Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 19 (1901))

Otto Gierke. Handelsgesellschafts- und bürgerliches Recht. 115
Umfang, so am meisten Geschlossenheit, Eigenart und Selb-
ständigkeit bewahrt hat.' Gleichwohl hat sich auch hier das Verhältniß
Ui»l bürgerlichen Rechte gewaltig in der angedeuteten Richtung verschoben.
Vielleicht hat es daher für Sie einiges Interesse, wenn ich versuche, die
^»getretene grundsätzliche Aenderung zu beleuchten. Natürlich kann ich
mir einen Ueberblick geben, auf die entscheidenden Grundgedanken Hin-
weisen und hier und da einige praktische Folgen hervorheben.
11.
Blicken wir zunächst auf die eigentliche Handelsgesellschaft,
Me offene Handelsgesellschaft und die Kommanditgesellschaft.
Das neue H.G.B. verweist in § 105 Abs. 2 für die offene Handels-
gesellschaft ausdrücklich auf die subsidiäre Anwendung der Vorschriften
des B.G.B. über die Gesellschaft. Gleiches gilt für die Kommandit-
gesellschaft, auf die ja nach § 161 Abs. 2 subsidiär die Vorschriften
über die o. H.G. Anwendung sinden. Sie ist überhaupt nur eine Abart
der o. H.G. und bedarf hier keiner abgesonderten Betrachtung.
Das ist eine tiefgreifende Neuerung! Im alten H.G.B. war
die o. H.G. ein geschlossenes, nur sich selbst gleiches Gebilde, das in
allem Wesentlichen vollständig geregelt war. Jetzt ist sie nur noch der
handelsrechtliche Ausbau der Gesellschaft des bürgerlichen Rechtes. Das
neue H.G.B. konnte diesen Schritt thun, weil das B.G.B. ihm einen
noch größeren Schritt entgegen gekommen war. Denn es hatte den
germanischen Gedanken der Gemeinschaft zur gesammten Hand,
der in der Handelsgesellschaft lebendig geblieben war, in seine eigene
Gesellschaft hineingepflanzt. Dem bisherigen bürgerlichen Rechte gegen-
über war ein derartiges Verhalten des Handelsrechts unmöglich. Allen-
falls gegenüber dem preußischen Landrecht, keinesfalls aber gegenüber
dem gemeinen Recht und dem sächsischen Gesetzbuch mit ihrem rein
römischen Societätsbegrisi hätte das Handelsrecht hier auf seine volle
Autonomie verzichten können. Und wäre der erste Entwurf des B.G.B.
Gesetz geworden, so würden wir wohl auch im neuen H.G.B. vergeblich
die Verweisung auf die Gesellschaft des bürgerlichen Rechtes suchen!
^rst der Sieg des deutschen Rechtes im bürgerlichen Gesellschaftsrecht
Öffnete die Bahn!
Nunmehr haben wir vor Allem in der alten Streitfrage über das
rechtliche Wesen der eigentlichen Handelsgesellschaft festen Boden unter
8*

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer