<lb/>u.s.w. im Hause herumlaufen oder außerhalb des<lb/>Hauses gesehen werden. Ist das geeignet, ihrer<lb/>Gesundheit zu schaden, so ist es noch viel schlimmer,<lb/>daß auf solche Art alle Zartheit des Schamgefühls,<lb/>die so wichtig ist, nach und nach abgestreift wird.<lb/>– So auch im Sommer; nie kann größere Be-<lb/>quemlichkeit oder Annehmlichkeit, oder sonst etwas<lb/>berechtigen, den Kindern die Ablegung ihrer Kleider<lb/>in einer Art, welche den Anstand verletzt, zu ge-<lb/>statten.<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
                              <p>Es muß überhaupt auch in Betreff der Erwachsenen<lb/>wünschenswerth erscheinen, daß, wie es gewöhnlich bei<lb/>Mannspersonen der Fall ist, auch die weiblichen Per-<lb/>sonen in einem Hause gleich am Morgen vollständig,<lb/>d. i. so wie sie den Tag über erscheinen, gekleidet ihr<lb/>Schlafgemach verlassen möchten; wenn das aber viel-<lb/>leicht nicht immer sich ausführen lässet, so ist es den-<lb/>noch <hi rendition="#w">Pflicht</hi>, gleich am Morgen so gekleidet zu er-<lb/>scheinen, daß es Anstand und Schamhaftigkeit nicht<lb/>verletze, daß man vernünftiger Weise sich nicht zu<lb/>schämen habe, auch von Andern, als den Mitgliedern<lb/>des Hauses, gesehen zu werden. Auch hier kann im<lb/>Sommer <hi rendition="#w">nie</hi> größere Bequemlichkeit oder Annehm-<lb/>lichkeit das Recht und die Befugniß geben, sich <hi rendition="#w">auf</hi>
                                 <lb/>eine Weise zu kleiden, daß es wider die heilige Scham-<lb/>haftigkeit sei, in leichter Umhüllung, in unanständiger<lb/>Weise. Ohne Zweifel sind dies Winke, die in man-<lb/>chem Hause alle Berücksichtigung verdienen, Winke,<lb/>deren Vernachlässigung oder Beiseitsetzung viel Böses<lb/>im Gefolge hat.</p>
                           </note>
                        </p>
								
                        <p>So wichtig es ist, daß die h. Reinigkeit, die<lb/>Tugend der Keuschheit, die Unschuld unverletzt er-<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0091_0001"/>halten werde, so strenge soll die h. Zucht nach allen<lb/>Seiten hin gehandhabt werden; daher kommen wir<lb/>zu der Forderung, daß alle zu enge gefährliche Ge-<lb/>meinschaft der verschiedenen Geschlechter im Hause<lb/>auf alle Weise verhütet werde. Die christliche<lb/>Mutter wird um jeden Preis dafür sorgen, daß<lb/>ihre Kinder verschiedenen Geschlechtes, d. i. Mäd-<lb/>chen und Knaben, nicht in der nämlichen Stube,<lb/>oder gar im selben Bette zusammen schlafen, eben<lb/>so nicht die Kinder mit den Dienstboten des an-<lb/>dern Geschlechtes. Ist solches Zusammenschlafen<lb/>immer, auch schon bei ganz kleinen Kindern be-<lb/>denklich, so ist es vollends unverantwortlich, dasselbe<lb/>noch zu gestatten, wenn die Kinder schon zu den<lb/>Jahren des Verstandes gekommen sind. Gott<lb/>weiß es, wie viel Unheil hiervon seinen Ausgang<lb/>nimmt. Wie ist es doch möglich, daß manche El-<lb/>tern in diesem Punkte so rücksichtslos, so schrecklich<lb/>leichtsinnig zu Werke gehen, als hätten sie keinen<lb/>Verstand oder kein Gewissen! – Ebenso gewissen-<lb/>los und leichtsinnig ist es, wenn Eltern ihre schon<lb/>heranwachsenden Kinder noch immer bei sich oder<lb/>auch nur in der nämlichen Stube mit sich schlafen<lb/>lassen. – Jeder, welcher nur in etwa ernst und<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0092_0001"/>gewissenhaft diesen Punkt betrachtet und bedenkt,<lb/>in welche Gefahren die Unschuld der Kinder in<lb/>dieser Hinsicht gerathen, wie leicht sie für immer<lb/>Schiffbruch leiden könne, wie sehr jedenfalls das<lb/>Schamgefühl verletzt werde, der muß anerkennen,<lb/>daß es eine heilige und strenge Pflicht für Eltern<lb/>sei, alles Mögliche zu thun, es in jeder möglichen<lb/>Art zu überlegen und keine Mühe und kein Opfer<lb/>dafür zu scheuen, daß die Kinder nach ihrem Ge-<lb/>schlechte getrennt in verschiedenen Betten und an<lb/>verschiedenen Stellen schlafen; und sollte man dürf-<lb/>tigkeitshalber selbst genöthigt sein, Andere zu sol-<lb/>chem Zwecke um Beisteuer angehen zu müssen. -<lb/>Wahrlich eine Sache, die man, ihrer Wichtigkeit<lb/>wegen, rings von den Dächern predigen möchte.<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
                              <p>Gewissenhafte Herrschaften werden eben so Sorge ha-<lb/>ben, das Knechte und Mägde ihre Schlafstätten in<lb/>gehöriger Entfernung von einander haben und sie<lb/>ihnen auch sonst nicht Gelegenheit und Anlaß zu ge-<lb/>fährlicher Gemeinschaft geben. Jedenfalls ist es Pflicht<lb/>für sie, hierin alle <hi rendition="#w">mögliche</hi> Rücksicht zu nehmen,<lb/>um, so viel immer in ihren Kräften steht, Gefährliches<lb/>zu hindern.</p>
                           </note>
                           <lb/>Derjenige, welcher das über diesen Punkt Gesagte<lb/>übertrieben und unzeitig nennen möchte, kennt nicht<lb/>die Verheerungen, welche die Vernachlässigung dieser<lb/>Rücksichten in jungen Seelen zu Wege bringen<lb/>mag. Es ist im günstigsten Falle eine, dennoch<lb/>bedenkliche Gedankenlosigkeit, aber nur zu oft<lb/>schnöder Leichtsinn und frevelhafte Rücksichtslosig-<lb/>keit und Gewissenlosigkeit, wenn man das Ge-<lb/>sagte nicht einsehen will und sich nicht darum<lb/>kümmert.</p>
								
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                        <p>Wie wenig wird ferner in manchen Häusern<lb/>das Schamgefühl respektirt und gehegt; wie manches<lb/>geschieht und wird zugelassen, wodurch dasselbe mehr<lb/>und mehr abgestumpft wird. Wir würden An-<lb/>stand nehmen, darüber hier zu sprechen, wenn wir<lb/>nicht das Bewußtsein hätten, daß die Wichtigkeit<lb/>der Sache uns dazu ein Recht gebe. So ist es<lb/>übel, wenn die Mutter es nicht verhindert, daß<lb/>die kleinen Kinder beim Sitzen, Liegen, Spielen<lb/>allerlei unanständige Entblößungen sich erlauben;<lb/>denken sie auch nichts dabei, das Schamgefühl wird<lb/>von früh an dadurch abgestumpft. Auch in der<lb/>Art, die kleinen Kinder zu stillen (ihnen die Mut-<lb/>terbrust zu bieten), sollte vielfach von den Müttern<lb/>der h. Scham mehr Rechnung getragen werden.<lb/>Hierher gehört auch, wenn die Mütter ihre Kinder<lb/>nicht anleiten und anhalten, daß sie beim Verrichten<lb/>ihrer Nothdurft sich zurückziehen, wo sie nicht ge-<lb/>sehen werden, daß sie es nicht so offen und vor<lb/>den Augen der Menschen thun. Wie viel Scham-<lb/>losigkeit und Rücksichtslosigkeit herrscht in dieser<lb/>Hinsicht nicht selten bei Erwachsenen; es ist ganz<lb/>unbegreiflich, es ist ein trauriges Zeichen, wie sehr<lb/>in Vielen jenes h. Schamgefühl erstorben ist. Und<lb/>doch ist gerade diese h. Scham, dieses Schamgefühl<lb/>von Gott in die Menschennatur hineingelegt, daß<lb/>es gehegt und zu lebendiger Aeußerung gefördert,<lb/>wie ein Damm sei, wider das Andringen der Un-<lb/>lauterkeit, eine Umzäunung der h. Unschuld, eine<lb/>Abwehr alles dessen, was der Reinheit der Seele<lb/>gefährlich oder nachtheilig ist. Ist die Umzäunung<lb/>hinweggerissen, dieser Damm fortgeschwemmt, ist<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0094_0001"/>die Scham aus dem Menschen verschwunden, so<lb/>steht er aller Schande der Unlauterkeit offen, so<lb/>ist er zu Allem fähig und kommt, wo die Gelegen-<lb/>heit es bringt, leicht zu Allem. Eben darum ist<lb/>es von unendlicher Nichtigkeit, daß dieses heilige<lb/>Schamgefühl bei den Kindern nicht verletzt werde;<lb/>daß es geschont, gehegt, gefördert, daß es recht<lb/>zart erhalten werde und daß man daher im Hause<lb/>Alles in Wort und That vermeide, was ihm ge-<lb/>fährlich oder nachtheilig sein könnte.</p>
								
                        <p>Möchte doch das hier Gesagte überall die ge-<lb/>bührende Berücksichtigung finden; auf daß die heil.<lb/>Unschuld, die Keuschheit in den christlichen Familien<lb/>eine Zufluchtsstätte, in der Fürsorge der Mutter<lb/>eine schützende Obhut finde! Jemehr in der Welt<lb/>in unsern Tagen die <hi rendition="#w">Unzucht</hi> herrscht und alles<lb/>höhere Leben zu vernichten und alles wahre Le-<lb/>bensglück zu stören drohet, – desto mehr herrsche<lb/>in unsern Häusern die heilige <hi rendition="#w">Zucht</hi>! Dann<lb/>wird es, so Gott will, wahr werden, daß mehr<lb/>und mehr in einem solchen Hause ein keusches<lb/>
                           <hi rendition="#w">Geschlecht</hi> wohne, keusche, ehrbare Eltern, un-<lb/>schuldige Kinder und sittsame Dienstboten, und es<lb/>wird auf ein solches Haus Anwendung finden,<lb/>was der h. Geist spricht: <q>„O wie schön ist ein<lb/>
                              <hi rendition="#w">keusches Geschlecht</hi> im Tugendglanze! denn un-<lb/>sterblich ist sein Andenken, und bei Gott und Men-<lb/>schen ist es anerkannt; ist es gegenwärtig, so ahmt<lb/>man ihm nach, entzieht es sich den Augen, so sehnt<lb/>man sich darnach und <hi rendition="#w">ewig triumphirt es mit</hi>
                              <lb/>
                              <hi rendition="#w">der Siegeskrone und trägt den Preis für</hi>
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                              <hi rendition="#w">
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                                     xml:id="C889_001_1874_pb0095_0001"/>die Kämpfe unbefleckter Reinigkeit</hi>.“</q> (Buch<lb/>der Weish. 4, 1-2.)</p>
							
                     </div>
							
                     <div xml:id="d62092e26471">
								
                        <head rendition="#c">Die Anleitung.</head>
								
                        <p>Ein Gärtner hat durch eine besondere Gunst der<lb/>Umstände überaus kostbaren Samen zu den selten-<lb/>sten, herrlichsten Blumen erhalten. Nun hat er<lb/>denselben dem Boden seines Gartens anvertraut;<lb/>schon keimt er; schon sprießen die zarten Pflänzchen<lb/>aus der Erde hervor. Wird er fernerhin unbe-<lb/>kümmert um dieselben sein? O nein! Er hat<lb/>große Sorge um sie; er sieht nach ihnen täglich<lb/>von Neuem, leicht wiederholt am Tage. Nicht ge-<lb/>nug, daß er mit großer Sorgfalt Alles von ihnen<lb/>fern zu halten sucht, was ihnen schädlich und ge-<lb/>fährlich sein würde, so hegt und pflegt er dieselben,<lb/>wie und so viel er kann, damit sie wohl gedeihen<lb/>und sich ganz nach ihrer Art zu voller Schönheit<lb/>und Herrlichkeit entwickeln.</p>
								
                        <p>Ein treffender Fingerzeig für christliche Mütter!<lb/>Was sind die seltensten und schönsten Blumen ge-<lb/>gen jene Pflänzlinge, welche Gott selbst in des<lb/>Kindes Herz eingefügt hat?! Samenkörner gleich-<lb/>sam von Himmelsauen her; – Keime, durch die<lb/>unendliche Huld des Herrn aus Seinem hochherr-<lb/>lichen, anbetungswürdigen Wesen selbst in's Men-<lb/>schenwesen gelegt, auf daß sie da mehr und mehr<lb/>zur Herrlichkeit der christlichen Tugenden sich ent-<lb/>faltend den armen Menschen einführen in immer<lb/>größere Aehnlichkeit mit Gott. An ihnen soll die<lb/>Mutter eine Gärtnerin sein.</p>
								
                        <pb facs="images/C889_001_1874_0308"
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                            xml:id="C889_001_1874_pb0096_0001"/>
								
                        <p>Mit aller Sorgfalt daher, wir hörten es bereits,<lb/>mit aller Umsicht sucht die Mutter das Herz des<lb/>Kindes von dem Unkraut zu entledigen, welches<lb/>den Bestand und das Wachsthum dieser göttlichen<lb/>Tugendkeime zu gefährden oder zu behindern drohet;<lb/>mit zarter Vorsicht sucht sie dieselben vor Allem,<lb/>was ihnen nachtheilig sein möchte, zu schützen und<lb/>zu hüten.</p>
								
                        <p>Aber sie thut noch mehr. Läßt ja der Gärtner<lb/>es nicht damit sein Bewenden haben, daß er das<lb/>Beet, auf dem seine kostbaren Blumen stehen, von<lb/>allem Unkraut reinigt und sie vor üblen Einflüssen<lb/>schützt; nein, er hegt und pflegt seine Lieblinge, so<lb/>viel er kann; er versäumt nichts, was dazu bei-<lb/>tragen mag, daß dieselben desto schöner heranwachsen<lb/>und sich entfalten. So also auch die christliche<lb/>Mutter. Sie lässet es sich, – wie es auch ihre<lb/>heilige Pflicht ist, – mit aller Sorgfalt angelegen<lb/>sein, die christlichen Tugenden im Herzen und Le-<lb/>ben ihrer Kinder zu nähren und groß zu ziehen.<lb/>Hat der Herr auch die Keime dieser Tugenden in's<lb/>Kindesherz gesenkt, so thut es ja doch, sollen sie<lb/>zu der entsprechenden Entfaltung kommen, Noth,<lb/>daß das Kind, sobald es zu den Jahren der Ver-<lb/>nunft kommt, in die Gnade Gottes eingehe und<lb/>zur Entwickelung und Vollendung jener Tugenden<lb/>mitwirke. Und das ist es, wozu die Mutter das<lb/>Kind zur Zeit anregen, wozu sie ihm <hi rendition="#w">Anleitung</hi>
                           <lb/>geben soll. Ohne diese Anregung und Anleitung<lb/>wird das von Gott im Kinde grundgelegte Gute<lb/>schwerlich zur Entwickelung, sicher nicht zur vollen<lb/>Entfaltung kommen. Es wird sein, wie ein kost-<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0097_0001"/>bares Samenkorn, was nicht aufgeht, wie eine<lb/>Pflanze, die nicht Leben hat.</p>
								
                        <p>Feinde des Glaubens haben aus dem Umstande,<lb/>daß ohne Anregung und Anleitung von Außen der<lb/>Glaube, die Religiösität, die Liebe zu Gott, die<lb/>Gewissenhaftigkeit, die Keuschheit und die sonstigen<lb/>christlichen Tugenden nicht zu Stande kommen, den<lb/>Schluß ziehen zu dürfen geglaubt, daß alle diese<lb/>Tugenden nichts, als eitel Angewöhnung von den<lb/>Eltern oder Andern seien. Die Thoren! Wenn<lb/>denn die Sorgfalt und Mühe des Gärtners, wenn<lb/>die heilsamen Einflüsse des Bodens und der Luft,<lb/>Regen und Sonnenschein bewirken, daß der Keim<lb/>sich entfaltet und zu einer herrlichen Blume heran-<lb/>wachset, ist es da der Gärtner, ist es Boden und<lb/>Luft, Regen und Sonnenschein, wodurch dieselbe<lb/>hergestellt ist? Würde alles das die Blume her-<lb/>vorgerufen haben, wenn der Keim nicht schon im<lb/>Boden gelegen hätte? Aehnlich liegen auch Keime<lb/>der christlichen Tugenden schon im zarten Kindes-<lb/>herzen, von Gottes Gnaden; aber mancherlei heil-<lb/>samer Einfluß von Außen, insbesondere von Seite<lb/>der Eltern, der Mutter, ist nothwendig, damit sie<lb/>nach Gebühr wachsen und gedeihen.</p>
								
                        <p>Also wieder eine hohe und schöne Aufgabe für<lb/>die Mutter! Sie soll ihrem Kinde zur Hand<lb/>gehen, daß so viel an ihr, die Tugenden, welche<lb/>der Herr in ihm grundgelegt hat, vom ersten An-<lb/>fang seines Bewußtseins in ihm zur Uebung kom-<lb/>men, oder was dasselbe ist, sie soll ihrem Kinde<lb/>Anleitung geben, daß es, sobald es zum Bewußt-<lb/>sein kommt und also anfängt, als Mensch, in freier<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0098_0001"/>Selbstbestimmung zu handeln, in seinem Handeln<lb/>und Leben sich sofort und fortan als Christ, als<lb/>Kind Gottes erweise, daß es also christlich, d. i. so<lb/>wie es den Lehren unserer h. Religion entspricht,<lb/>denken und urtheilen und sinnen, wünschen und<lb/>fürchten, reden und handeln lerne, daß es vom<lb/>ersten Beginne an sofort an Gott glaube, auf Ihn<lb/>hoffe. Ihn liebe; daß es von Anfang an seine<lb/>Mitmenschen liebe und Güte und Sanftmuth und<lb/>Mitleid und Erbarmen gegen sie erweise; daß es<lb/>von Anfang an bescheiden und demüthig sei und<lb/>die christliche Geduld übe, und sich beherrschen und<lb/>überwinden lerne, und sich an Arbeit und Fleiß<lb/>gewöhne; daß es vom ersten Beginn wahrhaft<lb/>sei und treu und aufrichtig, daß es das Eigen-<lb/>thum Anderer achte und redlich und ehrlich sei,<lb/>und was sonst noch zum christlichen Leben gehört.</p>
								
                        <p>Oder soll die Mutter, so lange das Kind noch<lb/>klein ist, um alles dieses sich nicht kümmern? Soll<lb/>sie ihre Kinder zunächst eine Zeit lang, vielleicht bis<lb/>in recht hohe Jahre hinein so hinleben lassen, wie<lb/>sie eben leben wollen, ohne es sich am Herzen lie-<lb/>gen zu lassen, daß sie <hi rendition="#w">sofort</hi> und immerdar als<lb/>
                           <hi rendition="#w">Christen</hi> leben? Etwas Ungereimteres und zu-<lb/>gleich Verkehrteres als das, kann es nicht geben.<lb/>Also man wollte zunächst eine Zeit lang das Nie-<lb/>dere im Kinde, seine Natur, welche verkehrt und<lb/>voll böser Neigungen ist, heranwachsen und groß<lb/>werden und das Höhere in ihm, die Kindschaft<lb/>Gottes, die christlichen Tugendkeime ohne Pflege<lb/>liegen lassen? Der natürliche, vielfach böse Mensch<lb/>der Heide, sollte heranwachsen und der übernatür-<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0099_0001"/>liche Mensch, das Kind Gottes, der Christ sollte<lb/>unentwickelt und klein und winzig bleiben! Wird<lb/>dann, wenn endlich später auch dieser, der Christ,<lb/>gepflegt und zu einem christlichen Leben angeleitet<lb/>werden soll, derselbe nicht gegen den unterdeß groß<lb/>und stark gewordenen natürlichen, verkehrten Men-<lb/>schen in der traurigsten Weise im Nachtheile sein<lb/>und leicht immer im Nachtheile bleiben? So der<lb/>Ismael, der Sohn der Magd im Hause Abrahams;<lb/>als Isaac, der Sohn der Verheißung, geboren<lb/>wurde, war jener schon herangewachsen; und was<lb/>geschah? <q>„Und Ismael verfolgte den Isaac.“</q>
                           <lb/>(Gal. 4, 29.) – Und ist es nicht Gottes Wille,<lb/>daß der Mensch sein <hi rendition="#w">ganzes</hi> Leben Ihm und<lb/>seinem Dienste weihe? Daß Sein Kind, wozu Er<lb/>den Menschen in der Taufe hat wiedergeboren<lb/>werden lassen, von frühester, zartester Jugend an,<lb/>sobald sein Bewußtsein erwacht, als solches, als<lb/>Christ sich erweise und lebe, christlich denke und<lb/>sinne und rede und handele? Der Herr liebt die<lb/>
                           <hi rendition="#w">Erstlinge</hi>; grad diese zarten Erweisungen christ-<lb/>licher Frömmigkeit im Kinde, wie sind sie so kost-<lb/>bar vor Ihm! O, welch eine Verkennung der<lb/>Sache und der Wahrheit, keine Sorge zu haben,<lb/>daß das Kind vom ersten Beginne an seines höch-<lb/>sten Vorzuges, ein Kind Gottes, ein Christ zu sein,<lb/>sich würdig erweise! Sehen wir auf die Kinder<lb/>der Hohen und Großen dieser Welt: Welche<lb/>Sorge, welches Bemühen, daß die Kinder, sobald<lb/>sie nur Vorstand haben, sich in Allem so benehmen,<lb/>wie es der Weise, welche in diesen Kreisen herrscht,<lb/>den Regeln des Anstandes, der guten Sitte ent-<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0100_0001"/>spreche. Und christliche Mütter sollten nicht Sorge<lb/>haben, daß ihre Kinder, die zugleich Kinder des<lb/>höchsten Fürsten im Himmel sind, von Anfang an<lb/>und schon als kleine Kinder sich so benehmen, wie<lb/>es der Weise, die im Reiche Gottes herrscht, wie<lb/>es den Regeln des christlichen Glaubens ent-<lb/>spricht?!</p>
								
                        <p>Grad die ersten Jahre der Kindheit, die ersten<lb/>Jahre nach der Zeit, wo im Kinde das Selbstbe-<lb/>wußtsein erwacht ist, sind so wichtig und entschei-<lb/>dungsvoll für's ganze Leben. Und <hi rendition="#w">sie</hi> sollte man<lb/>hingehen lassen, ohne das Kind anzuleiten, daß es<lb/>schon in <hi rendition="#w">ihnen</hi> sich als Christ verhalte? Wie sehr<lb/>steht zu fürchten, wie oft ist es der Fall, daß eben,<lb/>weil man nicht schon als Kind auch als Christ<lb/>lebte, ein frisches, das ganze Menschenwesen durch-<lb/>dringendes und beherrschendes christliches Leben <hi rendition="#w">nie</hi>
                           <lb/>zu Stande kommt.</p>
								
                        <p>Es bedarf wohl kaum der Erinnerung, daß wir,<lb/>während wir der Anregung des christlichen Lebens<lb/>schon im zartesten Kindesalter das Wort reden,<lb/>unmöglich im Sinne haben können, daß dieses<lb/>christliche Leben beim Kinde schon ähnlich auftrete,<lb/>wie bei den Erwachsenen. <hi rendition="#w">Das</hi> hieße ja, Unmög-<lb/>liches fordern. Aber eben darum, weil Kinder<lb/>noch nicht nach Art der Größeren Gott dienen und<lb/>ein christliches Leben führen <hi rendition="#w">können</hi>, soll beson-<lb/>ders die Mutter die <hi rendition="#w">Vermittlerin</hi> für das Kind<lb/>sein und ihm den Weg zeigen, wie es schon als<lb/>Kind Christ sein und die Tugenden des christlichen<lb/>Lebens üben möge. Es hat das oben erwähnte<lb/>Beispiel von der Muttermilch Platz. Wie der<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0101_0001"/>Herr Sorge getragen hat, daß die von der Natur<lb/>gebotenen und ohne Weiteres für das Kind noch<lb/>nicht genießbaren Speisen zuvor bei der Mutter<lb/>sich zur Milch, d. i. zu einer dem kindlichen Körper<lb/>entsprechenden Nahrung, gestalten; so soll die Mut-<lb/>ter auch die Obliegenheiten und Weisen des christ-<lb/>lichen Lebens in einer für das zarte Alter des Kin-<lb/>des angemessenen Art dem Herzen des Kindes nahe<lb/>legen und es dazu anleiten.</p>
								
                        <p>Eine Aufgabe für die Mutter, welche freilich<lb/>Aufmerksamkeit und aufrichtiges Bemühen in An-<lb/>spruch nimmt, aber keineswegs irgendwie zu schwer<lb/>erscheinen kann. Freilich eine Mutter, welche selbst<lb/>noch nicht einmal ernstlich angefangen hat, ein<lb/>christliches Leben zu führen, wird diese Aufgabe<lb/>
                           <hi rendition="#w">nie</hi> zu lösen im Stande sein. Darum haben wir<lb/>ja auch wahre christliche Frömmigkeit als eine der<lb/>nothwendigsten Erfordernisse zu einer guten Er-<lb/>ziehung aufgestellt. Aber für eine wahrhaft christ-<lb/>liche Mutter ist diese Aufgabe nicht zu schwer.<lb/>Führen wir, um das einzusehen, nur einige Weisen<lb/>ihrer Lösung uns vor:</p>
								
                        <p>
                           <hi rendition="#w">Der Glaube</hi>. – Die Mutter unterweiset ihr<lb/>Kind, wie wir schon dargelegt haben, schon früh<lb/>in kindlicher Weise in den Lehren der h. Religion.<lb/>Schon <hi rendition="#w">das</hi> wecket und fördert die Entwickelung<lb/>des Glaubens. Aber nun gewöhnt sie das Kind,<lb/>daß es nach dem, was es auf solche Art von Gott<lb/>und Religion weiß, in seinem Urtheile über den<lb/>Werth und Unwerth der Dinge, in seinem Reden<lb/>und Thun sich richte. Das Kind erfährt zeitliche<lb/>Leiden und Uebel; die Mutter: <q>„Noch schlimmer<lb/>
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                                  xml:id="C889_001_1874_pb0102_0001"/>ist die Sünde. Das Kind erfährt irdische An-<lb/>nehmlichkeiten und Freuden; die Mutter: <q>„Die<lb/>Freude eines guten Gewissens, die Freude des Be-<lb/>wußtseins, Gutes gethan zu haben, ist noch größer.“</q>
                              <lb/>Oder, sie erinnert zur Zeit das Kind, daß Gott<lb/>bei ihm ist, es sieht, daß Gott gütig, daß Er hei-<lb/>lig, gerecht u.s.w. ist; sie erinnert an die großen<lb/>Werke der göttlichen Liebe u.s.w. Lauter Uebungen<lb/>des Glaubens. – Sie leitet das Kind an zum<lb/>Bitten um Glauben.</q>
                        </p>
								
                        <p>
                           <hi rendition="#w">Die Hoffnung</hi>. – Die Mutter erzählt dem<lb/>Kinde gern, wie viel Gutes, Großes und Schönes<lb/>der Herr Jesus den Seinen bereitet und in der<lb/>Kirche zurückgelassen habe; wenn es größer wird,<lb/>dann wird es an all demselben Theil haben und<lb/>dadurch immer besser, frömmer, schöner an seiner<lb/>Seele werden; dann wird die Mutter es mitnehmen<lb/>in die h. Messe, wo es so viel Gutes erlangen<lb/>kann; zur Zeit wird es in der Schule so viel<lb/>Schönes vom Heilande und Seiner Kirche lernen;<lb/>es wird einmal selbst den lieben Heiland empfangen<lb/>dürfen. – Wenn es recht fromm ist, dann wird<lb/>der liebe Gott und der göttliche Heiland es gar<lb/>sehr lieben; welch ein Glück! – und sie werden<lb/>ihm Gutes thun. Dann wird die liebe Mutter<lb/>des Herrn, die Himmelskönigin, es lieb haben, und<lb/>alle lieben Engel und Heiligen mit ihr, und sie<lb/>werden ihm, wenn es sie anruft, alles Gute und<lb/>Schöne erflehen; und welch ein Heil, endlich, wenn<lb/>es stirbt! Dann wird der liebe Heiland seine<lb/>Seele abholen, daß sie bei Ihm im Himmel ewig<lb/>alle erdenkliche Freude und Seligkeit genieße. –<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0103_0001"/>Dann: Wenn du nun recht fromm betest, recht ge-<lb/>horsam bist u.s.w., so hat der liebe Gott dich<lb/>lieb, dann dürfen wir hoffen, daß du einst in den<lb/>Himmel kommst. – Oder, wenn das Kind fehlt<lb/>(lügt, nascht, ungehorsam ist u.s.w.): <q>„O, Kind,<lb/>thu das doch nicht! Was muß der liebe Gott,<lb/>der liebe Heiland sonst von dir denken. Wirst<lb/>du dann in den Himmel kommen können? Kin-<lb/>der, die lügen, die ungehorsam sind... – wo-<lb/>hin werden die einst kommen? in den Himmel<lb/>nicht!“</q>
                        </p>
								
                        <p>
                           <hi rendition="#w">Die Liebe</hi>. – Wie manches ist im täglichen<lb/>Leben, was dem Kinde Freude und Lust macht;<lb/>gern weiset die Mutter immer von Neuem darauf<lb/>hin, daß <hi rendition="#w">alles Gute</hi> von Gott kommt, daß das<lb/>Kind Ihm danken müsse. – Die und die haben<lb/>Andern Gutes gethan; die Mutter: <q>„O Kind,<lb/>wie viel mehr Gutes thut uns und auch dir der<lb/>liebe Gott!“</q> – Dann spricht sie zum Kinde von<lb/>der Güte Gottes, von seiner Barmherzigkeit, daß<lb/>Er unser Vater ist; und von Jesus, wie Er<lb/>auch aus Liebe zu ihm (dem Kinde), Mensch ge-<lb/>worden und so viel gelitten und Sein Leben hin-<lb/>gegeben habe, und nun noch immer aus Liebe im<lb/>h. Sakramente wohnt und wirkt. <q>„O, nie kannst<lb/>du Ihn genug wiederlieben!“</q> – Dies und jenes<lb/>macht dem Kinde Freude, es hält dasselbe so hoch,<lb/>es wünscht es so sehr, weil es so schön ist; die<lb/>Mutter: <q>„O, Kind, wie viel schöner ist der liebe<lb/>Gott und der göttliche Heiland! Er verdient mehr<lb/>als Alle und Alles geliebt zu werden, welche<lb/>Freude, welch Glück für dich, Ihn einst zu sehen,<lb/>
                              <pb facs="images/C889_001_1874_0316"
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                                  xml:id="C889_001_1874_pb0104_0001"/>Ihn zu besitzen!“</q> – Erzählungen von Heiligen,<lb/>besonders von jugendlichen Heiligen, welche Gott<lb/>sehr geliebt haben. – Das Kind muß oft Gott bitten,<lb/>daß Er ihm Gnade gebe, Ihn immer mehr zu lieben.</p>
								
                        <p>
                           <hi rendition="#w">Die Nächstenliebe</hi>. – Die ist es ganz be-<lb/>sonders, wozu die Mutter ihr Kindlein anleitet.<lb/>Vor Allem muß es – das verlangt die Mutter<lb/>– gegen Alle im Hause eine solche Liebe haben;<lb/>es wird ernstlich und beharrlich angehalten in Be-<lb/>ziehung auf die Geschwister, Dienstboten und son-<lb/>stige Hausgenossen Alles zu meiden, was die Liebe<lb/>verletzt; Unfreundlichkeit, Zorn, Zank, Streit,<lb/>Kränkungen, Eigensinn u.s.w.; es muß Allen<lb/>mit Liebe begegnen, mit Freundlichkeit, Zuvor-<lb/>kommenheit, Gefälligkeit, es muß gegen alle herz-<lb/>liche Theilnahme beweisen, Mitleid, gern helfen<lb/>und von dem, was es hat und bekommt, gern<lb/>mittheilen. Aber ähnlich auch außer dem Hause;<lb/>die Mutter erinnert immer wieder daran, hält<lb/>streng darauf. Unzeitige Tadelreden über Andere<lb/>werden, wie das Kind sie im Hause nicht hört,<lb/>auch bei ihm nicht geduldet. Es darf sich nicht<lb/>mit andern zanken und streiten; es muß vertrag-<lb/>sam sein; es wird gewöhnt zu Mitleid und Er-<lb/>barmen über Nothleidende und Arme; die Mutter<lb/>gibt ihm Gelegenheit, ihnen zu helfen und zu ge-<lb/>ben; sie leitet es an, selbst durch Ersparniß und<lb/>sonst darauf bedacht zu sein, daß es in den Stand<lb/>gesetzt werde, zu helfen und zu geben. Das Bei-<lb/>spiel der Mutter selbst verleihet allem Diesem Le-<lb/>ben und Wirksamkeit.</p>
								
                        <p>Welch ein Segen für das Kind, wenn also die<lb/>
                           <pb facs="images/C889_001_1874_0317"
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0105_0001"/>christliche Nächstenliebe mit ihm großwächset; wenn<lb/>Selbstsucht und Eigennutz schon früh in ihm ge-<lb/>brochen wird! Warum ist in der Welt vielfach<lb/>Alles in Egoismus aufgegangen, ohne Liebe und<lb/>herzliche Theilnahme? Man hat die Liebe nicht<lb/>als Kind kennen und üben gelernt.</p>
								
                        <p>Das wären etliche Proben der Anleitung, wie<lb/>man sie von einer christlichen Mutter erwarten<lb/>muß. Und ähnlich in den andern Punkten. Es<lb/>wird streng darauf gehalten, daß das Kind stets<lb/>pünktlich gehorsam sei; daß es in Allem die Wahr-<lb/>heit sage; daß es sein Wort halte; daß es recht<lb/>bescheiden, zurückhaltend sich erweise; – es wird<lb/>angeleitet, seine kleinen Unannehmlichkeiten und<lb/>Leiden geduldig zu tragen; es wird an Reinlich-<lb/>keit, Ordnung, Arbeit gewöhnt: <q>„Der liebe Gott,“</q>
                           <lb/>sagt die Mutter, <q>„will zwar, daß die Kinder auch<lb/>spielen, aber doch nicht, daß sie immer spielen, sie<lb/>sollen auch arbeiten, fleißig sein, und sich an Ar-<lb/>beit gewöhnen<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
											
                                 <p>Es kann nicht genug bedauert werden, daß so manche<lb/>Eltern, insbesondere aus den höhern Klassen, dieses<lb/>so fast gänzlich aus dem Auge lassen. Sie lassen es<lb/>geschehen, daß ihre Kinder in den frühern Jahren<lb/>alle ihre Zeit so fast ausschließlich dem Spiele und<lb/>dem Vergnügen widmen; kaum eine Spur von An-<lb/>leitung und Gewöhnung zur Arbeit. Und die Folge?<lb/>Später, in der Schule, im Leben scheuen sie die Ar-<lb/>beit, weil sie nicht daran gewöhnt sind, und es treten<lb/>die üblen Folgen der Scheu vor Arbeit und ernster<lb/>Anstrengung, der Nachlässigkeit und Trägheit in der<lb/>Schule, in den Studien, im Haushalt, im Dienste<lb/>u.s.w., in der traurigsten Weise zu Tage. Es ver-<lb/>steht sich wohl von selbst, daß die Art und das Maß<lb/>der Arbeiten dem kindlichen Alter entsprechen und<lb/>den Kindern recht viel Zeit zum Spielen gelassen<lb/>werden muß; aber dennoch müssen sie es früh lernen,<lb/>etliche Zeit entsprechender kindlichen Arbeit zu widmen<lb/>und sich an Arbeit, als Pflicht, gewöhnen.</p>
                              </note>; also nun hübsch rüstig an's<lb/>Werk!“</q>
                        </p>
								
                        <pb facs="images/C889_001_1874_0318"
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                            xml:id="C889_001_1874_pb0106_0001"/>
								
                        <p>Zur Zeit treten Lehrer und Lehrerin der Mut-<lb/>ter in der Erziehung ihres Kindes helfend zur<lb/>Seite. Was ist natürlicher und billiger, als daß<lb/>die Mutter sie als wie Hausfreunde halte und<lb/>ihrem Kinde Hochachtung gegen sie einflöße, ohne<lb/>welche sie ja keinen heilsamen Einfluß ausüben<lb/>können; daß sie zu ihren Kindern nie mit Gering-<lb/>achtung von ihnen spreche; daß sie dem Kinde ein<lb/>Interesse für das, was es in der Schule thut<lb/>und lernt, beweise, es darüber befrage, darüber<lb/>spreche.</p>
								
                        <p>Die christliche Mutter leitet ihr Kindlein an<lb/>zum Gebete, sobald und so viel es dessen fähig ist.<lb/>Aehnlich, wie die oben erwähnte Jungfrau lehret<lb/>sie ihr Kindchen seine Händchen falten und spricht<lb/>ihm kindliche Gebetsworte, vor. Wie schön, wenn<lb/>mit dem Mutter- und Vaternamen die Namen<lb/>Gottes, Jesu, Mariä die ersten wären, welche der<lb/>kindliche Mund lallen lernte! Jedenfalls lernen<lb/>die Kinder, so bald es möglich ist, von der Mutter<lb/>das heilige Kreuzzeichen machen, das h. Vater unser<lb/>und Ave und andere kindliche Gebetchen beten und,<lb/>wo möglich, ein kurzes kindliches Morgen- und<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0107_0001"/>Abendgebet. Und das müssen sie dann jeden Mor-<lb/>gen und Abend beten.<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
                              <p>Manche Mütter lassen ihre Kinder in ihrer Gegenwart<lb/>Morgen- und Abendgebetchen machen. Gewiß eine<lb/>gar schöne Sitte. Gern gedenke ich ihrer aus meiner<lb/>Jugend und wie heilsam es das kindliche Herz beein-<lb/>flußte, wenn allabendlich die gute Mutter uns Kinder<lb/>zu Bette führte und dort uns mit ihr unser Abend-<lb/>gebetchen machen ließ.</p>
                           </note>
                        </p>
								
                        <p>Die Mutter nimmt ihr Kleines gerne zuweilen<lb/>mit zur Kirche, damit es Kirche und Gottesdienst<lb/>kennen und lieben lerne und damit es Sinn für<lb/>Kirche und Gottesdienst daraus schöpfe. – Das<lb/>Kleine lernt, so viel möglich, die Feste und ihre<lb/>Bedeutung kennen und wird angeregt und ange-<lb/>leitet, sie, so gut es kann, zu feiern. – Es kommt<lb/>die Zeit, wo das Kleine die Kirche besuchen muß.<lb/>Die Mutter hält es dazu an, daß es recht regel-<lb/>mäßig hingehe, früh genug komme; sie erinnert und<lb/>ermahnt es recht oft, hübsch artig zu sein in der<lb/>Kirche und recht fromm und andächtig zu beten.<lb/>– Es ist zur h. Beicht angenommen; es bereitet<lb/>sich vor. Die Mutter nimmt den regsten Antheil;<lb/>sie unterrichtet das Kind, wie es seine Beichte recht<lb/>mache, sie ermahnt es, sie hilft ihm. – Und wo<lb/>sonst wichtigere Vorfälle im religiösen Leben des<lb/>Kindes vorkommen, welche sein Herz in höherem<lb/>Grade in Anspruch nehmen, da geht die Mutter<lb/>gern mit ähnlichem Interesse in diese Gelegenheit<lb/>desselben ein und knüpft nützliche Anleitung und<lb/>Unterweisung an.</p>
								
                        <p>So und ähnlich hält es die christliche Mutter<lb/>
                           <pb facs="images/C889_001_1874_0320"
                               n="108"
                               xml:id="C889_001_1874_pb0108_0001"/>in Betreff der Anleitung ihrer Kinder zu einem<lb/>christlichen Leben, auf daß dieselben schon früh als<lb/>Christen leben, und nach allen Seiten sich als<lb/>Christen erweisen. Und nicht hoch genug kann die<lb/>heilsame Wirkung davon angeschlagen werden.<lb/>Kaum etwas gibt eine solche Bürgschaft, daß das<lb/>Kind auch in seinem spätern Leben ein echt christ-<lb/>liches Leben führen, daß es zum Heile gelangen<lb/>werde, als, wenn es also von einer frommen<lb/>Mutter schon gleich vom ersten Beginne an dahin<lb/>angeregt und angeleitet wird, als Christ zu leben<lb/>und in Glaube, Hoffnung, Liebe und in allen<lb/>christlichen Tugenden zu bestehen.</p>
								
                        <p>Wohlan denn, christliche Mutter, vermittle deinen<lb/>Kindern diese unschätzbare Wohlthat! Es wird<lb/>deine eigene Freude und dein Trost sein.</p>
							
                     </div>
							
                     <div xml:id="d62092e27532">
								
                        <head rendition="#c">Gottes Wort an die christliche Mutter.</head>
								
                        <p>Gewiß ist es geeignet, den Nachdruck unserer<lb/>Mahnungen zu erhöhen, wenn wir in Folgendem<lb/>eine Sammlung der Hauptstellen der h. Schrift,<lb/>worin der h. Geist sich an die Eltern<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
                              <p>Wenn die gedachten Stellen vorwiegend an die Väter<lb/>gerichtet sind und fast überall nur von den Söhnen<lb/>die Rede ist, so bedarf es wohl kaum der Erwähnung,<lb/>daß dieselben auch für die Mütter und Töchter ihre<lb/>volle Geltung haben; ist ja eben kein wesentlicher<lb/>Unterschied zwischen den Pflichten des Vaters und der<lb/>Mutter oder des Sohnes und der Tochter.</p>
                           </note> ausspricht,<lb/>folgen lassen.</p>
								
                        <pb facs="images/C889_001_1874_0321"
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                            xml:id="C889_001_1874_pb0109_0001"/>
								
                        <p>1) Beginnen wir mit den Worten des Herrn,<lb/>welche Er an Heli richtete, weil er – nicht die<lb/>gute Erziehung überhaupt vernachlässigt, – sondern<lb/>von unzeitiger Liebe abgehalten, seine Söhne nicht<lb/>nach Pflicht bestraft hatte; tritt ja hierin der ganze<lb/>Ernst und die strenge Verantwortlichkeit der Eltern-<lb/>pflichten zu Tage. So heiße es 1. Kön. 3, 11:<lb/>Und der Herr sprach zum Samuel: <q>„Ich werde!<lb/>Alles an dem Heli erfüllen, was ich ihm und seinem<lb/>Hause gedrohet habe – wegen der Vergehungen<lb/>seiner Söhne; denn, obwohl er wußte, daß seine<lb/>Söhne sich unwürdig betrugen, so hat er sie den-<lb/>noch nicht bestraft.“</q> Wie furchtbar ging die<lb/>Drohung in Erfüllung! Die beiden Söhne kamen<lb/>im Kriege um, die Arche kam in Feindeshand,<lb/>Heli fiel im Schrecken dieser Nachricht rücklings<lb/>vom Stuhle und starb.</p>
								
                        <p>2) Daran schließe sich das schöne Wort des<lb/>ehrwürdigen alten Tobias, dieses hochvortrefflichen<lb/>Vaters, das er auf seinem Sterbebette zu seinem<lb/>so vortrefflich erzogenen Sohne gleichen Namens<lb/>und zu seinen Enkeln sprach: <q>„Dienet dem Herrn<lb/>mit aufrichtigem Herzen und bemühet euch, zu thun,<lb/>was Ihm wohlgefällig ist. Weiset euere Kinder<lb/>an, daß sie stets thun, was <hi rendition="#w">recht</hi> ist, daß sie Al-<lb/>mosen geben, Gott vor Augen halten und Ihn<lb/>preisen zu aller Zeit.“</q> Tob. 14, 11.</p>
								
                        <p>3) Einen außerordentlich rührenden Zug aus<lb/>dem Familienleben des treuen Dieners Gottes Job<lb/>theilt uns das erste Kapitel des h. Buches gleichen<lb/>Namens mit, welches uns einen Blick eröffnet in<lb/>die wahrhaft väterliche Sorgfalt, womit dieser<lb/>
                           <pb facs="images/C889_001_1874_0322"
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0110_0001"/>fromme Vater sich das Seelenheil seiner Kinder<lb/>angelegen sein ließ. <q>„Wenn,“</q> heißt es (Job 1,5),<lb/>
                           <q>„die Tage des Gastmahls“</q> (welches seine sieben<lb/>Söhne und drei Töchter der Reihe nach sich gegen-<lb/>seitig bereiteten) <q>„um waren, so sandte Job zu<lb/>ihnen“</q> (beschied sie zu sich) <q>„und heiligte sie</q> (suchte<lb/>sie durch Ermahnung und religiöse Ceremonien zur<lb/>Reue und Buße wegen ihrer Sünden und zu er-<lb/>neuetem Eifer im Dienste des Herrn zu vermögen)<lb/>
                           <q>„und machte sich des Morgens früh auf und brachte<lb/>Brandopfer“</q> (Sühnopfer) <q>„für einen Jeden; denn,<lb/>sprach er, es möchten meine Söhne gesündigt und<lb/>in ihrem Herzen Gott gesegnet“</q> (d.h. durch Ver-<lb/>sündigung in ihrem Herzen Gott entsagt. Gott ge-<lb/>wissermaßen den Abschied gegeben) <q>„haben.“</q> Welch<lb/>ein schöner Wink für die christliche Mutter, daß<lb/>auch sie für die Sünden ihrer Kinder Gebet und<lb/>Opfer vor Gott bringe!</p>
								
                        <p>4) Auch die h. Schrift ist überzeugt, daß ein<lb/>Haupterforderniß zu einer guten Erziehung darin<lb/>besteht, daß die Eltern (die Mutter) selbst wahr-<lb/>haft gut, <q>„gerecht“</q> seien. <q>„Der Gerechte, welcher<lb/>in heiliger Einfalt wandelt, wird glückliche Kinder<lb/>hinterlassen.“</q> Sprichwörter 20, 7. – <q>„Der<lb/>Mann“</q> (der Vater, wie die Mutter) <q>„wird aus<lb/>seinen Kindern erkannt.“</q> Jesu Sirach 11, 30.</p>
								
                        <p>5) Wiederholt ermahnt die h. Schrift auf's<lb/>Angelegentlichste die Eltern, sich der guten Erziehung<lb/>ihrer Kinder mit Sorgfalt anzunehmen. <q>„Unter-<lb/>weise deinen Sohn,“</q> heißt es Sprichwörter 29, 17,<lb/>
                           <q>„so wird er dir Freude bereiten und deiner Seele<lb/>Wonne gewähren.“</q> – <q>„Unterrichte deinen Sohn,“</q>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0111_0001"/>heißt es eben daselbst 30, 13, nämlich in allem<lb/>Guten, <q>„und gib dir Mühe mit ihm, auf daß du<lb/>nicht den Kummer habest, seine Schande zu sehen“</q>
                           <lb/>(d. i. sonst wird er entarten zu deinem Kummer).<lb/>Und 41, 8-9: <q>„Die Kinder der Sünder werden<lb/>Kinder des Gräuels und ihre Erbschaft vergeht.“</q>
                           <lb/>– <q>„Freue dich nicht über gottlose Kinder“</q> (so<lb/>viele Vorzüge sie auch sonst haben) <q>„habe deine<lb/>Lust nicht an ihnen, wenn keine Gottesfurcht in<lb/>ihnen ist: <hi rendition="#w">ein</hi> Kind der Gottesfurcht ist besser, als<lb/>tausend andere. Besser ist kinderlos sterben, als<lb/>gottlose Kinder hinterlassen.“</q> Jesu Sirach 16,<lb/>1, 3, 4. – Und 22, 3: <q>„Ein ungezogener Sohn<lb/>gereicht dem Vater“</q> (und der Mutter) <q>„zur<lb/>Schande; eine verständige Tochter ist ein Erbtheil<lb/>für ihren Mann.“</q>
                        </p>
								
                        <p>6) Mit großem Nachdrucke warnt die h. Schrift<lb/>vor jener aus unzeitiger Liebe oder Gleichgültigkeit<lb/>erwachsenden schädlichen Nachgiebigkeit, welche den<lb/>Kindern in Allem ihren Willen lässet: <q>„Verzär-<lb/>tele deinen Sohn, so wirst du dich vor ihm zu<lb/>fürchten haben; spiele mit ihm“</q> (d.h. lasse es an<lb/>dem rechten Ernste der Erziehung fehlen) <q>„so wird<lb/>er dich betrüben.“</q> Jesu Sirach 30, 9.</p>
								
                        <p>7) <hi rendition="#w">Früh</hi> soll man damit beginnen, die Fehler<lb/>und Unebenheiten der Kinder zu zügeln und zu<lb/>beseitigen; so Jesu Sirach 30, 8, 11, 12: <q>„Ein<lb/>nicht gezähmtes Pferd wird unlenksam; so wird<lb/>auch ein Sohn, dem man seinen Willen lässet,<lb/>widerspänstig.“</q> – <q>„Lasse ihm nicht seinen Willen<lb/>in <hi rendition="#w">seiner Jugend</hi> und sei nicht gleichgültig ge-<lb/>gen seine“</q> (verkehrten) <q>„Gesinnungen.“</q> – <q>„<hi rendition="#w">In</hi>
                              <lb/>
                              <hi rendition="#w">
                                 <pb facs="images/C889_001_1874_0324"
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                                     xml:id="C889_001_1874_pb0112_0001"/>der Jugend</hi> beuge seinen Nacken und schmeidige<lb/>seine Lenden, so lang er ein Kind ist; wo nicht,<lb/>so wird er hartnäckig und nicht auf dich achten;<lb/>und du wirst Seelenkummer von ihm haben.“</q> -<lb/>Und 7, 25: <q>„Hast du Söhne, so unterweise und<lb/>beuge sie von <hi rendition="#w">Jugend</hi> an; hast du Töchter,<lb/>so hab' Sorge, daß sie ihren Leib rein bewahren<lb/>und zeige kein“</q> (ausgelassen) <q>„lachendes Gesicht<lb/>vor ihnen.“</q>
                        </p>
								
                        <p>8) Auch der wohlgeordneten <hi rendition="#w">strengen Zucht</hi>
                           <lb/>redet die h. Schrift das Wort: So Jesu Sirach<lb/>39, 1: <q>„Wer seinen Sohn liebt, hält ihn be-<lb/>ständig in Zucht (unter der Ruthe), daß er schließ-<lb/>lich Freude an ihm erlebe.“</q> Und Sprichwörter<lb/>13, 24: <q>„Wer die Ruthe spart, <hi rendition="#w">hasset</hi> seinen<lb/>Sohn; wer ihn aber lieb hat, hält ihn beständig<lb/>in Zucht;“</q> – 19, 18: <q>„Züchtige deinen Sohn,<lb/>damit du nicht die Hoffnung“</q> (auf ihn) <q>„ver-<lb/>lierest;“</q> – 29, 15: <q>„Ruthe und Strafe machen<lb/>weise; der Knabe aber, dem sein Wille gelassen<lb/>wird, macht seiner Mutter Schande.“</q>
                        </p>
								
                        <p>9) Daran schließt sich dann die Ermahnung,<lb/>nicht in Zorn und Aufgeregtheit zu strafen: <q>„Und<lb/>ihr Väter, reizet euere Kinder nicht zu Zorn“</q>
                           <lb/>(durch Zorn und Aufregung), <q>„erziehet sie in der<lb/>Lehre und Zucht des Herrn.“</q> Eph. 6, 4. – <q>„Ihr<lb/>Väter reizet euere Kinder nicht“</q> (ohne Noth)<lb/>
                           <q>„zu Unwillen, daß sie nicht kleinmüthig werden.“</q>
                           <lb/>Colos. 3, 21.</p>
							
                     </div>
							
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                        <head rendition="#c">Die Mutter eines Priesters.</head>
								
                        <p>Wie hoch pflegt eine Mutter beglückt zu sein<lb/>in der Erhebung und in dem Glücke ihres Sohnes!<lb/>Der Sohn hat ein Amt bekommen, oder er ist<lb/>durch eine Heirath in eine wohlhabende, angesehene<lb/>Familie eingetreten, oder es ist ihm sonst eine<lb/>Auszeichnung zu Theile geworden: Welche Freude<lb/>für die Mutter, wie beglückend! Vollends, wenn<lb/>sie das Bewußtsein hegen darf, daß ihr Sohn sein<lb/>Glück auch ihr zu verdanken habe, daß die Art,<lb/>wie sie ihn erzogen hat, der Weg gewesen zu seiner<lb/>jetzigen Erhebung.</p>
								
                        <p>Wie hoch daher die Beglückung einer christlichen<lb/>Mutter, welche einen Sohn hat. der Priester ge-<lb/>worden ist! Denn betrachten wir die priesterliche<lb/>Würde mit dem Auge des Glaubens, so gibt es<lb/>eine höhere Würde auf Erden nicht. Leider ur-<lb/>theilen wir meist nur zu sehr blos nach dem<lb/>Scheine; vielleicht tritt uns in manchen Priestern,<lb/>welche wir kennen, das Bewußtsein und die Ab-<lb/>prägung der priesterlichen Würde wenig in's Auge,<lb/>sie wollen uns als ganz gewöhnliche Menschen er-<lb/>scheinen, sind's auch vielleicht, weil sie, von der<lb/>Hoheit ihres Berufes nicht durchdrungen, kein wahr-<lb/>haft priesterliches Leben führen. So geschieht's<lb/>denn, daß man von der priesterlichen Würde, die<lb/>doch hoch ist, wie der Himmel, nur eine geringe<lb/>Vorstellung hat, ja sie geringschätzt.</p>
								
                        <p>Und dennoch – sie ist hoch wie der Himmel.<lb/>Ist ein kostbarer Edelstein darum weniger kostbar,<lb/>weil der, welcher ihn besitzt, ihn nicht zu schätzen<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0114_0001"/>weiß und ihn mind hält? Betrachten wir die<lb/>priesterliche Würde im Lichte des Glaubens, wie<lb/>erhaben erscheint sie dann. Ist denn nicht der<lb/>Priester der ganz besonders vertraute Diener Jesu<lb/>Christi, des höchsten Herrn und Königs, vor dem<lb/>sich alle Kniee beugen, betrauet mit dem erhabenen<lb/>Auftrage, das von Ihm auf Erden begründete und<lb/>der h. Kirche anheimgegebene Heil an die Menschen<lb/>zu bringen, und daher ausgestattet mit wahrhaft<lb/>göttlichen Vollmachten, also daß sein Wort Macht<lb/>hat, Brod und Wein in Christi Fleisch und Blut<lb/>zu wandeln, Macht den Fluch der Sünde zu lösen<lb/>und arme Sünder in Kinder Gottes umzugestalten?<lb/>
                           <q>„O große Würde,“</q> ruft ein Heiliger aus, <q>„o wun-<lb/>derbare Vollmacht, o erhabenes, bange Ehrfurcht<lb/>einflößendes Amt!“</q> – <q>„Der Herr“</q>, ruft der heil.<lb/>Bernhard den Priestern zu, <q>„der Herr hat euch<lb/>höher gestellt, als Könige und Kaiser, höher, als<lb/>Engel und Erzengel, höher, als die himmlischen<lb/>Herrschaften.“</q> Einst im Himmel, wo man den<lb/>Herrn Jesum Christum in Seiner ganzen Herr-<lb/>lichkeit schauet, da wird man es erst voll zu<lb/>schätzen wissen, was es heißt, Priester zu sein,<lb/>d. i. Diener und Stellvertreter dieses erhabenen<lb/>Herrn.</p>
								
                        <p>Wie hoch wird daher dort die Ehre und Herr-<lb/>lichkeit auserwählter Priester sein, wenn dann zu-<lb/>gleich das Ehrenzeichen des Priesterthums, das<lb/>unauslöschliche Zeichen, im Vollglanze an ihnen<lb/>erstrahlet!</p>
								
                        <p>Dazu kommt der große Segen, welcher von<lb/>einem wahrhaft guten Priester ausgeht. Lasset<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0115_0001"/>einen solchen Priester eine Reihe von Jahren als<lb/>Seelsorger in einer Gemeinde wirken, und das<lb/>Gute, was er auf der Kanzel, im Beichtstuhle, am<lb/>Krankenbette, in den Schulen, in den Familien,<lb/>durch Wort und That, durch sein Beispiel, durch,<lb/>sein Gebet, durch all sein seelsorgerliches Thun -<lb/>vielfach ungesehen – wirkt, läßt sich gar nicht be-<lb/>schreiben, es entzieht sich jeglicher Berechnung. Ein<lb/>wahrhaft würdiger Priester und Seelsorger ist -<lb/>im schönsten Sinne des Wortes – ein Wohlthäter<lb/>der Menschheit. Wie groß wird also einst sein<lb/>Lohn sein! <q>„Sie werden glänzen“</q>, sagt die heil.<lb/>Schrift, <q>„wie die Sterne am Firmament in alle<lb/>Ewigkeit.“</q>
                        </p>
								
                        <p>Kann es also für eine Mutter, wenn sie anders<lb/>die Dinge im Lichte des Glaubens betrachtet, ein<lb/>größeres Glück geben, als einen Sohn zu haben,<lb/>dem diese hohe und segensreiche priesterliche Würde<lb/>übertragen ist, <hi rendition="#w">als die Mutter eines Prie-</hi>
                           <lb/>
                           <hi rendition="#w">sters zu sein</hi>? Wir nehmen nicht Anstand, die<lb/>Worte, welche einst das Weib von Maria zum<lb/>Herrn sprach: <q>„Selig der Leib, der dich ge-<lb/>tragen hat, selig die Brust, so du gesogen!“</q>
                           <lb/>auch auf sie zu wenden: Selig die Mutter eines<lb/>Priesters!</p>
								
                        <p>Und wenn der Segen, welcher von einem guten<lb/>Priester ausgeht, so groß ist, wird dann nicht<lb/>auch die Mutter, welche der Kirche diesen frommen<lb/>Priester herangebildet und gegeben hat, an dem-<lb/>selben und also auch an dem Lohne desselben Theil<lb/>haben?</p>
								
                        <p>Wie beglückend wird es einst in der Ewigkeit<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0116_0001"/>schon für eine Mutter sein, wenn sie ihren Sohn<lb/>in dem Glanze seiner priesterlichen Würde, ange-<lb/>than mit dem Ehrenzeichen des Priesterthums, in<lb/>seiner wunderbaren Erhebung erblickt! Aber sie<lb/>wird auch Theil haben an dem Lohne für all das<lb/>Gute, was ihr priesterlicher Sohn in den Tagen<lb/>seiner irdischen Wirksamkeit vollbracht hat, da<lb/>auch sie dazu beigetragen hat, indem sie durch<lb/>ihre fromme Erziehung den <hi rendition="#w">ersten</hi> Grund<lb/>zu seiner priesterlichen Frömmigkeit und so zu<lb/>seiner gesegneten Wirksamkeit gelegt hat. <q>„Wer<lb/>einen Propheten aufnimmt im Namen des Pro-<lb/>pheten“</q>, sagt der Heiland, d.h. wer sich seiner<lb/>annimmt eben darum, weil er ein Prophet ist, wer<lb/>ihm also behülflich ist, daß er sein Amt verwalten,<lb/>also die Menschen ermahnen und belehren und zum<lb/>Heile führen könne, <q>„der wird den Lohn eines<lb/>Propheten empfangen“</q>, d. i. er wird einen ähn-<lb/>lichen Lohn empfangen, als der Prophet selbst für<lb/>seine Bemühungen zum Heile der Menschen<lb/>empfängt, weil er dem Propheten dazu behülflich<lb/>gewesen, dazu beigetragen hat.</p>
								
                        <p>Wird sich daher im Herzen einer wahrhaft christ-<lb/>lichen Mutter nicht der Wunsch regen, einen solchen<lb/>geistlichen Sohn zu haben, eines Priesters Mutter<lb/>zu sein! Je mehr Jemand in der wahrhaft christ-<lb/>lichen Frömmigkeit fortgeschritten und von ihrem<lb/>Geiste beseelt ist, in desto helleres Licht tritt ihm<lb/>das über die Hoheit der priesterlichen Würde Ge-<lb/>sagte, desto größere Hochschätzung derselben, desto<lb/>mehr Ehrfurcht gegen sie. So auch bei einer recht<lb/>christlichen Mutter je gediegener daher, je größer<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0117_0001"/>ihre Frömmigkeit, desto näher liegt ihr der gedachte<lb/>Wunsch, desto inniger wird er sich in ihrem Her-<lb/>zen regen. Ja es könnte nach Umständen als ein<lb/>bedenkliches Zeichen für die christliche Verfassung<lb/>eines Mutterherzens gelten, wenn dasselbe die Re-<lb/>gungen eines solchen Wunsches nie in sich ver-<lb/>spürte, wenn derselbe ihr fremd wäre, ja, wenn<lb/>sogar eine Mutter den Gedanken, daß einer ihrer<lb/>Söhne in den geistlichen Stand treten sollte, als<lb/>an sich!<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
                              <p>Anders wäre es freilich, wenn sie triftige, auch vor<lb/>der christlichen Vernunft gültig Gründe hätte, das<lb/>nicht zu wünschen.</p>
                           </note> unliebsam abwiese; wir würden uns<lb/>nie dazu verstehen, sie für eine echt christliche Mut-<lb/>ter zu halten; so sehr sie auch vielleicht sich selbst<lb/>dafür erachten und den Schein der Frömmigkeit<lb/>um sich verbreiten möchte.</p>
								
                        <p>Auch noch aus einem andern Gesichtspunkte<lb/>müssen wir das behaupten. Ein ganz wesentlicher<lb/>Bestandtheil einer echten katholischen Frömmigkeit<lb/>ist die <hi rendition="#w">Liebe</hi> zur h. Kirche. Der echte, treue Katholik<lb/>hat ein Herz für seine h. Kirche, ihr Wohl liegt<lb/>ihm am Herzen; voll Hochschätzung gegen sie und<lb/>voll Verlangen, daß das ihr vom Herrn anver-<lb/>traute Heil mehr und mehr verbreitet und an die<lb/>Menschen gebracht werde, betet er unablässig für<lb/>sie, daß der Herr ihr darin zur Seite stehe; gern<lb/>bringt er auch selbst Opfer, um dazu beizutragen.<lb/>Was aber ist für die h. Kirche, wenn es sich darum<lb/>handelt, daß ihr Heil eine möglichst große Ver-<lb/>breitung finde, von größerer Bedeutung, als wahr-<lb/>haft gute, fromme und tüchtige Priester. Darum<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0118_0001"/>flehet sie ja selbst unablässig zum Herrn nach dem<lb/>Worte Jesu: <q>„Bittet den Herrn der Ernte, daß<lb/>Er Arbeiter in Seinen Weinberg sende;“</q> denn,<lb/>
                           <q>„das Volk ist“</q> (vielfach auch heut) <q>„wie eine<lb/>Heerde ohne Hirten,“</q> in Gefahr zu Grunde zu<lb/>gehen. Und <hi rendition="#w">das</hi> ist einer der angelegentlichsten<lb/>Gegenstände des ständigen Gebetes für jeden guten,<lb/>erleuchteten Katholiken.</p>
								
                        <p>Muß dieser Punkt denn nicht auch einer katho-<lb/>lischen Mutter, wenn sie anders ein rechtes, leben-<lb/>diges Glied der h. Kirche ist, am Herzen liegen?<lb/>Und wie nahe liegt dann wieder der Gedanke an<lb/>ihre eigenen Söhne, der Wunsch, daß es doch ge-<lb/>schehen möchte, den einen oder andern von densel-<lb/>ben der h. Kirche schenken zu können, ihn als<lb/>Priester zu sehen, damit er als Diener der heil.<lb/>Kirche an ihrer großen Aufgabe mitwirke. Auch<lb/>hier müssen wir hinzusetzen, daß mit Recht an der<lb/>Echtheit oder doch an der rechten Durchbildung<lb/>eines echt katholischen Geistes bei einer Mutter<lb/>gezweifelt wird, wenn solche Gedanken und Wünsche<lb/>ihr fremd sind.</p>
								
                        <p>Wie trifft das besonders in unserer Zeit zu!<lb/>Wie sehr ist die ganze Art und die Richtung<lb/>unserer Zeit darnach angethan, die Herzen Gott<lb/>und dem Höhern zu entfremden und die Menschen<lb/>immer mehr in lauter irdischen Bestrebungen auf-<lb/>gehen zu machen! Wie könnten aber aus Kreisen,<lb/>wo diese Richtung sich geltend gemacht hat, noch<lb/>jugendliche Herzen mit Priesterberuf hervorgehen,<lb/>mit Sinn und Neigung für einen Stand, dessen<lb/>Interessen der heutigen Welt so fremd, ja nur zu<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0119_0001"/>oft gradezu unliebsam und verhaßt sind? Daher<lb/>denn schon vielfach die Klage über Priestermangel.<lb/>Mehr als <hi rendition="#w">eine</hi> Diöcese findet nicht mehr den<lb/>jährlichen Zuwachs an Priestern, den sie sehen<lb/>muß, wenn den Bedürfnissen der Gemeinden ent-<lb/>sprochen werden soll. Und es läßt sich mit Grund<lb/>fürchten, daß die gegenwärtig noch besser gestellten<lb/>Diöcesen nur zu bald ihnen in diesem Priester-<lb/>mangel zur Seite treten werden. Und die Folgen?<lb/>Wer ermisset sie? Welch ein Unglück für die<lb/>Gemeinde, vollends zu unserer Zeit, wenn sie der<lb/>geistlichen Hülfe überhaupt entbehren muß oder<lb/>auch nur ihrer nicht völlig sich erfreuet!</p>
								
                        <p>Ist das nicht geeignet, die christliche Mutter auf<lb/>ihre Söhne hinzuweisen? Ist es nicht wie ein<lb/>lauter Flehruf, den die heutige, guter Priester so<lb/>sehr bedürftige und doch an ihnen mehr und mehr<lb/>arme Zeit an jedes echt katholische Mutterherz<lb/>richtet, daß sie ihre Söhne, daß sie diesen oder<lb/>jenen aus ihren Söhnen ihr als Priester geben<lb/>möge?</p>
								
                        <p>Aber – und diese Frage hat sich leicht schon<lb/>längst aufgedrängt, – sei es, daß man bei einer<lb/>guten, katholischen Mutter den Gedanken und<lb/>Wunsch, einen Sohn als Priester zu sehen, billig<lb/>voraussetzen darf, was thut es zur Sache? Steht<lb/>es denn in ihrer Macht, die <hi rendition="#w">Erfüllung</hi> dieses<lb/>Wunsches zu bewirken?</p>
								
                        <p>Wir beantworten diese Frage und kommen da-<lb/>durch dem eigentlichen Zwecke dieser Zeilen näher.<lb/>Wir sagen: Ja! Eine Mutter kann gar viel zur<lb/>Erfüllung jenes Wunsches beitragen.</p>
								
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                        <p>Zuvor haben wir nicht Anstand zu nehmen, fol-<lb/>genden Satz auszusprechen: <hi rendition="#w">Schon</hi>, daß eine<lb/>Mutter, durchdrungen von dem Bewußtsein des<lb/>großen Glückes, einen geistlichen Sohn zu haben,<lb/>eines Priesters Mutter zu sein, den Wunsch dar-<lb/>nach lebendig in sich trägt und nährt, schon das<lb/>gibt in etwa Grund zu hoffen. Wird sie nun<lb/>nicht insbesondere in ihren Gebeten das Verlangen<lb/>ihres Herzens dem Herrn vortragen?</p>
								
                        <p>Mehr als einmal hat eine fromme Mutter zum<lb/>Herrn geflehet, daß Er ihre Ehe mit einem mit<lb/>Priesterberuf ausgestatteten Sohne segnen möge;<lb/>und ihr Gebet ist erhört; – oder die fromme<lb/>Mutter hat, in der Hoffnung, daß das Kindlein,<lb/>so Gott ihr geschenkt, ein Söhnchen sei, schon im<lb/>Voraus es dem Herrn zum Opfer gebracht, daß<lb/>es zur Zeit Priester werden möge und hat dann<lb/>nicht aufgehört, für diesen hohen Zweck recht viel<lb/>zu beten und viel gute Werke zu üben; und siehe,<lb/>zur Zeit trat der priesterliche Beruf im Knaben<lb/>oder Jünglinge zu Tage.</p>
								
                        <p>Gehen wir weiter. Das Kind, der Knabe<lb/>wächset hoffnungsreich heran; schöne Geistesgaben<lb/>sind bei ihm mit vortrefflichen Eigenschaften des<lb/>Herzens verpaart: dabei ein frommer, eingezogener<lb/>Sinn. Die Mutter sieht's mit Freuden; still regt<lb/>sich in ihrem Herzen der Gedanke: <q>„Sollte er<lb/>nicht zum geistlichen Stande berufen sein? O,<lb/>wenn er doch Priester werden wollte!“</q> – Genug<lb/>für sie; sie empfiehlt diesen ihren Herzenswunsch<lb/>dem Herrn immer von Neuem. Aber nicht allein.<lb/>Sie benutzt gewisse Gelegenheiten, um in leichter<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0121_0001"/>Weise, vielleicht selbst scherzend, ihrem Lieblinge<lb/>den Gedanken an das Geistlichwerden näher zu<lb/>legen.<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
                              <p>Sie nimmt etwa den Kleinen (wir wollen ihn Joseph<lb/>nennen) mit zur Kirche; er sieht den Pfarrer, den<lb/>Kaplan am Altare, auf der Kanzel u.s.w. Zu<lb/>Hause: <q>„Unser Joseph hat den Pfarrer gesehen;<lb/>nun will er auch geistlich werden.“</q> Es sind Fremde<lb/>da, die sich für den Kleinen interessiren; die Mutter:<lb/>
                                 <q>„Sag ihnen mal, Josephchen, was du werden willst;<lb/>er will Pfarrer werden.“</q> Joseph kommt in die<lb/>Schule; er bekommt ein neues Buch: <q>„Potz tausend,<lb/>wenn unser Joseph nun einmal das Studiren an-<lb/>fängt, wie bekommt er dann erst Bücher. Und was<lb/>für schöne Sachen wird er dann lernen!“</q> – Oder<lb/>es wird dem Kleinen an die Hand gegeben, sich einen<lb/>Altar, eine Kanzel zu machen, u.s.w.; – oder, es<lb/>wird zur Zeit Sorge getragen, daß er zur h. Messe<lb/>dient und bei gottesdienstlichen Verrichtungen Dienste<lb/>leistet; – oder zu Hause wird gern über die Geist-<lb/>lichen gesprochen in einer Weise, welche geeignet ist,<lb/>dem Knaben Achtung und Liebe gegen sie einzuflößen;<lb/>– vielleicht gestatten es die Verhältnisse, mit den<lb/>Ortsgeistlichen in geselligen Verkehr zu treten; sie<lb/>kommen zuweilen zum Besuche in's Haus; der Kleine<lb/>tritt ihnen näher, wird mit ihnen bekannt; vielleicht<lb/>
                                 <hi rendition="#w">auch</hi> Nahrung für die Neigung zum Priesterstand.<lb/>Alles dies haben wir selbstredend nur beispiels-<lb/>halber angeführt, um anzudeuten, wie es die Mutter<lb/>einem Söhnchen gegenüber, <hi rendition="#w">welches sie für den</hi>
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                                 <hi rendition="#w">geistlichen Stand nicht ungeeignet erach-</hi>
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                                 <hi rendition="#w">tet</hi>, etwa halten möge, um den Beruf zu wecken<lb/>und zum Bewußtsein zu bringen.</p>
                           </note>
                        </p>
								
                        <p>Es versteht sich von selbst, daß das alles in<lb/>keiner Weise gesucht oder gemacht sein muß, es<lb/>muß sich so fast von selbst machen. – Es geschieht<lb/>auch nicht zu oft, es geschieht mehr nur bei Ge-<lb/>legenheiten und in einer so leichten Art, daß jeder<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0122_0001"/>Schein von andringlichem Zureden oder Ueberreden<lb/>fern liege. Könnte es ja nur eben so bedenklich, als<lb/>unstatthaft erscheinen, wenn eine Mutter von dem<lb/>unzeitigen Wunsche, ihren Sohn im geistlichen<lb/>Stande zu sehen, sich verleiten ließe, in zudring-<lb/>licher Art ihn dahin zu vermögen.<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
                              <p>Vollends unstatthaft aber und geradezu unverantwortlich<lb/>würde es sein, wenn Eltern einen Sohn, welcher sich<lb/>nach Beginn oder Vollendung seiner Studien, gradezu<lb/>abgeneigt erklärt oder zeigt, geistlich zu werden, den-<lb/>noch – aus welcher Ursache immer – gewisser-<lb/>maßen dazu drängten und nöthigten. Da ist um je-<lb/>den Preis Abstand zu nehmen. Würden ja die El-<lb/>tern, welche ihrem Sohne eine Art von Nöthigung<lb/>anthäten, nur zu leicht ihn und viele Andere unglück-<lb/>lich machen und der Kirche Schmach zufügen.</p>
                           </note> Ist Beruf<lb/>zum geistlichen Stande wirklich vorhanden, so ge-<lb/>nügen bei einem Sohne, der überhaupt im rechten<lb/>Geiste erzogen ist, gelegentliche, leichte, mehr hin-<lb/>geworfene Aeußerungen, um ihn zu wecken.</p>
								
                        <p>Wir sagten, bei einem Sohne, der überhaupt im<lb/>rechten Geiste erzogen ist, und damit ständen wir<lb/>beim Allerwesentlichsten, was die christliche Mutter<lb/>zu thun hat, daß ihr Sohn, wenn er priesterlichen<lb/>Beruf hat, demselben folge und Priester werde; sie<lb/>soll von früh an ihn zu wahrer Gottesfurcht und<lb/>Frömmigkeit anleiten. Der Knabe, der Jüngling<lb/>muß von aufrichtiger Gottesfurcht beseelt sein und<lb/>ein echt frommes Herz haben, das ist eine noth-<lb/>wendige Bedingung, damit der Beruf zum geist-<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0123_0001"/>lichen Stande, wenn er wirklich da ist, in's Be-<lb/>wußtsein trete und zum Durchbruch komme; eine<lb/>nothwendige Bedingung, damit dieser Beruf<lb/>treu gehütet und zur Ausführung gebracht werde.<lb/>Wer kann zweifeln, daß mancher Knabe und Jüng-<lb/>ling von Gott dem Herrn, der für Seine heilige<lb/>Kirche Sorge trägt, den Beruf zum geistlichen<lb/>Stande erhalten habe. Aber es fehlt die Mutter,<lb/>welche die zarten Keime der Gottesfurcht von früh<lb/>an in ihm nährte; Sie kommen nicht zur Ent-<lb/>wickelung; daher bleibt auch der edle Keim des<lb/>Priesterberufs unentwickelt; er kommt nicht, oder<lb/>nicht gebührend zum Bewußtsein. – Oder dieser<lb/>Beruf war schon hervorgetreten, der Knabe hatte<lb/>sich entschlossen, geistlich zu werden. Aber da die<lb/>Mutter es nicht verstanden hat oder es sich nicht<lb/>hat angelegen sein lassen, einen recht christlichen<lb/>Sinn und Wandel in ihm grundzulegen und zu<lb/>entwickeln, so geräth er an den höhern Schulen,<lb/>im Verkehr mit leichtsinnigen jungen Leuten auf<lb/>die Abwege des Leichtsinns und der Sünde, und<lb/>der Beruf zum geistlichen Stande wird wankend<lb/>und zu Schanden. Wie oft ist das leider der<lb/>Fall! Und wie sind es zuweilen grad die hoff-<lb/>nungsreichsten Jünglinge, welche auf diese unselige<lb/>Art der h. Kirche verloren gehen!</p>
								
                        <p>Also ein neuer Grund für die christliche Mut-<lb/>ter, daß sie das, was sie schon an sich zu thun<lb/>heilig verpflichtet ist, nun um so angelegentlicher<lb/>thue, daß sie nämlich Alles aufbiete, um den Geist<lb/>wahrer Frömmigkeit in ihren Kindern zu nähren,<lb/>damit, wenn ein Sohn Beruf zum geistlichen<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0124_0001"/>Stande hat, derselbe zur Entfaltung gedeihe, bestehe<lb/>und zum Ziele komme.</p>
								
                        <p>Und ist es das nicht auch, worauf es im geist-<lb/>lichen Stande vor Allem ankommt, daß die, so<lb/>Priester werden, wahrhaft gute und fromme Prie-<lb/>ster seien? O, Priester, welche ein wahrhaft<lb/>priesterliches Herz haben, welche in echter, probe-<lb/>haltiger Frömmigkeit bestehen und, so Gott will,<lb/>von Jugend auf bestanden haben, ja, sagen wir's<lb/>nur, Priester, denen eine innig-fromme Mutter<lb/>den Geist der Frömmigkeit von früh an eingehaucht<lb/>hat, – sie thun unserer Zeit Noth, sie sind es,<lb/>durch welche der Herr auch unserer Zeit, so sehr<lb/>sie auch dem christlichen Heile sich verschlossen zu<lb/>haben scheint, noch das Heil, das volle christliche<lb/>Heil bringen mag. O, der Abgang wahrer, voller<lb/>priesterlicher Frömmigkeit – er ist es, der das<lb/>Wirken der Geistlichen unfruchtbar bleiben lässet;<lb/>leichtfertige, schlechte Geistliche sie sind das Verderben<lb/>der Welt.</p>
								
                        <p>O darum, christliche Mütter, mit welchem Nach-<lb/>drucke richtet unsere Zeit und richtet unsere heilige<lb/>Kirche, voll Erbarmens über unsere Zeit, den Auf-<lb/>ruf an euch: Auf, auf, christliche Mütter, werdet<lb/>eingedenk eures hohen Berufes; erziehet wahrhaft<lb/>christliche, in echter, christlicher Frömmigkeit fest<lb/>begründete Söhne, auf daß aus ihnen die Reihen<lb/>würdiger Priester ihre Ergänzung finden! Priester<lb/>thuen <hi rendition="#w">Noth, der Zahl nach</hi>, mehrere, immer<lb/>mehrere Priester; aber mehr noch thuen <hi rendition="#w">wahrhaft</hi>
                           <lb/>
                           <hi rendition="#w">gute</hi> Priester Noth! Sie allein bringen der Welt<lb/>das Heil. O Mütter, erkennet euren Beruf!<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0125_0001"/>Bildet sie heran, solche gute, würdige Priester und<lb/>schenket sie der Kirche, schenket sie der hülfsbedürf-<lb/>tigen Welt!</p>
								
                        <p>Der Ruf ist auch an dich gerichtet, christliche<lb/>Mutter, die du dieses liesest. Ueberhöre ihn nicht.<lb/>Hege und pflege in deinem Söhnchen von frühester<lb/>Jugend an die zarten Keime der Gottesfurcht und<lb/>Frömmigkeit; vollends, wenn die Aussicht, daß es<lb/>zur Zeit Priester sein werde, sich dir schon eröffnet<lb/>hat. Da soll sich deine Brust heben in dem Ge-<lb/>danken: Der Herr hat mir die Aufgabe gestellt,<lb/>einen Priester zu erziehen! Und ihr sollst du nun<lb/>all deine Kraft weihen nach den Andeutungen, welche<lb/>wir gegeben haben.</p>
								
                        <p>Höre nicht auf, in deinen Gebeten diesen Sohn<lb/>dem Herrn unablässig mit allem Nachdruck zu em-<lb/>pfehlen, besonders in der h. Messe, bei deinen<lb/>h. Communionen. Empfiehl ihn der h. Jungfrau,<lb/>dem h. Engel, dem Namenspatron und allen heil.<lb/>Priestern. Insbesondere, wenn er nun hinaus<lb/>muß, um an den höhern Lehranstalten seine Vor-<lb/>bereitungen zu machen. Ach, von wie großen Ge-<lb/>fahren ist er da leicht umrungen, von Gefahr, dem<lb/>Leichtsinne, der Sünde, der Ausschweifung in die<lb/>Arme zu fallen, von Gefahr, seinem priesterlichen<lb/>Berufe untreu zu werden. Habe daher mit dem<lb/>Vater Sorge, so viel du kannst, ihn in dieser Zeit<lb/>sicher zu stellen; vertraue ihn, wo möglich, einer<lb/>guten Knabenerziehungsanstalt oder einer zuverläs-<lb/>sigen Familie an! Bei all dem aber bete und<lb/>flehe unablässig desto inbrünstiger für ihn.</p>
							
                     </div>
							
                     <pb facs="images/C889_001_1874_0338"
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                     <div xml:id="d62092e29057">
								
								
                        <head rendition="#c">Die Mutter in ihrem Gebete.</head>
								
                        <p>Eine Mutter, welche von echt christlicher Ge-<lb/>sinnung beseelt ist und daher ihren Mutterberuf<lb/>gebührend zu würdigen versteht, wird stets eifrig<lb/>im Gebete sein. Eben ihr mütterlicher Beruf bietet<lb/>ihr die manchfachste und nachdrücklichste Veranlas-<lb/>sung zu solchem Gebetseifer, die reichste Nahrung für<lb/>ihr Gebet. Die wahrhaft christliche Mutter ist<lb/>eifrig im Gebete. <hi rendition="#w">Kann</hi> sie anders? Das Be-<lb/>wußtsein von der Wichtigkeit und Verantwortlichkeit<lb/>ihrer Mutterpflichten, wie auch die Liebe zu ihren<lb/>Kindern und das Verlangen, sie zu beglücken, und<lb/>dabei die Ueberzeugung, wie sehr in beiden Rück-<lb/>sichten der Beistand Gottes Noth thue, das alles<lb/>führt die christliche Mutter immer von Neuem zum<lb/>Gebete.</p>
								
                        <p>Wie erhaben ist der Beruf einer Mutter! Wie<lb/>Vieles gehört dazu, damit sie allen Anforderungen<lb/>desselben entspreche! Und wie groß meist die<lb/>Schwierigkeit ihrer treuen und heilsamen Er-<lb/>füllung! Welche Menge von Opfern und Be-<lb/>schwerden, leicht von Tag zu Tag, und, wenn der<lb/>Kinder viele sind, durch eine lange Reihe von<lb/>Jahren! In der That, eine solche Aufgabe über-<lb/>steigt menschliche Kräfte weit. <q>„Bei den Menschen<lb/>ist das unmöglich.“</q> Also Gott muß helfen. Zu<lb/>Ihm nimmt daher die rechte Mutter ihre Zuflucht<lb/>in all den verschiedenen Beziehungen ihres Berufs.<lb/>Sie flehet zu Gott um Gnade für sich; sie flehet<lb/>zu Ihm um Gnade für ihre Kinder.</p>
								
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                        <p>Sie flehet um Gnade für sich, daß der Herr<lb/>ihr helfe, den verschiedenen Anforderungen ihres<lb/>Berufes zu entsprechen. Sie flehet um die Gnade<lb/>eines wahrhaft christlich frommen Lebens, dieser<lb/>nothwendigsten Vorbedingung einer guten Erziehung.<lb/>Sie flehet um Weisheit, um die rechten, Gott wohl-<lb/>gefälligen und für die Kinder zum Heil führenden<lb/>Wege in der Erziehung stets klar zu erkennen, um<lb/>insbesondere einzusehen, wie sie jedes ihrer Kinder<lb/>nach seiner besondern Beschaffenheit, nach seinen<lb/>besonderen Fähigkeiten, nach seinen besonderen guten<lb/>oder bösen Eigenschaften nun auch besonders be-<lb/>handeln müsse. Sie flehet um die Gnade einer<lb/>wahren, übernatürlichen, erleuchteten Liebe zu ihren<lb/>Kindern, ähnlich der der gottsel. Blanka, und um<lb/>Mehrung dieser Liebe. – Sie flehet, um Muth<lb/>und Kraft und Opferwilligkeit und Ausdauer, um<lb/>in den oft, so großen Beschwerden mit den Kin-<lb/>dern rückt zu erliegen, um in Allem, was zur<lb/>guten Erziehung Noth thut, bis zum Ende zu ver-<lb/>harren.</p>
								
                        <p>So betet die Mutter für sich; bald mehr um<lb/>dieses, bald mehr um das Andere, bald um alles<lb/>dieses zumal, bei ihrem Morgen- und Abendgebete,<lb/>bei ihren h. Kommunionen, bei ihren sonstigen<lb/>Andachten. Vielleicht stellt sie in dieser wichtigen<lb/>Angelegenheit zu Zeiten fromme Uebungen an, sie<lb/>verrichtet besondere gute Werke, namentlich Werke<lb/>der christlichen Barmherzigkeit u.s.w.</p>
								
                        <p>Sie betet mit großem Vertrauen; denn sie weiß,<lb/>daß der Herr durch das h. Sakrament der Ehe<lb/>
                           <pb facs="images/C889_001_1874_0340"
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0128_0001"/>und indem Er durch den Segen der Mutterschaft<lb/>sie in den mütterlichen Beruf einsetzte, ihr ein ge-<lb/>wisses Anrecht gegeben hat auf alle Gnaden, welche<lb/>sie für diesen Beruf bedarf, bereit, sie ihr zu ge-<lb/>ben, so viel sie dieselben würdig betend begehre.</p>
								
                        <p>Und was ist die Frucht solchen Betens? Immer<lb/>reicher ergießet sich der Strom der göttlichen Gnade<lb/>über eine solche Mutter; sie wird tüchtig für ihren<lb/>Beruf und erfüllet seine Obliegenheiten in einer<lb/>Weise, welche für ihre Kinder ein Segen, für sie<lb/>aber eine Quelle immer neuer Verdienste ist. O,<lb/>warum wird die Bedeutung des Gebetes von so<lb/>manchen Müttern so wenig erkannt? Man betet<lb/>nicht, darum ist man – durch seine Schuld -<lb/>nicht im Stande, die Mutterpflichten zu erfüllen,<lb/>daher so viele Versäumnisse, so viele Mißgriffe<lb/>und Fehler in der Erziehung, in Folge deren man<lb/>mit den Kindern zu Grunde geht.</p>
								
                        <p>Die Mutter fleht zu Gott um Gnade für <hi rendition="#w">ihre</hi>
                           <lb/>
                           <hi rendition="#w">Kinder</hi>. – Sie bittet zunächst den Herrn, daß<lb/>Er das, was sie an ihren Kindern thut, durch<lb/>Seine Gnade segnen wolle. Was sie auch an den<lb/>Kindern thue, sie ist überzeugt, daß es dennoch<lb/>seinen Zweck nicht voll erreiche, wenn nicht der<lb/>Segen der göttlichen Gnade hinzukomme. Darum<lb/>liegt es ihrem Herzen nahe, Alles, was sie in der<lb/>Erziehung ihrer Kinder thut, mit einem flehenden<lb/>Aufblicke zu Gott zu begleiten. Mit Gott fängt<lb/>sie all ihr Werk an den Kindern an; Ihm em-<lb/>pfiehlt sie es, wenn sie es vollbracht hat, auf daß<lb/>Er es erhalte, daß Er es segne und an den Kin-<lb/>dern wirksam mache.</p>
								
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                        <p>Die Mutter betet für ihre Kinder. Gott ist<lb/>reich an jeglicher guten Gabe und erhört die, welche<lb/>zu Ihm flehen, so gerne. Die h. Geschichte bietet<lb/>die Belege dafür, daß Mütter durch beharrliches<lb/>Flehen die kostbarsten Gaben und Gnaden für ihre<lb/>Kinder errungen haben. Haben wir nicht auch<lb/>darin den Grund zu suchen, warum so manchen<lb/>Eltern der Trost, ihre Kinder wahrhaft gut und<lb/>glücklich zu sehen, vorenthalten bleibt, warum so<lb/>manche Kinder in allerlei Uebeln an Leib und<lb/>Seele sich finden und ach, elendig zu Grunde<lb/>gehen? Die Eltern, die Mütter beten nicht oder<lb/>nicht in gebührender Weise für ihre Kinder; daher<lb/>bleiben diesen all jene Gaben und Gnaden, welche<lb/>ihnen nach dem Rathschlusse Gottes eben durch<lb/>das Gebet der Eltern vermittelt werden sollten,<lb/>vorenthalten.</p>
								
                        <p>Die <hi rendition="#w">christliche</hi> Mutter betet für ihre Kinder.<lb/>
                           <hi rendition="#w">Das</hi> Geber für ihre Kinder nimmt in ihrem Ge-<lb/>betsleben leicht die erste Stelle ein. Sie betet, daß<lb/>der Herr sie vor der Sünde, vollends vor der<lb/>schweren Sünde behüte; daß Er sie von ihren Feh-<lb/>lern befreie; daß er jenen kostbaren Keimen des<lb/>Glaubens, der Hoffnung und der Liebe und allen in<lb/>ihnen begriffenen Tugenden Wachsthum und Ge-<lb/>deihen bereue; daß Er sie zum Heile führe. Die<lb/>rechte Mutter begleitet mit ihren Gebeten ihr Kind<lb/>zur Schule, in den christlichen Unterricht, zur heil.<lb/>Beicht und zur Zeit zur h. Communion, auf daß<lb/>überall die an sich noch so unzulänglichen Bestre-<lb/>bungen desselben durch den Segen der göttlichen<lb/>Gnade ihm zum Heile gereichen.</p>
								
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                        <p>Gehen wir <hi rendition="#w">hier</hi> ein wenig über die Jahre der<lb/>Kindheit hinaus. Wenn das Kind von körperlichen<lb/>Leiden und Krankheiten heimgesucht ist, oder sogar<lb/>Todesgefahr drohet, da pflegen leicht selbst weniger<lb/>fromme Mütter zum Gebete ihre Zuflucht zu<lb/>nehmen; wie viel mehr also die wahrhaft christliche<lb/>Mutter. Aber viel mehr noch flehet <hi rendition="#w">sie</hi> zum<lb/>Herrn, wenn die <hi rendition="#w">Seele</hi> ihrer Kinder in Gefahr<lb/>ist, in Gefahr, in schwere Sünde zu fallen, in Ge-<lb/>fahr, ewig verloren zu gehen. Vollends, wenn sie<lb/>durch ihren Einfluß nichts mehr über das Kind<lb/>vermag. Wie flehet da, wie schreiet ihr beklemmtes<lb/>Herz angstvoll zum Herrn! So betete und flehete<lb/>die h. Monika für ihren verirrten Augustinus -<lb/>unter vielen Thränen Jahre lang; und wie glor-<lb/>reich war der Erfolg!</p>
								
                        <p>Die heutige Welt ist leider nur zu sehr darnach<lb/>angethan, christliche Mütter in eine ähnliche Lage<lb/>zu versetzen; wie viele gibt's der Söhne, wie manche<lb/>Töchter, welche sich, vom Einflusse der Welt ver-<lb/>locket, dem Leichtsinne und der Sünde in die Arme<lb/>geworfen haben. Ach, hätten sie Mütter, ähnlich<lb/>einer Monika, wir dürften noch hoffen. Doch<lb/>nun? – Sie gehen elend zu Grunde. Ihre<lb/>Mütter verstehen nicht zu beten. Welchen Ge-<lb/>fahren sind die Kinder – fast immer mit zu-<lb/>nehmenden Jahren in steigendem Verhältnisse -<lb/>ausgesetzt, vollends, wenn die Umstände es mit sich<lb/>bringen, daß der Sohn, die Tochter der Huth des<lb/>Hauses entlassen und in die Fremde geschickt wer-<lb/>den muß! Für die christliche Mutter ein Grund,<lb/>ihr Gebet zu verdoppeln; nun hört sie nicht auf,<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0131_0001"/>den Herrn zu bitten, daß Er den Sohn, die Tochter<lb/>mit Seinem mächtigen Schutze umgeben, daß Er<lb/>sie unversehrt in Glaube und Unschuld wieder<lb/>heimführen möge.</p>
								
                        <p>Und je wichtiger und entscheidungsvoller die<lb/>Umstände sind, worin die Kinder geführt werden,<lb/>je mehr daher der Schutz und der Beistand des<lb/>Himmels für sie Noth thut, desto größer ist der Eifer<lb/>und die Inbrunst der mütterlichen Gebete.</p>
								
                        <p>So geschieht's denn, daß die Mutter aus den<lb/>Gebetsübungen gar nicht herauskommt. Wo sie<lb/>immer im Gebete vor Gott sich findet, am Mor-<lb/>gen oder am Abende, in der Kirche oder daheim,<lb/>bei der h. Messe, bei der h. Communion, an den<lb/>Sonn- und Festtagen, auf dem Kreuzwege, bei<lb/>Wallfahrten – überall treten ihre Kinder im<lb/>Geiste an sie heran, überall sind sie ein Haupt-<lb/>gegenstand ihrer Bitten und Anliegen. – Und<lb/>ihre guten Werke, ihre Beschwerden, ihre Leiden<lb/>– sie opfert dieselben dem Herrn auf für ihre<lb/>Kinder. Ihr Mutterherz läßt Ihr nicht Ruhe,<lb/>bis sie, besonders zu Zeiten, <hi rendition="#w">besondere</hi> gute<lb/>Werke für ihre Kinder unternommen hat.</p>
								
                        <p>Vor Allem ist es Jesus der Herr, an den sich<lb/>die Andacht der christlichen Mutter für ihre Kin-<lb/>der wendet. Er ist ja der <hi rendition="#w">Freund</hi> der Kinder.<lb/>In Sein liebevolles Herz schließet sie dieselben ein.</p>
								
                        <p>Und, wo sie Gott geweihete Seelen kennt, auf<lb/>deren Gebete sie besonders Vertrauen setzen zu<lb/>dürfen glaubt, die sucht sie zum Gebete für ihre<lb/>Kinder zu vermögen; vor Allem die Heiligen des<lb/>Himmels, die h. Jungfrau oben an, und die Schutz-<lb/>
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0132_0001"/>engel der Kinder, und deren Namenspatrone, und<lb/>alle heiligen und unschuldigen Kinder.</p>
								
                        <p>Siehe da die christliche Mutter in ihrem Ge-<lb/>bete! Und wer berechnet den Segen, den solches<lb/>Beten und Flehen der Mutter über das Kind<lb/>bringt? Gewiß, man kann den heilsamen Einfluß<lb/>der erziehenden Thätigkeit einer guten Mutter auf<lb/>ihr Kind kaum zu hoch anschlagen. Dennoch wird<lb/>die Mutter durch eifriges Gebet leicht noch mehr<lb/>zum Seelenheile des Kindes beitragen. <hi rendition="#w">Das</hi>
                           <lb/>kann unbedingt keinem Zweifel unterliegen, daß<lb/>
                           <hi rendition="#w">ohne</hi> Gebet alle Bemühungen der Mutter für ihr<lb/>Kind auf die Dauer nur zu leicht völlig leer aus-<lb/>gehen werden.</p>
								
                        <p>Welch ein Antrieb zum Gebete und zu einem<lb/>desto größern Eifer im christlichen Leben. Je besser<lb/>die Mutter ist, desto mehr gilt ihr Gebet vor Gott,<lb/>desto reicher zieht es die Segnungen der göttlichen<lb/>Gnade auf die Kinder herab. Auch in dieser Hin-<lb/>sicht ist das Wort wahr: <q>„Eine der größten<lb/>Gnaden für den Menschen ist eine wahrhaft gute<lb/>Mutter.“</q>
                        </p>
								
                        <p>Selig daher das Kind, welches eine solche Mut-<lb/>ter hat! Und wir möchten's durch die ganze Welt<lb/>dahin rufen und es allen Müttern mit allem Nach-<lb/>drucke, dessen wir fähig sind, an's Herz legen:<lb/>Betet doch, betet ohne Unterlaß, betet mit allem<lb/>Eifer für euere Kinder!</p>
							
                     </div>
							
                     <pb facs="images/C889_001_1874_0345"
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                        <head rendition="#c">Die Erzbruderschaft der christlichen<lb/>Mütter.</head>
								
                        <p>Nachdem wir nun im Vorhergehenden die Hauptpunkte,<lb/>welche für eine wahrhaft religiöse und gute Erziehung der<lb/>Kinder Beherzigung verdienen, erörtert haben, dürfen wir<lb/>das ganze nicht beschließen, ohne auf einen Verein auf-<lb/>merksam gemacht zu haben, welcher den nämlichen Zweck<lb/>verfolgt, wie unser Büchlein; es ist die <q>„Erzbruderschaft<lb/>der christlichen Mütter.“</q> Ein wahrhaft zeitgemäßer, ein<lb/>herrlicher Verein! Es ist wahr, es gibt der Vereine heut<lb/>so viele, daß man in wohlbegründeter Furcht vor dem<lb/>Uebermaß so fast unwillkürlich eine gewisse Scheu fühlen<lb/>mag, wenn dann noch wieder von einem <hi rendition="#w">neuen</hi> Verein<lb/>die Rede ist. Und dennoch können wir dem in Rede<lb/>stehenden nicht warm genug das Wort reden, und wir<lb/>möchten an alle Mütter die Aufmunterung richten, doch<lb/>einem Verein, welcher der Art und den Bedürfnissen un-<lb/>serer Zeit in so hohem Grade entspricht, wo möglich bei-<lb/>zutreten.</p>
								
                        <p>Lassen wir zunächst eine beredte Anwaltin des schönen<lb/>Vereins, die vor einigen Jahren zu unserer h. Kirche zu-<lb/>rückgekehrte, jetzt in Mainz lebende Gräfin Hahn-Hahn über<lb/>denselben reden:<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
                              <p>In Nr. 42 der <q>„Monika“</q>. Wochenblatt zur Verbesserung der Fa-<lb/>milien-Erziehung; Stadtamhof bei Regensburg; – wöchentliche Sei-<lb/>ten; Preis halbjährlich 7 Sgr. k Pfg.: bei der Post zu bestellen.</p>
                           </note>
                        </p>
								
                        <p>
                           <q>„Es war im Mai des Jahres 1850 als in der Stadt<lb/>Lille in Frankreich einige fromme Mütter voll Sorgen um<lb/>ihre Kinder sich besprachen, um gemeinsam für ihre ver-<lb/>schiedenen Anliegen zu beten, sie dem Schutze der h. Got-<lb/>tesmutter zu empfehlen und in dieser Intention das Opfer<lb/>der h. Messe darbringen zu lassen. Aus diesem so ganz<lb/>einfachen und schlichten Vorgang, in einem Winkel von<lb/>Frankreich, ist der Gebetsverein der <q>„Christlichen Mütter“</q>
                              <lb/>hervorgegangen, der jetzt, nach zwanzig Jahren, wie mit<lb/>zärtlichen Mutterarmen den Erdball umspannt, denn in<lb/>
                              <pb facs="images/C889_001_1874_0346"
                                  n="134"
                                  xml:id="C889_001_1874_pb0134_0001"/>Nordamerika, in Brasilien, in Ostindien, in der Türkei,<lb/>nicht blos in Europa, bestehen canonisch eingeführte<lb/>Filialen.</q>
                        </p>
								
                        <p>
                           <q>Zuerst kam die Kunde der gemeinsam betenden Mütter<lb/>von Lille nach Paris. Was daher einige Frauen in Lille<lb/>gethan und so viel Trost und Kraft daraus geschöpft hat-<lb/>ten, daß sie ihre andächtige Vereinigung fortsetzten: das<lb/>geschah jetzt im größeren Maßstab, unter zahlreicher Be-<lb/>theiligung in Paris. Da sich nun mehr und mehr Mütter<lb/>dem ersten Kern anschlossen: so gab sich bald das Bedürf-<lb/>niß kund, einerseits die Vereinigung dauernd zusammen-<lb/>zuhalten – durch gewisse Statuten; und andrerseits sie<lb/>so fruchtbringend und anregend wie möglich zu machen<lb/>– durch Vorträge über die Pflichten, die Würde, die<lb/>Stellung, die Lebensaufgabe der Mutter.</q>
                        </p>
								
                        <p>
                           <q>Nach und nach meldeten sich noch viele auswärtige Mit-<lb/>glieder zum Anschluß, daß man sehr bald in anderen<lb/>Städten Filialen gründete und so lebhaft war die Bethei-<lb/>ligung, daß schon im Jahr 1856 der Verein in Paris zur<lb/>Erzbruderschaft erhoben und mit zwölf vollkommenen Ab-<lb/>lässen im Jahr durch päpstliches Breve begnadigt wurde.<lb/>Von der Erzbruderschaft gingen nun nach und nach in<lb/>alle Weltgegenden die Affiliationsurkunden aus, welche die<lb/>canonische Einführung eines Zweigvereins begründen und<lb/>bezeugen.</q>
                        </p>
								
                        <p>
                           <q>Zehn Jahre später wurde der erste Verein in Deutsch-<lb/>land zu Mainz gegründet. Seitdem hat nun der Verein<lb/>einen recht erfreulichen und trostreichen Fortschritt ge-<lb/>wonnen, denn es beginnt die Theilnahme für die Christ-<lb/>lichen Mütter, die Frage nach ihnen, an verschiedenen Orten<lb/>zu erwachen und die Gründungen mehren sich.</q>
                        </p>
								
                        <p>
                           <q>Nun ja! es ist ein Verein <hi rendition="#w">mehr</hi> zwischen zahllosen<lb/>Vereinen! – dies erwidert man vielleicht. Freilich wäre<lb/>er der Zahl nach zu entbehren, das räume ich gern ein;<lb/>aber nicht dem Wesen, nicht dem Ziel nach. Denn wir<lb/>dürfen uns nicht darüber täuschen: die Familie ist mit<lb/>Zerfall bedroht. Glaubensfeindschaft herrscht bereits -<lb/>oder soll in nächster Zukunft herrschen – in der Volks-<lb/>schule, in den Werkstätten, in den höheren Bildungsanstalten,<lb/>in der Tagespresse u.s.w. Ist der Glaube aus den<lb/>
                              <pb facs="images/C889_001_1874_0347"
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                                  xml:id="C889_001_1874_pb0135_0001"/>Herzen gerissen, so fallen die Grundsätze, die in ihm wur-<lb/>zeln, so verschwinden die Tugenden, welche die Früchte der<lb/>guten Grundsätze sind, so wird die Gesinnung erniedrigt<lb/>und jeder Sünde Thür und Thor geöffnet.</q>
                        </p>
								
                        <p>
                           <q>In dieser Richtung bewegt sich heutzutage die Welt. Sie<lb/>hat einen unseligen Einfluß auf die Familie. Männer,<lb/>die durch Beruf oder Amt oder Stellung oder Geschäft<lb/>in steter Berührung mit dieser Richtung sind, verlieren<lb/>durch die Gewohnheit den klaren Blick und das freie Ur-<lb/>theil und lassen sich in dem Maße von ihr einnehmen und<lb/>umgarnen, als ihnen mehr oder minder die Selbstständig-<lb/>keit fehlt, die auf den Grundsätzen des katholischen Glau-<lb/>bens beruht. Diese Männer sind Ehegatten und Väter.<lb/>Werden sie ihre Kinder wahrhaft christlich erziehen?</q>
                        </p>
								
                        <p>
                           <q>Die Mutter ist durch Stellung und Pflichten dem Welt-<lb/>verkehr ferner gerückt, als der Vater; sie wahrt daher<lb/>leichter, sicherer Glauben und christliche Sitten. Und so<lb/>hat sie es auch mit ihren Kindern gehalten, hat sie beten<lb/>gelehrt, hat ihnen von Gott und vom gekreuzigten Heiland<lb/>erzählt, hat sie unterrichtet oder ihren Katechismus über-<lb/>hört. Aber nun werden sie älter, nun besuchen sie die<lb/>Schulen, in denen der mütterliche Geist nicht weht; nun<lb/>treten sie in Berührung mit jugendlichen Genossen, nun<lb/>hören und sehen sie ja Vieles, was ihre Eitelkeit, Selbst-<lb/>gefälligkeit und Genußsucht anreizt. Die Mutter sieht es.<lb/>Mit einem Löwen würde sie kämpfen; aber mit der<lb/>Welt?! Vorstellungen, Bitten haben Zeit und Stunde;<lb/>das Kind ist leicht nicht geneigt, sie anzuhören, sie zu wür-<lb/>digen; auch schwächt die Wiederholung den Eindruck ab,<lb/>langweilt sogar. Arme Mutter! sie kann unmöglich ihr<lb/>liebes Kind der Welt und deren Gefahren überlassen, die<lb/>des Lebens Glück und Würde in der Zeit und das Heil<lb/>der Seele für die Ewigkeit bedrohen! Was kann sie thun?<lb/>– Sie kann beten. Aber ach! wie sinkt ihr das Herz,<lb/>wenn sie an die Sündfluth von Gefahren denkt, und an<lb/>ihr armes schwaches Gebet. Sei getrost, du arme Mutter<lb/>und tritt ein in die Bruderschaft der <q>„Christlichen Mütter“</q>.<lb/>Da findest du Hülfe und Unterstützung, da hast du Ge-<lb/>nossinnen deiner Sorgen, da beten mit dir und für deine<lb/>Kinder 120,000 Mütter täglich das kleine Gebet, das du<lb/>
                              <pb facs="images/C889_001_1874_0348"
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                                  xml:id="C889_001_1874_pb0136_0001"/>als Mitglied dann auch für sie und ihre Kinder beten<lb/>wirst, da wird einmal im Monate das hochheilige Opfer<lb/>für dich und deine Anliegen dargebracht, in der h. Com-<lb/>munion vereinigt sich das göttliche Herz Jesu mit deinem<lb/>kummervollen Herzen, und ein frommer Priester gibt die<lb/>Belehrung über deine oft so verwickelten Pflichten, Ermah-<lb/>nungen, die deinen Muth heben und dir wieder und immer<lb/>wieder vorstellen, daß du eine ganz himmlische Aufgabe<lb/>hast, eine Aufgabe, welche dein Heiland mit dir theilt:<lb/>das Reich Gottes auf Erden auszubreiten und Seelen zu<lb/>retten für's ewige Leben.“</q>
                        </p>
								
                        <p>So weit die edle Gräfin. So wollen denn unsere<lb/>Leserinnen es vor Gott überlegen, ob sie dem vortrefflichen<lb/>Vereine beizutreten sich nicht entschließen. Die Bedingungen,<lb/>welche wir hier unten folgen lassen, sind nicht schwer und<lb/>verpflichten ja auch nicht unter Sünde. Auch Mütter,<lb/>welche an Orten leben, wo die Bruderschaft nicht errichtet<lb/>ist, können Mitglieder sein; sie brauchen auch zur Gewin-<lb/>nung der Ablässe selbstrebend an den üblichen Versamm-<lb/>lungen nicht teilzunehmen; auch die <hi rendition="#w">monatliche</hi> Com-<lb/>munion wird nicht streng gefordert, wie auch die Leistung<lb/>eines Geldbeitrages dem Vermögen anheimgegeben ist. Man<lb/>hat sich also einfach in einem Briefe an einen Direktor<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
                              <p>Wir nennen hier mehrere solche Direktoren: In Münster Pastor<lb/>Fecke (die Bruderschaft in der Kirche zum h. Martinus errichtet);<lb/>in Mainz der hochw. Bischof, so auch in Regensburg; in München<lb/>Dompfarrer Weber; in Bamberg Kaplan Dr. Körber. Man kann<lb/>sich auch an <q>„den Vorsteher der Erzbruderschaft der christlichen<lb/>Mütter“</q> zu Paris, <hi rendition="#rom">P.</hi> Theod. Ratisbonne wenden.</p>
                           </note>
                           <lb/>irgend eines Zweigvereins zu wenden; derselbe schreibt<lb/>dann als Mitglied ein und schickt die Statuten.</p>
								
                        <p>Die Statuten geben wir in Folgendem ihrem Haupt-<lb/>inhalte nach:</p>
								
                        <p>
                           <q>„Eine der heiligsten Pflichten christlicher Mütter – sagt<lb/>§ 1 der Satzungen – ist die Erziehung ihrer Kinder<lb/>nach dem Willen Gottes und im Geiste seiner h. Kirche,<lb/>durch welche sie für das Reich Gottes wiedergeboren sind.<lb/>Zu dieser Erziehung empfangen die Eltern besondere Gna-<lb/>den durch das h. Sakrament der Ehe. <hi rendition="#w">Diese Gnaden</hi>
                              <lb/>
                              <hi rendition="#w">zu bewahren</hi>, durch Mitwirkung im Gebet, durch Wort<lb/>
                              <pb facs="images/C889_001_1874_0349"
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                                  xml:id="C889_001_1874_pb0137_0001"/>und Beispiel, durch gemeinsame Erbauung und Fürbitte<lb/>zu <hi rendition="#w">mehren</hi>, ist der Zweck des kirchlichen Vereines christ-<lb/>licher Mütter.</q>
                        </p>
								
                        <p>Durch denselben schließen sie sich innig an das unbe-<lb/>fleckte Herz der <hi rendition="#w">Gottesmutter</hi>, der reinsten und höch-<lb/>sten aller Mütter und treten zugleich unter sich in eine<lb/>
                           <hi rendition="#w">Gemeinschaft ihrer Anliegen, Sorgen und</hi>
                           <lb/>
                           <hi rendition="#w">Gebete</hi>, um so die Fülle des göttlichen Segens für <hi rendition="#w">ihre</hi>
                           <lb/>Kinder und ihre Familien desto sicherer zu erlangen.</p>
								
                        <p>Zur Aufnahme in den Verein oder die Bruderschaft -<lb/>sagt §. 2 – eignen sich katholische Mütter, seien es Ehe-<lb/>frauen oder Wittwen, jeden Standes, welche einen christ-<lb/>lichen Lebenswandel führen und den Vereinszweck er-<lb/>füllen wollen.</p>
								
                        <p>§. 3, 4, 5 und 6 handeln von der Vorstandschaft und<lb/>Verwaltung des Vereins. Es steht an der Spitze eines<lb/>jeden förmlichen Zweigvereins ein geistlicher Direktor.<lb/>Ferner wird eine Präsidentin, eine Vicepräsidentin und<lb/>Secretärin und 12 andere Mitglieder des Bruderschafts-<lb/>rathes gewählt. – Die Präsidentin hat den Vereinsrath<lb/>zusammenzuberufen und die Versammlungen anzuzeigen.<lb/>Sie hat die Gnadenerweisungen aufzuzeichnen, welche die<lb/>göttliche Barmherzigkeit den Gebeten der Bruderschaft er-<lb/>theilen dürfte. Sie nimmt alle erbaulichen Mittheilungen<lb/>an, welche ihr in dieser Beziehung die christlichen Mütter<lb/>machen werden, um daraus ihren Jahresbericht anzu-<lb/>fertigen.</p>
								
                        <p>§. 6 sagt: Familienmütter, die an Orten leben, in<lb/>welchen die Bruderschaft nicht kirchlich eingeführt ist,<lb/>können sich auch an einem anderen Orte, wo die Bruder-<lb/>schaft besteht, einschreiben lassen, um an den Gebeten<lb/>und guten Werken der christlichen Mütter Antheil zu<lb/>nehmen.</p>
								
                        <p>§. 7 bestimmt die Kirche für die Bruderschaft.</p>
								
                        <p>§. 8. Die kirchlichen Versammlungen finden einmal<lb/>im Monate statt, wenn thunlich an einem Tage, an wel-<lb/>chem den Mitgliedern ein vollkommener Ablaß gewährt ist.</p>
								
                        <p>Es wird eine h. Messe nach der Meinung der Mitglie-<lb/>der gelesen und eine Betrachtung oder Erbauungsrede ge-<lb/>halten. Schließlich finden gemeinsame Gebete statt, um<lb/>
                           <pb facs="images/C889_001_1874_0350"
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                               xml:id="C889_001_1874_pb0138_0001"/>die <hi rendition="#w">allgemeinen</hi> Anliegen des Vereins, sowie <hi rendition="#w">beson-</hi>
                           <lb/>
                           <hi rendition="#w">dere</hi> der einzelnen Mitglieder dem göttlichen Herzen Jesu<lb/>und dem Herzen der hochgebenedeiten Mutter zu em-<lb/>pfehlen.</p>
								
                        <p>§. 9 bezeichnet die <hi rendition="#w">Obliegenheiten der Mit-</hi>
                           <lb/>
                           <hi rendition="#w">glieder</hi>:</p>
								
                        <list type="simple">
									
                           <item>
                              <label>a)</label> Gewissenhafte Erziehung der eigenen Kinder im Geiste<lb/>Jesu Christi und seiner h. Kirche;</item>
									
                           <item>
                              <label>b)</label> Verrichtung des täglichen Vereinsgebetes;</item>
									
                           <item>
                              <label>c)</label> Theilnahme an den Vereins-Versammlungen, so oft es<lb/>geschehen kann;</item>
									
                           <item>
                              <label>d)</label> Empfang der h. Communion, wo möglich einmal im<lb/>Monat, nach der Meinung des Vereines; oder falls<lb/>die Communion nicht möglich, andächtiges Anhören<lb/>der h. Messe mit der geistigen Communion in der<lb/>gleichen Meinung. Wünschenswerth ist es, daß die<lb/>h. Communion bei der Messe am Versammlungs-<lb/>tage in der Vereins-Kirche gemeinschaftlich empfangen<lb/>werde.</item>
								
                        </list>
								
                        <p>Nach §. 10 zahlt jedes <hi rendition="#w">wohlhabende</hi> Mitglied bei der<lb/>Aufnahme einen größeren freiwilligen Beitrag und fortan<lb/>ein jährliches Opfer.</p>
								
                        <p>So viel aus den <hi rendition="#b">Satzungen.</hi>
                        </p>
								
                        <p>Der auf diesen Satzungen errichteten Bruderschaft hat<lb/>der h. Vater unterm 18. September 1858 an zwölf be-<lb/>stimmten Tagen oder in deren Octave einen vollkommenen<lb/>Ablaß verliehen, welcher nach dem Breve vom 22. Juni<lb/>1869 auch von auswärtigen Mitgliedern gewonnen werden<lb/>kann. Außerdem ist den Mitgliedern auch für die Todes-<lb/>stunde ein vollkommener Ablaß gewährt.</p>
								
                        <p>Das kurze <hi rendition="#w">tägliche Gebet</hi> lautet:</p>
								
                        <p>O Maria, unbefleckte Jungfrau und schmerzhafte Mutter,<lb/>sprich von unsern lieben Kindern zum anbetungswürdigen<lb/>Herzen Jesu, der seiner Mutter nichts abschlägt. Bitte<lb/>für sie;</p>
								
                        <p>Heilige Schutzengel, bittet für sie!</p>
								
                        <p>Heiliger Joseph, du mächtiger Beschützer, bitte für sie!</p>
								
                        <p>Heiliger Johannes, du vielgeliebter Jünger des Herzens<lb/>Jesu, bitte für sie!</p>
								
                        <pb facs="images/C889_001_1874_0351"
                            n="139"
                            xml:id="C889_001_1874_pb0139_0001"/>
								
                        <p>Heilige Anna, du Mutter Maria, bitte für sie!</p>
								
                        <p>Heiliger Aloysius, bitte für sie!</p>
								
                        <p>Heilige Monika, bitte für sie!</p>
								
                        <p rendition="#b #c">Vollkommene Ablässe.</p>
								
                        <p>6. Januar: Heil. Dreikönigstag. 2. Februar: Maria<lb/>Lichtmeß. 19. März: h. Joseph. April: Freitag der sieben<lb/>Schmerzen. 4. Mai: h. Monika. 21. Juni: h. Aloysius.<lb/>26 Juli: h. Anna. 28. August: h. Augustinus. Septem-<lb/>ber: Sonntag Unserer lieben Frau der 7 Schmerzen.<lb/>Oktober: Schutzengelfest. November: Octav von Allerseelen.<lb/>December: Unbefleckte Empfängniß.</p>
								
                        <p>Die Ablässe werden gewonnen, wenn die Mitglieder<lb/>nach reumüthiger Beicht und Communion in der Kapelle<lb/>der Bruderschaft oder an Orten, wo eine solche nicht vor-<lb/>handen ist, in jeder andern Kirche oder Kapelle ein andäch-<lb/>tiges Gebet in der Meinung des heil. Vaters verrichten.<lb/>Diese Ablässe können auch an einem beliebigen Tage in<lb/>der Octav jener Feste und ferner an jedem von dem Direk-<lb/>tor der Bruderschaft für die monatliche Versammlung be-<lb/>stimmten Tage, auch wenn er außer der Octav fällt, ge-<lb/>wonnen – und alle ohne Ausnahme den Abgestorbenen<lb/>zugewendet werden. – (Breve vom 22. Juni 1869.)</p>
								
                        <p>Endlich verleiht der h. Vater einen vollkommenen Ablaß<lb/>in der Todesstunde allen Mitgliedern, welche reumüthig die<lb/>h. Sakramente der Buße und des Altars empfangen oder,<lb/>sofern sie dies nicht mehr können, mit reumüthigem Herzen<lb/>andächtig den Namen Jesu mit dem Munde oder auch nur<lb/>im Herzen anrufen. (Breve vom 7. Mai 1862.)<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
                              <p>Würde eine Mutter andere verwandte, befreundete oder geistes-<lb/>verwandte Mütter kennen, welche auch geneigt sein möchten, in den<lb/>Verein einzutreten, so wäre es am einfachsten, wenn eine von ihnen<lb/>im Namen Aller an den betreffenden Direktor schriebe und die Na-<lb/>men der übrigen meldete. Gewiß würde auch auf Wunsch einer der<lb/>Pfarrgeistlichen die Einschreibung vermitteln.</p>
                           </note>
                        </p>
								
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                     </div>
						
                  </body>
					
               </text>
					
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                        <docTitle>
								
                           
								
                           <titlePart type="main" rendition="#c">Die<lb/>christliche Mutter</titlePart>
								
                           <titlePart type="sub" rendition="#c">in der<lb/>Erziehung und in ihrem Gebete<lb/>von<lb/>W. Cramer,</titlePart>
                        </docTitle>
								
                        <titlePart type="sub" rendition="#c">Domkapitular und Regens des bischöflichen Priester-Seminars.</titlePart>
								
                        <epigraph>
									
                           <cit>
										
                              <quote rendition="#r">
                                 <q>„Eine der höchsten Gnaden ist für<lb/>den Menschen eine gute Mutter.“</q>
                              </quote>
										
                              <bibl rendition="#r">Ein Kirchenfürst.</bibl>
									
                           </cit>
								
                        </epigraph>
								
                        <titlePart type="sub" rendition="#c">Mit Erlaubniß der Obern.</titlePart>
								
                        <titlePart type="sub" rendition="#c">Nein-Ertrag für den Bonifacius-Verein.</titlePart>
								
                        <titlePart type="sub" rendition="#c">Vierzehnte Auflage.</titlePart>
								
                        <docImprint>A. Laumann in <pubPlace>Dülmen</pubPlace>
									
                           <publisher>Katholische Verlags-Buchhandlung.</publisher>
								
                        </docImprint>
							
                     </titlePage>
						
                  </front>
						
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                     <div xml:id="d62092e30426">
								
								
                        <head rendition="#c">Zur sonntäglichen Nachmittags-Andacht</head>
								
                        <p rendition="#no_ind">eignen sich sehr wohl die Gebete Seite 154–167; ferner<lb/>S. 171–172; – 179–180; – 185–186; dann 190<lb/>bis 200; nach den Umständen auch S. 167–170; – 188<lb/>bis 190.</p>
								
                        <p>Schön und empfehlenswerth wäre es dann auch, jedes-<lb/>mal am Sonntag-Nachmittage, auch nur während der<lb/>Andacht – freilich nicht während der etwaigen gemein-<lb/>schaftlichen Gebete – einen von den Abschnitten S. 3 bis<lb/>132 ganz oder zum Theile zu lesen. Dadurch würde das<lb/>dort Gesagte immer wieder aufgefrischt.</p>
							
                     </div>
							
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                     <div xml:id="d62092e30456">
								
								
                        <head rendition="#c">Gebete<lb/>für die wesentlichen Verhältnisse und Anliegen des<lb/>mütterlichen Berufes.<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
                              <p>Wir glauben uns <hi rendition="#w">hier</hi> nicht so strenge in den Schranken, welche<lb/>wir im Vordergehenden einhielten, (indem wir nur das <hi rendition="#w">zarte</hi> Kin-<lb/>desalter im Auge hatten) halten, sondern die Mutter auch in ihrem<lb/>Gebete für ihre schon erwachsenen Kinder berücksichtigen zu sollen.</p>
                           </note>
								
                        </head>
								
                        <div xml:id="d62092e30483">
									
                           <head rendition="#c">Gebet am Jahrestage der Verehelichung.<note place="bottom" anchored="true" n="**)">
											
                                 <p>Wahrhaft christliche Eheleute gehen gern am Jahrestage ihrer Ver-<lb/>ehelichung, oder am Sonntage vor oder nach demselben wo möglich<lb/>gemeinschaftlich zu den hh. Sakramenten, um so die entsprechenden<lb/>Uebungen desto besser anstellen zu können und die Gnade des h. Sa-<lb/>kramentes der Ehe zu erneuern. Welch schöne Sitte! – Könnte<lb/>man nicht <hi rendition="#w">wenigstens</hi> an diesem Tage in solcher Meinung einer<lb/>h. Messe beiwohnen? Wie sehr thut den Eheleuten bei den wichtigen<lb/>Obliegenheiten, in den Beschwerden und Gefahren ihres Standes<lb/>der Segen und die Gnade des Herrn Roth, damit sie im Ehestande<lb/>nicht zu Grunde gehen, sondern ihr Heil wirken! Daher eben das<lb/>h. Sakrament der Ehe; daher die jährliche Erneuerung der Gnade<lb/>desselben so empfehlenswerth.</p>
                              </note>
									
                           </head>
									
                           <p>O mein Gott und Herr, an diesem Tage war es, wo ich<lb/>in Deinem h. Hause am Traualtare hingeknieet das heil.<lb/>Sakrament der Ehe empfing und unter dem Segen dessel-<lb/>ben in meinen ehelichen Stand eintrat. Dürfte ich ihn<lb/>ohne Dank und heilsame Uebung vorübergehen lassen?<lb/>Nein, o Herr, von ganzem Herzen danke ich Dir, daß Du<lb/>mich durch ein h. Sakrament in den Ehestand eingeführt<lb/>und meine eheliche Verbindung geheiliget und mir den<lb/>Schatz Deiner Gnade eröffnet hast, damit ich im Stande<lb/>wäre, den Anforderungen des <hi rendition="#w">christlichen Ehestandes</hi>
                              <lb/>zu entsprechen und in unverbrüchlicher Treue, in Liebe,<lb/>in pflichtmäßiger Untergebenheit gegen meinen Mann und<lb/>in standesmäßiger Keuschheit allimmerdar zu verharren,<lb/>
                              <pb facs="images/C889_001_1874_0356"
                                  n="144"
                                  xml:id="C889_001_1874_pb0144_0001"/>die von Dir geschenkten Kinder in Deiner Furcht und Zucht<lb/>zu erziehen, und so mein Heil zu wirken. Ich danke Dir<lb/>für alle Gnaden, welche ich seitdem in Kraft dieses h. Sa-<lb/>kramentes empfangen habe; ich danke Dir für den Schutz<lb/>und für die Hülfe und für alles Gute, so Du mir und<lb/>den Meinigen gespendet hast. Sei ewiglich gelobt und ge-<lb/>priesen!</p>
									
                           <p>Habe ich denn in freier Mitwirkung mit Deiner Gnade<lb/>die Obliegenheiten meines Standes treu erfüllt? Habe ich<lb/>als eine wahrhaft christliche Ehefrau gelebt? Ach, nur<lb/>zu Vieles habe ich mir vorzuwerfen! (Denke ein wenig<lb/>nach.) O mein Gott, von ganzem Herzen bereue ich es.<lb/>Sei mir gnädig! Verzeihe mir in Deiner unendlichen<lb/>Barmherzigkeit und um Jesu, Deines Sohnes willen! -<lb/>Fest steht mein Vorsatz: Mit erneuertem Eifer will ich<lb/>mich fortan bestreben, alle Pflichten, welche ich als christ-<lb/>liche Ehefrau und Mutter habe, treu und gewissenhaft zu<lb/>erfüllen. Wie darf ich sonst hoffen, bei Dir in Gnade zu<lb/>sein und mein Heil zu wirken? Aber, o Herr, was nützen<lb/>mir alle Vorsätze, wenn Du nicht Gnade gibst, sie aus-<lb/>zuführen? So erneuere denn, o Herr, am heutigen Tage<lb/>den Segen des h. Sakraments; lasse die Gnaden desselben<lb/>mir von Tag zu Tag reichlich zufließen; durch sie angeregt<lb/>und gekräftigt, werde ich darauf bedacht und im Stande<lb/>sein, meines Berufes würdig zu wandeln.</p>
									
                           <p>Auch meinen Mann empfehle ich Deiner Huld und<lb/>Gnade. Verleihe uns, daß wir, durch das h. Sakrament<lb/>so innig vereint, auch in herzlicher Liebe und in treuer<lb/>Gottesfurcht allimmerdar befunden werden, damit unser<lb/>ehelicher Stand, wie er es soll, ein Bild sei von der<lb/>innigen Vereinigung Christi mit Seiner h. Kirche und uns<lb/>führe zum ewigen Leben.</p>
									
                           <p>Lasse Dir auch, o Herr, die Kinder, die Du uns gegeben,<lb/>empfohlen sein! Segne sie, behüte sie, begnadige sie, da-<lb/>mit sie zu Deinem h. Wohlgefallen gedeihen. Stehe mir<lb/>bei, daß ich sie ganz für Dich erziehen möge.</p>
									
                           <p>Heilige Jungfrau und Mutter Maria, h. Joseph und<lb/>alle heiligen Eheleute und Eltern, bittet für mich! Amen.</p>
								
                        </div>
								
                        <pb facs="images/C889_001_1874_0357"
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                        <div xml:id="d62092e30643">
									
									
                           <head rendition="#c">Gebet beim ersten Kirchengange.</head>
									
                           <p>Ich danke Dir, o Gott, daß es mir durch Deine Gnade<lb/>wieder vergönnt ist, in Deinem h. Hause zu erscheinen;<lb/>ich danke Dir für den Schutz und für die Hülfe, so Du<lb/>mir hast angedeihen lassen. Insbesondere bringe ich Dir<lb/>den innigsten Dank dar für alle Huld und Gnade, welche<lb/>ich in meinem Kindlein von Dir erfahren habe. <hi rendition="#w">Dein</hi>
                              <lb/>Geschenk ist es; Du hast es im h. Sakrament der Wieder-<lb/>geburt zu Deinem Kinde hergestellt und es mit allen Aus-<lb/>zeichnungen Deiner Kinder ausgestattet und ihm die Schätze<lb/>der h. Kirche, ja den ganzen Reichthum der himmlischen<lb/>Herrlichkeit, und die Aussicht aus das höchste, auf ein<lb/>ewiges Glück eröffnet.</p>
									
                           <p>O Du unendlich freigebiger Gott, Du Gott der Liebe<lb/>und der Erbarmung, sei gelobt und gepriesen für Alles,<lb/>was Du an meinem Kinde gethan hast. – Du hast es<lb/>mir anheimgegeben, daß ich fortan alle Pflichten einer<lb/>christlichen Mutter an ihm vollführe und es dadurch für<lb/>Dich und den Himmel erziehe. Mein Herz ist bereit,<lb/>o Herr, mein Herz ist bereit. Ader wie werde ich diese<lb/>vielfach so schweren Mutterpflichten erfüllen können, wenn<lb/>Du mir nicht beistehst mit Deiner Gnade? So stehe mir<lb/>denn bei. Erfülle mein Herz mit Deinem h. Geiste und<lb/>gib mir Eifer, Weisheit und Kraft, auf daß ich das große<lb/>Werk der Erziehung zu Deinem heiligen Wohlgefallen und<lb/>zum Heile meines Kindes und zu meinem eigenen Heile<lb/>vollführe.</p>
									
                           <p>In Vereinigung mit der heiligen Mutter meines Herrn<lb/>und mit der Gesinnung womit sie sich und ihr göttliches<lb/>Kind im Tempel Dir, o Gott, opferte, bringe auch ich heut<lb/>mich und mein Kind Dir zum Opfer dar. Verleihe gnä-<lb/>dig, daß mein Kind, wie es jetzt Dein ist, ewig Dein ver-<lb/>bleibe; verleibe, daß ich fortan ganz dafür lebe, mein Kind<lb/>Dir zu erhalten und es zu Dir zu führen! – Heilige<lb/>Jungfrau Maria, hehre Gottesmutter, mit welchem Danke<lb/>und mit welchen gottgeweiheten Gesinnungen hast Du Dein<lb/>göttliches Kind im Tempel geopfert! Ich vereinige mich<lb/>mit Dir, und empfehle mein Kind und Alles, was ich<lb/>
                              <pb facs="images/C889_001_1874_0358"
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                                  xml:id="C889_001_1874_pb0146_0001"/>fortan für dasselbe thun werde, Deiner mächtigen Fürbitte.<lb/>Amen.<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
											
                                 <p>Wie schön, wenn die Mutter auch hier dem h. Meßopfer beiwohnt<lb/>und bei demselben und durch dasselbe dem Herrn ihren Dank und<lb/>ihre Anliegen darbringt!</p>
                              </note>
                           </p>
								
                        </div>
								
                        <div xml:id="d62092e30751">
									
                           <head rendition="#c">Gebet am Morgen.</head>
									
                           <p>Gütigster Gott, Du hast diesen Tag mir geschenkt, daß<lb/>ich in treuer Erfüllung meiner Pflichten Dir dienen und<lb/>mein Heil wirken soll. So stehe mir denn dazu bei mit<lb/>Deiner Gnade! Vor Allem hilf mir, daß ich meine wich-<lb/>tigsten und heiligsten Pflichten, welche ich gegen meine<lb/>Kinder habe, dem mit Sorgfalt und Treue erfülle und<lb/>insbesondere ihnen in meinem ganzen Thun und Lassen<lb/>mit einem guten Beispiel vorgehe. Segne Alles, was ich<lb/>heut zu ihrer Heranbildung sagen oder thun werde.</p>
									
                           <p>Meine Kinder aber, o Gott, nimm in die Obhut Deiner<lb/>Liebe und Gnade. Beschütze sie in Gefahren und behüte<lb/>sie vor allem Uebel! Bewahre sie vor Sünde! Erfülle<lb/>ihr kindliches Herz mit Deiner h. Liebe und erwecke und<lb/>stärke sie mit Deiner Gnade, auf daß sie Dir treu dienen<lb/>und wie an Alter, so an Tugend und Gnade bei Dir zu-<lb/>nehmen mögen.</p>
									
                           <p>Ihr h. Schutzengel und Namenspatrone meiner Kin-<lb/>der, euch empfehle ich sie; nehmet euch ihrer an, bittet für<lb/>sie. Amen.</p>
								
                        </div>
								
                        <div xml:id="d62092e30801">
									
                           <head rendition="#c">Gebet am Abend.<note place="bottom" anchored="true" n="**)">
											
                                 <p>Unterlaß es nicht, christliche Mutter, am Abende, wenn auch nur in<lb/>Kürze, dem Gewissen zu erforschen, besonders, ob du deine Pflichten<lb/>als Mutter heut treu erfüllt hast. (War dein Beispiel musterhaft?<lb/>Hast du nichts für die Kinder Anstößiges gesagt, gethan? Hast du<lb/>sie nach Pflicht im Auge gehabt? Sie nicht zu sehr ohne Aufsicht<lb/>gehen lassen? Sie gebührend zur Kirche, zur Schule angehalten?<lb/>Warst du darauf bedacht, auch selbst sie heilsam zu belehren, sie an<lb/>Gott und Höheres zu erinnern? Hast du auf ihre Fehler sie auf-<lb/>merksam gemacht, sie nach Pflicht gemahnt, gewarnt, gestraft? Hast<lb/>du dich dabei von Zorn und Verdruß hinnehmen lassen, in Auf-<lb/>regung und Uebermaß gestraft? Hast du sie angeleitet und ange-<lb/>halten zum Beten, zur Liebe gegen Gott und die Menschen, zum Ge-<lb/>horsam, zur Wahrhaftigkeit, zur Bertragsamkeit, zur Arbeit, zur<lb/>Reinlichkeit und Ordnung? Betest du nach Pflicht für sie?...)<lb/>– Bereue, wenn du gefehlt; thue Abbitte vor Gott; entschließe dich<lb/>und versprich's dem Herrn, morgen treuer zu sein.</p>
                              </note>
									
                           </head>
									
                           <p>Dank sei Dir, o Gott und Vater, für alle Gnade und<lb/>Wohlthat, welche Du auch heut mir und meinen Kindern<lb/>
                              <pb facs="images/C889_001_1874_0359"
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                                  xml:id="C889_001_1874_pb0147_0001"/>huldreich gespendet hast. Alle gute Gabe kommt ja von<lb/>Dir; Du waltest über uns voll Erbarmung. Wehe mir,<lb/>daß ich so undankbar bin und Dich, den besten Vater, so<lb/>oft beleidige! Verzeihe gnädig! Insbesondere vergib mir,<lb/>was ich heut in meinem mütterlichen Berufe verbrochen<lb/>habe!.... Was bleibt mir, als um Gnade zu flehen?<lb/>Sei mir gnädig! Möchte ich doch mehr und mehr die<lb/>Heiligkeit meiner Mutterpflichten erkennen und sie mit Ge-<lb/>wissenhaftigkeit erfüllen! Ja, Herr, ich will's. Von<lb/>Neuem verspreche ich es Dir. Komm mit Deiner reichen<lb/>Gnade mir zu Hülfe. Entzünde mein Herz immermehr<lb/>mit Deiner h. Liebe und mit wahrer Liebe zu meinen<lb/>Kindern, auf daß ich stets voll h. Ernstes sei, sie für Dich<lb/>und zu ihrem Heile zu erziehen.</p>
									
                           <p>Für diese Nacht aber, o Vater, laß Dir meine Kinder<lb/>empfohlen sein. Deine Hand beschirme sie in ihrer nächt-<lb/>lichen Ruhe; verscheuche den Feind von ihrer Lagerstätte,<lb/>lasse Deine h. Engel bei ihnen sein. O gib nicht zu, daß<lb/>die Nacht ihnen Anlaß werde zur Sünde; erhalte sie in<lb/>Unschuld und unbefleckter Reinigkeit! Heilige Jungfrau,<lb/>heiliger Joseph, ihr hh. Engel und Auserwählten, lasset<lb/>meine Kinder euch befohlen sein! Amen.</p>
								
                        </div>
								
                        <div xml:id="d62092e30900">
									
                           <head rendition="#c">Gebete einer christlichen Mutter bei der<lb/>heil. Messe.<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
											
                                 <p>Je wichtiger so oft die Anliegen einer Mutter sind, je größere Gna-<lb/>den sie für sich, zur Erfüllung ihrer Mutterpflichten, oder für ihre<lb/>Kinder bedarf, desto mehr sollte es sich ihr nahe legen, oft, immer<lb/>von Neuem zum h. Meßopfer ihre Zuflucht zu nehmen. Da steht sie,<lb/>mag sie für sich und ihre Kinder nun für empfangene Gnaden und<lb/>Wohlthaten zu danken oder um neue zu flehen haben, nicht <hi rendition="#w">allein</hi>
                                    <lb/>vor dem Herrn, wegen ihrer Armseligkeit und Unwürdigkeit nur zu<lb/>sehr in Gefahr, nicht in Gnaden angesehen zu werden; da tritt,<lb/>wenn sie mit Glauben und Vertrauen nahet, Jesus für sie ein und<lb/>zwar durch Sein h. Opfer, um es als Dank- oder Bittopfer für sie<lb/>und ihre Kinder dem Vater zu weihen, wie sie denn selbst Sein heil.<lb/>Opfer nehmen und es dem Himmel darbieten mag. O welcher<lb/>Segen für Mütter und Kinder! – Möchten das alle Mütter recht<lb/>würdigen! – Nie schön, wenn die Mutter zuweilen, recht oft, einer<lb/>h. Messe beiwohnte in der Meinung, dadurch die Gnaden für sich zu<lb/>erlangen, welche sie für die gute Erziehung ihrer Kinder nothwendig<lb/>hat; oder ein anderes Mal in der Meinung, daß Gott Alles, was<lb/>sie und mit ihr der Vater, die Geistlichen, die Lehrer und Lehrerinnen<lb/>an ihren Kindern thuen, segnen und wirksam machen wolle; oder<lb/>wieder ein anderes Mal, um ihre Kinder in die Gnade des Herrn,<lb/>in Seinen Schutz, in Seine Hülfe zu empfehlen; oder auch, um für<lb/>dieses oder jenes Kind, welches wegen eines Fehlers, den es an sich<lb/>hat, wegen einer wichtigen Handlung (es kommt in die Schule, es<lb/>geht zur h. Beicht, es bereitet sich zu seiner ersten h. Kommunion, es hat<lb/>das elterliche Haus zu verlassen u.s.w.) oder sonst einer besonderen<lb/>Gnade bedarf, dieselbe vom Herrn zu erflehen. Gewiß, das würde<lb/>dem Herrn hoch genehm sein, das würde Seinen liebvollen Absichten<lb/>so ganz entsprechen und es würde den Strom der Gnaden, der dem<lb/>h. Opfer entquillt, in die Familien hinüberleiten znm Heile für El-<lb/>tern und Kinder. Oder wird wohl leicht Einer beim h. Opfer dem<lb/>Herrn, dem großen Kinderfreunde, mehr genehm sein, als eine christ-<lb/>liche Mutter, welche um ihrer Kinder willen gegenwärtig ist? -<lb/>Darum folgt hier eine Reihe voll Gebeten, in welchen die wesentlich-<lb/>sten Gebetsanliegen einer Mutter ihren Ausdruck finden. Selbst-<lb/>redend können dieselben zu jeder Zeit und auch bei andern Gelegen-<lb/>heiten, aber wohl kaum irgendwo besser, als bei der h. Messe ver-<lb/>wendet werden, sei es, daß man sie im Anfange der h. Messe, beim<lb/>Offertorium, oder beim Canon und nach der h. Wandlung zwischen<lb/>seine sonstigen Meßgebete einfüge.</p>
                              </note>
									
                           </head>
									
                           <div xml:id="d62092e30998">
										
                              <head rendition="#c">I. Für sich selbst, um die für den Mutterberuf<lb/>erforderlichen Gnaden zu erflehen.</head>
										
                              <p rendition="#c">Zum Eingange der h. Messe.</p>
										
                              <p>O Gott, ich erscheine hier in Deinem h. Hause, um<lb/>Gnade zu erstehen für meinen mütterlichen Beruf. Ich<lb/>
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                              <p rendition="#c">Zum Offertorium.<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
												
                                    <p>In der Zwischenzeit, besonders zum Canon und nach der Wandlung<lb/>können die Gebete unten S. 154 bis 162 genommen werden.</p>
                                 </note>
                              </p>
										
                              <p>Allmächtiger ewiger Gott, in Vereinigung mit dem Prie-<lb/>ster weihe auch ich Dir diese Gabe von Brod und Wein-<lb/>und lege mit ihnen zugleich das Anliegen meines Herzens,<lb/>mein Verlangen und mein Flehen nach Gnade zur heil-<lb/>samen Erfüllung meiner Mutterpflichten im Geiste auf den<lb/>Altar. O Gott, ich erkenne es, daß, gleichwie die Gabe<lb/>des Brodes und des Weines so auch meine Gebete vor<lb/>Dir gering und ohne Werth sind; aber da es durch Deine<lb/>Huld und Macht geschieht, daß Brod und Wein in das<lb/>Dir unendlich wohlgefällige Opfer des Fleisches und Blu-<lb/>tes Deines göttlichen Sohnes umgewandelt wird, so lasse<lb/>im Vereine mit diesem h. Opfer auch mein Anliegen vor<lb/>Dir Gnade und Erhörung finden. Darum flehe ich zu<lb/>Dir im Geiste der Demuth und mit zerknirschtem Herzen<lb/>und unter Anrufung der allerseligsten Jungfrau Maria<lb/>und des h. Joseph, wie auch sämmtlicher auserwählten<lb/>Mütter und aller Heiligen. Amen.</p>
										
                              <p rendition="#c">Zur Consekration.</p>
										
                              <p>O Jesu, Du würdigest Dich mit unendlicher Liebe aus<lb/>das Wort Deines Dieners auf den Altar herniederzukommen,<lb/>um in Brodes- und Weinsgestalt das erbarmungs- und<lb/>gnadenreiche Opfer, welches Du auf Golgatha vollzogen,<lb/>zu unserm Heile erneuert vor uns darzustellen, damit wir<lb/>seiner Segnungen und Gnaden theilhaftig würden.</p>
										
                              <p>In tiefster Demuth bete ich Dich an, gnadenvoll gegen-<lb/>wärtiger Herr und Heiland; Lob und Preis Dir und<lb/>Danksagung aus dem wärmsten Grunde meines Herzens<lb/>für so viel Huld und Gnade! – So nimm mich denn,<lb/>o Jesus, mit meinem Anliegen und mit meinen Bitten<lb/>
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                                     xml:id="C889_001_1874_pb0150_0001"/>auf in Dein b. Opfer, und lasse sie durch Deine Verdienste<lb/>Gnade und Erhörung finden, auf daß ich an meinen Kin-<lb/>dern, Deinen Lieblingen, eine wahrhaft gute Mutter sein<lb/>möge. Amen.</p>
										
                              <p rendition="#c">Nach der Consekration.</p>
										
                              <p>O Gott, nun erhebt sich mein Herz mit Vertrauen und<lb/>Zuversicht zu Dir; denn es ist Dein göttlicher Sohn,<lb/>welcher mich vor Dir vertritt und mein Flehen im Ver-<lb/>eine mit dem Opfer Seines h. Fleisches und Blutes Dir<lb/>darbringt. Es ist kein anderes Opfer, als jenes, welches<lb/>er einst am Kreuze, in Gehorsam gegen Dich bis zum<lb/>Tode vollbrachte, vor Dir unendlich wohlgefällig. So<lb/>möge denn mein Anliegen in Vereinigung mit diesem<lb/>h. Opfer und um Seinetwillen Gnade bei Dir finden!<lb/>Verzeihe mir gnädig, was ich bisher durch Untreue in<lb/>den Verpflichtungen meines Standes verbrochen habe;<lb/>erwecke mich, daß ich fortan mit erneuetem Eifer sie er-<lb/>fülle. Gib mir alle jene Gnaden, welche ich zur guten<lb/>Erziehung meiner Kinder bedarf, ein musterhaftes Leben,<lb/>Liebe, Weisheit, Geduld, Sanftmuth, Ausdauer, Eifer im<lb/>Gebete für meine Kinder. Verleibe, o Herr, die Gnade,<lb/>meine Kinder so zu erziehen, daß es Dir zur Ehre, <hi rendition="#w">ihnen</hi>
                                 <lb/>zum Heile, mir zum ewigen Leben gereichen möge. Amen.</p>
										
                              <p>Vater unser.</p>
										
                              <p rendition="#c">Vor und bei der Communion.</p>
										
                              <p>Das Gebet zu Jesus dem Kinderfreunde, S. 158.</p>
										
                              <p rendition="#c">Zum Schlusse.</p>
										
                              <p>Gebet zum h. Geiste um Seine 7 Gaben. S. 180;<lb/>und die Gebete S. 160 bis 162.</p>
									
                           </div>
									
                           <pb facs="images/C889_001_1874_0363"
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                           <div xml:id="d62092e31201">
										
										
                              <head rendition="#c">II. Gebete bei der h. Messe, wenn die Mutter sie<lb/>für ihre Kinder hört.</head>
										
                              <p rendition="#c">Zum Eingange der h. Messe.</p>
										
                              <p>O Gott, die Liebe zu meinen Kindern und das Ver-<lb/>langen nach ihrem Heile führt mich heut zum Altare und<lb/>zum Opfer Deines göttlichen Sohnes. So sehr mir auch<lb/>das Wohl meiner Kinder am Herzen liegt und so sehr ich<lb/>mich auch bemühen mag, sie gut zu erziehen, so werden<lb/>dennoch alle meine Bemühungen ohne Frucht und rechten<lb/>Segen bleiben, wenn Du nicht hilfst und mit Deiner<lb/>Gnade meine Kinder heimsuchst. Darum flehe ich zu Dir.<lb/>Und da mein Gebet und Flehen armselig und unwürdig<lb/>vor Dir ist, so vereinige ich es in dieser h. Messe mit<lb/>dem Opfer Deines göttlichen Sohnes, meines Herrn, und<lb/>dringe selbst dieses h. Opfer Dir für meine Kinder dar.<lb/>Gib mir Gnade, das ich es mit wahrer Andacht thue und<lb/>für meine lieben Kinder reichen Gnadensegen erwirken<lb/>möge. Amen.<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
												
                                    <p>Auch <hi rendition="#w">hier</hi> zwischenein die Gebete unten S. 162 bis 172.</p>
                                 </note>
                              </p>
										
                              <p rendition="#c">Zum Offertorium.</p>
										
                              <p>Gott, himmlischer Vater, die geringen Gaben von Brod<lb/>und Wein werden Dir vom Priester dargebracht, damit<lb/>Du selbst aus ihnen ein vor Dir wohlgefälliges Opfer be-<lb/>reiten mögest. Es nahet der h. Augenblick, wo in der<lb/>Kraft des h. Geistes am Worte Deines Priesters die wun-<lb/>derbare Wandlung geschehen und dann Dein göttlicher<lb/>Sohn unser Opferpriester und unser Opfer sein wird.<lb/>So führe ich denn im Geiste meine Kinder zu dieser ge-<lb/>heiligten Stätte, damit der Segen dieses gnadenvollen<lb/>Opfers über sie kommen möge. Lasse sie durch die Ver-<lb/>dienste dieses heiligen Opfern Vergebung ihrer Sünden<lb/>und Gnade finden, vor Sünde bewahrt zu bleiben. Gleich-<lb/>wie durch Deine göttliche Macht hier Brod und Wein in<lb/>das h. Fleisch und Blut Jesu Christi verwandelt wird, so<lb/>
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                                     xml:id="C889_001_1874_pb0152_0001"/>erweise in Kraft dieses h. Opfers die Macht Deiner Gnade<lb/>auch an meinen Kindern, auf daß ihr Herz mehr und mehr<lb/>umgestaltet werde zur Vollkommenheit christlicher Gesinnung<lb/>und Tugend, und zu einem wohlgefälligen Opfer vor Dir.<lb/>Sie sind ja auch Deine Kinder; so segne sie denn und<lb/>erfülle sie mit Deiner Gnade, damit sie Deiner würdig<lb/>seien. Verleihe, daß sie Dir mit lebendigem Glauben und<lb/>mit kindlicher Liebe anhangen und Deinen heiligen Willen<lb/>zur Richtschnur ihres Lebens haben und von ihm nicht<lb/>abweichen, sondern auf Deinen Wegen wandelnd für Zeit<lb/>und Ewigkeit wahrhaft glücklich seien. Amen.</p>
										
                              <p>Ihr Heiligen Gottes, h. Jungfrau Maria, h. Joseph,<lb/>ihr h. Schutzengel meiner Kinder und ihr h. Namens-<lb/>patrone derselben und alle h. Kinder unterstützet mein<lb/>Gebet, und flehet, daß die Früchte dieses h. Opfers sich<lb/>reichlich über meine Kinder ergießen. Amen.</p>
										
                              <p rendition="#c">Zur Consekration.</p>
										
                              <p>Göttlicher Heiland, der Du einst segnend und gnaden-<lb/>spendend im h. Lande unter den Menschen wandeltest,<lb/>wiederum bist Du, vom Himmel herabgekommen, mir nahe<lb/>in der geheimnißvollen Gegenwart unter der Brodes- und<lb/>Weinesgestalt und in der gnadenvollen Erneuerung Deines<lb/>h. Opfers. So benutze denn auch ich, wie einst jene Müt-<lb/>ter im h. Lande, diese gnadenvollen Augenblicke, um Dir,<lb/>göttlicher Freund der Kinder, im Geiste alle meine Kin-<lb/>der zuzuführen. O Herr Jesu, was Du einst an den<lb/>Kindern jener Mütter thatest, indem Du sie in Deine Arme<lb/>schlossest und ihnen Deine Hände auflegtest, das wollest<lb/>Du durch die Gnaden und Segnungen dieses h. Opfers<lb/>auch an meinen Kindern huldreich vollführen. Amen.</p>
										
                              <p rendition="#c">Nach der Consekration.</p>
										
                              <p>Gott, himmlischer Vater, wie Du einst, als Dein gött-<lb/>licher Sohn, mein Heiland auf Erden wandelte und wirkte,<lb/>vom Himmel her gesprochen hast: <q>„Dieser ist Mein ge-<lb/>liebter Sohn, an dem Ich Mein Wohlgefallen habe“</q>, so<lb/>schauest Du auch jetzt mit Wohlgefallen auf Ihn herab, da<lb/>
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                                     xml:id="C889_001_1874_pb0153_0001"/>Er zur Ehre Deines h. Namens und zum Wohle Deiner<lb/>Kinder Sein h. Opfer geheimnißvoll erneuert. Indem ich<lb/>mich daher Seinem h. Opfer anschließe, so erscheine ich<lb/>mit Zuversicht vor dem Throne Deiner Barmherzigkeit, um<lb/>Dir meine Kinder zu empfehlen. Lasse sie Deinen mäch-<lb/>tigen Schutz erfahren in allen Gefahren des Leibes und<lb/>der Seele. Bewahre sie vor Sünde und vor Allem, was<lb/>ihrer Seele Schaden bringen mag. Ordne gnädig alle<lb/>zeitlichen Verhältnisse zu ihrem Besten. Erhalte sie in<lb/>unverletzter Unschuld, erhalte sie in Deiner Gnade! Ver-<lb/>leibe, daß sie nach dem Vorbilde des göttlichen Heilandes<lb/>zunehmen, wie an Alter, so an wahrer Weisheit und an<lb/>Tugend und Gnade bei Dir und bei den Menschen. O<lb/>Gott, mächtig in Deiner Gnade, sei in Kraft dieses heil.<lb/>Opfers Deines Sohnes also mit meinen Kindern, daß sie<lb/>stets mein Trost und meine Freude seien hier auf Erden,<lb/>meine Krone in der Ewigkeit und daß Du, großer Vater,<lb/>an ihnen Wohlgefallen habest als an Deinen geliebten<lb/>Kindern. Amen.</p>
										
                              <p>Vater unser. (Für die Kinder.)</p>
										
                              <p rendition="#c">Zur h. Communion.</p>
										
                              <p>O Herr, Jesu Christe, Du Sohn des lebendigen Gottes,<lb/>noch einmal wende ich mich an Dich; Du hast nach dem<lb/>Willen des Vaters und in Mitwirkung des heil. Geistes<lb/>durch Deinen Tod der Welt das Leben bereitet: so bitte<lb/>ich Dich denn durch dies Dein hochheiliges Fleisch und<lb/>Blut, daß Du meine Kinder von allen ihren Vergebungen<lb/>und von allem Uebel befreien und verleihen wollest, daß<lb/>sie stets treu an Deinen Vorschriften halten und von Dir<lb/>niemals getrennt werden mögen. Amen.</p>
										
                              <p rendition="#c">Zum Schlusse.</p>
										
                              <p>Gebet... Seite 162 u.s.w.</p>
									
                           </div>
								
                        </div>
								
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                        <div xml:id="d62092e31455">
									
									
                           <head rendition="#c">Verschiedene Gebete der christlichen<lb/>Mutter.</head>
									
                           <div xml:id="d62092e31462">
										
                              <head rendition="#c">A. Für sich selbst.</head>
										
                              <div xml:id="d62092e31467">
											
                                 <head rendition="#c">Gebet um die Gnade eines guten Beispiels.</head>
											
                                 <p>O Gott, wie sehr hat das Wort Deines göttlichen<lb/>Sohnes: <q>„Lasset euer Licht leuchten!“</q> auch für mich Gel-<lb/>tung! Es ist dein h. Wille, daß ich meinen Kindern in<lb/>Allem mit dem Beispiele eines Dir wohlgefälligen Lebens<lb/>vorgeben soll. Wie könnten sie sonst selbst gut werden.<lb/>Darum flehe ich (durch die Verdienste Deines h. Opfers)<lb/>zu Dir um Beistand zu einem wahrhaft christlichen Leben.<lb/>Spende mir reichlich Deine Gnade, damit ich im Stande<lb/>sei, in all meinem Reden, Thun und Lassen Alles zu ver-<lb/>meiden, was des christlichen Namens unwürdig ist. Hilf<lb/>mir, daß ich alle Tugenden des christlichen Lebens üben<lb/>und zu immer größerer Vollkommenheit gelangen möge, da-<lb/>mit mein Leben ein Vorbild und Muster für meine Kinder<lb/>sein möge. – Wie wunderbar hast Du, o Herr, in Deinen<lb/>Heiligen gewirkt! So nimm Dich auch meiner in Gnaden<lb/>an! Zwar bin ich so großer Gnaden nicht werth; aber<lb/>Du bist ein gnädiger Gott; Du liebest meine Kinder; sie<lb/>sind ja auch Deine Kinder. Um ihretwillen und um Jesu,<lb/>Deines Sohnes willen, erhöre mein Gebet. Amen.</p>
										
                              </div>
										
                              <div xml:id="d62092e31518">
											
                                 <head rendition="#c">Gebet um die wahre übernatürliche Liebe.</head>
											
                                 <p>O Gott, Du Vater meiner Kinder, da Du mir dieselben<lb/>hast anvertrauen wollen, so hast Du meinem Herzen einen<lb/>Antheil an jener Liebe eingepflanzt, welche Dein göttliches<lb/>Herz zu meinen Kindern trägt; und Du bist bereit, in<lb/>Kraft des h. Ehesakramentes durch Deine Gnade diese<lb/>natürliche Mutterliebe zu verklären und zu erhöhen, auf<lb/>daß sie zum Heile meiner Kinder Deiner heiligen Liebe<lb/>
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                                 <p>Erleuchte mich, o Gott, daß ich mit gläubigem Blicke<lb/>allimmerdar meine Kinder betrachtend es lerne, mehr und<lb/>mehr mit jener Liebe sie zu lieben, welche Du, großer heil.<lb/>Vater, gegen sie trägst; daß ich sie liebe als Deine Kinder,<lb/>ausgestattet mit der Schönheit und Vortrefflichkeit der heilig-<lb/>machenden Gnade, als Brüder und Schwestern Jesu Christi,<lb/>erkauft durch Sein h. Blut; als Tempel des h. Geistes;<lb/>als Genossen jener erhabenen Gemeinschaft der heiligen,<lb/>berufen, einst in Deinem h. Hause ewig Theil zu haben an<lb/>Deiner Herrlichkeit und Seligkeit.</p>
											
                                 <p>So verleibe denn, o Gott, daß durch diese Wahrheiten<lb/>und durch Deine Gnade die h. Liebe zu meinen Kindern<lb/>in mir zur Vollkommenheit gedeihe, damit es mir zu jeder<lb/>Zeit über Alles am Herzen liege, sie immer mehr zu Deinen<lb/>würdigen Kindern heranzubilden, und sie zu wahrer Gottes-<lb/>furcht und Frömmigkeit zu erziehen, auf daß sie Deinen<lb/>h. Namen verherrlichen und selig werden. Erfülle mich<lb/>mit Eifer für das Heil ihrer Seelen! Erwecke und stärke<lb/>mich, daß mir keine Mühe zu schwer, kein Opfer zu groß<lb/>sei und daß ich in Wirken und Leiden und Beten uner-<lb/>müdlich ausharre, wo immer es sich handelt um das Seelen-<lb/>heil meiner Kinder. Herr, gib mir jene h. Liebe, womit<lb/>Du die Herzen so vieler heiligen Mütter erfüllt hast; durch<lb/>Jesus Christus. Amen.</p>
										
                              </div>
										
                              <pb facs="images/C889_001_1874_0368"
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                              <div xml:id="d62092e31621">
											
											
                                 <head rendition="#c">Gebet um Weisheit.<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
													
                                       <p>
                                          <q>„Salomon aber,“</q> so erzählt die h. Schrift (3. B. d. Kön. 3.) <q>„liebte<lb/>den Herrn; und der Herr erschien ihm zur Nachtzeit im Schlafe und<lb/>sprach: Begehre, was du willst, das ich dir geben möge. Und Sa-<lb/>lomon sprach: Du hast mich, mein Herr und Gott, zum Könige ge-<lb/>macht anstatt meines Vaters David; ich aber bin noch jung und un-<lb/>erfahren; so gib denn Deinem Diener ein gelehriges Herz, daß er<lb/>Dein Volk zu regieren und zu unterscheiden wisse zwischen Gut und<lb/>Bös; denn wer vermöchte ohne dieses das Volk zu regieren, dieses<lb/>große Volk?! Und der Herr sprach zu Salomon: Weil du solches<lb/>begehrt hast, und hast um Weisheit gebeten, so hab' ich dir gethan<lb/>nach deinem Worte und dir ein weises und verständiges Herz gege-<lb/>ben.“</q> Welche Aufforderung für die christliche Mutter zu ähnlicher<lb/>Bitte. Wird der Herr nicht auch sie erhören?</p>
                                    </note>
											
                                 </head>
											
                                 <p>Wie groß, o Gott, und wie wichtig ist der Beruf, den<lb/>Du mir gegeben hast, und wie schwer seine Aufgabe: Ich<lb/>soll die Kinder, welche Du mir anvertrauet hast, ein jedes<lb/>nach seiner Art erziehen und sie zur Ablegung ihrer Fehler<lb/>und zur Uebung der christlichen Tugenden anleiten. O mein<lb/>Gott, ich bin unwissend und unvermögend. Wie soll ich<lb/>zu jeder Zeit den rechten Weg erkennen, der zum Ziele<lb/>führt, wenn Du nicht hilfst? So sende denn, o Gott des<lb/>Lichtes und der Erkenntniß, von Deinem himmlischen<lb/>Throne einen Strahl Deiner göttlichen Weisheit in mein<lb/>Herz, gleich wie Du einst dem Salomon auf sein Flehen<lb/>ein weises und einsichtsvolles Herz gegeben hast, auf daß<lb/>er sein Volk heilsam regieren könne. Erleuchte mich, auf<lb/>daß ich erkenne, wie ich meine Kinder, ein jedes nach seiner<lb/>Art, behandeln muß, damit sie von ihren Fehlern befreiet<lb/>und vor dem, was ihnen nachtheilig und gefährlich ist,<lb/>bewahrt werden; zeige mir die Mittel und Wege, sie wahr-<lb/>haft gut zu erziehen; führe mich, daß ich gleich fern bleibe<lb/>von schädlicher Nachsicht und unzeitiger Strenge; gib mir<lb/>das rechte Wort, wenn ich sie belehre, rüge und ermahne;<lb/>zeige mir Deinen h. Willen, wenn ich ihnen zu rathen<lb/>habe. So laß mich das Werk der Erziehung vollführen,<lb/>wie an Deiner Hand, der Du Deine Kinder mit unend-<lb/>licher Weisheit auf den besten Wegen ihrem Heile entgegen-<lb/>zuführen weißt.</p>
											
                                 <p>O heiliger Geist, Du Spender der Gnaden und Gaben<lb/>
                                    <pb facs="images/C889_001_1874_0369"
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                                        xml:id="C889_001_1874_pb0157_0001"/>verleihe mir die Gabe der Weisheit und des Rathes zum<lb/>Besten meiner Kinder. Amen.</p>
											
                                 <p>Vater unser und Ave.</p>
										
                              </div>
										
                              <div xml:id="d62092e31732">
											
                                 <head rendition="#c">Gebet um Starkmuth.</head>
											
                                 <p>O Gott, Du weißt es, wie leicht ich unter den Beschwer-<lb/>den, Entbehrungen und Anstrengungen, welche die Erzieh-<lb/>ung der Kinder mit sich führt, zaghaft und ungeduldig<lb/>werden möge. Und wehe mir, wenn ich dadurch mich ver-<lb/>leiten ließe, das, was ich doch für das Wohl meiner Kin-<lb/>der thun muß, zu versäumen oder nur nachlässig zu thun!<lb/>So erfülle mich denn mit Muth und Kraft, daß ich die<lb/>Beschwerden meines Berufes willig übernehme und mit<lb/>Geduld ertrage. Lehre mich, in ihnen das Kreuz zu ver-<lb/>ehren, welches Dein h. Wille mir zu meinem Heile aufge-<lb/>legt hat, auf daß ich es täglich aufnehme und es meinem<lb/>Heilande, der so viel mehr für das Heil der Seelen litt,<lb/>gern nachtrage. Richte meinen Blick auf die kostbare<lb/>Frucht so vieler Mühen, welche ist das Wohl meiner Kin-<lb/>der für Zeit und Ewigkeit und für mich ein unaussprech-<lb/>lich großer ewiger Lohn – So verleihe denn, daß ich ohne<lb/>Scheu vor Mühe und Entbehrung an meinen Kindern und<lb/>für sie stets Alles thun möge, was zu ihrer guten Er-<lb/>ziehung nothwendig oder nützlich ist. – O h. Geist, Du<lb/>Geist der Stärke, verleihe mir die Gabe der Stärke. Amen.</p>
											
                                 <p>Vater unser und Ave.</p>
										
                              </div>
										
                              <div xml:id="d62092e31785">
											
                                 <head rendition="#c">Gebet um Sanftmuth.</head>
											
                                 <p>Göttlicher Heiland, der Du drei Jahre lang mit<lb/>Deinen Jüngern, wie ein Vater mit seinen Kindern ver-<lb/>kehrt hast, wie viel hattest Du durch ihre Armseligkeit,<lb/>durch ihre Unvollkommenheiten und Fehler zu leiden,<lb/>wie geeignet war nicht selten ihr Verhalten, Dich zu<lb/>Ungeduld und Zorn zu reizen! Und dennoch, wie warst<lb/>Du gegen sie stets so nachsichtig, so duldsam, so sanftmü-<lb/>thig und milde! Nie kam ein unfreundliches, hartes,<lb/>kränkendes Wort über Deine Lippen. – O möchte ich Dir<lb/>ähnlich sein im Verhalten gegen meine Kinder! <hi rendition="#w">Ich muß</hi>
                                    <lb/>es, wenn ich Deine Jüngerin sein und mein Heil wirken<lb/>will. So laß mich <q>„von Dir lernen, sanftmüthig zu sein.“</q>
                                    <lb/>
                                    <pb facs="images/C889_001_1874_0370"
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                                        xml:id="C889_001_1874_pb0158_0001"/>Wenn sich bei den Unarten und Verkehrtheiten der Kinder<lb/>Unwillen, Zorn und Ungeduld in mir reget, so hilf mir,<lb/>diese Regungen zu beherrschen, auf daß ich sie nicht in<lb/>Wort und That an den Tag lege. Halte mich aufrecht,<lb/>daß ich ruhig und besonnen bleibe, so oft ich meine Kin-<lb/>der rügen oder bestrafen muß. Denn <q>„der Zorn wirkt<lb/>nicht, was vor Dir gerecht ist.“</q> Du sanfmüthigster Jesus,<lb/>erbarme Dich meiner! Amen.<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
													
                                       <p>Je mehr eine Mutter zum Zorne geneigt ist, je leichter sie sich dazu<lb/>hinreißen läßt, desto mehr muß sie es an jedem Morgen sich ernstlich<lb/>vornehmen, auf ihrer Huth zu sein und zu kämpfen, desto inständiger<lb/>muß sie zum Herrn um Beistand flehen, besonders Morgens und<lb/>auch sonst; um so den Zorn, dieses großes Uebel bei einer Mutter,<lb/>beherrschen zu lernen.</p>
                                    </note>
                                 </p>
											
                                 <p>Vater unser und Ave.</p>
										
                              </div>
										
                              <div xml:id="d62092e31865">
											
                                 <head rendition="#c">Gebet zu Jesus dem Kinderfreund.<note place="bottom" anchored="true" n="**)">
													
                                       <p>
                                          <q>„Einmal,“</q> so erzählt das h. Evangelium, <q>„wurden“</q> (von den Müt-<lb/>tern) <q>„Kinder zu Jesus gebracht, daß Er ihnen die Hände auflege<lb/>und für sie bete. Die Jünger aber“</q> (welche ihrem ohnehin so viel<lb/>belästigten Meister diese neu Mühe ersparen wollten) <q>„wiesen sie mit<lb/>rauhen Worten ab. Da Jesus das bemerkte, legte Er ihnen seine<lb/>Mißbilligung an den Tag und sprach: Lasset die Kleinen zu Mir<lb/>kommen und wehret es ihnen nicht; denn für Solche ist das Himmel-<lb/>reich. Und Er schloß sie in Seine Arme, legte ihnen Seine Hände<lb/>auf und segnete sie.“</q> Konnte Er auf eine rührendere Art<lb/>Seine Liebe zu den Kindern an den Tag legen? Aehnliche Züge<lb/>Seiner Liebe zu den Kindern erzählt das Evangelium auch an an-<lb/>dern Stellen. Und haben wir nicht Grund, anzunehmen, daß Jesus<lb/>die <hi rendition="#w">christlichen</hi> Kinder, welche nicht mehr wie die jüdischen in der<lb/>Erbsünde haften, welche als christliche Kinder so innig mit Ihm ver-<lb/>bunden sind, noch so viel mehr liebe? Also, christliche Mutter, Ihm,<lb/>dem großen Freunde deiner Kinder schließe dich innig an!</p>
                                    </note>
											
                                 </head>
											
                                 <p rendition="#c">(Besonders bei der h. Messe, bei der h. Communion oder sonst vor dem<lb/>h. Sakramente.)</p>
											
                                 <p>O Jesus, wie groß war einst Deine Liebe zu den Kin-<lb/>dern! Sie ist es noch heut. Ja, Deine Liebe zu den<lb/>
                                    <hi rendition="#w">christlichen</hi> Kindern ist noch so viel größer. So liebst<lb/>Du, göttlicher Herr, auch meine Kinder mehr als ich, und<lb/>bist ihr göttlicher Freund. O wie trostreich und erhebend<lb/>für mich! Sei gelobet und gepriesen! – So verleihe mir<lb/>denn, göttlicher Heiland, die Gnade, daß ich in Allem mich<lb/>so gegen meine Kinder verhalte und Alles so an ihnen<lb/>thue, wie es dem Verlangen Deines h. Herzens und Deinem<lb/>Wohlgefallen entspricht. Gib mir, daß ich sie ganz für<lb/>
                                    <pb facs="images/C889_001_1874_0371"
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                              </div>
										
                              <div xml:id="d62092e31991">
											
                                 <head rendition="#c">Gebet zum heiligen Geiste um Seine sieben Gaben.</head>
											
                                 <p>O h. Geist, Du Urquell und Spender aller Gnaden<lb/>und Gaben, zu Dir nehme ich meine Zuflucht. Wie sehr<lb/>bedarf ich Deiner Gnade im Werke der Erziehung! So<lb/>schenke mir dieselbe in immer reicherer Fülle!</p>
											
                                 <p>Schenke mir die Gabe der Weisheit, damit ich in der<lb/>Erziehung meiner Kinder vor Allem und über Alles das<lb/>Heil ihrer Seelen im Auge habe und in Allem die besten<lb/>Mittel und Wege erkenne, sie zu wahrer Gottesfurcht und<lb/>Frömmigkeit zu erziehen und zum ewigen Heile zu führen.<lb/>Amen.<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
													
                                       <p>Wenn es die Zeit erlaubt, so bete man nach jedem Gebete ein Vater<lb/>unser und Ave, mit dem Zusatze nach dem Worte Jesus: <q>„Der<lb/>mir den Geist der Weisheit (des Verstandes, der Wissenschaft....)<lb/>verleihen wolle.“</q>
                                       </p>
                                    </note>
                                 </p>
											
                                 <p>Schenke mir die Gabe des Verstandes, damit ich durch<lb/>Dich in die rechte Erkenntniß der Lehren unserer h. Re-<lb/>ligion einführt, im Stande sei, meine Kinder in den-<lb/>selben heilsam zu unterweisen und sie in einen innig-<lb/>religiösen Sinn einzuführen. Amen.</p>
											
                                 <p>Schenke mir die Gabe der Wissenschaft, wodurch ich das,<lb/>was zu wissen und zu kennen für mein und meiner Kin-<lb/>der Wohl ersprießlich ist, erkennen und verstehen möge,<lb/>
                                    <pb facs="images/C889_001_1874_0372"
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                                 <p>Schenke mir die Gabe des Rathes, damit ich im schwie-<lb/>rigen Geschäfte der Erziehung zu allen Zeiten den rechten<lb/>Weg finde, die rechten Mittel wähle und die rechten<lb/>Weisen einhalte, um alles, was dem h. Willen Gottes<lb/>entspricht, an meinen Kindern zu vollführen zu ihrem<lb/>wahren Heile für Zeit und Ewigkeit. Amen.</p>
											
                                 <p>Schenke mir die Gabe der Stärke, damit ich unter den<lb/>Beschwerden und Entbehrungen meines mütterlichen Be-<lb/>rufes nicht erliege, sondern mit freudigem Muthe aus-<lb/>harre; damit ich mich niemals von unzeitiger Liebe zu<lb/>meinen Kindern verleiten lasse, zu ihrem Schaden und<lb/>Verderben, ihrer zu schonen, sondern mit christlichem Stark-<lb/>muthe da, wo es Noth thut, Strenge und Züchtigung<lb/>an ihnen handhabe. Amen.</p>
											
                                 <p>Schenke mir die Gabe der Gottseligkeit, und entzünde<lb/>durch Deine Gnade in meinem Herzen das Feuer der heil.<lb/>Liebe, damit ich treu im Dienste meines Herrn und voll<lb/>Eifer in der Uebung der christlichen Tugenden und aller<lb/>guten Werke durch das Beispiel eines vollkommenen christ-<lb/>lichen Lebens meinen Kindern vorleuchte und meine<lb/>Lehren und Ermahnungen durch die Salbung wahren<lb/>Gottesfurcht und der Gnade an ihnen wirksam sein<lb/>mögen. Amen.</p>
											
                                 <p>Schenke mir die Gabe der Furcht des Herrn, und durch-<lb/>dringe mein Herz mit Abscheu gegen die Sünde und mit<lb/>heiliger Scheu vor jeglicher Beleidigung meines Herrn,<lb/>damit ich nicht durch meine Sünden den Kindern Aergerniß<lb/>bereite und Schuld werde, daß das größte Uebel, die Sünde<lb/>und ihr Verderben über sie komme. Amen.</p>
										
                              </div>
										
                              <div xml:id="d62092e32127">
											
                                 <head rendition="#c">Gebet zur h. Jungfrau Maria.</head>
											
                                 <p>O allerseligste Jungfrau Maria, Du <q>„wunderbare Mutter,“</q>
                                    <lb/>zu Dir nehme ich meine Zuflucht, da ich vom Herrn des<lb/>mütterlichen Berufes gewürdigt bin. O möchte ich auch<lb/>als Mutter Dir ähnlich und Deiner Liebe nicht unwürdig sein!<lb/>
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                                    <hi rendition="#w">mein</hi> Familienleben sein! Flehe den Geist der Gottes-<lb/>furcht und Frömmigkeit über unser Haus herab, damit<lb/>in ihm meine Kinder zu allem Guten gedeihen. Amen.</p>
										
                              </div>
										
                              <div xml:id="d62092e32177">
											
                                 <head rendition="#c">Gebet zum h. Joseph.<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
													
                                       <p>Möchten doch alle Eltern nebst der h. Jungfrau auch den h. Joseph<lb/>als Patron der christlichen Familien innig verehren!</p>
                                    </note>
											
                                 </head>
											
                                 <p>H. Joseph, Du treuer Gefährte der h. Mutter, Deiner<lb/>jungfräulichen Braut, der Du sie und ihr göttliches Kind<lb/>mit solcher Hingebung und Sorgfalt beschützet und Dein<lb/>ganzes Leben ihnen geweihet hast, ich bitte Dich, sei auch<lb/>mein und meiner Kinder Beschützer und Fürsprecher bei<lb/>Jesu, Deinem erhabenen Pflegesohne. Erflehe mir die<lb/>Gnade, daß ich die Pflichten gegen meine Kinder, ähnlich,<lb/>wie Maria und Du gegen Jesus, erfüllen möge. H. Joseph,<lb/>bitte für mich! Amen.</p>
										
                              </div>
										
                              <div xml:id="d62092e32212">
											
                                 <head rendition="#c">Gebet zu den h. Schutzengeln.<note place="bottom" anchored="true" n="**)">
													
                                       <p>Nach der Lehre unserer h. Kirche ist die Ueberzeugung, daß den Kin-<lb/>dern die heiligen Schutzengel zur Seite stehen, wohlbegründet. <hi rendition="#w">Muß</hi>
                                          <lb/>sie nicht der christlichen Mutter eine ganz besondere Verehrung gegen<lb/>diese Schutzengel ihrer Kinder einflößen? Liegt es nicht nahe, die-<lb/>selben gewissermaßen als Freunde des Hauses zu halten und zu ver-<lb/>ehren, und demnach in allen Anliegen, welche die Kinder betreffen<lb/>zu ihnen insbesondere seine Zuflucht zu nehmen?</p>
                                    </note>
											
                                 </head>
											
                                 <p>O h. Schutzengel, ihr himmlischen Freunde meiner Kin-<lb/>der, vertrauensvoll wende ich mich an euch. Die der Herr<lb/>meiner Sorgfalt anvertrauet hat, die sind ja auch der<lb/>Gegenstand eurer Liebe und Sorge. So erflehet mir denn<lb/>die Gnade, daß ich gleiche Gesinnungen, wie ihr, gegen<lb/>meine Kinder trage und es mir vor Allem, wie euch, am<lb/>
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                              </div>
										
                              <div xml:id="d62092e32264">
											
                                 <head rendition="#c">Gebet zu den h. Namenspatronen der Kinder.<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
													
                                       <p>Auch <hi rendition="#w">sie</hi> sollten billig von der Mutter besonders verehrt und ange-<lb/>rufen werden; sind sie ja bei der heil. Taufe von der h. Kirche und<lb/>vom Herrn gleichsam dazu angewiesen, wie die Vorbilder, so auch die<lb/>besondern Fürsprecher der Kinder zu sein. Daher auch die Vor-<lb/>schrift, dem Kinde eben den Namen eines (oder einer) Heiligen bei-<lb/>zulegen</p>
                                    </note>
											
                                 </head>
											
                                 <p>Heilige Namenspatrone meiner Kinder, h...., nehmet<lb/>euch auch meiner, ihrer Mutter, an; bittet für mich, damit<lb/>ich durch eure Fürbitte die Gnade erlange, durch Wort<lb/>und That einen heilsamen Einfluß auf meine Kinder zu<lb/>üben, auf daß sie in treuer Nachahmung eurer Tugenden<lb/>zu wahrhaft guten Mitgliedern der h. Kirche heranwachsen<lb/>und einst in eure glückselige Gesellschaft aufgenommen<lb/>werden mögen. Amen.</p>
										
                              </div>
									
                           </div>
									
                           <div xml:id="d62092e32309">
										
                              <head rendition="#c">B. Für die Kinder.</head>
										
                              <div xml:id="d62092e32314">
											
                                 <head rendition="#c">Gebet der Mutter um Segen und Gedeihen für<lb/>ihre Bemühungen an den Kindern.</head>
											
                                 <p>O Gott, ohne den Segen Deiner Gnade wird Alles,<lb/>was ich zur guten Erziehung meiner Kinder thue, dennoch<lb/>keine rechte Frucht bringen. Ob ich auch <q>„pflanze und be-<lb/>gieße“</q>, so wird <q>„das Gedeihen“</q> fehlen, wenn Du es nicht<lb/>
                                    <q>„gibst“</q>. <q>„Vergebens bauen die Bauleute“</q>, sagt Dein Pro-<lb/>phet, <q>„wenn der Herr nicht bauen hilft; und wenn der<lb/>Herr das Haus nicht bewacht, so wacht der Wächter um-<lb/>sonst.“</q> Darum flehe ich zu Dir, o Herr, gib dem, was ich<lb/>durch Lehre und Ermahnung, durch Warnung und Strafe,<lb/>durch Wachsamkeit und Anleitung an meinen Kindern<lb/>thue, das <q>„Gedeihen“</q>; hilf mir über dieselben <q>„wachen“</q>,<lb/>daß sie vor allem Uebel an Leib und Seele bewahrt<lb/>bleiben; hilf mir <q>„bauen“</q>, daß das Gebäude der Tu-<lb/>
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                              </div>
										
                              <div xml:id="d62092e32388">
											
                                 <head rendition="#c">Gebet um Schutz für die Kinder in ihren<lb/>Gefahren.</head>
											
                                 <p>O Gott, wie vielen und großen Gefahren sind meine<lb/>Kinder ausgesetzt, an Leib und Seele Schaden zu nehmen,<lb/>ja zu Grunde zu gehen! Und wie unzureichend ist der<lb/>Schutz, den ich ihnen angedeihen lassen kann. Ja, Herr,<lb/>
                                    <q>„vergeblich wache ich über sie, wenn Du nicht wachen<lb/>willst.“</q> Wenn sie aber <q>„unter Deinem hülfreichen Schutze<lb/>wohnen, o Allerhöchster, und weilen unter Deiner Obhut,<lb/>Du Gott des Himmels“</q>, wie ruhig darf ich dann sein.<lb/>So empfehle ich denn, o Herr, meine Kinder in Deinen<lb/>mächtigen Schutz und Schirm. Halte gnädig von ihnen<lb/>fern, was für ihre Gesundheit und Unversehrtheit, oder für<lb/>ihr Leben gefährlich oder schädlich ist; lasse sie ihrem Leibe<lb/>nach wohl gedeihen. Vor Allem aber schütze sie in den<lb/>Gefahren ihrer Seele. Wehre mit mächtiger Hand von<lb/>ihnen ab, was einen nachtheiligen Einfluß auf ihr jugend-<lb/>liches Herz üben und zu Verkehrtheit und Sünde Anlaß<lb/>werden mag. Bewahre sie vor der Sünde! Sende <q>„Deine<lb/>h. Engel, daß sie meine Kinder behüten auf allen ihren<lb/>Wegen, daß sie dieselben auf ihren Händen tragen, um<lb/>nicht anzustoßen.“</q> O allmächtiger Gott und Vater, führe<lb/>meine Kiinder durch die Gefahren und Stürme dieses Le-<lb/>bens also hindurch, daß sie sicher einst anlangen im Hafen<lb/>des Heils. Amen.</p>
										
                              </div>
										
                              <div xml:id="d62092e32455">
											
                                 <head rendition="#c">Gebet, daß der Herr die Kinder vor der Todsünde<lb/>bewahre.</head>
											
                                 <p>O Gott, wie zahlreich und wie groß sind in der jetzigen<lb/>Welt für meine Kinder die Gefahren der Sünde und des<lb/>Verderbens! Und nimmer liegt es in meiner Macht, sie davor<lb/>
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                                 <p>Ave Maria.</p>
										
                              </div>
										
                              <div xml:id="d62092e32510">
											
                                 <head rendition="#c">Gebet für die Kinder um den Geist wahrer<lb/>Gottesfurcht und Frömmigkeit.</head>
											
                                 <p>O Gott, <q>„alle gute Gabe kommt von Dir“</q>. Nur durch<lb/>Dich sind wir <q>„vermögend, Gutes zu denken“</q>; <q>„Du wirkest<lb/>das Wollen und das Vollbringen.“</q> Du hast meine Kin-<lb/>der in der h. Taufe zu Deinen Kindern umgeschaffen und<lb/>die Keime der Tugenden in ihr Herz gelegt; aber auch<lb/>das <hi rendition="#w">Gedeihen</hi> kommt <hi rendition="#w">nur</hi> durch Dich. So nimm Dich<lb/>denn meiner Kinder in Gnaden an. Verleihe, daß sie<lb/>ganz aus dem Glauben leben. Erhebe ihr Herz zu himm-<lb/>lischen Gedanken und Begierden. Entzünde in ihnen das<lb/>Feuer Deiner h. Liebe, auf daß sie Dir anhangen. Dich<lb/>vor Augen halten und Deine Gebote stets treu erfüllen.<lb/>Nähre in ihnen den Geist des Gebetes, auf daß sie eifrig<lb/>seien im Gebete und zum Gottesdienste und recht beten<lb/>lernen und reich werden an Gnade. Erhalte sie in unver-<lb/>letzter Unschuld und Herzensreinigkeit. Du bist <q>„mächtig,<lb/>o Gott, eine jegliche Gnade in überfließendem Maße zu<lb/>schenken“</q>; so suche denn meine Kinder mit Deiner Gnade<lb/>heim, daß sie in aufrichtiger und herzlicher Gottesfurcht<lb/>
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                              </div>
										
                              <div xml:id="d62092e32583">
											
                                 <head rendition="#c">Gebet um Gnade für die Kinder zur Erfüllung<lb/>ihrer Standespflichten.</head>
											
                                 <p>Allqütiger Gott, verleihe meinen Kindern die Gnade,<lb/>daß sie die Pflichten, welche sie als Kinder gegen ihre<lb/>Eltern haben, gewissenhaft und treu erfüllen. Es ist Dein<lb/>heiligster Wille, daß ein Jeder Dir diene zunächst und<lb/>zumeist durch die treue Erfüllung seiner Standespflichten.<lb/>Nichts verlangst Du daher von meinen Kindern mehr, als,<lb/>daß sie ihren Eltern mit Ehrfurcht, Liebe und Unterthänig-<lb/>keit begegnen; nur dann können sie Dir gefallen, nur<lb/>dann zu guten Menschen heranwachsen. So flöße denn,<lb/>o mildester Vater, meinen Kindern die Gesinnungen der<lb/>Ehrfurcht und Liebe ein, erwecke sie, daß sie mit dankbarem<lb/>Herzen ihren Eltern stets mit Ehrerbietigkeit begegnen und<lb/>mit willigem Gehorsam sich in Allem ihnen unterwerfen.<lb/>Ertödte in ihnen Eigensinn und Eigenwillen; lehre sie,<lb/>den Willen ihrer Eltern stets willig und treu zu erfüllen<lb/>auf daß sie es dadurch lernen, auch Dir zu gehorchen. -<lb/>Einen reichen Segen für Zeit und Ewigkeit hast Du mit<lb/>der treuen Erfüllung des vierten Gebotes verbunden; lasse,<lb/>o Herr, diesen Segen reichlich über meine Kinder kommen.<lb/>Amen.</p>
										
                              </div>
										
                              <div xml:id="d62092e32635">
											
                                 <head rendition="#c">Gebet für die Kinder um die Gnade der Keuschheit.</head>
											
                                 <p>O allerheiligster Gott, der Du die Reinigkeit und Un-<lb/>schuld liebest, verleihe meinen Kindern die kostbare Gnade<lb/>der h. Reinigkeit. Wehe, wenn das Laster der Unkeusch-<lb/>heit über sie hereinbräche! Wie unglücklich würden sie sein<lb/>– leicht für Zeit und Ewigkeit. Herr behüte sie; halt<lb/>mit mächtigem Arm dies Ungethüm von ihnen fern!<lb/>Ohne Deine besondere Gnade können sie die Keuschheit<lb/>nicht bewahren. O Gott, schenke ihnen diese Gnade!<lb/>Durch sie sei ihr Herz wie eine Heiligthum, unentweihet<lb/>von jeglichem unreinen Gedanken und Sinne; durch sie<lb/>sei ihr Auge züchtig, Ohr und Mund jeglicher Ungebühr<lb/>
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                                 <p>Heilige Jungfrau Maria, Du keuscheste Mutter, Du<lb/>Vorbild und Fürsprecherin reiner Seelen, h. Joseph, Du<lb/>keuschester Bräutigam der h. Jungfrau, h. Aloysius, Du<lb/>Engel im Fleische, und all ihr h. Jünglinge und Jung-<lb/>frauen und Kinder und alle Heiligen, helfet mir mit eurer<lb/>kräftigen Fürbitte, auf daß der Herr, wie einst euch, so<lb/>auch meinen Kindern die Gnade unverletzter Unschuld und<lb/>Keuschheit gebe. Amen.</p>
										
                              </div>
										
                              <div xml:id="d62092e32709">
											
                                 <head rendition="#c">Gebet für die Kinder um die Gnade wahrer<lb/>Nächstenliebe.<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
													
                                       <p>Wie vielfach fehlt es im gewöhnlichen Leben an dieser christlichen<lb/>Nächstenliebe, welche doch eine <hi rendition="#w">Grundtugend</hi> des christlichen Le-<lb/>bens ist. Möchten doch alle Mütter diese Tugend in ihrer Kindern<lb/>hegen und daher zunächst zu herzlicher Liebe gegen die Geschwister<lb/>anleiten; besonders oft um die Gnade der christlichen Nächstenliebe<lb/>für sie zu Gott stehen.</p>
                                    </note>
											
                                 </head>
											
                                 <p>Du Gott der Liebe, der Du alle Menschen als Deine<lb/>Kinder liebest und uns so heilig geboten hast, daß auch wir<lb/>uns untereinander aufrichtig lieben sollen, flöße auch meinen<lb/>Kindern den Geist der Liebe ein. Ertödte in ihnen die<lb/>Selbstsucht und Eigenliebe; erweitere ihr Herz, daß sie um<lb/>Deinetwillen alle Menschen aufrichtig lieben. Verleihe<lb/>ihnen, daß sie alle mit ihren Geschwistern in Eintracht,<lb/>Frieden und Liebe verharren, damit sie, nachdem ihnen<lb/>die Uebung der Liebe im Familienkreise zur andern Natur<lb/>geworden ist, zur Zeit dieselbe gegen alle Menschen er-<lb/>weisen. Durch Jesum Christum. Amen.</p>
										
                              </div>
										
                              <pb facs="images/C889_001_1874_0379"
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                              <div xml:id="d62092e32763">
											
											
                                 <head rendition="#c">Gebet für die Kinder um die Gnade der Wahr-<lb/>haftigkeit.</head>
											
                                 <p>Du Gott der Wahrheit, der Du alle Lüge hassest, be-<lb/>wahre meine Kinder vor dem schändlichen und verderblichen<lb/>Fehler des Lügens, der sie in Deinen Augen verabscheu-<lb/>ungswürdig machen und zu vielen Fehlern führen würde.<lb/>Flöße ihnen Abscheu ein gegen jegliche Lüge; lehre sie die<lb/>Wahrheit lieben, auf daß sie stets und in Allem Wahrheit<lb/>reden und aufrichtig seien. Amen.</p>
										
                              </div>
										
                              <div xml:id="d62092e32787">
											
                                 <head rendition="#c">Gebet für die Kinder in ihren Schuljahren.</head>
											
                                 <p>O Gott, Du Vater des Lichtes, siehe gnädig herab auf<lb/>meine Kinder, welche jetzt die Schule besuchen. Welch eine<lb/>kostbare Gelegenheit zu heilsamer Entwickelung des Ver-<lb/>standes und Herzens und zur Sammlung nothwendiger<lb/>und nützlicher Kenntnisse, für ihr zeitliches und ewiges<lb/>Wohl ist ihnen geboten! Verleihe denn, daß sie dieselbe<lb/>treu und mit Eifer benutzen. Halte ihren jugendlichen<lb/>Leichtsinn und ihre Flüchtigkeit in Schranken; rege sie an,<lb/>zu ernstem Fleiße. Stehe ihnen bei, daß sie Alles wohl<lb/>erfassen und behalten. Insbesondere suche sie heim mit<lb/>Deiner himmlischen Erleuchtung, damit sie die Lehren der<lb/>h. Religion wohl erfassen; erwecke ihr kindliches Herz, daß<lb/>es die christlichen Wahrheiten lebendig in sich aufnehme<lb/>und sich ganz an dieselben hingebe. – Beschütze sie vor<lb/>dem nachtheiligen Einflusse böser Kinder; führe sie zusam-<lb/>men mit solchen Kindern, welche heilsam auf sie einwirken<lb/>mögen. – Segne die Geistlichen und Lehrer und Alle,<lb/>welche auf meine Kinder einwirken, daß ihr Einfluß heil-<lb/>sam und erfolgreich sei. Lohne ihnen, was sie an meinen<lb/>Kindern thuen. – So lasse, o Herr, diese Schule eine<lb/>Vorschule für die ewige Auserwählung werden. Amen.</p>
										
                              </div>
										
                              <div xml:id="d62092e32840">
											
                                 <head rendition="#c">Gebet für das Kind, wenn es zur h. Beicht geht.<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
													
                                       <p>Nach der Lehre der h. Kirche ist die Gnade der Buße, d. i. die Gnade<lb/>wahrer Reue und Buße und Besserungswilligkeit auch eine Frucht<lb/>des h. Meßopfers. Wie legt es sich dadurch der christlichen Mutter<lb/>nahe, einer h. Messe beizuwohnen oder bei der h. Messe, der sie bei-<lb/>wohnt, die Meinung zu machen, durch dieselbe für das Kind diese<lb/>Gnade zu seiner h. Beicht zu erflehen. Je mehr das Kind, um zu<lb/>rechter Reue zu kommen, der Gnade bedarf, desto mehr sollte die<lb/>Mutter sie ihm erflehen.</p>
                                    </note>
											
                                 </head>
											
                                 <p>Heiliger, barmherziger Gott, lasse Dir mein Kind em-<lb/>pfohlen sein, welches nun zur h. Beicht zu gehen im Be-<lb/>
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                                 <p>O heil. Engel, begleite mein Kind zu dieser heil. Beicht.<lb/>Amen.</p>
										
                              </div>
										
                              <div xml:id="d62092e32903">
											
                                 <head rendition="#c">Gebet für das Kind, während seiner Vorbereitung<lb/>zu seiner ersten h. Communion.</head>
											
                                 <p>Göttlicher Heiland, die Zeit naher, wo Du auch meinem<lb/>Kinde die unbegreifliche Gnade erweisen willst, in Deinem<lb/>h. Sakramente zum ersten Male bei ihm einzukehren. Un-<lb/>endlich ist die Liebe, mein Gott und Heiland, welche Du<lb/>auch zu meinem Kinde trägt; darum willst Du zu ihm<lb/>kommen und in seiner Seele Wohnung nehmen, um es<lb/>durch die h. Liebe ganz mit Dir zu vereinen und mit<lb/>Deinen kostbarsten Gnaden zu bereichern und zum höchsten<lb/>Heile zu führen. O Jesu, wer ermisset Diene Huld?! Sei<lb/>ewiglich gelobet und gepriesen! – Möchte doch mein Kind<lb/>die Größe der ihm bevorstehenden Begnadigung und Be-<lb/>glückung erkennen! Erleuchte es und führe es zu dieser<lb/>Erkenntniß und erwecke es, daß es zu einer solchen Gnade<lb/>sich würdig vorbereite. Suche Deinen Diener, der es vor-<lb/>bereitet, heim mit Deiner Gnade, damit sein Unterricht<lb/>die Kinder zu heilsamer Erkenntniß der christlichen Wahr-<lb/>heiten führe und sein Wort und seine Anleitung sie zu<lb/>einem wahrhaft christlichen Sinn und Leben vermöge. O<lb/>
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                              </div>
										
                              <div xml:id="d62092e32963">
											
                                 <head rendition="#c">Gebet, daß Gott die Lebensverhältnisse der Kinder<lb/>zu ihrem Besten lenken möge.</head>
											
                                 <p>Alles, o Gott, ruhet in Deiner Hand; <q>„Deine Macht<lb/>waltet von einem Ende der Erde bis zum andern und<lb/>ordnet Alles gar wohl.“</q> Du ordnest Alles so, daß es, so<lb/>viel an Dir, dazu diene, die Menschen zu dem Ziele wahrer<lb/>Lebensheiligkeit, wozu Du sie geschaffen hast, zu führen,<lb/>damit sie Deinen h. Namen verherrlichen und zeitlich und<lb/>ewig wahrhaft glücklich seien. Und Du kennest, allwissen-<lb/>der Gott, die Wege, auf welchen meine Kinder am Sicher-<lb/>sten und am Besten zu diesem ihrem wahren Heile gelangen<lb/>mögen. Darum stehe ich zu Dir, führe sie gnädig auf<lb/>diese Wege. Möge in Allem nur Dein H. Wille an ihnen<lb/>geschehen! Dein h. Wille allein ist ihr Heil. Lasse nicht<lb/>zu, daß ich selbst durch unzeitige, irdische Rücksichten ver-<lb/>leitet und verblendet sie auf Wege leite, die trotz allem<lb/>Scheine schließlich zu ihrem Verderben führen. Halte sie,<lb/>daß sie nicht selbst, durch jugendlichen Leichtsinn verlockt,<lb/>auf solche Wege sich verirren! Du, o großer, unendlich<lb/>weiser, unendlich liebevoller, unendlich mächtiger Vater meiner<lb/>Kinder, Du wollest sie führen; Du führst stets zum Heile.</p>
											
                                 <p>Insbesondere flehe ich zu Dir, Du wollest es nach der<lb/>Weisheit und Macht Deiner Wege ordnen, das ein jedes<lb/>meiner Kinder zu dem Lebensstande gelange, wozu Du sie<lb/>berufen hast. In diesem von Dir bestimmten Berufe allein<lb/>liegt ihr <hi rendition="#w">volles</hi> Heil. O darum lasse es nicht zu, daß<lb/>meine Kinder, von Sünde und verkehrter Neigung hinge-<lb/>nommen, denselben verfehlen. Gib und erhalte ihnen einen<lb/>lebendigen Glauben, befestige sie in Deiner h. Furcht und<lb/>in wahrer Frömmigkeit; dann werden sie durch Deine<lb/>Gnade zur Zeit ihren Beruf erkennen; dann werden sie<lb/>unbeirrt sich demselben hingeben und Du wirst mit ihnen<lb/>sein. Erhöre mich, o Herr, erhöre mich. Durch Jesum<lb/>Christum. Amen.</p>
										
                              </div>
										
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                              <div xml:id="d62092e33049">
											
											
                                 <head rendition="#c">Gebet für Kinder, die an hartnäckigen Fehlern<lb/>leiden.<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
													
                                       <p>Es geschieht zuweilen, am Ende nicht selten, daß sich bei den Kindern,<lb/>besonders bei den Erwachsenen, gewisse Fehler herausstellen, welche<lb/>zu beseitigen der Mutter (resp. dem Vater) bei aller Sorgfalt und<lb/>Mühe nicht gelingt. Vielleicht ist, wenn es sich um erwachsene Söhne<lb/>oder Töchter handelt, die Mutter selbst nicht ohne Schuld; weil sie<lb/>früh, wo es Zeit war, gegen die Fehler ihrer Kinder nicht eingetreten<lb/>ist, so sind dieselben größer und hartnäckiger geworden. Was denn<lb/>nun? Soll die Mutter die Waffen strecken? Die Sache aufgeben?<lb/>Das sei fern! Muß ihr denn nicht Alles daran liegen, daß ihre<lb/>Kinder von ihren Fehlern, worin die Gefahr ihres Verderbens liegt,<lb/>loskommen? Und dazu bleibt, wenn auch Alles fehlschlägt, dennoch<lb/>
                                          <hi rendition="#w">ein</hi> Mittel, das inständige, beharrliche, flehentliche Gebet für solche<lb/>Kinder. O, wenn alle Mütter, der h. Monika ähnlich, das Mittel<lb/>gebührend verwendeten! Wie manches Kino, das nun in seinen Feh-<lb/>lern heranwachst, wie manche Söhne und Töchter, die nun dem Ver-<lb/>derben entgegeneilen, würden durch das Gebet der Mutter die Gnade<lb/>erhalten, von ihren Fehlern und Verirrungen loszukommen zu ihrem<lb/>Heile, zur unaussprechlichen Freude der Mutter!</p>
                                    </note>
											
                                 </head>
											
                                 <p>Allmächtiger Gott, reich an Gnade, der Du <q>„die Herzen<lb/>der Menschen lenkest, wie Wasserbäche,“</q> höre gnädig mein<lb/>Flehen für meinen Sohn (meine Tochter). Du weißt es,<lb/>wie sehr der Zustand seiner (ihrer) Seele mein Herz mit<lb/>Kummer und Sorge erfüllt. Ach, meine Bestrebungen<lb/>bleiben an ihm (ihr) ohne Erfolg. Was bleibt mir also,<lb/>als zu Dir meine Zuflucht zu nehmen? Du bist ein<lb/>starker Gott, <q>„mächtig, jegliche Gnade in überfließendem<lb/>Maße zu geben,“</q> und durch Deine Gnade auch die härtesten<lb/>Herzen zu rühren. Wie oft hast Du durch die Wirkungen<lb/>Deiner Gnade auch die verkommensten Sünder zur Umkehr<lb/>vermocht; wie oft hast Du insbesondere die Bitten frommer<lb/>Mütter erhört und um ihretwillen ihren Kindern die<lb/>Gnade wahrer Besserung verliehen. So verschmähe denn<lb/>auch mein Flehen nicht. Es ist unwürdig, ich bekenne es,<lb/>ich habe vor Dir gesündigt und trage vielleicht selbst einen<lb/>Theil der Schuld an den Fehlern und Verirrungen meines<lb/>Sohnes (meiner Tochter). Aber, o barmherziger Gott,<lb/>verzeihe mir, da ich nun meine Sünde herzlich bereue; laß<lb/>Gnade für Recht ergehen. Durch Deine unermeßliche<lb/>Barmherzigkeit, durch die Verdienste Deines göttlichen<lb/>Sohnes, meines Heilandes, durch die Fürbitte der aller-<lb/>
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                                        xml:id="C889_001_1874_pb0171_0001"/>seligsten Jungfrau Maria, der h. Monika und aller Hei-<lb/>ligen bitte ich Dich, suche meinen Sohn (meine Tochter)<lb/>heim mit Deiner Gnade, damit er seinen (sie ihren) Fehler<lb/>erkenne, ihn herzlich bereue und fortan in Allem nach Deinem<lb/>h. Willen und Wohlgefallen wandelnd das Heil erlange.</p>
											
                                 <p>O Maria, Du Mutter der Barmherzigkeit, Du Zuflucht<lb/>der Sünder, h. Monika, Du siegreiche Beterin für Deinen<lb/>Sohn, und alle Heiligen unterstützet durch euere mächtige<lb/>Fürbitte mein Gebet, auf daß es Erhörung finden möge.<lb/>Amen.</p>
										
                              </div>
										
                              <div xml:id="d62092e33181">
											
                                 <head rendition="#c">Gebet für die Kinder um die sieben Gaben des<lb/>h. Geistes.</head>
											
                                 <p>Heiliger Geist, komm gnädig herab auf meine Kinder<lb/>und schenke ihnen die Gabe der Weisheit, damit ihnen die<lb/>Gnade Gottes und das Heil ihrer Seele zu jeder Zeit<lb/>höher gelte, als alles Andere und sie ihren Blick stets auf<lb/>die Ewigkeit gerichtet halten.</p>
											
                                 <p>O h. Geist, schenke meinen Kindern die Gabe des Ver-<lb/>standes, damit sie die Lehren unserer h. Religion immer<lb/>besser zu ihrem Heile verstehen lernen und eifrig seien, durch<lb/>fleißige Anhörung des göttlichen Wortes und durch Lesung<lb/>guter Bücher in heilsamer Erkenntnis; der christlichen Wahr-<lb/>heiten fortzuschreiten.</p>
											
                                 <p>O h. Geist, schenke meinen Kindern die Gabe der Wissen-<lb/>schaft, damit sie mehr und mehr einen Schatz nützlicher<lb/>Kenntnisse sich sammeln, wie es für ihr eigenes Heil und<lb/>für das Wohl ihrer Mitmenschen zuträglich ist.</p>
											
                                 <p>O h. Geist, schenke meinen Kindern die Gabe des Rathes,<lb/>damit sie im Lichte dieser Gnade zu jeder Zeit das, was<lb/>dem h. Willen Gottes und ihrem Heile entspricht und da-<lb/>für zuträglich ist, erkennen und auch erwählen mögen.</p>
											
                                 <p>O h. Geist, schenke meinen Kindern die Gabe der Stärke,<lb/>damit sie in Kraft derselben, ungebeugt von den Beschwer-<lb/>den des Guten und unaufgehalten von den Hindernissen<lb/>desselben, muthig und stark auf dem Wege des Heiles ver-<lb/>harren. Amen.</p>
											
                                 <p>O h. Geist, schenke meinen Kindern die Gabe der Gott-<lb/>seligkeit; erfülle ihr Herz ganz mit der heiligen göttlichen<lb/>
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                                        xml:id="C889_001_1874_pb0172_0001"/>Liebe, auf daß sie stets eifrig sein mögen in allen guten<lb/>Werken, einzig darauf bedacht und bemühet, in Allem Gottes<lb/>h. Willen zu vollführen.</p>
											
                                 <p>O h. Geist, schenke meinen Kindern die Gabe der Furcht<lb/>des Herrn, damit sie, die Sünde als das größte und einzig<lb/>wahre Uebel erkennend, dieselbe über Alles verabscheuen<lb/>und nichts so sehr fürchten mögen, als durch Sünde den<lb/>Strafen der göttlichen Gerechtigkeit anheimzufallen und das<lb/>Wohlgefallen des Herrn zu verlieren. Amen.</p>
										
                              </div>
										
                              <div xml:id="d62092e33270">
											
                                 <head rendition="#c">Die Kreuzwegandacht der christlichen Mutter<lb/>für ihre Kinder.</head>
											
                                 <p>Göttlicher Heiland, den ganzen Reichthum der Liebe<lb/>Deines h. Herzens hast Du uns geoffenbaret in jenen heil.<lb/>Stunden Deines bittern Leidens und Sterbens. Grausam<lb/>gegen Dich hast Du den Leidensweg betreten, während<lb/>Deine menschliche Natur davor im Innersten erbebte. Die<lb/>Liebe zum Vater und zu uns hat über die Schauder Deiner<lb/>Natur gesiegt; das Verlangen nach unserm Heile hat Dich<lb/>vermocht, Dich in alle Schmach und Qual hinzugeben bis<lb/>zum Tode am Kreuze. So ist Dein Leiden und Sterben<lb/>für uns die Quelle des Heils und des ewigen Lebens ge-<lb/>worden. Durch Dich empfangen wir Vergebung unserer<lb/>Sünden, durch Dich jegliche Gnade, um alle himmlischen<lb/>Güter und den vollen Reichthum des ewigen Heiles zu er-<lb/>langen. Dank Dir und Liebe und ewiger Preis! – Im<lb/>Geiste betrete ich jetzt den Weg Deines Leidens, um das-<lb/>selbe zu verehren und durch die Verdienste desselben für<lb/>meine Kinder die Gnaden zu erflehen, in Kraft deren auch<lb/>sie von allen Sünden befreiet und befähigt werden mögen,<lb/>Deine Liebe zu erkennen, Dich von ganzem Herzen wieder<lb/>zu lieben und durch treue Haltung Deiner Gebote reichlich<lb/>des Heiles theilhaftig zu werden, welches Du auch für sie<lb/>erworben hast. – Ach, meine Sünden lassen mich so un-<lb/>würdig vor Dir erscheinen, nicht werth, das Erflehete zu<lb/>erlangen. Verzeihe mir; ich bereue sie von ganzem Herzen.<lb/>Hilf durch Deine Gnade, auf daß diese Andacht Dir wohl-<lb/>
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                                 <p>Heilige Maria, Du Mutter der Schmerzen, o begleite<lb/>mit Deiner mächtigen Fürbitte mein Flehen für meine<lb/>Kinder. Amen.</p>
											
                                 <div xml:id="d62092e33345">
												
                                    <head rendition="#c">1. Station. Jesus wird zum Tode verurtheilt.</head>
												
                                    <p>
                                       <hi rendition="#rom">V</hi>. Wir beten Dich an, Herr Jesu Christe, und preisen<lb/>Dich, <hi rendition="#rom">R</hi>. Denn durch Dein h. Kreuz hast Du die Welt<lb/>erlöset.<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
														
                                          <p>Wird bei jeder Station wiederholt.</p>
                                       </note>
                                    </p>
												
                                    <p>Betrachte, wie Jesus vor dem Richter steht, das Haupt<lb/>mit Dornen gekrönt, am ganzen h. Leibe von Geisseln zer-<lb/>schlagen, von den vorangegangenen Unbilden im Garten,<lb/>die Nacht hindurch und bei Caiphas, Pilatus und Herodes<lb/>und von Seelenschmerzen bis zum Tode erschöpft. Nun<lb/>wird über Ihn, den Heiligsten, den Besten, das Todesurtheil<lb/>gesprochen; wie ein Verbrecher will Er sterben, um das<lb/>Urtheil ewiger Verdammniß von uns abzuwenden. Bitte<lb/>Ihn, daß Er durch dies ungerechte, grausame Urtheil Deine<lb/>Kinder vom ewigen Verderben errette.</p>
												
                                    <p>
                                       <hi rendition="#w">Gebet</hi>. O Jesu, um unsertwillen lässest Du das un-<lb/>gerechteste Urtheil über Dich ergehen; durch dasselbe flehe<lb/>ich zu Dir, daß Du das Urtheil der ewigen Verdammniß<lb/>von allen meinen Kindern abwendest. – (Vater unser und<lb/>Ave. Ehre sei dem Vater... <hi rendition="#rom">V</hi>. Gekreuzigter Herr Jesu,<lb/>
                                       <hi rendition="#rom">R</hi>. Erbarme Dich unser. Die Seelen der Abgestorbenen laß<lb/>durch Deine Barmherzigkeit ruhen in Frieden. Amen.<note place="bottom" anchored="true" n="**)">
														
                                          <p>Wird bei jeder Station wiederholt.</p>
                                       </note>
                                    </p>
											
                                 </div>
											
                                 <div xml:id="d62092e33423">
												
                                    <head rendition="#c">2. Station. Jesus nimmt das Kreuz auf.</head>
												
                                    <p>Betrachte, wie Jesus bereitwillig das schwere Kreuz auf-<lb/>nimmt, obwohl Er bis zum Tode ermattet ist und weiß,<lb/>wie viel Er an ihm leiden soll und daß Er an ihm ster-<lb/>ben muß. Aber dadurch bereitet Er uns das Heil; genug<lb/>für Ihn, Seine Schmach und Qual nicht zu scheuen. Bitte<lb/>Ihn, daß Er deinen Kindern die Gnade gebe, Sein Joch<lb/>stets willig aufzunehmen und ein wahrhaft christliches Le-<lb/>ben zu führen.</p>
												
                                    <pb facs="images/C889_001_1874_0386"
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                                    <p>
                                       <hi rendition="#w">Gebet</hi>. Jesus, der Du bereitwillig das schwere Kreuz<lb/>aufgenommen hast, segne durch Deine Gnade meine und<lb/>der Geistlichen und Lehrer Bemühungen an meinen Kin-<lb/>dern, sie zu einem gottgeweiheten Sinn und zu einem christ-<lb/>lichen Leben anzuleiten, auf daß sie Dein Joch willig auf-<lb/>nehmen und ausharrend tragen. Amen.</p>
											
                                 </div>
											
                                 <div xml:id="d62092e33467">
												
                                    <head rendition="#c">3. Station. Jesus fällt zum ersten Mal unter dem<lb/>Kreuze.</head>
												
                                    <p>Das Kreuz ist für Jesus zu schwer. Er bricht unter<lb/>ihm zusammen. Bis zum Erliegen hat Er es aus Liebe<lb/>zu unserm Heile tragen wollen. Bitte Ihn, daß Er Deine<lb/>Kinder in den Gefahren ihrer Jugend schütze und auf-<lb/>recht halte.</p>
												
                                    <p>
                                       <hi rendition="#w">Gebet</hi>. O Jesu, der Du das schwere Kreuz bis zum<lb/>Erliegen getragen hast, durch die Verdienste dieses Falles<lb/>wollest Du milde meine Kinder in den vielfachen Gefahren<lb/>ihrer Jugend an Leib und Seele beschirmen, damit sie<lb/>nicht zum Falle kommen. Herr behüte sie, halte sie auf-<lb/>recht, führe sie glücklich zum Ziel. Amen.</p>
											
                                 </div>
											
                                 <div xml:id="d62092e33503">
												
                                    <head rendition="#c">4. Station. Jesus begegnet Seiner h. Mutter.</head>
												
                                    <p>Betrachte Jesus, wie Ihm, da Er das Kreuz wieder<lb/>aufgenommen bat, Seine h. Mutter begegnet. Wie schnei-<lb/>det Sein Anblick ihr in's Herz. Wer fasset ihren Schmerz?!<lb/>Ach, welch ein Leid für Jesus, Seine h. Mutter in solchen<lb/>Schmerzen zu sehen! Er liebt sie so sehr. Bitte den<lb/>Herrn, daß Er durch diesen Schmerz Seiner kindlichen<lb/>Liebe deinen Kindern eine wahre Liebe zu dir und dem<lb/>Vater einflößen und zu treuer Erfüllung ihrer kindlichen<lb/>Pflichten verhelfen wolle.</p>
												
                                    <p>
                                       <hi rendition="#w">Gebet</hi>. Göttlicher Heiland, Du bester und liebevollster<lb/>Sohn Deiner h. Mutter, durch die liebevolle Theilnahme,<lb/>welche Du im Anblicke ihrer Schmerzen empfunden hast,<lb/>verleihe meinen Kindern die Gnade, die Pflicht der kind-<lb/>lichen Liebe und des Gehorsams gegen ihre Eltern treu<lb/>zu erfüllen, damit der Segen des vierten Gebotes und<lb/>Dein Wohlgefallen an ihnen voll werde. Amen.</p>
											
                                 </div>
											
                                 <pb facs="images/C889_001_1874_0387"
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                                 <div xml:id="d62092e33550">
												
												
                                    <head rendition="#c">5. Station. Jesus läßt sich von Simon das Kreuz<lb/>nachtragen.</head>
												
                                    <p>Betrachte, wie Jesus unter dem Kreuze wankt, jeden<lb/>Augenblick in Gefahr, von Neuem zu fallen. Ach, Er ist<lb/>bis zum Tode ermattet und das Kreuz so schwer. Ein<lb/>
                                       <hi rendition="#w">Mensch</hi> muß <hi rendition="#w">Ihm</hi> helfen, es weiter zu tragen. Durch<lb/>diese Beschwerde Seines Kreuztragens bitte Ihn um Gnade<lb/>für deine Kinder, damit sie die Beschwerden eines christlich<lb/>frommen Lebens muthig übernehmen und tragen.</p>
												
                                    <p>
                                       <hi rendition="#w">Gebet</hi>. O Jesu, der Du für uns das schwere Kreuz<lb/>getragen hast, erwecke die Herzen meiner Kinder zu Deiner<lb/>Nachfolge; flöße ihnen einen h. Muth ein, aus Liebe zu<lb/>Dir alle Beschwerden eines frommen Lebens willig auf-<lb/>zunehmen; gib ihnen Kraft zur Ausdauer. Amen.</p>
											
                                 </div>
											
                                 <div xml:id="d62092e33594">
												
                                    <head rendition="#c">6. Station. Jesus reicht Veronika das Abbild<lb/>Seines h. Gesichtes.</head>
												
                                    <p>Betrachte die Jammergestalt deines Herrn; Sein heil.<lb/>Gesicht, von allen erfahrenen Mißhandlungen entstellt, ist<lb/>vom Blute, so aus der Dornenkrone quillt, überronnen.<lb/>Die edle Frau, welche mitleidsvoll Ihm ein Tuch darreicht,<lb/>daß Er Sein Antlitz trockne, empfängt es von Ihm zurück<lb/>mit dem Abdruck desselben. Theueres, heilbringendes An-<lb/>denken! Bitte den Herrn, daß Er den Herzen deiner<lb/>Kinder das Andenken Seines Leidens und eine innige<lb/>Andacht zu demselben einprägen wolle.</p>
												
                                    <p>
                                       <hi rendition="#w">Gebet</hi>. O Jesu, von jeder hast Du Deinen Auser-<lb/>wählten eine herzliche Andacht zu Deinem bittern Leiden<lb/>durch Deine Gnade geschenkt und sie dadurch zur h. Liebe<lb/>und zu allem Guten erweckt; verleihe auch meinen Kin-<lb/>dern diese Gnade; lehre sie, Dich in Deinen Leiden zärt-<lb/>lich zu verehren! Entzünde durch dasselbe ihre kindlichen<lb/>Herzen immermehr zur Inbrunst heil. Liebe und zu allem<lb/>Guten. Amen.</p>
											
                                 </div>
											
                                 <div xml:id="d62092e33643">
												
                                    <head rendition="#c">7. Station. Jesus fällt zum zweiten Mal unter<lb/>dem Kreuze.</head>
												
                                    <p>Betrachte, wie jammervoll der Herr unter dem Kreuze<lb/>am Boden liegt. Das Gewicht unserer Sünden hat Ihn<lb/>
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                                    <p>
                                       <hi rendition="#w">Gebet</hi>. O Jesu, hingeworfen unter der Last unserer<lb/>Sünden, erbarme Dich meiner Kinder. Ach, wie sehr sind<lb/>sie in Gefahr, in den drohenden Versuchungen des Lebens<lb/>zu erliegen und in schwere Sünden zu fallen. Daher flehe<lb/>ich zu Dir, durch die Verdienste Deines Falles unter dem<lb/>Kreuze bewahre sie vor diesem Unglück! Lasse nicht zu,<lb/>daß sie jemals Deine Gnade verlieren. Erhalte sie in<lb/>Deinem Namen. Amen.</p>
											
                                 </div>
											
                                 <div xml:id="d62092e33689">
												
                                    <head rendition="#c">8. Station. Jesus beweint von edlen Frauen.</head>
												
                                    <p>Betrachte, wie der Anblick des Herrn, als Er genöthigt<lb/>wird, das Kreuz wieder aufzunehmen, und nur mit äußer-<lb/>ster Noth Seine wankenden Schritte weiter führt, theil-<lb/>nehmende Frauen bis zu lauten Thränen rührt. Jesus<lb/>sieht mitten in Seiner Noth mit Huld und Liebe auf sie.<lb/>Bitte Ihn, daß Er auch den Herren deiner Kinder Liebe und<lb/>Theilnahme für ihre leidenden Mitmenschen einflößen wolle.</p>
												
                                    <p>
                                       <hi rendition="#w">Gebet</hi>. Leidenvoller Heiland, der Du in Deinen<lb/>Schmerzen mit Huld die Theilnahme jener Frauen ange-<lb/>sehen hast, durch Deinen jammervollen Anblick bitte ich<lb/>Dich, erwecke auch in den Herzen meiner Kinder mehr und<lb/>mehr den Geist jener Liebe, welche nach Deinem h. Wort<lb/>das Merkmal der Deinen sein soll; verleihe, daß sie voll<lb/>Theilnahme seien bei jeder Noth ihrer Mitmenschen und<lb/>durch Wort und That und Gebet sie zu lindern bereit<lb/>und bemühet seien. Lasse sie, Herr, in den Deinen Dich<lb/>lieben und Dir hülfreich sein. Amen.</p>
											
                                 </div>
											
                                 <div xml:id="d62092e33736">
												
                                    <head rendition="#c">9. Station. Jesus fällt zum dritten Mal unter<lb/>dem Kreuze.</head>
												
                                    <p>Betrachte, wie Jesus nun, der Todesstätte nahe, ganz<lb/>erschöpft unter der Wucht des Kreuzes zusammensinkt und<lb/>in Schmerzen daliegt. All seine Kräfte hat er eingesetzt<lb/>im Werke unsers Heiles. Bitte Ihn, Er möge durch die<lb/>Verdienste dieser Seiner Anstrengungen deinen Kindern<lb/>die Gnade des Eifers in Seinem Dienste verleihen.</p>
												
                                    <pb facs="images/C889_001_1874_0389"
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                                    <p>
                                       <hi rendition="#w">Gebet</hi>. O Jesu, alle Deine Kräfte hast Du eingesetzt<lb/>bis zum Erliegen, um das Werk unsers Heiles zu voll-<lb/>enden; so stehe ich denn zu Dir, Du wollest durch die Ver-<lb/>dienste dieses dritten Falles meine Kinder gnädig bewahren<lb/>vor der Schande und dem Uebel der Lauigkeit und Träg-<lb/>heit in Deinem Dienste. Erwecke sie durch Deine Gnade<lb/>zu einem h. Eifer, daß sie zu aller Zeit und unermüdlich<lb/>alle ihre Kräfte Leibes und der Seele verwenden für das<lb/>große Geschäft ihres Heiles und zur Ehre Gottes. Amen.</p>
											
                                 </div>
											
                                 <div xml:id="d62092e33782">
												
                                    <head rendition="#c">10. Station. Jesus wird Seiner Kleider beraubt.</head>
												
                                    <p>Man ist an der Todesstätte angelangt. Erbarmungslos<lb/>fallen die Henker über Jesus her; gewaltsam entkleiden sie<lb/>Ihn. All Seine Wunden werden losgerissen und bluten<lb/>von Neuem; die Dornenkrone, gestoßen und gerüttelt, er-<lb/>neuert alle ihre Schmerzen. In Blut und Wunden, nackt<lb/>steht Jesus da! O Entsetzen! Diese Schmach und diese<lb/>Schmerzen – für uns geduldet – opfere dem Herrn auf<lb/>für deine Kinder, daß Er durch sie die Schmach und das<lb/>Verderben der Unlauterkeit von ihnen fern halte.</p>
												
                                    <p>
                                       <hi rendition="#w">Gebet</hi>. O mein für mich von Schmach und Schmerz<lb/>umrungener Heiland, tief gerührt bete ich Dein Erbarmen<lb/>und Deine Liebe an und flehe im Hinblick auf so viel Leid<lb/>mit Zuversicht für meine Kinder um eine der kostbarsten<lb/>Gnaden. Ja, Herr, durch Deine für Dich so qualvolle<lb/>Entblößung bitte ich Dich, schließe meine Kinder ein in<lb/>die Obhut Deiner Gnade, auf daß sie geschützt und sicher<lb/>seien vor der Schande und dem Verderben der Unlauter-<lb/>keit; durchdringe und erfülle sie ganz mit der Gnade der<lb/>h. Keuschheit, damit sie dieselbe lieben und unverletzt be-<lb/>wahren und ihres vollen Segens theilhaft werden. Amen.</p>
											
                                 </div>
											
                                 <div xml:id="d62092e33835">
												
                                    <head rendition="#c">11. Station. Jesus wird an's Kreuz genagelt.</head>
												
                                    <p>Betrachte, wie grausam man mit dem Herrn verfährt.<lb/>Bereitwillig legt er sich auf's Kreuz und reicht Seine<lb/>Hände und Füße dar; man treibt große Nägel durch die-<lb/>selben, um Ihn an's Kreuz zu heften. Wie dröhnt der<lb/>Hammerschlag! Wie zuckt der Schmerz durch Seine Glieder!<lb/>Er ist am Kreuze befestigt. – Bitte Ihn, Er möge durch<lb/>
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                                       <hi rendition="#w">Gebet</hi>. Göttlicher Heiland, lasse durch die Macht Deiner<lb/>Gnade in meinen Kindern den alten Menschen, die ver-<lb/>kehrte Natur mit ihren bösen Neigungen, wie an's Kreuz<lb/>geheftet, ersterben; ertödte in ihnen insbesondere jene un-<lb/>ordentliche Sinnlichkeit, die Quelle so vieler Sünden. Amen.</p>
											
                                 </div>
											
                                 <div xml:id="d62092e33875">
												
                                    <head rendition="#c">12. Station. Jesus leidet und stirbt am Kreuze.</head>
												
                                    <p>Betrachte deinen göttlichen Heiland, wie Er nun am<lb/>Kreuze dahängt, rings verwundet, aus allen Theilen Seines<lb/>h. Leibes blutend, von den Menschen verstoßen und verhöhnt,<lb/>selbst vom Vater verlassen. Wer ermisset Seine Schmerzen?!<lb/>Das ist der hohe Preis, um den Er unsere Seele erkauft<lb/>und vom ewigen Verderben errettet hat. O, wie kostbar ist un-<lb/>sere Seele! Empfiehl dem Herrn die Seelen Deiner Kinder.</p>
												
                                    <p>
                                       <hi rendition="#w">Gebet</hi>. O <hi rendition="#w">Jesu</hi>, <q>„nicht um Gold und Silber, son-<lb/>dern durch Dein kostbares Blut“</q>, durch Dein bitteres Lei-<lb/>den, um den Preis Deines theuren Lebens hast Du unsere<lb/>Seelen erkauft. Und solche Dir so kostbare Seelen hast Du<lb/>mir in meinen Kindern anvertrauet; o Herr, so hilf mir,<lb/>sie zu schützen, sie zum Heile zu führen. Lasse den theuern<lb/>Preis, den Du auch für sie eingesetzt hast, an ihnen nicht<lb/>verloren sein. Führe sie zum ewigen Leben! Amen.</p>
											
                                 </div>
											
                                 <div xml:id="d62092e33924">
												
                                    <head rendition="#c">13. Station. Der h. Leib Jesu im Schooße der<lb/>h. Mutter.</head>
												
                                    <p>Betrachte, wie der h. Leib Jesu entseelt und von der<lb/>Fußsohle bis zum Scheitel mit Wunden bedeckt in den<lb/>Armen der h. Mutter liegt. Um unsertwillen ist Er zur<lb/>Leiche geworden. Wie würde es dir sein im Anblicke der<lb/>Leiche, eines Freundes, der, während er nach dem Drange<lb/>seiner Liebe dich und deine Kinder aus drohender Todes-<lb/>gefahr rettete, selbst dem Tode anheimgefallen wäre? Jesus<lb/>ist dieser Freund. Bitte Ihn für dich und deine Kinder<lb/>um die Gnade gebührender Dankbarkeit und Gegenliebe.</p>
												
                                    <p>
                                       <hi rendition="#w">Gebet</hi>. O Jesu, Du großer, unendlich edler Freund,<lb/>der Du Dich auch für mich und meine Kinder in den Tod<lb/>hingegeben hast, auf daß wir, vom ewigen Tode errettet,<lb/>das Leben hätten; lasse nicht zu, daß wir jemals kalt und<lb/>
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                                 </div>
											
                                 <div xml:id="d62092e33978">
												
                                    <head rendition="#c">14. Station. Der h. Leib Jesu wird in's Grab gelegt.</head>
												
                                    <p>Betrachte den Leib des Herrn im Grabe. Das große<lb/>Werk, welches Ihm vom Vater aufgetragen worden, war<lb/>nun vollbracht; auf's Vollkommenste hatte Er den Willen<lb/>des Vaters vollzogen. Nun nahet die Glorie der Aufer-<lb/>stehung, die Herrlichkeit des Himmels. Bitte den Herrn,<lb/>daß Er auch deinen Kindern die Gnade gebe, ihren Lebens-<lb/>weg glücklich zu vollenden, damit auch sie einst im Grabe<lb/>ruhen, glorreicher Auferstehung und ewiger Herrlichkeit<lb/>entgegenharrend.</p>
												
                                    <p>
                                       <hi rendition="#w">Gebet</hi>. Göttlicher Heiland, durch Deine hehre Grabesruhe<lb/>bitte ich Dich, Du wollest meine Kinder durch die mancher-<lb/>lei Gefahren und Versuchungen dieses Lebens führen zu<lb/>einem seligen Ende, zu glorreicher Auferstehung und zum<lb/>ewigen Leben. Amen.</p>
											
                                 </div>
											
                                 <div xml:id="d62092e34018">
												
                                    <head rendition="#c">Schlußgebet.</head>
												
                                    <p>Lasse Dir, o allerheiligste Dreifaltigkeit, meine Andacht<lb/>gefallen! Erfülle gnädig die Bitten, welche ich in derselben<lb/>für meine Kinder dargebracht habe. Nimm Dich ihrer in<lb/>Gnaden an nun und alle Zeit! O allmächtiger, allgütiger<lb/>Gott, laß keines von ihnen verloren gehen! Verleihe, daß<lb/>sie allesammt mir zugesellt einst zu Dir in den Himmel<lb/>kommen. Amen.</p>
												
                                    <p>5 Vater unser und Ave für die Ablässe.</p>
											
                                 </div>
										
                              </div>
										
                              <div xml:id="d62092e34044">
											
                                 <head rendition="#c">Der Rosenkranz der christlichen Mutter.</head>
											
                                 <p>I. <hi rendition="#w">Für sich selbst</hi>.</p>
											
                                 <p>1. Der mir die Gnade eines guten Beispiels für meine<lb/>Kinder geben wolle.</p>
											
                                 <pb facs="images/C889_001_1874_0392"
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                                 <p>2. Der mir Weisheit zu einer heilsamen Erziehung<lb/>schenken wolle.</p>
											
                                 <p>3. Der mich vor unzeitiger Nachsicht und vor allem auf-<lb/>gebrachten Wesen bewahren wolle.</p>
											
                                 <p>4. Der mir Eifer und Ausdauer für die gute Erziehung<lb/>meiner Kinder schenken wolle.</p>
											
                                 <p>5. Der meine Bemühungen für meine Kinder segnen wolle.</p>
											
                                 <p>II. <hi rendition="#w">Für die Kinder</hi>.</p>
											
                                 <p>1. Der meine Kinder in allen Gefahren Leibes und der<lb/>Seele beschützen wolle.</p>
											
                                 <p>2. Der meine Kinder von ihren bösen Neigungen<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
													
                                       <p>Oder nach Umständen nehme man für <q>„von ihren bösen Neigungen“</q>:<lb/>
                                          <q>„von ihrer Neigung zum Lügen“</q>, – <q>„zum Naschen“</q> – <q>„von ihrem<lb/>Eigensinn und Ungehorsam“</q> – <q>„von ihrer Trägheit und Nachlässig-<lb/>keit im Lernen“</q> – <q>„von ihrer Ausgelassenheit“</q> – <q>„von ihrer Un-<lb/>vertragsamkeit“</q> – <q>„von ihrem Leichtsinn“</q> – <q>„von dem Geiste der<lb/>Unlauterkeit“</q> – <q>„von ihrem Hange nach sinnlichem Vergnügen“</q> -<lb/>
                                          <q>„von ihrer Gleichgültigkeit gegen Gott und Religion u.s.w.“</q>
                                       </p>
                                    </note> be-<lb/>freien wolle.</p>
											
                                 <p>3. Der meinen Kindern den Geist der Gottesfurcht und<lb/>Frömmigkeit<note place="bottom" anchored="true" n="**)">
													
                                       <p>Oder nach Umständen statt <q>„den Geist der Gottesfurcht und Fröm-<lb/>migkeit“</q>: <q>„die Gnade des Glaubens“</q> – <q>„die Gnade der göttlichen<lb/>Liebe“</q> – <q>„die Gnade des Eifers zu Gebet und Gottesdienst“</q> – <q>„die<lb/>Gnade der Demuth und Bescheidenheit“</q> – <q>„die Gnade der Mäßig-<lb/>keit“</q> – <q>„die Gnade einer wahren Nächstenliebe“</q> – <q>„die Gnade der<lb/>Barmherzigkeit gegen die Armen.“</q>
                                       </p>
                                    </note> geben und vermehren wolle.</p>
											
                                 <p>4. Der meinen Kindern den Segen des vierten Gebotes<lb/>vermitteln wolle.<note place="bottom" anchored="true" n="***)">
													
                                       <p>Das will sagen: Der meine Kinder zur treuen Erfüllung ihrer<lb/>Pflichten gegen die Eltern erwecken und begnadigen wolle, damit der<lb/>Segen des vierten Gebotes ihnen zu Theile werde. <hi rendition="#w">Diese</hi> Pflichten<lb/>sind ja <hi rendition="#w">für die Kinder</hi> die allerwichtigsten, in ihrer Erfüllung ist<lb/>für sie <hi rendition="#w">alles</hi> Gute begriffen; so vollkommen sie <hi rendition="#w">diese</hi> Pflichten der<lb/>Hochachtung, der Liebe und des Gehorsams gegen die Eltern erfüllen,<lb/>so <hi rendition="#w">gut</hi> sind sie jetzt vor Gott, <hi rendition="#w">so begründet</hi> ist die Hoffnung daß<lb/>sie auch in ihren übrigen und in den späteren Lebensbeziehungen gut<lb/>sein werden, <hi rendition="#w">so viel</hi> wird der Segen wahrer christlicher Tugend-<lb/>haftigkeit überhaupt über sie kommen. Was könnte also die Mutter<lb/>Kostbareres für ihre Kinder erflehen, als die Gnade, das vierte Ge-<lb/>bot treu und vollkommen zu erfüllen? <hi rendition="#w">Ohne</hi> die Gnade Gottes<lb/>
                                          <hi rendition="#w">können</hi> ja die Kinder es nicht erfüllen.</p>
                                    </note>
                                 </p>
											
                                 <p>5. Der meine Kinder vor dem Unglücke der Todsünde<lb/>bewahren wolle.<note place="bottom" anchored="true" n="†)">
                                       <p>Zur Abwechselung oder bei besondern Anlässen, z.B. wenn die Kin-<lb/>der zur h. Beicht gehen sollen: <q>„Der meinem Sohn (meiner Tochter)<lb/>die Gnade der Buße (einer wahren Reue) und einer würdigen Beichte<lb/>verleihen wolle.“</q> – Zur Zeit des Communion-Unterrichtes: <q>„Der<lb/>meinen Sohn (m. T.) zur heilsamen Erlernung der h. Religion er-<lb/>wecken und erleuchten wolle;“</q>
														
                                          <q>„der m. S. (m. T.) die Gnade einer<lb/>würdigen Vorbereitung zur ersten h. Communion verleihen wolle.“</q>
                                          <lb/>– In den Tagen vor der ersten h. Communion: <q>„Der das Herz<lb/>meines Sohnes (meiner Tochter) durch Seine Gnade zu einer wür-<lb/>digen Wohnung für Sich zubereiten wolle.“</q> – Bei Entlassung eines<lb/>Sohnes, einer Tochter aus dem elterlichen Hause (in die Fremde<lb/>u.s.w.): <q>Der meinen Sohn (m. T.) in der Obhut Seines Schutzes<lb/>und Seiner Gnade unverletzt erhalten wolle.“</q> – In Betreff der<lb/>Standeswahl: <q>„Der meinem Sohn (m. Tochter) durch das Licht<lb/>und den Beistand Seiner Gnade zu seinem (ihrem) wahren Berufe<lb/>verhelfen wolle“</q>, u.s.w.</p>
                                    </note>
                                 </p>
										
                              </div>
										
                              <pb facs="images/C889_001_1874_0393"
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                              <div xml:id="d62092e34325">
											
											
                                 <head rendition="#c">Gebete der Mutter bei der h. Beichte.<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
													
                                       <p>An die sonstigen Beichtgebete anzuschließen oder zwischen dieselben<lb/>einzufügen.</p>
                                    </note>
                                 </head>
											
                                 <p rendition="#c">Zum Vorbereitungsgebete.</p>
											
                                 <p>Ach nur zu sehr habe ich es bisher fehlen lassen an der<lb/>gewissenhaften und vollkommenen Erfüllung jener heiligsten<lb/>Verpflichtungen, welche ich als Mutter gegen meine Kinder<lb/>habe. So verleihe denn, o Herr, daß ich diese meine<lb/>Fehler und Vergehungen recht erkenne, sie herzlich bereue<lb/>und Verzeihung derselben erlange. Möge diese h. Beicht<lb/>durch Deine Gnade ganz insbesondere dazu dienen, daß ich<lb/>neu erweckt und begnadigt werde, fortan meine Mutter-<lb/>pflichten nach Gebühr heilig zu halten, und sie mit aller<lb/>Gewissenhaftigkeit und Treue zu erfüllen. Durch Jesum<lb/>Christum. Amen.<note place="bottom" anchored="true" n="**)">
													
                                       <p>Bei der Gewissenserforschung unterlaß doch nicht, dich insbesondere<lb/>auch über die Pflichten gegen deine Kinder zu erforschen (eine kurze<lb/>Anleitung dazu oben, S. 165), sie zu bereuen und zu beichten.</p>
                                    </note>)</p>
											
                                 <p rendition="#c">Zum Reuegebet.</p>
											
                                 <p>O Gott, meine Sünden sind um so schlimmer und straf-<lb/>barer vor Dir, weil ich durch sie meinem Mutterberuf un-<lb/>treu geworden bin. Da Du mir die Kleinen, Deine Kin-<lb/>der, anvertrauet hast, damit ich sie für Dich erziehen möge,<lb/>so verlangst Du um so mehr von mir, daß ich zuvor ein<lb/>vor Dir wohlgefälliges Leben führen soll, weil ich nur so<lb/>die Kinder zu Deiner h. Furcht und Liebe anleiten kann;<lb/>Du willst insbesondere, daß ich ihnen in Allem mit dem<lb/>Beispiele eines wahrhaft christlichen Lebens vorleuchten soll.<lb/>
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                                        xml:id="C889_001_1874_pb0182_0001"/>Aber ach, wie sehr habe ich es daran fehlen lassen. Wegen<lb/>meiner Kälte gegen Dich, wegen meiner Nachlässigkeit in<lb/>Deinem Dienste, wegen meiner Sünden ist auch meine<lb/>Lehre und Ermahnung und Anleitung ohne Kraft und<lb/>Wirkung an meinen Kindern und ohne den Segen Deiner<lb/>Gnade geblieben. Und wie viel Verkehrtes, Unchristliches<lb/>und Böses haben sie von Tag zu Tag an mir wahrnehmen<lb/>müssen – zum Schaden ihrer Seele! Ueberdies sind sie<lb/>arm geblieben an Gnade, weil ich das Gebet für sie ver-<lb/>nachlässigt, oder nur so wenig, so lässig für sie gebetet habe<lb/>und mein Gebet so unwürdig war! O mein Gott, wie<lb/>wird es mir einst vor Deinem Richterstuhle ergehen, wenn<lb/>ich dann erkennen muß, daß ich denen, welche Du mir an-<lb/>vertrauet hast, um sie zu allem Guten anzuleiten, Anlaß<lb/>zur Sünde und Verkehrtheit geworden. Und wehe mir,<lb/>wenn die, welche ich zum Himmel führen sollte, durch<lb/>meine Schuld verloren gingen!</p>
											
                                 <p>Und wie beschämt muß ich vor Dir stehen! Wie theuer<lb/>sind Dir meine Kinder; <hi rendition="#w">wie</hi> liebst Du sie! Was hast<lb/>Du nicht Alles für sie gethan! Deinen eingebornen Sohn<lb/>hast Du für sie hingegeben; und Dein göttlicher Sohn hat<lb/>nicht Anstand genommen, für sie die größten Leiden zu<lb/>übernehmen und selbst in den Tod zu gehen; Er hat in<lb/>Seiner h. Kirche alle Heilsgüter und alle Schätze der<lb/>Gnade hinterlassen; ja Er ist stets bereit, in der h. Com-<lb/>munion Sich selbst ihnen zu schenken, um sie zum Heile<lb/>zu führen. Und ich habe diese vor Dir so kostbaren, von<lb/>Dir so geliebten Seelen gering geachtet, verwahrloset, ja<lb/>zu ihrem Verderben beigetragen! O, ich Undankbare! Wie<lb/>habe ich Dein göttliches Vaterherz beleidigt und betrübet!</p>
											
                                 <p>Auch aus Liebe zu mir hast Du mir den Beruf einer<lb/>Mutter gegeben. Welche kostbare Gelegenheit bietet er mir,<lb/>durch die Erfüllung meiner Pflichten an den Kindern mir<lb/>Dein göttliches Wohlgefallen, die reichsten Verdienste und<lb/>den höchsten Himmelslohn zu erwerben, ja ewig an Deiner<lb/>göttlichen Freude, die Du in der Beglückung Deiner Kin-<lb/>der verkostet, Theil zu nehmen, wenn auch ich dazu beitrüge,<lb/>daß meine Kinder zur ewigen Glückseligkeit gelangten. Und<lb/>ich habe den Absichten Deiner Vaterhuld so wenig entsprochen!</p>
											
                                 <p>O Gott, ich habe gesündigt vor Dir. Aber jetzt bereue<lb/>
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                                 <p rendition="#c">Zum Gebete nach der h. Beicht.</p>
											
                                 <p>Vollherzig, o Gott, darf ich mich wieder Deiner Vater-<lb/>huld erfreuen; auch die Sünden wider meinen Beruf als<lb/>Mutter hast Du mir gnädig vergeben und mir Gnade ge-<lb/>boten, um sie fortan desto sicherer meiden und meine Pflich-<lb/>ten als Mutter desto besser erfüllen zu können. Von Neuem<lb/>gelobe ich es daher vor Dir, daß ich der Besserung mich<lb/>ernstlich befleißigen will. Wie es eine meiner heiligsten<lb/>Verpflichtungen ist, meinen Kindern eine wahre christliche<lb/>Mutter zu sein, so soll das auch mein ernstliches Streben<lb/>sein. Eben darum will ich desto eifriger fein, mich in<lb/>wahrer Gottesfurcht und Frömmigkeit zu üben, damit ich<lb/>im Stande sei, meine Pflichten als Mutter zu erfüllen.<lb/>Auf's Sorgfältigste will ich mich hüten, daß meine Kinder<lb/>in meinem Reden, Thun und Lassen nicht etwas Dir, o<lb/>Gott, Mißfälliges wahrnehmen; vielmehr will ich in Allem<lb/>ein gutes Beispiel ihnen vor Augen stellen. Ich will es<lb/>mir am Herzen liegen lassen, sie zur Ablegung ihrer Fehler<lb/>zu vermögen und zu allem Guten sie anzuleiten. Ohne<lb/>Unterlaß will ich für sie beten.</p>
											
                                 <p>O Gott, Du hast mir nun wieder den guten Willen<lb/>gegeben; so gieb mir denn auch das Vollbringen. Ohne<lb/>Deine Gnade vermag ich nichts. Hilf mir denn! Mache<lb/>mich durch Deine Gnade immer mehr jenen h. Müttern<lb/>ähnlich, welche ihre Kinder zu Heiligen erzogen haben. Amen.</p>
											
                                 <p>(Hier bete, so viel die Zeit es erlaubt, einige von den<lb/>Gebeten S. 174-194.)</p>
										
                              </div>
										
                              <pb facs="images/C889_001_1874_0396"
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                              <div xml:id="d62092e34589">
											
											
                                 <head rendition="#c">Gebete der Mutter bei der h. Communion.</head>
											
                                 <p rendition="#c">Zu den Vorbereitungsgebeten.</p>
											
                                 <p>Göttlicher Heiland, Du hast in diesem h. Geheimnisse<lb/>Deiner Liebe uns eine Quelle der reichsten Gnaden hinter-<lb/>lassen; aus ihr sollen wir schöpfen, um unsers christlichen<lb/>Berufes würdig, als wahre Kinder Gottes leben und das<lb/>Heil der Kinder Gottes erlangen zu können. Daher komme<lb/>auch ich zu Dir. Wie sehr bedarf ich es, den Reichthum<lb/>Deiner Gnaden zu empfangen, um alle Pflichten einer<lb/>christlichen Mutter nach Gebühr zu erfüllen. So komme<lb/>denn, o Jesus, Du Freund der Kinder, komm in meine<lb/>Seele und bereichere mich mit Deiner Gnade, damit ich<lb/>in Kraft dieser Gnade fortan desto mehr im Stande sei,<lb/>meine Kinder, Deine Lieblinge, ganz nach Deinem h. Willen<lb/>und Verlangen zu erziehen. Ohne die Erleuchtung und<lb/>Kraft Deiner Gnade vermag ich's nicht. So komme mir<lb/>denn zu Hülfe, o Herr, damit ich im Lichte Deiner Gnade<lb/>den rechten Weg der Erziehung erkenne und durch ihre<lb/>Kraft stark und ausdauernd sei, ihn in Allem einzuhalten.<lb/>Erneuere durch diese h. Communion in mir die Gnaden,<lb/>welche Du im h. Sakrament der Ehe mir eröffnet hast;<lb/>mache mich zu einer wahrhaft christlichen Mutter, damit<lb/>ich nur das wahre Wohl meiner Kinder im Auge haben<lb/>und gern Alles für sie thun möge. Amen.</p>
										
                              </div>
										
                              <div xml:id="d62092e34647">
											
                                 <head rendition="#c">Zu den Gebeten nach der h. Communion.</head>
											
                                 <p>O Jesus, nun in meiner Seele wahrhaft gegenwärtig<lb/>und auf's Innigste mit mir vereint, Du bist zu mir ge-<lb/>kommen, um durch Deine h. Gegenwart meine Seele zu<lb/>heiligen und mich durch die h. Liebe inniger mit Dir zu<lb/>vereinigen; Du bist gekommen, um mich mit Gnaden zu<lb/>bereichern und mich in den Stand zu setzen, daß ich ein<lb/>Dir wohlgefälliges Leben zu meinem Heile möge führen<lb/>können; Du bist auch, göttlicher Kinderfreund, zu mir ge-<lb/>kommen um meiner Kinder willen. <hi rendition="#w">Sie</hi> liegen Dir am<lb/>Herzen, Du trägst das liebevollste Verlangen, daß sie zu<lb/>würdigen Gliedern Deiner h. Kirche heranwachsen und einst<lb/>das ewige Heil finden möchten. So willst Du durch diese<lb/>
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                                 <p>O Herr, wäre es mir vergönnt gewesen, in jenen gna-<lb/>denreichen Tagen, wo Du durch Deine sichtbare Gegenwart<lb/>das h. Land beglücktest, in demselben zu leben und wie<lb/>Martha und Maria Dich in meinem Hanse aufzunehmen,<lb/>was würde mir wohl mehr am Herzen gelegen haben, als<lb/>gleichwie jene Mütter, meine Kinder Dir vorzuführen, auf<lb/>daß Du sie segnetest. Könnte ich's heut unterlassen, wo<lb/>Du – noch gnadenvoller – der Gast meiner Seele bist?<lb/>Ach nein, göttlicher Heiland, mein Herz drängt mich, in<lb/>diesem heiligsten und gnadenvollsten Augenblicke alle meine<lb/>Kinder im Geiste Dir vorzuführen und sie Deiner göttlichen<lb/>Huld und Gnade zu empfehlen. So nimm Dich denn ihrer<lb/>in Gnaden an! Ohne Dich kann ich nichts für das wahre<lb/>Wohl meiner Kinder thun; was ich auch thue, das wird<lb/>ohne Dich erfolglos bleiben. Lasse Dich also gnädig zu<lb/>mir herab und stehe mir zur Seite im Werke der Erzieh-<lb/>ung! Behüte meine Kinder vor der Sünde! Erfülle mein<lb/>Herz mit Deiner h. Liebe und mit Deinem Geiste, auf<lb/>daß sie in Allem nach Deiner Lehre und nach Deinem<lb/>Beispiele wandeln. Führe sie zum ewigen Leben. Amen.</p>
										
                              </div>
										
                              <div xml:id="d62092e34744">
											
                                 <head rendition="#c">Gebet der christl. Mutter für ihren Mann.<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
													
                                       <p>Gewiß wird jede gute christliche Ehefrau für ihren Mann, der ja<lb/>mit ihr durch geheimnisvolle Bande auf's Innigste vereinigt ist,<lb/>überhaupt recht fleißig beten, namentlich, wenn er gewissen Fehlern<lb/>und Verkehrtheiten ergeben ist, also für das Heil seiner Seele. Hier<lb/>aber haben wir die Mutter im Auge, insofern sie als Mutter ihrer<lb/>Kinder für ihn, als deren Vater betet.</p>
                                    </note>
											
                                 </head>
											
                                 <p>Gott, himmlischer Vater, wie mir, so hast Du auch<lb/>meinem Manne die Kinder anvertraut; gemeinschaftlich ist<lb/>unser Beruf. Und nur dann kann der Zweck desselben,<lb/>eine gute Erziehung der Kinder, erreicht werden, wenn wir<lb/>
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                                    <hi rendition="#w">beide</hi> unsere Pflichten gegen dieselben aufrichtig zu er-<lb/>füllen bemühet sind. So verleihe denn, o Gott, meinem<lb/>Manne die Gnade, daß er die Heiligkeit und Wichtigkeit<lb/>seines väterlichen Berufs recht erkenne; erwecke ihn, daß<lb/>er es sich aufrichtig am Herzen liegen lasse, sie vollkommen<lb/>zu erfüllen. Möge er doch vor Allem mit dem Beispiele<lb/>eines treuen christlichen Lebens den Kindern vorleuchten!<lb/>Darum, o allmächtiger Gott, begnadige ihn, auf daß er<lb/>seine Fehler ernstlich bekämpfe und sie überwinde; behüte<lb/>ihn, daß er in den Zerstreuungen seines Lebens Deiner<lb/>nicht vergesse, in den Gefahren des Lebens nicht zu Grunde<lb/>gehe; flöße ihm ein die Gesinnungen eines lebendigen<lb/>Glaubens, der Hoffnung und der Liebe; gib ihm Eifer zum<lb/>Gebete und zum Gottesdienste und zu den Uebungen eines<lb/>echt christlichen Lebens. Mache, o Herr, daß er ein wahr-<lb/>haft christlicher Vater für unsere Kinder sei. Amen.</p>
										
                              </div>
										
                              <div xml:id="d62092e34815">
											
                                 <head rendition="#c">Gebet um die Gnade der standesmäßigen<lb/>Keuschheit.<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
													
                                       <p>Mit Recht findet dieses Gebet Platz unter den Gebeten einer christ-<lb/>lichen Mutter. Denn kommt es, damit die Erziehung wohl gelinge,<lb/>vor Allem darauf an, daß die Mutter echt christliche Frömmigkeit<lb/>übe, weil nur dann das so nothwendige gute Beispiel und der Segen<lb/>der göttlichen Gnade – beide ganz unentbehrlich – stattfindet, so ist<lb/>es ja eben ein keusches Herz und Leben, worin allein solche Fröm-<lb/>migkeit gedeihet. Daher Gottes h. Wille, daß auch Eheleute in ihrem<lb/>Stande züchtig und ehrbar leben. Finde hier das ernste Wort des<lb/>h. Engels Raphael an den jüngern Tobias Platz (B. Tobias 6, 17 ff.):<lb/>
                                          <q>„Welche so in den Ehestand treten,“</q> und so darin leben, <q>„daß sie<lb/>Gott von sich und von ihrem Herzen ausschließen, und ihrer Wollust<lb/>also pflegen, wie Roß und Maulesel, die keinen Verstand haben, über<lb/>
                                             <hi rendition="#w">die</hi> hat der Teufel Gewalt“</q> (das bezieht sich auf die sieben Männer<lb/>der Sara, welche sämmtlich in der Nacht nach der Verehelichung<lb/>plötzlich starben; <q>„ich habe gehört,“</q> sagte Tobias (6, 14), <q>„daß ein<lb/>böser Geist sie getödtet hat“</q> (und der Engel bestätigte das). <q>„Du<lb/>aber, fährt der Engel fort</q>, <q>„nimm die Jungfrau (Sara) zu dir in<lb/>der Furcht des Herrn, mehr aus Liebe zu den Kindern, als aus<lb/>Lust.“</q> Und also sprach Tobias zu seiner Gemahlin Sara: <q>„Wir<lb/>sind Kinder der Heiligen und dürfen nicht so zusammenkommen, wie<lb/>die Heiden, welche Gott nicht kennen.“</q> Sollen aber christliche Ehe-<lb/>leute so zusammenkommen, wie es <q>„Kindern der Heiligen“</q> d. i. Chri-<lb/>sten geziemt, sollen sie in standesmäßiger Menschheit leben, so bedür-<lb/>fen sie einer besondern Gnade. <q>„Und da ich wußte.“</q> heißt es im<lb/>Buche der Weisheit (8, 21) <q>„daß ich nicht enthaltsam (keusch) sein<lb/>könnte, wenn der Herr es nicht verleihet, so trat ich zum Herrn und<lb/>flehete (um diese Gnade) mit der ganzen Inbrunst meines Herzens.“</q>
                                          <lb/>Daher obiges Gebet. Möge es oft <q>„mit der ganzen Inbrunst des<lb/>Herzens“</q> verrichtet werden.</p>
                                    </note>
											
                                 </head>
											
                                 <p>O Gott, Du Liebhaber reiner Seelen, <q>„von dem jegliches<lb/>vollkommene Geschenk kommt,“</q> auch ich <q>„trete zu Dir hin<lb/>
                                       <pb facs="images/C889_001_1874_0399"
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                                       <lb/>zusammenkommen so, wie es Kindern der Heiligen ge-<lb/>ziemt,“</q>
												
                                    <q>„in der Furcht des Herrn, mehr aus Liebe zu den<lb/>Kindern, als aus Lust.“</q> – Du hast mir huldreich An-<lb/>spruch auf solche Gnade gegeben im h. Sakrament der<lb/>Ehe, Du bist bereit, sie mir zu schenken, wenn ich nach<lb/>Gebühr bei Dir flehend darum anhalte. Siehe, Herr, ich<lb/>flehe darum; so gib sie mir! Durch diese Gnade hast Du<lb/>zu aller Zeit in Deiner h. Kirche jene h. Eheleute gebildet,<lb/>die selbst im Ehestande ein enthaltsames Leben führten.<lb/>Durch sie werde auch ich stark sein, die unordentliche<lb/>Sinnlichkeit zu zügeln; durch sie gekräftigt werde ich treu<lb/>verharren in den Schranken, die Du gesetzt hast; von ihr<lb/>erleuchtet und geweihet werde ich den Zweck des ehelichen<lb/>Standes stets im Auge haltend mir nie erlauben, was<lb/>ihm nicht entspricht; von ihr gestärkt werde ich enthalt-<lb/>sam sein, so viel es Dein h. Wille ist. Du starker Gott,<lb/>
                                    <q>„bei dem Alles möglich ist,“</q> erhöre mich!</p>
											
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                                 <p>O h. Jungfrau Maria und Du jungfräulicher Bräuti-<lb/>gam derselben, h. Joseph, und ihr h. Eheleute allzumal,<lb/>bittet für mich. Amen.</p>
										
                              </div>
										
                              <div xml:id="d62092e35045">
											
                                 <head rendition="#c">Gebet im gesegneten Stande.</head>
											
                                 <p>Allmächtiger, allgütiger Gott, Schöpfer und Erhalter<lb/>aller Wesen, der Du nach dem Rathschlusse Deiner Weis-<lb/>heit und Güte meinen ehelichen Stand gesegnet hast, wie<lb/>viele Ursache habe ich, Dir zu danken, daß Du mich wür-<lb/>digest, mitthätig zu sein zur Ausführung Deiner väterlichen<lb/>Absichten, nach welchen Du wieder einen Menschen in's<lb/>Dasein rufest, bestimmt, Deinen heiligen Namen zu ver-<lb/>herrlichen und befähigt, in Dir zeitlich und ewig glücklich<lb/>zu werden. O möchte ich doch diese Aufgabe recht erfassen<lb/>und von meiner Seite Alles dazu beitragen, daß dieselbe<lb/>erreicht werde.</p>
											
                                 <p>So segne denn, o mein Gott, mich und das Kind, wel-<lb/>ches ich schon jetzt Dir weihe. Du hast es mir gegeben,<lb/>und ich gebe und schenke es Dir wieder. Nimm dieses<lb/>theure Pfand in Deine väterliche Obhut und stehe mir bei,<lb/>auf daß ich Alles, was einen nachtheiligen Einfluß auf<lb/>dasselbe üben könnte, nach Kräften vermeide. Behüte mich<lb/>vor bösen Neigungen und ungeordneten Begierden, vor<lb/>Zorn und Ereiferung, vor Eitelkeit und vor Allem, was<lb/>vor Dir sündhaft ist. Flöße meinem Herzen ein die Ge-<lb/>sinnungen wahrer Frömmigkeit und lenke alle meine Nei-<lb/>gungen zum Guten und zu dem, was Dir wohlgefällt,<lb/>damit also schon jetzt das sich entwickelnde Herz meines<lb/>Kindes zu allem Guten hingeneigt werden möge.</p>
											
                                 <p>Sei Du, o Gott, mein Schutz und Schirm, auf daß<lb/>nichts Nachtheiliges mir widerfahren möge. Führe gnädig,<lb/>o mein und meines Kindes Vater, Deine Werke in mir<lb/>zur Vollendung und verleihe, daß ich zur Zeit Deinen<lb/>Namen preisen möge, in der <q>„Freude, daß ein Mensch zur<lb/>Welt geboren“</q> sei. Durch Jesum Christum. Amen.</p>
										
                              </div>
										
                              <div xml:id="d62092e35120">
											
                                 <head rendition="#c">Gebet um die Gnade des Priesterberufs.</head>
											
                                 <p>Göttlicher Heiland, wie sehr liegt Dir das Heil der<lb/>Menschen am Herzen und wie groß ist daher Dein Ver-<lb/>
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                                 <p>Ihr auserwählten Mütter, die ihr das Glück und die<lb/>Gnade hattet, der Kirche würdige Priester zu geben, un-<lb/>terstützet mein unwürdiges Gebet. Amen.</p>
										
                              </div>
										
                              <div xml:id="d62092e35194">
											
                                 <head rendition="#c">Gebet für einen Sohn, der Priesterberuf hat.</head>
											
                                 <p>O Gott, der Du mich Unwürdige der unschätzbaren<lb/>Gnade gewürdigt hast, meinen Sohn mit dem priesterlichen<lb/>Berufe zu begnadigen, mit dankbarem Herzen flehe ich zu<lb/>Dir, daß Du das gute Werk in ihm erhalten und zur<lb/>Vollendung führen wollest. Ach wie leicht wird dieser<lb/>hohe priesterliche Beruf durch eigene schuld zu Schanden!<lb/>Wie groß und zahlreich sind für Knaben und Jünglinge<lb/>die Gefahren, demselben untreu zu werden! Daher bitte<lb/>ich Dich, o Gott, schütze meinen Sohn in diesen Gefahren,<lb/>führe ihn, daß er ohne Wanken die gefährliche Laufbahn<lb/>vollende und das hohe Ziel, dem er entgegengeht, stets un-<lb/>verrückt im Auge habe. Suche ihn heim mit den kost-<lb/>barsten Segnungen Deiner Gnade, damit eine wahrhaft<lb/>
                                    <pb facs="images/C889_001_1874_0402"
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                                 <p>Ihr h. Mütter, die ihr h. Priester erzogen und daher<lb/>nun ewig Theil habt an allem Guten, was <hi rendition="#w">sie</hi> gethan,<lb/>und an ihrer Glorie und Seligkeit; und ihr heiligen und<lb/>auserwählten Priester, bittet für mich und erflehet mir<lb/>die Gnade, daß ich nach Kräften meinen Sohn zu einem<lb/>guten Priester heranbilde. Flehet auch für meinen Sohn,<lb/>daß der Herr ihm die Gnade der Beharrlichkeit geben und<lb/>verleihen wolle, daß er einst würdig in die Zahl der Prie-<lb/>ster eintrete. Amen.</p>
										
                              </div>
										
                              <div xml:id="d62092e35276">
											
                                 <head rendition="#c">Litanei der christlichen Mutter.</head>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Herr, erbarme Dich meiner!</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Christe, erbarme Dich meiner!</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Herr, erbarme Dich meiner!</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Christe, höre mich! Christe, erhöre mich!</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">
                                    <hi rendition="#w">Gott Vater vom Himmel</hi>, erbarme Dich meiner!</p>
											
                                 <note place="margin" type="start" targetEnd="#marg_pb0190">Erbarme Dich meiner!</note>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Du großer Vater, von dem alle Vater- und Mutterschaft<lb/>ausgeht,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Gott, Du himmlischer Vater meiner Kinder,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Der Du meine Kinder mehr liebest als ich, ihre Mut-<lb/>ter, sie lieben kann,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Der Du willst, daß sie bei Dir ewig selig werden,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Der Du auch für sie Deinen eingebornen Sohn dahin-<lb/>gegeben hast,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Der Du Deine Engel zu ihrem Schutze sendest,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Der Du sie meiner Liebe und Sorge anvertraut hast,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Der Du willst, daß ich sie Dir erhalte und für Dich<lb/>erziehe,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Der Du mir in diesem Werke der Erziehung helfen<lb/>und beistehen willst,</p>
											
                                 <pb facs="images/C889_001_1874_0403"
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                                 <p rendition="#ind-1">Der Du mich darüber einst zur strengen Rechenschaft<lb/>ziehen wirst,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Der Du die treue Erfüllung der Mutterpflichten un-<lb/>aussprechlich belohnen willst,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">
                                    <hi rendition="#w">Gott Sohn, Erlöser der Welt</hi>,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Der Du für uns Mensch geworden bist,<lb/>O Jesu, der Du selbst zum Kinde geworden das zarte<lb/>Alter der Kinder geheiligt hast,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">O Jesu, Du liebevollstes Kind,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">O Jesu, Du bester Sohn Deiner heil. Mutter und<lb/>Deines Pflegevaters,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">O Jesu, Du dankbarster und gehorsamster Sohn Deiner<lb/>h. Eltern,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">O Jesu, Du Freund der Kinder,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Der Du die Kleinen zu Dir kommen ließest, um sie<lb/>zu herzen und zu segnen,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Der Du über Alle, welche den Kindern Anlaß zum<lb/>Bösen sein würden, Wehe gesprochen hast,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Der Du Alles, was um Deinetwillen an den Kindern<lb/>geschieht, als an Dir geschehen erachtest,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Der Du meine Kinder geliebet und Dich selbst für sie<lb/>dahingegeben hast,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Der Du auch für sie Deine h. Kirche mit allen Gna-<lb/>dengütern ausgestattet hast,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Der Du mich durch das h. Sakrament der Ehe für<lb/>meinen Mutterberuf geweihet und begnadiget hast,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Der Du mir in Deiner h. Kirche für diesen Beruf<lb/>reichliche Gnaden bereitet hast,<lb/>
                                    <hi rendition="#w">Gott h. Geist</hi>,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Der Du durch Deine Gnadenwirksamkeit in der h. Taufe<lb/>meine Kinder zu Kindern Gottes umgeschaffen hast,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Ohne dessen Gnade ich meine Pflichten an den Kindern<lb/>nicht heilsam erfüllen kann,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Ohne dessen Gnade meine Kinder nicht gut werden<lb/>und sein können,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Du Geist der Weisheit und des Verstandes,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Du Geist des Rathes und der Stärke,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Du Geist der Gottseligkeit und der Furcht des Herrn,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Du Geist der Wissenschaft und aller Gnaden,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Der Du oft schon in Kindern wunderbare Gnaden<lb/>wirksam gemacht hast,</p>
                                 <note place="margin" type="end" xml:id="marg_pb0190"/>
											
                                 <pb facs="images/C889_001_1874_0404"
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                                 <p rendition="#ind-1">H. Dreifaltigkeit, einiger Gott, erbarme Dich meiner!</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">H. <hi rendition="#w">Maria</hi>, bitte für mich!</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Du Gottesgebärerin, bitte etc.</p>
											
                                 <note place="margin" type="section-start" targetEnd="#marg_pb0192">Bitte (bittet) für mich!</note>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Mutter Christi,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Du reinste Mutter,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Du keuscheste Mutter,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Du liebenswürdige Mutter,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Die bewunderungswürdige Mutter,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Die Du Deinen göttl. Sohn im Tempel geopfert hast,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Die Du mit Ihm nach Aegypten geflüchtet bist,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Die Du ihn drei Tage mit Schmerzen gesucht hast,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Die Du Ihm die Brautleute zu Cana empfohlen hast,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Die Du Ihn am Kreuze hast leiden und sterben gesehen,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Die Du Ihn nach Seinem Tode in Deinen Armen<lb/>gehalten hast,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Die Du Ihn willig dem Vater zum Opfer gebracht hast,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Die Du durch Seine Auferstehung und Himmelfahrt<lb/>hoch erfreuet worden,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Die Du nun mit Ihm im Himmel verherrlicht bist,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">H. <hi rendition="#w">Joseph</hi>,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Dem Gott daß Kostbarste, Seinen eigenen Sohn, an-<lb/>vertrauet hat,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Der Du Deinen göttlichen Pflegesohn auf's Sorgfäl-<lb/>tigste beschützet und gepflegt hast,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Der Du das Glück hattest, mit Ihm so viele Jahre<lb/>zu leben und zu arbeiten,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Der Du in Seinen Armen Deinen Geist ausgehaucht hast,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Ihr hh. <hi rendition="#w">Schutzengel</hi> und Freunde meiner Kinder,<lb/>die ihr stets das Angesicht des himmlischen Vaters<lb/>schauet,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Die ihr von Gott gesendet seid zum Schutze meiner<lb/>Kinder,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Die ihr voll Liebe zu meinen Kindern stets darauf be-<lb/>dacht seid, sie zu schützen und zu führen,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">O selige <hi rendition="#w">Anna</hi>, du begnadigte Mutter des Samuel,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Die du dieses Kind der Gnade durch dein Flehen dir<lb/>von Gott errungen hast,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Die du es dem Dienste des h. Zeltes geweihet hast,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">H. <hi rendition="#w">machabäische Mutter</hi>, du Märtyrin des alten<lb/>Bundes,</p>
											
                                 <pb facs="images/C889_001_1874_0405"
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                                 <p rendition="#ind-1">Du Heldin und Muster wahrer Mutterliebe,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Die du mit unerschüttertem Muthe deine sieben Söhne<lb/>für das Gesetz des Herrn in den Tod hingegeben hast,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">H. <hi rendition="#w">Anna</hi>, hehre Mutter der allerseligsten Jungfrau,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Die du durch dein gottgeweihtes Dulden und Beten die<lb/>Gnade einer solchen Mutterschaft erlangt hast,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Die du von Gott mit dem begnadigtesten Kinde bist<lb/>gesegnet worden,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Die du deine h. Tochter zu aller Tugend und Voll-<lb/>kommenheit angeleitet hast,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Die du ihr mit dem Beispiel des gottesfürchtigsten<lb/>Lebens vorgeleuchtet hast,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Du Patronin christlicher Ehefrauen und Mütter,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">H. <hi rendition="#w">Joachim</hi>, du frommer Gemahl der h. Anna, du<lb/>Vater der h. Jungfrau Maria,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Ihr hh. Mütter der Apostel, die ihr euere Söhne dem<lb/>göttlichen Heilande hingegeben und Seinem Dienste<lb/>geweihet habet,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">H. Felicitas, die du, gleichwie die machabäische Mut-<lb/>ter, deine sieben Söhne freudig für Jesus in Marter<lb/>und Tod hingegeben hast,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Alle ihr hh. Mütter, welche ihr euere Kinder lieber in<lb/>Martern sterben, als ihren Glauben verleugnen sehen<lb/>wolltet,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">H. Paula, du Muster h. Mutterliebe,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">H. Monika, die du durch dein beharrliches Beten und<lb/>Flehen deinen Sohn Augustinus für Gott gewonnen<lb/>hast,<lb/>H. Elisabeth, die du mit solcher Sorgfalt deine Kinder<lb/>erzogen hast,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Alle heiligen und auserwählten Mütter,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Die ihr durch Gebet und fromme Werke die Gnade<lb/>der Mutterschaft erworben habet,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Die ihr mit der vollkommensten Sorgfalt die vom<lb/>Herrn euch geschenkten Kinder durch Wort und Bei-<lb/>spiel zur wahren Lebensheiligkeit erzogen habet,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Die ihr durch die treue Erfüllung eurer Mutterpflichten<lb/>auch selbst zur Heiligkeit und zur höchsten Herrlich-<lb/>keit im Himmel gelangt seid,<lb/>Alle h. Engel,</p>
                                 <note place="margin" type="section-end" xml:id="marg_pb0192"/>
											
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                                 <p rendition="#ind-1">Alle h. Patriarchen und Propheten, bittet für mich!</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Alle h. Apostel und Märtyrer, bittet etc.</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Alle h. Bischöfe, Priester und Bekenner, bittet etc.</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Alle h. Jungfrauen und Wittwen, bittet etc.</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Alle heiligen und unschuldigen Kinder, bittet etc.</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Sei mir gnädig, verschone mich, o Herr!</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Sei mir gnädig, erhöre mich, o Herr!</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Von allem Uebel, erlöse mich, o Herr!</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Von Gleichgültigkeit gegen meinen mütterl. Beruf, erlöse etc.</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Von Vernachlässigung meiner Mutterpflichten, erlöse etc.</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Von Geringschätzung des Seelenheils meiner Kinder, erlöse etc.</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Von unzeitiger Liebe und Nachsicht, erlöse etc.</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Von Zorn und auffahrendem Wesen, erlöse etc.</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Von jeglichem bösen Beispiele, erlöse etc.</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Von Ungeduld und Zaghaftigkeit, erlöse etc.</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Vom Geiste der Unkeuschheit, erlöse etc.</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Durch die Verdienste Deines Lebens, Leidens und Sterbens,<lb/>erlöse etc.</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Durch Deine Liebe zu den Kindern, erlöse etc.</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Durch die Sorgfalt, womit Du Dich der Kinder ange-<lb/>nommen hast,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Durch den reichen Lohn, den Du denen verheißen hast, welche<lb/>sich um Deinetwillen der Kinder annehmen, erlöse etc.</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Durch die Erbarmungen Deines göttl. Herzens, erlöse etc.</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Durch die Fürbitte Deiner h. Mutter, erlöse etc.</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Durch die Fürbitte aller auserwählten Mütter, erlöse etc.</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Ich Sünderin! Ich bitte Dich, erhöre mich!</p>
											
                                 <note place="margin" type="section-start" targetEnd="#marg_pb0194">Ich bitte Dich, erhöre mich!</note>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Daß Du mir die Gnade verleihen wollest, die Hoheit<lb/>meines mütterlichen Berufs gebührend zuerkennen!</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Daß Du mir zur rechten Erkenntniß der Heilichkeit<lb/>und Wichtigkeit der Pflichten gegen meine Kinder<lb/>verhelfen wollest!</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Daß Du mir im schweren Werke der Erziehung Ein-<lb/>sicht und Weisheit schenken wollest!</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Daß Du mein Herz zur rechten Liebe gegen meine<lb/>Kinder lenken wollest!</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Daß Du mich zum Eifer im Gebete für meine Kinder<lb/>erwecken wollest!</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Daß Du meine Lehren und Ermahnungen segnen wollest,</p>
											
                                 <pb facs="images/C889_001_1874_0407"
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                                 <p rendition="#ind-1">Daß Du mir die Gnade geben wollest, meinen Kindern<lb/>in Allem mit einem guten Beispiele vorzugehen,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Daß Du Dich meiner Kinder in Gnaden annehmen wollest,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Daß Du sie vor allem Leichtsinn und vor dem Uebel<lb/>einer Todsünde gnädig bewahren wollest,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Daß Du den Geist wahrer Gottesfurcht und Fröm-<lb/>migkeit in ihnen begründen und erhalten wollest,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Daß Du die h. Liebe in ihnen vermehren wollest,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Daß Du ihnen den Schatz unverletzter Unschuld er-<lb/>halten wollest,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Daß Du die Nachstellungen des bösen Feindes an<lb/>ihnen zu Schanden machen wollest,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Daß Du sie vor den bösen Einflüssen der Welt be-<lb/>wahren wollest,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Daß Du die Bemühungen der Geistlichen und Lehrer<lb/>an ihnen segnen wollest,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Daß Du sie in Deiner Gnade erhalten wollest,</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Daß Du sie zum ewigen Leben führen wollest,</p>
                                 <note place="margin" type="section-end" xml:id="marg_pb0194"/>
											
                                 <p rendition="#ind-1">O Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden<lb/>der Welt, verschone mich, o Herr!</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">O Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der<lb/>Welt, erhöre mich, o Herr!</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">O Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der<lb/>Welt, erbarme Dich meiner, o Herr!</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Christe, höre mich! Christe erhöre mich!</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Herr, erbarme Dich meiner!</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Christe erbarme Dich meiner!</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Herr, erbarme Dich meiner!</p>
											
                                 <p rendition="#ind-1">Vater unser. Ave.</p>
											
                                 <p rendition="#c">
                                    <hi rendition="#w">Gebet</hi>.</p>
											
                                 <p>O Gott, dessen Barmherzigkeit unermeßlich und dessen<lb/>Güte unendlich ist, ich danke Deiner mildesten Majestät<lb/>für alle Gaben und Gnaden, welche Du meinen Kindern<lb/>und mir in ihnen bisher verliehen hast, und da Du den<lb/>Flehenden ihre Bitte gewährest, so flehe ich unablässig zu<lb/>Deiner Vaterhuld, daß Du mich und meine Kinder nim-<lb/>mer verlassen und uns zu deu ewigen Belohnungen ver-<lb/>helfen wollest. Durch Jesum Christum. Amen.</p>
										
                              </div>
										
                              <pb facs="images/C889_001_1874_0408"
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                              <div xml:id="d62092e35936">
											
											
                                 <head rendition="#c">Gebet zum h. Herzen Jesu.</head>
											
                                 <p>O heiligstes Herz Jesu, Du Sitz der vollkommensten<lb/>Liebe, Du Inbegriff aller Vollkommenheiten, würdig, daß<lb/>alle Herzen Dick auf's Höchste verehren, Dich lieben, Dir<lb/>anhangen; auch ich bringe Dir meine innigste Verehrung<lb/>dar; ich liebe Dich von ganzem Herzen und wünsche nichts<lb/>mehr, als daß ich Dich immer mehr lieben möge, um Dir<lb/>mein ganzes Herz und Leben zu weihen.</p>
											
                                 <p>O göttliches Herz, das Du Dich mit solcher Liebe und<lb/>Sorgfalt der Menschen angenommen und Alles, was zu<lb/>ihrem Heile dienlich war, für sie gethan und geordnet und<lb/>Dich für sie in Schmach und Qual und in den Tod hin-<lb/>gegeben hast, erwecke auch in meinem Herzen die Gesinnungen<lb/>der Liebe, auf daß auch ich bereit sein möge, für das Wohl<lb/>meiner Mitmenschen Opfer und Mühe zu übernehmen.<lb/>Insbesondere flöße meinem Herzen gegen meine Kinder<lb/>eine Liebe ein, die der Deinigen gleiche, auf daß ich ganz<lb/>für sie lebe und, wie Du, Alles aufbiete, sie zum Heile zu<lb/>führen.</p>
											
                                 <p>In Dein liebevolles Herz, o Jesu, empfehle und be-<lb/>schließe ich meine Kinder. Umfange sie, Du Sitz der Liebe,<lb/>mit Deiner Liebe, schließe sie in dieselbe ein, halte sie, daß<lb/>Niemand sie aus Deinen Armen reiße. Du kennest die<lb/>Gefahren, denen sie ausgesetzt sind, die Feinde, die ihnen<lb/>Verderben drohen. Habe Mitleid mit ihnen! Nach der<lb/>Menge Deiner Erbarmungen eile ihnen zu Hülfe.</p>
											
                                 <p>O heiligstes Herz meines Herrn, Du Inbegriff aller Tu-<lb/>genden und Vollkommenheiten, tilge an meinen Kindern<lb/>Alles, was Dir an ihnen mißfällt; zerstöre in ihnen die<lb/>Sünde und vergib ihnen alles Böse, was sie wider Dich<lb/>gethan haben. Was immer Dir gefällt, das flöße ihnen<lb/>aus Deinem allerheiligsten Herzen ein. Heilige und besitze<lb/>sie zu Deinem heiligsten Wohlgefallen und zu Deiner Liebe.<lb/>Verleihe ihnen die Gnade, in Deiner Liebe zu beharren.<lb/>Wenn sie nur in Deiner Liebe verbleiben, so schalte im<lb/>Uebrigen mit ihnen nach Deinem Wohlgefallen; nur ver-<lb/>wirf sie nicht von Dir. Zu Dir flehe ich, Dich rufe ich<lb/>an als die einzige Hoffnung meines Lebens; laß mich und<lb/>meine Kinder Deinen allmächtigen Schutz erfahren. Stehe<lb/>
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                              </div>
									
                           </div>
									
                           <div xml:id="d62092e36041">
										
                              <head rendition="#c">C. Gemeinschaftliche Gebete.<note place="bottom" anchored="true" n="*)">
												
                                    <p>Wir haben es im Lehrtheile empfohlen, daß die Mutter die Kinder<lb/>in ihrer Gegenwart oder mit sich Morgens und Abends beten<lb/>lasse. Hier Gebete dafür. Laß also, o christliche Mutter, die Kleinen<lb/>um dich hinknieen, etwa vor einem Crucifixe, und dann bete mit<lb/>ihnen. Es ist gut, diese Gebete zuweilen mit den Kleinen durchzu-<lb/>gehen, um sie ihnen etwas zu erklären. Dann beten sie dieselben<lb/>andächtiger.</p>
                                 </note>
										
                              </head>
										
                              <div xml:id="d62092e36065">
											
                                 <head rendition="#c">Morgengebet.</head>
											
                                 <p>Gott, himmlischer Vater, Du hast uns heut wieder frisch<lb/>und gesund erwachen lassen. Du hast uns diesen neuen<lb/>Tag geschenkt. Du willst so gern, daß wir, Deine Kinder,<lb/>recht fromm und glücklich werden mögen; darum hast Du<lb/>uns diesen Tag geschenkt; wir sollen auch heute wieder<lb/>recht fromm und gut sein. Du hast uns auch diese Nacht<lb/>vor allem Uebel gnädig behütet. O Vater, herzlich danken<lb/>wir Dir durch Jesum, unsern lieben Heiland. Amen.</p>
											
                                 <p>Nun wollen wir auch heute gute Kinder sein; wir wol-<lb/>len uns in Acht nehmen und nichts Böses thun; wir<lb/>wollen uns hüten vor Ungehorsam gegen unsere Eltern,<lb/>vor Naschen und Lügen, vor Zank und Streit mit andern<lb/>Kindern; wir wollen gegen unsere Eltern immer folgsam<lb/>sein; fleißig lernen und arbeiten, andächtig beten, oft an<lb/>Dich, o Gott, denken. Dann sind wir Dir wohlgefällig,<lb/>guter Vater; dann freuest Du Dich über uns, lieber Hei-<lb/>land. Dann hilfst Du uns, daß wir immer bessere Kinder<lb/>werden. Dann kommen wir einst zu Dir in den Himmel.<lb/>Wie große Freude werden wir da bei Dir haben! O ja,<lb/>wir wollen fromme Kinder sein. Aber, lieber Vater, wir<lb/>können es nicht; Du mußt uns helfen. O so hilf uns<lb/>
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                                 <p>O Jesu, göttlicher Heiland, wie hattest Du einst auf<lb/>Erden die Kinder so lieb! Auch jetzt liebest Du gute<lb/>Kinder so sehr. Wie warest Du einst als Kind so gut<lb/>und fromm, so gehorsam gegen die Eltern, so andächtig<lb/>in der Kirche, so fleißig in der Schule und bei der Ar-<lb/>beit. O so hilf uns doch, daß wir auch so gute Kinder<lb/>seien. O Jesus, ich habe Dich von Herzen lieb! Mache,<lb/>daß ich Dich noch mehr liebe. Amen. – Vater unser...</p>
											
                                 <p>O Maria, Mutter des lieben Heilandes, du bist auch<lb/>unsere Mutter; o so bitte doch deinen lieben Sohn für<lb/>uns und mache, daß wir gute Kinder werden, wie Jesus<lb/>es einst bei dir war. – Gegrüßt seist du...</p>
											
                                 <p>O hh. Schutzengel, hh. Namenspatrone, ihr heiligen<lb/>Kinder und alle Heiligen, bittet für uns! Machet, daß<lb/>wir so leben, daß wir einst zu euch kommen. Amen.</p>
											
                                 <p>O Gott und Vater, wir bitten Dich auch für unsere<lb/>lieben Eltern. O gib auch ihnen heute Gnade zu allem<lb/>Guten; beschütze sie; schenke ihnen, was gut für sie ist.<lb/>Lohne ihnen Alles, was sie an uns thun. Auch für alle<lb/>Andern, die wir lieben, bitten wir, und für alle Christen,<lb/>ja für alle Menschen. Gib ihnen allen, o Gott, was gut<lb/>und heilsam für sie ist; bewahre sie vor allem Uebel.<lb/>Amen.</p>
										
                              </div>
										
                              <div xml:id="d62092e36177">
											
                                 <head rendition="#c">Abendgebet.</head>
											
                                 <p>O Gott, himmlischer Vater, dieser Tag ist wieder zu<lb/>Ende. Du hast uns heut am Leben und gesund erhalten;<lb/>Speise und Trank und, was uns heut Freude gemacht<lb/>hat, und was wir Gutes empfangen haben, Alles ist Deine<lb/>Gabe, gütigster Vater. Du hast uns Gnade gegeben, das<lb/>Gute zu thun und das Böse zu meiden. O bester, gütig-<lb/>ster Vater, wir sagen Dir herzlich Dank. Der beste Dank<lb/>ist, wenn wir recht gut und fromm sind. Das wollen<lb/>wir sein. Amen.</p>
											
                                 <p>Aber ach, sind wir denn auch heut immer gut und<lb/>fromm gewesen? (Kleine Pause.)</p>
											
                                 <p>Ach, wir haben auch heut wieder Fehler und Sünden<lb/>
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                                 <p>Nun legen wir uns zur Ruhe. Behüte uns, himmli-<lb/>scher Vater. Laß Deine lieben Engel an unserm Bette<lb/>wachen, daß sie uns vor allem Uebel bewahren. Vater<lb/>unser.</p>
											
                                 <p>O heilige Jungfrau Maria, du Hülfe der Christen, auch<lb/>in deinen Schutz und Schirm befehlen wir uns. Verlaß<lb/>uns nicht! Empfiehl uns deinem Sohne. Zeige, daß du<lb/>unsere Mutter bist. Ave Maria.</p>
											
                                 <p>Wir bitten Dich auch, Gott, himmlischer Vater, für<lb/>Alle, welche wir lieben, für unsere lieben Eltern, für<lb/>unsere Brüder und Schwestern, für unsere Verwandten;<lb/>wir bitten Dich für alle Christen, besonders für die, welche<lb/>in Noth und Gefahr sind; auch für die armen Seelen im<lb/>Fegfeuer und für alle Menschen. Hilf Allen; mache, daß<lb/>Alle in den Himmel kommen. Amen.</p>
											
                                 <p>Beim Weihwassernehmen: Im Namen des Vaters und<lb/>des Sohnes und des h. Geistes. Amen. Im Namen<lb/>Jesu schlaf ich ein. O Jesus, Maria, Joseph, o laßt<lb/>mich euch empfohlen sein. Amen.</p>
										
                              </div>
										
                              <div xml:id="d62092e36272">
											
                                 <head rendition="#c">Vor dem Essen.</head>
											
                                 <p>O Gott, die Speisen, die wir nun geniessen, sind Deine<lb/>Gaben; wir danken Dir dafür. Segne sie und gib uns<lb/>Gnade, daß wir sie genügsam, mäßig und mit dankbarem<lb/>Herzen empfangen. Durch Jesum, unsern Herrn. Amen.<lb/>Vater unser, Ave Maria.</p>
										
                              </div>
										
                              <div xml:id="d62092e36289">
											
                                 <head rendition="#c">Nach dem Essen.</head>
											
                                 <p>Wir danken Dir, o Gott, für Deine Gaben, welche wir<lb/>nun gekostet haben; wir danken Dir für alles Gute, was<lb/>
                                    <pb facs="images/C889_001_1874_0412"
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                                 <p>Die Seelen der Abgestorbenen laß durch Deine Barm-<lb/>herzigkeit ruhen in Frieden. Amen.</p>
										
                              </div>
									
                           </div>
								
                        </div>
							
                     </div>
						
                  </body>
					
               </text>
				
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                  <head rendition="#c">Inhalts-Verzeichniß.</head>
						
                  <list type="simple">
							
                     <item>
							
                        <p rendition="#c">I.</p>
						
                        <list type="simple">
							
                           <item>Einleitung <ref target="#C889_001_1874_pb0003_0001">3</ref>
                           </item>
							
                           <item>Vorwort zur elften Auflage <ref target="#C889_001_1874_pb0007_0001">7</ref>
                           </item>
							
                           <item>Vorwort zur dreizehnten Auflage <ref target="#C889_001_1874_pb0008_0001">8</ref>
                           </item>
							
                           <item>Der erste Kirchengang <ref target="#C889_001_1874_pb0009_0001">9</ref>
                           </item>
							
                           <item>Beruf und Heranbildung der Mutter <ref target="#C889_001_1874_pb0019_0001">19</ref>
                           </item>
							
                           <item>Nothwendige Vorbedingungen <ref target="#C889_001_1874_pb0028_0001">28</ref>
                           </item>
							
                           <item>Gottesfurcht und Frömmigkeit <ref target="#C889_001_1874_pb0030_0001">30</ref>
                           </item>
							
                           <item>Die Liebe <ref target="#C889_001_1874_pb0037_0001">37</ref>
                           </item>
							
                           <item>Die Mitgift <ref target="#C889_001_1874_pb0048_0001">48</ref>
                           </item>
							
                           <item>Die Weide <ref target="#C889_001_1874_pb0055_0001">55</ref>
                           </item>
							
                           <item>Die Einführung in die christliche Wahrheit <ref target="#C889_001_1874_pb0061_0001">61</ref>
                           </item>
							
                           <item>Das Vorgehen gegen die Fehler der Kinder <ref target="#C889_001_1874_pb0070_0001">70</ref>
                           </item>
							
                           <item>Die Huth der h. Scham und Unschuld <ref target="#C889_001_1874_pb0083_0001">83</ref>
                           </item>
							
                           <item>Die Anleitung <ref target="#C889_001_1874_pb0095_0001">95</ref>
                           </item>
							
                           <item>Gottes Wort an die christliche Mutter <ref target="#C889_001_1874_pb0108_0001">108</ref>
                           </item>
							
                           <item>Die Mutter eines Priesters <ref target="#C889_001_1874_pb0113_0001">113</ref>
                           </item>
							
                           <item>Die Mutter in ihrem Gebete <ref target="#C889_001_1874_pb0126_0001">126</ref>
                           </item>
							
                           <item>Die Erzbruderschaft der christlichen Mütter <ref target="#C889_001_1874_pb0133_0001">133</ref>
                           </item>
						
                        </list>
                     </item>
						
                     <item>
                        <p rendition="#c">II.</p>
						
                        <list>
							
                           <item>Gebet am Jahrestage der Verehelichung <ref target="#C889_001_1874_pb0143_0001">143</ref>
                           </item>
							
                           <item>Gebet beim ersten Kirchengange <ref target="#C889_001_1874_pb0145_0001">145</ref>
                           </item>
							
                           <item>Gebet am Morgen <ref target="#C889_001_1874_pb0146_0001">146</ref>
                           </item>
							
                           <item>Gebet am Abend <ref target="#C889_001_1874_pb0146_0001">146</ref>
                           </item>
							
                           <item>Gebete der Mutter bei der h. Messe für sich selbst <ref target="#C889_001_1874_pb0147_0001">147</ref>
                           </item>
							
                           <item>Gebete bei der h. Messe für die Kinder <ref target="#C889_001_1874_pb0151_0001">151</ref>
                           </item>
						
                        </list>
                     </item>
						
                     <item>
                        <p rendition="#c">Gebete der Mutter. A. Für sich selbst.</p>
						
                        <list type="simple">
							
                           <item>Um die Gnade eines guten Beispiels <ref target="#C889_001_1874_pb0151_0001">151</ref>
                           </item>
							
                           <item>Um die wahre übernatürliche Liebe <ref target="#C889_001_1874_pb0154_0001">154</ref>
                           </item>
							
                           <item>Um Weisheit <ref target="#C889_001_1874_pb0156_0001">156</ref>
                           </item>
							
                           <item>Um Starkmuth <ref target="#C889_001_1874_pb0157_0001">157</ref>
                           </item>
							
                           <item>Um Sanftmuth <ref target="#C889_001_1874_pb0157_0001">157</ref>
                           </item>
							
                           <item>Zu Jesus dem Kinderfreund <ref target="#C889_001_1874_pb0158_0001">158</ref>
                           </item>
							
                           <item>Zum h. Geiste um Seine 7 Gaben <ref target="#C889_001_1874_pb0159_0001">159</ref>
                           </item>
							
                           <item>Zur h. Jungfrau Maria <ref target="#C889_001_1874_pb0160_0001">160</ref>
                           </item>
							
                           <item>
								
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                                  xml:id="C889_001_1874_pb0202_0001"/>Zum h. Joseph <ref target="#C889_001_1874_pb0161_0001">161</ref>
                           </item>
							
                           <item>Zu den h. Schutzengeln <ref target="#C889_001_1874_pb0161_0001">161</ref>
                           </item>
							
                           <item>Zu den h. Namenspatronen <ref target="#C889_001_1874_pb0162_0001">162</ref>
                           </item>
						
                        </list>
                     </item>
						
                     <item>
                        <p rendition="#c">B. Gebete für die Kinder.</p>
						
                        <list>
							
                           <item>Um Segen und Gedeihen für die Erziehung <ref target="#C889_001_1874_pb0162_0001">162</ref>
                           </item>
							
                           <item>Um Schutz in den Gefahren <ref target="#C889_001_1874_pb0163_0001">163</ref>
                           </item>
							
                           <item>Um Bewahrung vor der Todsünde <ref target="#C889_001_1874_pb0163_0001">163</ref>
                           </item>
							
                           <item>Um den Geist der Gottesfurcht und Frömmigkeit <ref target="#C889_001_1874_pb0164_0001">164</ref>
                           </item>
							
                           <item>Um Gnade zur Erfüllung der Standespflichten <ref target="#C889_001_1874_pb0165_0001">165</ref>
                           </item>
							
                           <item>Um die Gnade der Keuschheit <ref target="#C889_001_1874_pb0165_0001">165</ref>
                           </item>
							
                           <item>Um die Gnade wahrer Nächstenliebe <ref target="#C889_001_1874_pb0166_0001">166</ref>
                           </item>
							
                           <item>Um Wahrhaftigkeit <ref target="#C889_001_1874_pb0167_0001">167</ref>
                           </item>
							
                           <item>In den Schuljahren <ref target="#C889_001_1874_pb0167_0001">167</ref>
                           </item>
							
                           <item>Wenn das Kind zur h. Beicht geht <ref target="#C889_001_1874_pb0167_0001">167</ref>
                           </item>
							
                           <item>Während der Vorbereitung zur h. Communion <ref target="#C889_001_1874_pb0168_0001">168</ref>
                           </item>
							
                           <item>Daß Gott ihre Verhältnisse zum Besten lenke <ref target="#C889_001_1874_pb0169_0001">169</ref>
                           </item>
							
                           <item>Bei hartnäckigen Fehlern <ref target="#C889_001_1874_pb0170_0001">170</ref>
                           </item>
							
                           <item>Um die 7 Gaben des h. Geistes <ref target="#C889_001_1874_pb0171_0001">171</ref>
                           </item>
							
                           <item>Kreuzwegandacht <ref target="#C889_001_1874_pb0172_0001">172</ref>
                           </item>
							
                           <item>Der Rosenkranz <ref target="#C889_001_1874_pb0179_0001">179</ref>
                           </item>
							
                           <item>Bei der h. Beichte <ref target="#C889_001_1874_pb0181_0001">181</ref>
                           </item>
							
                           <item>Bei der h. Communion <ref target="#C889_001_1874_pb0184_0001">184</ref>
                           </item>
							
                           <item>Nach der h. Communion <ref target="#C889_001_1874_pb0184_0001">184</ref>
                           </item>
							
                           <item>Gebet für den Ehemann <ref target="#C889_001_1874_pb0185_0001">185</ref>
                           </item>
							
                           <item>Um standesmäßige Keuschheit <ref target="#C889_001_1874_pb0186_0001">186</ref>
                           </item>
							
                           <item>Gebet im gesegneten Stande <ref target="#C889_001_1874_pb0188_0001">188</ref>
                           </item>
							
                           <item>Um die Gnade des Priesterberufs <ref target="#C889_001_1874_pb0188_0001">188</ref>
                           </item>
							
                           <item>Für einen Sohn, der Priesterberuf hat <ref target="#C889_001_1874_pb0189_0001">189</ref>
                           </item>
							
                           <item>Litanei der christlichen Mutter <ref target="#C889_001_1874_pb0190_0001">190</ref>
                           </item>
							
                           <item>Gebet zum h. Herzen Jesu <ref target="#C889_001_1874_pb0190_0001">190</ref>
                           </item>
						
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                     </item>
						
                     <item>
                        <p rendition="#c">C. Gemeinschaftliche Gebete.</p>
						
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                           <item>Morgengebet <ref target="#C889_001_1874_pb0197_0001">197</ref>
                           </item>
							
                           <item>Abendgebet <ref target="#C889_001_1874_pb0198_0001">198</ref>
                           </item>
							
                           <item>Vor dem Essen <ref target="#C889_001_1874_pb0199_0001">199</ref>
                           </item>
							
                           <item>Nach dem Essen <ref target="#C889_001_1874_pb0199_0001">199</ref>
                           </item>
						
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