6. Erteilung des Konnossements. e) Die Konnossementsschuld. § 19. 269
hat insbesondere die Ablieferung der Güter an den Empfänger
nach dem Inhalte des Konnossements zu erfolgen. Wie auch im
übrigen diese Vorschrift zu verstehen sein mag, so bringt sie doch
jedenfalls zum Ausdruck, dafs der Inhalt der Urkunde für den
Inhalt des in ihr verbrieften Rechtsverhältnisses bestimmende Bedeutung ¬
hat. Nach alledem ist die Konnossementsschuld von dem
Rechtsverhältnis, das zu ihrer Entstehung geführt hat, losgelöst
und ihm gegenüber verselbständigt ½, so wie andererseits auch dieses
Rechtsverhältnis selbst von der Ausstellung des Konnossements an
sich nicht berührt wird (§ 651 Abs. 3, vgl. unten § 20 Nr. V).
Insoweit besteht denn auch für das deutsche Recht keine Meinungsverschiedenheit?. ¬
III. Ungeklärt und streitig ist dagegen, in welcher Art und
in welchem Umfange der Gedanke der Schriftrechtlichkeit für die
Konnossementsschuld vom geltenden Rechte durchgeführt worden
1 Vgl. z. B. Goldschmidt, Handb.1 I 681 f.; Wüstendörfer I 324 ff.,
401 fl.; ROHG. I 203, VI 346, XVII Nr. 20; RG.CS. I 37 f., IV 91, XIV 7,
XXXIV 79, XLVI 5, LVII 64, LXIX 24, LXXIV 194.
2 Von den fremden Rechten stimmen mit dem deutschen überein: Finnand ¬
89, 110, 112 (dazu Lang, Finlands sjörätt I 407 ff.), Skandinavien 144
(vgl. Platou 303 f.; Grundtvig I173; s. auch bereits Schweden 1864 Art. 100,
102, 103 [dazu Hambro S. 167 f.; Hammarskjöld S. 173 und für Dänemark -
Gram, Den private Søret efter Dansk Lovgivning S. 194), Japan 629, 334.
Die Mehrzahl der fremden Gesetze beschränkt sich im wesentlichen darauf,
dem Konnossement eine gesteigerte Beweiskraft beizumessen, wobei dann zwischen
dem Verhältnis unter den Konnossementsparteien und den am Frachtvertrage
Beteiligten, sowie Dritten nicht oder doch nicht hinreichend unterschieden
wird; vgl. Frankreich 283 (insoweit auch im Entw. v. 1895 unberührt gelassen),
Niederlande 512 (s. dagegen Entw. v. 1907 Art. 510 ff.), Belgien 87 (= 1879
Art. 42), Spanien 709 (dazu aber auch 715), Chile 1061 (auch 1065 f.), Italien
558, Portugal 540, Argentinien 1033 (aber auch 1044). Die Jurisprudenz ist
aber von diesen Vorschriften aus in weitem Umfange zur Anerkennung der
Schriftrechtlichkeit gelangt; s. z. B. de Valroger II Nr. 739; Lyon-Caen
et Renault V Nr. 705 ff.; Danjon II Nr. 679 f.; Ripert II Nr. 1358 ff.;
Jacobs I Nr. 211; Vivante, La polizza di carico S. 36 ff. Nach englischem
Recht, das ebenfalls das Konnossement nur als eine Beweisurkunde behandelt,
wird auch zufolge des wichtigen Bills of Lading Act von 1855 (NA. f. HR.
II 119 ff.) aufser auf Grund besonderer Abrede dem Konnossement nur in engen
Grenzen die Bedeutung von „conclusive evidence“ beigemessen; vgl. Scrutton
Art. 20 f.; Carver s. 62 ff.; s. auch Grundtvig I 174 ff., 197 ff., Boyens
1 53f., II 348 f. Note 15, Hans. GZ. XIX (1898) S. 276 (RG.), Sanders, Het
cognossement S. 104 ff. Dagegen hat der nordamerikanische Uniform Bills of
Lading Act einen bedeutsamen Schritt in der Richtung auf die vorher nicht
durchgedrungene (Parsons II 475 f.) Schriftrechtlichkeit der Konnossementsschuld ¬
getan; s. auch Sanders a. a. O. S. 118 f.