Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 30 (1907))

Handelsrechtliche Rundschau.

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anzuerkennen einmal die klare Schilderung der dem Scheckverkehr zu Grunde
liegenden tatsächlichen Verhältnisse und seiner Technik (z. B. Abrechnungsver-
fahren des Wiener Saldierungsvereins S- 53, Einrichtung und Tätigkeit des
Postsparkassenamts S. 18fs.); sodann die eingehende Beachtung, welche v. C.
ben allgemeinen Fragen des Scheckverkehrs (Vorteile, Gefahren, Scheck als
Zahlungsmittel, volkswirtschaftliche und staats finanzielle Bedeutung) zu teil werden
läßt, wobei namentlich die Abgrenzung des Schecks von ihm mehr oder minder
ähnlichen Papieren (Wechsel, Warrant, Banknote, Pseudoscheck) nicht unerheblich
mit zur Erfassung seiner Natur beiträgt. Nur insofern scheint die Darstellung
nicht ganz gelungen, als sie stellenweise an übergroßer Breite leidet und sich
des öfteren unnötig derselbe Gedanke wiederholt findet. Die oben hervor-
gehobene leichte Verständlichkeit der Ausführungen ist äußerlich durch Fortlassung
jeglicher Anmerkung wie inhaltlich dadurch, daß fast überall auf eine Erörterung
abweichender Meinungen verzichtet wird und der Verfasser lediglich seine Ansicht
mit kurzer Begründung wiedergibt, nicht unerheblich gefördert. Diese Ausschaltung
der Streitfragen durfte sich v. C. gestatten, weil nach dem Österreichischen
Gesetze der Scheck in weitem Maße den Normen des Wechselrechts untersteht,
und wir v- C. sowohl auf diesem Gebiete wie dem des Scheckwesens überhaupt
eingehende Darstellungen verdanken, welche zu allen auftauchenden Streitfragen
gebührend Stellung nehmen, v. C. hat sich nicht auf die systematische Wieder-
gabe des geltenden Rechts beschränkt, sondern das Gesetz weiterhin auch kritisch
darauf geprüft, ob die in ihm ausgesprochenen Grundsätze den: Wesen und Be-
dürfnissen des Scheckverkehrs gerecht werden. Namentlich eingehend bekämpft er
das Gesetz um deswillen, weil es dem Scheckgläubiger eine direkte Klage gegen
den Bezogenen (anders der deutsche Entwurf und England im Konkursfalle
der Bezogenen S. 171, 175, 181) versagt hat, die zur Erhöhung der Sicherheit
des Scheckverkehrs unbedingt erforderlich sei und der im Gesetze statuierten
prinzipiellen Unwiderruslichkeit des Schecks erst praktische Bedeutung verleihe
S. 152ff., S. 163ff.). Des weiteren soll nach v. C. der Scheckgläubiger im
Konkursfalle des Ausstellers, soweit dessen Guthaben beim Bezogenen reicht,
von letzterem Zahlung in voller Höhe verlangen können, während das Österreichische
Gesetz ihn, sofern der Bezogene seinerPflicht entsprechend beiKenntnis vomKonkurse
die Zahlung weigert, auf die Konkursdividende beschränkt und das Bankguthaben
der Masse zuspricht (S. 148 ff., 176). Auch wer mit mir die vom Verfasser ver-
tretene, im französischen Rechte angenommene Zessionstheorie ablehnt, wird zu-
geben dürfen, daß Rechtsgründe einer Verwirklichung der gemachten Vorschläge
nicht entgegenstehen, und wirtschaftlich manches für sie spricht. Die tatsächliche
Bedeutung der beiden Fragen scheint mir v. C. allerdings zu überschätzen. Der
Schlußparagraph teilt den Gesetzestext nebst Auszügen aus den erläuternden
Bemerkungen zum Regierungsentwurf unter Einfügung sonstiger in Betracht
kommender Bestinunungen mit. Indem v. C. hier unter den einzelnen Para-
graphen auf die einschlagenden Stellen feiner früheren theoretischen Erörterungen
verweist, ist zugleich gewissermaßen ein Kommentar des Gesetzes geboten.
Von Einzelheiten, in denen ich mit dem Verfasser nicht übereinstimme,
seien abgesehen von einer z. T. verschiedenen Auffassung der ergänzungsweise

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