Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 38 (1913))

Bauwerk und Bauwerkvertrag.

171

a) „Bauwerk" ist vor allem nicht gleichbedeutend mit
„Werk" überhaupt. Das folgt mit zwingender Notwendigkeit
aus § 638 BGB. Hier wird für die Verjährung der „Ansprüche
des Bestellers auf Beseitigung eines Mangels des Werkes"
— nebst gewissen anderen Ansprüchen — eine Frist von sechs
Monaten festgesetzt. Doch soll die Frist „bei Arbeiten an
einem Grundstück" ein Jahr, bei Bauwerken fünf Jahre
betragen Das hätte unmöglich bestimmt werden können, wenn
jedes Werk ein Bauwerk wäre, denn dann hätten die Fristen
von sechs Monaten und einem Jahre neben der von fünf Jah-
ren keinerlei Anwendungsgebiet.
Anderseits folgt aus § 638, daß umgekehrt jedes Bauwerk
ein Werk sei, siehe dazu unten II, 1.
b) „Bauwerk" ist ferner nicht gleichbedeutend mit „Ar-
beiten an einem Grundstück" oder den durch solche Ar-
beiten herzustellenden Werken. Auch das ergibt sich sicher
aus Z 638 BGB. — denn hier wird die Verjährungsfrist von
Ansprüchen aus dem Werkvertrag wiederum verschieden fest-
gesetzt, je nachdem es sich um Arbeiten der genannten Art oder
um Bauwerke handelt. Es muß somit Werke an einem Grund-
stück geben, die nicht Bauwerke sind.
Fraglich kann im Sinne des 8 638 nur sein, ob die beiden
Begriffe im Verhältnis zweier konzentrischer oder zweier sich
schneidender Kreise stehen, anders ausgedrückt, ob der Bau-
werksbegrifs lediglich ein engerer als der des Werkes an einem
Grundstück sei oder nicht. Ich stehe nicht an, die Frage im ersten
Sinn zu beantworten. Das folgt aus dem Verhältnis der Ver-
jährungsfristen: sie sind bei Werken an unbeweglichen Sa-
chen („Arbeiten an Grundstücken") gegenüber sonstigen Werken
um das Doppelte erhöht und erfahren bei Bauwerken eine weitere
fünffache Erhöhung, was doch sinnlos wäre, wenn die Bauwerke
nicht zugleich Werke an Grundstücken darstellten. Was sollte
bei den Bauwerken die Einbeziehung in den Bereich der zweiten
Fristerhöhung, wenn sie als solche noch nicht einmal demjenigen
der ersten angehörten? Zu demselben Ergebnis zwingt uns
auch der Gegensatz der 88 647 und 648. Hier unterscheidet das
Gesetz zwischen dem Unternehmer, der bewegliche Sachen her-
stellt oder ausbessert, und dem Unternehmer eines Bau wer-

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer