Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 30 (1907))

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Ernst Zimmermann.

Wer das Recht aus dem Wechsel geltend machen will, kann dieses
nur, wenn er dazu berechtigt ist. Vor allem muß er im Besitz des
Wechsels sein; ohne das Papier kann auch ein Berechtigter nichts aus-
richten, da der Wechselschuldner nach Art. 39 Satz 1 der Wechsel-
ordnung nur gegen Aushändigung des quittierten Wechsels zu zahlen
verpflichtet ist. Doch die Tatsache des Besitzes des Wechsels genügt
nicht allein. Der Inhaber muß ferner zu dem Besitz des Wechsels
legitimiert sein; denn nur „der legitimierte Besitz des Papieres ist das
Kennzeichen der Gläubigerschaft"?)
Um nun diese Legitimation zum Besitz zu erweisen, ist der In-
haber des Wechsels jedoch nicht verpflichtet, die Rechtsverhältnisse dar-
zulegen, auf Grund deren er von seinem Vormanne den Wechsel er-
halten hat (ob durch Kauf, Schenkung), also seine materielle Legitimation
zu erbringen. Diese Forderung des Nachweises der materiellen Legitimation
würde dem durch das Verkehrsbedürfnis gebotenen abstrakten Wesen des
Wechsels widersprechen. Wie später ausführlich darzutun sein wird,
kommt es beim Wechsel nur auf die Form an, in der er auftritt. „Die
Form ist es, welche legitimiert, sie genügt"?)
Wenn man also den Inhaber aus der Schrift des Wechsels als
Berechtigten erkennen kann, so ist der Nachweis seiner Berechtigung
zum Besitz erbracht.
Bei Untersuchung der Frage, ob ein Indossatar unter den im
Thema genannten Umständen die formelle Legitimation besitzt, bedarf
es zunächst der Erörterung, ob nicht etwa schon die Tatsache, daß es
sich ja um Nachindossamente handelt, an und für sich der formellen
Legitimation des Indossatars zur Wechselklage entgegensteht.
Darüber ist zu bemerken: durch Art. 16 Abs. 2 der Wechsel-,
ordnung ist die Möglichkeit, einen verfallenen und in gehöriger Weise
protestierten Wechsel durch Indossament nach Protesterhebung weiter-
zugeben, ausdrücklich anerkannt. Gleichzeitig werden die Wirkungen
eines solchen nach Protesterhebung erfolgenden Indossaments dahin
festgestellt, daß der Nachindossatar nur die Rechte seines Indossanten
gegen den Akzeptanten, Aussteller und die Vorindossanten erwirbt.

i) Grünhut, Wechselbegebung nach Verfall. Wien 1871. S. 8.
*) Th öl, Handelsrecht. Bd. 2: Wechselrecht. 4. Aust. Leipzig 1878. S. 507.

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