Volltext : Preser, Karl: ¬Die Erhaltung des Bauernstandes

Die  Prozesse  des  Werdens  näher  kennen  zu  lernen  hat  immer
ein  großes  Interesse,  sobald  man  sich  mit  der  Natur  der  Dinge  und
Verhältnisse,  wie  sie  uns  umgeben,  beschäftigen  oder  sie  auf  ihren  Werth
rüfen  will.  Ein  richtiges  Erkennen  aber  wird  geradezu  eine  Nothwendigkeit ¬
  für  diejenigen,  welche  an  der  Weiterentwickelung  dieser  Dinge
und  Verhältnisse  arbeiten  wollen,  denn  unsere  ganze  physische  und  geistige ¬
  Entwickelung,  unser  ganzes  Rechtsleben,  unser  gesellschaftliches  und
staatliches  Leben  ist  abhängig  von  den  Gesetzen  des  Werdens  im  Güterleben. ¬
  Die  Entstehung,  die  Bewegung  sowie  die  Vertheilung  der  Güter
üben  einen  so  gewaltigen  Einfluß  auf  die  Gesellschaft,  daß  es  nicht  in
der  Freiheit  der  Einzelnen,  in  der  Freiheit  der  Familien  oder  Klassen
und  Ständen  liegt,  dem  Werden  der  Dinge  ruhig  zuzusehen.  Mit  unwiderstehlicher ¬
  Gewalt  zwingen  sie  den  menschlichen  Geist,  ihre  Konsequenzen ¬
  mit  der  gesellschaftlichen  Ordnung  in  Harmonie  zu  bringen.  Der
sociale  Organismus  des  Staates,  dessen  Atome  nicht  „todte  physikalische
Einheiten,  sondern  lebendige  Individuen,  selbstbewußte  Menschenleben
sind"  1),  ist  daher  immer  abhängig  von  der  Bewegung  im  Güterleben.
Entweder  also,  die  Gesammtheit  erkennt  das  Richtige  und  weiß  dem
Güterleben  die  zuträgliche  rechtliche  Grundlage  zu  geben,  oder  sie  irrt,
die  Grundlage  wird  eine  falsche,  und  dann  breiten  sich  jene  Konsequenzen ¬
  als  eine  furchtbare  Strafe  des  Irrthums  über  die  ganze  Gesellschaft ¬
  aus.
Die  Geschichte  ist  reich  an  Beweisen  hierfür  und  der  letzte  noch  ist  der
falsche  Grundsatz  des  Physiokratismus:  „Laissez  aller  et  laissez  passer:
le  monde  va  de  lui  même",  ein  Grundsatz,  den  die  Schule  der  Manchester=Männer ¬
  adoptirte  und  der  noch  heute  von  einem  großen  Theile
1)  Rudolf  Meyer,  Briefe  und  social=politische  Aufsätze  von  Rodbertus.
II.  S.  519.
            
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