Full text: Budau, Victor: ¬Die dringende Nothwendigkeit der Einführung der obligatorischen Civilehe in Oesterreich

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Der § 111 des a. b. G. B. erklärt blos jene 
Ehen für untrennbar, in welchen beide Theile 
katholisch sind, oder bei deren Schliessung auch 
nur ein Theil katholisch war. Die hiedurch normirte 
ungleiche Behandlung von Angehörigen verschiedener 
Confessionen in Ehesachen, einem Dogma zu Liebe, 
welche sogar bis zur Berücksichtigung überhaupt 
nicht mehr existenter, sondern nur im Moment der 
Eheschliessung vorhanden gewesener Glaubensbe 
kenntnisse geht, ist unvereinbar mit den heutigen 
toleranten Anschauungen. Der § 111 a. b. G. B. 
steht auch nicht im Einklange zu § 44 desselben 
Gesetzes, worin dem Eherechte ausdrücklich nur ein 
Vertr. 
agsverhältniss zu Grunde gelegt, mithin im We 
*) Siehe hiezu Schröder, das Recht in der geschlecht 
lichen Ordnung. „Jede Ehe soll aus zwingenden Gründen 
lösbar sein; den geschiedenen Ehegatten soll das Recht der 
Wiederverehlichung zustehen. Hierüber Allgemeine öster 
reichische Gerichtszeitung von Schreiber und Coumont 1894 
Nr. 12. 
„Das katholische und österreichische Eherecht ver 
urtheilt die geschiedenen Ehegatten zu einem Cölibat, welches, 
weil der Natur widersprechend, nicht gehalten wird, sondern 
gewöhnlich einer Geschlechtsverbindung Platz macht, welche 
zwar ihrem Wesen nach mehr den sittlichen Erfordernissen 
einer Ehe entspricht, als die fortbestehende geschiedene Ehe, 
vom Gesetze aber als eine unsittliche Geschlechtsverbindung 
gebrandmarkt wird, während doch nur das Gesetz, welches 
solche Verhältnisse her vorruft, als unsittlich be 
zeichnet werden muss. Fuchs, Siebenbürgische 
Ehen S. 19. 
5) Die Verhinderung der gänzlichen Lösung unglück 
licher Ehen führt nicht selten zu der unmoralischen That 
sache, dass ein Ehegatte auf den Tod des anderen wartet. 
„Durch eine lebenslängliche Scheidung 
wird das zerstörte Eheglück des schuldlosen 
Gatten nicht wiederhergestellt, und er der freien 
Thätigkeit für die Familie und Gesellschaft und vielleicht 
auch einer ihm fehlenden anständigen Versorgung nicht 
wieder zugeführt. — Lebenslängliche Scheidungen von Tisch 
und Bett führen naturgemäss häufig zu unsittlichen Ver¬
	        
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