Full text: Zeitschrift für Rechtsgeschichte (Bd. 3 (1864))

die Freiburger Schwabenspiegel-Handschrift. 155
sich in S. oder einer andern zu dieser Gruppe gehörigen Hdsch.
erhalten haben, während sie in den andern bekannten Texten ab-
geändert sind. Uebereinstimmungen in solchen vereinzelten Kleinig-
keiten der Textgestaltung können sehr wol auf Zufall beruhen, und
bei der verhältnißmäßig geringen Anzahl genau verglichener
Schwabenspiegeltexte ist auch vorläufig noch gar nicht festzusteÜen,
ob nicht auch in andern, einer späteren Stufe angehörigen Hand-
schriften dasselbe Wörtchen und dieselbe Wortstellung sich wieder-
sindet. Was von S. bisher bekannt ist, zeigt rat Gegentheil vor-
zugsweise nur, wie Ficker selbst bemerkt, „bedeutendere Abwei-
chungen vom Urtexte, als sie die gewöhnliche gedankenlose Ver-
vielfältigung der Hdsch. mit sich zu bringen Pflegt, ... als sei
hier die Hand eines nachdenkenden Abschreibers thätig gewesen,
welcher seine Vorlage in vielen Einzelheiten glücklich oder un-
glücklich zu bessern und zu ergänzen bemüht war."
Ganz dasselbe gilt von einer bisher nicht berücksichtigten Handschrift,
die mit S. im äußeren Umfang, abgesehen von einer größeren Lücke, welche
die capp. L. 8—15. betrifft, fast genau übereinstimmt und, soweit
der Text von S. mir bekannt ist, auch im Einzelnen mit S. in in-
nigster Verwandtschaft steht; es ist dies eine Handschrift der kai-
serlichen Hofbibliothek zu Wien vom Jahre 1408., Homeyer
No. 675. Bei der Collation derselben habe ich zwar manche er-
hebliche Abweichungen von den gewöhnlichen Schwabenspiegelformen
gefunden, aber nicht solche, in denen nur in dieser Hand-
schrift der ursprüngliche Text erhalten wäre. Sehr auffällig ist
es aber, daß sich in diesen beiden Handschriften kein einziges Ca-
pitel von denjenigen erhalten hat, welche F. zufolge dem ursprüng-
lichen Text angehört haben und in U. L. bereits ausgefallen sind,
daß dagegen die Kürzung noch weiter fortgeschritten ist. Denn es
fehlen in S. Vindob. gemeinsam capp. L. 154. 168 b. 169. 245.
247 a. 258 a. 268. 271b. 279. 288 b. 289. 302 b. 308. 311
314 ff., ferner in S. allein noch c. L. 263. 305. und im Cod.
Vindob. allein L. 205. 269., und erhebliche Verkürzungen zeigen
sich außerdem in vielen Capiteln, z. B. L. 246. 247 b. 297. u. a.
Trotz aller Differenzen zwischen L. U. Z. und S. Vind. scheint
es demnach, daß sich die Gruppe S. Vind. doch erst abgezweigt
hat, nachdem sich die ursprüngliche Form der ersten Theile des
Schwabenspiegels bereits zur Form L. U. Z. verkürzt hatte.
Ebenso findet sich in dem mit L. 313. schließenden und in den

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