Full text: Zeitschrift für Rechtsgeschichte (Bd. 3 (1864))

über die Julianische Edictsredaklion.

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ansteht, da dieses das Edict den Untergerichten des cisalpinischen
Vorlandes nur zu accommodiren hatte.
Ich meine nämlich die Anfangsbuchstaben (litterae singulares)
welche Probus um die Zeit Neros und Domitians, vielleicht auch
noch etwas später, wie er sich ausdrückt „in edictis perpetuis"
d. h. in einem juristischen Werke über das Edict, also in einem der
„iuris civilis libri", d. h. der Schriften über das bürgerliche Recht,
welche er benutzte, vorfand und in dem privatrechtlichen Theile
seiner kleinen Schrift de litteris singularibus erklärte.
Diese Edictsnoten und ihre Auflösungen hatte Mommsen be-
reits in seiner im Jahre 1853 im fünften Bande der Verhandlun-
gen der sächsischen Gesellschaft erschienenen Probusausgabe aus dem
ärgsten mittelalterlichen Notenwust auf ihre ursprüngliche Gestalt
zurückgeführt. Sie bilden dort den §. 5 des systematischen Probus
und ihre 24 Nummern gehören anscheinend ohne Ausnahme dem
ersten Abschnitt des Edicts, d. h. den allgemeinen Prozeßbestimmungen
mit Einschluß des allgemeinen Titels de indiciis cm: die meisten
Num. 1—13 sogar dem ersten Titel de iurisdietione, Num. 14
dem Titel de paetis conventis, Num. 16—18 dem Titel de in
integrum restitutionibus, Num. 22—24 dem Vadimonium und
den Judizialstipulationen bei Niedersetzung des Schwurgerichts.
Dazu kommen nun aber jetzt die noch ungleich umfassendern
und wichtigeren Edictsglossen, welche Mommsen in seinen Notarum
laterculi, in Verbindung mit der Keilschen Ausgabe der lateini-
schen Grammatiker veröffentlicht hat. Sie stammen aus einer gegen-
wärtig dem Kloster Einsiedeln gehörenden Handschrift des zehnten
Jahrhunderts, Nummer 326, 104 Blätter Octav, welche nach
Mommsens Vermuthung aus einem Reichenauer Codex der notae
Iulii Caesaris abgeschrieben ist und die Notensammlung des Pa-
pias untermischt mit 77 Glossen darstellt, die ein späterer Jurist
aus dem Probus ausgezogen haben muß. Darunter sind 42,
deren Abstammung aus dem Edict, ja deren nähere Beziehung sich
entweder mit voller Sicherheit oder doch mit hoher Wahrschein-
lichkeit feststellen läßt. Sie unterscheiden sich dadurch von dem
§. 5 des systematischen Probus, daß auch die der Einleitung fol-
genden spätern Edictsabschnitte und diese sogar verhältnißmäßig stärker
benutzt sind. Denn nur 2 (Nr. 68, 69) gehören der In Inte-
grum Restitutio, 19 (Num. 1—9, 11, 12, 19, 54, 55, 60—
62, 75) den Actionen, 4 den Missionen in den Nachlaß eines

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