Full text: Hübsch, Albert: Jagdrecht des Fürstentums Bayreuth mit Berücksichtigung des deutschen und bayerischen Jagdrechts

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Die vielen Einzelbestimmungen führten in der Folgezeit bei 
dem Mangel eines einheitlichen Gesetzes zu zahlreichen Kompetenz 
konflikten. Da griff Markgraf Friedrich ein und setzte durch ein 
neues „Privilegium fori et primae instantiae für die Jägerey" 
vom 2. November 1761 die Jurisdiktionsgewalt des Oberjäger 
meister=Amtes, die seither sehr unter den Angriffen der Beamten 
gelitten hatte, erst recht fest unter starker Erweiterung ihres Umfanges. 
Sämtliche dem Oberjägermeister-Amt untergeordneten Be 
amten mit ihren Ehefrauen, Kindern und verbrödetem Gesinde, 
auch die Fallmeister mit den Ihrigen, waren diesem forum und 
zwar in erster Instanz unterworfen. Die Gerichtsbarkeit war be 
schränkt, wie bisher, auf die niedergerichtlichen Fälle, in ober 
gerichtlichen unterstanden sie den ordentlichen Aemtern und Gerichten, 
ausgenommen bei Fluchtverdacht und periculum in mora. Be 
züglich der obergerichtlichen Fälle hatte das Oberjägermeister-Amt 
außerdem noch das Recht erhalten, den Angeschuldigten zu ver 
haften, den Verhafteten und eventuelle Zeugen, diese auch eidlich 
zu vernehmen, somit die Generalinquisition völlig durchzuführen. 
Erst wenn auf eingesandten Bericht hin die Regierung auf Spezial 
inquisition erkannte, mußte der Verhaftete an den betreffenden zu 
ständigen Gerichtsbeamten ausgeliefert werden. Auf diese Art 
sollten insbesondere forincationes incestuosae, adulteria simplicia 
et duplicata als causae criminales capitales behandelt werden. 
Zur ausschließlichen Zuständigkeit des Oberjägermeister-Amts 
gehörten dagegen hinfort ex privilegio fori: 
1. fornicationes simplices; 
Holz= und Wildpretsdiebstähle und andere Forst- und 
Jagdfrevel, kraft der aus der Landeshoheit entsprungenen 
jurisdictio forestalis auch die Untersuchung und Bestrafung 
aller Frevelfälle in Stadt-, Gemeinde-, Gotteshaus- und 
Privat=Hölzern ohne Gerichtsbeamte, Bürgermeister und 
Stadtrat; 
3. alle Schmäh-, Zank- und Injurien-Händel; 
4. Schlägerey=Sachen; 
Schlägerey und Realinjurien zwischen Jagdbediensteten und 
anderen Personen, wenn erstere die auctores rixarum 
und Beklagten waren;
	        
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