Full text: Herz, Maximilian: Zur Reorganisation des Findelwesens

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jedoch diese Einrichtung bereits Nachahmung in England ge 
funden hat, glaube ich daraus entnehmen zu können, dass die 
Harvejan Society in London, welche im verflossenen Monate die 
bedeutende Kindersterblichkeit in England und die Mittel zu 
ihrer Abhilfe in sehr energischer Weise discutirte, *) auch die 
an vielen Orten des Landes stattfindende Colonisirung armer, 
elternloser Kinder als eines der wohlthätigsten Unternehmen 
hingestellt hat. 
Bezüglich der Einrichtung der von Dr. v. Karajan vorge 
schlagenen Kinderbewahranstalten liessen sich unzweifelhaft 
zahlreiche pia desideria vorbringen; wir begnügen uns jedoch 
damit, hier nur Eines hervorzuheben: diese Anstalten mögen so 
eingerichtet werden, dass sie der familialen Pflege, der besten, 
deren ein Kind theilhaftig werden kann, so viel als möglich 
nahezukommen sich bestreben mögen. Dies ist freilich nur dann 
vollständig zu erlangen, wenn die Anzahl solcher Anstalten eine 
entsprechend grosse, die Zahl der in jeder einzelnen derselben 
verpflegten Kinder in Folge davon eine verhältnissmässig geringe 
ist. Dass die Wahl von geeigneten Persönlichkeiten, welche 
liebevoll und möglichst anspruchslos die Stellen von Haus 
vätern und Hausmüttern in solchen Anstalten zu bekleiden 
hätten, ein wesentliches Moment abgebe, erscheint um so ein 
leuchtender, als nicht blos das leibliche und moralische Wohl 
der in der Anstalt selbst untergebrachten Kinder von diesen Per 
sönlichkeiten abhängen würde, sondern diesen auch ein gewisser 
Einfluss auf die in dem betreffenden Bezirke bei Familien in 
Pflege befindlichen Kinder gewahrt bleiben müsste, als diese 
ferner in mehr denn einer Richtung die Rechte und Ansprüche 
des einzelnen Kindes zu wahren und zu behaupten hätten. Dass 
die schon früher erwähnten Vereine von wohlthätigen Personen, 
auf deren Wirksamkeit wir mit Recht so grosses Gewicht legen, 
sich an der Leitung und Ueberwachung dieser ja theilweise von 
ihnen in's Leben gerufenen Anstalten, sowie an der Beaufsichti 
gung der auswärts untergebrachten Pflegekinder ebenfalls zu be 
theiligen hätten, führt zu keinem Widerspruche in Bezug auf die 
einheitliche Leitung und Leistung solcher Anstalten; es ergibt 
sich dies am besten aus den Erfahrungen des an wohlthätigen 
Anstalten so überaus reichen Englands, wo durchgehends Ge 
sellschaften und Comité's diese Anstalten in einer nirgends über 
troffenen musterhaften Weise theils völlig selbstständig, theils 
*) British Medical Journal Nr. 315 (12. Jänner 1867).
	        
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