Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 30 (1907))

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Kurze Anzeigen.

134, vgl. auch S- 534), da bewegt er sich in Unklarheiten, die in dem Ver-
kennen des Haftungsbegriffs, in der unrichtigen Koordinierung der beschränkt
persönlichen Haftung und der Sachhaftung als Gegensatz gegenüber der unbeschränkt
persönlichen Haftung ihren Ausgangspunkt haben, und die ihm auch das Ver-
ständnis für die Ausführungen seiner Gegner, vor allem der Darlegungen
Papvenheims in GZ. Bd- 44 S- 458ff. erschweren. Die ausführliche Be-
antwortung, die letzterer in seinem Seerecht S. 298ff. der Schapsschen Frage
widmet, wie der frühere Reeder Schuldner bleiben könne, wenn doch mit der
Veräußerung des Schiffs der alleinhaftende Teil seines Vermögens aus diesem
ausgeschieden sei, und die zutreffend dahin lautet, daß der alte Reeder-Schuldner
auch nach der Schiffsveräußerung in all denjenigen Beziehungen Schuldner
bleibe, in denen sich an das Vorhandensein oder Richtoorhandensein einer Schuld
rechtliche Folgen knüpfen, dürfte indes wohl auch fürSchaps die Theorie von
der Realobligation des Reeders endgültig beseitigen. Dieselbe Konstruktions-
frage behandelt Schaps auch in der letzten Lieferung, S. 753 f., beschränkt sich
aber hier auf eine Wiedergabe der in der Zwischenzeit geäußerten Meinungen,
ohne seine eigene Anschauung gegen die bis dahin erfolgten Angriffe durch neue
Argumente zu stützen.
Auch sonst begegnen nicht selten Mängel in der Schärfe der rechtlichen
Charakterisierung. Den Anstellungsvertrag des Schiffers, den S. 140 N. 4
richtig als Dienstvertrag bezeichnet, will Schaps unmittelbar darauf und S. 228
N. 1 (zum 8 545) nach den Grundsätzen des Auftrags behandelt wissen, was
angesichts des Inhalts der 88 662 ff. BGB. einen offenbaren Widerspruch enthält.
— Der Aufopferung des Schiffs zu Gunsten der Ladung oder umgekehrt der
Ladung zu Gunsten des Schiffs, wenn diese Handlung durch den Schiffer im
Interesse der Ladungsbeteiligten oder des Reeders vorgenommen wird, deshalb
den Charakter einer Notstandshandlung abzusprechen, weil der Schiffer hierbei
das Opfer kraft eigenen Rechts, auf Grund der ihm zustehenden Souveränität
und diskretionären Gewalt vornehme, wie Schaps dies S. 605 (zum 8 703 N. 5)
tut, dürfte gleichfalls nicht zuzustimmen sein. Auch dann ist die Handlung doch
zu dem Zwecke erfolgt, um von der Sache eines andern (des Ladungsbeteiligten
oder des Reeders) einen Schaden abzuwenden, sind also die Kriterien des 8 228
BGB. gegeben, zu denen nicht gehört, daß der Handelnde als zivilrechtlicher Ver-
treter der von Schaden Bedrohten vorgehe. — Im Widerspruch mit dem Wortlaut
des Gesetzes dem Dolus jede Art Fahrlässigkeit gleichzusetzen, würde sich doch
nur durch eine Begründung, nicht durch bloße Behauptung, wenn auch unter
Benennung von Gewährsmännern, rechtfertigen (so Schaps S. 202 zum 8 531
N. 3). — Diejenigen Personen, die der Reeder dazu ermächtigt, das Konossement
an Stelle des Schiffers auszustellen, 8 642 Abs. 4 HGB., bezeichnet Schaps
als gesetzliche Substituten des Schiffers (S. 495 Anm. 2). Der Ausdruck ist
unrichtig, da es sich hier um rechtsgeschäftliche Vollmachtserteilung, nicht um
ein gesetzliches Vertretungsverhältnis handelt; unrichtig ist auch die aus der
falschen rechtlichen Charakterisierung gezogene Folgerung, daß hier, wie wenn
die Konossementsausstellung durch den Schiffer erfolgte, die beschränkte Haftung

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