Volltext : Beiträge zur Kunde der Geschichte so wie des Staats- und Privat-Rechts des Herzogthums Holstein (1)

und  Landesherren  in  dem  Maaße  anerkannt  haben,  daß  jene
die  Bewidmung  mit  dem  Lübschen  Rechte-als  eine  besondere
Wohlthat  ansahen  und  diese  es  als  ein  bewährtes  Mittel  ergriffen, ¬
  ihre  Städte  blühend  zu  machen.
Nicht  minder  ward  das  Emporkommen  der  Stadt  Lübeck ¬
  dadurch  befördert,  daß  der  Bischof  Gerold  sein,
durch  des  Herzog  Heinrich's  des  Löwen  und  Grafen
Adolph  II.  Freigebigkeit  wiederhergestelltes,  Stift  von  Oldenburg ¬
  nach  Lübeck  verlegte,  nachdem  jene  Stadt  von  den
Wenden  war  gänzlich  zerstört  worden.  Diese  Verlegung
ward  von  Heinrich  dem  Löwen  nicht  nur  genehmigt,  sondern ¬
  auch  thätig  befördert,  indem  er,  wie  es  in  den  alten
Nachrichten  heißt,  dem  Bischof  in  eigner  Person  die  Plätze
zur  Erbauung  der  Stiftskirche  und  der  Domhöfe  anwieß  5
Herzog  Heinrich  der  Löwe,  welcher  anfangs  mit  dem
Kaiser  Friedrich  I.  in  dem  freundschaftlichsten  Vernehmen
stand,  zog  sich  nach  und  nach  die  bitterste  Feindschaft  seines
Oberherrn  zu,  welche  endlich  in  einen  offenbaren  Krieg  überging. ¬
  Kaiser  Friedrich  L.,  welcher  persönlich  seine  Armee
anführte,  belagerte  Lübeck,  welches  sich  nach  tapferer  Gegenwehr ¬
  und  mit  Zustimmung  des  Herzogs  Heinrich  dem
Kaiser  im  Jahre  1182  ergab,  nachdem  derselbe  der  Stadt
eine  vortheilhafte  Capitulation  zugestanden  hatte.
Lübeck  blieb  in  dem  Besitze  seiner  bisherigen  Verfassung
und  der  erhaltenen  Vorrechte,  welche  der  Kaiser  bestätigte, ¬
  zugleich  aber  auch  seinen  Bundesgenossen,  den  Herzog
Adolph  III.  von  Holstein,  mit  der  Hälfte  des  Zinses  und
der  Hebung  von  den  Mühlen  der  Stadt,  dem  dortigen  Zolle
und  der  Münze  belehnte.
Die  Reichsstandschaft  erlangte  Lübeck  zu  der  Zeit
(1182)  noch  nicht,  und  eben  so  wenig  gewährte  das  Pri5) ¬
  Ueber  den  Zustand  des  Hochstifts  Lübeck,  so  wie  über  dessen
Verhältniß  zu  Holstein  finden  sich  2  Aufsätze  in:  Falk  Sammlung ¬
  zur  Kunde  des  Vaterlandes,  Bd.  2,  pag.  79  bis  220.
            
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