Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 19 (1901))

8. Das Börsengesetz und seine Reform

6.

Das Görsengesetz und seine Reform.
Bon Dr. Mar Äpt, Syndikus der Korporation der Kaufmannschaft
zu Berlin.

Das Börsengesetz bildet den ersten Versuch einer reichsgesetzlichen
Regelung des Börsenwesens. Der verschiedenartigen Entwickelung, welche
die Börsen in den einzelnen Bundesstaaten genommen haben, entsprach
auch die Verschiedenheit der gesetzgeberischen Behandlung, die selbst aber
in Preußen, dem Sitze der größten Börse, sich auf die Bestimmung
beschränkte (§ 3 des Einführungsgesetzes zum Handelsgesetzbuch vom
24. Juni 1861), daß zur Errichtung einer Börse, sowie zum Erlaß
oder zur Ergänzung von Börsenordnungen die Genehmigung des Handels-
unnisters nothwendig ist?)
Im Uebrigen entwickelten sich die Börsen selbständig und ungehindert.
Mit der wachsenden Bedeutung des wirthschaftlichen Verkehrs wuchs
auch die Bedeutung der Börse und damit änderte sich die Auffassung
über das Verhältniß des Staates zur Börse. Die Börse bot die Mög-
lichkeit, die Aktien und Obligationen der kaufmännischen, gewerblichen
und industriellen Unternehmungen umzusetzen nnd denselben das für
ihre Gründung und für ihren Betrieb erforderliche Kapital zuzuführen.
Es ist keine Frage, daß die großen Kapitalien, welche insbesondere für
den Bau der Eisenbahnen, Telegraphen, für die Verwerthung der elektri-
schen Kraft nothwendig waren, nicht so leicht und so schnell ohne die
Hülfe der Börsen beschafft worden sein würden. Ebensowenig konnten
Staaten, Gemeinden und sonstige Körperschaften für die Unterbringung

*) Ueber den Rechtszustand in den anderen Bundesstaaten vgl. Begründung
des Börsengesetzes S. 17 ff. und Ap t, Börsengesetz, Berlin 1897, 3. Aufl., S. 44ff.
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