Full text: Abhandlung über die gesetzmässige Befriedigung concurrirender Gläubiger (Bd. 1)

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recht erlischt nicht mit dem Aufhören der Jnhabung der Pfandsache, 
weil dasselbe ein dingliches, daher gegen jeden Besitzer der Pfand 
sache wirkendes Recht ist; folglich kann das Pfandstück sogar dem 
Eigenthümer mit Vorbehalt des Pfandrechtes zurückgestellt werden, 
ohne daß deßhalb das schon erworbene Pfandrecht aufhört. 
Herr Appellationsrath Nippel *) behauptet zwar, daß auch die 
erste Art der Uebergabe durch Erklärung um so mehr zur Erwer 
bung des Pfandrechtes genügen müsse, als dadurch sogar das Ei 
genthum der Sache erworben werden könne. Allein dieser Schluß 
scheint mir nicht ganz richtig zu seyn. Der Gesetzgeber hat ganz 
andere Vorschriften zur Erwerbung des Pfandrechtes, als zur Er 
werbung des Eigenthums erlassen; man kann daher nicht behaup 
ten, daß die zur Erwerbung des Eigenthums erlassenen Anordnun 
gen auch ohne Ausnahme auf die Erwerbung des Pfandrechtes über 
tragen werden dürfen, und zwar um so weniger, wenn dadurch eine 
allgemein lautende Varschrift beschränkt, oder theilweise ganz auf 
gehoben würde, wie es vorliegend der Fall ist. Denn der F. 451 
spricht sich allgemein dahin aus, daß der Pfandberechtigte die be 
wegliche Sache in Verwahrung nehmen müsse, und macht im §. 152 
nur bey jenen Sachen eine Ausnahme, bey welchen eine Uebergabe 
von Hand zu Hand nicht möglich ist; würde nun der erste Theil 
des §. 428 b. G. B. auch auf die Erwerbung des Pfandrechtes ange 
wendet, so würde man das Pfandrecht auf bewegliche Sachen auch 
ohne Inhabung erwerben können, wodurch für diesen Fall die An 
ordnung des §. 151 aufgehoben wäre. 
§. 17. 
Erwerbungsarten des Pfandrechtes durch gericht 
liche Acte. 
Außer der Uebergabe und der eigenmächtigen Pfändung kann 
das Pfandrecht durch Privathandlungen nicht erworben werden; 
denn alle übrigen Erwerbungsarten liegen in gerichtlichen Einschrei 
tungen, welche aber jedesmahl ein Ansuchen von Seite der Parthey 
voraussetzen. 
1) Siehe dessen Commentar des allg. b. G B. zum §. 252 pag. 182.
	        
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