Full text: Abhandlung über die gesetzmässige Befriedigung concurrirender Gläubiger (Bd. 1)

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der ein neues Grundbuch noch eine neue Landtafel, als ein selbst 
ständiges Buch betrachtet, sondern das alte und neue Grundbuch 
und die alten Quarternen und die jetzige Landtafel machen nur ein 
Ganzes aus; wer daher in einem dieser Bücher mit seinem Pfand 
rechte auf die gesetzlich vorgeschriebene Art eingetragen ist, erscheint 
rechtlich so lange als Pfandgläubiger, bis sein Pfandrecht in dem 
selben auf gesetzliche Art gelöscht ist. 
Man könnte freylich einwenden, sowohl die Käufer, als die 
später, nur in dem neuen Grundbuche intabulirten Gläubiger wür 
den unverschuldeten Schaden leiden, indem sie im Vertrauen, daß 
das Buch richtig geführt und errichtet sey, gehandelt haben. Die 
ses ist zwar allerdings wahr; allein daraus folgt nur, daß ihnen 
das Entschädigungsrecht gegen den Schuldtragenden zustehe, nicht 
aber, daß ihnen der frühere Tabular-Gläubiger, der doch auch un 
verschuldet Schaden leiden würde, weichen müsse. 
f. 41. 
Von den certificirten, aber nicht intabulirten Ur 
kunden. 
Es hat sich der Fall schon öfter ergeben, daß Schuldurkun 
den über das Ansuchen um Intabulation mit dem Intabulations 
Certificate versehen wurden, ohne daß die wirkliche Intabulation 
derselben vor sich ging. In diesem Falle pflegt man in der Pra 
xis zu unterscheiden, ob das Grundbuch gar nicht bestehe, und die 
wirkliche Intabulation daher gar nicht habe vorgenommen werden 
können, oder ob beym Vorhandenseyn eines Grundbuches die Inta 
bulation der Urkunde, sey es aus Versehen, oder aus was immer 
für einem Grunde, unterblieben sey. In dem ersten Falle nimmt 
man das Certificat, als die Stelle der Intabulation vertretend, für 
gültig an, und bestimmt das Vorrecht nach der Nummer des Ein 
reichungs-Protokolls, und in Ermanglung eines solchen nach dem 
Alter des Certificats. In dem letzter Falle aber erklärt man das 
Certificat als wirkungslos. Allein diese Ansicht der Practiker ist of 
fenbar unrichtig. Das Certificat ist nur ein Zeugniß der geschehenen 
Intabulation, und keine Intabulation selbst. Geschah nun keine 
Intabulation, sey es, daß sie wegen Mangel eines Grundbuchs 
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