Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 20 (1902))

Civilistische Rundschau.

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umfassende Arbeit, ist doch auch die diesmalige kleinere wohlgelungen und im
Verhältniß zu dem knappen Umfange ziemlich reichhaltig, sodaß sie im täglichen
Gebrauche wohlverwendbar erscheint.
Nußbaum^4) macht den seit langer Zeit erstmaligen Versuch einer
systematischen Darstellung der freiwilligen Gerichtsbarkeit. Die knapp ge-
haltene Arbeit ist sehr gründlich, beruht auf einer tüchtigen historischen und all-
gemein wissenschaftlichen Grundlage und wird dem preußischen Praktiker, der
als Leser an erster Stelle gedacht ist, eine willkommene, brauchbare Gabe sein.
Aber auch für die Theorie dieses literarisch vernachlässigten Rechtsgebiets giebt
die Schrift mannigfache Anregungen. Zu erwähnen ist die Definition der strei-
tigen Gerichtsbarkeit, S. 1, als „der Mitwirkung der Staatsgewalt an der
Gestaltung der Privatrechtsverhältnisse", die allerdings nicht gegen alle
Bedenken gefeit ist — auch im Prozesse kommen staatliche Rechtsgestaltungsakte
vor! — aber doch vor manchen anderen Begriffsbestimmungen der freiwilligen
Gerichtsbarkeit den Vorzug verdient. Mit Recht thut Nuß bäum S. 3 selbst
dar, daß die Gebietsabgrenzung zwischen jener und den Materien des Prozesses,
Konkurses und der Zwangsversteigerung in erster Linie aus dem positiven Rechte,
erst subsidiär aus ihrem allgemeinen Begriffe zu geben sei.
Nicht einbezogen ist in die Darstellung wegen feiner „geschichtlich, dogma-
tisch und praktisch" selbständigen Stellung das Grundbuchwesen.
2. Das Konkursrecht weist einen weiteren Fortschritt der im Erscheinen
begriffenen kommentatorischen Arbeiten auf. Zwei derselben, die von
Sarwey-Bossert^°) und von Kleinfeller/o«) liegen nunmehr in Form
von zweiten Halbbänden fertig vor, während Jäger's^) Werk mit der Liefe-
rung 7 bis zum 8 186 gediehen ist. Ueber Werth und Eigenart dieser drei
bedeutenden Kommentare habe ich mich bereits in der vorigen Rundschau XVIII,
413 ausgelassen, und es hieße das dort Gesagte unnütz wiederholen, wenn
ich mich diesmal ausführlicher fassen würde. Ich bin geneigt, dem in jeder Be-
ziehung vortrefflichen Werke Jäger's unter allen Kommentaren wegen seiner
Ausführlichkeit, strengste Wissenschaftlichkeit mit praktischem Takte und großer
Uebersichtlichkeit verbindenden Werke den ersten Platz einzuräuinen. Aber auch
das Buch von Petersen-Kleinfeller weist die genannten Vorzüge fast ebenso
erfreulich auf, nur in der äußeren Technik dürfte es von Jäger zweifellos und
wesentlich übertroffen werden. Die Einbeziehung auch des Anfechtungsrechts
in den erläuterten Rechtsstoff ist ein besonderer Vorzug von Peterfen-Klein-
feller's Arbeit.
104) Dr. U. Nußbaum, Die freiwillige Gerichtsbarkeit im Reiche und in
Preußen. Berlin, Guttentag 1900. VIII u. 264 S. Kart. Pr. M. 2,20.
105) S. die Titelangabe Bd. XVIII S. 413 Nr. 139. Theil 2. (Schluß.)
1901. Zus. XIX u. 582 S. Pr. zus. M. 16.
106) S. die Titelangabe Bd. XVIII S. 413 Nr. 139 a. Halbband 2.
1901. 846 S. Pr. M. 14.
107) S. die Titelangabe Bd. XVIII S. 413 Nr. 139 a. Lief. 6—7. S. 449
bis 624. Pr. M. 3,50.

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