Volltext: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 20 (1902))

68

Paul Oertmann.

in der Anordnung und Auswahl des Gebotenen, in den Literaturangaben ist
manches geändert und gebessert. Eine gewisse Ungleichmäßigkeit der letzteren ist
mir allerdings auch diesmal ausgefallen. Grundlegende Aenderungen im mate-
riellen Inhalte weist die Bearbeitung nur im zweiten Bande auf. Ich werde auf
das Werk, das in der neuen Gestalt an Werth nicht unerheblich gewonnen hat
und unter den Systemen des B.G.B. eine hervorragende Stelle einzunehmen
beanspruchen kann (die von Enneccerus bearbeiteten Theile wiesen, wie ich
seinerzeit hervorhob, schon in der ersten Auflage erhebliche Bedeutung auf), nach
seiner Vollendung des Näheren zurückkommen.
Kuhlenbeck's Werk^) ist mit dem dritten, das Familien- und Erb-
recht in gegenüber den anderen Theilen kürzerer Form behandelnden, Bande
vollständig geworden. Dieser ist, wie die früher besprochenen, anregend und
faßlich geschrieben, stellt aber wiederum kein eigentliches Lehrbuch, sondern mehr
eine geistreiche Plauderei über das neue Recht dar. Ein „undogmatischer Nach-
trag" giebt die Vorgeschichte sowie eine Kritik des neuen Gesetzbuchs. Der Ver-
fasser schätzt dessen Bedeutung, unter Hinweis auf ein Wort Bis marck's, nicht
sonderlich hoch ein, man kann ruhig sagen, zu wenig hoch. Seinen Anschau-
ungen über die neuen Aufgaben unserer Wissenschaft stehe ich nicht fern, und
die einigermaßen ungezogene Bemerkung S. 527 gegen meine frühere durchaus
wohlwollende Kritik in Bd. XVII S. 331 prallt an mir um so mehr ab, als
jeder Leser meiner Schriften meine hohe Verehrung für Jhering kennen wird,
wenn ich ihn auch nicht mit Herrn Kuhlenbeck „für den einzigen deutschen
Juristen, der neben v. Savigny verhältnißmäßig über Geist verfügt hat"(!!),
erachten kann.
Von den kürzeren, minder anspruchsvollen Büchern über das Bürgerliche
Recht ist das von Simeon26) in seinem ersten Bande — der zweite wird den
Prozeß und die „Nebengesetze" behandeln — nunmehr vollendet. Zu weiteren
Bemerkungen geben mir die neu erschienenen Lieferungen keinen Anlaß; nur
das soll noch einmal festgestellt werden, daß wir es darin mit einer nach Form
und Inhalt peinlich sorgfältig gehaltenen, leichte Darstellung mit wissenschaft-
licher Vertiefung und Selbständigkeit verbindenden Arbeit zu thun haben, die
nicht nur ihre ursprünglichen bescheidenen Zwecke einer Einführung für die Ge-
richtsbeamten bestens erfüllen wird, sondern darüber hinaus wissenschaftlichen
Werth besitzt.
Aehnliche Vorzüge weist bei einer noch viel knapperen Fassung das schon
früher (XV, 439) empfohlene, bereits in neunter Auflage vorliegende Werkchen
von Altsmann auf; es genügt, auf die nicht unerheblich vermehrte Neu-
bearbeitung dieser m. E. besten unter allen sogen, populären Darstellungen

28) S. die Titelangabe in Bd. XV L>. 441 Nr. 37. Theil 3, Familien- und
Erbrecht. XI u. 572 S. Pr. M. 10.
26) S. die Titelangabe Bd. XV S. 438 Nr. 33. Lieferung 12- -14. Zus.
XVIII u. 1072 S. Pr. M. 14.

Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.

powered by Goobi viewer