Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 30 (1907))

13. Bedeutung und Tragweite des § 2007 des Bürgerlichen Gesetzbuchs

10.

Bedeutung und Tragweite des § 2007 des
Bürgerlichen Gesetzbuches.
Von Magistratsassessor Dr. Otto Niese in Berlin.
Girrleitirrrg.
Innerer Grund für die Aufnahme des 8 2007 BGB.
8 i.
Nach der im § 1951 Abs. 2 enthaltenen Vorschrift gelten, falls
ein zu mehreren Erbteilen berufener Erbe den einen Erbteil ange-
nommen oder ausgeschlagen hat, auch die anderen Erbteile als an-
genommen oder ausgeschlagen, sofern die Berufung auf demselben
Grunde beruht. Dieser Grundsatz hätte zu großen Härten für den-
jenigen Erben führen können, dem nach dem Verluste der beschränkten
Haftung bezüglich eines Erbteils ein weiterer Erbteil auf Grund des-
selben Berufungsgruudes anfiel; denn nach der theoretischen Konstruktion
des Gesetzbuches, wie sie aus den in den §§ 1953, 2344 und 2346
aufgestellten Fiktionen zu entnehmen ist, würden an sich die beiden
Erbteile eine Einheit gebildet haben, für welche in ganzer Höhe die
unbeschränkte Haftung des Erben eingetreten sein würde.
Sache des Gesetzgebers war es daher, aus Gründen der Billigkeit
den Erben gegen die ihn aus der Erstreckung der Annahme möglicher-
weise treffenden Nachteile anderweitig zu schützen. Aus diesem Grunde
wurde der § 2007 ausgenommen F) er bestimmt:
Ist ein Erbe zu mehreren Erbteilen berufen, so bestimmt
sich seine Haftung für die Nachlaßverbindlichkeiten in Ansehung
eines jeden Erbteils so, wie wenn die Erbteile verschiedenen

2) Motive S. 678.

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