Full text: Zeitschrift für Rechtsgeschichte (Bd. 3 (1864))

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Nudorss,

scher und Philologen für das älteste Recht, in der Richtung der
Civilisten auf den neusten welthistorischen Abschluß ihre allgemeine
Erklärung finden. Denn in der That verhalten sich die ehernen
Gesetztafeln und Legis Actionen der Republik zu den vergänglichen
Zusätzen des alljährlich wechselnden Gerichtsbretts nicht viel anders
wie der altgesetzliche Kern des königlichen, dezemviralen und Appi-
schen Kalenders zu den Edicten Cäsars oder Marc Aurels über
die Gerichtstage. Die Gleichgültigkeit gegen das Hadrianisch-Ju-
lianische Edict hat aber noch eine spezifische Ursache. Diese liegt
darin, daß man zwei völlig verschiedene Arbeiten Julians, seine
Digesten und seine Edictsredaktion verwechselt und in Folge eben
dieser Verwechselung Charakter und Bedeutung der letzteren unter-
schätzt hat.
Nur hiedurch ist es erklärlich, daß wir heute, fast nach einem
halben Jahrhundert seit der Wiederauffindung des Gaius, in Bezug
auf das Edict über den Grund, welchen Cujas und seine Schule,
welchen namentlich Guillaume Ranchin für die Textherstellung,
Hubert van Gissen für die Oeconomie des Edicts gelegt hatten,
noch nicht wesentlich hinaus sind. Denn Jacques Godefroi giebt
nichts weiter als eine dürftige tabellarische Uebersicht des Planes
der Commentare, mit dem Edicte selbst hatte sich der große Ge-
lehrte nicht eingehend beschäftigt. Gerard Noodt's und Abraham
Wielings niederländisch operose Bestrebungen sind wenigstens im
Großen resultatlos geblieben. Heineccius posthumes Werk kam
nicht über die geschichtliche Einleitung, worin überdies alle Haupt-
punkte verfehlt sind und über den Anfang der Restitution hinaus.
Weyhe's und van Reenen's jugendliche Bemühungen wollen nur
Vorarbeiten geben oder Unterrichtszwecken dienen.
III.
Eine dringende Mahnung, die Edictsarbeiten des Reforma-
tionszeitalters gerade jetzt wieder aufzunehmen liegt in einer erst
ganz neuerdings wieder eröffneten Quelle, die wenn auch dem Um-
fang nach geringfügig, gleichwohl in Betracht ihrer Reinheit höher
anzuschlagen ist, als die gesammte, zwar ungleich reichhaltigere
aber von Justinians Arbeitern zerstörte oder verdorbene classische
Edictslitteratur, während sie wiederum durch ihren directen Ursprung
aus dem Edicte selbst, dem Rubrischen Gesetz an Wichtigkeit vor-

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