Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 36 (1911))

10. Durchkonnossemente und große Haverei

8.
Durchkonnossemente und große Haverei.
Von Landgerichtsdirektor Or. Ritter in Hamburg.

Jemand übernimmt die Beförderung von Baumwolle vom
Innern von Texas nach Reval und stellt darüber dem Absender
ein sog. Durchkonnossement aus. Die Baumwolle wird zunächst
mit der Eisenbahn nach Galveston befördert. In Galveston
wird sie vom Dampfer Irak übernommen. Der Dampfer Irak
Zahlt die Eisenbahnfracht und zeichnet ein Konnossement, das als
Frachtbetrag (sog. Ozeanfracht) den Betrag der Eisenbahnfracht
und den der Fracht des Dampfers Irak in einer Summe be-
zeichnet. Der Dampfer Irak bringt die Baumwolle nach
Bremen. In Bremen wird die Baumwolle vom Dampfer
Condor übernommen. Der Condor zahlt die Ozeanfracht, ver-
zichtet für jeden Fall auf Rückerstattung und zeichnet ein Kon-
nossement, das als Frachtbetrag die im Beförderungsvertrage
vereinbarte Fracht, die Gesamtfracht, bezeichnet. Auf der Reise
des Condor von Bremen nach Reval ereignet sich ein Havarie-
grossefall. Streitig ist, ob die Gesamtfracht oder nur die Condor-
fracht die große Haverei trägt. Das Hanseatische OLG. (Entsch.
vom 13. Januar 1911, Bf. I 465/09) hat als seine Ansicht aus-
gesprochen: die Gesamtfracht. Seine Gründe sind:
„Bei Entstehung des Handelsgesetzbuchs waren Güterbeförde-
rungen auf Durchkonnossement, die erst später in weitem Umfang
gebräuchlich geworden sind. Wenig verbreitet und in Deutschland
kaum bekannt. Von ihnen spricht daher das Handelsgesetzbuch
nicht ausdrücklich, wenn es in § 700 den Begriff der großen

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