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84 Erstes Hptst. Zurechtstellung unbillig verrückter Verhältnisse.
sich im Wege rechtmäßiger Vertheidigung erlaubt hat *). Daß
der, welcher den Zwang erduldete, durch eigene Schuld sich in
die Gefahr stürzte, kann das Unerlaubte nicht rechtfertigen *)
III. Der Zwang muß durch eine wohlbegründete Furcht (justus ¬
metus) bewirkt worden sein "). Es muß also 1. ein bedeutendes ¬
Uebel (majus malum) zu befürchten gewesen sein,
z. B. der Tod, körperliche Marter, Verlust der Freiheit, Gefangenschaft, ¬
Schändung, u. dgl. *) gleichviel, ob man diese
Uebel für sich oder für die Seinigen (Weib und Kinder) zu
befürchten hatte k). Sodann muß 2. die Gefahr nahe liegend
(metus praesens) sein 1): wobei aber natürlich nicht so fast
darauf zu sehen, was der Bedrohte wirklich zu fürchten hatte,
als vielmehr darauf, was er in seiner Lage fürchten zu müssen ¬
glaubte m). Bloße hingeworfene Drohungen für sich allein =
sind noch kein hinreichender Grund zur Furcht: vielmehr
werden gewaltthätige Handlungen (atrocitas fucti) erfodert 1)
IV. Der Zwang muß erweislich sein. Die Umstände begründen =
nicht selten eine Vermuthung gegen das Dasein eines
Zwanges.°).
Im übrigen ist I. die Klage wegen Zwang nicht nur
gegen denjenigen anwendbar, der den Zwang geübt hat, sondern =
auch gegen einen, der an der Gewaltthätigkeit gar keinen
Antheil gehabt und vielleicht gar nicht einmal davon gewußt
hat, der aber in Folge des Zwangs in rechtlichen Vortheil gekommen ¬
ist (ad quem res pervenit) a). Der Untergang
L. 13. §. 1. D. de inj. 47. 10. Hat die Obrigreit einer Ueberschreitung
ihrer Befugnisse sich schuldig gemacht; so ist der Zwang rechtswidrig. L. 3.
§. 1. l. ult. §. 3. D. q. m. c. 4. 2. = f) L. 12. §. 1. D. ib. .....
quare si metu te coegerit sibi promittère, mox (d. b. in contmenti)
ego eum coëgero metu, te accepto liberare ; nihil esse, quod ei restitantur.“ ¬
= g) L. 7. §. 1. l. 8. P. ib. = h) Den Gegensatz bildet die
eitte Furcht (metus vani hominis). L. G. 7. D. ib.; l. 184. D. de d. r. J.
a. 50. 17. = i) L. 4. 5. l. 7. §. 1. l. S. §. 1. 2. l. 22. l. 23. §. 1.
2. D. q. m. c. 4. 2; l. 7. C. de his q. v. m. c. 2. 20. Furcht vor der
Uebernahme einer Bürgerpflicht kömmt nicht in Berrachtung. L. 8. C. ih.
— L. 7. pr. D. q. m. c. 4. 2. „Nec timorem infamiae hoc edicto contineri ¬
.... neque alicujus vesationis timorem per hoc édictum réstltui. ¬
% — k) L. S. §. 3. D. ib. = 1) L. 9. pr. D. ib. = m) L. 3.
D. ex quib. caus. maj. 4. 6. — n) L. 9. C. de his q. v. m. c. 2. 20.
Val. l. 3. §. 1. D. q. m. c. 4. 2. .,Sed vim accipimus atrocem . . ."
Am wenigsten ist eine Klage wegen Zwang begründet, wenn gar nicht einmal ¬
Uebel angedroht worden sind, so daß die Furcht eine selbstgemachte ist.
L. 6. C. de his q. v. m. c. 2. 20; l. 21. §. 1. D. q. m. c. 4. 2. —
o) L. 23. pr. D. ib. Vgl. l. 2. C. de his q. v. m. c. 2. 20.
a) L. 14. §. 3. D. q. m. c. 4. 2. „In hac actione non quaeritur,