Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 18 (1900))

Vertrag und Uebergabe.

95

ivirbt; z. B. es hat jemand eilt Pferd auf 72 Jahr gemiethet und
benützt nun die Gelegenheit, das Pferd für seinen Freund zu kaufen,
der ihm dazu Auftrag und Vollmacht gegeben. Hier kommt nun aller-
dings sehr in Betracht, ob mit einem solchen Erwerb für de'"Auftrag-
geber nicht ein Verzicht auf das obligatorische Recht enthalten ist;
denn die Fortdauer könnte dent Auftrag widersprechen,- und es muß
doch ilit Zweifel anzunehmen seilt, daß der Beauftragte ein dent Auftrag
entsprechendes Verhältniß herbeiführen will. Ist aber dies nicht der
Fall, dann hat der Miether das Recht, dem Käufer gegenüber, für
den er als Bevollmächtigter Eigenthutn erworben hat, den Miethbesitz
zu wahren; er hat dieses Recht, nachdent er kraft kurzhändiger Tradition
(er ist ja im Besitz der Sache) das Eigenthum für seinen Auftrag-
geber erworben hat.
Daß übrigens der § 986 Abs. 2 auch auf § 936 Abs. 3 ein
Helles Licht wirft, wird sich alsbald (S. 99) ergeben.
8 13.
Nehmen wir alles zusamliten, so können wir kecklich sagen; das
B.G.B. hat nur formell das Traditionssystem, materiell aber das
System des Vertrags angenommen; es hat dies dadurch gethan, daß
es im Fall des Besitzes des Uebertragenden die Besitzübergabe zum
Konstitut oder zur Besitzanweisung vergeistigte und daß es in Er-
mangelung des Besitzes auf die Tradition völlig verzichtete? "Z Bei
der Anweisung und beim bloßen Vertrag (im letzteren Fall) geht das
Eigenthum über, belastet mit den dem Besitzer zustehenden Ansprüchen
auf Aufrechterhaltung des Besitzes, entsprechend dem Prinzip: der
Besitz festigt die obligationsrechtlichen Ansprüche auf Aufrechterhaltuitg
des Besitzes, er macht sie zu Ansprüchen gegen die Rechtsnachfolger.
Damit hat das B.G.B. die Früchte der bisherigen Rechts-
entwickelung gepflückt. Es hat den Fortschritt des französischen Rechts
tmd des Naturrechts übernommen, aber ohne die bestimmungswidrigen
Extravaganzen dieser Rechte. Es hat insbesondere 1. den Unterschied
zwischen dinglichem und obligationsrechtlichem Vertrag ernstlich fest-
gehalten, es hat 2. die richtige Verbindung mit der Besitzlehre gewahrt.

m) Dazu kommt noch der bedingte dingliche Vertrag und seine außer-
ordentliche Wirksamkeit, von der unten (S. 99 f.) die Rede sein wird.

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer