Volltext : Kaerger, Karl: ¬Die Arbeiterpacht

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aus  der  Butter  und  den  Eiern  —  die  Familie  hält  7—8  Hühner
ungefähr  mit  den  Ausgaben  für  Salz,  Kaffee,  Reis,  Seife,  Soda,
Petroleum,  Streichhölzer,  Wichse,  Thran  und  anderen  derartigen  Kaufmannsausgaben ¬
  sich  heben.  Steht  die  Kuh  aber  trocken,  so  müssen
nicht  nur  diese  Ausgaben  aus  anderen  Verdiensten  baar  bezahlt,  sondern
es  muß  manchmal  noch  Butter  oder  ein  anderes  Fett  hinzugekauft  werden.
Die  Kälber  werden  jung  verkauft  oder  mit  Milch  4  Wochen  lang
gemästet,  welch  letzteres  Verfahren  ungleich  vortheilhafter  ist,  in  einer
Familie  mit  vielen  Kindern  wegen  des  starken  Milchbedarfs  sich  aber
schwer  durchführen  läßt.
Manche  Familien  halten  sich,  um  in  den  Zeiten  des  Milchmangels
einen  kleinen  Ersatz  zu  haben,  eine  Ziege,  die  täglich  etwa  1—2
liefert  und  mit  der  Kuh  zusammen  sich  ziemlich  leicht  füttern  läßt.
Milc
Die  meisten  Familien  machen  im  Laufe  des  Jahres  zwei  Schweine
fett,  die  sie  als  Sechswochenferkel  vom  Hofe  gekauft  haben.  Manche
füttern  auch  ein  Paar  Ferkel  nur  2—3  Monate,  um  sie  dann  als
sogenannte  Stangenschweine  zu  verkaufen  und  sogleich  ein  neues  Paar
einzustellen.  Gefüttert  werden  die  Schweine  mit  Kartoffeln,  Magermilch, ¬
  Bohnen-  und  Roggenmehl.  Ein  Schwein  schlachtet  mindestens
jede  Familie  zum  eigenen  Gebrauch,  solche  mit  vielen  Köpfen  schlachten
deren  zwei,  wobei  hin  und  wieder  die  Schinken,  deren  einer  durchschnittlich ¬
  18  Mk.  einbringt,  verkauft  werden.
Gewöhnlich  werden  die  gemästeten  Schweine  ungefähr  200  Pfd.
schwer.  Sie  liefern  das  wichtigste  fleischliche  Nahrungsmittel  für  die
Arbeiter,  da  der  Ankauf  von  frischem  Fleisch  nur  sehr  selten  erfolgt.
Die  obengenannte  Familie  von  7  Personen,  von  denen  das  jüngste
Kind  3  Jahr  alt  ist,  braucht  täglich  an  geräuchertem  Fleisch  beziehungsweise ¬
  Speck  1  Pfd.  und  kann  daher  von  den  beiden  von  ihr  im  Jahr
geschlachteten  Schweinen  nichts  verkaufen.  Ist  weder  Schmalz  noch
Butter  im  Hause,  so  wird  zu  Leinöl  und  Rüböl  übergegangen,  das
theils  von  dem  selbst  gezogenen  in  der  Dorfmühle  vermahlenen  Leinsaat ¬
  und  Rübsen  gewonnen,  theils  auch  beim  Kaufmann  gekauft  wird,
das  Liter  zu  60  Pfg.
Wird  Rübsamen  gebaut,  so  geschieht  es  etwa  im  Umfange  von
¼  SS.  Man  erntet  dann  im  Durchschnitt  70  Pfd.  Samen,  die  etwa
14  1  Rüböl  und  8  Oelkuchen  liefern.  Für  jeden  Kuchen  verlangt  der
Müller  15  Pf.  Preßgeld.  Die  Oelkuchen  werden  natürlich  verfüttert.
Von  der  Leinsaat  stellen  die  Samen  nur  eine  unbedeutende  Nebenernte ¬
  vor.  Der  Flachs  bleibt  die  Hauptsache.  Er  wird  entweder  selbst
bearbeitet  oder  er  wird,  wenn  er  geröstet  ist,  ins  Dorf  gegeben  in  eine
Flachsmühle  (Brokemühle),  für  deren  Benutzung  zum  Stampfen,  Reinigen ¬
  und  Hecheln  für  die  Stunde  60  Pf.  gezahlt  werden  müssen,  wobei
aber  2—3  Arbeiter  zu  stellen  sind.
In  neuerer  Zeit  haben  Manche  nun  angefangen,  den  Flachs  zu
verkaufen  und  Garn  dafür  einzutauschen.  Sie  erhalten  dann  für
14—15  Pfd.  rohen  oder  9—10  Pfd.  gereinigten  Flachs  3  Mk.  Meist
wird  aber  der  Flachs  noch  im  Hause  selbst  versponnen  und  verwebt.
Von  den  3  Vierteln  Leinsaat  erntet  man  bei  günstigen  Verhältnissen ¬
  so  viel,  daß  daraus  50—60  Schierellen  Leinen  hergestellt  werden
            
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