Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 36 (1911))

u

du Ehesne.

miete und der Leihe. Das Sachmietverhältnis ist nach unseren
Ergebnissen unzweifelhaft ein absolutes. Der Mieter, der die
Gewalt über die Sache übertragen erhalten hat, ist in der Lage,
sein Gebrauchsbedürfnis selbst zu befriedigen und bedarf eines
Rechtsbefehls zu seinem Schutze nur, wenn in diese Lage ein-
gegrifsen wird. Daß das Interesse an Erlangung des zur Be-
friedigung dienenden Gegenstandes ebenso unzweifelhaft ein
relatives ist, ändert daran nichts; denn hierin offenbart sich nur
die oben hervorgehobene Tatsache, daß das relative Interesse
häufig zur Herstellung einer absoluten Jnteressenlage dient. Das
Verhältnis ist das gleiche, wie das zwischen dem Kaufvertrag und
dem dadurch erworbenen Eigentume. Da nun insbesondere das
Interesse an Beschaffung eines Obdachs, also ein sehr erhebliches
Lebensinteresse, bei den heutigen Verhältnissen im weitaus über-
wiegenden Maße durch Herstellung eines Mietverhältnisses be-
friedigt wird, so müßte eigentlich dies Mietverhältnis einen ding-
lichen Schutz genießen; nur ein solcher würde seiner Natur und
Bedeutung entsprechen. Dies fällt besonders in die Augen, wenn
man das oben über einige Dienstbarkeiten Gesagte dagegen hält.
Statt dessen gewahren wir, daß die Miete, und zwar nicht nur der
relative Mietvertrag, sondern auch das absolute Mietverhältnis,
unverkennbar obligatorisch konstruiert ist. Dies ist dadurch mög-
lich geworden, daß man das Nichteingreifen des Vermieters in
den Besitz der Mietsache als eine Handlung des Vermieters kon-
struiert hat; der Vermieter „gewährt" den Besitz der Mietsache
während der ganzen Dauer der Mietzeit. Da aber hiermit das
Schutzinteresse des Mieters mindestens gegenüber den anderen
Rechtsgenossen noch immer unbefriedigt bleiben würde, so ist zu
dem relativen Ansprüche noch der Jnterdiktenschutz getreten.
Darin liegt die Abweichung von der rein obligatorischen Kon-
struktion, zu der die Natur des zu schützenden Interesses ge-
zwungen hat; grundsätzlich aber ist die Konstruktion auch jetzt noch
obligatorisch. Dieser vom römischen Recht und aus vergangenen
Kulturverhältnissen übernommenen Konstruktion haben deutsch-
rechtliche Ansätze zu dinglicher Konstruktion (Stockwerkseigentum)
Weichen müssen, sehr zum Schaden des zu schützenden Interesses.
Nur eine Umgestaltung des Mißverhältnisses in ein rein ding-

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer