Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 30 (1907))

Zwölf Studien aus dem bürgerlichen Gesetzbuch. 165
Anschauung von der unbedingten Haftung des Verkäufers einer fremden
Sache sich auch bei ihm nicht durchgerungen habe. Das ist nicht richtig.
Ich will auf die unzähligen Stellen in den Urkunden, wo davon die
Rede ist, daß die verkaufte Sache in der Gewalt des Käufers sein soll,
„nach Eigentumsrecht zu tun und zu machen, was er will", kein Gewicht
legen. Solche Stellen haben regelrecht nur den Sinn, daß der
Erwerber nicht durch den Verkäufer in irgend einer Weise daran gehindert
werden soll, und in dieser Art finden wir die Redewendung von den
ursprünglichen Zeiten des germanischen Rechts bis später. Ich erwähne
aus meinen Veroneser Urkunden nur beispielsweise folgende Stelle:
Veroneser Urkunde vorn 7. September 1114:2)
Que autem suprascripta pecia de terra cum olivi in eodem
loco iuris nostri una cum accessione et ingresso seu cum superiore
et inferiore, qualiter supra legitur, in integrum ab ac di(e) tibi
Gaudio presbytero pro suprascripto precio vendimus tradimus et
mancipamus, nulli alii vendita donata alienata obnoxiata vel tradita
nisi tibi; et faciaes exinde a presenti die tu et heredes tui aut
cui tu dederis iure proprietario nomine, quicquid volueritis, sine
omni nostra et eredum nostrorum contradictione.
Auf der anderen Seite darf aus dem Umstande, daß der Ver-
käufer sich verpflichtet, im Falle des Angriffs durch einen Dritten den
Käufer zu schützen und zu schirmen und in den Prozeß statt seiner ein-
zutreten, durchaus nichts gegen unfern Grundsatz geschlossen werden;
denn es ist einmal selbstverständlich eine sehr große Erleichterung für
den Käufer, wenn er nicht Schwierigkeiten, Ärgernisse und Unannehm-
lichkeiten eines Prozesses selber zu tragen hat, und andererseits ist es
eine weitere Erleichterung, daß in solchem Falle die Gewährpflicht des
Verkäufers ohne weiteres eintritt, ohne daß man noch genötigt ist, einen
Beweis dafür, daß fremdes Eigentum verkauft ward, zu erbringen.
Aber auch aus dem Umstande, daß, wenn der Käufer den Ge-
währsmann nicht herangezogen hat und infolgedessen entwährt worden
ist, eine Entschädigungspflicht nicht erwuchs, darf nichts gefolgert werden.
Da ursprünglich der Käufer sich nicht selber gewähren konnte, so hatte
der Mangel der Heranziehung des Gewährsmannes ohne weiteres den
Verlust des Prozesses zur Folge; und wenn man auch später die

*) Urkunden aus den Antichi Archivi Veronesi I, S. 22 f.

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