Volltext : Pacher, Gustav von: Zur Reform der Fabriksgesetzgebung in Österreich

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bekamen  über  die  Anschauungen  der  Arbeiterführer  vom  Diesund ¬
  Jenseits  und  dergleichen  höhnische  Derbheiten  solcher  Art
zu  hören,  daß  Aehnliches  im  wirklichen  Parlamente  wahrscheinlich ¬
  einen  Sturm  sittlicher  Entrüstung  ihrer  Parteigenossen
hervorgerufen  hätte;  hier  aber  wurde  dies  mit  einer  vornehmen
Anmuth  in  Empfang  genommen,  die  der  Miene  väterlichen
Wohlwollens  nicht  den  geringsten  Abbruch  that,  und  so  gestaltete ¬
  sich  das  Verhältniß  der  katholisch-feudalen  Leiter  des
Kampfspieles  zu  den  Führern  der  Socialistenpartei  im  Saale
von  Sitzung  zu  Sitzung  herzlicher.  Damit  aber  nicht
Schein  einer  Zustimmung  zu  früheren
etwa  doch  der
Lästerungen  zurückbleibe,  zog  der  Vorsitzende  in  seiner
Abschiedsrede  am
Schlusse  der  letzten  Sitzung  der  zur  nüchrein ¬
  gewerblicher  Fachfragen  bestimmten
ternen  Klarstellung
Enquête  nochmals
die  Religion  —  wahrlich  nicht  zum
höheren  Ansehen  derselben  —  in  die  Verhandlung  und  gab  dann
seiner  Partei  mit  der  der  socialistischen
der  Verbrüderung
Arbeiterführer  in
scharf  gekennzeichnetem  Gegensatze  gegen  die
Vertreter  der  „kapitalistischen"  Anschauungsweise  einen  schwungvoll ¬
  beredten  Ausdruck.  Die  armen  Verführten!
Daß  zur  Lösung  der  Fragen,  welches  für  die  einzelnen
Industriezweige  das  richtigste  Ausmaß  der  Arbeitszeit
bilde,  von  welchem  Alter  an,  in  welcher  Ausdehnung
und  unter  welchen  Bedingungen  die  Arbeit  der  jugendlichen
Alterskategorien  ebenfalls  in  den  verschiedenen  Zweigen  zulässig
sei  —  das  Ergebniß  der  Euquête  ein  völlig  ungenügendes,
ja  nahezu  unbrauchbares  war,  davon  könnte  sich  allerdings
nur  Derjenige  überzeugen,  der  die  dreihundertsiebzig  Seiten
des  stenographischen  Protokolls  der  Enquête  durchliest;  die
Dicke  des  Buches  und  die  ungenießbare  Verwirrtheit  seines
Inhaltes  geben  aber  den  Inscenesetzern  hinlängliche  Gewähr,
daß  dies  bei  nicht  allzu  vielen  Menschen  der  Fall  sein  wird.
Der  politische  Same  jedoch,  welcher  vom  20.  April  bis
8.  Mai  1883  zuerst  im  großen  Sitzungssaale  des  alten
Abgeordnetenhauses,  dann,  als  die  Sache  doch  zu  viel  Lärm
machte,  im  Saale  des  Gewerbe=Ausschusses  ausgefäct  wurde,
beginnt  bereits  in  erschreckender  Weise  in  Halme  zu  schießen.
Das  ist  der  Ernst  und  die  Sachlichkeit,  mit  der  im
heutigen  Parlamente  Oesterreichs  an  der  Lösung  großer  und
schwieriger  Fragen  der  Volkswirthschaft  gearbeitet  wird.
            
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