Volltext : Wiest, Andreas Alois: Ueber Aufhebung der Zehenten, LeibeigenschaftsGefälle, Frohnen, Beeten und FallLehen

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Beachtung  der  Forderungen  zu  unterdrücken,  ob  es  thunlich ¬
  sey,  dem  Zeitgeist  Gewalt  entgegen  zu  setzen,  und  ihn
zu  unterdrücken.  Der  Zeitgeist  ist  eine  Macht.  Der  Zeitgeist, ¬
  die  öffentliche  Stimme,  die  öffentliche  Meinung  ist  der
Ausspruch  der  Verständigen,  der  Erfahrenen,  der  Denkenden ¬
  in  allen  Ständen,  in  allen  Klassen  des  Volks  mit
Ausnahme  derjenigen  Wenigen,  welche  den  Zeitgeist  nicht
anerkennen  oder  ihn  für  einen  falschen  und  deßhalb  niederzudrückenden ¬
  erklären.  Bei  der  vorliegenden  Frage  hat
aber  der  sich  beschwerende  Theil  auch  noch  die  Regierung
auf  seiner  Seite.  Dieselbe  vereinigt  in  ihrem  Schooß  immer
eine  große  Zahl  gelehrter  erfahrener  und  verständiger  Männer. ¬
  Der  gebildete  HandelsStand  und  der  sich  nun  auch
allmählig  immer  mehr  bildende  Stand  der  Gewerbtreibenden, ¬
  und  besonders  die  Klasse  der  Gelehrten  hat  sein  Urtheil
über  die  in  Vorwurf  gekommene  Frage  längst  gefällt,  und
das  Verlangen  des  Bauern  Standes  nach  Entfesselung  von
Grund  und  Boden  als  gerecht  und  billig  erkannt.  Würden
die  durch  das  Feudal  System  darauf  gelegten  Lasten  durch
milde  Ausübung  der  denselben  entsprechenden  Rechte,  wie
dieß  in  älterer  Zeit  öfters,  und  gewöhnlich  von  Kloster  Her
schaften  geschah,  gemildert,  so  ließen  sich  wohl  manche,  ja
viele  Stimmen  beschwichtigen,  aber  leider  gibt  es  viele  Standes= ¬
  und  GutsHerren,  welche  durch  die  strengste  Ausübung
ihrer  vermeintlich  wohl  erworbenen  Rechte,  ja  durch  möglichste ¬
  Ausdehnung  derselben,  und  sogar  durch  Mißbrauch
ihrer  GutsHerrlichkeit  dem  Zeitgeist  und  der  öffentlichen
Meinung  entgegentreten.  Die  Folgen  sind  einleuchtend.
Solche  harte  Behandlung  erzeugt  Bitterkeit,  Haß  und  Unwillen ¬
  und  feindselige  Gesinnungen  —  ein  allgemeines  Streben,
das  Joch  leichter  zu  machen.  Daher  dann  auch  die  fürchtbar ¬
  vielen  Zerwürfnisse  zwischen  GrundHerren  und  GrundHolden, ¬
  die  vielen  Streitigkeiten,  welche  auf  administrativem ¬
  Weg  vor  den  Regierungen  und  gerichtlich  vor  den  Gerichten, =
  freilich  bei  beiden  langsam  genug  behandelt  werden.
            
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