Volltext : Kantorowicz, Wilhelm: Zur Psychologie der Kartelle

Anhang.
85
übrigen  (reinen)  Gießereien  bereiten.  Die  letzteren  klagen  darüber,  daß
die  Hochofenwerke,  welche  im  eigenen  Betrieb  aus  Kupolöfen  gießen,
auf  der  einen  Seite  den  Vorteil  der  Syndikatsbildung  genießen, ¬
  indem  sie  für  ihr  Roheisen  hohe  Preise  bekommen,  auf
der  anderen  Seite  aber  den  Gießereien,  welche  keine  eigenen
Hochöfen  haben,  und  welche  für  ihr  Roheisen  hohe  Preise  anlegen
müssen,  in  lebhaften  Wettbewerb  treten  und  sie  z.  B.  bei
Submissionen  unterbieten.  Das  Syndikat  erklärte,  daß  es  diesen
Verhältnissen  machtlos  gegenüberstehe  und  keinen  Einfluß  auf  seine
Mitglieder  auszuüben  vermöge,  wenn  es  auch  die  hieraus  sich  ergebenden
Mißstände  bedauere.  Die  Eisengießereien  sind  der  Meinung,  daß  den
Syndikatswerken  die  widerspruchsvolle  Unzulässigkeit  der  aus  solchem
Vorgehen  erwachsenden  Unzuträglichkeiten  von  dem  Syndikat  zu  Gemüte
geführt  werden  und  daß  notwendig  ein  Weg  gefunden  werden  müsse,
um  der  auf  diese  Weise  tatsächlich  stattfindenden  Ausbeutung
der  Abnehmer  des  Syndikats  durch  einzelne  Mitglieder  desselben ¬
  wirksame  Schranken  zu  setzen.
Das  bedeutende  Übergewicht  der  gemischten  Walzwerke,  wie  es  in
obigen  Ziffern  zum  Ausdruck  kommt,  in  Verbindung  mit  der  geschilderten
ungünstigen  Lage  der  reinen  Walzwerke,  hat  vielfach  die  Anschauung
aufkommen  lassen,  daß  diejenigen  Walzwerke,  welche  nicht  über  eigene
Rohstoffe  verfügten,  unter  den  heutigen  wirtschaftlichen  Verhältnissen
keine  Daseinsberechtigung  mehr  hätten.  So  bedauerlich  dies  auch  für
die  hiervon  betroffenen  Kreise  sei,  so  wären  diese  Erscheinungen  doch
nichts  neues,  sondern  untrennbar  mit  der  Fortentwicklung  des  Wirtschaftslebens ¬
  verbunden,  von  jeher  hätten  die  alten  Formen  und
Organisationen  der  Volkswirtschaft  den  neuen  weichen  müssen.
Die  reinen  Walzwerke  verwahren  sich  mit  Entschiedenheit
gegen  eine  derartige  Auffassung.  Bei  dem  Kampfe  mit  den
gemischten  Werken  handle  es  sich  nicht  um  den  freien  Wettbewerb
aller  Werke  untereinander.  Die  Verhältnisse  lägen  vielmehr  so,  daß
eine  wohlorganisierte  Unternehmergruppe  einer  Anzahl
schwächerer  Werke  in  plaumäßiger  Weise  das  Feld  ihrer
Tätigkeit  untergrabe.  Es  handele  sich  um  einen  Kampf  zweier
Parteien  gegen  einander,  und  aus  diesem  Grunde  sei  der  Ausgang  des
            
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.

powered by Goobi viewer