Full text: Ortloff, Hermann: Physiologische Kennzeichen für Beginn und Ende der Rechtsfähigkeit

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ist die Naturbedingung für den Eintritt in das letztere 
Nichtgeatmethaben ist Nichtgelebthaben als Mensch!*) 
Der Zivilrichter wird unter der obigen Voraussetzung 
der Vertauschung der Worte des Entwurfs: „mit der Geburt" 
beginne die Rechtsfähigkeit, gegen die Worte: „mit dem Eintritt 
des selbständigen Lebens (durch Luftatmen) eines Neugeborenen 
gegenüber einem solchen Ausspruch des Sachverständigen nie in 
Verlegenheit kommen bei Beantwortung der Frage, ob ein Mensch 
zu einer bestimmten Zeit gelebt habe? Wohl aber, wenn jene 
Streitfrage unter dem Schutz der Fassung des Entwurfs sich in 
die Praxis einführen wird, was nicht ausbleibt. 
Der Strafrichter kommt bei jenem Ausspruch eines 
Sachverständigen stets in einen Konflikt mit dem Gesetz und der 
reichsgerichtlichen Auslegung desselben gegenüber der Natur 
wissenschaft, die so ganz scharf die Grenze zwischen Fötus- und 
Kindesleben mit dem Eintritt voller Luftatmung zieht — und 
trotzdem soll er einen Kindesmord annehmen an einem noch nicht 
zum Menschen- oder Kindesdasein gelangt gewesenen im Fötus 
leben absterbenden Neugeborenen?! Die Wiederholung 
solcher Konflikte muß doch einmal zur Reinigung der Anwendung 
des § 217 St.=G.=B. durch Ergänzung des § 218 St.=G.=B.'s führen, 
wenn nur einmal die medizinischen Sachverständigen die gewiesene 
Bahn an der Hand der Physiologie und abseiten der juristischen 
Erweiterung des Kindesbegriffes zurück ins Fruchtdasein konstant 
betreten. 
§ 5. 
An dem Mangel einer von der Menschennatur gebotenen 
Unterscheidung und Abgrenzung von Frucht- und Men 
*) Es muß stets zu fatalen Konflikten führen, wenn die Gesetzgebung 
die Naturordnung nicht berücksichtigt; die Sachverständigen und Gerichte em 
pfinden dies bei den einzelnen Fällen. Erstere sind genötigt, den Standpunkt 
der Naturwissenschaft zu vertreten und zu wahren, letztere aber den des Gesetz 
gebers; die Vereinigung der von diesen verschiedenen Standpunkten ausgehenden 
Meinungen gelingt selten und wenn sie gelingt, nicht ohne logischen und sach 
lichen Zwang, durch Fiktion, d. i. die Annahme von etwas, was nicht wahr 
ist, als wahr! Die Sätze der Naturwissenschaft werden damit unterdrückt, 
wenn auch die Sachverständigen sie zu retten bemüht sind. Die Gesetzgebung 
darf sich daher nicht von Naturwahrheiten als faktischen Grundlagen der Ord 
nung entfernen.
	        
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