Volltext : Ertl, Moriz: ¬Das landwirtschaftliche Genossenschaftswesen in Deutschland

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stand,  bestehend  aus  dem  Director,  dessen  Stellvertreter  und  dem  Geschäftsführer, ¬
  bestimmt  jene  Personen,  welche  zu  Ankaufsbevollmächtigten  zu  bestellen
sind,  und  die  Ankaufspreise.  Diese  sind  so  zu  bemessen,  dass  die  Verkaufspreise
abzüglich  der  Geschäftskosten,  Amortisationsbeträge  und  etwaiger  Zinsen  keinen
erheblichen  Jahresüberschuss  ergeben.  Ferner  bestimmt  der  Vorstand  auch  die
Höhe  der  Anzahlung  bei  Ablieferung  der  Producte  an  die  Genossenschaft.
Endlich  ist  er  berechtigt,  auch  Vieh  von  Nichtmitgliedern  anzukaufen.  Letzteres
hat  sich  trotz  der  bedeutenden  Mitgliederzahl  (500)  als  nothwendig  herausgestellt, ¬
  um  die  Fracht  jedesmal  voll  ausnützen  zu  können.
Nach  einer  Mittheilung  von  Director  Burlage,  der  die  Löninger  Genossenschaft ¬
  seit  ihrem  Bestande  leitet,  beträgt  der  Wert  des  wöchentlichen  Umsatzes
circa  Mark  8000.  Es  werden  magere  und  fette  Schweine,  Kälber,  auch  Großvieh, ¬
  letzteres  allerdings  in  geringer  Zahl,  nach  der  Rheinprovinz,  der  Provinz
Sachsen  und  dem  Königreich  Sachsen  geliefert.  Seit  1884  hat  die  Genossenschaft ¬
  auf  dem  Kölner  Markte  keine  Woche  gefehlt.
Vor  Gründung  des  Producentenvereines  war  der  ganze  Viehhandel  in
Löningen  und  Umgegend  in  den  Händen  einer  Firma  monopolisiert;  der  reelle
Wert  für  das  Vieh  wurde  nicht  bezahlt,  außerdem  die  Producenten  zur  Annahme
verschiedener  Waren  im  Tauschwege  gezwungen  und  in  ein  ziemlich  trauriges
Abhängigkeitsverhältnis  gebracht.  Durch  den  Producentenverein,  ferner  eine  zu
gleicher  Zeit  gegründete  Spar-  und  Darlehenscassa,  die  gegenwärtig  einen
Jahresumsatz  von  reichlich  einer  Million  Mark  hat  und  der  Centralcassa  in
Münster  als  Geldausgleichstelle  angeschlossen  ist,  einen  landwirtschaftlichen
Consumverein  und  eine  Molkereigenossenschaft  wurde  in  diesen  Verhältnissen
Wandel  geschaffen.  In  den  ersten  Jahren  seines  Bestandes  hatte  der  Producentenverein ¬
  von  Seite  der  Händler  eine  starke  Concurrenz  auszuhalten,  und
arbeitete  die  Genossenschaft  mit  Verlust,  der  allerdings  nur  Mark  1•50  per
Mitglied,  also  verschwindend  klein  war.
Nunmehr  kann  der  Bestand  der  Genossenschaft  als  gesichert  betrachtet
werden.  Director  Burlage  fasst,  wohl  gestützt  auf  die  Erfahrungen  der  eigenen
Genossenschaft,  sein  Urtheil  über  Viehverkaufsgenossenschaften  in  die  Worte
zusammen:  „Jede  Verkaufsgenossenschaft  wird  bestehen  und  segensreich  wirken
wenn  der  Geschäftsführer  sich  dafür  eignet,  darauf  kommt  es  wesentlich  an.
Klein  anfangen  und  gute  Ware  führen,  dann  kommt  alles  von  selbst.
b)  Ostfriesische  Viehausfuhrgenossenschaft  in  Norden.*)
Während  der  landwirtschaftliche  Producentenverein  in  Löningen  den
gemeinsamen  Absatz  von  Mastvieh  betreibt,  bezweckt  die  1887  von  74  Genossen,
fast  ausschließlich  ostfriesischen  Landwirten,  gegründete  „Östfriesische  Viehausfuhrgenossenschaft ¬
  zu  Norden“,  eingetragene  Genossenschaft  mit  unbeschränkter
Haftpflicht,  die  unmittelbare  Verwertung  ostfriesischen  Zucht-  und  Gebrauchsviehes ¬
  auf  gemeinschaftliche  Rechnung  und  Gefahr.  Die  Erwerbung  der  Mitgliedschaft ¬
  ist  an  den  Wohnsitz  in  Östfriesland  geknüpft.  Der  Geschäftsantheil
beträgt  Mark  300,  wovon  ein  Zehntel  beim  Eintritt  bar  eingezahlt  werden
muss.  Außerdem  hat  jeder  Genosse  ein  Eintrittsgeld  zu  leisten,  dessen  Höhe
(gegenwärtig  Mark  100)  die  Generalversammlung  bestimmt,  und  welches  in
den  Reservefonds  fließt,  dem  auch  mindest  10%  des  jährlichen  Reingewinnes
zugewiesen  werden.  Der  Geschäftsbetrieb  umfasst  insbesondere:  1.  Die  Auf*) ¬
  Stainach  a.  a.  O.  S.  16—18.
            
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