Volltext: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 30 (1907))

11. Zwölf Studien aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch : IX. Der Kauf einer fremden Sache

8.

Zwölf Studien aus dem bürgerlichen Gesetzbuch.
IX. Der Kauf einer fremden Sache.
Von Josef Köhler.

8 i.
Im BGB. ist das von mir seit Jahren aufgestellte Postulat
endlich zur treffenden Ausführung gelangt: daß der Verkäufer nicht
nur, so weit er kann, das Eigentum zu übertragen hat, sondern auch ver-
pflichtet ist, unter allen Umständen das Eigentum zu verschaffen, daß er,
wenn er es nicht verschaffen kann, eben seine Verbindlichkeiten nicht erfüllt
und der andere Teil das Recht hat, alle Hilfsmittel anzuwenden, die
beim zweiseitigen Vertrage gegenüber der nichterfüllenden Partei zustehen.
Es ist ein klägliches Schauspiel, wenn nach römischem Recht der Käufer,
obgleich er nicht Eigentümer geworden ist, mit der empfangenen Sache
zufrieden sein muß, solange nicht der wahre Eigentümer sich meldet und ihm
die Sache abstreitet. Das führt zu völlig unzulässigen Ergebnissen,
die ich bereits früher dargelegt habe: der Käufer muß sich zufrieden
geben, obgleich er nicht Eigentümer der Früchte wird, denn sobald er von
seinem Nicht-Eigentume Kenntnis hat, ist er kein gutgläubiger Besitzer
und der Käufer einer Kuh wird in einen: solchen Falle nicht Eigen-
tümer der Milch und gewinnt immer nur fremde Milch, wenn er die
Kuh melkt. Ebenso ist der Käufer ganz in die Unmöglichkeit gestellt,
die bewegliche Sache zu veräußern, denn jede Veräußerung ist eine Unter-
schlagung und macht ihn sogar strafrechtlich verantwortlich; auch Betrug
kann vorliegen, wenn er nicht dem neuen Käufer haarklein auseinander-
setzt, daß es sich in Wahrheit um eine fremde Sache handelt.
Rabel behauptet in seinem wertvollen und reichhaltigen Werke/)
daß das deutsche Recht ebenfalls dem römischen System folge und die

') Haftung des Verkäufers, S. 194 f.

Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.

powered by Goobi viewer